Tagesarchiv für den 19. März 2012

Der Mannschaftsrat berät sich, Berg beginnt in Wolfsburg – und Dieter ist krank…

19. März 2012

Leute, eigentlich wollte ich schon lange zu Hause bei meiner Freundin und dem Lütten sein. Stattdessen aber schreibe ich heute nach Feierabend diesen Blog – daher die Verspätung. Hintergrund ist, dass Dieter leider mit einer üblen Magen-Darm-Infektion flach liegt. Dieter hatte sich zwar dennoch heute Mittag zum HSV in die Trainerrunde und sogar noch kurz zur Aufzeichnung bei HH1 geschleppt – aber gesund war das nicht. Deshalb liegt er wahrscheinlich jetzt auch nach seinem Sohn Andre (einer der Moderatoren), seiner Schwiegertochter und seiner Enkelin neben seiner Frau – die “passenderweise” auch an einer Magen-Darm-Grippe laboriert. Deshalb von dieser Stelle aus: Gute Besserung, meine lieben Matzens!! (Nachtrag 20:00 Uhr: Es sind doch nicht alle krank).

Und nun zum Blog, den ich etwas schneller geschrieben habe als sonst. Sollte sich also heute tatsächlich ein Rächtschraipfeela eingeschlichen haben – verzeiht ihn mir…

Schon am Sonntagabend im Sportclub bei N3 blitzte sein Kampfgeist wieder auf. Als Moderator Alexander Bommes wiederholt die schwache Leistung des HSV gegen den SC Freiburg ansprach, platzte HSV-Trainer Thorsten Fink der Kragen. „Ich habe ihre Sendung auch schon häufiger gesehen. Und die waren nicht alle gut.“ Ich hatte fast schon das Gefühl, dass Fink gerade zu so einer Brandrede á la Trapattoni bei Bayern („Was erlauben Strunz?“) oder auch Thomas Doll in Dortmund („Da lach’ ich mir doch den Äääsch ab…“) ansetzen wollte, ehe ihn der warme Applaus des Studiopublikums besänftigte und er zusammen mit Bommes die Situation sachlich erläuterte. Warum ich das erwähne? Am Trainingsplatz bin ich heute einige Male auf Fink angesprochen worden und ich muss sagen, dass mich seine Worte vom Sonnabend zweifeln ließen, während er sich im Sportclub schon deutlich realistischer und kritischer anhörte.

Aber gut, der Mann hat in diesen Tagen so viele Interviews zu geben und muss sich immer wieder mit dem alles andere als erfreulichen Thema beschäftigen, dass man seinen Frust und den daraus resultierenden Trotz teilweise verstehen kann. Das gilt für mich allerdings nur so lange, wie ich das Gefühl habe, dass er sich bewusst darüber ist, wie ernst die Lage ist. Und dieses Gefühl habe ich nach dem heutigen Gespräch wieder. „Ich habe den freien Montag gestrichen, weil wir in dieser Situation nicht frei machen können. Ich glaube, auch der Letzte hat kapiert, dass wir uns im Abstiegskampf befinden. Wir müssen jetzt arbeiten. Das ist das klare Signal an die Mannschaft.“ Zudem setzt der Trainer vermehrt auf Gespräche. „Ich wollte mit den Spielern sprechen und mich mit ihnen austauschen.“ Anschließend will er seine Schlüsse ziehen. „Ich werde genau hinsehen und analysieren, wer den Kampf annimmt.

Dafür wurde für heute Abend ein Treffen des Mannschaftsrates mit dem Vorstand (Oliver Scheel wird entschuldigt fehlen) sowie dem Trainer angesetzt. Wobei Fink den Mannschaftsrat, den zu Saisonbeginn noch Michael Oenning bestimmt hatte, um einen Teilnehmer erweiterte: David Jarolim. „Was vor meiner Zeit war, ist mir egal. Das ist jetzt mein Mannschaftsrat. Und ich will hören, auf wen wir jetzt setzen können, wer Flagge zeigt. Ich will wissen, wie die Stimmung ist, um die Mannschaft einzuschwören.“ Dazu werde auch gehören, der Mannschaft die falsche Zufriedenheit zu nehmen, die in den letzten Wochen – sicher auch durch Finks (zweck-)optimistischen Worte – entstanden war. „Vielleicht stimmt das“, sagt Fink und erklärt: „Vor drei Wochen haben wir nach einem guten Spiel bei Mönchengladbach auf Platz acht übernachtet. Und in den letzten Tagen haben wir einige Rückschläge hinnehmen müssen, weil der eine oder andere sich vielleicht schon zu sicher wähnte und es schleifen gelassen hat. Vielleicht müssen wir da einen Teil Zufriedenheit wegkriegen. Es ist eben nur ein sehr schmaler Grat zwischen Selbstvertrauen und falscher Zufriedenheit.“ Ob er sich irgendwann auch selbst ertappt hat, zufrieden zu sein? Fink widerspricht energisch: „Nein, ich habe immer gesagt, dass wir mit einem Auge nach oben schauen dürfen – aber immer auch mit einem Auge nach unten blicken müssen. Wenn hier von Europa League gesprochen wurde, war ich nicht dabei. Ich habe immer gesagt, dass es mit unserer Qualität dafür nicht reichen wird, dass es für uns nur um den Klassenerhalt gehen kann. Und dafür haben wir jetzt acht Endspiele vor uns.“

Das stimmt. Acht Finals mit einem Sorgenstürmer namens Mladen Petric, der ab Sommer noch so vertrags- wie im Moment auf dem Platz leidenschaftslos wirkt. Dennoch, trotz der zuletzt schwachen Leistungen, erteilte ihm Fink heute für das Freitagsspiel beim VfL Wolfsburg eine Einsatzgarantie. „Die letzten Wochen haben zweifellos neue Aufschlüsse geliefert. Aber ich gebe einigen noch die Zeit, noch mal zu reagieren. Und natürlich wird mehr auf Mladen geschaut, das ist in seiner Situation auch völlig normal. Und noch mal: Auch Mladen muss sich steigern. Wie allerdings alle in unserer Mannschaft. Mladen ist ein Teil des Teams und ich vertraue ihm. Deshalb wird er am Freitag auch spielen.“

Und das obwohl der Kroate heute grippegeschwächt pausierte. „Bis Freitag wird das reichen. Er trainiert wohl schon am Dienstag wieder mit“, so Fink, der auch um Torhüter Jaroslav Drobny bangen muss. Der Tscheche, der sich intern gerade zusammen mit Heiko Westermann um einen Termin und eine Location für einen Mannschaftsabend kümmert, der nach dem Wolfsburg-Spiel steigen soll, hat Oberschenkelprobleme und fällt vorerst im Training aus. „Bis Freitag ist er wieder fit und dann spielt er auch. Egal, ob er drei, vier Tage lang ausgesetzt hat oder nicht“, demonstrierte Fink heute nochmals das in meinen Augen auch berechtigte Vertrauen in den Keeper, den der HSV dennoch nach dieser Saison durch den jüngeren Rene Adler ersetzen will. Und dabei, ganz ehrlich, stelle sicherlich nicht nur ich mir immer mehr die Frage, warum sich der HSV von den Spielern trennt, die momentan als einige wenige funktionieren. Immerhin teilt auch David Jarolim, dessen Vertrag im Sommer vom HSV nicht verlängert wird, Drobnys Schicksal. Und das wird angesichts des Saisonverlaufes immer schwieriger nachvollziehbar.

Zumal Jaro, der körperlich topfit ist, im Moment eindrucksvoll die Identifikation mit dem Klub demonstriert, die von Hackmann, Hoffmann, Jarchow und Co. jahrelang und immer wieder vergeblich eingefordert wurde. Das gepaart mit der aktuellen Leistung ergibt für mich eigentlich nur einen Schluss: Vertragsverlängerung.

Immerhin haben die vergangenen Spiele einmal mehr verdeutlicht, dass der HSV personell und positionsbezogen ganz andere Sorgen hat. Zumal Jarolim für den HSV sogar verzichten würde. Zuletzt hatte er zwar immer wieder betont, auf jeden Fall in der Ersten Bundesliga bleiben zu wollen. Diesen Vorsatz würde er für den HSV allerdings aufweichen: „Natürlich würde ich mit dem HSV auch in die Zweite Liga gehen, das ist mein Klub. Das ist aber auch was ganz anderes, als sich freiwillig und mit der Auswahl für einen Zweitligaklub zu entscheiden.“ Allerdings, und das schießt Jaro gleich hinterher: „Wir haben gesehen, was uns fehlt. Und ich bin mir sicher, dass wir schon in Wolfsburg eine Mannschaft auf dem Platz haben werden, die sich zerreißt. Auf jeden Fall werden wir nicht absteigen.“

Allerdings muss sich zu dem Einsatzwillen und der Laufbereitschaft auf dem Platz noch einiges ändern. Zum Beispiel die ligaweit einzigartige Anfälligkeit bei Standards. Einer der Haupt-Trainingsinhalte für diese Woche, wie Fink ankündigt: „Wir werden vermehrt auf Standards schauen, ganz klar. Aus Standards entstehen 50 bis 60 Prozent aller Tore. Wir waren da auch schon besser, haben eine Zeit lang Standards in für uns gefährlichen Bereichen vermieden.“ Wie genau das verbessert werden soll? Ob er vielleicht von Mann- auf Raumdeckung umschalten will? „Nein, ich habe immer Manndeckung spielen lassen. So sehe ich sofort, wer den Fehler gemacht hat.“ Und Fink hat noch eine nette Idee auf Lager: „Ich werde der Mannschaft vielleicht eine Rechnung vorschlagen: Für jedes Gegentor durch oder nach einem Standard muss sie zahlen. Für jedes Spiel ohne Standardgegentor bekommt sie vom Klub etwas Geld. Das habe ich schon als Trainer bei Red Bull Salzburg mal erfolgreich gemacht.“ Wenn’s hilft…

Eine Hilfe hat der Trainer in Marcus Berg ausgemacht, der Tolgay Arslan (Fink: „Auf Tolgay kann ich mich hundertprozentig verlassen. Er war aber auch lange verletzt und ist ein junger Spieler, der verträgt auch ein Spiel Pause“) am Freitag in Wolfsburg ersetzen wird. Der Schwede, der bei seinem kurzen Auftritt am Sonnabend einen ordentlichen Eindruck hinterließ und deutlich ballsicherer als zuvor wirkte, soll von Beginn an in die Spitze vorrücken, während der gestern grippegeschwächte aber bis Freitag sicherlich wieder einsetzbare Mladen Petric als hängende Spitze agieren soll.

Zudem werden Heiko Westermann (nach Gelbsperre) und Dennis Aogo nach auskurierten Knöchelproblemen in die Startelf rücken. Fraglich ist, ob Gökhan Töre (Oberschenkelprobleme) rechtzeitig fit wird. Ihn könnte der von einer Grippe genesene Jacopo Sala ersetzen.

In diesem Sinne, bleibt gesund! Und Dieter: werde schnell wieder gesund!!

Bis morgen,
Scholle (19.47 Uhr)

P.S.: Morgen wird um zehn Uhr an der Arena trainiert.