Tagesarchiv für den 28. März 2012

Es ist alles gesagt – mal wieder. Jetzt zählt nur ein Sieg

28. März 2012

Es gibt ja immer wieder Hinweise von Außenstehenden, die sich bewahrheiten. Gestern zum Beispiel wurde mir erzählt, dass es intern Unruhen gab wegen Muhamed Besic. So weit, so wahr. Was dann allerdings von meinem Bekannten kam, kann in die Schublade „Stille Post“ zurückgesteckt werden. „Er hat sich angeblich darüber beschwert, dass ihm selbst Spieler wie Rajkovic als Linksverteidiger vorgezogen würde.“ Das wiederum ist nicht wahr. Stattdessen wurde Besic suspendiert, weil er sich im Training hängen ließ und auch ansonsten wenig professionelle Einstellung vorlebte. Im Gegenteil, der (erstaunlich, weil so extrem) selbstbewusste Bosnier war immer wieder dadurch aufgefallen, dass er sich selbst als zu gut empfand, um für die eigene U23 zu spielen. Er soll, so berichtet es die SportBild, sogar seinen Rausschmiss gegenüber Trainer Thorsten Fink, der ihn mit beiden Händen am Kragen gepackt haben soll, mit folgenden Worten kommentiert haben: „Wer bist Du, dass Du mich anpackst?“ Es war Fink, sein Trainer. Zugleich die Autoritätsperson für Besic beim HSV. Wobei der 19-Jähreige ausgerechnet damit am meisten Probleme hat. Die einen sagen, weil er es von seinem Vater so vorgelebt bekommt, die anderen betrachten Besic seit dessen Nationalelfnominierung für Bosnien als abgehoben. Und das, obwohl er in der Bundesliga bis heute nicht Fuß fassen konnte.

Nun also noch weniger. Besic dürfte unter Trainer Thorsten Fink keine Berücksichtigung mehr erwarten dürfen. Und auch wenn er sich am Tag danach entschuldigte sowie sein Berater von „beidseitigen Fehlern“ sprach – Fink bleibt stur. Zu recht, wie ich finde. Zumal das auch ein Zeichen an das eine oder andere weitere Talent im Kader ist, das sich zuletzt schon in Sphären wähnte, die nichts mit HSV geschweige denn mit Abstiegskampf zu tun haben.

Das sieht auch Ivo Ilicevic so. Ohne auf diesen expliziten Vorfall einzugehen, begrüßt der rechte Mittelfeldspieler Finks jüngste Maßnahmen. Ilicevic sieht sie unmittelbar vor seiner ersten Rückkehr als Gegner zum 1. FC Kaiserslautern sogar als fruchtbar an. „Es ist völlig zweitrangig, ob ich zu meinem Ex-Klub zurückkehre – wichtiger ist, dass wir gut arbeiten. Und so, wie die Mannschaft trainiert, macht das Hoffnung“, sagt Ilicevic, der heute im Training zu den Besseren beim langen Abschlussspiel gehörte, „es haben jetzt alle verstanden.“

Hoffnung also. Durchs Training. Das hatten wir schon so oft, dass man geneigt ist, nicht mehr daran zu glauben. Zumal, wenn man sieht, dass im Nachmittagstraining – der angekündigten weiten Extraeinheit – Fußball-Tennis gespielt wurde. Viel mehr als aktives Zusammensein ist das nicht. Deshalb nehme ich lieber eine andere Ansicht Ilicevics auf, die mir deutlich besser gefällt und der ich mehr Bedeutung beimesse. „Wir müssen in Lautern über den Kampf kommen“, so der Rechtsfuß. Endlich mal einer, der spricht wie ein „Abstiegskämpfer“. Dass er zwischendurch auch wieder die höhere Qualität des HSV ansprach ist insofern okay, als dass er es in die richtige Reihenfolge setzt. „Wenn wir den Kampf annehmen und gegenhalten, wird sich unsere Qualität letztlich durchsetzen.“

Richtig. Ilicevic weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es auf dem von frenetischen Lautern-Fans befeuerten Betzenberg für gegnerische Mannschaften ist – oder besser: wie schwer es sein kann. Denn auch beim FCK herrscht Unsicherheit. Ilicevic: „Wir haben die große Chance, die Fans gegen die eigene Mannschaft aufzubringen. Wenn wir lange in Ballbesitz sind oder am besten noch in Führung gehen, kippt die Stimmung schnell. Dann wird es auch für Lautern schwer.“ Denn, und darin sieht Ilicevic den Vorteil für den HSV. Der HSV-Profi glaubt sogar daran, dass sich beim 1. FC Kaiserslautern Angst einschleichen könnte. „Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Lautern ist jetzt schon sieben Punkte vom rettenden Ufer entfernt. Da ist das Spiel für die schon so etwas wie die letzte Chance“, sagt Ilicevic. Ob das für den HSV auch gilt? „Nicht ganz so krass. Aber wir wissen, dass wir dieses Spiel nicht verlieren dürfen.“

Wobei Ilicevic selbst ein wesentlicher Baustein sein könnte. Zumindest soll er das werden. Der Kroate galt nach seinem Wechsel als Sofortverstärkung, traf bei seinem ersten Kurzeinsatz und schürte Hoffnungen, die er seither nicht erfüllen konnte. „Es war bislang keine einfache Saison für mich. Durch die vielen Verletzungen fehlte mir der Rhythmus“, klagt Ilicevic. Allerdings kann davon in der Rückrunde nach nunmehr sieben von zehn Spielen nun wirklich nicht mehr die Rede sein. Und bevor ich ihn genau das fragen kann, zeigt sich Ilicevic selbstkritisch: „Ich brauche für meine Leistung Spiele – und die habe ich jetzt bekommen. Deshalb muss jetzt mehr kommen von mir. In Lautern beispielsweise – auch wenn ich dort erst einmal vor allem anderen den Kampf annehmen muss.“

Kämpfen tut auch gerade Jaroslav Drobny. Der Tscheche, der in der Partie beim VfL Wolfsburg patzte, ist noch immer nicht wieder hundertprozentig fit. Heute Vormittag pausierte er, am Nachmittag erholte er sich aktiv mit weniger belastenden Torwartübungen auf dem Platz. Klar ist, dass Drobny gegen Kaiserslautern im Tor stehen wird. Trotz der Blessur am Oberschenkelmuskelansatz rechts. Das Schlimme daran: Drobny muss auch deshalb spielen, weil der HSV keine Alternative hat. Denn sowohl Sven Neuhaus als auch Florian Stritzl traut Fink ein Bundesligaspiel nicht zu. Erst recht nicht in einer so brisanten Situation.

Da bleibt nur zu hoffen, dass sich Drobny bis Sonnabend ausreichend erholt. Mehr als bis zum Wolfsburg-Spiel. Immerhin gilt er als einer der absoluten Führungsspieler im Team und hat Erfahrungen – auch negative – mit dem Abstiegskampf gemacht. Vielleicht kann der Tscheche seinen Mitspielern ja heute beim von ihm, Heiko Westermann und Dennis Aogo initiierten Mannschaftsabend ein paar wichtige Tipps geben, wie man es im Abstiegskampf (nicht) macht.

In diesem Sinne, es ist eigentlich alles gesagt. Mal wieder. Jetzt – und so sehr das auch eine Floskel ist – jetzt zählt nur noch ein Sieg beim FCK. Morgen steht nur eine Einheit um 15 Uhr an der Arena auf dem Plan. Im Anhang findet Ihr einen Auszug sehr lesenswerter Mails aus unserer (Blog-)Mitte.

Bis morgen,
Scholle

Blogbeiträge:
„Jockel“ schrieb:

Hallo,

mit Erstaunen musste ich die letzten Tage feststellen, dass in der Boulevard-Presse immer wieder die Spieler Besic und Castelen an den Pranger gestellt werden. Entweder sind sie unter einem “anderen” Spieler-Namen aufgelaufen oder ich habe Wahrnehmungsstörungen. Man kann doch nicht ernsthaft die HSV-Misere an zwei Dauer-Reservisten festmachen, um damit den Druck von den eigentlich verantwortlichen Spielern zu nehmen…?! Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Trainer Fink diese
Wirkung erzielen wollte…….falls doch, wäre dies ein Armutszeugnis.

Schwarz-weiß-blaue Grüße,
Jockel 1887

P.S. Die gute Zustands-und Problembeschreibung des Fachmannes Bettin analysiert perfekt die Schwachstellen in der Spielgestaltung beim HSV und gibt damit auch gleichzeitig die Ansatzpunkte vor. Fehlende Kreativität und ein nicht erkennbares System kann in den letzten Spielen daher nur über den Kampf ausgeglichen werden. Ich hoffe, zumindest dies funktioniert noch rechtzeitig.

Von „Magicc“:

Ich gehöre eigentlich eher zu den Lesern als zu den Schreibern, aber bei einigen Kommentaren hier kann ich nur den Kopf schütteln. Ihr drescht hier auf Spieler und Verantwortliche ein, das geht so gar nicht.

Thema Petric:

Er hat schon immer so gespielt, sich nie viel bewegt, war nie der Mitreißer, aber er hat immer noch viele Tore erzielt. Das der Mann jetzt wie ein beklopptes Huhn über den Platz läuft, ist nicht zu erwarten. Im Moment trifft er nicht, aber daraus solche Dinge abzuleiten, wie „kein Bock mehr” oder „ist mit den Gedanken bei einem anderen Verein” ist Unsinn und beleidigend. Diejenigen, die jetzt hier meckern, waren die gleichen, die nach den (vielen) Toren von ihm gejubelt haben. Übrigens spielt ein Gomez nicht anders, bekommt aber ständig von links und rechts Bälle zugespielt. Petric bekommt vielleicht 2 oder 3 in einem Spiel und muss daraus etwas machen. Bei Bayern hätte er eine ähnliche Quote wie Gomez. Hier würde uns allen ein wenig mehr Respekt, auch für geleistete Jahre, wirklich gut tun.

Thema Jaro:

Ich bin der Meinung, eine eigentlich gefällte Entscheidung zu revidieren, weil dieser Spieler jetzt, in einer wirklich schwierigen Phase, gezeigt hat, wie wichtig er für die Stabilität und vielleicht auch als Führungsspieler sein kann, zeugt von Charakter. An einer einmal getroffenen Entscheidung festzuhalten, nur weil man diese einmal getroffen hat, ist Starrsinn.
Jaro hat, als einer der wenigen auf dem Platz tatsächlich die Raute im Herzen und hat sich, trotz seiner beschränkten fußballerischen Fähigkeiten, immer den A… aufgerissen. Und nur mit jungen Leuten wird es nichts. Ein paar erfahrene brauchst du im Team.

Thema Adler/Drobny:

Warum wird Arnesen kritisiert, wenn er sich um Adler kümmert?

Bei aller Objektivität ist Drobny ein höchst durchschnittlicher Torwart. ( z.B. waren beide Tore in WoBu, zumindest zum Teil, seine ) Das er auf der Linie teilweise wirklich starke Reflexe hat, will ich ihm nicht absprechen, aber sonst? Jeder hohe Ball bringt Angst. Kein entschlossenes “Rauslaufen” und zupacken. Wenn überhaupt, dann oft mit einer Faust und viel Gottvertrauen. Sorry, aber da findest du in der dritten Liga mindestens 5 gleichwertige.
8 von 10 Abschlägen landen beim Gegner oder im Aus. Modernes Torwartspiel? Fehlanzeige. Organisation der Abwehr, speziell bei Standards? Hör mir auf.
Mit seinem flatterhaften Verhalten verunsichert er die gesamte Abwehr und ist meiner bescheidenen Meinung nach die Hauptursache für die Abwehrmisere.

Wenn ein Mann wie Adler, der immerhin fast die deutsche Nummer1 geworden wäre, auf dem Markt ist und auch bei unserer finanziellen Ausstattung zu haben ist, dann würde Arnesen fahrlässig handeln, es nicht zumindest zu versuchen. Und wenn Herr Adler sich etwas Bedenkzeit erbittet, weil er nicht geil auf Liga 2 ist, dann kann ich es durchaus verstehen. Das wird uns auch bei anderen Transfers noch passieren, solange der Ligaverbleib nicht geklärt ist.