Tagesarchiv für den 8. April 2012

1:1 – ein wichtiger Punkt für den HSV

8. April 2012

Nicht verloren! Das ist schon mal gut. Der HSV spielt 1:1 gegen Bayer Leverkusen und atmet einmal mehr tief durch. Noch ist nichts gerettet, aber jedes Spiel, das nicht verloren wird, hilft ganz einfach. Vor dem Spiel wurde im Norden ein riesiges Plakat gezeigt: „Wir haben immer von einem Endspiel geträumt – jetzt haben wir sechs.“ So ist es. Und das erste davon wurde vor 54 141 Zuschauern schon mal nicht verloren. Das ist positiv! Wobei Bayer Leverkusen auch einen eher erschütternden Auftritt hier in Hamburg hinlegte, aber damit muss der Werks-Klub selbst zurechtkommen. Der HSV lebt noch, und das ist das Einzige, was in dieser prekären Situation zählt. Und wenn zum Schluss ein Jaroslav Drobny ganz groß gefeiert wird, dann weiß ein jeder HSV-Fan zu schätzen, was dieser Keeper, der oft genug beschimpft worden ist, zurzeit leistet. Drobny ist eine wahre Nummer eins, an ihm kann sich der HSV in dieser Lage anlehnen. Und hoffentlich geht das auch in den nächsten fünf Spielen so weiter.

Beifall zur Pause, wann hat es das zuletzt im Volkspark gegeben? Der HSV führte 1:0 – und ich weiß nun endlich, warum der HSV über Jahrzehnte der Nobel-Klub von der Rothenbaumchaussee gerufen wurde. Weil der Klub Abstiegskampf spielt. Da wird nicht groß gekämpft, da wird der Gegner niedergespielt.

G e s p i e l t, jawoll!

Ohne groß die Ärmel aufzukrempeln. Muss man ja auch nicht, wenn man einen solchen Gegner wie Bayer Leverkusen vor sich her spielen kann. So harmlos war ja seit Monaten kein HSV-Gegner mehr in der Arena. Das war ja total erschütternd – erste Halbzeit jedenfalls. Als ich das Stadiongelände betrat, fuhr Rudi Völler selbst an seinem Mercer auf den Parkplatz. Wenn er mitgespielt hätte, dann hätte der HSV wahrscheinlich mehr Probleme gehabt. Nun gut, es waren ja noch 45 Minuten zu gehen . . .

Thorsten Fink hatte vor dem Spiel mal wieder in die Trickkiste gegriffen – und mir nichts, dir nichts Robert Tesche aus dem Zylinder geholt. Eigentlich hätte es sich ja für Ostern gehört, dass er uns einen Hasen präsentierte, aber nein, er bringt uns Tesche. Überraschung, Überraschung. Aber, wie würde „uns Uwe“ früher gesagt haben: „Das ist allein Sache des Bundestrainers . . .“ Und: Leverkusen hatte ja auch eine dicke Überraschung parat: Michael Ballack. Der „Kapitano“ hatte aber in etwa die Wirkung von Robert Tesche, so gleicht sich im Fußball doch alles immer wieder aus.

Nun gut, es ist ja auch für den HSV in den ersten 45 Minuten alles gut gegangen, der HSV-Coach hatte in diesen ersten 45 Minuten also alles richtig gemacht.
Der HSV war in dieser ersten Halbzeit eindeutig die bessere Mannschaft. Ein Freistoß von Kadlec, den Jaroslav Drobny sehr gut hielt, und eine allerdings hochkarätige Möglichkeit in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit, als Kadlec freistehend an Drobny scheiterte – das war die ganze Herrlichkeit der Mannschaft aus dem Westen, die sich im Schlafwagen-Fußball gefiel. Dabei hätte Bayer ja eigentlich auch noch richtig kämpfen müssen – will der Klub doch in der nächsten Saison noch international dabei sein. Aber mit einem solchen Kick? Bitte nicht. Dann sackt Deutschland in der Fünf-Jahre-Wertung der Uefa ja gleich wieder meilenweit ab . . . Und ich denke daran, wie aggressiv die „Tante Käthe“, unser Rudi Völler, stets nach dem Spiel in seine Interviews geht. Davon sollten sich seine Jungs mal einige Scheiben abschneiden. Aber gut, das ist das Problem von Bayer Leverkusen.

Der HSV hat seine eigenen. Obwohl die diesmal in Halbzeit eins vor allem sportlich begründet waren, denn: Marcell Jansen (18.), Marcus Berg (26.), Michael Mancienne, der aus sechs Metern überweg köpfte (35.) und Jeffrey Bruma, der den Ball in der 38. Minute aus 14 Metern einfach mal volley über das Bayer-Tor „ballerte“ – das waren gute Tormöglichkeiten. Und der Führungstreffer resultierte dann aus einem Oster-Geschenk von Castro. Dennis Aogo hatte von links eine Flanke in den Gäste-Strafraum „gefiedelt“, Castro nahm den Arm zum Stoppen – Elfmeter. Gestern, im Abschlusstraining, hatte Mladen Petric beim Stande von 0:0 einen Strafstoß noch an die Latte gedroschen, aber er trat wieder an. Nervenstark. Eiskalt verwandelt. Welch ein Jubel, welch eine Freude. Und Petric schickte in dieser 39. Minute einige Faust-Küsschen ins Publikum – weil er seine Hand noch immer nicht geöffnet hatte (nach seinem ganz persönlichen Jubel). Petric dürfte eine Zentnerlast von den Schultern gefallen sein, sein erstes Tor seit dem Werder-Spiel vor einigen Wochen.

Nach dem Seitenwechsel aber kam Leverkusen. Sekunden nach dem Wiederanpfiff hielt Drobny riesig gegen Rolfes. Da hätte ein Tor fallen können. Zehn Minuten später aber hätte keines fallen dürfen – aber es fiel. Für Bayer. Nach einem Eckstoß köpfte Kießling auf das Tor, Tesche rettete auf der Linie, schoss aber Heiko Westermann an den Kopf. Von dort prallte die Kugel an die Querlatte – und zu Schürrle. Schürrle? Ja, Schürrle. Der spielte tatsächlich mit. Von Anfang an. War aber nie zu sehen – bis zu dieser 55. Minute. Aber nützt ja nichts, der Nationalspieler a. D. köpfte den Ball ins Netz – Tor, 1:1. Bitter.

Aber das Spiel wurde durch dieses Tor munterer. Plötzlich war Tempo im Spiel. Fußballerisch war diese zweite Halbzeit deutlich besser, das war dann wirklich mal Erstliga-Niveau. Aber es blieb beim 1:1.
Und mit diesem Resultat kann ich gut leben.

Die Einzel:

Jaroslav Drobny wieder ganz hervorragend: die „Dobny“-Sprechchöre scheinen ihn zudem zu beflügeln.

Jeffrey Bruma spielte eine sehr ordentliche Verteidiger-Partie, das konnte sich sehenlassen. Kompliment. Michael Mancienne kommt immer besser in Fahrt, das war eine Zwei. Heiko Westermann wie immer vorbildlich, riss sich den Hintern auf, ging weite Wege – sehr gut! Dennis Aogo vorne und hinten, er will, er beißt, auch wenn nicht alles gelingt – aber solche Spielertypen wie ihn braucht der HSV, ganz klar. Allerdings sah der Nationalspieler seine fünfte Gelbe Karte und fehlt damit am Mittwoch beim Spiel in Hoffenheim.

Robert Tesche glänzte mit gefühlten 148 Willi-Schulz-Sicherheitspässen, das sind jene Dinger, die über eine Spanne von zwei, drei Metern den Weg zum Nebenmann finden. Und sonst? Ich habe nichts gesehen. Kommen wir zu David Jarolim. Begann in den ersten Minuten fahrig, aber dann biss er sich ins Spiel. Er setzt durch seine aggressive Spielweise Akzente, will es jedenfalls – aber auf allzu viel Gegenliebe stößt er bei seinen Kollegen nicht. Aber der HSV kann sich glücklich schätzen, einen solchen vorbildlichen Kämpfer in seinen Reihen zu haben. Solche Leute sind im Abstiegskampf Gold wert. Als „Jaro“ in der 77. Minute ausgewechselt wurde, weil er Gelb-Rot-gefährdet war (es kam Tomas Rincon), applaudierte das ganze Stadion – und viele Zuschauer erhoben sich.

Rechts vorne Ivo Ilicevic. Wer hat ihn gesehen? Er ist und bleibt mir ein riesiges Rätsel. Das war gar nichts! Gar nichts! Das war nur erschütternd. Und im Zeugnis würde stehen: nicht teilgenommen. Der Mann, der Ilicevic in der 70. Minute ablöste, nämlich Gökhan Töre, der hatte in seinen ersten fünf Minuten mehr Szene als Ilicevic in den letzten fünf Spielen zusammen. Das geht gar nicht mehr.

Links trat Marcell Jansen an. Gute und weniger gute Szenen. Er war früher einfach explosiver, unternehmungslustiger, spritziger – ein Sprinter mit Schuss. Wie er eine Chance in der 18. Minute vergab, das war grausam zu sehen. Die hätte er früher auf das Tor „gezimmert“, aber heute lässt er die Kugel über den Spann rutschen, Gefahr vorbei. Immerhin, und da höre ich auf meinen Nachbarn zur linken, wenn etwas nach vorne ging beim HSV, dann war meistens auch Jansen involviert. Schade, ich wiederhole mich da, schade, er hat früher einfach noch mehr (draus) gemacht.

Mladen Petric schoss endlich wieder ein Tor, auch sonst zeigte er sich engagiert und lauffreudig, auch wenn er gelegentlich dazu ermuntert werden musste (von dem einen oder anderen Kollegen). Aber dieser Auftritt war okay. In der 88. Minute kam Heung Min Son für Petric.

Und ganz vorne? Marcus Berg war okay. Er war zuvor (gegen Wolfsburg und Kaiserslautern) schon besser, aber er ist Einzelkämpfer, er will, er ist immer bemüht – und deutlich besser als früher. Vielleicht auch deshalb, weil er das Vertrauen des Trainers hat. Jetzt hat. Früher hatte er es bei keinem seiner HSV-Trainer.

Dieser Punkt, so denke ich, kann noch sehr wertvoll werden für den HSV. Ich möchte euch einmal das Restprogramm der HSV-Konkurrenten aufzeigen. Als da wären:

1. FC Köln:
In Mainz, in Mönchengladbach, gegen Stuttgart, in Freiburg, gegen Bayern München.

Hertha BSC:
Gegen Freiburg, in Leverkusen, gegen Kaiserslautern, auf Schalke, gegen Hoffenheim (da sind drei Hertha-Siege möglich).

FC Augsburg:
Gegen Stuttgart, in Wolfsburg, gegen Schalke, in Mönchengladbach, gegen den HSV.

SC Freiburg:
Bei Hertha, gegen Hoffenheim, in Hannover, gegen Köln, in Dortmund.

Zum Schluss noch zwei Personalien. Ich habe zum zweiten Male „Dittsche“ vermisst, hoffentlich ist er nur beruflich verhindert. . .

Und dann zu unserem „Benno Hafas“ Der wurde gestern als „Blog-Polizist“ beschimpft, und das tut mir weh und sehr, sehr Leid. Das hat er auch nicht verdient. Oder hättet ihr alle zugesehen, wenn unter euren Augen dem HSV ein Ball geklaut wird? Wenn ja, dann mal gute Nacht.

Und die wünsche ich euch und euren Lieben jetzt auch noch.

19.33 Uhr