Monatsarchiv für April 2012

Castelen: “Der HSV wird wiederkommen – aber das dauert”

30. April 2012

Was für ein Wochenende! Und damit meine ich nicht das lustige Journalistentreffen. Noch weniger meine ich die „Qualität“ des Spiels gegen Mainz. Vielmehr meine ich die Erleichterung nach Kölns Debakel in Freiburg, Herthas Versagen auf Schalke – und natürlich die emotionalen Verabschiedungen der HSV-Profis David Jarolim, Mladen Petric und Romeo Castelen. Was aber am meisten imponierte, war die ungebrochene Loyalität der Fans gegenüber Jaro. Vor dem Stadion wurden Protestplakate hochgehalten, im Stadion wurde der Tscheche minutenlang mit stehenden Ovationen gefeiert. Sogar schon bevor er ausgewechselt wurde. Und es gab überall nur das eine Thema, oder besser, nur die eine Frage: Warum gibt der HSV diesen David Jarolim ab? Ich war es irgendwann leid, immer wieder dieselben Argumente aufzutischen und eigentlich auch fortwährend die gleichen Reaktionen der Fragenden zu registrieren. „Am Kunden vorbei“ nannte Dieter die Nicht-Verlängerung mit dem Tschechen. Und damit trifft er meiner Meinung nach komplett ins Schwarze. Denn bei der Personalie Jarolim schwingt primär große Sympathie für den „Verstoßenen“ mit. Die wiederum hat er sich sportlich hart erarbeitet, der gemeine Fan mag Jarolims Vorbildliche Einstellung und Identifikation mit dem Klub. Jaro gehört eben zur Familie. Und das ist auch gut so.

Es gibt einfach nur sehr wenige Argumente, die FÜR eine Trennung sprechen. Allerdings gibt es ein, zwei Argumente dann doch. Denn, wir dürfen bei aller gerechtfertigten Sympathie für Jaro auch nicht vergessen, wo der HSV hin will. Es ist nicht der Kampf gegen den Abstieg, wie Fink gesagt hat. Es sind die Top Acht, wie Arnesen gesagt hat. Angesichts der verkorksten Saison 2011/2012 aus meiner Sicht überraschend ambitionierte Ziele, die mit jungen Spielern erreicht werden sollen. Aber ganz ehrlich, wer von uns meckert denn noch, wenn der Sportchef plötzlich einen zweiten Nigel de Jong aus dem Hut zaubert, der auch noch voll einschlägt? Wer von uns regt sich über Jarolims Vertragsende auf, wenn der HSV in der kommenden Saison sportlich positive Schlagzeilen macht? Am Ende wahrscheinlich niemand. Nein, es bleibt dabei: Die handelnden Personen werden an ihren eigenen Aussagen gemessen. Man muss es eher so sehen: Arnesen hätte es sich leicht machen können, Jaro ’nen kleinen Vertrag geben und sich so aus der Schusslinie bringen. Jaro hätte dem HSV geholfen, ganz klar. Aber, und das möchte ich mal wohlwollend positiv formulieren: Arnesen ist mutig, sich gegen alle Widerstände von Jaro zu trennen, wissend, dass er insgesamt und insbesondere bei der Jaro-Nachfolge dadurch unter erhöhtem Druck steht…

Aber gut, das sollte es dann vorerst auch sein. Wir warten ab, was die nächsten Wochen und Monate an Personalentscheidungen bringen. Alles, was wir bislang machen, sind Vermutungen in den Raum zu stellen und unser (noch berechtigtes) Unverständnis über Jaros Abgang zu äußern. Dennoch hoffe ich, dass Arnesen einen gut durchdachten Plan verfolgt, dass er längst weiß, was er abgibt und was er braucht. Vielleicht steht der Nachfolger schon in den Startlöchern und Arnesen straft alle Skeptiker Lügen.

Wobei, das war zugegebenermaßen im letzten Sommer nicht der Fall. Damals hatte ich hier offen meine Befürchtung geäußert, dass der Däne die Bundesliga angesichts seiner Transfers zu unterschätzen scheint. Und ehrlich gesagt, gibt es wenig Anlass, jetzt zuversichtlicher zu sein – weil wir bis auf Adler, Beister und Rudnevs noch nichts haben, was wirklich optimistisch stimmt. Außer vielleicht, dass dieses Mal Trainer Thorsten Fink seinen Kader selbst zusammenschustert und nicht einen anderen übernimmt.

Was mich aber jetzt schon freut ist, dass unser Dauerpatient Romeo Castelen wieder gesund ist. Sagt er selbst auf jeden Fall. Deshalb habe ich mich heute mal mit dem sympathischen Niederländer unterhalten und stelle das kurze, nette Gespräch hier als Interview rein. Denn ich finde, dass bei den viel diskutierten und viel beachteten Abschieden Jarolims und von Mladen Petric der von Castelen zu kurz gekommen ist. Denn auch wenn er in den letzten vier Jahren verletzungsbedingt nicht allzu viele Spiele (17 Bundesliga- und fünf regionalliga-Spiele) für den HSV gemacht hat, war er dem Vernehmen nach ein sehr positiver Faktor innerhalb der Mannschaft. Generell aber schon deshalb hat er es verdient, hier noch mal gewürdigt zu werden. Das Gespräch:

Matz Ab: Romeo, am Sonnabend standst Du das letzte Mal für den HSV auf dem Rasen. Was war das für ein Abschied?
Romeo: Ein sehr schöner, ein sehr trauriger. Denn ich war sehr gern hier, wollte dem Verein viel mehr geben, als ich es letztlich konnte. Leider haben mich meine Verletzungen immer wieder zurückgeworfen. Aber ich glaube sagen zu können, dass es der richtige Schritt für mich war, nach Hamburg zu gehen. Ich habe hier viele neue Freunde gefunden und einen Verein kennengelernt, der riesengroßes Potenzial hat. Sportlich wie menschlich.

MA: Was glaubst Du, wie geht es für den HSV weiter?
Castelen: Der Verein hat eine schwierige Phase gehabt und diese gemeistert. Jetzt steht der nächste Umbruch bevor, da sicherlich wieder viele Neue kommen. Aber an Gladbach hat man gesehen, was in der Bundesliga passieren kann. Eben noch Abstiegskandidat, jetzt schon Qualifikant für die Champions League. Die Bundesliga ist verrückt. Ich glaube, dass der HSV wieder die richtige Richtung einschlägt und auf Allerdings glaube ich auch, dass der HSV das nicht in einem Jahr alles auf einmal schaffen kann. Es wird dauern.

MA: Wie Deine Rückkehr. Du bist Ewigkeiten ausgefallen. Woran lag es?
Castelen: Das hatte viele Gründe. Ich hatte sehr viel Pech mit kleineren Verletzungen. Schlimmer kann es gar nicht mehr kommen. Dazu kam, dass ich falsch operiert worden bin.

MA: Falsch operiert? Was ist da passiert?
Castelen: Wir hatten damals die Wahl, welchen Eingriff wir machen und haben uns offenbar für den Falschen entschieden. Das konnte man vorher nicht wissen – aber ich habe meine Lehren daraus gezogen. Wie auch insgesamt aus der harten Zeit. Ich möchte mich hier an dieser Stelle auch noch mal für die tolle Unterstützung des HSV bedanken. Damals hat Bernd Hoffmann an mich geglaubt und die Fans sind sowieso unfassbar. Die waren damals schon sensationell, als wir um die Europa League spielten. Aber das waren auch gute Zeiten. Wie sie aber in diesem Jahr mit der Mannschaft umgegangen sind, das zeigt, dass sie richtig gute, positive und unterstützende Fans sind. So geduldig und so positiv – das ist schon außergewöhnlich. Ich habe das von außen miterlebt und vielleicht noch etwas differenzierter Wahrgenommen. Aber ich kann sagen: das hat mich beeindruckt.

MA: Zuletzt hast Du viermal für die U23 gespielt. Wie geht es sportlich für Dich weiter?
Castelen: Ich bin wieder gesund, kann endlich wieder spielen. Ich weiß noch nicht, wo ich nächste Saison spielen werde. Aber zum Glück gibt es aus meiner guten Zeit noch etliche Leute, die sich an mich erinnern und die wissen, wozu ich fähig bin. Klar ist, dass ich weiter professionellen Fußball spielen will. Unklar ist nur, in welcher Liga.

MA: Also wäre für Dich auch ein Wechsel in einer Zweite Liga denkbar?
Castelen: Naja, eigentlich meinte ich eher, dass ich noch nicht weiß, ob ich in der Deutschen, der Englischen, der Spanischen oder der Niederländischen Liga spielen werde. Ich bin jetzt gerade mal 28 Jahre alt, ich weiß um meine Qualität und ich habe noch eine Menge Ambitionen…

MA: Ah, okay! Das klingt doch sehr gut. Was genau nimmst Du aus Hamburg mit?
Castelen: Alles. Wir lassen nichts hier, werden aber immer wieder gern nach Hamburg zurückkehren. Die Stadt ist super schön.

MA: Ich meinte eher, was nimmst Du an besonderen Eindrücken, Lehren und Erinnerungen mit?
Castelen: Ach so. Aber auch da gilt: alles! Ich habe hier sehr viele Tiefen aber auch einige Höhen miterlebt, die ich nicht vergesse. Da war mein Tor beim Comeback in Wolfsburg, das ich als Glücksgefühl sicher nie vergessen werde. Das war unglaublich. Wie das gesamte erste halbe Jahr, in dem wir riesigen Fußball gespielt haben mit tollen Fußballern. Wenn ich nur an Kompany, van der Vaart, Olic denke, um nur einige zu nennen – das war schon richtig hochkarätig. Damals haben wir alle gedacht, dass wir schon sehr bald einen Titel feiern würden. Und wir haben europäisch gespielt. Die Zeit war super – vor allem, weil ich gut spielte und gesund war. Und dass es jetzt doch noch einige Vereine gibt, die mich trotz der langen Verletzungspause auf dem Zettel haben und holen wollen, das gibt mit neues Selbstvertrauen.

MA: Klingt so, als sollten für Dich jetzt endlich wieder ein paar fette Jahre folgen. Und vielleicht sehen wir uns ja irgendwann als Gegner in der Champions League oder mit den Nationalmannschaften bei der WM in Brasilien wieder…
Castelen (lacht): Oh Mann, ja! Das wäre ein Traum!

MA: Mit sportlichen Niederlagen für Dich…
Castelen: Abwarten! Obwohl ich sagen kann, dass ich das keinem Verein mehr gönnen würde, als dem HSV.

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber Castelen ist einer, der sich nach außen extrem positiv verkauft. Ich glaube sogar, dass er wirklich ein richtig netter Kerl ist, der das Herz am rechten Fleck trägt. Und wer sich seine Leidensgeschichte einmal ansieht, der wird mir beipflichten, wenn ich Romeo Castelen auf seinem Weg etwas mehr Glück, einige Erfolge aber vor allem Gesundheit wünsche. Was hiermit geschehen ist.

In diesem Sinne, auch Euch wünsche ich ’nen schönen Abend und den einen oder anderen Tanz in den Mai. Am Dienstag wird um zehn Uhr trainiert, bevor es um 15 Uhr zum Testspiel bei Concordia Schönkirchen geht.

Scholle

Kurz notiert:
Abschied: Sören Bertram wechselt zum VfL Bochum. Der 20-jährige Mittelfeldspieler unterschreibt beim Zweitligisten einen Vertrag bis 2015.
Der Mittelfeldspieler der Rothosen, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, erhält beim Zweitligisten einen Vertrag bis 2015. Seit 2015, damals im zarten Alter von 14 Jahren wechselte Bertram zum HSV und durchlief die B- und A-Jugendmannschaften. Er absolvierte in der Saison 2009/10 zwei Bundesligapartien für den HSV und wurde in der vergangenen Serie an den FC Augsburg verliehen. Diese Saison schaffte er sechs Treffer in 25 Spielen für die U23. Arnesen: „Wir wünschen Sören auf seinem weiteren Weg alles Gute”, sagte Frank Arnesen.“

Abschiedstour: Für den HSV geht es nach dem letzten Bundesligaspiel am Sonnabend in Augsburg weiter zu einer wahren Saison-Abschiedstour. Am Sonntag geht es anlässlich der 850-Jahrfeier von Bergedorf zum Oberligisten Bergedorf 85 (15 Uhr, Sander Tannen). Am 11. Mai geht in den Landkreis Stade zum SV Drochtersen/Assel (Anstoß: 18.30 Uhr) und am 13. Mai gegen den VfB Stuttgart im Büdelsdorfer Eiderstadion (15 Uhr). Den Abschluss der Testspielreihe bildet die Partie gegen den Lüneburger SK anlässlich dessen 111-jährigen Vereinsjubiläums (15. Mai, 19 Uhr, Wilschenbruch).

Und am Ende noch ein paar sehr lesenswerte, interessante Blogbeiträge.
Angefangen mit dem von „Mustang“:

„War mit dem jungen Schweden beim Spiel und danach ein wenig dabei; mein Gastgeber fragte FA nach den Gründen für die Jaro-Entscheidung und er hat bloß politisch korrekt geflunkert (“nachdem er in der Hinrunde nicht mehr zum Einsatz kam, wollte Jaro weg; da haben wir uns umorientiert”). Mein Gastgeber fragte Per Skjelbred, warum Jaro nicht mehr dabei sein würde und S. hob die herausragend-einmalige Rolle von Jaro in der Mannschaft, im Training und seine Akzeptanz im Team hervor – er selber wird versuchen, sich beim HSV endlich im ZOM durchzusetzen, wenn man ihn lässt und ihm eine Chance einräumt.

Unsere Vereinsführung versteht es nicht, an neue Finanzmittel heranzukommen – sie lässt sich allerdings gar nicht erst umfassend beraten, sondern will
allenfalls die Stadionfinanzierung umschulden – und der dänische Märchenonkel ist zwar charmant und weicht den wichtigen Fragen nicht ungeschickt aus, wie soll er sich unter ‘Mustang’ eine Person auch vorstellen; der Trainer war wirklich taktisch nicht besonders ideenreich. Der Eindruck musste entstehen, dass uns das Schlimmste noch bevorsteht – man ist schon wieder mit dem Erreichten zufrieden und hat eigentlich keinen Schimmer, wie es konzeptionell auf allen Ebenen des Vereins weiter gehen soll und wo die Reise hingeht. Der Gesamtverein HSV ist ein derartkompliziertes Gebilde und abverlangt derart viel politisches Geschick seitens EOR, den Dampfer überhaupt über der Wasserlinie zu halten, dass die meiste Energie internen Grabenkämpfen und Eitelkeiten zum Opfer fällt. Hier wird handwerklich nicht mehr sauber gearbeitet, weder in finanzieller Hinsicht im Vorstand noch in Sachen merkliche Verbesserung der Kaderzusammenstellung, Spielkonzept und – philosophie auf SpoDi-Ebene, geschweige denn taktische Variabilität auf Seiten des Trainerstabs. Es ist TF nicht gelungen, die Spieler und das Spiel zu befeuern und merklich zu verbessern. Der kometenhafte Aufstieg von Töre ist verpufft (es hält sich in Istanbul hartnäckig das Gerücht, dass ein Tausch Milan Baros – Töre diskutiert wird; Sala zeigt Ansätze, Arslan ist wieder im Niemandsland angelangt, Per Skjelbred hat den Durchbruch nicht hinbekommen – eine reale Chance sieht allerdings auch anders aus – Bruma ist wechselhaft, Mancienne konnte sich beim TW bedanken, dass ein Klops nicht zur Niederlage führte, Son war direkt vor meinen und Collos Augen (er saß ein paar Plätze vor uns und hat mitgefiebert) als ROM viel zu wenig anspielbar, wenn ihm auch zentral ein paar ganz gute Ideen einfielen, das Spiel anzukurbeln, denn sonst tat es ja niemand. Unser ZOM und Spielaufbau liegt nämlich vor wie nach völlig brach.

Eine Palastrevolultion mit Didi Beiersdorfer als neuen VV und Symbolfigur für eine gewisse Integration der HSV-Fliehkräfte und Spielertradition mit Sachverstand im Management und Fußball ist zwar darstellbar, wenn man die Satzung juristisch überprüft – diese Kogge können wir kapern. Aber der Kraftakt, sie umzusetzen und mit neuen, professionell besseren Protagonisten auf allen jenen Ebenen zu besetzen, ist für Menschen mit Familienleben und einer normalen beruflichen Karriere in der Praxis ein Ding der Unmöglichkeit, es sei denn, eine Privatperson nehme wirklich viel Geld in die Hand. Aber auch diese Herangehensweise würde als zu kontrovers niedergeschrien werden. Wir können uns in Versammlungen äußern und auch bei Matz-Ab was schreiben; Eiche zum Fußballerischen, Benno zum Atmospärischen, der junge Schwede, Rauten-Hannes, Mörfi, NeilYoung, Mustang und SW11 zur Vereinspolitik; Trapper, we are family und alnipe zur Taktik und Grundstimmung im Verein und auf den weiten Rängen; aber realistisch ist eine Wachablösung und Umsetzung der von Billy und Dieter Matz oftmals geforderten radikalen Neuorientierung des HSVs – für eine nachhaltige und bessere sportliche Zukunft, gar nicht mal einen Bayern-Konkurrenten – erst mal nicht.

Viel zu viele sind mit dem jeweils Erreichten viel zu zufrieden; diesmal war es der Nicht-Abstieg, der dem Umstand geschuldet ist, dass eine persönliche Differenz zwischen Babbel und Preetz den Niedergang der Hertha beschleunigt hat und der 1. FC Köln schon seit Jahren vor allem durch Selbstauflösung hervorsticht – Volker Finke hatte die Kurve in den letzten drei Partien der vorletzten Spielzeit mit drei Siegen gerade nochmal gekratzt.

Von „Fuxi“:

ZITAT: Von der – auch und vor allem von ihm – so oft hervorgehobenen und beschworenen „guten Qualität“ des HSV-Kaders war in dieser Saison jedenfalls nicht oft etwas zu sehen. Nur drei Heimsiege in 17 Spielen – das ist, um es noch einmal beim deutlich Namen zu nennen, einfach nur erbärmlich und spricht eine viel klarere Sprache, wie es wirklich um den HSV 2011/12 bestellt war.

Diese Aussage kann ich nur vollauf unterstützen. Die Tabelle lügt nicht. Sie kann nach wenigen Spieltagen etwas verzerrt sein, aber wenn eine Mannschaft während einer ganzen Spielzeit zwischen Platz 18 und Platz 12 pendelt, dann hat sie allenfalls mäßige, aber keine gute Qualität. 8 Siege in 33 undesligaspielen, davon gerade 3 Heimsiege, sprechen eine deutliche Sprache. 12 Unentschieden – heißt nichts anderes als mangelnde Siegfähigkeit. Und dann dazu noch drei mehr als klare, deklassierende Niederlagen gegen Dortmund und Bayern. Um nicht zu sagen: Schlachtfeste. Nein, der HSV stand in dieser Saison völlig zurecht dort, wo er stand.

ZITAT: Thorsten Fink sagte auch: „Es kann natürlich nicht unser Anspruch sein, immer gegen den Abstieg zu spielen, aber in dieser Saison war es nach diesem Beginn nicht anders möglich. Die Last des Fehlstarts haben wir durch das ganze Jahr tragen müssen.

Das ist eine nette Geschichtsklitterung, Herr Fink! Michael Oenning ging nach dem 6. Spieltag, da hatte der HSV gerade 4 Punkte und war Letzter. Thorsten Fink feierte sein Debüt am 10. Spieltag, da waren es 7 Punkte. In den folgenden 8 Partien unter seiner Regie holte der HSV 12 Zähler, nach dem 1:1 gegen Augsburg waren es also 19. Ordentliche Bilanz. Nach dem 23. Spieltag waren es 27 Punkte und damit Kontakt zu Rang 8. Nur: In den verbleibenden 10 Spielen gab es gerade 9 (!) Punkte – das hat REIN GAR NICHTS mit dem schwachen Saisonstart zu tun!

ZITAT: Dass aber auch David Jarolim, im Herbst schon still und heimlich auf das Abstellgleis geschoben, gehen muss, obwohl er (gemeinsam mit seinem Landsmann Jaroslav Drobny) den HSV fast im Alleingang gerettet hat, das fand (und findet immer noch nicht) keine Zustimmung in und um Hamburg herum

Auch ich bin wenig erbaut davon, dass das Leistungsprinzip dermaßen ausgehebelt wurde. Zumal David Jarolim von allen Feldspielern des HSV die beste Kicker-Durchschnittsnote aufweist, nämlich 3,41. In einer Mannschaft, in der nur fünf (!) Feldspieler mit mehr als 10 Einsätzen überhaupt einen
Notenschnitt oberhalb von 4,00 haben! Ich gehe jedenfalls auch davon aus, dass wir Jaro nächste Saison noch schmerzlich vermissen werden. Adler (wenn’s denn klappt) ist auf der Linie so gut wie Drobny, aber besser in der Spieleröffnung und in der Strafraumbeherrschung. Das ist aber nach aktuellem Stand die einzige wirkliche Verbesserung. Dass Artjoms Rudņevs so einschlägt wie erwartet, sehe ich noch nicht. Gerade mit seiner überschaubaren Größe von 1,78m ist er bei unserer Dauertaktik – Flanken von links wild durch den Sechzehner – nicht gerade ein Kopfballungeheuer… Dirk Kuyt übrigens mit seinen 1,84m auch nicht (da isser so groß wie Berg) – und der FC Liverpool ist auch lange keine Weltmannschaft mehr. Der ist kein zweiter Raúl. Wohl eher ein zweiter van Nistelrooy… Mit der Personalie Petric kann ich leben. Man muss einfach sagen, dass seine Saison absolut besch…eiden war und auch der Einsatz nicht so oft stimmte, wie man es von einem Stürmer seiner einstigen Klasse erwarten können müsste. Für seine gezeigten Leistungen in den drei Saisons davor hat er sich den Abschied jedoch redlich verdient, das sei hier auch klargestellt.

ZITAT: Aber diesen Ball nahm Carl-Edgar Jarchow auf und sagte zusammenfassend: „Es kann nur besser werden, und es wird besser werden.“

Naja, im Moment sieht es eher nicht danach aus. Im Gegenteil. Mit seiner Taktik, dass die Bundesliga keinerlei finanzielle Einschnitte machen muss, aber dafür sämtlichen anderen Abteilungen Mittel gekürzt werden sollen – was nichts anderes heißen kann, als dass neuerdings (wieder) Mitgliedsbeiträge, mit denen bisher nach meinem Wissen und Aussagen von Abteilungen ausschließlich der Breitensport finanziert wurde, für die Fußball-Bundesliga “zweckentfremdet” werden, da die gleichen Quellen angaben, keinerlei Finanzhilfen aus dem Bundesligatopf zu erhalten -, macht er sich keine Freunde. Ganz im Gegenteil. Wenn die Bundesligamänner bei der nächsten JHV wieder gegen den Abstieg arbeiten (oder dafür?), wird’s auf der Versammlung ganz schön knallen… Perspektivisch glaube ich, dass es auf der JHV krachen wird. Nur weil davon geredet wird, die Mannschaft dürfte gelernt haben, hat sie nicht gelernt. Ich sehe auch nicht, dass der Kader nächste Saison zwingend stärker ist. Geschweige denn, dass Fink das richtige Konzept hat, denn er geht taktisch nur äußerst widerwillig nach den Spielern, die er im Kader hat (siehe Personalie Jarolim, die anfangs nichts mit Leistung zu tun hatte, sondern nur mit dem Willen Finks), sondern versucht die vorhandenen Möglichkeiten in sein Konzept einzupressen, ob es passt oder nicht. Damit wird er genauso scheitern wie jeder andere “Konzepttrainer”, der Vorstand und Aufsichtsrat in den letzten Jahren vortragen durfte, wie toll das doch alles auf Papier und in Powerpoint aussieht… Ich gebe ihm bis Weihnachten, dann ist der HSV spätestens wieder auf der Suche nach seinem Nachfolger, aus der reinen Not heraus.

Von „Thorsten“:

Moin, Moin!

Nachdem er Tagesausflug immerhin schöne Erinnerungen an die emotionalen Verabschiedungen von Jaro und Petric gebracht hat, beginnt wieder alles von vorne.

Die Presse spekuliert wild darüber, was kommen könnte oder nicht, beschimpft sportliche Führung und weiß natürlich alles besser. Ehrlich gesagt, macht dieser Blog nur noch deshalb Spaß, weil man sich darüber informieren kann, was andere HSVer so denken.

Zusammengefasst wird hier blogmäßig in der neuen Saison folgendes passieren:

1. Trainingslager
Es wird mit einer nie gekannten Intensität gespielt, Spielzgüe werden einstudiert, die den Rest der Liga ins VErderben stürzen werden. Mindestens zwei kommende Topstars werden entdeckt werden, denen die Torjägerkanone und eine als internationaler Topstars prognostiziert wird.

4. Spieltag
Die kommenden Weltstars spielen mäßig und treffen nur dreimal in den ersten 3 Spieltagen. Man fragt sich, ob man nicht in die falschen Spieler investiert hat.

8. Spieltag
Bei Matz-Ab wird stolz verkündet, das Troche in Spanien in einem Spieltag drei Tore geschossen hat und nun endlich ein ganz Großer wird. Das es Abseitstore waren, fällt als unwesentliches Detail unter den Tisch.

15. Spieltag
Der HSV hat zu Hause noch nicht verloren, drei Heimsiege eingefahren und Bruma hat bereits 6 assists per Flanke gegeben. Im Matz-Ab Blog wird er als der neue Manni Kaltz und Flankengott – auf Jahre hinweg – gefeiert.

17. Spieltag
Bruma hat in den letzten zwei Spielen nicht einmal geflankt. Matz-Ab rät zum sofortigen Verkauf bzw. Rückabwicklung des Geschäfts mit Chelsea. Das hätten doch alle sehen müssen, dass das nur Zufall war. Der Chronistenpflicht sei beigefügt, dass BRuma einmal gesperrt und einmal verletzt gefehlt hat.

Winterpause
Der HSV steht mit 9 Punkten Rückstand auf Platz 9 und hat bereits 28 Punkte auf dem Konto. In Matz-AB werden Anekdoten aus den 70ern veröffentlicht. Außerdem wird
bekannt, dass DM den Kontakt zu RvN hergestellt und BH auf dessen Frage den Deal empfohlen hat.

19. Spieltag
Der HSV gewinnt 9:0 gegen Werder Bremen. Die Presse spricht von dem größten SPiel der Vereinsgeschichte. In Matz-Ab wird erklärt, warum man mit Troche und Jaro 12:-2 gewonnen hätte.

23. Spieltag
TF hat es geschafft, sein Team deutlich in der oberen Tabellenhälfte festzusetzen. Die Mannschaft spielt guten Fußball, uns hat jetzt schon mehr Tore als in 2011/2012. Man hält Anschluss an die vorderen Plätze. Töre hat bereits zehn Tore geschlossen und beschließt seinen Nachnamen zu ändern.

28. Spieltag
Der HSV gewinnt 5:0 gegen Wolfsburg. Felix Magath erklärt spontan seinen Rücktritt und will fortan bei TF hospitieren. Außerdem tritt der den anonymen FUßballtrainern bei: “Hallo ich bin Felix unf ich muss pro Saison 37 Spieler kaufen.”

34. Spieltag
Durch ein Abseitstor in letzter Sekunde verdrängt der HSV Borussia Dortmund von den EL-Plätzen und feiert eine schnellere Rückkehr in internationale Geschäft. DM erklärt, warum man mit Troche, Jaro, Rost die Cl erreicht hätte.

:mrgreen:

P.S.:
Danke an Jaro und Petric für eine tolle Zeit, vorbildlichen Einsatz und viele Tore beim HSV!!

Jarolim – Entscheidung am Kunden vorbei!

29. April 2012

„So etwas will ich nie wieder erleben!“ Sagte HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow nach dem 0:0 gegen Mainz 05 und der damit verbundenen Rettung, dem Erstliga-Klassenerhalt. Wer hat es sich in diesen Stunden nicht auch schon gesagt? So etwas möchte ich auch nie wieder erleben. Wer möchte das schon? Man ist ja schließlich nicht jahrelang als Fußball-Masochist unterwegs. Eine solche unterirdische Saison sollte eigentlich erst einmal für viele Spielzeiten reichen. „Das war ein Grottenkick“, befand HSV-Kapitän Heiko Westermann nach dem Mainz-Spiel, und doch wusste jeder, wie unerheblich dieser Rückblick auf die 90 niveauarmen Minuten war. Der Punkt war wichtig, nur darauf kam es an; aber dieses Spiel steht und stand auch irgendwie für ein ganzes Spieljahr voller Enttäuschungen und Rückschlägen. Jetzt kann es und soll es nur noch besser werden, Sportchef Frank Arnesen blickte am Sonnabend einmal mehr schon optimistisch in die Zukunft: „Ich denke, dass wir mit den Erfahrungen der letzten Wochen bald einen oder auch zwei Schritte nach vorne machen.“ Wobei der Däne mit dieser Aussage schon einen Schritt zurück machte, denn zuletzt hatte Arnesen immer auch betont, dass die jungen HSV-Spieler durch diese harte und lehrreiche Saison „nicht nur einen, sondern gleich drei Schritte nach vorne machen“ werden. Vielleicht aber auch nur zwei. Oder eventuell auch nur einen? Wäre ja immerhin auch noch nach vorn . . .

Wir alle werden es in der nächsten Spielzeit, die 50. Erstliga-Saison für den HSV, erleben. Ich habe am Sonnabend nach dem Kick solche und solche Stimmen gehört. Viele glauben, dass der HSV auf jeden Fall gefestigt sein wird, dass es zu einem ungefährdeten Mittelfeldplatz reichen wird, nicht wenige aber blicken auch unverändert skeptisch in die Zukunft – weil sie dem Frieden (noch) nicht so ganz trauen. Der HSV mag zwar nach großen Namen wie Rene Adler und Dirk Kuyt greifen, aber erneut ohne internationalen Startplatz und damit auch ohne zusätzliche Einnahmen aus der Europa League dürfte es für den finanziell angeschlagenen Klub schwer werden, mit einem leeren Beutel noch so große und hohe Sprünge zu machen. Wobei die Personalie Adler vielleicht noch zu einem kleinen Politikum innerhalb des HSV wird, denn es gibt hinter der vorgehaltenen Hand Stimmen, die davon sprechen, dass einige Aufsichtsräte weit davon entfernt sind, diesen Super-Transfer mal eben so locker vom Hocker durchzuwinken. Man darf gespannt sein.

Schön aber auf jeden Fall, dass der 125. Geburtstag der Rothosen jetzt doch in Liga eins gefeiert werden kann.

„Ich wollte nicht der erste Trainer sein, der mit dem HSV den Gang in die Zweite Liga antreten muss. Mir fällt natürlich ein Stein vom Herzen, denn es war ja schon damals klar, als ich zum HSV kam, dass es eine sehr schwierige Saison für uns werden würde. Dass wir in Zukunft besser spielen müssen, das wissen wir“, sagte Thorsten Fink nach dem Schlusspfiff erleichtert. Alle konnten dem Coach ansehen, dass er unter dieser Spielzeit enorm gelitten hat – und es war in Finks Gesicht nicht nur die Nachwirkungen einer Magen- und Darm-Grippe erkennbar. Der frühere Bayern-Profi dürfte einige graue Haare mehr in diesem Jahr bekommen haben. Und auch er ist ganz sicher um einige Erfahrungen reicher geworden. Von der – auch und vor allem von ihm – so oft hervorgehobenen und beschworenen „guten Qualität“ des HSV-Kaders war in dieser Saison jedenfalls nicht oft etwas zu sehen. Nur drei Heimsiege in 17 Spielen – das ist, um es noch einmal beim deutlich Namen zu nennen, einfach nur erbärmlich und spricht eine viel klarere Sprache, wie es wirklich um den HSV 2011/12 bestellt war.

Thorsten Fink sagte auch: „Es kann natürlich nicht unser Anspruch sein, immer gegen den Abstieg zu spielen, aber in dieser Saison war es nach diesem Beginn nicht anders möglich. Die Last des Fehlstarts haben wir durch das ganze Jahr tragen müssen. Nächste Saison kann man zusammen einiges erreichen, ohne gleich wieder große Ziele zu setzen, aber der Abstiegskampf sollte es nicht wieder sein . . .“ Da war auch der Sportchef ganz bei ihm. Frank Arnesens Blick in die nähere Zukunft des HSV: „Europäischen Fußball können wir auch in der nächsten Saison noch nicht bieten, aber hoffentlich in zwei Jahren.“
Dieser Hoffnung schließe ich mich gerne an, allein mir fehlt noch etwas der Glaube. Noch.

Das kann sich ja aber auch schon in den nächsten Tagen und Wochen schon ändern. Wenn die ersten Neuzugänge beim HSV „eintrudeln“. Arnesen hat ja wohl schon ganz klare Vorstellungen vom HSV 2012/13, ansonsten hätte es einige Personalien wohl in dieser Form nicht gegeben. Dass Mladen Petric würde gehen müssen, das stand spätestens um den Jahreswechsel fest – und damit hatte sich der HSV-Anhang auch schnell, unspektakulär und mehr oder weniger schweigend abgefunden. Dass aber auch David Jarolim, im Herbst schon still und heimlich auf das Abstellgleis geschoben, gehen muss, obwohl er (gemeinsam mit seinem Landsmann Jaroslav Drobny) den HSV fast im Alleingang gerettet hat, das fand (und findet immer noch nicht) keine Zustimmung in und um Hamburg herum. Die „David-Jarolim“-Sprechchöre am Sonnabend sollten den HSV-Verantwortlichen noch immer in den Ohren klingeln und auch ein weiteres Mal zu denken geben.

Ich habe es in 32 Jahren als HSV-Reporter höchst selten einmal erlebt (eigentlich kann ich mich nicht an einen einzigen Fall erinnern), dass die Klub-Oberen so am Kunden vorbei entscheiden. Und dass einmal eine Entscheidung so hart, unerbittlich und konsequent verfolgt und durchgezogen wird, obwohl es viele, viele Widerstände gibt. Zumal ja ein Plan besteht, David Jarolim später in irgendeiner Form beim HSV anstellen zu wollen (wenn er denn jetzt noch besteht!). Da hätte es ein „kleinerer Anschlussvertrag“ vielleicht noch einmal getan, um einen Vollblut-HSVer zu halten – und um später noch einmal von ihm zu profitieren. Und nicht wenige Fans haben sich beim Verlassen des Volksparks am Sonnabend auch die Frage gestellt: „Was ist, wenn der HSV wieder in eine solche Abstiegsgefahr geraten sollte? Wer spielt dann den David Jarolim beim HSV? So richtig viele und adäquate Kandidaten scheint es da – meiner unmaßgeblichen Meinung nach – beim HSV noch nicht zu geben. Aber: gut Ding will Weile haben. Arnesen hat einen Plan im Kopf, lassen wir uns mal überraschen. Allerdings geht er in meinen Augen ein sehr hohes Risiko, denn sollte es so schiefgehen wie in dieser Saison, dann dürfte schnell ein Sündenbock ausgemacht sein. Hoffen wir (und ich hoffe es wirklich!), dass es nicht so kommen mag. Hoffentlich.

Zurück noch einmal zu diesem 0:0. Der Punkt war das sportliche Highlight (weil die Rettung), die Abschiedsfeier für David Jarolim, Mladen Petric und auch für Romeo Castelen aber durch nichts, wirklich durch nichts zu toppen. Ich gebe es zu (und ich bin erstaunt, wie viele Kollegen es später auch zugaben), auch mir kullerten ein paar Tränen bei dieser Zeremonie zu Boden. Selten einmal so etwas Emotionales erlebt. Wobei ich auch Thorsten Fink danke, dass er sich trotz des engen Spielstandes in der Lage sah, sowohl Petric als auch Jarolim vorzeitig vom Platz zu nehmen, damit sie schon ein erstes Mal gebührend gefeiert werden konnten. Das war großes Kino, danke Herr Fink!

„Es war ein so emotionaler und sensationeller Moment, der mir sehr nahe gegangen ist“, gab Petric später, als seine Tränen getrocknet waren, zu. Seine sportliche Zukunft ist geklärt, aber noch hat er nicht verraten, wohin es ihn ziehen wird. Ob er sich, so denke ich schon seit einigen Tagen, auf seine alten Tage noch einmal den englischen Fußball antun wird? Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen, ich habe auch nichts läuten gehört, aber irgendwie habe ich im Hinterkopf, als ob sich Fulhams Trainer Martin Jol noch an Petric erinnern könnte . . . Mal abwarten. Aber ich denke auch: Wenn Heung-Min Son mit Newcastle in Verbindung gebracht wird, wenn Markus Marin für sieben Millionen zum FC Chelsea geht (ob er dort auch so oft und so schön und so leicht fällt?), dann könnte auch Mladen Petric . . .

Noch nichts ist bei Jarolim bekannt. Ich fand es ja super, dass der Tscheche zuletzt zugegeben hat (er hatte bis dahin ja nie öffentlich etwas dazu gesagt), dass er bis zuletzt doch noch auf eine kleine Hintertür gehofft hatte, um noch beim HSV bleiben zu können. Das macht ihn nur noch menschlicher. „Jaro“ sagte nach seinem letzten Spiel auf „heiligem Boden“ und nach neun Jahren HSV: „Ich bin sehr glücklich, dass wir uns gerettet haben, und nun wünsche ich dem HSV, dass man Konstanz hier reinbringen wird, und dass es ein wenig ruhiger wird, was die Klubführung angeht.“ Aber diesen Ball nahm Carl-Edgar Jarchow auf und sagte zusammenfassend: „Es kann nur besser werden, und es wird besser werden.“ Jarchows Wort in des Fußballgottes Gehörgang . . .

Wie Trainer Fink sich den weiteren Weg mit dem HSV vorstellt, das verriet er auch schon einmal (ganz kurz) am Sonnabend: „Wir wollen nicht tausend neue Leute holen, sondern uns gezielt verstärken. Den Großteil der Mannschaft wollen wir schon behalten, ich glaube, dass die jungen Spieler gelernt haben – wir haben, so denke ich, den drittjüngsten Kader der Bundesliga, von daher gehe ich aus, dass wir einiges gelernt haben in diesem Jahr.“ Lernen. Das dürfte wohl aber auch auf die älteren Herrschaften (in Mannschaft und Klub-Führung) zutreffen. Wäre schön, wenn sich diesbezüglich einige den Schuh anziehen würden, nämlich die entsprechenden Lehren aus 2011/12 zu ziehen. Thorsten Fink lobte aber immerhin den Zusammenhalt im Klub: „Wir haben uns nicht nervös machen lassen, wir haben unser Ding durchgezogen, ich habe im Verein große Unterstützung gehabt. Das ist ja immer wichtig, dass man merkt, dass sportlicher Leiter, der Präsident, alle möglichen Leute im Aufsichtsrat, dass einem alle das Vertrauen schenken und aussprechen – und die Fans auch. Das alles zusammen hat uns sicher den Klassenerhalt gesichert, und daran sieht man, dass Teamwork im Fußball sehr viel bewirkt. Es gab einige Klubs, bei denen das nicht so gelaufen ist . . .“

Apropos andere Klubs. Ein schneller und kurzer Abstecher zu Thomas Tuchel sei mir noch gestattet. Der Mainzer Trainer war oft genug (auch) für mich ein „rotes Tuch“, aber diesmal hat er bei mir Boden gut gemacht. Er hat mir sogar imponiert. Während des Spiels kaum eine Regung (oder gar ein Wutausbruch) gegen den guten Schiedsrichter Florian Meyer, und auch nach dem Spiel immer den direkten Weg zum Tor . . . Tuchel „zerlegte“ seine Mannschaft ohne Rücksicht auf Verluste: „Wir geben mit einer Fahrlässigkeit Punkte und Tabellenplätze her, da fällt es mir schwer, mich zu freuen oder auch zufrieden zu sein. Wir haben heute schlechten Fußball gespielt, diese Art und Weise passt mir gar nicht. Sehr fehlerhaft und mangelhaft bei eigenem Ballbesitz, beim Umschalten gab es wahnsinnig viele Fehler, unsere wenigen Torchancen haben wir schlampig vergeben, noch viel schlampiger sind wir mit jenen Chancen umgegangen, die erst gar keine Torchancen wurden – weil wir sie mit schlechtem Passspiel und ungenauem Freilaufverhalten verhindert haben. Das hat von hinten bis vorne gar nicht gepasst, und das ist ein Abziehbild dieser gesamten Saison.“
Das war mal Klartext. Alle Achtung, Herr Tuchel, auch so kann man es mal machen. Kompliment! Dickes Kompliment sogar. Das war die ungeschminkte, schonungslose Wahrheit, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit.

So, das war mein Wort zum Sonntag. Nach einer ziemlich harten und feucht-fröhlichen Nacht, das sei einmal zugegeben, denn wir Hamburger Journalisten haben (auf eigene Kosten) den Saisonausklang in Hamburg gefeiert – und ein wenig natürlich auch auf den Klassenerhalt angestoßen. Eine nette Feier, von drei Kollegen organisiert – ich glaube, das gibt es in dieser Form nicht oft in anderen deutschen Städten. NDR, Bild, Mopo, Welt, Abendblatt, Kicker, Stern, Sky und, und, und – alle an einem Tisch, das ist eine schöne und runde Sache. Bei allem Konkurrenzdenken gibt es auch in unserem Job noch so etwas wie Menschlichkeit und Freundschaft. Danke dafür – ich freue mich schon auf die neue Saison; ich fühle mich sehr wohl in diesem (euren) Kreis.

Bei der Gelegenheit, weil wir alle so nett unter uns beisammen saßen: NDR-90,3-Moderatorin Britta Kehrhahn verriet eine kleine Besonderheit. Am Sonnabend waren rund um die Bundesliga-Spiele „nur“ Frauen in die Nachmittags-Sendung involviert. Sie sehen ja auf Monitoren auch das Spiel. Eigentlich wird ein laufendes Musikstück nur bei einem Tor unterbrochen, diesmal entschied Britta Kehrhahn aber einmal ganz anders: Als David Jarolim in der 88. Minute vom Platz ging, überließ sie Reporter Lars Pegelow die Szenerie. Abends gab Britta Kehrhahn zu: „Wir Frauen wären auch gar nicht in der Lage gewesen, etwas zu sagen – wir haben alle vor Rührung geheult . . .“

Toll, diese entwaffnende Ehrlichkeit. Passte aber zu diesem grandiosen Jarolim-Abgang – und zu diesem gelungenen Saison-Abschieds-Abend in der Schanze. Ganz nebenbei: Auch der HSV war mit seiner Presseabteilung (Jörn Wolf an erster Stelle) vertreten, Thorsten Fink wollte dabei sein, aber die Magen- und Darm-Grippe . . . Aber selbst Teammanager Marinus Besten war mit von der Partie. Ich weiß, ich weiß, er heißt Marinus Bester, aber ich nenne ihn schon seit Jahren nur „Herr Besten“. Der Grund für diese Namesänderung? Der sei denn noch schnell verraten: Als der Österreicher Kurt Jara hier Trainer war, da merkten wir alle schnell, dass er sich nicht so richtig die Namen seiner „Untergebenen“ und der Randfiguren merken konnte. Nico Hoogma hieß bei Jara noch lange „Hoogmann“, Co-Trainer Armin Reutershahn hieß bei Jara schon mal „Reutershagen“, und ich hieß beim Trainer nur „Herr Matzen“. Obwohl Marinus „Besten“ ihm so oft – auch schon vor den Gesprächen – zugeflüstert hatte: „Kurt, der Matzen heißt nur Matz!“ Es blieb aber bei Matzen. Also hieß „Herr Besten“ auch nur „Herr Besten“ – und das ist bis heute so geblieben.
Ende.

PS: Am Montag wird nicht trainiert.

18.49 Uhr

Klasse gerettet – Ende gut, alles gut!

28. April 2012

Der HSV ist gerettet, der Dino ist nicht gestorben, der Dino bleibt unabsteigbar! Ende gut, alles gut? Nicht ganz, aber die Klasse ist gehalten, letztlich klarer als erwartet, denn lange, lange wankte der Hamburger Sport-Verein – aber zum Glück fiel er nicht. Das 0:0 gegen Mainz 05 war der Klassenerhalt aus eigener Kraft, aber auch die Konkurrenz half, denn Freiburg besiegte den 1. FC Köln 4:1. Damit ist alles paletti, die neue Saison kann kommen. Erleichterung pur, jetzt muss aus dieser verkorksten Saison noch die eine oder andere Lehre gezogen werden, dann kann es ja nur noch aufwärts gehen. Ein schöner Tag im Volkspark, auch wenn es wieder einmal keinen Heimsieg gegeben hatte. Aber darauf kam es diesmal nicht an. Rettung war wichtig, und die Rettung ist gelungen. Und abhaken.”Wir für euch, ihr für uns – gemeinsam Erste Liga” So soll es sein.

Das gab es auch höchst selten einmal: Die Polizei, dein Freund und Helfer. Per Blaulicht-Eskorte wurden das Unparteiischen-Team von Florian Meyer bis vor den Stadion-Eingang gebracht – es war wohl mächtig Verkehr in Bahrenfeld und Umgebung. Und nach den Schiedsrichtern liefen erst die Mainzer ein – das war auch ganz schön knapp.

Vor dem Anpfiff traf ich den alten HSV-Kämpfer Horst Heese. War es nur Zufall, dass neben und hinter ihm „Eisen-Dieter“ stand, die frühere St.-Pauli-Kante Schlindwein. Wer an diesen beiden „Jungs“ früher vorbeikam, hatte selbst schuld . . . Als ich das beiden Herren sagte, taten sie völlig schuldlos. Nun gut, Heese war immerhin optimistisch: „Wir halten heute die Klasse, keine Frage – wer ist Mainz? Die Stadt kennt man doch nur vom Karneval . . .“

Und so lief das Spiel dann auch in Halbzeit eins. Es war zwar nicht zum Lachen, auch nicht zum Schmunzeln, aber hatte doch irgendwie etwas Humorvolles. Der HSV hatte den einen Punkt schon vorher sicher, es langte zum Klassenerhalt ein 0:0 – und so sah das Spiel dann auch aus. Obwohl der HSV in den ersten 45 Minuten klar den Ton angab. Allerdings hatte Eric-Maxim Choupo-Moting für Mainz die wohl größte Einschussmöglichkeit des ersten Durchgangs, als er in der 16. Minute allein auf Sven Neuhaus zulief, doch der HSV-Keeper verkürzte geschickt den Winkel und hielt – nur Eckstoß für Mainz.

Der HSV hatte viele vielversprechende Offensivaktionen, Paolo Guerrero auch gute Möglichkeiten, aber bis zum Seitenwechsel wollte kein Treffer gelingen. Kommentar Olli Dittrich („Dittsche“): „Der HSV weiß, dass er mit einem Punkt gerettet ist, so spielt er denn auch. Hoffentlich geht das gut. Noch spielt die Ko0nkurrenz ja auch mit.“ Immerhin stand es in Freiburg 1:0 gegen den 1. FC Köln. Apropos andere Plätze: NDR-Reporter-Urgestein Alexander Bleick könnte ein Hellseher werden – er teilte seinen Hörern mit, dass der einzige Höhepunkt der Partie im Volkspark die Anzeigentafel war – als das Ergebnis aus Freiburg verkündet wurde. Da war es aber noch gar nicht verkündet. Das geschah erst fünf Minuten später. Aber dann war der Jubel tatsächlich so groß, als hätte der HSV soeben ein Tor erzielt . . .

Sommerfußball eben. Aber wie gesagt, der eine Punkt reichte ja. Und den etwas anderen Bundesliga-Fußball produzierten ja auch nur die Spieler – die beiden Trainer am Rande gaben alles. Die gestikulierten und schrien ohne Ende – ich wüsste gar nicht, wer zum Schluss vorne lag, gefühlsmäßig würde ich auf Thomas Tuchel tippen. Obwohl Thorsten Fink im zweiten Durchgang mächtig auf die Tube drückte. Ein Wort noch in Richtung Tuchel. Früher hat er ja kein gutes Haar an jedem (!) Schiedsrichter gelassen, diesmal meckerte er nur seine Spieler an – der Mann hat gelernt, Kompliment.

Beim HSV hatte kurzfristig Marcus Berg passen müssen, der Schwede fiel mit einer Magen- und Darm-Grippe aus. Die hatte zwar auch Marcell Jansen erwischt, aber der Ex-Nationalspieler kämpfte sich in diese Partie rein. Ohne allerdings große Akzente setzen zu können. Immerhin ging sein Auftritt nicht ganz in die Hose . . .

Das Niveau wurde im zweiten Durchgang nicht besser, obwohl der HSV – für mich – diese Partie noch einen Tick mehr überlegener gestaltete. Ohne zu überzeugen, aber ging es darum diesmal wirklich? Nein, es ging nur ums nackte Überleben. Was wäre wohl gewesen, wenn ein Punkt oder ein Sieg im letzten Spiel in Augsburg ein „Muss“ für den HSV gewesen wäre?

Mitte der zweiten Halbzeit geriet das Spiel dann zur großen (Abschieds-)Party. Als Mladen Petric in der 73. Minute ausgewechselt wurde, skandierte vor allen Dingen der Norden „Mladen Petric“ – der Kroate ging bei seinem letzten Auftritt im Volkspark mit Tränen vom Platz. Ganz starke Leistung der Zuschauer, dass sie den (früheren) Torjäger so feierten.

Und dann wurde auch – während des Spiels – David Jarolim gefeiert. Und als der Tscheche in der 88. Minute ging, erhoben sich die 56 537 Zuschauer von ihren Plätzen. Zudem kamen alle Mitspieler und nahmen ihn noch auf dem Rasen in den Arm. Sogar einige Mainzer verabschiedeten den gute alten „Jaro“. Was für ein Abschied! Großartig. Auch Trainer Fink nahm den „Altmeister“ in die Arme. Auf dem T-Shirt des Dauerläufers prangte der Spruch: „Danke für die tolle Unterstützung!“ Und auch bei ihm rollten die Tränen. Wobei ich sagen muss: in seinem Fall ist es nicht so: Ende gut, alles gut. Das ist es nämlich nicht. Da wird einer verabschiedet, den sie nun alle lieben. Fast alle. Auch Mladen Petric wurde noch gebührend gefeiert. Auf seiner Brust prangte: „Danke für die geile Zeit.“

Es blieb beim 0:0.

„Wir sind das Urgestein!“ Und: „Niemals Zweite Liga, niemals, niemals!“
Neben Jarolim und Petric wurde auch Romeo Castelen verabschiedet und gefeiert. Auf Wiedersehen, ihr Helden, ihr habt dem HSV und uns viel gegeben. Danke dafür!

Die Einzel:

Sven Neuhaus sehr gut.

Jeffrey Bruma setzte hinten rechts neue Maßstäbe.

Michael Mancienne hatte einige Wackler, aber dann, wenn es drauf ankam, war er da.

Heiko Westermann begann mit einige Pässen zum Vergessen, aber fing sich rasch und
war wieder der Fels in der Brandung.

Dennis Aogo unheimlich engagiert und auch gut. Da wächst, nein, da ist eine Führungspersönlichkeit herangewachsen.

David Jarolim mit einem Super-Abgang. Mehr möchte und kann ich gar nicht sagen. „Ich werde euch nie vergessen, ihr bleibt in meinem Herzen“, sagte der den Fans. Das gilt auch umgekehrt, lieber „Jaro“.

Tomas Rincon okay.

Heung-Min Son mit Licht und Schatten, machte einfache Dinge falsch, aber ihm gelangen auch einige nette Sachen. 60:40 für gut.

Marcell Jansen hielt geschwächt tapfer durch, alle Achtung!

Mladen Petric konnte nicht an seine Form anknüpfen, die er einst hatte, aber auch diesmal war er unheimlich bemüht.

Paolo Guerrero hatte keine Spielpraxis, das war ihm anzumerken, war aber trotz allem eine Offensiv-Stütze.

Jacopo Sala (ab 73. Minute für Petric) fügte sich gut ein.

Robert Tesche (ab 83. Minute für Guerrero) spielte nur noch mit.

Tolgay Arslan (ab 88. Minute für Jarolim) war dafür da, um Jarolim einen guten Schluss zu verschaffen.

„Sechsmal Deutscher Meister, dreimal Pokalsieger – immer Erste Liga. HSV“

Es ist gerade noch einmal gutgegangen.

Zum Schluss der gesamten Feierei forderten die Fans im Norden der Arena auch noch den verletzten Jaroslav Drobny, der stürmisch beklatscht wurde. Danke auch an ihn, ohne Drobny wäre das Unternehmen Klassenerhalt nicht möglich gewesen. Der HSV ist jetzt auf Platz 14! Der Dino lebt.

17.41 Uhr

Muskelbündelriss – Jaroslav “Dr. Schmerz” Drobny muss passen

27. April 2012

Oha, ich glaube, das fand er nicht so wirklich lustig. „Passend wäre, wenn Du Dich mit einem Linkshammer aus 20 Metern in den Knick verabschieden würdest“, habe ich David Jarolim heute in seiner vielleicht letzten Presserunde als HSV-Profi geflachst. Es war als Scherz gemeint, immerhin sind gefährliche Fernschüsse wahrscheinlich das, was am untypischsten für den ansonsten rundum vorbildlichen Tschechen ist. Und entsprechend verkniff er sich auch eine direkte Antwort und einer meiner Kollegen übernahm das Wort.

Und auch wenn absolut klar ist, dass Jaro wegen so eines Scherzes niemals wirklich böse ist, der 32-Jährige offenbarte heute die etwas andere Seite an ihm. Der harte Kämpfer zeigte seine sensible Seite. „Ich weiß noch nicht, wie es morgen wird“, so der Mittelfeldspieler, der gegen den FSV Mainz nach neun Jahren mit seinem 257. Bundesligaspiel für den HSV seinen (vorläufigen) Abschied aus Hamburg feiert. „Ich denke einfach möglichst wenig darüber nach“, sagt Jarolim, der sichtbar traurig ist. „Bis letzte Woche hatte ich noch gehofft, dass ich vielleicht doch hier bleibe. Schon deshalb habe ich mir nicht zu viele Gedanken gemacht. Und auch jetzt passt das nicht. Dafür ist das Spiel zu wichtig. Ich glaube ehrlich gesagt, dass das alles erst nach der Saison richtig kommt.“ Und selbst wenn es ihn morgen doch übermannt, Jaro ist vorbereitet. „Ich weiß nicht, ob Tränen fließen. Ich werde auch keine Zwiebel in der Tasche haben oder so. Aber es ist auch keine Schande, dafür muss man sich nicht schämen.“ Recht hat er.

Mit Jaro geht einer der letzten Spieler der so oft zitierten und herbeigewünschten alten Garde. „Einer der letzten“, weil mit Heiko Westermann mindestens noch einer bleibt und der Abgang des vielleicht härtesten HSV-Profis noch immer nicht hundertprozentig ist: der von Jaroslav Drobny. Der Keeper trainierte heute auch anfänglich mit. Trotz seiner anhaltenden Hüftbeschwerden. „Drobo ist der Typ Fußballer, den ich mag, mit dem ich mich identifizieren kann“, lobt Jarolim seinen Landsmann und HSV-Keeper, „vor ihm ziehe ich meinen Hut. Er ist vorbildlich, will immer helfen und hat Charakter. Davon gibt es zwar einige, aber viele im Profifußball heute haben eben jene Eigenschaften nicht mehr.“

Trotzdem musste auch heute „Dr. Schmerz“ seinem Körper Tribut zollen und aufgeben. Nach einem kurzen Warmmachprogramm brach Drobny ab. Und bei der Frage nach dem Warum blieb einiges offen. Denn Drobny ist richtig kaputt. Ein Muskelbündelriss wird den Tschechen diese Saison nicht mehr auflaufen lassen. Offen blieb dabei, ob sich Drobny diese Verletzung ob seines übermäßigen Trainingsehrgeizes zusätzlich zur Prellung zugezogen hat oder schon im Spiel gegen Nürnberg derart verletzt war. Klar ist indes, dass Sven Neuhaus gegen Mainz ran muss und darf. Hinter ihm rückt Youngster Florian Stritzl als Ersatztorwart in den Kader.

Dennoch könnte die Partie gegen Mainz zur letzten Etappe werden. Zur letzten Etappe im doppelten Sinn, denn zum einen kann der Klassenerhalt endgültig klargemacht werden, zum anderen ist es das letzte Heimspiel für Jarolim, Petric und aller Voraussicht nach auch Neuhaus. Zuletzt wurde zudem darüber gemunkelt, ob auch Tesche im Sommer vorzeitig gehen muss. „Ich will doch hoffen, dass es für diese Saison das letzte Heimspiel ist“, sagt Jarolim. Denn sollte es das nicht sein, würde das zwangsläufig bedeuten, der HSV müsste zur Relegation antreten. Jaro: „nee, echt nicht. Die brauchen wir hier nicht.“

Stimmt. Ich auch nicht. Ihr wahrscheinlich genauso wenig. Allerdings braucht Jaro auch in Zukunft seine Dosis Hamburg. Was ihm am meisten fehlen wird? „Das kann ich nicht festmachen. Es gibt nicht nur eine Sache. Ich bin jetzt seit neun Jahren hier, Hamburg ist mehr als ein Job. Das hier ist mein Zuhause, der HSV ist mein Leben. Es wird verdammt schwer für mich, woanders wieder neu anzufangen. Wobei das nicht zwingend sein muss. Denn, so war zu hören, auch der 1. FC Nürnberg, bei dem Jaro vor dem HSV spielte, soll sich nach dem HSV-Tschechen informiert haben. „Ich weiß es noch nicht“, so Jaro, der allerdings ein mögliches Engagement in Katar ausschließt. „Das geht nicht, ich brauche noch die Herausforderung. Und die bekommt man am besten in der Bundesliga.“ Gut möglich also, dass Jaro zur neuen Saison in der Imtech-Arena zum Auswärtsspiel antritt? Jarolim: „Das ist gut möglich.“ Ausgeschlossen seien nur Wechsel zum FC St. Pauli und natürlich Werder Bremen. „Wahrscheinlich wollen die mich gar nicht. Aber auch, weil die wissen dürften, dass das gar nicht geht, dass eine Anfrage sinnlos wäre…“

Irgendwann, frühestens in zwei Jahren, will Jarolim nach Hamburg zurückkehren. „Wir werden unsere Wohnung hier nicht aufgeben. Hamburg ist unser Lebensmittelpunkt und bleibt das auch. Wir haben hier in den Jahren so viele Leute kennengelernt, so viele Freunde gefunden – das bleibt immer unsere Anlaufstelle, egal wo auf der Welt wir gerade sind. Hier geht zwar jetzt eine Etappe als Fußballprofi für mich zuende, aber vielleicht folgt ja hier irgendwann die erste Etappe als knallharter Trainer“, flachst Jarolim, dem der HSV die Option eröffnet, nach der Karriere als Trainer für seinen Klub zu arbeiten. „Ich würde diese Option sehr gern nutzen“, freut sich Jarolim und wagt einen Ausblick auf einen Zeitpunkt, den er gern so weit wie möglich hinauszögern würde.

Gegen Mainz wird er sich dennoch verabschieden. Von voraussichtlich 57000 HSV-Fans in der jetzt schon fast ausverkauften Imtech-Arena. „Hoffentlich nicht mit der Zehnten Gelben“, scherzt Jarolim, der bei der nächsten Verwarnung tatsächlich pausieren müsste. Nach dem Spiel sollen er, Petric und auch Romeo Castelen offiziell verabschiedet werden.

Aber die Partie gegen Mainz bietet auch schöne Wiedersehen. So ist Dennis Diekmeier wieder dabei, wird allerdings seinem Vertreter Jeffrey Bruma vorerst noch den Vortritt lassen müssen. Direkt wieder in die Startelf rückt indes Paolo Guerrero. Ebenso wie Mladen Petric. Rechts spielt Heung Min Son, links soll Marcell Jansen für offensiven Schwung sorgen, während Jaro zusammen mit Tomas Rincon die Mittelfeldzentrale zumachen soll. Die Viererkette bleibt unverändert und auch Neuhaus darf nach seiner Bundesliga-Premiere mit 34 Jahren am vergangenen Wochenende in Nürnberg auch seine Heimpremiere für den HSV feiern. Neben Drobny fallen auch Ivo Ilicevic (Adduktoren) und weiterhin Slobodan Rajkovic (Innenbandzerrung) sowie natürlich Gojko Kacar (Knöchelbruch) aus.

Aber egal wer morgen aufläuft, wer Premiere feiert oder gar verabschiedet wird, vorher geht es um die Erstliga-Existenz. Was ich damit sagen will: wir, also eindeutig auch ich, haben uns in dieser Woche ob der vermeintlich sicheren fünf Punkte Vorsprung viel mit Dingen beschäftigt, die nichts direkt mit dem Abstiegskampf zu tun haben. Dennoch wird es in den 90 Minuten gegen Mainz nur darum gehen. Oder besser: es darf nur darum gehen. Es wurde – mal wieder – genug gesabbelt, jetzt müssen – mal wieder – Taten folgen.

In diesem Sinne, ich schließe den Blog heute mit Jaros Worten, die sehr passend sind: „Erst steht die Pflicht an. Und bevor wir nicht unsere Pflicht erfüllt und endgültig die Klasse gerettet haben, gibt es kein anderes Thema. Für niemanden bei uns.“

Bis morgen,
Scholle

Aufstellungen:

HSV: Neuhaus – Bruma, Mancienne, Westermann, Aogo – Jarolim, Rincon – Son, Jansen – Petric, Guerrero.
Bank: Stritzl (Tor), Diekmeier, Arslan, Sala, Tesche, Töre, Berg
1. FSV Mainz 05: Wetklo – Pospech, Kirchhoff, Noveski, Bungert – M. Caligiuri, Polanski, Soto – N. Müller, Choupo-Moting – Szalai.

Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)
Assistenten: Frank Willenborg (Osnabrück) und Christoph Bornhorst (Damme)
Vierter Offizieller: Martin Petersen (Stuttgart

Petric und Guerrero stürmen von Beginn an

26. April 2012

Ehre, wem Ehre gebührt. Und deshalb habe ich am Textende – das nur als Warnung für all diejenigen unter uns, die nichts über einen anderen Verein lesen wollen – noch ein paar Worte über den FC Bayern verloren. Denn das, was der Deutsche Rekordmeistern gestern in Madrid abgeliefert hat, war schon höchste Fußballkunst.

Aber zurück zum hiesigen Treiben. Und auch hier gibt es genügend Ehre. Gerade im Spiel gegen den FSV Mainz wird es um die Ehre des gesamten Vereines gehen. Immerhin fehlen noch zwei Punkte, um endgültig gesichert zu sein. Zudem werden in dem so wichtigen letzten Heimspiel der Saison wichtige Spieler verabschiedet. „Abhängig von der Stimmungslage sind die Verabschiedungen der ausscheidenden Spieler nach Schlusspfiff vorgesehen“, hatte Mediendirektor Jörn Wolf heute klargestellt – und mich damit beruhigt. Denn die zunächst im Raum stehende Planung, auf eine Verabschiedung verzichten zu wollen bis man gesichert ist und diese dann später nachzuholen, wäre daneben gewesen.

Aber gut, Mladen Petric und David Jarolim werden also doch verabschiedet. Gut so! Denn zwei Ären gehen da an einem Tag dem Ende entgegen. „Davon kann man bei beiden sprechen“, so Trainer Thorsten Fink, der seine beiden Protagonisten zunächst lobte, um anschließend klarzustellen, dass auch beide von Beginn an gegen Mainz dabei sein werden. Bei Jarolim war das keine große Überraschung – bei Petric allerdings nicht ganz sicher, nachdem sich Fink zunächst auf einen Einsatz von Guerrero nach dessen acht Wochen Pause festgelegt hatte. „Paolo ist unser Stürmer Nummer eins“, so Fink, „er wird von Beginn an spielen.“ Und da Ivo Ilicevic aller Voraussicht nach mit Adduktorenproblemen wieder ausfallen wird, verschob Fink kurzerhand den zuletzt treffsicheren Heung Min Son auf die rechte Außenbahn, übte das gestern wie heute im Training, wodurch Platz im Angriff für Mladen Petric ist, nachdem Marcus Berg auf die Bank rotiert.

Damit steht wieder der nominelle A-Sturm bereit. „Mladen passt perfekt zu Paolo“, sagt Fink, der die Nominierung des Kroaten auch sportlich untermauert. „Mladen hat gegen Leverkusen gut gespielt, anschließend habe ich ihn geschont und gegen Nürnberg aus taktischen Gründen draußen gelassen“, erklärt der HSV-Trainer, der von der Richtigkeit seiner Entscheidung überzeugt scheint. Zudem ermöglicht er Petric damit einen gebührenden Abschied. „Mladen hat viele Tore für den HSV gemacht. Und er hat bis zum Schluss alles für den Klub gegeben, hat nicht auf sich geschaut, sondern taktisch hervorragend mitgezogen. Und er ist ausgeruht und fit.“

Stimmt. Zumindest sagt das auch Petric über sich. Und er wirkt motiviert. „Ich habe hier vier sehr schöne Jahre mit sehr vielen, sehr schönen Erlebnissen gehabt“, so Petric, der insbesondere die Europa-League-Saison mit dem bitteren Aus gegen Fulham als markant betrachtet. „Damals haben wir auf dem Weg ins Halbfinale viele tolle Fights und sehr emotionale Spiele gehabt. Ich erinnere mich sehr gern daran – vor allem an die Feiern in den Kabinen nach den Spielen“, so der Linksfuß, der sich nach eigenen Angaben noch nicht festgelegt hat, wohin es zur neuen Saison geht. „Es sind verschiedene Länder möglich. Spanien, England, Italien oder auch Amerika, was mich reizt. Allerdings bin ich erst 31 Jahre alt und will noch ein paar Jahre spielen.“ Daher sei auch ein Engagement in der Bundesliga nicht ausgeschlossen. „Ich kann es wirklich noch nicht sagen. Aber ich werde mich mit meiner Frau beratschlagen und dann entscheiden.“

Und das wird erst nach dem Spiel gegen Mainz sein. Vielleicht sogar erst nach Saisonende. „Fünf Punkte Vorsprung klingt gut – aber wir dürfen jetzt nicht nachlassen. Wir müssen den Klassenerhalt aus eigener Kraft klarmachen, deshalb hat in dem Spiel gegen Mainz, auch wenn es für Jaro und mich das Abschiedsspiel ist, zunächst nur der Klassenerhalt Priorität.“ Schon allein, um anschließend befreit zu feiern. Wie er selbst reagieren wird? „Ich weiß es nicht, wirklich nicht. Ich bin selbst auf meine Reaktion gespannt.“ Er habe zwar ausreichend Zeit gehabt, um sich mit seinem Ende beim HSV abzufinden, allerdings sei er sich nicht sicher, wie er reagiert, wenn es wirklich soweit ist. „Es wird für mich ein sehr emotionaler Tag. Wir haben alle gesagt, dass wir positiv auseinandergehen und ich freue mich auf dieses letzte Highlight in diesem Stadion. Aber es wird sicherlich auch traurig für mich.“ Selbst über seinen eigentlich markenzeichenähnlichen Jubel, bei dem er imaginär einen Pfeil abschießt, macht sich Petric Gedanken. Ob er wie immer jubeln würde, wenn er trifft? Petric lacht. „Keine Ahnung. Das wird spontan.“ Und ich würde wetten, dass Petric zum einen trifft, und zum anderen – egal ob mit oder ohne abgeschossenen Pfeil – sich nach einem Treffer vor dem Hamburger Publikum verbeugen wird.

Oder was glaubt Ihr? Wie würde Mladen jubeln?

Wobei, auch hier gilt: Hauptsache, wir haben was zu bejubeln. Wobei ich ganz fest daran glaube. Auch wenn beim FSV der beste Hamburger Stürmer im Team steht: Eric Maxim Choupo-Moting. Der Junge, der in Hamburg nichts geworden ist, weil zu viele Dinge rund um ihn herum zu wichtig wurden. Geht es nach Vorstandsboss Bernd Hoffmann und einigen anderen Entscheidungsträgern beim HSV, war es Just, der Vater des Technikers, der den Wechsel nötig werden ließ. Immer wieder hatte der dominante gelernte Lehrer di Verhandlungen mit dem HSV gesucht und mehr Einsatzzeiten für seinen Sohn eingefordert. Der wiederum blieb ruhig und äußerte sich eigentlich nie, während seine Leistungen auf dem Platz unter dem Dauertheater zwischen seinem Vater und der HSV-Führung litt. „Choupo ist ein super Fußballer“, hatte Dennis Diekmeier gelobt. Diekmeier hatte mit dem FSV-Angreifer in der Jugend und beim 1. FC Nürnberg zusammengespielt. „Bei Choupo ist es nur eine Frage der zeit, bis er seinen Durchbruch schafft“, so der Rechtsverteidiger des HSV, der gegen Mainz seinem bisherigen Vertreter Jeffrey Bruma den Vortritt lassen muss.

Neun Tore hat Choupo. Das könnte man durchaus als kleinen Durchbruch bezeichnen, zumal er bei Mainz Stammspieler ist. Schade nur, dass er diese Qualitäten so nie beim HSV gezeigt hat. Oder muss man sagen: Schade, dass er sie nie hat zeigen können? Immerhin hatte kein HSV-Trainer wirklich viel Geduld mit dem oft zu ballverliebten Offensivallrounder. Aber egal wie, ein Choupo in der Verfassung hätte beim diesjährigen Umbruch des HSV gute Karten gehabt. Ganz sicher.

Ziemlich sicher ist sich indes Fink, dass sein Unkaputtbarer auch gegen Mainz auflaufen wird: Jaroslav Drobny. Der Tscheche mit der „schwarzen Hüfte“, wie Fink sagte, trainierte heute wieder auf dem Platz und soll gegen Mainz wieder zwischen den Pfosten stehen. Zwar wurden heute nur die Übungen gemacht, bei denen ich Drobny nicht auf die lädierte Hüfte fallen lassen musste, aber Drobny wirkte schmerzfrei. „Es geht ihm schon ganz gut“, so Fink, „er wird morgen vielleicht schon wieder voll mittrainieren und wohl auch spielen können.“

Das wiederum gilt wie bereits erwähnt für Ilicevic (Adduktoren) nicht. Ebenso wenig dabei sein wird Per Skjelbred, dem ein entzündeter Schleimbeutel aus der Achselhöhle entfernt wurde und der pausieren muss. Der Rest trainiert heute – leider wieder unter Ausschluss er Öffentlichkeit.

Den Rest des Textes sollten nur die lesen, die sich nicht ärgern, wenn auch andere Bundesligavereine Komplimente bekommen.

Und die hat sich der FC Bayern mehr als verdient. Die Bayern sind in Madrid vor 80000 fanatischen Zuschauern nach Elfmeterschießen weitergekommen und haben dabei über weite Strecken überlegen agiert. Selbst ein noch lange nicht wieder völlig fitter Bastian Schweinsteiger zündete in den Schlussminuten und der Verlängerung noch mal einen Turbo, dem ich ihm nicht zugetraut hätte. Und obwohl es nach einem solchen Triumph sinnlos ist, einzelne Spieler hervorzuheben, ich mache es trotzdem. Denn während mit Özils Lamentieren schwer auf den Geist ging, gefiel mir auf der anderen Seite die völlig unaufgeregte Art des Österreicher Alaba. Was der Junge herunterspielte, war ein Genuss. Pfeilschnell suchte er immer wieder den Weg über außen, er bereitete eine 100000-Prozentige für Robben vor und ließ sich selbst von der Gelben karte, die eine Sperre fürs Finale nach sich zieht, nicht aus der Bahn bringen. Spätestens als er eiskalt seinen Elfer verwandelte, war es für den 19-Jährigen das perfekte Spiel. Schade nur, dass er das nicht beim HSV macht. Denn der hatte vor einem Jahr die Fühler nach dem Linksverteidiger ausgestreckt und eigentlich auch gute Karten. Erst in letzter Sekunde platzte das angedachte Leihgeschäft doch noch.

Aber gut, das ist Vergangenheit. Ich komme lieber zu dem Spieler des Spiels (Neuer hätte es auch verdient, aber es kann nur einen geben): Mario Gomez. Zwar verpasste er kurz vor Schluss den Siegtreffer kläglich, allerdings hatte das Versagen eine Vorgeschichte. Ich weiß nicht, ob es Euch aufgefallen ist, aber es gab kaum einen besseren Verteidiger als den Topstürmer der Bayer. Denn Gomez war schlichtweg überall. 90 Minute ackerte der Nationalspieler über den gesamten Platz. Er erkämpfte sich unzählige Bälle, verteilte sie geschickt und rettete zudem immer wieder am eigenen Sechzehner gegen die Einschussbereiten Özil, Kaka oder auch Ronaldo. Gomez erinnerte mich vom Engagement her ein wenig an Ivica Olic an seinem besten Tag. Das war schon ganz großes Kino, wie im Übrigen fast alles, was der FC Bayern an diesem Abend ablieferte. Bleibt nur zu hoffen, das sie diese Form auch in der Bundesliga beibehalten. Denn dann müssten wir uns mal gar keine Sorgen mehr machen. Immerhin muss Köln am letzten Spieltag gegen Bayern ran…

In diesem Sinne, noch immer berauscht von dem sensationellen Spiel, bis morgen!

Scholle

Guerrero und Diekmeier wollen gegen Mainz “alles klarmachen”

25. April 2012

Er wollte mir gar nicht antworten. „Hör’ auf damit“, so seine abwehrende Haltung auf die Frage nach dem Wie. „Ich denke da nicht eine Sekunde lang dran, weil es nicht so kommen wird“, weicht Dennis Diekmeier mir auf meine Frage aus, wie das Gefühl war, Relegation spielen zu müssen. Und es dauerte auch ein paar Augenblicke, bis ich dem gerade wieder genesenen Rechtsverteidiger klarmachen kann, dass auch ich nicht daran glaube, dass es aber durchaus interessant ist, davon zu erfahren. Immerhin ist der 22-Jährige der einzige HSV-Spieler, der schon einmal Bundesligarelegation gespielt hat. Genau genommen sogar zweimal in Folge. Im Sommer 2009 schaffte er mit dem 1. FC Nürnberg nach zwei Siegen über Energie Cottbus den Aufstieg aus der Zweiten in die Erste Liga. Ein Jahr später verhinderte er als nunmehr Erstligist den Abstieg – wieder mit zwei Siegen. Allerdings diesmal von der Tribüne aus. Er hatte sich zuvor im letzten Saisonspiel, passenderweise gegen den HSV, verletzt. „Das war der Horror. Ich konnte nichts machen, war völlig hilflos. Und das in der Situation.“

In der Situation, in der wir dank eines Sieges gegen Mainz am Sonnabend, so seine (und auch meine) Rechnung, nicht kommen werden. Ansonsten hätte es tatsächlich wieder „die schlimmste Konstellation werden können, die es geben kann“, so Diekmeier. „Es war damals relativ einfach, als wir aus der Zweiten Liga aufsteigen wollten. Damals konnten wir nur was hinzugewinnen. Aber wenn Du als Erstligist nur darum spielst, eine eh schon bescheidene Saison nicht zum Desaster werden zu lassen, dann ist das schon richtig krasser Druck. Mehr geht nicht.“ Das sei auch nicht, wie fälschlicherweise in der Öffentlichkeit oft gemacht, mit einem Finalspiel vergleichbar. Diekmeier: „Um dahin zu kommen, musst du in der Regel Siege einfahren und Runde für Runde weiterkommen. Das ist am Ende Druck – aber eben positiver. Und damit haben Relegationsspiele für einen Erstligisten nichts gemeinsam. Gar nichts.“

Ich wollte eigentlich noch wissen, wie Dennis die Spieltage damals erlebt hat, wie sich das Umfeld gab, wie seine Teamkollegen drauf waren und ob er sich an besondere Eigenheiten aus dieser Zeit erinnert. Aber Dennis wollte, nein: er konnte sich nicht mehr daran erinnern. „Eigentlich waren das normale Vorbereitungen auf die Spiele. Ich selbst habe auch noch nie vor irgendeinem Spiel etwas großartig oder bewusst anders gemacht als sonst. Das Einzige, woran ich mich erinnere, ist die jeweilige Feier danach. Und auch die habe ich ab einem gewissen Zeitpunkt jeweils vergessen…“, lacht Diekmeier, der zwar auf seinen Einsatz am Sonnabend hofft, der aber auch realistisch ist. Auch er weiß, dass Trainer Thorsten Fink kein Freund von vielen Veränderungen ist. Und obwohl Bruma in Nürnberg zuletzt beim 1:1 patzte, bescheinigte Fink dem Niederländer – berechtigterweise – eine gute Form. Gut möglich, dass Diekmeier noch warten muss, bis er sein Comeback feiern darf.

Deutlich schneller dürfte das bei Paolo Guerrero der Fall sein. Der Peruaner wusste beim mäßigen 4:1 gegen den Verbandsligisten MSV Pampow (Mecklenburg Vorpommern) mit einigen guten Aktionen zu gefallen. Allerdings fehlt dem Angreifer natürlich noch die Spielpraxis. „Ich bin noch nicht komplett wieder da, wo ich war. Es war eine lange Zeit, die ich pausiert habe“, so der Angreifer nach seinen acht Spielen Zwangspause. Dennoch hätten ihm die vielen Trainingseinheiten („Ich habe nicht mehr Freizeit als vorher gehabt, ich habe richtig hart gearbeitet“) mit den vielen internen Testspielen geholfen. Ebenso das Spiel in Pampow. „Das war richtig gut für mich. Ich habe getroffen, wir haben gewonnen“, so Guerrero sichtbar glücklich. Dass er am Wochenende, darauf hatte sich Fink bereits festgelegt, von Beginn an auflaufen soll, steigert diese Freude noch mal.

Allerdings ist Guerrero zunächst auch sehr erstaunt. „Hat der Trainer das so gesagt? Das überrascht mich. Aber ich werde alles geben, dass der Abstiegskampf endlich vorbei ist.“ Dafür würde aber nicht ein Punkt reichen, wie viele rechnen, „sondern wir müssen gewinnen, drei Punkte holen. Die Saison ist noch lange nicht vorbei.“

Das wiederum dürften seine Hoffnungen auf zehn Saisontore sein, wie sie sich Guerrero zu Saisonbeginn als Ziel gesetzt hatte. Sechs hat er, zwei Spiele stehen noch aus. „Ich bin Stürmer und will Tore machen, klar. Aber ich bin nicht immer vorne drin wie ein Gomez oder so. Ich bin hinter der Spitze, ich bereite eher viel vor. Ich rede in der Situation auch nicht über Tore und mir ist mein persönliches Ziel auch egal, wenn wir trotzdem gewinnen und die Saison gut beenden.“ Zumal die Aussichten gut seien. „Wir haben eine Achterbahnsaison hinter uns, das wird nächste Saison besser.“ Warum er sich da so sicher ist? Guerreros interessante Erklärung: „Wir haben viele Neue bekommen dieses Jahr. Die wussten nicht, wie die Bundesliga funktioniert“, so der Peruaner, eher er die jungen Kollegen, wohl insbesondere die Jungs aus Chelsea, in die Kritik nimmt: „Man kann eben nicht herkommen und sagen, dass das eine kleine Mannschaft ist. Das haben die Jungs jetzt mitbekommen und werden das sicher nicht noch mal so machen.“

Aus der Vergangenheit gelernt hat auch er selbst. Ein Foul wie das an Stuttgarts Keeper Ullreich dürfte ihm so schnell nicht wieder passieren. Das hatte Guerrero zuletzt immer wieder erklärt und entsprechend Reue gezeigt. Deshalb wollten wir das Thema Rote Karte heute eigentlich auch aussparen. Allerdings reagierte er auf eine These, dass sowas bestimmt nie wieder passiert, selbst. „Ich kann nicht versprechen, dass sowas nie wieder passiert. Dafür ist das Fußball, wo Fouls passieren. Ich wollte es ja auch diesmal nicht. Ich bekomme auch durchgehend auf die Knochen und niemand sagt, dass das nicht passieren darf.“ Und ganz ehrlich, bei jedem Wort Guerreros merkte ich, dass er gelitten hat, sich für genug bestraft betrachtet. Es habe ihn verrückt gemacht, nicht auf den Platz zu dürfen, er wusste gar nicht, wohin mit seinem Adrenalin.

Und entsprechend heiß ist Guerrero jetzt auf sein Comeback. Selbst etwaige Pfiffe der eigenen Fans würde er hinnehmen. „Ich werde immer von den gegnerischen Fans ausgepfiffen, ich kenne das. Und es gibt sicherlich Fans, die sauer auf mich sind. Aber bislang habe ich aus der Mannschaft und auf der Straße sehr viel Zuspruch erhalten. Die meisten haben mir Mut gemacht und mir vorgerechnet, wie lange ich noch pausieren muss, bis es endlich weitergeht.“ Das sei immer wieder hart, aber hilfreich gewesen. Ebenso seine Erfahrungen mit der U14, die er trainiert hatte. „Das hat Spaß gemacht. Die Jungs haben mich mitgenommen“, erzählt Guerrero. Und gerade da, wo der Vortrag über seine „freiwillige“ (der Vorstand hatte das beschlossen) Jugendarbeit pathetisch zu werden drohte, fasste Guerrero zusammen: „Ich weiß auf jeden Fall, dass meine Zukunft beim HSV liegt.“

Und das in der Ersten Liga, was eben schon am Sonnabend klargemacht werden soll. Obwohl nach Gojko Kacar (Knöchelbruch) und Slobodan Rajkovic auch noch Jaroslav Drobny (Hüftprellung), Per Skjelbred (Hautentzündung) sowie Ivo Ilicevic fraglich sind. Letzteren plagen hartnäckige Adduktorenprobleme. Der rechte Mittelfeldspieler pausierte heute und sein Einsatz soll sich erst kurz vor Spielbeginn entscheiden.

Apropos Einsatz – auf den setzen kann David Jarolim. Warum der trotz des feststehenden Abganges nicht im eigenen Stadion verabschiedet wird, erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht. Dennoch verzichtet der HSV darauf. Begründung: man sei noch nicht gesichert. Deshalb kann ich nur hoffen, dass der HSV bei der Erklärung dann auch so spontan ist, beim möglichen Klassenerhalt direkt im Anschluss an das Spiel gegen Mainz zu reagieren und seinen Dienstältesten gebührend zu verabschieden. Gleiches gilt natürlich auch für den ebenso zu Saisonbeginn scheidenden Mladen Petric, der am Wochenende voraussichtlich von der Bank aus startet. Sofern Fink nicht überrascht…

In diesem Sinne, morgen wird um 15.30 Uhr an der Arena trainiert. Bis dahin!

Scholle

Fink warnt: “Noch ist nichts gegessen!”

24. April 2012

„In welche Ecke schießt du?“ Antwort: „Links.“ „Nee, links kann ich nicht.“ „Okay, dann schieße ich nach rechts . . .“
Ja, so werden heute die Elfmeter ausgehandelt und geschossen.
In der Werbung.

Wobei mir, das war jetzt absolut nicht geplant, just in diesem Moment eine ähnliche Szene einfällt – aber die war und ist Realität: BU gegen den HTB – ein Verbandsliga-Spitzenspiel der höchsten Hamburger Klasse in den 60er-Jahren, der Rupprechtplatz in Barmbek war ausverkauft. BU lag 0:2 hinten, dann stand es 2:2 – und es gab Strafstoß für BU. Im Tor der Harburger stand der Hamburger Auswahltorwart Horst (?) Willumeit. Der fragte den BU-Schützen: „Wohin schießt du?“ Barmbeks genialer Halbstürmer Uwe Hennig (leider schon lange verstorben), auch immer eine kleines „Großmaul“, tönte: „Pass’ mal genau auf, den schieße ich dir durch die Beine.“ Gesagt – getan. Und „wutsch!“ BU gewann 3:2. Durch diesen „Durch-die-Beine-Elfmeter“.

Aber an die eingangs geschilderte Werbung fühlte ich mich heute beim HSV-Training erinnert. Zwischen zwei Übungen rief Trainer Thorsten Fink seine Mannen zusammen und hielt eine kurze Ansprache. Plötzlich applaudierten die Spieler. Wieso, warum, weshalb? Keine Ahnung. Es war ja für uns Kiebitze nichts zu hören. Nach dem Training fragte ich Thorsten Fink und der verriet: „Ich habe vor versammelter Mannschaft auch noch einmal dem Sven Neuhaus zu seinem Bundesliga-Debüt gratuliert – und dazu gab es von den Kollegen Beifall.“
Ja, so nett kann Bundesliga-Fußball tatsächlich auch heute noch sein.
Nicht nur in der Werbung.
Wobei Thorsten Fink seine Mannen natürlich nicht nur deshalb zusammengerufen hatte, um dem Keeper zu gratulieren – der Coach tat es quasi nebenbei. Es bleibt aber auf jeden Fall nett.

Bei der regnerischen Vormittags-Einheit heute ging es auch freundschaftlich-fair zu. Keine besonderen Vorkommnisse. Um das Programm einmal zu veröffentlichen: Warmlaufen, Passspiel in allen Variationen (in zwei Gruppen), dann das schon obligatorische „Sechs-gegen-zwei“-Spiel (drei Gruppen) – nach einer Stunde gingen jene Spieler, die am Nachmittag das Testspiel gegen den MSV Pampow (Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommern) bestreiten sollen, in die Kabine. Es blieben acht Stammspieler draußen, die vier gegen vier auf jeweils zwei kleine Ein-Meter-Tor spielten: Marcus Berg, Dennis Aogo, Heiko Westermann und Robert Tesche gegen Marcell Jansen, David Jarolim, Tomas Rincon und Michael Mancienne. Und da ging es zur Sache, da war Feuer drin – und jede Menge Ärger über ein Gegentor.
Aber so soll es ja auch sein.

Die heutige Partie in Schwerin war übrigens einige Stunden lang gefährdet. Grund: Rostocker „Fans“ hatten den Rasen teilweise umgegraben, hatten Werbebanden zertreten, einen Container geknackt und wüste Parolen gegen den HSV auf Wände gesprüht. Da fällt mir dann doch spontan ein Plakat ein, das ich am Wochenende bei einem Protestmarsch durch Hamburg sah – es ist mir haften geblieben: „Wir wollen doch nur ein Fußballspiel sehen.“ Stimmt. Das wollen jene Maulwürfe, die in Schwerin am Werke waren, bestimmt auch nur.

Aber zurück zum Wesentlichen. Zum Abstiegskampf. Auf den noch zweimal die volle Konzentration gerichtet sein muss. Und genau das ist sehr, sehr wichtig, denn die Rettung ist zwar nah, aber noch ist gar nichts vollbracht. Daran appellierte auch Trainer Fink heute noch einmal ganz eindringlich: „Ich warne jeden davor zu sagen, dass wir schon durch sind. Unsere Spieler sollen sich ja nicht davon anstecken lassen – von Leuten, die sagen, jetzt packt ihr es, ihr seid ja quasi schon durch. Zu mir sagen das die Leute auch immer, aber Vorsicht, noch ist nichts gegessen. Wir müssen erst noch die Punkte einfahren. Einmal verlieren, und Köln gewinnt einmal – schon müssen wir uns auf den letzten Spieltag konzentrieren, aber das wollen wir nicht. Wir wollen es in diesem Heimspiel klar machen. Schließlich haben wir ja auch die Fans in den Heimspielen nicht verwöhnt, obwohl das in den letzten Heimspielen schon besser war, im letzten Heimspiel sogar sehr gut – aber jetzt wäre es eben schon toll, wenn wir es hier gegen Mainz am Sonnabend schon klar machen. Von daher noch einmal volle Konzentration auf dieses Spiel – und nicht beeinflussen lassen von dem, was andere Leute von außen sagen.“

Mainz wird schwer genug. Mainz 05 ist an sich schon immer unangenehm, aber diesmal eben ganz besonders. Weil Mainz gerettet ist, und der HSV noch nicht. Fink: „Die haben nichts mehr zu verlieren, die können locker aufspielen, die können nicht mehr absteigen – das macht es so schwierig. Mannschaft, die noch absteigen können, die haben schon mal Angst, die schlagen den Ball hinten einfach mal unkontrolliert raus – aber Mainz kann nun versuchen, ganz locker von hinten rauszuspielen – denen kann ja nichts mehr passieren. Aber vielleicht ist das auch unsere Chance. Wir müssen aber versuchen, die Leistungen, die wir gegen Leverkusen und Hannover gebracht, abzurufen, und wenn wir das schaffen, dann wird der Klassenerhalt auch gelingen.“

Eine gravierende Frage für das Mainz-Spiel ist immer noch ungeklärt. Kann Jaroslav Drobny spielen? Der Torwart trainiert schon wieder, aber nur in den Katakomben der Arena. Wann er auf den Trainingsrasen zurückkehren wird, bleibt offen. Fink: „Wenn er erst am Freitag trainieren würde, dann würde mir das reichen. Er ist ja ein austrainierter Mann, der das ganze Jahr trainiert hat – ich glaube, dass er es sich nehmen lassen wird, noch einmal ein Heimspiel zu bestreiten – in dieser wichtigen Phase.“ Es wäre wohl. So wie es jetzt aussieht, das Hamburger Abschiedsspiel von Jaroslav Drobny. Denn mit dem Klassenerhalt des HSV käme (wohl) auch die Verpflichtung von Rene Adler zustande. Thorsten Fink lobte den Torwart heute noch einmal ausdrücklich: „Drobo ist ein harter Hund, ein Teamplayer, ein guter Junge, er führt die Mannschaftskasse, ist ein witziger Typ, der alle Späße mitmacht – er ist schon ein toller Junge.“

Und noch ein Hamburger Abschiedsspiel steht am Sonnabend auf dem Programm; das von David Jarolim. Der tschechische Dauerläufer wird gehen müssen, da beißt die Maus nun auch keinen Faden mehr ab. Sportchef Frank Arnesen hatte sich zu diesem Thema ja bereits am vergangenen Sonntag beim „NDR Sportclub live“ – abschließend – geäußert, Thorsten Fink sagte heute: „Und Frank und ich sind uns eigentlich immer einig.“ Eigentlich? Fink: „Na ja, eigentlich. Es kann ja immer noch was passieren, im Fußball ist alles möglich. Es könnte sich ja am Wochenende noch ein Spieler schwerer verletzen – ich habe ja nie gesagt, dass die Tür ganz zu ist. Was ist, wenn sich ein Spieler das Kreuzband reißt? Dann könnte es doch passieren, dass wir den Jaro doch noch gebrauchen. Dass man dann nicht noch einen anderen Spieler holen muss.“ Grundsätzlich aber sagt Fink: „Wir haben die Kaderplanung nun einmal so entschieden, ich denke, wir müssen einen langfristigen Plan haben und können nicht immer wieder kurzfristig umplanen. Nur wenn wirklich mal etwas passiert . . .“

Aber dazu reicht die schwere Verletzung von Gojko Kacar eben noch nicht aus. Und Fink lobte David Jarolim auch noch einmal explizit: „Ich weiß, dass er sehr gut gespielt hat, dass er uns sehr geholfen hat – und ich weiß, wenn man denn geht, und man geht mit positiven Gefühlen, dass man mitgeholfen hat, den Abstieg zu vermeiden – dann ist das doch eine tolle Sache. Besser auf jeden Fall, als dann noch ein Jahr auf der Bank sitzen zu müssen.“ Fink weiter: „Man soll immer gehen, wenn es am besten läuft. Und so ist es wohl das Beste.“ Er ergänzte dann aber auch noch: „Sollte etwas passieren, werde ich natürlich noch einmal mit Frank reden . . .“

Also kaum noch Hoffnung für „Jaro“ – leider.

Und da bin ich noch einmal bei der sonntäglichen NDR-Aussage von Frank Arnesen. Der sagte nämlich auch: „Die Situation mit David Jarolim ist unverändert. Ich habe entschieden und dazu stehe ich. Ich muss gucken, was wir können und ich brauche ganz klar Geld, um auch etwas Neues zu machen.“

So ist es. Und ich kann mich erinnern, dass mir bereits im Herbst, as „Jaro“ auf die Bank gesetzt worden war, ein „großer“ HSV-Funktionär hinter der vorgehaltenen Hand gesagt hatte: „Jarolim soll gehen, weil der HSV sein Gehalt einsparen will. Die denken, dass auf seiner Position auch ein etwas billigerer Mann dieselbe Arbeit verrichten kann.“
Wenn sie sich da mal nicht geschnitten haben . . .
Aber es geht in diesem Fall eben auch nur oder in erster Linie um das liebe Geld. Natürlich.

Und ein Dirk Kuyt ist natürlich auch nicht ganz so billig. Zu dem Niederländer befand Thorsten Fink übrigens: „Ein solcher Mann hat einfach Klasse, über den muss man nicht lange diskutieren. Der kann alles, ist überall einsetzbar, ist ein Kämpfer, immer mit Leidenschaft dabei. Ob Kuyt aber ein Thema wird, das weiß ich nicht. Wir haben ihm bislang ja noch nicht einmal ein Angebot gemacht.“

Und erst steht ja wohl auch noch ein bisschen Mainz vor der Tür. Das darf bei allem Kuyt ja nicht vergessen werden. Mainz mit Paolo Guerrero. Das heißt, HSV mit Guerrero gegen Mainz. Fink: „Wenn einer acht Wochen weg war, und wir alle jammern, dass er acht Wochen weg war, und wir lassen ihn dann nicht spielen, dann hätte sie ihm auch zehn Wochen Sperre geben können . . .“ Auch deswegen gab es das Testspiel heute in Schwerin. Fink wollte Guerrero sehen, und er wollte noch einmal die Außenbahnen sehen. Auch deshalb, weil Ivo Ilicevic eventuell gegen Mainz ausfallen könnte: Adduktorenprobleme. Er konnte heute nicht trainieren, und er kann auch am Mittwoch noch nicht trainieren. Und dann dürfte es schon mal eng werden – mit den 100 Prozent Fitness.
Bei der Gelegenheit lobte Thorsten Fink auch „mein Sorgenkind“ – nämlich Ilicevic: „Er hat in den letzten Spielen unheimlich viel für uns getan, sehr viel geleistet. Vom Laufpensum her war das schon sensationell. Natürlich wissen wir, dass er noch ein bisschen torgefährlicher werden kann, aber er hat den Abstiegskampf angenommen. Das sieht man bei ihm sehr deutlich, er versucht im Moment nicht, schön zu spielen, sondern er versucht zu fighten – das fand ich schon sehr gut.“

Fällt Ilicevic aus, könnte Heung-Min Son auf rechts ausweichen – weil Guerrero ja wieder mit von der Partie ist.

Noch eine kleine Personalie: Gegen den MSV Pampow (also heute) spielte Angelo Langer als Linksverteidiger, er ist Kapitän der A-Jugend. Fink: „Den will ich mir mal angucken, mal sehen, was er so anbietet.“

Das Ergebnis des Testspiels wird hier, genau an dieser Stelle, nachgeliefert.
Und es ist jetzt da:
Der HSV gewann gegen den MSV Pampow nach einem 0:1-Rückstand noch 4:1. Halbzeit 2:1. Die Tore erzielten: Mladen Petric, Paolo Guerrero, Tolgay Arslan, Gökhan Töre. Die beiden letzten Hamburger Tore waren Strafstöße, nachdem zuvor Janek Sternberg und Jacopo Sala jeweils gelegt worden waren.
Der HSV spielte mit:
Neuhaus (46. Stritzel), Diekmeier, Bruma, Sternberg, Langer, Arslan, Sala, Son, Töre, Guerrero, Petric. In Halbzeit zwei kamen Behrens (für Bruma), Lam (für Petric, 70.), Nagy (für Son), Besic (für Diekmeier) und U-19-Stürmer Manuel Farrona-Pulido (70. für Guerrero).

Fazit: Vor 2800 Zuschauern war ein wesentlich höherer HSV-Sieg möglich – gegen eine engagierte MSV-Mannschaft.

Dann noch zwei Zuschriften, die uns (mich) erreichten. Gebe ich einmal ohne Kommentar weiter, vielleicht identifiziert sich der eine oder andere „Matz-abber“ ja auch damit – oder auch nicht.

„Uwe“ schrieb mir:

Nun noch kurz zur meine (unmaßgebliche) Sicht auf die Saison des HSV: Nach den grundsätzlich positiven Eindrücken in der Vorbereitung und dem Liga-Pokal, die ich allerdings nicht überbewertet habe, habe ich mit der ganzen Familie in Oldenburg das DFB-Pokalspiel besucht. Ich weiß noch ganz genau, dass ich über das Gesehene regelrecht entsetzt war. Das war vom Auswärmen bis über das Spiel nicht professionell (unvergessen die Darbietungen eines gewissen Eljero Elia).

Zu diesem Zeitpunkt habe ich bereits geäußert, dass es in dieser Saison nur um den Klassenerhalt gehen wird. Allerdings habe ich nicht wirklich geglaubt, so schrecklich leiden und viele Nächte ohne Tiefschlafphase auskommen zu müssen. Es war schlimmer als in dem Jahr, als Huub von Dolly übernahm; aber das ist ja nur zu verständlich, ging es doch unter Huub nach der Auftakt-Niederlage in Berlin zu Beginn der Rückrunde stetig bergauf.

Nach der Niederlage in Hoffenheim habe ich zwei Nächte gar nicht mehr geschlafen. Angesichts der nach dem frühen Rückstand leblosen Vorstellung habe ich ernsthaft keine Möglichkeit mehr gesehen, aus den
letzten vier Spielen überhaupt noch einen Punkt zu holen. Nicht zuletzt wegen der Vorstellungen der übrigen Abstiegskandidaten, die mit Ausnahme von Kaiserslautern und Köln (unter Solbakken) um jeden Quadratmillimeter auf dem Platz gekämpft haben und auch nach Rückständen nicht auseinander
gebrochen sind. Das die Lage wirklich schlimm war, wurde mir dann auch durch das Umfeld vermittelt, als es plötzlich keine Häme sondern nur noch Mitleid für meine HSV-Anhängerschaft gab.

Nach der richtigen Demission von Oenning, bei dem für mich zu keinem Zeitpunkt ein System oder eine Philosophie zu erkennen war, ging es ja auch unter Fink erst bergauf und ich hatte die Hoffnung, dass sich meine Befürchtungen nicht bewahrheiten würden und wir frühzeitig nichts mit den Abstiegsplätzen zu tun haben würden. Was dann kam, ist ja allen HSV-Anhängern bekannt und hat sicherlich viele Gründe, zu denen ich auch meine Meinung habe, die ich aber niemals so vehement und absolut nach außen trage, wie es einige der Blogger Tag für Tag tun. Ich war aktiver Fußballer, habe den Schiedsrichterschein gemacht, kann Bilanzen lesen und besitze grundsätzliches Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge, aber ich bin Außenstehender und viel zu weit weg, um den HSV und seine Verantwortlichen ernsthaft zu beurteilen.

Dennoch, man sagt: „der Fisch stinkt vom Kopf”, und dieser Spruch entzieht sich – wie alle Weisheiten – nicht aller Realität. Der HSV hat viel zu viele Baustellen und ich hoffe inständig, dass diese nun endlich ernsthaft und vor allem nachhaltig angegangen werden. Dazu gehört für mich auch, dass sich der Verein professioneller aufstellt, den Aufsichtsrat verkleinert und mit Sachverstand ausstattet – am besten sollte endlich damit angefangen werden, HSV-Urgesteine einzubinden. Kandidaten aus den glorreichen Zeiten (z. B. Hrubesch, Kaltz, von Heesen etc.) fallen mir da genügend ein. Auch dieses Thema wurde schon zur Genüge im Blog mehr oder weniger sachlich diskutiert.

Sportlich wurde es völlig unverständlicherweise über Jahre versäumt, den Abgang von Dietmar Beiersdorfer auch nur annähernd zu kompensieren. Jetzt ist für viele Frank Arnesen der Sündenbock. Seine Bundesliga-Kompetenz und Einkaufspolitik stehen zur Diskussion. Er hat aber nicht die Situation zu verantworten, die er jetzt managen muss. Ich denke er macht das Beste aus den Möglichkeiten, die der Verein überhaupt
noch bietet – und die sind alles andere als gut.

Sportlich werden wir in den nächsten Jahren kleine Brötchen backen müssen, aber solange wir erstklassig bleiben und der Verein eine positive Entwicklung nimmt, ist das für mich hinnehmbar. Dazu gehört im Wesentlichen die konsequente Verjüngung der Mannschaft (entgegen anderen Behauptungen liegt der Altersschnitt des HSV eher im Mittelfeld), nach Möglichkeit mit nationalen, bestenfalls sogar mit regionalen Spielern sowie die Entwicklung und Umsetzung einer einheitlichen Spielphilosophie für den Verein.

Hinsichtlich des Spiels gegen Mainz hoffe ich nicht, dass die Ex-HSVer Zidan und Choupo-Moting unsere Erstklassigkeit auf einen Existenzkampf in Augsburg verschieben. Den Fall einer verspielten Relegation gegen wen auch immer will ich mir gar nicht erst vorstellen. Ein Abstieg wäre m. E nicht heilsam für den Verein sondern würde das herrschende Chaos noch vergrößern. Und angesichts der geforderten Tugenden in der 2. Liga sowie der dort herrschenden Konkurrenz wäre einer direkter Wiederaufstieg sowieso nicht selbstverständlich.

Aber soweit wird es wohl – Gott sei es gedankt – nicht kommen! Zuletzt möchte ich dir (und natürlich auch Scholle) noch einmal danken, dass du es vielen Fans ermöglichst, durch deinen Blog und dem neuen „Matz ab live” nicht nur nah sondern auch zeitnah an unserem HSV dran zu sein – das ist wirklich sensationell, danke, danke, danke!

Die meisten Sportsendungen um den Fußball ertrage ich wirklich nicht mehr, weil sich mindestens ein Beitrag um die Roten aus München dreht; die interessieren mich in der Regel mittlerweile nur noch zweimal im Jahr: nämlich dann, wenn wir gegen sie spielen müssen. Ich hoffe inständig, dass das auch in den nächsten Jahren so bleibt ;-)!

Einen schönen Tag und herzliche Grüße aus O.

Und von „Beiersdorfer” gab es auch das noch:

Ich möchte nochmals den Blog und das neue Live Format in höchsten Tönen loben, weil es für mich, der ich nicht aus Hamburg komme, keine auch nur annähernd vergleichbare Möglichkeit gibt, mich über den HSV in allen Details zu informieren. Im Blog kann sich ja dann ja dann noch jeder in Diskussionen einlassen ganz wie er mag und wers nicht mag, der kanns ja sein lassen.. Ich kann keine Kritik an dem Live Stream Format nachvollziehen.
Was soll das denn? Ich meine davon hat man doch jahrzehntelang geträumt .. das war doch Sience Fiktion .. immer nur die paar Krümel aus dem Bayern-TV-Doppelpass .. und nun so schnell im Anschluss an das Spiel eine HSV Talk Runde … ein Traum … ein Super Service … Tausend Dank für das Herzblut, die Mühe und den Service!

Also ich schau es mir immer an. Da sind doch neben dem ganzen “Auflage Verlags Hintergründen” mit Dieter und Scholle doch Menschen am Werk .. dazu ganz unstrittig durch u durch echte HSVer im tiefsten Herzen .. die heben sowas aus der Taufe .. und da gibts Leute denen der Stream zu schlecht ist !?.. au backe wie peinlich ist das denn ? man wie muss das ankommen? Und das hat doch auch gar nichts damit zu tun ob jemand inhaltlich andere Meinungen vertritt. Also ich bin sehr dankbar für den Blog mit allem drum u dran und wenn mal ein paar Dinge nicht perfekt klappen juckt mich das doch überhaupt nicht. Es ist und bleibt der beste Service rund um den HSV.

Das gilt zB auch für die heute hier abgedruckten Fink Zitate aus dem Doppelpass. Ich hatte Doppelpass nicht gesehen u konnte im Internet nirgendwo was zu den dort besprochenen HSV Inhalten finden. Nur hier .. Am Sonntag für uns zusammengefasst. Das ist einfach ein klasse Service. Und das darf man ruhig mal als nicht selbstverständlich ansehen und danke sagen Da verschmerze ich ganz locker .. Nein das gehört eben zu der Vielfalt von Meinungen dazu .. das Dieter zu den Finanzfragen eine Meinung vertritt mit der ich mich nicht abfinden kann. Who cares .. Aber deshalb muss man doch die ganze Veranstaltung hier als HSVer von Herzen begrüßen und froh u dankbar sein.

Also ich sag jedenfalls Danke für Euren ganzen Einsatz .. Und dass ihr nach der langen Woche mit täglichen Berichten für uns auch noch das ganze Wochenende durchberichtet. Und für jeden, dem das alles zu kuschelig ist … Einfach den Beitrag überspringen.

So, das war es zunächst. Am Mittwoch wird um 10 Uhr im Volkspark geübt.

18.18 Uhr

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