Tagesarchiv für den 7. April 2012

Fink “bastelt” noch an einem Sechser

7. April 2012

Der gefragteste Mensch an diesem Nachmittag im Volkspark war der „Power“-Mann. Der Ordner in der Arena. „Trainiert der HSV heute noch?“ Das war die Frage des Tages, denn um 15 Uhr war von der Mannschaft noch nichts zu sehen. Aber dann, eine halbe Stunde später, dann ging es los. Bei schönstem Sonnenschein, aber bei eisiger Kälte. Mit einer unangenehmen Szene – die sich allerdings außerhalb des Platzes abspielte. Dennis Aogo, der mit diesem Rechtsschuss den „Hoch-und-weit-Preis“ erhielt, hatte die Kugel weit in die Botanik gedroschen. Wie vorher schon einige andere HSV-Spieler. Immer holten zwei kleine Jungs die Bälle zurück und droschen sie über den Zaun. Nur bei Aogos Schuss, da blieben sie mit ihrem Papa minutenlang stehen. Als sich unser „Benno Hafas“ auf den Weg machen wollte, um die Kugel zu holen, da gingen plötzlich auch die Knaben mit ihrem Papa. Und der Papa sammelte den Ball auf, trug ihn aber vom Platz weg. Interessant. Als sich der Papa umdrehte, jonglierte er den Ball so um seinen Körper herum, dass man nichts mehr von dem runden Leder sah. Geschickt. Aber keine sonderlich gute Aktion. Als sich die Familie dann vom Trainingsplatz entfernen wollte (mit Ball), da trat dann doch noch einmal „Benno“ auf den Plan. Er forderte den Ball zurück – und erhielt ihn dann auch. Und gab ihm bei Co-Trainer Frank Heinemann ab. Das war die gute Tat des Tages – wie bei den Pfadfindern. Aber der Papa? Kein gutes Vorbild für die Jungs . . .

Zum wichtigen Teil des Tages. Jaroslav Drobny ging um 16.30 Uhr in die Kabine. Aber keine Sorge, er hat sich nicht erneut verletzt, er wurde geschont. Drobny wird morgen gegen Leverkusen (Sonntag, Anstoß 17.30 Uhr) zwischen den Pfosten des HSV-Tores stehen. Trainer Thorsten Fink ganz cool: „Ich bin davon auch immer ganz fest ausgegangen.“ Drobny trainierte ohne besondere Zwischenfälle, legte wieder die eine oder andere Pause ein, aber er hatte keine Schmerzen, nichts war von der Daumen-Verletzung an der linken Hand zu sehen. Die Nummer eins ist ein „harter Hund“, er beißt nur auf die Zähne und wird helfen, dass es morgen vielleicht endlich einmal wieder einen Heimsieg gibt.

Drobny also (fast) geheilt, Tomas Rincon auf dem Weg zurück in die Mannschaft – und plötzlich tauchte noch ein Rückkehrer auf: Jacopo Sala. Der sollte eigentlich einen Bänderanriss am Sprunggelenk haben, war damit auch schon aus dem Kreis jener Spieler, die es gegen Bayer Leverkusen richten sollen, aber plötzlich mischte der Italiener voll mit. Nichts zu sehen von der Verletzung. Nicht mal ein kleines, ein klitzekleines Humpeln oder ähnliche Anzeichen. Erst die „Wunderheilung“ bei Rincon, nun auch die „Wunderheilung“ von Sala – irgendeine Quelle muss doch da im Volkspark verborgen ihren Dienst tun, denn mit rechten Dingen scheint das alles nicht abzulaufen. Oder wurde diese Quelle etwa jetzt erst freigelegt, beim Bau des neuen Trainingsplatzes der Zweiten? Dann sollte der HSV ab sofort Eintritt nehmen . . . Allerdings bleibt festzuhalten: Sala ist gegen Leverkusen nicht im Kader, er wird nur als Zuschauer in der Arena dabei sein. “Wunderheilung” nun hin, “Wunderheilung” her.

Zum Abschluss des Abschlusstrainings gab es auch heute das obligatorische Spielchen. A-Mannschaft gegen B-Team. Es wurde allerdings nur zehn gegen elf gespielt, wobei Tomas Rincon jeweils der elfte Mann für die Mannschaft war, die im Ballbesitz war. Beim Stande von 0:0 verschoss Mladen Petric einen Elfmeter (gegen Sven Neuhaus), der mit Wucht geschossene Ball landete an der Querlatte. In der Stammformation fehlte als einziger der „gedachten“ Stammkräfte Marcell Jansen, der in der Reserve spielte – und viele gute Tormöglichkeiten vergab.

Das 1:0 für das A-Team erzielte Marcus Berg per Kopf nach einer Traumflanke von Dennis Aogo. Für den Ausgleich sorgte Heung Min Son (der ansonsten wie ein „Wilddieb“ schoss – weite Streuung) gegen Torwart Florian Stritzel. Paolo Guerrero sorgte schließlich für den 2:1-Endstand – und für den Sieg der Reservisten.

Bei der A-Mannschaft imponierte mir einmal mehr der „alte Mann“. David Jarolim ist ja immer heiß, heißer geht es gar nicht. „Jaro“ nimmt auch diese Art von Kick bitterernst, er kämpft verbissen um jeden Ball und jeden Zentimeter. Und er geht zur Sache. Gegen Slobodan Rajkovic hielt er kurz mal drüber, das wäre im Spiel mindestens „Gelb“ gewesen. Jarolim wollte sich entschuldigen, aber Rajkovic „entzog“ sich diesem Händedruck, humpelte aber dafür in den nächsten Minuten etwas mehr lädiert über den Acker. Und „Jaro“ legte noch nach. Erst schickte er Son zu Boden, und fünf Sekunden später Tolgay Arslan. Kein Zuckerschlecken für die jungen Leute, aber bevor im Training still vor sich hin plätschert oder sogar alles einschläft, setzt der Altmeister eben mal das eine oder andere Zeichen – oder den etwas anderen einen Weckruf.

Aber Arslan war das Stichwort. Der junge Mittelfeldmann war noch vor Wochen der „Aufsteiger des Jahres“, ihm trauten sie alle eine große Zukunft zu, er sollte die Geschicke hinter der HSV-Spitze lenken und bestimmen. Und dann gab es diesen unglaublichen Fehlschuss in der zweiten Minute des Spiels gegen Freiburg – und von diesem Tag an wurde Arslan nicht mehr gesehen. Er war zwar immer dabei, trat aber nicht mehr oder nur kaum in Erscheinung. Heute allerdings hat er mir erstmals wieder ganz gut gefallen, da war in seinen Aktionen wieder mehr Leben zu spüren. Vielleicht schlägt ja schon bald wieder seine Stunde, eventuell sogar schon – nach seiner Einwechslung – im Spiel gegen Leverkusen? Schön wäre es ja.

Beim HSV gibt es für das morgige Spiel eigentlich nur noch eine „offene Stelle“. Wer spielt neben David Jarolim auf der Sechs? Tomas Rincon hat einen Trainingsrückstand aufzuholen, und irgendwie hat Trainer Fink doch den einen oder anderen offensiveren Gedanken. Der Coach sieht den Venezolaner auch noch nicht wieder bei 100 Prozent. Aber dann? Robert Tesche? Per Ciljan Skjelbred? Oder eventuell sogar Gökhan Töre, der heute ebenfalls einige gute Szenen hatte, aber auch die eine oder andere Nachlässigkeit? Töre steht natürlich für offensive Qualitäten, kann mit Dribblings Räume schaffen, kann (könnte) auch Ideen ins Spiel bringen. Töre rechts, Ivo Ilicevic links, Marcell Jansen neben Jarolim? Ich bin gespannt, für welche Variante sich Thorsten Fink entscheiden wird.

Mit im Kader sind noch Sven Neuhaus, Slobodan Rajkovic, Heung Min Son und Tolgay Arslan.

So, ein Sonnabend, an dem im Volkspark zur Bundesliga-Anstoßzeit trainiert wird, der ist für mich nur ein halber Sonnabend. Jetzt kann ich aber wenigstens noch Mönchengladbach gegen Hertha live sehen – und ich hoffe natürlich auf einen Heimsieg.
Heute wie morgen.

Ansonsten hat die Liga diesmal ja endlich einmal wieder nicht unbedingt gegen den HSV gespielt. Das Unentschieden in Freiburg (gegen Nürnberg) war absolut okay und wie von Hamburgern bestellt, das in Köln (gegen Werder) ebenfalls. Und mit dem Sieg von Hoffenheim in Kaiserslautern war ja zu rechnen . . . Damit sind die Lauterer auf jeden Fall schon mal ganz weit abgeschlagen, sodass eigentlich nur noch ein direkter Absteiger gesucht wird.

Wie schön wäre es da doch, wenn uns der HSV morgen mal wieder mit einem Heimsieg überraschen würde. Sollte es diesen “Dreier” tatsöchlich geben, so könnte Thorsten Fink jene Flasche (Sieges-?)Wein “köpfen”, die ihm heute von HSV-Fan Peter (aus Neugraben) nach dem Training überreicht wurde. Zum Osterfest. Und zum Heim-Erfolg?

Aber: Zieht euch warm an, heute war es trotz der Sonne lausig kalt!

PS: Vielen Dank an HSV-Fan Tim Diepes, der mir einen HSV-Becher zuschickte – den ich jetzt an das HSV-Museum weitergeben werde. Danke Tim, eine tolle Aktion! Und der Becher ist tatsächlich auch heil angekommen.

19.05 Uhr