Tagesarchiv für den 10. April 2012

Fink vertraut seinem Bauchgefühl

10. April 2012

Ausgerechnet er. Ausgerechnet! Da lag er am Boden und ließ sich pflegen. Der Tscheche. Nicht Jaroslav Drobny, sondern der andere Tscheche. Jener Tscheche, über den ich am besten, so unser „Eiche“ eine Woche lang nichts mehr schreiben sollte, weil sonst der Blog explodieren würde. Aber ich kann es doch auch nicht verheimlichen. Da lag tatsächlich David Jarolim am Boden. Und zwar für längere Zeit. Der Mittelfeldrenner war nach einem Zweikampf mit Jacopo Sala in den Rasen gefallen und wälzte sich dort vor Schmerzen herum. Es durfte gebangt werden. Nach einigen Minuten stand „Jaro“ dann aber wieder auf, erst humpelte er ein wenig, dann spielte er weiter – aber das Spiel wurde danach auch schnell abgepfiffen. Bei den anschließenden Torschüssen war Jarolim dann nicht mehr zu sehen, er war schnell in der Kabine verschwunden. Es soll sich um einen Pferdekuss handeln. Immerhin aber hat „Jaro“ den Flug in den Süden schon mal ohne Komplikationen überstanden. Oftmals entwickelt sich ein Pferdekuss ja erst später, teilweise auch erst über Nacht – hoffen wir mal, dass das diesmal nicht der Fall sein wird, denn noch einen Ausfall dürfte der HSV wohl nur schwerlich verkraften.
Ohnehin dürfte es schon so schwer werden, am Mittwoch mit ersatzgeschwächter Mannschaft drei Punkte aus Hoffenheim zu entführen, denn die TSG 1899 will noch in den internationalen Wettbewerb, hat zurzeit einen guten Lauf und wird sicher alles geben, um diesen fortzusetzen.

Das hat jedenfalls ein ehemaliger HSV-Profi, der nun Trainer in Hoffenheim ist, angekündigt: „Wenn wir Gas geben und einen hohen Aufwand betreiben, dann bin ich felsenfest davon überzeugt, dass wir erstmals seit dem 22. Oktober wieder den Platz als Sieger verlassen“, sagt Markus Babbel vor dem Gastspiel des HSV. Innenverteidiger Isaac Vorsah, der beim 3:1-Sieg in Kaiserslautern eine Bauchmuskelzerrung erlitt, wird den Hoffenheimern fehlen, Mittelfeldstratege Sebastian Rudy dagegen kehrt nach abgesessener Gelbsperre wieder zurück.

Drei Heimsiege hat Babbels Truppe in dieser Saison erst eingespielt (die meisten Partien noch unter Trainer Holger Stanislawski), dazu stehen neun Unentschieden und zwei Niederlagen zu Buche. Ähnlich schlecht also wie der HSV, der es nur auf zwei Heimsiege bringt – bislang. Den ersten gab es im Hinspiel, es war der erste Sieg unter der Regie von Thorsten Fink, damals hieß es 2:0. Der HSV hat es also schon einmal bewiesen, dass Hoffenheim durchaus zu schlagen ist.

Es stehen sich in diesem Spiel ja zwei ehemalige Bayern-Kollegen gegenüber: Babbel und Fink. Vor drei Wochen haben die beiden Trainer zuletzt miteinander telefoniert. „Ich habe ihm zum Job in Hoffenheim gratuliert, er hat mir gesagt, dass er heimlicher Hamburg-Fan ist. Der HSV war, als er jugendlich war, sein Traumverein.“, sagt Fink. Babbel war nicht nur in der Jugend HSV-Fan, er war es auch als Profi. Ich habe ihn hier die ganze Zeit erlebt, als er vom FC Bayern an die Elbe ausgeliehen worden war – er wollte nicht wieder zurück, als ihn die Bayern holten. Babbel wollte unter allen Umständen hier bleiben, musste sich dann aber dem Stärkeren beugen – und der hieß damals schon Uli Hoeneß. Letztlich war es aber zum Vorteil von Babbel, denn er wurde ein München Nationalspieler und holten viele Titel mit dem FC Bayern – gemeinsam mit Thorsten Fink.

Zurück zum HSV: Nach der Gelbsperre für Nationalspieler Dennis Aogo und dem verletzungsbedingten Ausfall von dessen vorgesehenen Stellvertreter Slobodan Rajkovic (erlitt im Training am Ostermontag statt des befürchteten Bänderrisses „nur“ eine Innenbandzerrung im linken Knie, fällt aber dennoch zwei Wochen aus) gibt es „hinten links“ ein kleines Problem. Das Marcell Jansen lösen soll, denn auf ihn hat sich Thorsten Fink bereits als Linksverteidiger festgelegt: „Marcell hat bei uns diese Position schon häufiger gespielt, er ist als Linksverteidiger groß geworden und so einst zum FC Bayern geholt worden, er wird seine Aufgabe dort hinten gut machen.“ Fink sagt weiter: „Ich vertraue denjenigen, die jetzt spielen, dafür haben wir ja einen großen Kader – ich schaue positiv auf das nächste Spiel.“ Neu im Kader sind Zhi Gin Lam und Ersatztorwart (neben Sven Neuhaus) Florian Stritzel. Thorsten Fink ging diesmal mit 20 Spielern auf die Reise, und mit von der Partie ist auch der gesperrte Dennis Aogo – als moralische Unterstützung (er kommt allerdings erst am Mittwoch nach).

Da Gojko Kacar seine Gelbsperre abgebrummt hat, steht er auch wieder für das defensive Mittelfeld zur Verfügung. Kacar oder Robert Tesche, der den Trainer gegen Leverkusen nicht enttäuscht hat, sind die Alternativen. Eine weitere wäre Tomas Rincon, der in den letzten 13 Minuten gegen Leverkusen (für Jarolim) spielte und seine Sache dabei gut gemacht hat. Keine Rolle wird (wohl) Per Ciljan Skjelbred spielen, der Norweger klagte nach dem Abschlusstraining über Knieschmerzen. Ob nun Tesche oder Kacar, das ließ Fink unbeantwortet: „Gojko hat vorger gut gespielt, Robert hat gegen Leverkusen gut gespielt, mit Gojko haben wir vorher zweimal auswärts gewonnen, in Köln und in Kaiserslautern, Tomas Rincon ist die etwas defensivere Variante – im Moment sind alle zentralen Mittelfeldspiel
er gleich gut drauf – ich vertraue da meinem Bauchgefühl. Was ist gerechter? Was bringt uns weiter? Wer passt am besten zu Hoffenheim?“

Fest steht dagegen: Ist David Jarolim fit, dann wird er auf jeden Fall die „an eins gesetzte Sechs“ sein. „Wir wollen trotz allem nicht über unsere personelle Situation klagen, wir vertrauen den Spielern, die jetzt kommen, es sind alles gute Spieler – ich habe keine Angst“, bekräftigte Thorsten Fink noch einmal.
Bewundernswert.
Denn die Hamburger Voraussetzungen sind nicht die besten, eindeutig nicht. Der HSV-Coach scheint aber grenzenlos optimistisch zu sein, denn er sagt weiter: „Wir wollen in Hoffenheim punkten, und zuversichtlich bin ich deshalb, weil wir viele Punkte auswärts geholt haben. Von daher müssen wir keine Angst haben. Hoffenheim hat mit dem letzten Sieg in Kaiserslautern die Klasse gehalten, für die wird, so denke ich, nichts mehr passieren – wir aber müssen dort zeigen, dass wir weiter im Abstiegskampf sind, wir müssen das nächste Endspiel wieder annehmen und auch wieder punkten.“

In den vorderen Regionen, also in der Offensive, wird Thorsten Fink auf jeden Fall noch etwas verändern. Da Ivo Ilicevic auf die linke Seite (dort wo Jansen zuletzt spielte) rücken wird, fehlt für rechts ein Mann. Fink hat zwei Alternativen: Gökhan Töre und Jacopo Sala. Ich tippe mal auf Sala. Und vorne geht Fink in die Rotation: Einer von den beiden Stürmern wird eine Pause erhalten. Thorsten Fink sagt: „Ich überlege mir, ob wir im Sturm einen frischen Mann bringen. Da brauchen wir 100 Prozent, in der englischen Woche brauche ich in jedem Spiel 100 Prozent, das Spiel gegen Leverkusen war anstrengend, wir sind viel gelaufen – von daher kann man sich überlegen, mal einen Spieler zu wechseln, um für die nächsten beiden Spiele stets frische Leute zu haben.“ Nach seinem Elfmetertor und seinem guten Spiel gegen Leverkusen tippe ich mal, dass Mladen Petric im Team bleiben – und vielleicht die einzige Spitze sein wird. Thorsten Fink über Marcus Berg: „Er ist leicht angeschlagen, ist umgeknickt – einen von beiden wird es diesmal treffen. Ich möchte einen frischen Mann bringen, der viel laufen kann, der richtig marschieren kann – mal sehen, wen wir draußen lassen. Sicher ist aber auch: Wenn beide fit sind, Petric und Berg, dann werden sie auch am Sonnabend gegen Hannover 96 wieder spielen.“

Ich tippe mal, dass statt Berg diesmal Heung Min Son von Beginn an stürmen wird. An Skjelbred hinter der Spitze Petric glaube ich nicht, eher wird Petric weiter seine Rolle hinter der Spitze ausfallen – und Son wird stürmen. Aber es gibt natürlich auch noch eine ganz andere Variante: Tolgay Arslan zentral hinter der Spitze Petric. Arslan schoss heute das erste Tor im Abschlussspielchen – für die Reserve. Und Petric glich aus zum 1:1 – nach hervorragendem Solo von Sala. Nach diesem Treffer wurde das Spielfeld verkleinert (und gedreht), damit es mehr Ballkontakte und auch mehr Zweikämpfe gibt.

„Wir müssen die Nerven bewahren – und punkten. Mich stimmt aber zuversichtlich, dass wir nach dem Ausgleichstor von Leverkusen wiedergekommen sind. Wir wollten das 2:1 machen, wir wollten gewinnen – das war eine gute Reaktion. Das zeigt mir, dass die Mannschaft gefestigt ist. Jetzt müssen wir nur in Hoffenheim nachlegen“, sagt Thorsten Fink.
Dem kann man sich an dieser Stelle nur anschließen. Macht es ganz einfach!

Wir für euch, ihr für uns.

Nur der HSV!

17.56 Uhr

PS: Morgen (Mittwoch), unmittelbar nach dem Abpfiff der Partie Hoffenheim – HSV, gibt es wieder die kleine Matz-ab-Talkrunde über den HSV, das Spiel und Situation des Klubs sowie der Liga. Gäste sind diesmal der ehemalige HSV-Profi Bastian Reinhardt (Nachwuchs-Chef des HSV) und Victorias Manager Ronald Lotz.
Wie gesagt, nach dem Schlusspfiff in Sinsheim.