Tagesarchiv für den 14. April 2012

1:0 – niemals Zweite Liga, niemals!

14. April 2012

Sie haben es ja doch kapiert!

Niemals Zweite Liga, niemals!

Der HSV ist auferstanden, der HSV gewinnt gegen Hannover 96 1:0 und springt dem Abstieg wieder ein kleines Stückchen von der Schippe. Mit der besten Saison-Leistung zieht der HSV erst einmal den Kopf aus der Schlinge und sorgt für einen wunderschönen Tag im Volkspark. Das war eine konzentrierte, disziplinierte und starke Leistung, der HSV ist endlich wieder aufgewacht und hat bewiesen, dass es nun auch der letzte Mann weiß, wie Abstiegskampf geht. Überragend – und Kompliment an alle Verantwortlichem, sie haben diesmal alles richtig gemacht. Diese drei Punkte waren lebensnotwendig, sieht man mal nach Leverkusen und Wolfsburg. . .

Ihr seid jetzt endlich auf dem richtigen Weg! Glückwunsch zu diesem Zwischenfazit.
Und wir sind das Urgestein! Dank an alle Fans, für die wunderbare Stimmung! Wir für euch, ihr für uns. Nur der HSV!

Der Beginn war wie beim 0:4 gegen Hoffenheim. Stürmisch, druckvoll – und nach Sekunden schon eine gute Tormöglichkeit. Heung Min Son wurde am 96-Strafraum gefoult – Freistoß aus 16,5 Metern. Son schreitet zur Vollstreckung. So, wie einige Meter unter Hamburg, nämlich in Madrid, der Kollege Cristiano Ronaldo. Der, der aus der Hüfte schießt. Son schießt auch so. Das heißt, er versucht es. 16,5 Meter, die niedersächsische Mauer bröckelt schon beim Anlauf des HSV-Stürmers auseinander – und dann kommt doch nur ein harmloser Rohrkrepierer aus dem rechten Schuh des Südkoreaners.

Typisch –möchte man sagen. Möchte ich sagen. Aber nur ein wenig später werde ich eines Besseren belehrt. Son kann es ja doch noch! Jawollo!!! Er dribbelt sich gegen Cherundolo von links in den 96-Strafraum hinein, er schüttelt Cherundolo ab und schießt. Die Kugel fliegt durch die Beine der 96-Defensive. Haggui sieht alt aus, Pogatetz geht vergeblich in die Knie, Cherundolo läuft nur noch aus – Ron-Robert Zieler streckt sich vergeblich. Der Ball zischt in die lange Ecke. Ein tolles Tor! Eines, das ich Son schon nicht mehr zugetraut hatte. Er kann es ja doch noch – super. Dieser Treffer war zu diesem Zeitpunkt goldrichtig, und er gab dem Schützen mit einem Male wieder Selbstvertrauen (12.).

Tor, Tor, Tor – für den HSV!

Hannover wirkt schon zu diesem Zeitpunkt irgendwie ausgelaugt. Kein Wunder, es steht hier das 47. Saisonspiel (!) für 96 auf dem Plan, und genau das sieht man – so mancher Hannoveraner läuft wie auf dem Zahnfleisch. Schlaudraff zum Beispiel, der eine große Saison gespielt hat (wie die gesamte 96-Truppe, das muss man einfach anerkennen), läuft so, als würde er jeden Moment zusammenbrechen – das ist saft- und kraftlos.

Was aber die Leistung des HSV nicht schmälern soll, keineswegs. Der HSV ging „geladen“ in diese Partie. Nur ein Beispiel. In der dritten Minute wurde Dennis Aogo links steil geschickt. Er lief Schulter an, der Ball rollte ins Tor-Aus – und Aogo „knöpfte“ sich noch kurz Cherundolo vor und erzählte ihm ein paar Takte. Griffig, griffig, dieser HSV! Auch so etwas gehört zum Abstiegskampf, das ist „psychologische Kriegsführung“.

Noch einmal zurück zum 1:0. Wie toll war denn wohl dieser HSV-Jubel! Die ganze Bank, vor allem die Betreuer, war aufgesprungen – alle stürmten auf das Spielfeld. Und Son lief an allen vorbei, lief auf den letzten Hamburger, der da noch stand, zu – und sprang ihm in die Arme: Gökhan Töre. Leidensgenossen unter sich. Bei beiden Spielern ist es in den letzten Monaten nicht sonderlich gut gelaufen. Ich gebe es zu, ich habe über Son oft genug als „Stolper-König“ nachgedacht. Zu viele misslungene Szenen hatte er dann gehabt, wenn er noch mal gebracht worden ist. Diesmal, diesmal aber kam er für den erkrankten Mladen Petric von Beginn an, macht sein Tor – und spielt großartig. So steht man wieder auf, wenn man am Boden lag – dickes Kompliment. Ich nehme alles mit dem größten Bedauern zurück – na ja, fast alles. Einiges war ja auch berechtigt. Kompliment aber auch an Trainer Fink – er hat ungeachtet aller Kritik stets an Son festgehalten. So mancher Experte hat den Kopf geschüttelt (auch ich), aber Fink blieb eisern – und dem Jungen treu. Es hat sich bezahlt gemacht.

Bitter aber eine andere „Geschichte“. Marcell Jansen hätte Sekunden nach dem 1:0 das 2:0 machen müssen. Ja, müssen! Er kreuzte allein vor Torwart Zieler auf, schoss aus zwölf Meter – genau den Keeper an. Ein 2:0 schon zu diesem Zeitpunkt, und alles wäre wohl schon geritzt gewesen.

Ja, und auch das gehört zum Abstiegskampf. Die Anzeigetafeln verheimlichen die 1:0-Führung des FC Augsburg in Wolfsburg. Erst das 1:1 des VfL wird veröffentlicht.
Der HSV macht Druck, ist besser, hat Chancen. Die beste: 35. Minute, Aogo-Ecke, Kopfball Heiko Westermann, Zieler hält mit viel mit Mühe. Und erst in der 37. Minute gibt es den ersten 96-Schuss auf das HSV-Tor, Schlaudraff aus 22 Metern – Jaroslav Drobny hält mühelos. Auf der Gegenseite „verzaubert“ der HSV den Volkspark: Welch ein Traum-Angriff in der 41. Minute, der Ball rollt direkt über Berg, Son, Aogo – fast das 2:0, aber es gibt nur Eckstoß. Trotz allem gibt es donnernden Applaus für eine solche Einlage, so etwas hat es in Hamburg oder vom HSV schon seit Jahr und Tag nicht mehr gegeben. Das war ja direkt aus dem Lehrbuch auf den Rasen der Arena – wo hat der HSV nur so etwas her?

Halbzeitpause.

In der sagt Stadionsprecher Dirk Dröge: „Der HSV kommt nach dem Seitenwechsel ja immer ein wenig verschlafen auf den Rasen, aber diesmal wecken wir ihn auf.“ Na ja, dieser Weckruf gelang so gut wie nicht, aber der HSV blieb in den ersten Minuten ohne Gegentor. Obwohl unübersehbar ist, dass Hannover will. 96 kommt entschlossen aus der Kabine, drückt, aber die Hamburger Null steht weiter. Obwohl es teilweise schon wie im Leverkusen-Spiel aussieht – irgendwie bettelt der HSV schon wieder (ein bisschen) um ein Gegentor . . .

Und der Schiedsrichter, der 45 Minuten fast fehlerlos gepfiffen hatte, scheint auch allmählich die Nerven zu verlieren. Was Günter Perl alles sieht und übersieht – unfassbar. In der 58. Minute zum Beispiel: Perl sieht als einziger im Stadion, dass Drobny noch an einem Pander-Freistoß dran ist. 57 000 Zuschauer haben es nicht gesehen – es ist zum Verzweifeln mit diesem Schiedsrichter! Und immer wieder ermahnt er David Jarolim (der, das gebe ich zu, auch immer wieder reklamiert – aber ja auch nicht ohne Grund!), das ist fast schon „Psycho-Terrror“! Der soll pfeifen, und keine Spieler einschüchtern.

Sensationell, wie Perl in der 87. Minute „übersah“, dass Pogatetz gegen Bruma brutal durchzog. Da kam sie wieder, die lässige Handbewegung des Mannes aus München, des arroganten Pfeifenmannes. Er bedeutete mit einer lässigen Handbewegung, dass Bruma ganz einfach aufzustehen hätte. Dabei hätte Perl diese Szene abpfeifen müssen! Aber er kann es ganz einfach nicht.
Und dann vier Minuten Nachspielzeit! Vier Minuten! Wo hatte er die denn hergeholt? Dieser Mann ist der reine Wahnsinn.

Aber es blieb beim 1:0. Es blieb beim 1:0-Sieg. Danke, Herr Perl! Und auf Wiedersehen in der nächsten Saison. In Liga eins. Wenn Sie denn drinbleiben.

Die Einzel:

Jaroslav Drobny hatte nicht viel zu tun, das, was auf seinen Kasten kam, hielt er souverän.

Jeffrey Bruma zuverlässig, stabil, stand jederzeit sicher. Diese Leistung war erneut okay.

Michael Mancienne starke Partie, er beißt sich in dieses Team, wird immer besser.

Heiko Westermann war der überragende Mann. Konzentriert, immer hundertprozentig bei der Sache – ein Fels in der Brandung. Note eins!

Dennis Aogo großartig. Er marschiert mit seinen 25 Jahren wie ein Alter vorweg, das ist klasse, das ist top, das ist vorbildlich. Dickes Kompliment, Herr Nationalspieler!

Tomas Rincon war wieder ganz der Alte. Eine Halbzeit ohne Aussetzer, dann solide weiter, eine absolute Kampfmaschine.

David Jarolim ganz starke Partie vom „Altmeister“, der lange Zeit wieder vor Gelb-Rot stand. „Jaro“ erkämpfte wieder an die 100 Bälle (gefühlt), er hielt dagegen, ordnete im Mittelfeld – einfach nur gut, dieser Dauerläufer.

Ivo Ilicevic endlich einmal wieder ein Lebenszeichen von ihm, die beste Leistung in diesem Jahr von ihm.

Marcell Jansen begann stark, immer wieder rollte der HSV über links nach vorne, später ließ er etwas nach.

Heung Min Son das beste Spiel seit Jahren von ihm, einfach nur großartig. Als er in der 90. Minute ging, standen alle Fans (aus Hamburg) auf und applaudierten.

Marcus Berg gab viel, gab alles, spielte gut, aber er könnte noch mehr. Weil er es ja schon gezeigt hat. Wie Thorsten Fink sagen würde.

Jacopo Sala kam und fügte sich nicht gut ein. Ganz klar, er machte in der kurzen Zeit einige Dinge falsch. Jugendlicher Übereifer?

17.29 Uhr