Tagesarchiv für den 3. April 2012

Fink will mal wieder nichts ändern – Drobny verletzt sich

3. April 2012

Das Wichtigste an diesem Tag folgte unmittelbar auf die Runde mit Trainer Thorsten Fink. Denn da stellte sich der HSV-Trainer für den Guten Zweck vor die Kamera und appellierte an uns, an alle von uns, dass wir uns typisieren lassen. Anlass dafür ist Daniel Sommerfeld, der als gesund lebender und durchtrainierter Triathlet vor fünf Wochen die schlimme Diagnose Leukämie bekam. Noch am Morgen des Befundes hatte Daniel einen langen Lauf absolviert, fühlte sich zunächst gut. Doch schon am Abend begann er nach seiner Einweisung mit der ersten Chemotherapie. Heute begann er sogar schon mit der zweiten. Und das Video (ich werde es Euch in den Blog stellen, sobald es fertig ist), das vollbesetzt ist mit prominenten und weniger prominenten Leuten hat die Botschaft, den an Leukämie erkrankten Menschen zu helfen. Immerhin erfährt im Schnitt alle 45 Minuten in Deutschland jemand, dass er an der schlimmen Krankheit leidet. Die Typisierung ist dabei lediglich der erste Schritt zur Hilfe, den bislang vier Millionen Deutsche gegangen sind. Und was sich (zumindest für mich bislang) brutal anhört – ich dachte zunächst an Knochenmarksuntersuchungen und ähnlich schmerzhafte Dinge – ist heutzutage ganz leicht. So leicht, dass ich auf jeden Fall mitmachen werde, denn inzwischen bekommt man den Wattestab nach Hause geschickt. Schmerzen: null. Hilfe: unbezahlbar…

Mit Geld kaum aufzuwiegen ist beim HSV sportlich derzeit k(aum)einer. Allerdings gibt es Ausfälle, die schwerer wiegen als andere. Aogos Fehlen war hart, weil der HSV auf dieser Position bei der Kaderplanung den Backup ebenso vergessen hat, wie auf der rechten Seite, auf der nun Dennis Diekmeier ausfällt. Im Training testete Fink bereits Jeffrey Bruma sowie Jacopo Sala als Rechtsverteidiger. Beide machten ihre Sache ordentlich, wenn auch grundverschieden. Denn Sala agierte in der ihm eigenen Art deutlich offensiver als Innenverteidiger Bruma, der anfänglich noch Umstellungsprobleme hatte – sich dann aber über klares Defensivverhalten ins Spiel brachte. Ergo: eine Mischung aus beiden Spieltypen wäre optimal. Auch wenn es dann für Diekmeier sehr schwer würde, wieder in die Startelf zu rücken.

Das wiederum kann man von Jaroslav Drobny nicht behaupten. Der schweigende Tscheche ist beim HSV derzeit konkurrenzlos. Drobny muss sogar spielen, obwohl er seit Wochen und noch heute leichte Probleme mit der Oberschenkelmuskulatur hat. Dabei hatte Fink mal sein oberstes Credo mit folgenden Worten beschrieben: „Ich lasse nur die spielen, die zu 100 Prozent fit sin.“ Das stimmt bei Drobny sicher nicht, dennoch setzt Trainer Thorsten Fink auf den erfahrenen Tschechen, dem zur neuen Saison René Adlervorgesetzt werden soll. Zuletzt hatte ich bereits berichtet, dass der HSV-Coach den Ersatztorhütern Sven Neuhaus und auch Florian Stritzl die Erste Liga nicht zutraut. Das wird Fink natürlich nie öffentlich sagen – aber er wird alles daran setzen, dass er nicht auf einen der beiden in dieser heißen Phase der Saison setzen muss.

Umso erschreckter fasste Fink heute das vorzeitige Trainingsende Drobnys auf. Der Keeper musste sich mit Handproblemen zunächst kurz behandeln lassen, ehe Fink das Kommando gab, in die Kabine zu gehen, sich dort umfangreich behandeln zu lassen. Motto: kein unnötiges Risiko, denn Drobny selbst schien gar nicht zwingend aufhören zu wollen. Bislang steht die Diagnose noch aus. Ich wollte sie eigentlich im Blog unterbringen, werde sie nun aber doch nachreichen müssen. Sonst wäre es zu spät geworden…

Bis dahin gehe ich einfach mal davon aus, dass Drobny nichts Schlimmeres hat. Und auch wenn Drobny in dieser Trainingswoche weniger üben sollte, Fink und Co. werden alles daran setzen, den zuletzt wieder sicher wirkenden Keeper bis Sonntag spielfit zu bekommen. „Ich will jetzt nicht wieder von einer Schlacht sprechen“, umgeht Fink im hart umkämpften Abstiegskampf martialische Worte, „aber wir haben noch sechs Endspiele und die Mannschaft hat den Abstiegskampf angenommen. Sie spielt nicht unbedingt schön, aber erfolgreich.“ Deshalb sei er mit dem Spiel beim FC Kaiserslautern auch „sehr zufrieden, obwohl wir es spielerisch sicher besser können.“ Dennoch, und damit hat auch Fink in meinen Augen den Abstiegskampf endlich angenommen, der Coach lobte, dass einige Bälle lieber frei rausgeschlagen wurden, anstatt gefährliche Dribblings oder Passspiele anzuwenden. „Die Mannschaft war in den entscheidenden Momenten da. Sie war bei Standards hellwach und hat ihre Chance genutzt. Denn wir konnten in Lautern nur verlieren.“

Haben sie aber nicht. Zum Glück. Ganz im Gegenteil zu Leverkusen, das dem HSV im doppelten Sinne schadete. Zum einen verloren sie gegen den direkten Abstiegskonkurrenten Freiburg. Zum anderen nahm der Bayer-Klubvorstand dieses Spiel zum Anlass, den Trainer Robin Dutt zu entlassen. Nominell ganz sicher ein Nachteil für den HSV, weiß doch jeder, dass neue Trainer zumeist kurzweilige Verbesserungen nach sich ziehen. Allerdings glaubt Fink nicht daran. „Es kann alles bedeuten. Ich habe schon Trainerwechsel erlebt, die neue Kräfte frei gesetzt haben. Ich habe aber auch schon miterlebt, dass ein Trainierwechsel schlecht für den Verein war.“ Wie genau das im Fall Leverkusen zu bewerten sei, wollte Fink nicht sagen. Er beließ es bei einer oberflächlichen Beschreibung des neuen Interimstrainers Sami Hyypiä: „Hyypiä hat als Spieler sehr viel erreicht und war eins ehr bodenständiger Typ.“ Punkte in Hamburg dürfe er dennoch nicht erwarten…

Denn, und das hob Fink heute noch mal hervor, beim HSV ist alles auf Klassenerhalt getrimmt. „Die Mannschaft legt das an den Tag, was wir brauchen: den Fight. Ich werde das immer wieder einfordern, aber die Mannschaft hat es angenommen. Deshalb werde ich auch in dieser Trainingswoche nichts verändern.“ Nichts ändern? Das kennen wir doch – wobei wir es nach einem Sieg deutlich lieber hören…

Gern hören wird auch Marcus Berg, was über ihn gesagt wird. Der lethargisch wirkende Schwede avanciert zum effektivsten Offensivspieler beim HSV. Ein Tor, eine Vorlage – die Bilanz des schon als Fehleinkauf titulierten Angreifers stimmt. Zudem sieht Fink bei Berg eine gute Entwicklung. „Er hatte von Anfang an einen guten Eindruck auf mich gemacht“, so der HSV-Coach heute – und ich kann ihm nicht wirklich glauben. Immerhin war Berg vor vier Wochen, also vor Guerreros Sperre, noch weiter von der Mannschaft entfernt als jeder andere. Selbst Muhamed Besic, der sich angeblich respektlos gegenüber seinen Kollegen in der U23 („Ich bin zu gut für die Zweite“) und verständnislos über Fink geäußert haben soll, schien mehr Chancen auf einen Einsatz zu haben.

Aber okay, Bergs Formkurve zeigt nach oben. Im Training trifft er in der Regel am häufigsten bei Torschussübungen und in der Bundesliga traf er, ehe er in Lautern den Siegtreffer vorbereitete. „Marcus hat getroffen, jetzt hat er auch den Ball gut gehalten und verteilt“, lobt Fink und hofft: „Ich hoffe, dass er seine Entwicklung so fortsetzt. Im ersten Spiel hat er getroffen, im zweiten hat er im spielerischen Bereich überzeugt – und dritten macht er hoffentlich beides.“

In diesem Sinne, ich hätte nichts dagegen. Ihr sicher auch nicht. Im Gegenteil. Bis morgen. Da wird um 10 und um 15 Uhr trainiert.

Scholle

P.S.: Ein großes Kompliment dieser Tage geht an die Fans. Von Fink. Was die Anhänger in den letzten Wochen abliefern ist auch mehr als erstklassig. Bei Heimspielen sehr geduldig, bei Auswärtsspielen extrem zahlreich vertreten, und rund um den Abstiegskampf außergewöhnlich kreativ – das muss doch helfen. „Das sind extrem wichtige Dinge“, lobt Fink, „das gibt Dir als Spieler den letzten, nötigen Kick.“

P.P.S.: Fink legte sich bereits fest, für Sonnatg nur das Nötigste in Sache Startelf zu ändern. Ergo: die Innenverteidigung Westermann/Mancienne bleibt und nur hinten rechts sowie zentral neben Jarolim muss sich Fink etwas einfallen lassen. Im Training spielte heute Per Skjelbred neben Jarolim, dessen Zukunft Fink heute nicht mehr kommentieren wollte. „Wir haben da einen Plan. Aber klar ist, ein NIE gibt es im Fußball nicht. Es kann alles passieren. Aber das Personal macht Frank.“ Wann er selbst darüber sprechen wird? „Wenn wir gesichert sind.“