Tagesarchiv für den 13. April 2012

Gemeinsam sind wir stark!

13. April 2012

Das kann ja noch heiter werden! Dem HSV droht der Ausfall von Mladen Petric. Der Kroate hat sich einen grippalen Infekt eingefangen, schon am Mittwoch, beim Spiel in Sinsheim, steckte ihm dieser in den Knochen – heute konnte Petric nicht trainieren. Es darf gezittert werden. Und sicher werden sich jene Fans freuen, die auf Petric schon länger verzichtet hätten, aber es dürfen und werden auch jene traurig sein, die nun ein Stück weit die Qualität aus der HSV-Offensive vermissen werden. Letzterer Sorte von HSV-Anhängern gehöre ich an. Auch deshalb, weil ich keine adäquaten Ersatz für Petric sehe. Und weil Trainer Thorsten Fink einen eventuellen Ausfall von Petric wohl mit der Aufstellung von Heung Min Son kompensieren wird. Ich wäre für eine etwas andere, wahrscheinlich zu überraschende Alternative: Gökhan Töre. Der Junge wagt etwas, er kann dribbeln, er kann sprinten, er kann nicht nur die eigene Mannschaft in Angst und Schrecken versetzen, wenn er die Alleingänge und Dribblings nicht übertreibt, er kann auch den Gegner in Schutt und Asche spielen. Alles das natürlich nur, wenn Töre bei Laune ist – ganz klar.

Ich habe ja heute für das Hamburger Abendblatt mit dem früheren „Großspielkämpfer“ Horst Heese über den HSV gesprochen. Stichwort Abstiegskampf. Heese, der schon seit Jahrzehnten in Belgien wohnt und lebt, sagte mir über Töre wörtlich: „Sie sollen den bekloppten Türken doch mal von der Leine lassen, lasst ihn rumrennen wie er will, bindet ihn in keine Aufgaben, bindet ihn nicht irgendwie fest – und er wird, so schätze ich den ein, sein Ding machen. Ich bin ein Fan von Töre, der hat so viele geniale Dinger drauf, er könnte den Kollegen durchaus das eine oder andere Ding auflegen.“ Aber so, wie es Horst Heese beschreibt, so bliebe für Töre nur die Position der Spitze in diesem HSV-Team. Weil es da am wenigstens auffällt, wenn er nicht mit nach hinten arbeitet. Und er arbeitet nach hinten eben so gut wie nie mit, jedenfalls nie hundertprozentig. Deswegen steht er bei Thorsten Fink ja nicht unbedingt in der ersten Reihe, wenn es darum geht, die Startformation zu finden.

Ja, im Fußball gleicht sie eben doch fast alles immer aus. Beim HSV ist Petric fraglich, es fehlt ohnehin Paolo Guerrero, und bei Hannover 96 fallen auch die beiden besten Stürmer aus: Diouf und Abdellaoue sind verletzt. Das stimmt mich ein wenig optimistischer, obwohl bei Hannover inzwischen auch die zweite und dritte Garnitur so gut ist, dass sie gegen den Hamburger HSV bestens bestehen können. Das ist die Realität 2012. Und pessimistischer stimmt mich bezüglich dieser Partie, dass erstens die Bilanz ganz erschütternd ist (in den letzten 18 Spielen zwei Hamburger Siege!). Und weil ein weiterer Schiedsrichter, der ganz sicher kein „Freund“ von mir ist, diese Partie pfeifen wird: Günter Perl. Nach Markus Winkenbach also noch Spitzenmann . . . Aber so ist es eben, wenn man unten steht. Leute wie Kircher, Meyer, Stark, Kinhöfer und Co – die pfeifen oben. Die pfeifen die Bundesliga-Elite, und zu der gehört der HSV schon lange, lange nicht mehr!

Obwohl immer wieder der Versuch unternommen wurde – und wird, die ganz prekäre Lage zu verharmlosen. Von wegen Qualität in der Truppe. Das ist inzwischen, wo nur noch vier Spiele auf dem Programm 2011/12 stehen, wohl eindrucksvoll widerlegt worden. Qualität ist nicht vorhanden. Und mich ärgert es unglaublich, wie sehr alles verharmlost wird. Auf der einen Seite heißt es von offizielle Seite immer wieder, dass man im Abstiegskampf keine fußballerischen Leckerbissen erwarten darf. Das stimmt ja auch. Auf der anderen Seite aber geben sich alle, Trainer, Sportchef und alle die Verantwortung tragen, mit dem, was in den Spielen gegen Kaiserslautern und Leverkusen, vollauf zufrieden. Sie alle loben unisono: „In diesen beiden Spielen stimmte die Einstellung, der Einsatz, die Kampfbereitschaft, die Laufbereitschaft.“ Aber war das tatsächlich so? Ich meine nein!

Ich habe das nach dem Leverkusen-Spiel auch geschrieben. Ist ja nachzulesen: Der HSV kämpft nicht Abstiegskampf, er spielt Abstiegskampf. Und alle, wirklich alle Experten, die beim HSV nicht in der Verantwortung stehen, sehen das ebenso! Genau so ist es – sagen sie. Und da kann man nehmen wen man will, sie alle erklären, dass da immer noch eine Schippe an Kampfeslust und –Bereitschaft fehlt. Um noch einmal auf Horst Heese, der sich in Belgien bei Sky die HSV-Spiele ansieht, zurück zu kommen. Er sagte mir: „Es wird nicht viel gelaufen beim HSV, aber es wird auch nicht wenig gelaufen. Trotz allem habe ich immer den Eindruck, dass jeder in dieser Mannschaft nur für sich allein läuft, da denkt kaum einer an den Nebenmann, irgendwie passt das alles nicht so richtig zusammen.“ Und das sagt nicht nur Horst Heese, das sagen auch andere HSV-Größen. Viel allerdings auch nur mit vorgehaltener Hand: „Schreibe auf keinen Fall meinen Namen, sonst ist hier die Hölle los . . .“
Und ich kann mich im Volkspark nicht mehr sehenlassen. So müsste dieser Satz (hinter der vorgehaltenen Hand) eigentlich weitergehen.

Aber egal. Es ist so, wie es ist. Und es ist dramatisch. Es wird auch dramatisch bleiben. Obwohl ein Heimsieg gegen die Niedersachsen schon eine unglaublich befreiende Wirkung haben könnte. Aber dazu muss die Mannschaft erst einmal richtig erkannt haben, um was es in dieser Situation geht – und was zu tun ist.

Der Sportchef hat heute gesagt, dass die Mannschaft es weiß. Weil seit der Hoffenheim-Pleite viele Gespräche geführt wurden. Frank Arnesen sagt: „Natürlich waren wir am Mittwoch alle sehr enttäuscht, das war ganz hart – aber wir haben in den Spiel zuvor ja gezeigt, dass wir Abstiegskampf können. Da standen wir ja gut in der Defensive, da waren wir kämpferisch ganz stark, da haben wir diszipliniert gespielt.“ Um daran wieder anknüpfen zu können, wurde von den Offiziellen „ganz ruhig konstruktive Kritik“ (so Arnesen) geäußert. Der Däne sagt: „Es bringt jetzt nichts, wenn wir sagen, dass alles Mist ist. Das motiviert keinen Spieler. Wir müssen jeden daran erinnern, dass sie es alle mal gekonnt haben, und das müssen sie nun wieder abrufen.“

Es muss nun alles gemeinsam versucht werden, um den Super-Gau abzuwenden. Der „Dino“ muss gerettet werden, und Frank Arnesen sagt: „Es sind dabei alle gefragt, die Spieler, die Trainer, der Vorstand und die Fans. Wobei ich die Fans sehr, sehr positiv sehe, sie leisten eine unglaubliche Unterstützung für uns. Wir wollen doch alle, dass der HSV die Bundesliga erhält, und dafür brauchen wir alle – wir müssen zusammenhalten. Die Spieler müssen etwas geben, damit die Fans es sehen, dass sie alles versuchen. Es ist fünf Minuten vor Zwölf, wir haben noch vier Endspiele – wir müssen alle alles geben.“

Gemeinsam sind wir stark!

Ich selbst habe auch schon oft genug die Fans gelobt. Besonders und ganz speziell die Mädchen und Jungs im Norden und Nord-Westen. Was dort für Stimmung gemacht wird, das ist sensationell. Dennoch muss ich noch einmal an das Spiel in Wolfsburg erinnern. Da foulte der VfL viel mehr als der HSV, das Verhältnis war in etwas 28:18. Aber die VfL-Fans pfiffen bei jedem Pfiff des Schiedsrichters gegen Wolfsburg. Dann kochte die Volksseele. Und in Hamburg? Da kann es einen Elfmeter nach dem anderen geben im Volkspark, bevor aber gepfiffen wird, wird eher noch geklatscht. Heimvorteil? Denkste! Da sitzt dann doch eher ein Opern-Publikum auf den teureren Plätzen . . .

Ach, zum Schluss muss ich doch noch einmal auf Frank Arnesen zurückkommen. Er wurde von einem netten Fernsehmann gefragt, ob er auch Fehler gemacht hätte? Der Däne: „Man macht doch jeden Tag Fehler. Und man analysiert täglich seine eigene Arbeit. Aber im Moment ist es nicht der richtige Zeitpunkt, um eine gesamte Analyse zu machen, denn wir haben noch vier Spiele. Da sind andere Sachen dringender gefragt.“

Auf die Nachfrage, ob er (Arnesen) am HSV zweifelt, sagte der Sportchef: „Nein, ich zweifle nicht am HSV. Aber ich probiere auch immer zu gucken, was wir gut und was wir schlecht getan haben. Und ich habe viele sehr gute Spiele des HSV gesehen, aber leider habe ich auch viele schlechte Spiele des HSV gesehen. Wir haben Punkte geholt, wo wir nicht gut waren, wir haben Spiele verloren, wo wir gut waren. Und darum – HSV ist für mich gut. Kein Problem.“

Frank Arnesen wurde auch noch zur aktuellen Lage in Köln befragt – zur Trainerentlassung von Stale Solbakken. Der Däne bedauerte die Trennung sehr, sagte aber bezogen auf den HSV: „Für uns geht es weiter, Thorsten ist da, wir haben sehr gut zusammengearbeitet, da bleiben wir auch bis zum Ende der Saison zusammen.“

Nur bis zum Ende der Saison? Ich denke, dass Frank Arnesen damit gemeint hat, dass es bis zum Ende der Saison auf keinen Fall eine Entlassung des HSV-Trainers geben wird. Und dass dann zur neuen Saison gemeinsam, Arnesen und Fink, die Ärmel aufgekrempelt werden, um eine bessere, eine viel bessere Saison zu spielen. In 2012/13. Der Grundstein dazu, der kann an diesem Sonnabend gelegt werden. Im Heimspiel gegen Hannover 96 (15.30 Uhr) – mit einem Heimsieg, mit dem dritten Heimsieg dieser Spielzeit.

So wird der HSV spielen:
Drobny; Bruma, Mancienne, Westermann, Aogo; Rincon, Jarolim; Ilicevic, Jansen; Son – Berg.

Ganz zum Schluss noch eine Mail, die ich heute von einem besorgten HSV-Fan bekommen habe. Ihr seid nicht allein.

Moin Dieter,

zuerst muss ich mal sagen dass ich deinen Blog sehr schätze, und wenn ich mal ein, zwei Tage vor einem Spiel Details (Verletzungen, Aufstellung, usw.) haben möchte, ist dein Blog eigentlich immer der beste Ort dies zu erfahren. Jetzt wollte ich dir mal meine Theorie (die besonders letztes Spiel bestätigt) schildern, wie und warum der HSV hin und wieder einen ‘auf die Mütze’ kriegt:

Dazu sind erst einmal Spielinformationen nötig:

Ecken 3:8
Torschüsse 11:11
Ballbesitz 39,7 : 60,3%
Zweikämpfe 53,4 : 46,6%
Tracking 124,7 : 113,9 km
Ergebnis: 4:0

Wie man anhand dieser Infos sieht, war der HSV häufiger im Ballbesitz, und hat auch mehr Ecken gehabt. Wenn man das Ergebnis nicht wissen würde, könnte man von einem ganz passablen Spiel ausgehen. Jetzt sagen viele, Abstiegskampf, wir müssen den Gegner in den Boden laufen, nur so besteht man. Aber wenn man 60% Ballbesitz hat, dann muss der Gegner ja dem Ball hinterherlaufen, weil man den Ball laufen lässt. Daher ist es in meinen Augen gar nicht das Problem das wir in diesem Spiel 11 Kilometer weniger gelaufen sind, denn Spanien oder Barcelona läuft auch weniger, (ist ja ganz normal mit mehr Ballbesitz). Klar ist der HSV im Moment nicht im Stande einen Gegner an die Wand zu spielen, wie Barcelona, aber Ballbesitz kann man immer ausnutzen, und deswegen hier kommt ganz einfach das Problem! Das Problem liegt in unserer Spielformation, unserem Spielsystem. Der HSV spielt ja seit längeren ein 4-2-2-2, bzw. manchmal mit einer echten Spitze (das ist jetzt aber nicht wichtig). Wichtig ist, das man mit zwei dynamischen offensiven Flügeln spielt. So ein System ist aber nur effektiv, wenn man mit Tempo (idealerweise Überzahlsituation im Tempogegenzug) den Gegner schnell ausspielt. Das passiert viel zu selten, stattdessen kommt man nach vorne, und lässt die Außenverteidiger auch noch nach vorne ziehen, um neue Anspielstationen versuchen zu erschaffen. Und wenn man sich unsere Gegentore anschaut, sind es entweder solche Situationen oder eben Standardsituationen, die zu Gegentoren führt.

Es ist ja schön und gut zu sagen, wir müssen mehr kämpfen, aber in meinen Augen will kein Fußballprofi Spiele verlieren. Profifußball ist ein Leistungssport, und jeder Fußballprofi will gewinnen, sonst wäre er nie Profi geworden. D. h. sollte man ganz einfach mal die anderen Aspekte des Spiels verbessern. Wie kann ich Ballbesitz benutzen, wie kann ich weniger Risiko bei Offensivaktionen kreieren? Das hört sich jetzt vielleicht naiv an, aber ganz einfach, man brauch ein kreatives Element, einen zentral/zentraloffensiven Spieler, der die Bälle annehmen kann, und diese dann wieder verteilt. Und ja, sogar der HSV hat diese Spieler! Töre, Skjelbred, Kacar (wenn man sich die Hertha Zeiten anschaut), sogar Arslan, alle können in meinen Augen offensiver und kreativ spielen. Da gibt es viele taktische Möglichkeiten wie man dies ermöglichen kann. Man könnte mit einem echten Staubsauger (absolut Rincon), und davor zwei weiteren eher zentraldefensiven Spielern (Jarolim halbrechts, Jansen halblinks), die sich je nach Bedarf nach vorne einschalten, spielen. Wie gesagt, für mich sind die Zahlen nur ein Indiz von vielen das wir tatsächlich im System ein Fehler haben. Schlechte Spielerleistungen können ein Spiel entscheiden, aber nicht eine ganze Saison. Gladbach hat diese Saison nicht unheimlich viel bessere Einzelspieler, das System funktioniert einfach! Und da muss ich dem Herrn Fink ein Kompliment machen, der hat kein Problem mal Spieler rein und raus zu nehmen, jedoch ich würde jetzt mal überlegen das grundlegend das System zu ändern!

Meinetwegen können wir ein 6-4-0 spielen, damit nur noch Unentschieden spielen, das würde wohl auch reichen zum nicht Abstieg! Aber bitte keine blöden Kontergegentore mehr, wir sind nicht Barcelona!

In dem Sinne, NUR DER HSV (egal welche Liga, egal wie viele Gegentore)!! Auch wenn jeder weiß, dass wir wirklich unabsteigbar sind!!

LG, KO

20.23 Uhr

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