Monatsarchiv für März 2012

Es ist alles gesagt – mal wieder. Jetzt zählt nur ein Sieg

28. März 2012

Es gibt ja immer wieder Hinweise von Außenstehenden, die sich bewahrheiten. Gestern zum Beispiel wurde mir erzählt, dass es intern Unruhen gab wegen Muhamed Besic. So weit, so wahr. Was dann allerdings von meinem Bekannten kam, kann in die Schublade „Stille Post“ zurückgesteckt werden. „Er hat sich angeblich darüber beschwert, dass ihm selbst Spieler wie Rajkovic als Linksverteidiger vorgezogen würde.“ Das wiederum ist nicht wahr. Stattdessen wurde Besic suspendiert, weil er sich im Training hängen ließ und auch ansonsten wenig professionelle Einstellung vorlebte. Im Gegenteil, der (erstaunlich, weil so extrem) selbstbewusste Bosnier war immer wieder dadurch aufgefallen, dass er sich selbst als zu gut empfand, um für die eigene U23 zu spielen. Er soll, so berichtet es die SportBild, sogar seinen Rausschmiss gegenüber Trainer Thorsten Fink, der ihn mit beiden Händen am Kragen gepackt haben soll, mit folgenden Worten kommentiert haben: „Wer bist Du, dass Du mich anpackst?“ Es war Fink, sein Trainer. Zugleich die Autoritätsperson für Besic beim HSV. Wobei der 19-Jähreige ausgerechnet damit am meisten Probleme hat. Die einen sagen, weil er es von seinem Vater so vorgelebt bekommt, die anderen betrachten Besic seit dessen Nationalelfnominierung für Bosnien als abgehoben. Und das, obwohl er in der Bundesliga bis heute nicht Fuß fassen konnte.

Nun also noch weniger. Besic dürfte unter Trainer Thorsten Fink keine Berücksichtigung mehr erwarten dürfen. Und auch wenn er sich am Tag danach entschuldigte sowie sein Berater von „beidseitigen Fehlern“ sprach – Fink bleibt stur. Zu recht, wie ich finde. Zumal das auch ein Zeichen an das eine oder andere weitere Talent im Kader ist, das sich zuletzt schon in Sphären wähnte, die nichts mit HSV geschweige denn mit Abstiegskampf zu tun haben.

Das sieht auch Ivo Ilicevic so. Ohne auf diesen expliziten Vorfall einzugehen, begrüßt der rechte Mittelfeldspieler Finks jüngste Maßnahmen. Ilicevic sieht sie unmittelbar vor seiner ersten Rückkehr als Gegner zum 1. FC Kaiserslautern sogar als fruchtbar an. „Es ist völlig zweitrangig, ob ich zu meinem Ex-Klub zurückkehre – wichtiger ist, dass wir gut arbeiten. Und so, wie die Mannschaft trainiert, macht das Hoffnung“, sagt Ilicevic, der heute im Training zu den Besseren beim langen Abschlussspiel gehörte, „es haben jetzt alle verstanden.“

Hoffnung also. Durchs Training. Das hatten wir schon so oft, dass man geneigt ist, nicht mehr daran zu glauben. Zumal, wenn man sieht, dass im Nachmittagstraining – der angekündigten weiten Extraeinheit – Fußball-Tennis gespielt wurde. Viel mehr als aktives Zusammensein ist das nicht. Deshalb nehme ich lieber eine andere Ansicht Ilicevics auf, die mir deutlich besser gefällt und der ich mehr Bedeutung beimesse. „Wir müssen in Lautern über den Kampf kommen“, so der Rechtsfuß. Endlich mal einer, der spricht wie ein „Abstiegskämpfer“. Dass er zwischendurch auch wieder die höhere Qualität des HSV ansprach ist insofern okay, als dass er es in die richtige Reihenfolge setzt. „Wenn wir den Kampf annehmen und gegenhalten, wird sich unsere Qualität letztlich durchsetzen.“

Richtig. Ilicevic weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es auf dem von frenetischen Lautern-Fans befeuerten Betzenberg für gegnerische Mannschaften ist – oder besser: wie schwer es sein kann. Denn auch beim FCK herrscht Unsicherheit. Ilicevic: „Wir haben die große Chance, die Fans gegen die eigene Mannschaft aufzubringen. Wenn wir lange in Ballbesitz sind oder am besten noch in Führung gehen, kippt die Stimmung schnell. Dann wird es auch für Lautern schwer.“ Denn, und darin sieht Ilicevic den Vorteil für den HSV. Der HSV-Profi glaubt sogar daran, dass sich beim 1. FC Kaiserslautern Angst einschleichen könnte. „Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Lautern ist jetzt schon sieben Punkte vom rettenden Ufer entfernt. Da ist das Spiel für die schon so etwas wie die letzte Chance“, sagt Ilicevic. Ob das für den HSV auch gilt? „Nicht ganz so krass. Aber wir wissen, dass wir dieses Spiel nicht verlieren dürfen.“

Wobei Ilicevic selbst ein wesentlicher Baustein sein könnte. Zumindest soll er das werden. Der Kroate galt nach seinem Wechsel als Sofortverstärkung, traf bei seinem ersten Kurzeinsatz und schürte Hoffnungen, die er seither nicht erfüllen konnte. „Es war bislang keine einfache Saison für mich. Durch die vielen Verletzungen fehlte mir der Rhythmus“, klagt Ilicevic. Allerdings kann davon in der Rückrunde nach nunmehr sieben von zehn Spielen nun wirklich nicht mehr die Rede sein. Und bevor ich ihn genau das fragen kann, zeigt sich Ilicevic selbstkritisch: „Ich brauche für meine Leistung Spiele – und die habe ich jetzt bekommen. Deshalb muss jetzt mehr kommen von mir. In Lautern beispielsweise – auch wenn ich dort erst einmal vor allem anderen den Kampf annehmen muss.“

Kämpfen tut auch gerade Jaroslav Drobny. Der Tscheche, der in der Partie beim VfL Wolfsburg patzte, ist noch immer nicht wieder hundertprozentig fit. Heute Vormittag pausierte er, am Nachmittag erholte er sich aktiv mit weniger belastenden Torwartübungen auf dem Platz. Klar ist, dass Drobny gegen Kaiserslautern im Tor stehen wird. Trotz der Blessur am Oberschenkelmuskelansatz rechts. Das Schlimme daran: Drobny muss auch deshalb spielen, weil der HSV keine Alternative hat. Denn sowohl Sven Neuhaus als auch Florian Stritzl traut Fink ein Bundesligaspiel nicht zu. Erst recht nicht in einer so brisanten Situation.

Da bleibt nur zu hoffen, dass sich Drobny bis Sonnabend ausreichend erholt. Mehr als bis zum Wolfsburg-Spiel. Immerhin gilt er als einer der absoluten Führungsspieler im Team und hat Erfahrungen – auch negative – mit dem Abstiegskampf gemacht. Vielleicht kann der Tscheche seinen Mitspielern ja heute beim von ihm, Heiko Westermann und Dennis Aogo initiierten Mannschaftsabend ein paar wichtige Tipps geben, wie man es im Abstiegskampf (nicht) macht.

In diesem Sinne, es ist eigentlich alles gesagt. Mal wieder. Jetzt – und so sehr das auch eine Floskel ist – jetzt zählt nur noch ein Sieg beim FCK. Morgen steht nur eine Einheit um 15 Uhr an der Arena auf dem Plan. Im Anhang findet Ihr einen Auszug sehr lesenswerter Mails aus unserer (Blog-)Mitte.

Bis morgen,
Scholle

Blogbeiträge:
„Jockel“ schrieb:

Hallo,

mit Erstaunen musste ich die letzten Tage feststellen, dass in der Boulevard-Presse immer wieder die Spieler Besic und Castelen an den Pranger gestellt werden. Entweder sind sie unter einem “anderen” Spieler-Namen aufgelaufen oder ich habe Wahrnehmungsstörungen. Man kann doch nicht ernsthaft die HSV-Misere an zwei Dauer-Reservisten festmachen, um damit den Druck von den eigentlich verantwortlichen Spielern zu nehmen…?! Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Trainer Fink diese
Wirkung erzielen wollte…….falls doch, wäre dies ein Armutszeugnis.

Schwarz-weiß-blaue Grüße,
Jockel 1887

P.S. Die gute Zustands-und Problembeschreibung des Fachmannes Bettin analysiert perfekt die Schwachstellen in der Spielgestaltung beim HSV und gibt damit auch gleichzeitig die Ansatzpunkte vor. Fehlende Kreativität und ein nicht erkennbares System kann in den letzten Spielen daher nur über den Kampf ausgeglichen werden. Ich hoffe, zumindest dies funktioniert noch rechtzeitig.

Von „Magicc“:

Ich gehöre eigentlich eher zu den Lesern als zu den Schreibern, aber bei einigen Kommentaren hier kann ich nur den Kopf schütteln. Ihr drescht hier auf Spieler und Verantwortliche ein, das geht so gar nicht.

Thema Petric:

Er hat schon immer so gespielt, sich nie viel bewegt, war nie der Mitreißer, aber er hat immer noch viele Tore erzielt. Das der Mann jetzt wie ein beklopptes Huhn über den Platz läuft, ist nicht zu erwarten. Im Moment trifft er nicht, aber daraus solche Dinge abzuleiten, wie „kein Bock mehr” oder „ist mit den Gedanken bei einem anderen Verein” ist Unsinn und beleidigend. Diejenigen, die jetzt hier meckern, waren die gleichen, die nach den (vielen) Toren von ihm gejubelt haben. Übrigens spielt ein Gomez nicht anders, bekommt aber ständig von links und rechts Bälle zugespielt. Petric bekommt vielleicht 2 oder 3 in einem Spiel und muss daraus etwas machen. Bei Bayern hätte er eine ähnliche Quote wie Gomez. Hier würde uns allen ein wenig mehr Respekt, auch für geleistete Jahre, wirklich gut tun.

Thema Jaro:

Ich bin der Meinung, eine eigentlich gefällte Entscheidung zu revidieren, weil dieser Spieler jetzt, in einer wirklich schwierigen Phase, gezeigt hat, wie wichtig er für die Stabilität und vielleicht auch als Führungsspieler sein kann, zeugt von Charakter. An einer einmal getroffenen Entscheidung festzuhalten, nur weil man diese einmal getroffen hat, ist Starrsinn.
Jaro hat, als einer der wenigen auf dem Platz tatsächlich die Raute im Herzen und hat sich, trotz seiner beschränkten fußballerischen Fähigkeiten, immer den A… aufgerissen. Und nur mit jungen Leuten wird es nichts. Ein paar erfahrene brauchst du im Team.

Thema Adler/Drobny:

Warum wird Arnesen kritisiert, wenn er sich um Adler kümmert?

Bei aller Objektivität ist Drobny ein höchst durchschnittlicher Torwart. ( z.B. waren beide Tore in WoBu, zumindest zum Teil, seine ) Das er auf der Linie teilweise wirklich starke Reflexe hat, will ich ihm nicht absprechen, aber sonst? Jeder hohe Ball bringt Angst. Kein entschlossenes “Rauslaufen” und zupacken. Wenn überhaupt, dann oft mit einer Faust und viel Gottvertrauen. Sorry, aber da findest du in der dritten Liga mindestens 5 gleichwertige.
8 von 10 Abschlägen landen beim Gegner oder im Aus. Modernes Torwartspiel? Fehlanzeige. Organisation der Abwehr, speziell bei Standards? Hör mir auf.
Mit seinem flatterhaften Verhalten verunsichert er die gesamte Abwehr und ist meiner bescheidenen Meinung nach die Hauptursache für die Abwehrmisere.

Wenn ein Mann wie Adler, der immerhin fast die deutsche Nummer1 geworden wäre, auf dem Markt ist und auch bei unserer finanziellen Ausstattung zu haben ist, dann würde Arnesen fahrlässig handeln, es nicht zumindest zu versuchen. Und wenn Herr Adler sich etwas Bedenkzeit erbittet, weil er nicht geil auf Liga 2 ist, dann kann ich es durchaus verstehen. Das wird uns auch bei anderen Transfers noch passieren, solange der Ligaverbleib nicht geklärt ist.

Petric will seine Kritiker Lügen strafen

27. März 2012

Eigentlich war die Lage klar. Egal, was er gemacht hätte, es wäre ihm höchstwahrscheinlich negativ ausgelegt worden. Glaubt auf jeden Fall Mladen Petric – und ich persönlich auch. Denn von dem Moment an, an dem bekanntgegeben wurde, dass der HSV und der Kroate sich im Sommer trennen würden, befand sich der Kroate unter erhöhter Dauerbeobachtung. Hätte er plötzlich Top-Leistungen gezeigt, hätte man ihm unterstellt, sich im Gegensatz zu den Vorwochen für einen neuen Vertrag plötzlich wieder zerreißen zu können. Aber da dem nicht so war und Petric seiner Form weiter hinterherläuft, meinen nicht wenige, Petric habe mit dem HSV abgeschlossen und schone sich für seinen neuen Verein. Mir wäre das erste Szenario lieber gewesen, weil es zumindest den einen oder anderen Punkt mehr nach sich gezogen hätte – aber es wurde das zweite. Und dabei beneide ich Mladen nicht.

Dabei war und ist Petric schon seither der Typ Stürmer, der selbst eigene Fangruppen spaltet. Er ist kein Kämpfer, spielt elegant und wirkt manchmal zu lässig – allerdings wusste er immer wieder dadurch zu bestechen, viele Tore zu erzielen. Das Spiel ohne Ball war dagegen eher selten so, dass die Fans ihm übermäßigen Einsatz bescheinigen wollten. Dennoch, Petric hat in 193 Pflichtspielen für Basel, Dortmund und den HSV 86 Treffer erzielen können. Eine mehr als ordentliche Quote. Bis auf diese Saison. Petric durchläuft eine Formkrise, wie selten zuvor. Sechs Treffer in 20 Spielen, davon waren sogar zwei Elfmeter – das ist für ihn zu wenig. Und das weiß auch Mladen selbst. „Natürlich erwarte ich selbst viel mehr von mir. Es ist für mich das erste Mal seit vier Jahren beim HSV, dass ich so einen negativen Lauf habe. Da spielen etliche Faktoren rein – aber klar ist: ich muss mich selbst da rausholen. Und das werde ich. Ich gebe weiterhin alles für den HSV. Denn ich will hier einen positiven Abschied haben. Der Verein bedeutet mir eine Menge.“

Nun kommen hier sicher wieder Zweifler, die dem smarten Linksfuß diese Worte nicht abnehmen. Das Dumme daran ist, es ist sogar unmöglich, einen Gegenbeweis anzutreten. Und genau deswegen hat Petric lange geschwiegen. Fast täglich haben wir um einen Termin bei dem Torjäger gebeten. Wochenlang erfolglos. „Ich wollte nichts sagen, sondern auf dem Platz etwas zeigen“, sagt Petric, „denn dass so eine Situation auch an mir nicht spurlos vorbeizieht, ist klar. Ich saß oft zu Hause und habe mir den Kopf zerbrochen, weshalb es so schlecht läuft“, erzählte mir Mladen heute.

Auch an dem so erfahrenen, oft so abgeklärt wirkenden 31-Jährigen sind die Zweifel nicht spurlos vorbeigezogen. Extern durch Pfiffe und die Medien öffentlich gemacht, wurden auch intern Stimmen lauter, die an Petrics Einstellung zweifelten. Ich habe ihn heute gefragt, ob die Tatsache, dass man nicht mit ihm verlängern würde, ihn persönlich enttäuscht hätte. Und allein das lange Zögern bei der Antwort zeigte mir, dass dem so ist. Dennoch sagte er: „Wir haben viele Gespräche gehabt und gemeinsam eine Entscheidung getroffen. Ich mache mir über meine Zukunft keine Sorgen. Im Gegenteil, ich denke noch gar nicht daran. Ich habe auch noch nirgendwo einen vertrag unterschrieben, wie es mir von einigen unterstellt wurde. Nein, jetzt bin ich – jetzt sind wir alle in der Pflicht, das Ende positiv zu gestalten.“

Klingt gut – wird gut. Hoffe ich. Denn wie wichtig Mladen für die Mannschaft nach dem Ausfall von Paolo Guerrero ist, dürften nach den Versuchen mit Arslan und Son alle wissen. Selbst die bösesten Kritiker dürften nicht übersehen haben, dass Petric – vielleicht ja jetzt im Doppelpass mit dem vor dem Tor weiterhin bärenstarken Marcus Berg – den Unterschied machen kann. Mannschaftsintern hat der 31-Jährige allemal an Bedeutung gewonnen. Zuletzt im Spiel gegen Freiburg ergriff er in der Halbzeit das Wort. „Die Mannschaft saß da und keiner sagte ein Wort. Die Stimmung war am Boden. Da habe ich alle zusammengerufen und auf die zweite Halbzeit eingeschworen.“ Dass ausgerechnet er als ausgewiesener „Knipser“ anschließend in der zweiten Hälfte eine Hundertprozentige vergab – auch ein Ergebnis der Ereignisse in den letzten Wochen. „Den muss ich machen, da gibt es gar nichts“, so Petric, der zwar keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Auslassen der Großchance und seinen gescheiterten Vertragsverhandlungen zugeben wollte, der aber auch klar sagt: „Es wäre arrogant zu sagen, dass ich alles an mir abprallen lasse. Ich beschäftige mich auch mit den verschiedenen Situationen. Mir geht das alles hier ganz sicher nicht am Arsch vorbei. Ganz sicher nicht.“

Es ist erkennbar, dass auch Petric verletzt ist. „Natürlich hat das auch in mir gebrodelt. Wenn die Leute sagen, ich hätte woanders unterschrieben und mir sei die Situation beim HSV egal, dann ist das eine Frechheit. Dann wurden noch Sachen geschrieben, die absolut unwahr waren. Ich habe bis heute nirgendwo unterschrieben. Vielmehr wurde ein Sündenbock gesucht – und in mir gefunden. Doof war nur, dass alles in eine Phase fiel, die für uns nicht gut lief. Auch für mich nicht.“ Inzwischen aber, und das betont Mladen, habe er gelernt, damit umzugehen. „Das war nicht leicht, aber ich habe mich in den Griff gekriegt. Es ging und geht hier nicht ja auch nie um mich allein. Es hängt sehr viel mehr dran. Ich habe gelernt, diese Dinge für mich richtig einzuordnen.“

Auch, weil er wie seine Mannschaftskollegen inzwischen erkannt habe, was die Uhr geschlagen hat. Sein persönliches Schicksal ist nicht annähernd so wichtig, wie das des letzten Bundesliga-Dinos, der seinen Nimbus zu verlieren droht. Insbesondere die deutliche Ansprache von Trainer Thorsten Fink am Montag habe Klarheit gebracht, sagt Petric. „Ich glaube schon, dass die Trainerworte was bewirkt haben. Das war für den einen oder anderen, der die Situation bislang unterschätzt hat, der ultimative Weckruf.“ Dass damit insbesondere die jüngeren Spieler, wie beispielsweise die Zugänge des FC Chelsea gemeint seien wollte Petric nicht bestätigen – allerdings gilt es als offenes Geheimnis, dass unter anderen ein Gökhan Töre, ein Jacopo Sala, ein Jeffrey Bruma sowie auch ein Heung Min Son oder Ivo Ilicevic vom Trainer persönlich dazu aufgefordert wurden, sich der brenzligen Situation des Klubs bewusst zu werden und künftig mehr zu investieren. Und schon dieser Umstand lässt die erneuten Versuche Frank Arnesens, von Chelsea Leute aus der zweiten Reihe nach Hamburg zu holen, auf mich sehr unglücklich wirken – um es vorsichtig zu formulieren.

Wobei Arnesen schon einen nominell guten Transfer unter Dach und Fach gebracht hat. Sollte der HSV die Klasse halten – und nur aufgrund dieser noch unklaren Situation wurde der lange feststehende Transfer bislang noch nicht als perfekt vermeldet – kommt Stürmer Artjoms Rudnevs. Das haben wir heute bereits im Abendblatt vermeldet, aber für die, die nur hier im Blog unterwegs sind, noch mal: Der lettische Torjäger von Lech Posen, der auch von Dortmund und Borussia Mönchengladbach umworben gewesen sein soll, soll Mladen Petric im Angriff ersetzen. Der HSV, Posen und der 24-jährige Nationalspieler sind sich bereits seit Wochen einig. Der Angreifer, der es in dieser Saison in 21 Meisterschaftsspielen in Polens erster Liga auf 18 Treffer bringt, gilt als hoffnungsvolles Talent.

Apropos hoffnungsfroh, das durfte man heute nach dem Vormittagstraining auch sein. Nach den eher mageren Konsequenzen gestern (Besic und Castelen zur U23 runter), ließ Fink heute Vormittag seinen Worten Taten folgen und zog die Trainingsintensität an. Auf jeweils zwei kleine sowie zwei Fünf-Meter-Tore spielten jeweils fünf gegen fünf, ehe Fink eine intensive taktische Übung einstreute. Dabei musste sich die Abwehr (in wechselnden Formationen) einer Überzahl attackierender Spieler erwehren und sich unter Druck spielerisch befreien. Das gelang zwar nur bedingt – aber es sind ja noch ein paar Tage und zumindest die Laufintensität und der Einsatz der Spieler war sehr ordentlich. Zum Abschluss ließ Fink dann noch auf verkürztem Feld jeweils zwei gegen zwei spielen. Und jeder – nicht nur die, die selbst gekickt haben – kann erahnen, dass diese Übung sehr anstrengend war. Entsprechend ließ es Fink am Nachmittag etwas gemäßigter angehen.

In diesem Sinne, Mladens bestes Mittel gegen seine nicht leiser werdenden Kritiker waren, sind und bleiben seine Tore. Und die helfen auch gegen den Abstieg. Ergo: Mach et, Mladen! Für Dich, gegen Deine Kritiker – aber vor allem für den HSV!

Bis morgen! Da wird wieder um 10 und um 15 Uhr trainiert.

Scholle

P.S.: Heute gab es vormittags eine turnusmäßige Vorstandssitzung, auf der auch das Thema David Jarolim noch mal auf den Tisch kam. Gut möglich, dass der HSV die eigentlich schon als entschieden geltende Trennung von dem Tschechen noch mal aufschiebt und mit dem zuletzt formstärksten Hamburger trotz der zuletzt ebenso hartnäckigen wie wiederholten Dementis Frank Arnesens verlängert.

Fink zieht die Zügel an!

26. März 2012

Es wird personelle Veränderungen geben. Beim HSV. Und die nahmen bereits heute ihren Lauf. Ab sofort nehmen Romeo Castelen und Muhamed Besic nicht mehr am Training der Profis teil. Das ist Teil eines gewissen Entschlackungsprozesses. Trainer Thorsten Fink will mit weniger Leuten übersichtlicher und komprimierter trainieren, um die Mannschaft noch effektiver auf die letzten sieben Endspiele – hoffentlich nicht wörtlich gemeint – vorbereiten zu können. Wenn es denn hilft. Und bei der Gelegenheit: Fink wird wohl auch die Aufstellung für das Kaiserslautern-Endspiel ein wenig verändern. Er möchte einen Tick offensiver werden, deshalb könnte es wohl sein, dass Tomas Rincon wieder zurück auf die Bank muss, und dass seinen Platz Gojko Kacar einnehmen wird. Ziel dieser Umstellung ist, dass wieder ein wenig mehr nach vorne gedacht und gespielt wird, was ja auch für die Partie am Sonnabend nicht verkehrt wäre, denn: Kaiserslautern wird die letzte Chance haben, durch einen Heimsieg doch noch Anschluss an das Mittelfeld gewinnen zu können. Also muss Lautern stürmen – und der HSV wird Lücken vorfinden. Und wenn es diese Lücken tatsächlich geben sollte, dann muss es natürlich auch HSV-Spieler geben, die in diese gehen bzw. laufen und bestenfalls sogar sprinten können. Um so die nötigen Treffer für den dringend benötigten Auswärtssieg zu schießen. Hoffen wir das Beste.

Festhalten wird Thorsten Fink (wohl) weiterhin an Marcell Jansen und auch an Mladen Petric. Bei Jansen ist es so, dass der Coach das „gute Verständnis“ mit Dennis Aogo auf der linken Seite lobt. Und dass Jansen mit schnellen Schritten in die (freien) Räume auf der linken Seite laufen kann, wird und soll. Ich habe davon zuletzt herzlich wenig gesehen, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich auch beim HSV zuletzt. Zur Entscheidung „pro Petric“ sagt Thorsten Fink: „Für ihn spricht die Erfahrung, und dass er schon so viele Tore für den Verein geschossen hat. Auch wie er sich gibt im Moment, wie er der Mannschaft helfen will, dass er mal was sagt, dass er auch anspricht, wenn etwas nicht gut ist, dass er sich gut im Spielerrat gibt – ich finde das ist alles in Ordnung, wir brauchen ihn für die kommenden harten Wochen. Und wenn man im Abstiegskampf ist, dann braucht man schon Erfahrung, um damit auch umgehen zu können.“

Da Jansen und Petric „drin“ bleiben werden, was ist dann mit Ivo Ilicevic? Für ihn spricht, so hat es Thorsten Fink ausgemacht, dass er gegen Freiburg (relativ) gut gespielt hat. Was in meinen Augen auch für ihn sprechen könnte ist die Tatsache, dass er ja einst auf dem Betzenberg daheim war, und dass er es genau dort seinen Freunden und Feinden zeigen will, dass er mit seinem Wechsel zum HSV alles richtig gemacht hat. Das wäre zum Beispiel meine (letzte) Hoffnung – im „Fall Ilicevic“.

Thorsten Fink zieht die Zügel an. Die Mannschaft kam 27 Minuten nach 15 Uhr erst auf den Trainingsplatz, weil es zuvor eine eindringliche und auch gelegentlich lautstarke Ansprache des Trainers gegeben hatte. Fink nahm sich dabei einige seiner „Sorgenkinder“ zur Brust – und forderte von allen 100 Prozent ein. Eine Forderung, die meinen Wünschen entsprechen würde und der ich mich anschließen könnte.

Aufwachen, Jungs, es ist fast schon zu spät!

„Wir wollen in Kaiserslautern gewinnen, wir werden dort alles geben wir werden auch Gas geben – und dann schauen wir, was da hinterher rauskommen wird. Es könnte ja auch sein, dass wir dort einen Punkt mitnehmen, aber es könnte ja auch weiter sein, dass dieser Punkt uns wieder über den Strich bringt. Es wird ein harter Abstiegsfight bis zum Ende. Wir können jetzt nicht davon ausgehen, dass wir nun alles gewinnen, und dass wir dann in drei, vier Spielen da unten raus sind. Das wird ein harter Fight, und es wird hart bleiben, wir müssen uns, das ist ganz klar, auf sieben harte Spiele einstellen und vorbereiten, es gibt jetzt nicht nur das eine Endspiel in Kaiserslautern für uns“, sagt Thorsten Fink. Er hat es auf jeden Fall verinnerlicht, was die Stunde jetzt geschlagen hat. Was die Stunde für den HSV, den letzten Dino der Liga, geschlagen hat.

Und das muss und wird er seinen Männern vermitteln. Und wenn die es dann auch kapieren, dann wird es doch laufen. Oder? Mensch, der HSV, dieser HSV hat doch vor Wochen noch ein 1:1 gegen die Bayern geschafft, und ein 1:1 in Gladbach geholt. Und zwar nicht mit Glück, sondern mit Können. Fink predigt seinen Jungs jetzt bestimmt (und mitunter kommt er mir tatsächlich wie ein Wanderprediger vor!) täglich folgende Sätze: „Ich glaube an meine Mannschaft, ich vertraue ihr – und dann werden wir es schaffen. Wir haben die Lage erkannt, wir wissen, dass es eine heikle Lage ist, wir wissen, dass die Leistungen in den letzten Wochen nicht immer gut waren, und das werden wir ändern. Jeder, der hier jetzt nicht mitzieht, der darf dann einfach nicht mehr dabei sein in unserem Kader. Wer jetzt nicht hundertprozentig bei der Sache ist, der wird am Wochenende auch nicht dabei sein – ich werde diese Woche ganz genau hinschauen, wer da nicht so mitzieht wie wir es wollen.“ Und weiter sagt der Coach: „Wir müssen hart arbeiten, wir müssen unser Ziel hartnäckig verfolgen, wir müssen unsere kleinen Fehler abstellen, wir müssen konzentrierter spielen, wir müssen lernen, auch Kleinigkeiten besser machen zu wollen, wir müssen weiter dranbleiben. Diese Kleinigkeiten können einen Punkt bedeuten, und ein Punkt kann am Schluss den Nicht-Abstieg bedeuten.“

Thorsten Fink lässt in den nächsten beiden Tagen jeweils um 10 Uhr und um 15 Uhr trainieren, legt also auch im Trainingspensum zu, aber er wird ansonsten seine Linie beibehalten. Soll heißen, dass er jetzt nicht die Knute rausholen wird, um auf die Spieler einzuprügeln. Er sagt: „Es hilft nichts, auf die Mannschaft einzuhauen, und dann zu glauben, sie würde deshalb am Wochenende besser spielen. Wenn die Spieler den entsprechenden Einsatzwillen nicht zeigen, dann werde ich natürlich reagieren, aber wir reagieren schon jede Woche – das muss nur nicht immer an die Öffentlichkeit gelangen. Wir werden durchaus schon mal lauter, aber das geschieht intern. Trotz allem muss es doch so sein, dass man seiner Mannschaft Vertrauen schenkt. Draufhauen, und ich bin ja auch schon ein paar Jahre im Profi-Geschäft dabei, bringt nichts. Wir müssen positiv denken, wir müssen wissen, dass wir es besser können – wir haben es doch schon gezeigt.“

Natürlich hat er das, der HSV. Aber er hat es auch oft genug schon bewiesen, dass er es nicht so richtig kann. Wer von 14 Heimspielen lediglich zwei gewinnt, der kann so viel Qualität eigentlich nicht in der Mannschaft haben – oder liege ich da falsch? Nur was soll Thorsten Fink dazu sagen? Er hat ja keine andere Mannschaft. Er muss genau diesen Leuten vertrauen, dass sie die Kastanien aus dem Feuer holen – und die Raute weiterhin ganz oben am Leben erhalten. Später, viel, viel später können die Verantwortlichen sicher mal (im privaten Kreis) zugeben, dass es ein heißer Tanz auf der Rasierklinge war, das Unternehmen „HSV 2011/12“.

Zumal es ja noch viele außergewöhnliche Widrigkeiten dazu gab – quasi als Zugabe. Dass sich der HSV von Mladen Petric trennen will, wollte und muss – ausgerechnet jetzt. Ja, ausgerechnet jetzt. Das ist zwar äußerst dumm gelaufen, aber der HSV kann doch jetzt nicht nur deshalb, weil er auf die Tore von Mladen Petric hofft, seine Planungen umstoßen und sagen: „Gut, es geht eben nicht anders, dann verlängern wir mit Petric eben um die nächsten zwei, drei Jahre – für einige Millionen. . .“ So geht es doch wirklich nicht.

Dumm gelaufen ist es natürlich auch im Fall Jaroslav Drobny. Jeden Tag war etwas über die Verpflichtung des ehemaligen Nationaltorwarts Rene Adler zu lesen. Die Offenheit ist dumm gewesen, aber sie soll aus Leverkusen lanciert worden sein. Zum Glück ist es ja inzwischen ein wenig ruhiger in diesem Thema geworden. Ob das aber wirklich noch hilfreich ist? Ich weiß es wirklich nicht. Anstelle von Drobny wäre ich, Profi hin oder her, schon echt verunsichert – und auch sauer. Quintessenz: Dieser Fall ist für mich schon echt dumm gelaufen, das wäre vermeidbar gewesen. Wie wohl auch der „Fall Jarolim“. Da wird ein Mann, der sich Verdienste um den HSV erworben hat, im Herbst auf das Abstellgleis geschoben – und nun soll er der „Held im Abstiegskampf“ werden. Plötzlich und unerwartet. Und „Jaro“ gibt ja auch tatsächlich Gas ohne Ende, zweigt sich als Vorbild-Profi. Aber ob es noch hilft? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass David Jarolim ganz sicher kein Großverdiener ist, als dass man ihn von der Gehaltsliste kriegen muss. Und ich weiß, dass man einen so vobildlichen Spieler eigentlich immer noch brauchen könnte. Sogar für etwas weniger Geld (Gehalt), wenn es denn sein müsste – denn der HSV hat „Jaro“, dem schon ausrangierten „Jaro“ ja schon weit vorher in Aussicht gestellt, weiter für den Klub arbeiten zu können – im Nachwuchsbereich. Was wäre es wohl gewesen, wenn er dann einen abgespeckten Vertrag erhalten hätte, praktisch als „Stand-by-Profi“? Aber gut, ich bin nicht der, der dem HSV diese Philosophie verordnet (hat), aber es ist schon so – auch diese Baustelle wäre eigentlich nicht nötig gewesen.

Diese drei Widrigkeiten haben dem HSV sicherlich nicht in die Karten gespielt, sie haben sicherlich auch dabei „geholfen“, dass der Klub nun so steht, wie er steht. Und dann gibt es ja auch noch die Personalie Paolo Guerrero. Wie sehr fehlt dieser Mann denn nun? Unheimlich sehr – behaupte ich, denn er war vorher der beste Stürmer des HSV. Und das ist Punkt vier, der in dieser schlimmen Misere seine negative Bedeutung hat. Und darunter hat nun der gesamte Klub und sein Umfeld zu leiden. Leider, leider.

Nun soll es plötzlich Marcus Berg richten. Marcus Berg! Einer, den kaum einer auf dem Zettel hatte. Wer den Schweden zuletzt im Training gesehen hat, der kann es ganz sicher nicht glauben, dass auf ihn nun die Offensiv-Hoffnungen des HSV ruhen sollen. Über diesen Marcus Berg hatte Thorsten Fink noch in der Woche vor dem Freiburg-Spiel (völlig zu recht) gesagt, dass er „jedem Zweikampf aus dem Wege geht“. Jetzt sagt der Trainer: „Bei ihm hat man das Gefühl, dass er nicht viele Chancen braucht, um ein Tor zu machen. Ich kann über Marcus Berg nur Gutes sagen, wir besitzen in ihm nun einen guten Torjäger. Ich habe mich immer gefragt, warum er so sehr in der Kritik stand, er war ja auch öfter mal verletzt, aber ich habe ihn eigentlich immer sehr, sehr gut gesehen. Ich freue mich, dass er jetzt gerade im richtigen Moment seine Form findet, und von einem Torjäger erwarte ich Tore – das hat der Marcus in Wolfsburg gleich gemacht.“

Hoffen wir also auf den Berg-Affekt auf dem Betzenberg.

Bei der Gelegenheit: Es wird ja immer gefragt, warum der HSV in der Winterpause keine weiteren Spieler verpflichtet hat? Zu diesem Thema hatte am Wochenende ein ganz besonderer Mann eine ganz dezidierte Meinung. Ich habe dies live im Fernsehen gesehen, aber ich wurde darauf per Mail noch einmal explizit aufmerksam gemacht, deswegen nun die Mail dazu:


Hallo Herr Matz,

diese Aussage von Clemens Tönnies auf Sport 1/Doppelpass zum HSV sollte nicht untergehen:
„Dieses ständige Gerede beim HSV, man müsse die Personalkosten reduzieren, ist für einen so großen Verein völlig unverständlich. Ich glaube, dass man beides tun muss: die Ausgaben harmonisieren, aber auch die Einnahmenseite aktivieren. Ich sehe den Verein ein bisschen sich kaputt sparen. So kriegen Sie kein Unternehmen saniert, wenn Sie nur auf sparen setzen.”

Clemens Tönnies, Aufsichtsratsvorsitzender Schalke 04 am 25.03. auf Sport 1

Ich bin übrigens HSV-Mitglied und leide wie Sie vermutlich auch unter der aktuellen Situation.
Mit freundlichen Grüssen
André A.

PS: Dienstag um 10 und um 15 Uhr Training im Volkspark.

18.41 Uhr

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