Tagesarchiv für den 11. April 2012

So geht der HSV in die Zweite Liga!

11. April 2012

Es geht weiter bergab. Und zwar ganz steil! Der HSV konnte nicht nur die drei Vorlagen des Vortages, die es von Köln, Hertha und Augsburg gegeben hatte, nicht nutzen, im Gegenteil. In Sinsheim gab es gegen Hoffenheim eine ganz bittere 0:4-Klatsche, die sicher jedem Hamburger aufs Gemüt schlagen wird. Diese Pleite wird Spuren hinterlassen, ganz klar. Auch bei den Spielern, natürlich auch bei den Verantwortlichen – und bei den Fans. So spielt ein Absteiger! Ganz klar, ganz deutlich, ganz schonungslos.

Dieser HSV muss im Jahr seines 125. Geburtstages das Schlimmste befürchten, denn die Art und Weise, wie sich dieses Debakel eingefangen wurde, das spricht Bände. In dieser Truppe wurtschtelt einer still neben dem anderen her, da gibt es keinen, der die Mannschaft auffordert, sich zusammenzureißen, da gibt es keinen Mann, der lautstark motiviert und mitreißt – da gehen alle brav miteinander unter. So geht Abstiegskampf jedenfalls nicht! So geht es sehenden Auges in die Zweite Liga. Das war grausam, HSV, das war erschütternd und unterstes Niveau. In der Schlussphase erinnerte dieser miese Kick an ein Testspiel auf dem Dorf. So kann sich jeder schon mal dran gewöhnen . . .

Diese Überraschung, das gebe ich zu, hatte ich nicht drauf. Die Variante mit Tolgay Arslan und Marcus Berg hätte ich nicht gewagt zu veröffentlichen – aber manchmal spielt das Leben eben so. Trainer Thorsten Fink verzichtete auf Malden Petric – sehr, sehr mutig. Hatte der Kroate doch gerade erst seine Ladehemmungen beendet, indem er einen Elfmeter gegen Leverkusen verwandelt hatte. Und Berg war nach dem 1:1 gegen Bayer leicht angeschlagen, war er doch während des Spiels umgeknickt. Für Arslan natürlich eine tolle Geschichte, denn er feierte nach seinem Freiburg-Fauxpas nun in Sinsheim quasi seine „Wiederauferstehung“. Personell gab es dazu noch eine (erwartete) Änderung im HSV-Team, für den gesperrten Dennis Aogo kam Jacopo Sala neu in die Mannschaft – Marcell Jansen rückte zurück auf die Linksverteidiger-Position. Sala für Töre also. Weil Sala defensiv besser kann, da neigt der Deutsch-Türke doch eher mal zu Nachlässigkeiten. Und das kann sich im Abstiegskampf kein Team erlauben

Mladen Petric, so hat es Fink noch vor dem Abflug in den Süden angekündigt, wird dann auf jeden Fall am Sonnabend, im Heimspiel gegen Hannover 96, wieder in der Startelf stehen. Und noch eines muss erwähnt werden: Thorsten Fink war noch einmal mutig: Spielt Tomas Rincon auf der Sechs, dann ist das die defensivere Variante, spielt Gojko Kacar auf der Sechs (neben David Jarolim), dann ist das die offensivere Variante. Also: gegen Hoffenheim wurde offensiver gespielt. Schon mutig.

Und in den ersten zehn Minuten sah das auch noch ganz gut aus. Der HSV spielte wie eine Heimmannschaft, presste, machte Druck, ging auf jeden Ball, egal wo er war. Zehn Minuten, da schien der HSV heiß wie Frittenfett. Und er hätte sogar 1:0 führen können, denn nach Sekunden hatte Sala das Führungstor auf dem Fuß, scheiterte aber am früheren HSV-Torhüter Starke.

Danach ließ aber nicht etwa der HSV nach, dann hatte sich Hoffenheim auf die aggressive Spielweise der Hamburger eingestellt – und fightete mit, fightete zurück. Und das schien dem HSV so gar nicht zu behagen. Der Druck ließ nach, das Nachrücken ließ nach, es gab keine Ideen mehr, auch keine Einzelaktionen.

Und dann kam es, wie es kommen musste – das 0:1. Eckstoß für Hoffenheim, den bekam Sala zwar auf den Kopf, aber er beförderte ihn lediglich als Aufsetzer nach „vorne“. Hoffenheim setzte nach, David Jarolim kam gegen TSG-Abwehrspieler Vestergaard zu spät, ein wuchtiger Drehschuss aus 14 Metern, der noch mit dem Kopf von Jeffrey Bruma abgefälscht wurde – Jaroslav Drobny war chancenlos (17.). Der Anfang vom Ende. Von diesem Zeitpunkt ging es bergab. Irgendwie wirkte das alles total unsortiert, das war wie ein Hühnerhaufen. Und dau passte das 0:2. Heiko Westermann verstolperte den Ball im eigenen Strafraum, Schipplock lief hinzu – und stürzte bereitwillig über den ausgestreckten Fuß des HSV-Kapitäns. Dankbar angenommen, nennt man so etwas – in meinen Augen war das, das sage ich deutlich, kein Elfmeter. Aber der Schiedsrichter Markus Wingenbach, der dem HSV schon einmal unangenehm aufgefallen war, legte sich fest – Strafstoß. Salihovic nutzte diese Chance eiskalt und gekonnt (25.).

In der Halbzeitpause ging Drobny auf den Unparteiischen zu – und erklärte ihm einmal ganz kurz den Elfmeter – es gab Gelb für den schimpfenden Keeper, der auf dem Weg in die Kabine war.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs kamen Petric und Gökhan Töre (für Arslan, der angeschlagen war, und für Sala, der sich einige Fehlpässe zu viel leistete). Und fast wäre dem HSV das sofortige Anschlusstor geglückt: Freistoß Töre, Kacar köpfte den Ball an die Torlatte, den Abpraller wollte Westermann einköpfen – aber es kam das lange und hohe Bein von Firmino. Das war ein Elfmeter, auf jeden Fall eher als der auf der Gegenseite zuvor. Aber die Pfeife schwieg . . . Bitter, wenn in einem so wichtigen Spiel für den HSV ausgerechnet einer der schwächsten Unparteiischen der Liga angesetzt werden.

Aber, um das klar zu sagen: Der HSV war absolut genau so schlecht wie Wingenbach. Oder noch schlechter. Vor dem 0:3 rutschte Bruma hinten rechts weg, dann umkurvte der Torschütze Johnson mit Kacar und Mancienne zwei Hamburger Fahnenstangen im Strafraum – Tor (51.). Hoffenheim ist eben nicht nur ein unangenehmes Pflaster für den HSV, die TSG ist irgendwie auch ein Angstgegner. Obwohl man sich einen solchen im Abstiegskampf eigentlich gar nicht leisten darf . . . Spätestens mit diesem dritten Tor war die Partie gelaufen.

Die Einzelkritik erspare ich mir diesmal. Wenn ich einen nennen müsste, der mir positiv aufgefallen ist, dann wäre es noch Michael Mancienne, der wenigstens zu Beginn hellwach war. Und ein Tscheche hat auch wieder einige Bälle mehr als andere Kollegen geholt – obwohl es auch nichts gebracht hat. Aber das war es dann auch schon mit positiven Aspekten. Es gab und gibt in diesem Team einfach zu viele Versager. Und irgendwie trat die gesamte Truppe im zweiten Durchgang wie eine Schüler-Mannschaft auf. Da ist nicht mehr viel drin, der HSV ist auf. Wo soll das noch enden? Dazu passend das 4:0. Kacar (wurde in der 70. Minute „erlöst“, für ihn kam Rincon) verdaddelte die Kugel am eigenen Strafraum, Schipplock nutzte das verspätete Ostergeschenk mit einem Linksschuss in die kurze Ecke (59.). Nicht ganz unhaltbar für meine Begriffe, aber was soll es? An diesem Tor hat es schon nicht mehr gelegen. „Wir sind die Schießbude der Nation“, hatte am Vortag noch Kölns Torwart Rensing geklagt – der HSV bietet sich in dieser Beziehung jetzt auch an. Mal sehen, wie das gegen Hannover 96 ausgeht

Ganz Hamburg muss sich jetzt warm anziehen, es kommen harte, schwere Zeiten auf die Raute zu.

Jetzt hilft nur noch beten.

Fangt schon am Sonnabend damit an, wenn Hannover 96 in den Volkspark kommt. Und dann geht es nach Nürnberg (die Schalke verhauen haben!), dann kommt Mainz 05 (haben die die Kölner nicht gerade vorgeführt?) – dann geht es nach Augsburg.

Gute Nacht.

PS: In wenigen Minuten beginnt “Matz ab live”, diesmal mit den Gästen Bastian Reinhardt (ehemals HSV-Profi) und mit Manfred Lorenz, Trainer des FC Sylt.

21.48 Uhr