Monatsarchiv für März 2012

Gekämpft! Aber 1:2 in Wolfsburg

23. März 2012

Der HSV hat es nicht gepackt. Trotz einer engagierten und auch couragierten Leistung gab es in Wolfsburg die von vielen vorher schon erwartete Niederlage. Dieses 1:2 hätte aber nicht sein müssen, denn der HSV wehrte sich diesmal, er war in etlichen Phasen ebenbürtig, traf aber letztlich auf einen Gegner, der auch alles gab, geben wollte und musste, um noch weiter nach oben und ins internationale Geschäft zu kommen. Der HSV hat in Wolfsburg sicher einen kleinen Rückschlag erlitten, aber die Moral der Truppe stimmte – und genau die stimmt mich für den Rest der Saison auch optimistisch. Da geht noch was. So spielt kein Absteiger. Obwohl ich auch sagen muss: Die erste HSV-Torchance des zweiten Durchgangs erst in der 82. Minute, das ist und bleibt nicht in Ordnung. Die Offensive muss dringend verbessert werden. Nur wie? Thorsten Fink wird zaubern müssen. Aber es muss ihm gelingen, sonst geht der Dino tatsächlich baden.
Hamburger, wehrt euch!
Gemeinsam. Jetzt geht es nur noch gemeinsam. Und nicht gegeneinander.

Vor 30 000 Zuschauern, unter ihnen der ehemalige HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer (als TV-Co-Kommentator), gab es diesmal endlich kein schnelles Gegentor – endlich mal nur 0:0 zur Pause, endlich einmal beim Halbzeit-Tee keinem Rückstand gedanklich hinterher hecheln. Es war nicht schön, aber das ist es ja schon lange nicht mehr. Und diesmal war es gut, dass es nicht schön war. Der HSV war hellwach, es gab keine lange Abtastphase, es ging zur Sache, jeder Spieler hat es offenbar jetzt und nun kapiert. Es ging aggressiv in die Zweikämpfe (machte auch der VfL), es ging mit Biss und dem nötigen Willen zur Sache, und es wurde offenbar auch mit Verstand gespielt. So heißen: Das, was der Trainer vorher angesprochen und gefordert hatte, dass wurde auch tatsächlich auf dem Rasen (versucht) umzusetzen. Das war, wie bereits geschrieben, nicht schön, aber so geht Abstiegskampf.

Es wirkte sich positiv aus, dass beim HSV in der Defensive die beiden Stabilisatoren Heiko Westermann und Dennis Aogo wieder dabei waren. Das gab Halt. Und auch die Maßnahme, Michael Mancienne in die Innenverteidigung zu stellen, und die zuletzt als Unsicherheitskandidaten auftretenden Jeffrey Bruma sowie Slobodan Rajkovic draußen zu lassen, zahlte sich aus. Mancienne spielte in Halbzeit eins abgeklärt und mit Übersicht. Und fast fehlerfrei. Das ist schon was . . .

Dabei hätte es nach einer Minute und 39 Sekunden schon 1:0 für Wolfsburg stehen können, doch Mandzukic schoss aus vier Metern und spitzem Winkel kläglich daneben. Ich hatte vorher so viel Angst vor dem Angriff der Niedersachsen, überall hatte ich erzählt: „Die haben zwei sehr gute Stürmer mit Killerinstinkt, die werden den Unterschied ausmachen.“ Denkste. So kann man sich täuschen. Von der HSV-Offensive war zwar kaum etwas zu sehen, aber die war mindestens genauso gefährlich – bzw. ungefährlich. Erschütternd, was für ein „Schlumpfschütze“ Helmes geworden ist. Ich kann Felix Magath verstehen, dass er ihn im Sommer zum Verkauf anbieten wird – das ist ja gar nichts mehr. Jedenfalls diesmal gegen den HSV. Zum Glück für den HSV.

Das Spiel, der Abstiegskampf, wurde hauptsächlich im Mittelfeld ausgetragen. Dort hatte der HSV zuletzt immer wieder Defizite, weil dort entscheidende Zweikämpfe verloren gingen – weil zu brav. Wie selbst die Spieler zugaben. Diesmal wurde dagegengehalten. Endlich einmal. Obwohl der ungekrönte „Treter“ rund um den Mittelkreis VfL-Spieler Josue war, der 30 Minuten lang bei Schiedsrichter Dr. Felix Brych vergeblich um Gelb bettelte – ehe ihn der Münchner (nach einem kräftigen Tritt Josues gegen David Jarolim) „erhörte“ und den gelben Karton zückte – endlich zückte.

Torchancen gab es für den HSV in den ersten 45 Minuten nicht, aber das war auch kaum möglich – denn der Ball wurde in den meisten Momenten gar nicht oder auch viel zu spät nach vorne gespielt. Dort mühte sich Marcus Berg als vorderste Spitze, dahinter lauerte Mladen Petric. Ich sage es gleich: Petric hat mir in dieser Rolle gefallen, weil er Biss zeigte. Jawohl, und dabei bleibe ich, er hat Biss gezeigt. Er lief viel, diesmal auch viel nach hinten. Dass er nach vorne kaum Akzente setzte, setzen konnte, das liegt doch auch, seien wir alle mal ehrlich, an den kaum verwertbaren Bällen, die nach vorne gelangen. Das meiste davon ist nicht zu verarbeiten, weil hoch und ungenau, aber genau das ist das Dilemma. Wenn der HSV da die Ruhe (und die Qualität) hätte, die Dinge sauber auszuspielen, dann wäre auch in der HSV-Offensive mehr möglich. Ganz sicher. Man solle als nicht immer alles Petric in die Schuhe schieben wollen, er allein kann keine Wunderdinge vollbringen, auch er ist darauf angewiesen, dass er bedient wird.

Eine ganz symptomatische Szene dazu. 41. Minute, Freistoß von halblinks, Dennis Aogo. Vollversammlung im und am VfL-Strafraum. Petric hofft, Petric lauert, Petric wittert und sucht seine Chance – und der Ball landet in den Armen von Wolfsburgs Keeper Benaglio. Petric atmet tief durch – und läuft (wieder einmal) enttäuscht zurück.

In der Schlussphase der ersten Halbzeit geht mir eines nicht aus dem Kopf: „Wir sind zu brav.“ Das scheint, so denke ich, auch für die Hamburger Fans (die wieder super waren, tolle Gesänge, großartige Stimmung – keine Frage) zu gelten. Ich denke an die 0:4-Partie gegen Stuttgart zurück. Zwei Elfmeter gegen den HSV – und niemand pfeift. Hier pfiffen alle, weil sich Felix Brych zwei- dreimal erlaubte, gegen den VfL zu entscheiden. Oder nicht für den VfL. Was war dann hier los!? Das wünschte ich mir auch mal im Volkspark. Dass man dann von Heimvorteil sprechen kann, weil das Publikum der zwölfte Mann ist. Auch Schiedsrichter haben ein Empfinden, was nun gut für sie ist – und was nicht. Und Brych hatte wohl das Empfinden, dass es mal besser für ihn ist, mal nicht für den HSV zu pfeifen. Deswegen protestierten zwar Westermann und Tomas Rincon heftig beim Schiedsrichter, weil sie zwei- dreimal auf Pfiffe für den HSV gewartet hatten, aber wären diese Pfiffe gekommen, hätte es einen wahren Proteststurm der Wolfsburger gegen den Unparteiischen gegeben. Der war klug beraten, es so zu machen, wie er es gemacht hat. Auch wenn sicher der eine oder andere Pfiff mehr für den HSV nicht verkehrt gewesen wäre.

Nach dem Seitenwechsel wurde es turbulent. 15 Sekunden nach Wiederanpfiff lag der Ball im HSV-Netz. Dejagah hatte sich gegen Aogo durchgesetzt (alles regelgerecht?), Flanke von rechts – und Mandzukic schoss am langen Pfosten ein. Auch weil Mancienne zu spät kam. Der Anfang vom Ende? Diesmal nicht. Diesmal zeigte der HSV gleich Zähne. Im Gegenzug schon. Westermann schickte (mit links!) Marcus Berg, der nahm den Ballgeschickt an und mit, lupfte dann die Kugel über den hinauslaufenden Banaglio ins Tor. Ein Klasse-Treffer! Fast würde ich ihm das Prädikat „sensationell“ geben. Das Tor wurde von der gesamten Truppe begeistert gefeiert, und auch Thorsten Fink stürzte sich voll mit ins Jubel-Getümmel. Großartig. Dieses 1:1 muss dem Berg endlich wieder (mehr) Selbstvertrauen geben. Muss.

Hoffentlich.

Nach diesen beiden Blitztreffern hatte der HSV das Spiel gut im Griff. Und das Publikum wurde mit jeder weiteren Gelben Karte für Wolfsburg ungemütlicher: „Schieber, Schieber, Schieber.“ Hier war was los. Da kann sich Hamburg als Heim-Publikum aber mal einen ganz große Scheibe von abschneiden. Aber das hatten wir ja schon . . .

Als es dann auch mal Gelb für den HSV gab, da klingelte es auch gleich im HSV-Kasten. Westermann hatte sich den Karton hinten links abgeholt, den fälligen Freistoß schoss Schäfer um die Zwei-Mann-Mauer listig auf den kurzen Pfosten – und Tor. Plötzlich war der Ball – zum Entsetzen der Hamburger – drin. Jaroslav Drobny sah dabei nicht gerade glücklich aus. Den hätte er halten dürfen, wenn auch die Mauer bestimmt nicht so ganz richtig stand (75.). „Zweite Liga, Hamburg ist dabei“, skandierten die VfL-Fans, die bis dahin ganz sicher in Sachen Lautstärke nicht die Oberhand im Stadion gehabt hatten. Die Hamburger Fans forderten dann: „Wir woll’n euch kämpfen seh’n . . . .“

Heung Min Son kam in dieser 75. Minute für Marcell Jansen. Der ehemalige Nationalspieler hatte sich zuvor nach Kräften bemüht, aber irgendwie reicht es nicht mehr. Drei gute oder auch nur mittelprächtige Szenen hatte ich mir in Halbzeit eins für Jansen notiert – nur drei. Einmal ein Pass flach zur Mitte, der war gut für Berg gedacht, wurde aber geklärt (10.). Dann ein 25-Meter-Schuss weit über das VfL-Tor (19.), es folgte zwei Minuten später eine Linksflanke, die besser auf Petric gekommen wäre, aber am langen Pfosten Berg erreichte – Gefahr vorbei. Das war insgesamt zu wenig, in Halbzeit zwei kam nichts mehr von Jansen.

Die Einzel:

Jaroslav Drobny bekam nicht viel zu tun, hielt gut – aber das 1:2 muss er wohl auf seine Kappe nehmen. Mit auf seine.
Dennis Diekmeier? Das war nicht viel. Oder anders gesagt, viel zu wenig. Michael Mancienne eine Halbzeit gut, dann hatte er so manchen „Kinken“ drauf und baute stark ab. Wieso? Mangelnde Spielpraxis? Heiko Westermann? Insgesamt okay, wenn auch nicht fehlerfrei. Dennis Aogo? Gute erste Halbzeit, dann bekam er leichte (und größere) Schwierigkeiten mit dem bulligen Dejagah. So auch beim 0:1.

Tomas Rincon wehrte sich, biss, zeigte seine Zähne – das war okay, auch wenn spielerisch einige Wünsche (mehr) offen blieben. David Jarolim rackerte, rieb sich auf, gab wieder alles, aber diesmal schlichen sich auch einige Fehler in sein Spiel ein. Verständlich, er ist seit Wochen der einzige Hamburger der immer 100 Prozent gegeben hat, irgendwann scheint dann auch sein Akku mal am Ende.

Ivo Ilicevic war nicht zu sehen. Weder rechts noch links. Er bleibt mir ein Rätsel. Wie Marcell Jansen.

Zu Mladen Petric ist alles gesagt, und Marcus Berg muss ich in diesem Zusammenhang auch loben. Er hat alles gegeben. In der 84. Minute kamen Gojko Kacar und Gökhan Töre (für Jarolim und Ilicevic) – zu spät, sie rissen es nicht mehr herum. Bitter, dass sich in der Nachspielzeit Heiko Westermann am Kopf verletzte, er muss behandelt werden und ging dann angeschlagen in die Kabine.

Es wird jetzt wohl insgesamt noch bitterer für den HSV. Aber diese Prognose ist nicht neu.

Ein Trost: Noch gibt es sieben Spiele.

22.38 Uhr

Hrubesch kritisiert den HSV – Aogo glaubt an die Wende

22. März 2012

Er würde so viel Probleme lösen können. Beide könnten das. Zumindest dann, wenn sie sich noch mal in ihre formstärkste Karrierephase zurückversetzen könnten. „Ich habe Horst schon ins Trainingslager geschickt, damit er sich richtig fit macht und die letzten vier Spiele noch für uns aufläuft“, scherzte HSV-Sturmlegende Uwe Seeler heute bei einem Pressetermin – und der angesprochene ehemalige Weltklassestürmer Horts Hrubesch lachte laut.

Dabei scheint gerade dem heutigen DFB-U19-Trainer Hrubesch beim Thema HSV die gute Laune schnell zu vergehen. Ich hatte schön häufiger die große Freude, mit dem einstigen Bundesligatorschützenkönig und Deutschen Meister mit dem HSV sprechen zu dürfen. Manchmal ging es um den DFB und die Nachwuchsförderung des Verbandes, allerdings meistens um den HSV. Und wenn ich mal zufällig keine Frage mit HSV-Bezug hatte, hat Hrubesch sie einfach mir gestellt. Denn Hrubesch ist zweifellos sehr interessierter HSV-Fan, oder besser: er leidet sehr stark mit seinem Ex-Klub. So sehr, dass er sich heute einige knackige, ehrliche Worte in Richtung HSV-Spieler und –Führung nicht verkneifen konnte. „Den Spielern mangelt es an Ehrlichkeit und Charakter. Ich sehe, dass da nicht alle gewinnen wollen. Vielmehr herrscht so ein wenig der Olympische Grundgedanke, ‚dabei sein ist alles’, glaube ich. Und das darf nicht sein.“

Harter Tobak – sogar ein handfester Vorwurf! Und Hrubesch ging noch weiter, attackierte auch die Klubführung. Während Seeler eher moderat ausschließlich die Spieler kritisierte („Einen schlechten Tag haben alle mal, aber dann sollten alle trotzdem kämpfen und laufen“), weitetet Hrubesch seine Kritik noch aus. Ganz sicher auch ein wenig ob seines verletzten Stolzes – immerhin hat ihn bislang noch keine HSV-Führung als Bundesligatrainer angefragt. Aber durchaus fundiert. Denn die HSV-Führungen haben ihn nicht nur nie als Bundesligatrainer angefragt, sie haben ihn auch selten bis nie ob der Talente in Deutschland kontaktiert. Dabei gilt Hrubesch als einer der am besten vernetzten Nachwuchsförderer. Sogar als einer mit dem besten Überblick über die 17-, 18- und 19_jährigen Nachwuchskicker. Ob er dem HSV nicht mal einen Tipp geben könnte? „Nein, das funktioniert doch andersrum. Ich hätte gedacht, dass der HSV bei mir mal nachfragt – aber das hat in den letzten zehn Jahren keiner gemacht. Und das verstehe ich nicht.“

Ehrlich gesagt, ich auch nicht. Denn obwohl Hrubesch heute wirklich ordentlich feuerte, ist er ein ehrlicher Typ, der es gut mit dem HSV meint. Dass er noch nie als erster Trainer angefragt wurde, finde ich legitim, denn da müssen wir auf die HSV-Führungen und deren Urteilsvermögen vertrauen. Schließlich haben die sich intensiver und fundierter mit Trainerkandidaten auseinandergesetzt als wir es hier annähernd können. Aber in seiner Funktion als Junioren-Nationaltrainer hätte sich der HSV nichts gebrochen, wenn man mal nachgefragt hätte und sich vielleicht den einen oder anderen Tipp für die eigene Jugendförderung geholt hätte. „Der HSV hat da sehr viel verschlafen“, sagt Hrubesch, der betont, dass es wohl auch kein Zufall sei, dass er in seiner aktuellen U-19-Nationalelf nicht einen HSVer hat. „Mir wäre es lieb, wenn es anders wäre.“

Dem HSV auch. Aber daran werden Arnesen und Co. sicher schon fleißig arbeiten. Zumindest wurde mit dem Schweizer Paul Meier hierfür extra ein erfahrener Koordinator eingestellt – der allerdings als sehr eigen gilt. Soll heißen: Meier setzt zumeist auf seine Kenntnisse und setzt diese auch rigoros durch. Das führte bislang zumindest schon mal dazu, dass die aktuelle HSV-A-Jugend bis ins Pokalhalbfinale vorrückte und in der A-Bundesliga momentan den zweiten Rang einnimmt – allerdings bei gewonnenen Nachholspielen wieder an die Spitze vorrücken kann. Ob sich dieser positive Trend hält, werden wir aber erst in einem oder zwei Jahren sagen können.

Nun denn, schon morgen geht’s in der Bundesliga zur Sache. Mit 20 Mann (Drobny, Neuhaus, Stritzel, Diekmeier, Westermann, Mancienne, Bruma, Rajkovic, Aogo, Jansen, Rincon, Petric, Ilicevic, Jarolim, Töre, Son, Berg, Arslan, Kacar, Sala) reiste Trainer Thorsten Fink heute in die VW-Stadt. Wobei Amateur-Keeper Stritzl als Ersatzmann für den Fall dabei ist, dass Drobnys Leistenprobleme nicht vollständig ausgeheilt sind und Sven Neuhaus in den Kasten müsste.

Ansonsten gab es heute für die Fans nichts zu sehen und für mich nichts Gesehenes, worüber ich inhaltlich berichte. Es sollte das erste Mal seit ewig langer Zeit ein Geheimtraining werden – und daran halte ich mich. Schon für den Fall, dass hier ein Wolfsburger mitliest.

Wobei es auch nicht nur um die heute geübten Dinge geht im Moment. Die funktionierten zwar gut und könnten am Freitagabend in Wolfsburg tatsächlich zur brauchbaren Waffe werden. Aber die grundsätzlichen Probleme sind auch bekannt. Defensiv stand der HSV zuletzt nicht nur bei Standards schlecht. „Es gab insgesamt einige Dinge, die nicht so gelaufen sind, wie sie müssten“, sagt Rückkehrer Dennis Aogo, der nach überstandenen Wadenproblemen auf der linken Seite in der Viererkette wieder in die Startelf rückt und der sich in den letzten zwei Spielen von außen einen Überblick über die Gründe für das sportliche Scheitern machen konnte. Sprechen möchte er darüber jedoch nicht, obgleich er sich selbst wundert. „Vor drei Wochen war noch alles gut. Da bin ich bei der Nationalelf sogar von den Mannschaftskollegen darauf angesprochen worden, dass wir spielerisch richtig gut geworden seien und dass es unangenehm wäre, gegen uns zu spielen“, so Aogo. Das sei in den letzten 19 Tagen nicht mehr zu sehen gewesen.

Dennoch, auch Aogo hat den Rückblick abgehakt. Dafür hat es in dieser Woche auch genug analytische Aussprachen gegeben. „Wir gehören ganz sicher zu den Mannschaften, die nach unten schauen müssen. Aber ich halte auch nichts von Schwarzmalerei. Wir dürfen uns auch nichts einreden lassen“, so Aogo für mich etwas verwunderlich, ehe er klarstellte: „Die Lage ist ernst – ganz klar. Aber das Spiel in Wolfsburg ist noch nicht DAS Finalspiel. Es ist eine von acht Chancen, die wir nutzen müssen. Denn wir haben es zum Glück noch immer selbst in der Hand, uns aller Sorgen zu entledigen.“ Allerdings könnte das am Wochenende schon anders aussehen. Bei einer Niederlage und Siegen von Augsburg sowie Freiburg wäre der HSV erstmals wieder auf einem Abstiegs-, in diesem Fall auf dem Relegationsplatz.

Wobei, ich halte es da einfach mal mit Aogo. Ist irgendwie angenehmer. In unserer Tipprunde beim Abendblatt tippe ich seit nunmehr zwölf Jahren jedes Spiel auf Sieg – nicht selten wider den eigenen Verstand.

Mit Dennis Aogo kehrt ein Spieler in die Startelf zurück, der wichtiger ist, als es viele gedacht haben – mich eingeschlossen. „Wie wichtig Dennis für die Mannschaft auf und neben dem Platz ist, ist den meisten gar nicht bewusst“, hatte Mannschaftskapitän Heiko Westermann am Mittwoch noch groß gelobt – und damit recht gehabt. Zumindest was mich betrifft. Ich gebe zu, ich hatte gedacht, dass ein Jansen diese Rolle auch ausfüllen könnte…. Jetzt ist Aogo wieder da – und das ist auch gut so. „Ich freue mich über solche Komplimente“, sagt Aogo, der daraus sofort auch eine Verantwortung ableitet: „Ich will und muss dazu beitragen, dass wir stabiler werden. Das ist meine Aufgabe. Ich will Verantwortung übernehmen, Einfluss nehmen.“ Um sich selbst nicht zu sehr beeinflussen zu lassen, hat Aogo in den letzten Wochen Zeitungen und Sportsendungen gemieden. „Für mich zählt nur, was der Trainer intern vorgibt. Ich konzentriere mich auf das, was wir wollen. Nicht auf das, was Außenstehende fordern.“ Schließlich habe die Mannschaft – und da ist dann doch endlich wieder jener beim HSV schon inflationär zitierter Satz – „ausreichend Qualität bewiesen. Wir müssen wieder dahin kommen, so aufzutreten, wie vor dem Stuttgart-Spiel.“

Und dafür kann die Devise nur lauten, beim VfL noch mehr zu investieren – ohne aktionistisch zu werden. Denn bei allen berechtigten Forderungen nach Kampf, Einsatz- und Laufbereitschaft – es ist ein schmaler Grat zwischen hoher Motivation und blindem Aktionismus. Gerade ein Gegner wie der VfL Wolfsburg mit dem erfahrenen Meistertrainer Felix Magath dürfte jede kleine Schwäche zu nutzen wissen.

In diesem Sinne, beim VfL werden einfach mal über die gesamten ca. 95 Spielminuten keine Schwächen gezeigt. Klingt einfach – ist schwer – aber möglich.

Bis morgen! Da meldet sich der zum Glück wieder gesunde Dieter live aus Wolfsburg. Mit einem Dreier. Hoffe ich.

Scholle

Voraussichtliche Aufstellungen:

VfL Wolfsburg:
Benaglio – Träsch, Russ, Felipe, Rodriguez – Polak, Jiracek – Dejagah, M. Schäfer – Helmes, Mandzukic.
HSV: Drobny . Diekmeier, Mancienn, Westermann, Aogo – Jarolim, Rincon – Ilicevic, Jansen – Petric, Berg.
Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)
Assistenten: Mark Borsch (Mönchengladbach), Dirk Margenberg (Wermelskirchen)
Vierter Offizieller: Thomas Metzen (Mechernich

Genug geredet – Westermann: “Es ist fünf vor zwölf”

21. März 2012

Was soll er auch noch sagen? Irgendwie ist tatsächlich alles gesagt. Immer und immer wieder die gleichen Inhalte. Immer wieder muss der Trainer betonen, dass seine Mannschaft fußballerische Qualität hat, die sie in den letzten Wochen nicht auf den Platz bringen konnte. Und so verwundert es auch nicht, dass er irgendwann versucht, dem Ganzen Gefrage mit einer Antwort ein Ende zu bereiten. „Bis auf die letzten 17, 18 Tage haben wir hervorragende Spiele gezeigt. Aber die ganzen Durchhalteparolen bringen nichts. Es zählt nur die Leistung auf dem Platz. Denn für das Können gibt es nur einen Beweis: das Tun.“

Zumal in dieser Woche schon mehr als genug gesprochen wurde. Fink mit dem Vorstand, Vorstand und Fink mit dem Mannschaftsrat, Fink mit einzelnen Spielern, die Führungsspieler mit den jungen Spielern – und am Dienstag auch noch der Aufsichtsrat mit dem Vorstand. Frank Arnesen sprach bei den zwölf Kontrolleuren über die sportliche Situation. Er analysierte die (hoffentlich kurzweilige) Talfahrt und zeichnete die Vorgehensweise der sportlichen Leitung auf, um den Abstieg zu vermeiden. „Bei unserer turnusmäßigen Sitzung stand die sportliche Situation natürlich im Vordergrund. Und wir wurden vom sportlichen Konzept vollkommen überzeugt“, zeigte sich Chef-Aufsichtsrat Ernst-Otto Rieckhoff begeistert vom Vortrag Arnesens, „wir werden nicht absteigen.“

Allerdings, da halte ich es gern mit Fink, auch das waren wieder nur Worte. Es geht jetzt darum, die Worte in die Tat umzusetzen. So, wie es Trainer Thorsten Fink auch von seinen Führungsspielern erwartet. „Wir haben alles angesprochen, alles versucht. Ich erwarte ein gutes Spiel. Eines, wo die Leute anschließend nach Hause gehen und sagen, dass das sehr ordentlich von uns war. sehen jetzt am Freitag, ob die Mannschaft es kapiert hat.“ Und als ein Reporterkollege die These äußerte, dass vor diesem Spiel gegen die formstarken Wolfsburger nichts für den HSV sprechen würde, reagierte Fink wieder wie immer – Kämpferisch und die Mannschaft schützend: „Warum nicht?“, fragte er, „ich sehe das komplett anders. Ich halte nichts von Tendenzen. Die gab es bei unseren Spielen auch schon andersrum und wir haben verloren. Nein, wir müssen am Freitag gewinnen. Und das wird ein neues Spiel. Ich habe dabei ein gutes Gefühl.“

Weil er auf Erfahrung setzt. Wieder mit Westermann, mit Aogo sowie mit David Jarolim (mit Rincon auf der Doppelsechs), Jaroslav Drobny, Marcell Jansen links, Ilicevic rechts und Mladen Petric. Wobei gerade bei Letzterem das Wolfsburg-Spiel eine Schlüsselrolle spielen könnte. Denn nachdem der Kroate zunächst seinen Vertrag nicht verlängert bekam waren alle Augen auf die Leistungen des Linksfußes gerichtet. Heraus kamen Spiele, nach denen sich viele insbesondere über Petric aufregten. Zum Teil wurde sich da zu sehr über seine „ausbaufähige“ Laufleistung aufgeregt, wie ich finde. Denn Petric war immer der Typ Stürmer, der sich durch Tore auszeichnet. Allerdings auch teilweise zurecht, denn Petric hat eben nicht mehr getroffen. Im Gegenteil, er vergab Riesenchancen in einer für ihn tatsächlich völlig untypischen Art kläglich. Grund genug, sich Sorgen zu machen?

Absolut! Intern steht Petric unter besonderer Beobachtung, das Spiel in Wolfsburg wird ein Prüfstein für den Linksfuß. Immerhin ist Mladens Bilanz insgesamt nicht gerade berauschend mit gerade sechs Toren. Wobei davon zwei Treffer Elfmeter waren, ein Freistoß und nur drei Tore aus dem Spiel heraus. Eine Bilanz, die Mladen, wie ich ihn kenne, selbst am meisten ärgert. Mladen ist ein sehr stolzer Stürmer, der bis zu dieser Saison eine immer sehr gute Torquote hatte. Und wer sonst soll die Tore machen? Außer Ivo Ilicevic fällt einem zunächst nichts ein, deshalb setze ich hier mal meine (Hoffnungs-)Flagge: Marcus Berg. Der Schwede ist vor dem Tor noch immer eiskalt. Problem dabei war bisher: er kam nie in solche Situationen. Weil er nicht spielte. Und das tat er nicht, weil er bessere Stürmer vor sich hatte, weil er schlecht trainierte. Oder, weil er verletzt war.

Das soll jetzt vorbei sein. Und so sehr ich Berg immer wieder kritisiert habe, er verdient eine echte Chance. Auf jeden Fall darf der Schwede jetzt ran. Und allein das scheint ihn zu beflügeln. 36 (zumeist nur Teil-)Einsätze hatte Berg bislang für den HSV. Dabei erzielte er vier Treffer. Und so wahrscheinlich er jetzt weiterhin Ersatz wäre, wenn Guerrero nicht gesperrt wäre, so sehr hoffen die HSV-Verantwortlichen (wie wir alle wahrscheinlich) darauf, dass Berg aus der Not eine Tugend macht und endlich trifft. „Marcus trainiert sehr gut“, lobt Fink und erklärt damit seine Entscheidung für den Schweden in der Startelf gegen Wolfsburg: „Wir haben ligaweit die meisten Großchancen vergeben – deshalb hoffe ich, dass Marcus sie nutzt. Denn er ist ein Torjäger.“ Warum auch nicht?

Klar ist, dass der HSV neben der Abschluss- auch eine deutliche Schwäche bei Standards hat. Offensiv wie defensiv. Deshalb wurden heute Standards aus allen Positionen geübt. Zumeist trat sie Dennis Aogo – und das ziemlich gut, wie ich fand. Auch wenn das zwei sehr sympathische Blogger anders sahen, waren die Bälle scharf und gut getreten. Allein die Verwertung selbiger war deutlich ausbaufähig. Als dann Gökhan Töre die Standards übernahm, wurde es sogar noch ein wenig gefährlicher. Aber auf jeden Fall könnte da etwas gehen gegen die VWler.

Apropos gehen – damit hat der HSV keine Probleme. Dafür aber mit dem Laufen. Zumindest könnte man so die Statistik werten, die den HSV mir durchschnittlich 111,3 Kilometern in dieser Kategorie auf Rang 14 im Bundesligavergleich sieht. Ob der HSV in dieser Hinsicht Nachholbedarf hat? Gerade jetzt, wo endlich auch der Letzte erkannt hat, dass sich der HSV im Abstiegskampf befindet? „Nein“, kontert Fink, „Barcelona ist Champions-League-Sieger und auch nicht am meisten gelaufen. Es geht nicht um die Laufleistung an sich, sondern darum, die richtigen Wege zu laufen.“ Dennoch, „vielleicht können wir ja trotzdem den einen oder anderen Schritt mehr machen“. Das sollten sie. Angefangen im heutigen, leider nicht öffentlichen Training und bis hin zum 5. Mai, dem Saisonende. „Wir wissen, dass wir uns der Verantwortung stellen müssen“, gibt auch Westermann wieder, was schon hundertfach gesagt wurde. Westermann, dem ich das mehr abnehme als dem einen oder anderen sonstigen HSV-Profi: „Ich werde weiter vornewegmarschieren und die Truppe zusammenhalten“, so der Kapitän etwas martialisch, „denn es ist kurz vor zwölf.“ Stimmt.

Mehr gibt es tatsächlich nicht zu sagen. Zumindest nichts, was nicht schon tausendfach zu hören und lesen war. Wolfsburg wird zeigen, wie ernst es die HSV-Profis meinen.

In diesem Sinne, bis morgen,

Scholle

HSV steigt nicht ab – weil drei Teams schwächer sind

20. März 2012

Carl Jarchow wirkte informiert. „Es ist mir alles recht, was zum Erfolg führt“, sagte der Klubboss uns heute am frühen Mittag über die zwischen Trainer und Mannschaft abgeschlossene Gegentorwette. Hintergrund: Trainer Thorsten Fink hatte am Montag angekündigt, der Mannschaft eine Wette vorzuschlagen, bei der die Spieler für jedes Spiel ohne Standard-Gegentor eine Sonderprämie bekommen sollte – andererseits aber auch für jeden Gegentreffer nach einem Standard aus der Mannschaftskasse bezahlen sollen. Eine gute Idee – sofern es hilft, dachte sich auch Jarchow. Und auch David Jarolim gefiel die Wette. „Ich hoffe, dass wir so einiges reinbekommen“, sagte der dienstälteste HSVer, der die Prämie nur zu gern an die Jugendabteilung weiterleiten würde. „Das wäre eine gute Sache! Allerdings schob ausgerechnet der Initiator der Wette selbiger einen (finanziellen) Riegel vor. „Es geht dabei nicht um Geld“, so Fink etwas überraschend für uns alle, „stattdessen werden wir uns als Trainerteam nach jedem Spiel, dass die Mannschaft ohne Standardgegentor bleibt, etwas für sie einfallen lassen.“

Gestern so – heute so…. Eben immer wieder Neues beim HSV.

Das gilt allerdings nicht für den bislang spektakulärsten potenziellen Zugang für die kommende Saison. „Wir haben uns auf Mitte April verständigt“, sagt HSV-Sportchef Frank Arnesen, angesprochen auf eine Entscheidung in dem sich schon sehr lang hinziehenden Entscheidungsprozesses beim Leverkusen-Torwart René Adler. Arnesen erklärte, dass die Entscheidung des neuen Torwarts natürlich auch an der ungewissen Zukunft des HSV hängen würde. „Er soll sich die Zeit nehmen“, so der HSV-Sportchef, „das haben wir bei Maxi Beister auch so gehandhabt. Aber bis Mitte April – nicht länger.“ Für den Fall, dass der HSV sich bis dahin noch nicht retten konnte, käme auch ein Vertrag mit Option in Frage. Dabei würde Adler nur dann zum HSV wechseln, sollte sich dieser anschließend für die erste Liga qualifizieren.

Kurios finde ich dabei, dass der HSV a: auf dieser Position am wenigsten Probleme hat, und b: dass sich Jaroslav Drobny (noch?) so ruhig verhält. „Wir haben alles mit seinem Berater besprochen“, so Arnesen, der erklärte, dass Drobny seinen bis 2013 laufenden Vertrag beim HSV erfüllen müsste, sollte der HSV absteigen. Seltsame Umstände.

Nicht wirklich klar wirken momentan die Analysen der HSV-Verantwortlichen. Da schwankt es immer wieder zwischen den altbekannten, und verklärend wirkenden Aussagen der Spieler „Wir haben zu viel Qualität, um abzusteigen“, über die des Trainers „die Spieler wissen, dass wir uns im Abstiegskampf befinden“ bis hin zum Sportchef, der „nicht alles schlecht machen will, weil es ja nur zwei schlechte Spiele“ zuletzt gewesen seien. Auf die Frage, was das Ergebnis der zweieinhalbstündigen (20.30 bis 23 Uhr) Fehleranalyse am Montag von Mannschaftsrat (Petric, Drobny, Jarolim, Aogo, Westermann), der Vorstand (Jarchow, Hilke, Arnesen) und die Trainer (Fink, Heinemann, Rahmen) sei, weicht Arnesen aus. „Wir wollten alle Fehler offen ansprechen – das haben wir gemacht. Aber manchmal ist es auch gut, wenn gewisse Dinge intern bleiben“, so der Sportchef, der sich heute stattdessen in Optimismus versuchte. Als ich wissen wollte, ob künftig eher das Kampfspiel oder das zuletzt immer wieder geforderte dominante Offensivspiel mit viel Ballbesitz vonnöten sei, antworte Arnesen: „Wir brauchen beides. Erst müssen wir alle kämpfen, dann können wir uns um den guten Fußball kümmern.“ Schon klar.

Wobei ich mir ernsthaft Sorgen mache. Das heute war für mich leider mal wieder ernüchternd. Arnesen, dem ich mal unterstellen will, dass er seine Spieler damit aufbauen will, versuchte sich mal in Optimismus – dann forderte er puren Kampfgeist, eher er plötzlich wieder wieder die ja bis auf Stuttgart und Freiburg – selbst das 1:3 auf Schalke bewertete er positiv – ach so gute Rückrundenverfassung beschwor. Er benutzte die Sätze, die er nach der Amtsübernahme von Fink schon Ende 2011 benutzt hatte. Allerdings bleiben heute nur noch acht Spiele, während es im Oktober 2011 noch stolze 25 Partien waren. Und wirklich greifbare Analysen scheint die Zusammenkunft der sportlich Entscheidenden am Montag nicht gebracht zu haben.

Deshalb wage ich heute mal einen Blick auf unsere Konkurrenz und das Restprogramm der im Abstiegskampf befindlichen Mannschaften. Angefangen mit dem Tabellenletzten FCK (18., 20 Punkte): Dem Heimatklub meines stellvertretenden Ressortleiters traue ich trotz des Trainerwechsels (Kurz wurde heute entlassen) und den frenetischen Fans auf dem Betzenberg den Klassenerhalt nicht mehr zu. Zumal dann nicht, wenn die Klubführung auf einen ihrer ehemaligen Profis hört, der sich mal wieder selbst ins Gespräch gebracht hat – Mario Basler: „Ich habe immer gesagt: Ich bin Pfälzer, das ist meine Heimat. Klar würde man helfen, wenn man gefragt wird.“ Fairerweise muss ich dazu sagen, das Basler im selben Interview betont hat, dass er in Oberhausen einen Vertrag hat und fest davon ausgeht, eh nicht gefragt zu werden. Aber ich glaube, aus HSV-Sicht sollten wir darauf setzen, dass sich Basler irrt. Das Restprogramm des FCK: Freiburg (A), HSV (H), Hoffenheim (H), Leverkusen (A), Nürnberg (H), Hertha (A), Dortmund (H), Hannover (A).

Kommen wir zu Hertha BSC (17., 23 Punkte): Die haben auswärts Mainz (A), dann Wolfsburg daheim(H), M’gladbach wieder auswärts, dann zu Hause Freiburg, Leverkusen auswärts, Kaiserslautern zuhause, Schalke auswärts und zum Schluss Hoffenheim im eigenen Stadion. Angesichts der aktuellen Form müsste sich schon sehr viel verändern, um die Alte Dame noch vor dem erneuten Gang in die Zweitklassigkeit zu bewahren. Trotz Rehhagel?, fragen jetzt hier wahrscheinlich die meisten. Ich sage: auch wegen Rehhagel.

Kommen wir zu unserem Trauma vom vergangenen Wochenende, dem erfahrensten „Abstiegskämpfer“, dem SC Freiburg (16., 25 Punkte). Wer das Spiel beim HSV gesehen hat, der weiß und die eigentlich vorhandene fußballerische Qualität der Breisgauer, die sich dennoch schlicht auf Standards und Konter verlassen. Sollten sie ihre Form konservieren können, dürfte sich der SC retten können. Trotz des schwierigen Restprogrammes: Kaiserslautern (H), Leverkusen (A), Nürnberg (H), Hertha (A), Hoffenheim (H), Hannover (A), Köln (H), Dortmund (A).

Kommen wir zum FC Augsburg (15., 26 Punkte), den ich von Saisonbeginn an eigentlich nicht zugetraut hatte, die Klasse zu halten. Allerdings scheinen die Mannschaft und etwas eigenwillig geltender Trainer Jos Luhukay inzwischen auf einer Wellenlänge zu liegen. Wer sich die Partien des Aufsteigers zuletzt angesehen hat, der weiß zumindest, dass der FCA das Team ist, dass mit Sicherheit die geringste spielerische Qualität im Kader hat – aber auf der anderen Seite auch den konsequentesten Abstiegskampf an den Tag legt. Gegen Mainz wurden vier Minuten lang hohe Befreiungsschläge gefeiert – was auch dafür spricht, dass der Druck von außen nicht zu groß ist. Dennoch, so nett das klingt, ich glaube, dass nach Hertha und dem FCK auch die Augsburger auf Ran16 oder schlechter einlaufen werden. Ihr Restprogramm: Bremen (A), Köln (H), Bayern (A), Stuttgart (H), Wolfsburg (A), Schalke (H), M’gladbach (A), HSV (H).

Ganz schnell wieder unten reinrutschen – weil es am Wochenende gegen den übermächtigen BVB wohl eher wenig zu holen gibt, während die Konkurrenz punkten kann – kann der 1. FC Köln (13., 28 Punkte), dem ich ansonsten das größte Potenzial aller Abstiegskandidaten attestieren würde. Und das nicht, weil sie die besten Fußballer haben – ganz im Gegenteil. Nein, die Kölner spielen seit Saisonbeginn nur darum, die 40 Punkte voll zu machen. Sie kennen „Abstiegskampf“, sie haben ihn angenommen. Und sie haben mit Stale Solbakken einen Trainer, dessen Handschrift deutlich zu erkennen ist. Der 1. FC Köln spielt diszipliniert, weiß um seine Schwächen und darum, wie man diese mit Einsatz, Laufbereitschaft und Kampf ausgleichen kann. Gleichwohl hat der 1. FC Köln das vielleicht schwerste Restprogramm aller Abstiegskandidaten: Dortmund (H), Augsburg (A), Bremen (H), Mainz (A), M’gladbach (A), Stuttgart (H), Freiburg (A), Bayern (H).

Meine drei vermeintlichen Absteiger habe ich genannt. Und ich glaube beim HSV schon deshalb an den Klassenerhalt, weil es (hoffentlich) drei schlechtere Klubs gibt. Das ist kein Kompliment, ganz klar. Aber so sehe ich es momentan. Und irgendwie hoffe ich zusätzlich noch auf die TSG Hoffenheim (12., 30 Punkte), die sich von Woche zu Woche schwächer präsentiert. Ich bin ganz sicher keiner, der Hopp für sein Engagement kritisieren will. Aber ich bin doch ein wenig fußball-romantisch. Soll heißen, ich halte mehr von über die Jahre gewachsenen Vereinsstrukturen, von Tradition. Diese neumodischen Retorteklubs der Scheichs und anderen Milliardäre sind mir suspekt, weil ich glaube, dass sie genauso schnell wieder verschwinden, wie sie (hoch)gekommen sind.

Ach ja, wo wir gerad statistisch sind: In der Hinrunde hat der HSV in den letzten acht Spielen übrigens mit zwölf Zählern die meisten aller hier aufgezählten Abstiegskandidaten geholt. Noch ein Grund, weswegen der HSV nicht absteigt…

In diesem Sinne, morgen wird um 10 Uhr für den Dreier beim VfL Wolfsburg an der Arena geübt. Bis morgen!

Scholle

P.S.: Im heutigen Training probierte Fink es mit einigen Veränderungen gegenüber der Freiburg-Pleite. Dabei agierte Tolgay Arslan wie bereits angekündigt im Abschlussspiel in der B-Elf. Für ihn stürmte Marcus Berg, den die Aussicht auf eine neue Chance offenbar beflügelt. Eher lustlos wirkte dagegen Gökhan Töre, der heute zwar wieder mittrainieren konnte, dessen Position aber Marcell Jansen einnahm. Allerdings wechselten sich Jansen und Ivo Ilicevic auf den Außenbahnen ab. Ebenfalls interessant werden dürfte die zweite Innenverteidigerposition. Heute hatte Michael Mancienne noch die Nase vorn. Glücklicherweise wieder mittrainieren konnte Jaroslav Drobny, wobei der am Oberschenkel angeschlagene Tscheche mit Torwarttrainer Markus Günther individuell trainierte.

Der Mannschaftsrat berät sich, Berg beginnt in Wolfsburg – und Dieter ist krank…

19. März 2012

Leute, eigentlich wollte ich schon lange zu Hause bei meiner Freundin und dem Lütten sein. Stattdessen aber schreibe ich heute nach Feierabend diesen Blog – daher die Verspätung. Hintergrund ist, dass Dieter leider mit einer üblen Magen-Darm-Infektion flach liegt. Dieter hatte sich zwar dennoch heute Mittag zum HSV in die Trainerrunde und sogar noch kurz zur Aufzeichnung bei HH1 geschleppt – aber gesund war das nicht. Deshalb liegt er wahrscheinlich jetzt auch nach seinem Sohn Andre (einer der Moderatoren), seiner Schwiegertochter und seiner Enkelin neben seiner Frau – die “passenderweise” auch an einer Magen-Darm-Grippe laboriert. Deshalb von dieser Stelle aus: Gute Besserung, meine lieben Matzens!! (Nachtrag 20:00 Uhr: Es sind doch nicht alle krank).

Und nun zum Blog, den ich etwas schneller geschrieben habe als sonst. Sollte sich also heute tatsächlich ein Rächtschraipfeela eingeschlichen haben – verzeiht ihn mir…

Schon am Sonntagabend im Sportclub bei N3 blitzte sein Kampfgeist wieder auf. Als Moderator Alexander Bommes wiederholt die schwache Leistung des HSV gegen den SC Freiburg ansprach, platzte HSV-Trainer Thorsten Fink der Kragen. „Ich habe ihre Sendung auch schon häufiger gesehen. Und die waren nicht alle gut.“ Ich hatte fast schon das Gefühl, dass Fink gerade zu so einer Brandrede á la Trapattoni bei Bayern („Was erlauben Strunz?“) oder auch Thomas Doll in Dortmund („Da lach’ ich mir doch den Äääsch ab…“) ansetzen wollte, ehe ihn der warme Applaus des Studiopublikums besänftigte und er zusammen mit Bommes die Situation sachlich erläuterte. Warum ich das erwähne? Am Trainingsplatz bin ich heute einige Male auf Fink angesprochen worden und ich muss sagen, dass mich seine Worte vom Sonnabend zweifeln ließen, während er sich im Sportclub schon deutlich realistischer und kritischer anhörte.

Aber gut, der Mann hat in diesen Tagen so viele Interviews zu geben und muss sich immer wieder mit dem alles andere als erfreulichen Thema beschäftigen, dass man seinen Frust und den daraus resultierenden Trotz teilweise verstehen kann. Das gilt für mich allerdings nur so lange, wie ich das Gefühl habe, dass er sich bewusst darüber ist, wie ernst die Lage ist. Und dieses Gefühl habe ich nach dem heutigen Gespräch wieder. „Ich habe den freien Montag gestrichen, weil wir in dieser Situation nicht frei machen können. Ich glaube, auch der Letzte hat kapiert, dass wir uns im Abstiegskampf befinden. Wir müssen jetzt arbeiten. Das ist das klare Signal an die Mannschaft.“ Zudem setzt der Trainer vermehrt auf Gespräche. „Ich wollte mit den Spielern sprechen und mich mit ihnen austauschen.“ Anschließend will er seine Schlüsse ziehen. „Ich werde genau hinsehen und analysieren, wer den Kampf annimmt.

Dafür wurde für heute Abend ein Treffen des Mannschaftsrates mit dem Vorstand (Oliver Scheel wird entschuldigt fehlen) sowie dem Trainer angesetzt. Wobei Fink den Mannschaftsrat, den zu Saisonbeginn noch Michael Oenning bestimmt hatte, um einen Teilnehmer erweiterte: David Jarolim. „Was vor meiner Zeit war, ist mir egal. Das ist jetzt mein Mannschaftsrat. Und ich will hören, auf wen wir jetzt setzen können, wer Flagge zeigt. Ich will wissen, wie die Stimmung ist, um die Mannschaft einzuschwören.“ Dazu werde auch gehören, der Mannschaft die falsche Zufriedenheit zu nehmen, die in den letzten Wochen – sicher auch durch Finks (zweck-)optimistischen Worte – entstanden war. „Vielleicht stimmt das“, sagt Fink und erklärt: „Vor drei Wochen haben wir nach einem guten Spiel bei Mönchengladbach auf Platz acht übernachtet. Und in den letzten Tagen haben wir einige Rückschläge hinnehmen müssen, weil der eine oder andere sich vielleicht schon zu sicher wähnte und es schleifen gelassen hat. Vielleicht müssen wir da einen Teil Zufriedenheit wegkriegen. Es ist eben nur ein sehr schmaler Grat zwischen Selbstvertrauen und falscher Zufriedenheit.“ Ob er sich irgendwann auch selbst ertappt hat, zufrieden zu sein? Fink widerspricht energisch: „Nein, ich habe immer gesagt, dass wir mit einem Auge nach oben schauen dürfen – aber immer auch mit einem Auge nach unten blicken müssen. Wenn hier von Europa League gesprochen wurde, war ich nicht dabei. Ich habe immer gesagt, dass es mit unserer Qualität dafür nicht reichen wird, dass es für uns nur um den Klassenerhalt gehen kann. Und dafür haben wir jetzt acht Endspiele vor uns.“

Das stimmt. Acht Finals mit einem Sorgenstürmer namens Mladen Petric, der ab Sommer noch so vertrags- wie im Moment auf dem Platz leidenschaftslos wirkt. Dennoch, trotz der zuletzt schwachen Leistungen, erteilte ihm Fink heute für das Freitagsspiel beim VfL Wolfsburg eine Einsatzgarantie. „Die letzten Wochen haben zweifellos neue Aufschlüsse geliefert. Aber ich gebe einigen noch die Zeit, noch mal zu reagieren. Und natürlich wird mehr auf Mladen geschaut, das ist in seiner Situation auch völlig normal. Und noch mal: Auch Mladen muss sich steigern. Wie allerdings alle in unserer Mannschaft. Mladen ist ein Teil des Teams und ich vertraue ihm. Deshalb wird er am Freitag auch spielen.“

Und das obwohl der Kroate heute grippegeschwächt pausierte. „Bis Freitag wird das reichen. Er trainiert wohl schon am Dienstag wieder mit“, so Fink, der auch um Torhüter Jaroslav Drobny bangen muss. Der Tscheche, der sich intern gerade zusammen mit Heiko Westermann um einen Termin und eine Location für einen Mannschaftsabend kümmert, der nach dem Wolfsburg-Spiel steigen soll, hat Oberschenkelprobleme und fällt vorerst im Training aus. „Bis Freitag ist er wieder fit und dann spielt er auch. Egal, ob er drei, vier Tage lang ausgesetzt hat oder nicht“, demonstrierte Fink heute nochmals das in meinen Augen auch berechtigte Vertrauen in den Keeper, den der HSV dennoch nach dieser Saison durch den jüngeren Rene Adler ersetzen will. Und dabei, ganz ehrlich, stelle sicherlich nicht nur ich mir immer mehr die Frage, warum sich der HSV von den Spielern trennt, die momentan als einige wenige funktionieren. Immerhin teilt auch David Jarolim, dessen Vertrag im Sommer vom HSV nicht verlängert wird, Drobnys Schicksal. Und das wird angesichts des Saisonverlaufes immer schwieriger nachvollziehbar.

Zumal Jaro, der körperlich topfit ist, im Moment eindrucksvoll die Identifikation mit dem Klub demonstriert, die von Hackmann, Hoffmann, Jarchow und Co. jahrelang und immer wieder vergeblich eingefordert wurde. Das gepaart mit der aktuellen Leistung ergibt für mich eigentlich nur einen Schluss: Vertragsverlängerung.

Immerhin haben die vergangenen Spiele einmal mehr verdeutlicht, dass der HSV personell und positionsbezogen ganz andere Sorgen hat. Zumal Jarolim für den HSV sogar verzichten würde. Zuletzt hatte er zwar immer wieder betont, auf jeden Fall in der Ersten Bundesliga bleiben zu wollen. Diesen Vorsatz würde er für den HSV allerdings aufweichen: „Natürlich würde ich mit dem HSV auch in die Zweite Liga gehen, das ist mein Klub. Das ist aber auch was ganz anderes, als sich freiwillig und mit der Auswahl für einen Zweitligaklub zu entscheiden.“ Allerdings, und das schießt Jaro gleich hinterher: „Wir haben gesehen, was uns fehlt. Und ich bin mir sicher, dass wir schon in Wolfsburg eine Mannschaft auf dem Platz haben werden, die sich zerreißt. Auf jeden Fall werden wir nicht absteigen.“

Allerdings muss sich zu dem Einsatzwillen und der Laufbereitschaft auf dem Platz noch einiges ändern. Zum Beispiel die ligaweit einzigartige Anfälligkeit bei Standards. Einer der Haupt-Trainingsinhalte für diese Woche, wie Fink ankündigt: „Wir werden vermehrt auf Standards schauen, ganz klar. Aus Standards entstehen 50 bis 60 Prozent aller Tore. Wir waren da auch schon besser, haben eine Zeit lang Standards in für uns gefährlichen Bereichen vermieden.“ Wie genau das verbessert werden soll? Ob er vielleicht von Mann- auf Raumdeckung umschalten will? „Nein, ich habe immer Manndeckung spielen lassen. So sehe ich sofort, wer den Fehler gemacht hat.“ Und Fink hat noch eine nette Idee auf Lager: „Ich werde der Mannschaft vielleicht eine Rechnung vorschlagen: Für jedes Gegentor durch oder nach einem Standard muss sie zahlen. Für jedes Spiel ohne Standardgegentor bekommt sie vom Klub etwas Geld. Das habe ich schon als Trainer bei Red Bull Salzburg mal erfolgreich gemacht.“ Wenn’s hilft…

Eine Hilfe hat der Trainer in Marcus Berg ausgemacht, der Tolgay Arslan (Fink: „Auf Tolgay kann ich mich hundertprozentig verlassen. Er war aber auch lange verletzt und ist ein junger Spieler, der verträgt auch ein Spiel Pause“) am Freitag in Wolfsburg ersetzen wird. Der Schwede, der bei seinem kurzen Auftritt am Sonnabend einen ordentlichen Eindruck hinterließ und deutlich ballsicherer als zuvor wirkte, soll von Beginn an in die Spitze vorrücken, während der gestern grippegeschwächte aber bis Freitag sicherlich wieder einsetzbare Mladen Petric als hängende Spitze agieren soll.

Zudem werden Heiko Westermann (nach Gelbsperre) und Dennis Aogo nach auskurierten Knöchelproblemen in die Startelf rücken. Fraglich ist, ob Gökhan Töre (Oberschenkelprobleme) rechtzeitig fit wird. Ihn könnte der von einer Grippe genesene Jacopo Sala ersetzen.

In diesem Sinne, bleibt gesund! Und Dieter: werde schnell wieder gesund!!

Bis morgen,
Scholle (19.47 Uhr)

P.S.: Morgen wird um zehn Uhr an der Arena trainiert.

Fink: “Wir nehmen den Kampf an”

18. März 2012

Der Schock sitzt noch immer ganz, ganz tief.
Und ich gebe zu, mir blutet das Herz.

Das ist auch schon ein bisschen Verzweiflung, denn ich weiß im Moment wirklich nicht, wie sich dieser HSV noch retten will? Ich sehe weit und breit keinen noch so kleinen Strohhalm, nach dem ich greifen könnte . . .

Es tut nur weh.

Auf dem Weg in die Arena hörte ich gestern (vor dem Anstoß) wieder überall: „Wenn wir gegen die nicht gewinnen, gegen wen dann?“

Und?
Haben wir gewonnen?

Auf dem Weg aus der Arena pöbelte mich dann ein HSV-Anhänger – vor allen Leuten – an: „Da ist ja der Herr vom Abendblatt. Schreiben Sie jetzt mal den Trainer weg, der kann gar nichts. Und dann auch den Sportchef weg, auch den ganzen Vorstand. Die müssen alle weg, diese Herren. Weg, weg, weg, denn die haben uns ins Verderben geführt, die können alle nichts. Die bringen den HSV in die Zweite Liga.“

Ich gebe das mal so wertfrei weiter.

Es gab auch wieder HSV-Fans, die sofort nach dem Spielschluss befanden: „Wir können gar nicht absteigen, denn Hertha und Kaiserslautern sind ja noch viel blinder als wir.“

Natürlich. Selbstverständlich. Die sind alle blinder. Viel blinder. Aber die gewinnen vielleicht doch mal aus Versehen gegen Freiburg.

Und diese ganzen Mannschaften, die viel blinder sind in der Bundesliga als der HSV, die ganz Blinden also, die haben immerhin so viel auf dem Kasten, dass sie wissen: „Wir müssen uns den Hintern aufreißen, wir müssen kämpfen, rennen, ackern, kratzen, beißen, kloppen, um zu unseren Punkten zu kommen.“ Und die machen das denn auch. Bestes Beispiel ist die No-name-Truppe des FC Augsburg.

Und? Hat der HSV auch diese Mentalität? Sollte jeder mal für sich im stillen Kämmerlein beantworten. Mein Tipp dazu: Ganz einfach mal die HSV-Bettwäsche vergessen, zudem das rosa HSV-Trikötchen ausziehen und sich fragen: „Gibt in dieser HSV-Truppe wirklich jeder alles für die Raute?“
Geht mal Mann für Mann durch und zählt dann zusammen – Ihr werdet erschrocken sein. Zutiefst erschrocken sein sogar.

Die Angst geht um. Ganz klar. Heute am Vormittag herrschte viel Betrieb im Volkspark. Die Medien hatten ihre Kamerateams geschickt, der Vorstands-Vorsitzende Carl-Edgar Jarchow war da (und stellte sich), Vorstandsmitglied Joachim Hilke war da, Supporters-Chef Ralf Bednarek ließ sich sehen – zudem waren auch reichlich viele Kiebitze da. Es wurde aber nicht gepöbelt. Ich habe nicht einen Fan pöbeln gehört. Die wirken alle in sich gekehrt, apathisch, geschockt, gelähmt. Weil die Angst einfach rasant um sich greift. Und wer jetzt immer noch keine Angst hat, dem seien einmal die letzten acht Erstliga-Spiele des HSV (dieser Saison) vor Augen geführt. Der Reihe nach:

In Wolfsburg.
In Kaiserslautern.
Ostersonntag (!) daheim gegen Leverkusen.
In Hoffenheim.
Im Volkspark gegen Hannover 96.
In Nürnberg.
In Hamburg gegen Mainz 05.
Das letztes Auswärtsspiel in Augsburg.

Wer es mag, der sollte mal tippen . . .

Zurück zu diesem 1:3-Desaster. Da saß ich bei der Pressekonferenz und es setzte sich ein altbekannter Freiburger Kollege neben mich. Er sagte dann: „Dieter, du solltest eines wissen: Freiburg hat heute schlecht gespielt. So schlecht habe ich die Mannschaft schon lange nicht mehr gesehen – aber sie gewinnt beim HSV. Dieter, das sollte dir zu denken geben, ich glaube, du musst dir große Sorgen um den Klassenerhalt des HSV machen . . .“

Und die mache ich mir auch. Ernsthaft.

Freiburgs Trainer Christian Streich bekannte – völlig emotionslos: „Wir hatten heute Glück. Der HSV hätte aufgrund von unseren Fehlern in Führung gehen müssen. Dann haben wir mit der ersten Chance ein Tor gemacht, und dann auch ein ordentliches Spiel. Der HSV hat viel Druck gemacht, das war schwierig für unsere Spieler, aber wir konnten das Spiel gewinnen . . .“

„Wir müssen alle wissen, dass wir in einer sehr schwierigen Situation und im Abstiegskampf sind.“ Das sagte HSV-Sportdirektor Frank Arnesen nach der Freiburg-Pleite. Wissen das aber auch tatsächlich alle beim HSV? Da kommen doch in mir starke Zweifel auf . . .

Trainer Thorsten Fink hatte nach dem Schlusspfiff gemeint: „Ich bin mir sicher, dass die Mannschaft die Qualität hat, in der Klasse zu bleiben. Das ist unser Ziel, und diesen Auftrag und den Kampf nehmen wir auch an.“ Fink sagte außerdem: „Wir wollen eine Einheit sein. Die Mannschaft ist eine Einheit, wir im Verein sind eine Einheit, ich habe inzwischen mit jedem aus der Führung gesprochen, wir sind eine Einheit und lassen keine Panik aufkommen, und ich glaube auch, dass die Fans hinter uns stehen. Wir werden versuchen, weiter Gas zu geben, zu kämpfen. Wenn wir das machen, dann kommen wir da unten auch wieder raus. Meine Qualität als Fußballer war immer die Kondition, das werde ich jetzt auch als Trainer beweisen, ich werde dran bleiben und weiter kämpfen.“

Das sind Durchhalteparolen. Natürlich sind das Durchhalteparolen. Klassische sogar. Aber was soll ein Trainer jetzt anderes sagen? Oder ein Sportchef? Sollen sie sagen, dass sie ihre Jungs für „zu blind“ halten? Sollen sie sagen, dass jetzt der Spielbetrieb eingestellt wird? Sollen sie sagen, dass der HSV doch besser in Liga zwei aufgehoben ist? Sollen sie ihren Spielern jegliche Qualitäten absprechen? Auf diese Art werden schon Kreisliga-Spieler nicht auf die Beine gestellt, das gilt selbstverständlich auch für Profis. Selbst diesen Herren muss man Mut zusprechen, man muss daran appellieren, was sie einst einmal alles gekonnt haben – in der Hoffnung, dass sich diese Jungs daran erinnern und es wieder einmal zeigen. Nur so geht es. Nur so. Also sollte keiner das verdammen, was in dieser schweren Phase der Trainer und der Sportchef so von sich geben. Sie sind dazu verdammt, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Wenn Fink und Arnesen nun selbst alles schlecht machen, dann man gute Nacht. Dann kann man den Laden dichtmachen und den Volkspark für eine spielfreie Zone erklären.

Fink hat die Einheit beschworen. Aber sind alle eine Einheit? Sollte sich (auch hier) jeder mal hinterfragen. Auch wenn, das weiß ich sehr wohl, jetzt in erster Linie die Mannschaft eine Bringschuld hat.

Am Montag wird um 15 Uhr wieder im Volkspark trainiert. Vorher trifft sich der Spielerrat, bestehend aus Jaroslav Drobny, Mladen Petric, Dennis Aogo und Heiko Westermann (ich hoffe ja, dass auch David Jarolim dazugeholt wird) zu einer Aussprache mit Thorsten Fink und Frank Arnesen. Später ist auch geplant, dass sich die Mannschaft intern (ohne Trainer und Sportchef) ausspricht, um die richtigen Lehren aus den letzten Pleiten zu ziehen. Ob es hilft? Auch da habe ich meine leisen Zweifel. Aber nichts darf in dieser Situation unversucht gelassen werden.

Von den Spielern sprach gestern nur David Jarolim. Weil der – rein zufällig – der Kapitän dieser Truppe war. Alle anderen HSV-Profis trugen (am Sonnabend und auch am Sonntag) einen Maulkorb und verweigerten jeden Kommentar. Was vielleicht auch besser war. Heute sagte „Jaro“ nur kurz und bündig: „Es ist, so glaube ich, alles gesagt . . .“
Das große Schweigen. Erst fehlte wieder einmal das Herz, jetzt fehlen die Worte. Das aber wäre alles egal, wenn es wenigstens Punkte geben würde, aber die fehlen eben auch – und das ist ganz entscheidend.

Thorsten Fink will in den restlichen acht Spielen („Wir haben noch alles selbst in den Händen, die Situation ist nichts aussichtslos“) auf die „Alten“ bauen. Der Coach sagt auch: „Wir müssen jetzt auf Erfahrung setzen, das ist klar. Uns haben diesmal auf Heiko Westermann und Dennis Aogo verzichten müssen, mussten viel umbauen – und wenn man viel umbauen muss, dann kriegt man natürlich ein bisschen Probleme. Aber ich will nichts beschönigen, das Spiel war schlecht, keine Frage, und wir sind alle enttäuscht.“ Und: „Die Mannschaft hat es ja schon gezeigt, dass sie es besser kann. Wenn sie es nicht gezeigt hätte, dann hätte ich den falschen Job angenommen, aber sie kann es ja, und ich weiß auch, dass sie es kann. Wir haben noch acht Spiele Zeit, und ich bin überzeugt, dass wir diese Zeit auch nutzen werden.“ Und gibt sich schon mal selbst eine Vorlage: „Es geht hier jetzt nicht ums Wollen, sondern wir müssen es auch tun.“
Richtig.

Ob Fink allerdings auch in Zukunft auf den “alten” Mladen Petric noch bauen wird? Da habe ich ebenfalls Zweifel. Es soll, so Sportchef Arnesen heute, ohne Rücksicht auf Namen aufgestellt werden. Wer könnte damit gemeint sein? Petric vergab zwei riesige Chancen und blieb wieder einmal vieles schuldig. Gut möglich, dass nun (erst einmal) auf ihn verzichtet werden soll. Nur, das muss ich ganz einfach fragen: Wer soll dann die HSV-Tore schießen, die benötigt werden?
Stellt euch diese Frage und beantwortet sie auch selbst.
Ich finde nämlich, wenn ich mich frage, kaum eine Alternative (zu Petric).

Der HSV-Trainer will in dieser Woche Einzelgespräche und Teamgespräche führen, um die niedergeschlagene Truppe wieder aufzubauen. Vielleicht wird dann ja auch ergründet, warum es so ist wie es ist. Als ich nach dem Spiel die lebende HSV-Legende Horst Eberstein traf, da zeigte er mir die Statistik des Spiels und sagte dabei: “Guck dir bitte mal die Gelben Karten an. Der HSV hat in einem so wichtigen Spiel nicht eine einzige Gelbe kassiert. Das spricht doch Bände.”
Stimmt.

Drei Personalien noch:

Dennis Aogo will, so sagte er mir, bis zum Freitag wieder fit sein, sodass er in Wolfsburg wieder spielen könnte. Gökhan Töre, der ausgewechselt wurde, hat sich (wohl) nicht schwerer verletzt, er hat lediglich einen Bluterguss im Oberschenkel. Und Jaroslav Drobny war leicht angeschlagen, aber es soll sich um nichts Schlimmes handeln. Wäre ja auch noch schöner . . .

16.59 Uhr (wenigstens auf Schalke ist Verlass!)

So sehen “Matz-abber” die Situation

18. März 2012

Bevor ich hier meinen Bericht reinstelle, will ich schnell mal die Fans zu Worte kommen lassen. Quasi schon mal zum Warmlesen . . . Ich schließe mich dann später an. Noch eine Bemerkung am Rande: Ich lasse die Namen der Absender weg, wenn der Schreiber dieser Zeilen dann meint, er müsse sich outen, dann soll er das im Blog tun. Ich habe an den folgenden drei Texten kein einziges Wort verändert – also auch keine Fehler korrigiert.

Text eins:

„Hallo Dieter,

ich bin ein Matz-ab-Leser der ersten Stunde und schreibe auch ab und an mal einen Kommentar.

Ich habe das gestrige HSV-Spiel gestern live im Stadion genauso gesehen wie du. Ich habe in Halbzeit 1 schon au der Tribüne förmlich herumgeschrieben und dabei Wörter wie “Offenbarungseid” und “Die haben die Hosen gestrichen voll seit dem Gegentor!” genutzt. Unglaublich.

Weisst du, was noch unglaublicher ist und worüber ich bereits auf der Hinfahrt im Auto mit meinem Kumpel diskutiert habe? Folgendes:
Überall wird geschrieben und gesagt (Sportschau, MoPo, usw.), dass BRUMA und MANCIENNE das erste Mal zusammen in der IV spielen würden. DAS IST SCHWACHSINN!!! Die beiden haben schon zusammen gegen HERTHA und gegen BAYERN in der HINRUNDE (2. + 3. Spieltag) zusammen gespielt. Das eine war das irrwitzige Spiel, wo Oenning Westermann als 6er hat auflaufen lassen, dazu Mancienne und Bruma als IV.

Schreiben die Journalisten eigentlich immer ungeprüft voneinander ab?
Der größte Knaller ist ja noch, dass selbst Jeffrey Bruma im Interview in der Mopo behauptet, er hätte mit Mancienne ja schon 2x bei Chelsea zusammen gespielt. Er hat die beiden Spiele gegen München und Berlin wohl verdrängt! Unglaublich!!! SKANDAL! DIETER!!! Jeffrey Bruma hat also vergessen, dass er schon 2x mit Mancienne beim HSV zusammen in der IV gespielt hat??? Komm, geh mir weg – das idt ein Witz. Wie sollen wir mit SOLCHEN Spielern einen Blumentopf gewinnen, die sich selbst noch nicht mal dran erinnern, mit welchen MAnnschaftskollegen sie gespielt haben. Da haben selbst mein Kumpel und ich uns dran erinnert! Hertha und Bayern!!!

Ich bin fassungslos. Dieser geschilderte Fakt unterstreicht meine Fassungslosigkeit nur noch. Schon im Auto wussten wir, dass wir das Spiel verlieren würden und haben fix bei betfair ordentlich Kohle auf Auswärtssieg des SC Freiburg gesetzt (so leid uns das tat).

Dieter – brauchen wir SOLCHE Fußballsöldner? Im Spiel gegen Freiburg standen zeitweilig 10 Ausländer auf dem Platz. Ich bin nicht ausländerfeindlich, will damit nur ausdrücken, dass man anstelle des HSV vielleicht auch mal in Deutschland nach Spielern Ausschau halten könnte, so wie andere Vereine das auch machen. Trägt ein Bruma die Raute im Herzen oder kann das ein Südamerikaner? Mal vorgestellt, wir würden in Brasilien oder Argentinien kicken: Würden wir uns da locker mit dem jeweiligen Verein identifizieren können? Wohl nicht! Aber ein deutscher Spieler kann das, ein Spieler, der mit dem HSV groß geworden ist und dem der Name ein Begriff ist.

Ich wollte dich jetzt nur mal auf diese haarsträubende Geschichte mit dem angeblichen neuen IV-Duo hinweisen. Sorry, aber wenn ich sowas lese, bekomme ich das Kotzen.
Viele liebe Grüße aus Kiel.“

Text Nummer zwei:

So sieht er also aus, unser Umbruch. Sicherlich haben alle, die daran so emsig gewerkelt haben, dieses Resultat nicht erwartet. Hinterher ist man zwar
immer schlauer, aber es sollten sich einige im stillen Kämmerlein mal fragen, was hier eigentlich Priorität hat.
.
Ja, Hoffmann ist weg. Das schien einigen Personen ja das Wichtigste. Der unter ihm langsam aber stetige Aufwärtstrend ist komplett weggewischt. Wir
kommen wieder da an, wo wir schon mal in den 90ern waren. Nichtabstieg diese Saison vorausgesetzt.

Keiner der treibenden Köpfe konnte bzw. kann bis heute vermitteln, was denn nun die Errungenschaften der Post-Hoffmann-Ära sind. Es wurden die vielen
Trainerwechsel angeprangert. Wir hatten diese Saison bereits vier verschiedene Trainer auf der Bank. Rekord. Dann spukt immer wieder dieses „nach
Gutsherrenart“ herum. Ich erwarte von einer Führungspersönlichkeit einen starken Charakter. Punkt. Hoffmann konnte Geld generieren und Hoffmann war
derjenige, der bei finalen Vertragsverhandlungen zugegen war. Schlicht und ergreifend aus dem Grund, weil er dies im Verein am besten konnte. Nun
haben wir einen Jarchow, der ruhig und sachlich reden kann und offensichtlich nirgends aneckt. Mehr allerdings offensichtlich nicht.
.
Aber der Reihe nach: Warum stehen wir heute da, wo wir stehen? Warum hat das Abstiegsgespenst plötzlich eine Dauerkarte für den Block 22C? Nachdem
Beiersdorfer ging, hat es unser Aufsichtsrat nicht geschafft, einen neuen Sportchef einzustellen. 3 Jahre lang ohne Sportchef. Drei! Es gibt keine
wichtigere Aufgabe, als einen Nachfolger für Beiersdorfer zu finden und die schaffen dies über Jahre nicht. Dass Hoffmann diese Aufgabe zusätzlich
angenommen hat, kreide ich ihm an. Das er sie nicht bewältigt hat, eher weniger. Das war leider abzusehen. Das hätte auch den Herren im AR klar sein
müssen. So haben wir unnötig Geld verbrannt, was nun an allen Ecken und Enden fehlt.

Die neue Fraktion im AR spaltet diesen bis zur Zerreissprobe, glänzt durch markige Sprüche (Ertel: „Und am Sonntag hauen wir den Meister weg!“) und
Verleumdungskampagnen. Einziges Ziel war und ist den ehemaligen Vortsandvorsitzenden zu demontieren. Und es wurde die Situation, in der wir uns heute
sportlich befinden, billigend in Kauf genommen. Die Herren hatten schliesslich höhere Ziele. Es soll mir keiner erzählen, dass die Spieler dieses
Schmierentheater komplett kalt lässt.
.
Und so wurde dann halt auch Jarchow durch die Hintertür erst als Interims-VV („Huch, wir haben ja gar keinen VV, komm Edgar, mach du!“) eingeschleust
und dann mit einem langfristigen Vertrag ausgestattet. Und eben dieser Jarchow hat sich frühzeitig auf Oenning festgelegt. Wer sitzt wohlwollend
lächelnd bei der Vertragsunterschrift neben Oenning? Jarchow (Foto gibt´s im HSV-Archiv). Das musste ja aber so sein, weil sie ja Hoffmann das Zeugnis
austellen wollten, er habe den Verein nahe an den Bankrott gewirtschaftet. Da musste also eine Billiglösung her. Das wir zu einem späteren Zeitpunkt
noch mal eben 4 Millionen für Ilicevic auf dem Konto hatten, wurde zu dem Zeitpunkt noch als völlig absurd und realitätsfremd bezeichnet.
.
Auch Arnesen, der hier so vehement in der Kritik steht, wurden mit etwas Taschengeld losgeschickt. Das ging nicht anders, weil Edgar „Wenn wir Geld
brauchen, gehe ich zur Bank und beantrage einen Kredit!“ Jarchow und seine Hintermänner im AR das so wollten. Mann kann ja schlecht sagen, dass der
Vorgänger alles verprasst hat und dann trotzdem Geld in die Hand nehmen. So starteten wir mit einem Punkt nach 6 Spieltagen in die Saison. Eine
Hypothek, die sich in dieser Saison nicht mehr abschütteln lässt. Und dann war auf wundersame Weise doch Geld da für Oennings Entlassung (plus
Trainerteam) und das Herauskaufen von Fink aus einem laufenden Vertrag.
.
Wer hier auf die Mannschaft, Fink oder Arnesen einprügelt, denkt einfach zu kurz. Bitte macht euch die Mühe und denkt mal drüber nach, wo die Wurzel
des ganzen liegt. Ja, es ist viel bequemer auf Arnesen zu schimpfen, weil er keinen kleinen Messi mitgebracht hat, der auf Anhieb die Bundesliga
rockt. Es ist viel bequemer Aogo auszupfeifen, weil er ne Flanke zulässt, die zum Tor führt und auf der Gegenseite eine Flanke Richtung Nordkurve
schlägt. Oder seine Interviews zu zerreissen, weil er nicht endlich zugibt, höchsten Zweitligaformat zu besitzen. Oder Fink jegliche Kompetenz
abzusprechen, weil Tesche spielt und nicht Rincon. Uns hilft weder kurz- noch langfristig ein Reus, Klopp und schon gar nicht ein Beiersdorfer. Unser
Verein steht auf einem faulig stinkendem Fundament. Wer sich allerdings allen ernstes den Abstieg wünscht, um alles neu aufzubauen, der sollte sich
mal den Weg anderer Traditionsclubs vor Augen halten.
.
Die Putschisten, Mobber, Medienvertreter, Amtsinhaber ohne Plan, Anti-Kommerz Fußballromantiker und Mein-Stimme-gegen-Acht-Bier-Mitläufer sollten
jeden Tag zum Fußballgott beten, dass das diese Saison glimpflich ausgeht. Das ist euer Werk. Und so gut es vielleicht auch gemeint war, weil man
nicht so weit zurückblicken bzw voraus schauen kann, die Gesamtlage nicht überblickt oder einfach, aus welchen Gründen auch immer, all das gefördert
hat, was jetzt am Tabellenplatz und auf dem Platz zu beobachten ist, sollte sich diese Frage stellen: Ist es mir das mit allen möglichen Konsequenzen
wirklich wert?“

Text Nummer drei:

„Hallo Dieter,

es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber wir haben heute in Hamburg den ersten Absteiger gesehen – und das waren nicht die Gäste.
Du stellst die Frage, wo denn die vielzitierte Qualität im Kader sein soll – stell die Frage nicht uns, stell sie Frank Arnesen, denn der ist für den Kader verantwortlich. Ja, ich weiß – Arnesen kam ohne Kenntnisse der Bundesliga zum HSV. Aber die Entscheidung war früh genug gefallen, als dass er sich hätte vorbereiten können. Was er an Spielern geholt hat, bediente eine Philosophie: Fußballerische Talente. Das Problem ist nur: Außer Talent ist da nix.
Ein Fußballer wird nicht zum Guten seiner Zunft, nur weil man in ihm Potenzial erkennt und weil er hundertmal den Ball hochhalten kann. Das können die Seelöwen bei Hagenbeck auch!
Einen guten, bundesligatauglichen Fußballer zeichnet aber vor allem aus, dass er konstant seine Leistung bringt, leicht zu motivieren ist, die Mannschaftstaktik verinnerlicht, jederzeit hundertprozentig einsatzbereit ist, Verantwortung übernimmt (heute wurde sie an Jaro abgeschoben, das hat man deutlich gesehen) und auf dem Platz in hoher Frequenz die richtigen Entscheidungen trifft. Und diese Qualitäten haben in dieser zusammengewürfelten Truppe die wenigsten. Derjenige, an dem man das heute noch sehen konnte, war David Jarolim. Aber wir haben auch viele Spieler gesehen, die diese unersetzbaren Qualitäten nicht haben. Vor allem die Chelsea-Boys.

Dabei möchte ich die jungen Spieler noch in gewissem Maße in Schutz nehmen. Man hat heute gesehen, dass sie mit dieser Situation völlig überfordert sind. Das sind Spieler, die sich eigentlich als Nachwuchsleute in gestandenen Mannschaften integrieren und entwickeln müssten. Hier allerdings werden sie der Arnesen’schen Philosophie entsprechend in die Verantwortung hineingedrängt. Dessen Aufgabe wäre es eigentlich zu erkennen, dass sie so weit noch nicht sind. Entsprechend hätte der Kader auch im Winter noch angepasst werden müssen. Aber nichts ist passiert. Da sollen Jungs wie Heung Min Son oder Tolgay Arslan in die Bresche springen und das Ruder rumreißen. Ja, spinn‘ ich denn? Das sind noch halbe Kinder!

Am schlimmsten ist, dass das wie die Dortmund-Masche verkauft wird – nur dass wir nicht der BVB sind. Wir sind nicht mal eine Mannschaft! Das hat man zuletzt gut an denen gesehen, die eigentlich Führungsfiguren sein und vorangehen müssten. Paolo Guerrero war ein Beispiel verfehlten Umgangs mit Druck. Der andere ist Mladen Petric. Unfassbar, wie der die Hose davor voll hat, die falsche Entscheidung zu treffen, und es genau wegen dieses Zögerns vergeigt – siehe dritte Minute. Dass Arslan das Ding verstolpert, laste ich ihm nicht mal an: Der Ball kommt überraschend, nicht genau in den Fuß, er will korrigieren, macht den Zwischenschritt und verstolpert. Das kann man Unvermögen nennen, Nervosität oder Pech. Der Junge ist 21, in dem Alter machen manche gerade erst Abi, und bei jungen Fußballern ohne Selbstvertrauen passiert sowas eben. Aber Fakt ist: Zu der Szene darf’s gar nicht kommen, Petric muss es vorher selbst machen. Punkt. Und die „Mannschaft“ darf sich davon dann auch nicht beirren lassen und beim kleinsten Widerstand wie dem 0:1 einknicken!

Aber das ist eben das Problem der Mannschaft: Sie wurde zusammengestellt, um attraktiven, technischen Fußball zu spielen. Sie wurde aber nicht zusammengestellt, um zu kämpfen. Das lernen sie auch nicht mehr, denn es ist ihnen ein Dreivierteljahr lang eingebläut worden, sie seien spielerisch gut genug für die Bundesliga. Man könnte auch sagen, sie wurden damit eingelullt. Aber im Abstiegskampf braucht man eine andere Einstellung, eine andere Mentalität, eine andere Spielweise. Und das alles steckt nicht in der Mehrzahl der Spieler. Ich würde beinahe sagen: Nur in Jarolim (über dessen Weiterverpflichtung man dringend nachdenken sollte, denn einen Spieler wie ihn können wir in der 2. Liga dringend gebrauchen!).

Es ist aber auch ein Problem des Trainers. Thorsten Fink hat in Basel einen für schweizerische Relationen hochveranlagten Kader gehabt, bei dem die Mischung aus ambitionierten Talenten und Routiniers wie Kovac, Huggel, Chipperfield, Streller und Alex Frei stimmte. Hier hingegen muss er den jungen Spielern Druck auflasten, dem sie nicht gewachsen sind. Und er schafft es nicht, aus dieser unharmonischen Truppe ein echtes Team zu bilden, in dem der eine für den anderen kämpft. Ich bin mir angesichts der Vielzahl der Spiele auch nicht sicher, ob Fink den Anforderungen des HSV gewachsen ist. Den Eindruck habe ich nicht, und diesen Eindruck untermauert seine in Interviews offenbarte Ratlosigkeit.

Aber auch diese Personalie ist, wenn sie ein Fehler ist, der Fehler des Sportchefs Frank Arnesen, dessen Vergangenheit bei Chelsea offenbar lediglich Blendwerk war. Aber das täuscht ebenfalls ein wenig: Er hat bei Chelsea eine Milliarde Öl-Euro zur Verfügung gehabt – und hat sich damit einige teure Flops geleistet, das wird leider gern vergessen. Er hätte schon ein cleverer und gut vernetzter Fuchs sein müssen, um mit dem wenigen Geld, das wir zur Verfügung hatten, einen bundesligatauglichen Kader zusammenzustellen. Aber dieses wenige Geld ging raus für Füllmaterial. Als mehr kann man Spieler wie Bruma, Mancienne oder Rajkovic nicht bezeichnen.

Wenn ich da an seine Vorgänger denke… Holger Hieronymus war es, glaube ich, der Ingo Hertzsch, Andrej Panadic, Tomas Ujfalusi und Nico-Jan Hoogma verpflichtete. Beiersdorfer holte van Buyten, Boulahrouz und Mathijsen. Alle für recht wenig Geld, kaum mehr als das, was uns die Chelsea-Boys kosteten. Den Vergleich mit den heutigen Innenverteidigern brauchen die alle nicht zu scheuen. Oder man denke an Spieler wie Jacek Dembinski, Sergej Kirjakov, Nico Kovac. Die mögen fußballerisch limitierter gewesen sein als etwa Gökhan Töre, Ivo Ilicevic und Heung Min Son. Aber dafür hatten sie Erfahrung und genug andere Qualitäten, um mit dem HSV was zu erreichen.

Das alles sehe ich im heutigen Kader nicht. Und darum bin ich mir sicher, dass der Abstieg heute vorentschieden wurde. Wenn wir nicht mal gegen eine Mannschaft wie den SC Freiburg bestehen können, die individuell fußballerisch alle als schlechter als ihre HSV-Pendants beurteilt werden können, dafür aber mental stärker sind, ihre Leistung konstanter abrufen und Verantwortung im Gefüge übernehmen können, gegen wen sollen wir dann überhaupt noch gewinnen? Nicht gegen Wolfsburg, nicht gegen Kaiserslautern, nicht gegen Hannover und auch nicht gegen Hoffenheim. Denn deren Spieler haben begriffen, worum es geht, und verhalten sich auch so, auch wenn es fußballerisch nicht unbedingt bei allen reichen mag. Gegen uns wird es reichen.

Beste Grüße.“

14.35 Uhr

1:3 – Fußball zum Abgewöhnen!

17. März 2012

„Hamburger Sport-Verein, wir werden immer bei dir sein!“ Jetzt aber wird es hochdramatisch. Der HSV verlor auch sein so wichtiges Heimspiel gegen den Abstiegs-Mitkonkurrenten SC Freiburg mit 1:3 und steht am Abgrund. Die Vorstellung der Hamburger war grauenhaft, stümperhaft, ein einziges niveauloses Gestochere. Das hat mit Erster Liga nicht mehr viel zu tun, das ist ein fußballerischer Offenbarungseid. Wo war und ist die vielzitierte Qualität im Kader, von der immer wieder gesprochen wurde? Vor 52 414 Zuschauern war das Spiel des HSV über weite Strecken nur auf Zufall aufgebaut, der Ball wurde zu oft nur planlos und hoch nach vorne gedroschen, da war nichts, aber auch wirklich nicht von einer Spielkultur zu erkennen. Wer soll diesen HSV noch retten? Diese auf jung getrimmte Truppe wird es nicht schaffen . . . Der Dino geht ins Verderben und wurde mit einem riesigen Pfeifkonzert verabschiedet. So gehen in Hamburg bald sämtliche Lichter aus. „Wir ham die Schnauze voll“, wurde im Norden nach dem Schlusspfiff gesungen. Und: „Außer Jaro könnt ihr alle gehn . . .“ Völlig berechtigt.

Quo vadis, HSV?

Es begann mit Blumen. Lotto King Karl und Dirk Dröge überreichten Jubilar David Jarolim, der sein 250. Bundesliga-Spiel für den HSV absolvierte, einen wunderschönen Strauß mit Grünzeug. Und dann ging es munter los. Auf der Anzeigentafel im Nord-Westen prangte folgende Zahl: 48 Jahre, 205 Tage, 22 Stunden, 30 Minuten und 53 Sekunden, als der Anstoß erfolgte. Die Zeit, in der der HSV in der Bundesliga spielt, scheint wohl abzulaufen. Es ist so grausam. Dabei hatte der HSV die Möglichkeit, wunschgemäß in dieses Spiel zu starten, denn nach zwei Minuten und einer Sekunde hätte es 1:0 stehen müssen. Jawohl, müssen. Wie man eine solche tausendprozentige Chance auslassen kann – es ist mir ein Rätsel. Ein völliges Rätsel. Aber wenn man erst mal unten steht, dann kommt neben dem Pech auch eine gehörige Portion Unvermögen hinzu.

Erst war die Frage, warum Mladen Petric nach einem Zuckerpass von Ivo Ilicevic nicht sofort Richtung Tor des SC Freiburg abzog. Petric ließ es ruhig angehen, ließ sich einholen, eigentlich war die Möglichkeit schon dahin – und irgendwie kam die Kugel doch noch zu Tolgay Arslan. Doch der traf das leere Tor nicht. Er wollte sich auf Höhe Elfmeterpunkt einbuddeln, aber auch das gelang nicht. Was war das für eine Szene?! So etwas gehört ins Kuriositäten-Kabinett, aber nicht in die Erste Bundesliga. . . Tut mir leid, tut mir leid, aber das ist einfach nur unterirdischer Fußball.

Dabei war Freiburg 20 Minuten lang noch schlechter als der HSV. Die Mannen aus dem Breisgau hatten wahrscheinlich einen völlig entfesselnden HSV erwartet, der hier auf die Tube drückt, der hier kämpft und beißt, der allen zeigen will, wer der Herr im Volkspark ist. Aber so einschläfernd, wie die Freiburger zu Werke gingen, so spielte alsbald auch der HSV. Das war nur noch Fußball zum Abgewöhnen. Und ich muss an dieser Stelle noch einmal sagen: Ihr HSV-Fans im Norden und Nord-Westen, ihr seid einfach nur super. Wie ihr (unterstützt vom gesperrten Kapitän Heiko Westermann) eure Truppe angefeuert habt, wie ihr gesungen habt, wie ihr gegrölt habt, das war wirklich erstligareif. Solche Super-Fans hat eine so versagende Mannschaft eigentlich gar nicht verdient. Großartig, wirklich großartig, aber das war auch das einzig Gute an diesem Tag.
Als in der 20. Minute das 0:1 fiel, war das Ding schon so gut wie gelaufen. Wer sollte sich da noch aufbäumen? Die Mannschaft spielte schlecht, und kaum einer hatte Selbstvertrauen. Wovon auch? Wenn man von Minute zu Minute schlechter spielt, und niemand sagt dem Nebenmann, dass er den Kopf hochzunehmen hat, dann gehen eben alle gemeinsam unter.

Bis zum Freiburger Führungstor hatte es nie nach einer Heimniederlage ausgesehen, da spielte nur Not gegen Elend. Nie war das so passend wie diesmal. Aber dann: Freistoß von halblinks, ausgerechnet Jubilar Jarolim fälschte den Ball ab, die Kugel kam zu Flum (stand er im Abseits?), der aus halbrechter Position einschoss. Der Anfang vom Ende. Rosenthal hatte danach das 2:0 auf dem Fuß, zielte aber daneben – Glück für den HSV (37.). Aber das 0:2 ließ nicht lange auf sich warten. Flanke von recht von Mujdza, am langen Pfosten ließ Dennis Diekmeier seinen Gegenspieler Caligiuri aus den Augen – Tor. Unhaltbar für Jaroslav Drobny (43.). Pfiffe zur Pause, ein richtiges Pfeifkonzert. Natürlich. Und völlig verdient. Wer will denn ein solches Gekicke noch sehen?

Zum zweiten Durchgang brachte Trainer Thorsten Fink zwei neue Leute, er hätte eigentlich – bis auf die beiden Tschechen – neun Neue bringen müssen . . . Heung Min Son (für Töre) und Marcus Berg (für Robert Tesche) sollten für Schwung sorgen, aber dieser Plan ging nur unwesentlich auf. Zwar drückte der HSV auf das Anschlusstor, aber stand abgeklärt und meistens auch total sicher in der Defensive. Zumal der HSV ja auch offensiv nicht einen „Weltmeister“ in seinen Reihen hat. Aber wer weiß, wie es noch gekommen wäre, wenn Petric in der 59. Minute seine zweite „Hundertprozentige“ genutzt hätte? Son hatte den ball von links mustergültig zur Mitte gegeben, der Kroate lief am langen Pfosten in den Ball und brachte das Kunststück fertig, vorbei zu schießen. Aus drei Metern!

„Wir wollen euch kämpfen sehn“, skandierte in der 67. Minute die meisten Zuschauer – aber liegt es nur am fehlenden Kampf? Fehlt da nicht auch ein großes Stück an fußballerischer Klasse? Zumal dann, wenn so viele Leute fehlen: Westermann, Paolo Guerrero, Gojko Kacar, Jacopo Sala und Dennis Aogo. Und wenn sich dazu noch Gökhan Töre früh verletzt (hoffentlich fällt er nicht wieder länger aus!), dann geht kaum noch etwas nach vorne, denn dribbeln geht den meisten HSV-Profis ja ohnehin ab. Meistens wird die Verantwortung nur kommentarlos und auch gnadenlos dem Nebenmann in die Stiefel geschoben. Motto: Kamerad, mach du mal, ich hole Verpflegung . . .

Als Makiadi in der 72. Minute das 0:3 erzielt hatte, war die Messe gelesen. Da half auch das Anschlusstor von Ilicevic nichts mehr (75.). So spielt und verliert ein Absteiger.

Die Einzelkritik? Was soll das noch?

Jaroslav Drobny war schuldlos. Dennis Diekmeier bis zum 0:2 noch brauchbar, dann schlecht. Jeffrey Bruma – weit von guter Form entfernt. Michael Mancienne war bemüht, mehr aber auch nicht. Slobodan Rajkovic versuchte zu Beginn was, aber er ist nun mal kein Linksverteidiger. Marcell Jansen, der auf der Bank saß, zwar auch nicht, aber er hätte es wohl besser gemacht.

David Jarolim war noch der beste Mann im Hamburger Team, er hätte ein besseres Jubiläumsspiel verdient gehabt, denn er wehrte sich, er ging an seine Grenzen, er hielt dagegen, mischte auf und mit – aber er soll ja auch am Ende der Saison das Weite suchen, deswegen kann er sich hier noch mal so richtig reinhängen.
Nein, nein, liebe Leute, hier läuft etwas verkehrt, aber sowas von verkehrt, es ist kaum zum Aushalten . . .

„Jaros“ Nebenmann war diesmal Robert Tesche. Was macht der Mann eigentlich beruflich – wurde immer wieder bei uns auf der Tribüne gefragt, eine Antwort hatte ich nicht parat.

Gökhan Töre bei seinem Comeback? Nicht zu sehen. Ivo Ilicevic begann engagiert, ich rieb mir die Augen. Aber er brachte kaum ein Ding so richtig zu Ende. Dennoch würde ich ihm bescheinigen, dass er gewollt hat. Not drei.
Tolgay Arslan war ein Totalausfall, er hatte wohl unter der vergebenen „Tausendprozentigen“ zu leiden . . . Und Mladen Petric ist weit, weit von seiner besten Verfassung entfernt – er ist mir ein Rätsel, ich werde nicht mehr schlau draus. Aber es liegt vielleicht auch an der fehlenden Unterstützung – ich weiß es nicht. Die eingewechselten Berg und Son waren auf jeden Fall beide viel besser, auch wenn sie letztlich auch nichts bewirkt haben.

Dieser HSV ist so schlecht wie sein aktueller Tabellenstand – und geht ganz schweren Zeiten entgegen. Jetzt hilft nur noch beten . . . .

17.29 Uhr

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