Tagesarchiv für den 29. März 2012

Vor dem Abstiegs-Endspiel in Lautern

29. März 2012

Diesmal die erfreuliche Nachricht zu Beginn des Beitrags:
Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat den HSV wegen mangelnden Schutzes des Gegners mit einer Geldstrafe in Höhe von 30 000 Euro belegt. Während des Bundesligaspiels zwischen dem HSV und Werder Bremen am 18. Februar war aus dem Hamburger Zuschauerblock in Richtung des Bremer Spielers Marko Marin ein Getränkebecher geworfen worden, in dem sich ein Feuerzeug befand. Marin wurde von dem Wurfgeschoss zwar getroffen, ging kurz zu Boden, trug aber keine Verletzung davon.

Erfreulich deshalb, weil es ja auch eine etwas härtere Strafe hätte geben können. Und damit ist nicht nur das Finanzielle gemeint. Geld hat der HSV ja genug, da kommt es nicht so groß darauf an, ob es nun eine sechs- oder doch nur eine fünfstellige Zahl an Strafe gibt. Bitter ist nur, dass die, die hinterher herumquaken, dass sich der HSV keine neuen Spieler mehr leisten kann, nach Herzenslust mit dem Geld des Klubs spielen. Aber das lasse ich lieber, Geld ist ja ohnehin ein ganz besonderes Thema (bei „Matz ab“) – und bei den Bilanzen kann der HSV ganz sicher noch viele, viele weitere Strafen mühelos aus der Portokasse bezahlen . . .

Nun gut, es gibt in diesen Tagen ja auch noch die etwas anderen Sorgen um die Raute. Das Reizthema wird auch „Abstiegsgefahr“ genannt. Und da steht am Sonnabend bekanntlich ein ganz schweres Spiel auf dem Programmplan: Kaiserslautern. Was mich an dieser Partie jetzt schon total nervt ist die Tatsache, dass ich überall nur höre: „Wir haben noch sieben Spiele vor der Brust. Und nach den 90 Minuten in der Pfalz immer noch sechs.“ Das mag ja wahr sein, aber im Moment kann und darf es nur dieses eine Spielchen geben, nur dieses eine. Und das ist als absolutes Endspiel zu betrachten. Der HSV spielt beim Tabellenletzten um den Klassenerhalt. Dort muss gewonnen werden. Und dort kann eigentlich auch gewonnen werden, denn der 1. FC Kaiserslautern ist nun mal die schlechteste Mannschaft der Liga. Wenn nicht dort gewinnen, wann dann? Gegen wen dann? Da ist es total egal, dass es hinterher noch sechs weitere Spiele geben wird. Spiele, die ganz sicher nicht leichter sind, als das vom kommenden Sonnabend.

Witzig finde ich, oder besser: Kurios finde ich, dass mit Marcus Berg nun innerhalb des HSV ein Strohhalm gefunden wurde, der vor Wochen noch gar keine Option gewesen ist. Der Schwede war jenseits von Gut und Böse, er fiel nur durch magere Trainingsleistungen auf, die sogar sein Trainer festgestellt hatte. Nun aber wird genau dieser Berg zum großen Hoffnungsträger. Ein Schuss und ein daraus resultierendes Tor hat dafür gesorgt. Marcus Berg hatte, so hat es mein Kollege Lars Pegelow (NDR 90.3) ausgerechnet, in Wolfsburg exakt 17 Ballkontakte (in 90 Minuten). Einen von den 17 Ballkontakten nutzte er zum 1:1. Das macht den Schweden nun, in dieser prekären Lage des Klubs, so besonders wertvoll.

„Er wirkt sehr selbstbewusst, er hat auch in dieser Woche im Training wieder sehr schöne Tore gemacht – und er braucht für seine Tore auch wenige Chancen. Und wir brauchen so einen Spieler, denn in letzter Zeit hatten wir ja einigen große und gute Chancen, die wir nicht ausgenutzt haben. In Wolfsburg hatte Marcus Berg eine Möglichkeit, und die hat er genutzt, das zeichnet einen guten Torjäger aus. Für uns kann er in den letzten Spielen sehr wichtig sein“, sagt Trainer Thorsten Fink über seinen großen Hoffnungsträger.

Und Marcus Berg? Kann er das alles, was jetzt um ihn herum passiert, alles nachvollziehen? Der Schwede sagt: „Ich habe zwar ein schönes Tor zuletzt gemacht, aber wichtiger ist, dass wir zusammen gut spielen, dass wir die Taktik befolgen und hart kämpfen. Nur das zählt jetzt.“ Zur allgemeinen Lage befindet Berg: „Die Stimmung ist gut, das Training ist hart, aber wir sind locker drauf und haben Spaß. Und bei uns gibt es viele Spieler, die genug Erfahrungen haben, um dieses schwere Spiel zu meistern. Sie haben schon schwere Spiele hinter sich gebracht, so dass sie wissen, was auf sie zukommen wird.“

Was glaubt Marcus Berg, wie kann das Spiel in Kaiserslautern positiv für den HSV laufen? „Das wird ganz, ganz schwer, aber wir müssen die drei Punkte holen, und dazu müssen wir unser Spiel spielen, den Ball lange halten, hart kämpfen.“ Und Tore schießen. Du eine Einheit sein, die Berge versetzen will – und kann.

Dazu traf sich die Mannschaft am Mittwoch im Restaurant „Gallo Nero“ in Winterhude. Essen etwas Nicht-Alkoholisches trinken, Fernsehen, und zwar die Champions League. Und natürlich viel miteinander reden. Manchmal ist das hilfreich. „Das war locker, das war in Ordnung, wir haben in aller Ruhe beisammen gesessen – es war nur schön“, sagt Berg. Gemeinsam sind wir stark. Ob es tatsächlich etwas gebracht hat, das wird der Sonnabend zeigen.

Und wenn nicht? Dann werden die Sorgen in Hamburg noch größer – und in ganz Deutschland ebenfalls. Ich sprach heute mit Udo Lattek, dem einstmals erfolgreichsten Trainer der Welt. Auch er macht sich Gedanken um den Dino: „Ich mache, das gebe ich zu, mir natürlich Sorgen um den HSV, ich weiß aber nicht, ob sich die Leute beim HSV auch Sorgen um den Verein machen. Da habe ich meine leisen Zweifel. Was sich in Hamburg zuletzt alles so abgespielt hat – da hätte ich als Trainer keine ruhige Minute mehr gehabt“, sagt Udo Lattek und fügt hinzu: „Ich weiß auch nicht, ob jeder HSV-Spieler weiß, um was es jetzt geht. Aus der Ferne habe ich oftmals das Gefühl. Dass es dem einen oder anderen Profi wurscht ist, was passiert, denn er wird ja auch jeden Fall einen neuen Klub finden, für den er im Falle des HSV-Abstiegs weiterhin erstklassig spielen kann.“ Dann erinnert Udo Lattek an die vergangene Saison: „So lief es doch auch in Frankfurt. Da hat zur Halbzeit der Saison niemand an Abstieg gedacht, und als es passiert war, da sind die Spieler dann ganz schnell zu anderen Vereinen gegangen.“

So läuft das heute im Profi-Fußball. Udo Lattek hat mit seinen Mannschaften nie gegen den Abstieg kämpfen müssen , kennt er überhaupt ein solches Gefühl? Er korrigiert mich: „Mit Borussia Dortmund habe ich den Abstiegskampf genossen, da wurde ich als Retter geholt – eine harte Zeit. Lieber spiele ich Jahr für Jahr um die Meisterschaft, als noch einmal gegen den Abstieg. Ich habe in Dortmund auch die große Flatter gekriegt, weil man Tag und Nacht damit beschäftigt ist, einen solchen Klub vor dem Sturz nach unten zu bewahren. Keine schöne Zeit für mich.“

Was tippt Lattek für den Sonnabend? Auf Kaiserslautern oder den HSV? Er sagt: „Das ist völlig offen, und da ich beide Klubs lange nicht mehr live gesehen habe, enthalte ich mich bei diesem Tippspiel.“ Immerhin sagt Lattek in Richtung Hamburg: „Der HSV ist etwas ganz Großes im deutschen Fußball, so etwas darf nicht absteigen. Die Mannschaft ist von den Positionen her ganz gut besetzt, sie dürfte eigentlich nichts mit dem Abstieg zu tun haben, aber sie war wohl auch oft genug keine Einheit auf dem Platz – So kam es mir jedenfalls manchmal vor – Und es spielen ja auch immer mal wieder neue Leute, kontinuierlich mit einem Team zu spielen war da nicht viel.“ Dann rede ich mit dem Meister-Trainer über Paolo Guerrero, dass der Peruaner ja jetzt auch ganz schmerzlich vermisst wird. Lattek: „Ich verstehe es bis heute nicht, wie ein Spieler so ausrasten kann. Ich verstehe es nicht. Das ist doch auch eine Sache der Erziehung. Wenn ich an diesen Vorfall, an dieses Foul denke, dann macht es mich krank . . .“

Ganz zum Schluss: Wie denkt Udo Lattek über Thorsten Fink? Lattek sagt: „An ihm kann es nicht liegen, dass der HSV dort unten steht, denn überall wo ich hinhöre, wird er gelobt. Vor allen Dingen in der Schweiz, da wird er mit Lob geradezu überhäuft . . .“

Vielleicht kann man das ja auch irgendwann in ferner Zukunft über Hamburg und Thorsten Fink sagen. Vielleicht.

So, schnell noch ein Blick zum Gegner:

Trainer Krassimir Balakow setzt bei Bundesliga-Schlusslicht 1. FC Kaiserslautern vor dem Abstiegsduell gegen den HSV auf Torschusstraining, Einzelgespräche und eine Prise Lockerheit. „Im Fußball ist Psychologie ein wichtiger Faktor. Wir wollen mit Mut nach vorne spielen und beschäftigen uns nicht mit dem Gegner“, sagte Balakow, der am Donnerstag seinen 45. Geburtstag feierte.

Seit 17 Spielen hat der FCK nicht mehr gewonnen und in dieser Saison erst 17 Tore erzielt.

Und dann noch „Matz-ab-intern“

„Der Allgäuer” schreibt:

PROST – wer trinkt mit mir? Ich habe heute Geburtstag und schon mal auf das neue Lebensjahr angestossen. Das zweite Glass will ich jetzt auf den H S V leeren, damit die Mannschaft in Kaiserslautern das Punktekonto um 3 Punkte füllt. Ich gehe mal ganz fest davon aus auch im 72sten Lebensjahr mit dem HSV in der 1.BUNDESLIGA zu spielen.

Eure Kommentare lesen sich alle, durch die Bank, wie aus dem tiefen dunklem Keller in dem wir zurzeit sitzen und wir hoffen inständig die Tür nach oben noch vor dem Abpfiff der Saison zu finden. Ich bin sicher, wenn wir alle wollen dann finden wir die Tür und sehen wieder Tageslicht in dem wir dann in der nächsten Saison -umgebrochen- ungebrochen wieder auf die treffen, die uns in dieser Saison so manches Mal die Nase gezeigt haben. Ab morgen erhole ich mich für eine Woche in der Türkei und dann geht es aufbauend auf dem Dreier vom Betzenberg in die letzten 6 (END-)Spiele dieser Saison und dann ist Tag der Abrechnung an dem wir auf einem Platz stehen, der den DINO auch in der nächsten Saison in der 1. Bundesliga spielen lässt. (An Geburtstagen sind Wünsche ja nun mal erlaubt!!!!)
Euer Allgäuer.

Von „we_are_family“ kam das:

… Ähnlich klang CEJ zum Thema “Generationen” am Sonntag im Sportclub. Zitat: “…. In erster Linie den Spielern des Mannschaftsrates kommt jetzt eine besondere Aufgabe zu. In erster Linie unser Kapitän Heiko Westermann, der das auch macht, aber auch Drobny, Jaro, Petric und Aogo müssen voran gehen, müssen den 19-jährigen den Weg weisen und motivieren” … – Über wie viele reden wir da eigentlich, die 19 oder jünger sind, die sich seit Wochen um die 18 Plätze im Kader und der Start 11 streiten? ….. Über genau EINEN, nämlich Son! – Gegen Wolfsburg hatte unsere Start11 ein Durchschnittsalter von 26,7 (!) Jahren; der jüngste war mit 22 Dennis Diekmeier! Alle 11 Nationalspieler! (Werder 22,7 (!), Freiburg 23,7 (!).

Wir werden von 3 Spielern in den Abstiegskampf geführt, die – Stand heute – in der neuen Saison nicht mehr beim HSV sein sollen. Dazu Spieler, die im Falle eines Abstiegs und nicht akzeptierter Gehaltskürzungen ablösefrei gehen könnten. Wirkt sich das eher motivierend aus oder besteht die Gefahr eines “Mir doch egal, über MEINE Zukunft brauche ich mir keine Gedanken zu machen”.? … Ich weiß`es nicht. Das alles unter der Leitung von 3 Bundesliga-Neulingen (VV, SpoDi, Trainer), die alle 3 Null Erfahrung im Abstiegskampf haben.

Sonnabend wird richtungsweisend und der Rest der Saison ein Tanz auf der Rasierklinge. Hoffentlich geht es gut!

Und vom HSV-Presseservice kam auch das noch:

Ostern mit der ganzen Familie zum HSV Am Ostersonntag, 08. April 2012, empfängt der HSV das Team von Bayer 04 Leverkusen in der Imtech Arena (Anstoß 17.30 Uhr). Zum Fest der Familie öffnet der HSV die komplette Südtribüne zu Familienblock-Konditionen. Die Preise liegen bei 34 EUR bzw. 25 EUR für Erwachsene und 10 EUR für Kinder. Die Tickets sind wie alle anderen Karten auch im Onlineshop auf www.hsv.de, in den HSV Fanshops, im Service Center in der Imtech Arena, in allen HSV-Vorverkaufsstellen oder über die Telefonhotline 01805 – 478 478 (0,14 EUR/Min. aus dem Festnetz; Mobilfunk max. 0,42EUR/Min.) erhältlich.

Training ist am Freitag nicht öffentlich.

19.16 Uhr

In eigener Sache:
Am Sonnabend wartet eine wirklich nette Überraschung auf Euch, eine absolute Neuheit – nicht nur bei Matz Ab! Mehr dazu im morgigen Blog…