Tagesarchiv für den 18. März 2012

Fink: “Wir nehmen den Kampf an”

18. März 2012

Der Schock sitzt noch immer ganz, ganz tief.
Und ich gebe zu, mir blutet das Herz.

Das ist auch schon ein bisschen Verzweiflung, denn ich weiß im Moment wirklich nicht, wie sich dieser HSV noch retten will? Ich sehe weit und breit keinen noch so kleinen Strohhalm, nach dem ich greifen könnte . . .

Es tut nur weh.

Auf dem Weg in die Arena hörte ich gestern (vor dem Anstoß) wieder überall: „Wenn wir gegen die nicht gewinnen, gegen wen dann?“

Und?
Haben wir gewonnen?

Auf dem Weg aus der Arena pöbelte mich dann ein HSV-Anhänger – vor allen Leuten – an: „Da ist ja der Herr vom Abendblatt. Schreiben Sie jetzt mal den Trainer weg, der kann gar nichts. Und dann auch den Sportchef weg, auch den ganzen Vorstand. Die müssen alle weg, diese Herren. Weg, weg, weg, denn die haben uns ins Verderben geführt, die können alle nichts. Die bringen den HSV in die Zweite Liga.“

Ich gebe das mal so wertfrei weiter.

Es gab auch wieder HSV-Fans, die sofort nach dem Spielschluss befanden: „Wir können gar nicht absteigen, denn Hertha und Kaiserslautern sind ja noch viel blinder als wir.“

Natürlich. Selbstverständlich. Die sind alle blinder. Viel blinder. Aber die gewinnen vielleicht doch mal aus Versehen gegen Freiburg.

Und diese ganzen Mannschaften, die viel blinder sind in der Bundesliga als der HSV, die ganz Blinden also, die haben immerhin so viel auf dem Kasten, dass sie wissen: „Wir müssen uns den Hintern aufreißen, wir müssen kämpfen, rennen, ackern, kratzen, beißen, kloppen, um zu unseren Punkten zu kommen.“ Und die machen das denn auch. Bestes Beispiel ist die No-name-Truppe des FC Augsburg.

Und? Hat der HSV auch diese Mentalität? Sollte jeder mal für sich im stillen Kämmerlein beantworten. Mein Tipp dazu: Ganz einfach mal die HSV-Bettwäsche vergessen, zudem das rosa HSV-Trikötchen ausziehen und sich fragen: „Gibt in dieser HSV-Truppe wirklich jeder alles für die Raute?“
Geht mal Mann für Mann durch und zählt dann zusammen – Ihr werdet erschrocken sein. Zutiefst erschrocken sein sogar.

Die Angst geht um. Ganz klar. Heute am Vormittag herrschte viel Betrieb im Volkspark. Die Medien hatten ihre Kamerateams geschickt, der Vorstands-Vorsitzende Carl-Edgar Jarchow war da (und stellte sich), Vorstandsmitglied Joachim Hilke war da, Supporters-Chef Ralf Bednarek ließ sich sehen – zudem waren auch reichlich viele Kiebitze da. Es wurde aber nicht gepöbelt. Ich habe nicht einen Fan pöbeln gehört. Die wirken alle in sich gekehrt, apathisch, geschockt, gelähmt. Weil die Angst einfach rasant um sich greift. Und wer jetzt immer noch keine Angst hat, dem seien einmal die letzten acht Erstliga-Spiele des HSV (dieser Saison) vor Augen geführt. Der Reihe nach:

In Wolfsburg.
In Kaiserslautern.
Ostersonntag (!) daheim gegen Leverkusen.
In Hoffenheim.
Im Volkspark gegen Hannover 96.
In Nürnberg.
In Hamburg gegen Mainz 05.
Das letztes Auswärtsspiel in Augsburg.

Wer es mag, der sollte mal tippen . . .

Zurück zu diesem 1:3-Desaster. Da saß ich bei der Pressekonferenz und es setzte sich ein altbekannter Freiburger Kollege neben mich. Er sagte dann: „Dieter, du solltest eines wissen: Freiburg hat heute schlecht gespielt. So schlecht habe ich die Mannschaft schon lange nicht mehr gesehen – aber sie gewinnt beim HSV. Dieter, das sollte dir zu denken geben, ich glaube, du musst dir große Sorgen um den Klassenerhalt des HSV machen . . .“

Und die mache ich mir auch. Ernsthaft.

Freiburgs Trainer Christian Streich bekannte – völlig emotionslos: „Wir hatten heute Glück. Der HSV hätte aufgrund von unseren Fehlern in Führung gehen müssen. Dann haben wir mit der ersten Chance ein Tor gemacht, und dann auch ein ordentliches Spiel. Der HSV hat viel Druck gemacht, das war schwierig für unsere Spieler, aber wir konnten das Spiel gewinnen . . .“

„Wir müssen alle wissen, dass wir in einer sehr schwierigen Situation und im Abstiegskampf sind.“ Das sagte HSV-Sportdirektor Frank Arnesen nach der Freiburg-Pleite. Wissen das aber auch tatsächlich alle beim HSV? Da kommen doch in mir starke Zweifel auf . . .

Trainer Thorsten Fink hatte nach dem Schlusspfiff gemeint: „Ich bin mir sicher, dass die Mannschaft die Qualität hat, in der Klasse zu bleiben. Das ist unser Ziel, und diesen Auftrag und den Kampf nehmen wir auch an.“ Fink sagte außerdem: „Wir wollen eine Einheit sein. Die Mannschaft ist eine Einheit, wir im Verein sind eine Einheit, ich habe inzwischen mit jedem aus der Führung gesprochen, wir sind eine Einheit und lassen keine Panik aufkommen, und ich glaube auch, dass die Fans hinter uns stehen. Wir werden versuchen, weiter Gas zu geben, zu kämpfen. Wenn wir das machen, dann kommen wir da unten auch wieder raus. Meine Qualität als Fußballer war immer die Kondition, das werde ich jetzt auch als Trainer beweisen, ich werde dran bleiben und weiter kämpfen.“

Das sind Durchhalteparolen. Natürlich sind das Durchhalteparolen. Klassische sogar. Aber was soll ein Trainer jetzt anderes sagen? Oder ein Sportchef? Sollen sie sagen, dass sie ihre Jungs für „zu blind“ halten? Sollen sie sagen, dass jetzt der Spielbetrieb eingestellt wird? Sollen sie sagen, dass der HSV doch besser in Liga zwei aufgehoben ist? Sollen sie ihren Spielern jegliche Qualitäten absprechen? Auf diese Art werden schon Kreisliga-Spieler nicht auf die Beine gestellt, das gilt selbstverständlich auch für Profis. Selbst diesen Herren muss man Mut zusprechen, man muss daran appellieren, was sie einst einmal alles gekonnt haben – in der Hoffnung, dass sich diese Jungs daran erinnern und es wieder einmal zeigen. Nur so geht es. Nur so. Also sollte keiner das verdammen, was in dieser schweren Phase der Trainer und der Sportchef so von sich geben. Sie sind dazu verdammt, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Wenn Fink und Arnesen nun selbst alles schlecht machen, dann man gute Nacht. Dann kann man den Laden dichtmachen und den Volkspark für eine spielfreie Zone erklären.

Fink hat die Einheit beschworen. Aber sind alle eine Einheit? Sollte sich (auch hier) jeder mal hinterfragen. Auch wenn, das weiß ich sehr wohl, jetzt in erster Linie die Mannschaft eine Bringschuld hat.

Am Montag wird um 15 Uhr wieder im Volkspark trainiert. Vorher trifft sich der Spielerrat, bestehend aus Jaroslav Drobny, Mladen Petric, Dennis Aogo und Heiko Westermann (ich hoffe ja, dass auch David Jarolim dazugeholt wird) zu einer Aussprache mit Thorsten Fink und Frank Arnesen. Später ist auch geplant, dass sich die Mannschaft intern (ohne Trainer und Sportchef) ausspricht, um die richtigen Lehren aus den letzten Pleiten zu ziehen. Ob es hilft? Auch da habe ich meine leisen Zweifel. Aber nichts darf in dieser Situation unversucht gelassen werden.

Von den Spielern sprach gestern nur David Jarolim. Weil der – rein zufällig – der Kapitän dieser Truppe war. Alle anderen HSV-Profis trugen (am Sonnabend und auch am Sonntag) einen Maulkorb und verweigerten jeden Kommentar. Was vielleicht auch besser war. Heute sagte „Jaro“ nur kurz und bündig: „Es ist, so glaube ich, alles gesagt . . .“
Das große Schweigen. Erst fehlte wieder einmal das Herz, jetzt fehlen die Worte. Das aber wäre alles egal, wenn es wenigstens Punkte geben würde, aber die fehlen eben auch – und das ist ganz entscheidend.

Thorsten Fink will in den restlichen acht Spielen („Wir haben noch alles selbst in den Händen, die Situation ist nichts aussichtslos“) auf die „Alten“ bauen. Der Coach sagt auch: „Wir müssen jetzt auf Erfahrung setzen, das ist klar. Uns haben diesmal auf Heiko Westermann und Dennis Aogo verzichten müssen, mussten viel umbauen – und wenn man viel umbauen muss, dann kriegt man natürlich ein bisschen Probleme. Aber ich will nichts beschönigen, das Spiel war schlecht, keine Frage, und wir sind alle enttäuscht.“ Und: „Die Mannschaft hat es ja schon gezeigt, dass sie es besser kann. Wenn sie es nicht gezeigt hätte, dann hätte ich den falschen Job angenommen, aber sie kann es ja, und ich weiß auch, dass sie es kann. Wir haben noch acht Spiele Zeit, und ich bin überzeugt, dass wir diese Zeit auch nutzen werden.“ Und gibt sich schon mal selbst eine Vorlage: „Es geht hier jetzt nicht ums Wollen, sondern wir müssen es auch tun.“
Richtig.

Ob Fink allerdings auch in Zukunft auf den “alten” Mladen Petric noch bauen wird? Da habe ich ebenfalls Zweifel. Es soll, so Sportchef Arnesen heute, ohne Rücksicht auf Namen aufgestellt werden. Wer könnte damit gemeint sein? Petric vergab zwei riesige Chancen und blieb wieder einmal vieles schuldig. Gut möglich, dass nun (erst einmal) auf ihn verzichtet werden soll. Nur, das muss ich ganz einfach fragen: Wer soll dann die HSV-Tore schießen, die benötigt werden?
Stellt euch diese Frage und beantwortet sie auch selbst.
Ich finde nämlich, wenn ich mich frage, kaum eine Alternative (zu Petric).

Der HSV-Trainer will in dieser Woche Einzelgespräche und Teamgespräche führen, um die niedergeschlagene Truppe wieder aufzubauen. Vielleicht wird dann ja auch ergründet, warum es so ist wie es ist. Als ich nach dem Spiel die lebende HSV-Legende Horst Eberstein traf, da zeigte er mir die Statistik des Spiels und sagte dabei: “Guck dir bitte mal die Gelben Karten an. Der HSV hat in einem so wichtigen Spiel nicht eine einzige Gelbe kassiert. Das spricht doch Bände.”
Stimmt.

Drei Personalien noch:

Dennis Aogo will, so sagte er mir, bis zum Freitag wieder fit sein, sodass er in Wolfsburg wieder spielen könnte. Gökhan Töre, der ausgewechselt wurde, hat sich (wohl) nicht schwerer verletzt, er hat lediglich einen Bluterguss im Oberschenkel. Und Jaroslav Drobny war leicht angeschlagen, aber es soll sich um nichts Schlimmes handeln. Wäre ja auch noch schöner . . .

16.59 Uhr (wenigstens auf Schalke ist Verlass!)

So sehen “Matz-abber” die Situation

18. März 2012

Bevor ich hier meinen Bericht reinstelle, will ich schnell mal die Fans zu Worte kommen lassen. Quasi schon mal zum Warmlesen . . . Ich schließe mich dann später an. Noch eine Bemerkung am Rande: Ich lasse die Namen der Absender weg, wenn der Schreiber dieser Zeilen dann meint, er müsse sich outen, dann soll er das im Blog tun. Ich habe an den folgenden drei Texten kein einziges Wort verändert – also auch keine Fehler korrigiert.

Text eins:

„Hallo Dieter,

ich bin ein Matz-ab-Leser der ersten Stunde und schreibe auch ab und an mal einen Kommentar.

Ich habe das gestrige HSV-Spiel gestern live im Stadion genauso gesehen wie du. Ich habe in Halbzeit 1 schon au der Tribüne förmlich herumgeschrieben und dabei Wörter wie “Offenbarungseid” und “Die haben die Hosen gestrichen voll seit dem Gegentor!” genutzt. Unglaublich.

Weisst du, was noch unglaublicher ist und worüber ich bereits auf der Hinfahrt im Auto mit meinem Kumpel diskutiert habe? Folgendes:
Überall wird geschrieben und gesagt (Sportschau, MoPo, usw.), dass BRUMA und MANCIENNE das erste Mal zusammen in der IV spielen würden. DAS IST SCHWACHSINN!!! Die beiden haben schon zusammen gegen HERTHA und gegen BAYERN in der HINRUNDE (2. + 3. Spieltag) zusammen gespielt. Das eine war das irrwitzige Spiel, wo Oenning Westermann als 6er hat auflaufen lassen, dazu Mancienne und Bruma als IV.

Schreiben die Journalisten eigentlich immer ungeprüft voneinander ab?
Der größte Knaller ist ja noch, dass selbst Jeffrey Bruma im Interview in der Mopo behauptet, er hätte mit Mancienne ja schon 2x bei Chelsea zusammen gespielt. Er hat die beiden Spiele gegen München und Berlin wohl verdrängt! Unglaublich!!! SKANDAL! DIETER!!! Jeffrey Bruma hat also vergessen, dass er schon 2x mit Mancienne beim HSV zusammen in der IV gespielt hat??? Komm, geh mir weg – das idt ein Witz. Wie sollen wir mit SOLCHEN Spielern einen Blumentopf gewinnen, die sich selbst noch nicht mal dran erinnern, mit welchen MAnnschaftskollegen sie gespielt haben. Da haben selbst mein Kumpel und ich uns dran erinnert! Hertha und Bayern!!!

Ich bin fassungslos. Dieser geschilderte Fakt unterstreicht meine Fassungslosigkeit nur noch. Schon im Auto wussten wir, dass wir das Spiel verlieren würden und haben fix bei betfair ordentlich Kohle auf Auswärtssieg des SC Freiburg gesetzt (so leid uns das tat).

Dieter – brauchen wir SOLCHE Fußballsöldner? Im Spiel gegen Freiburg standen zeitweilig 10 Ausländer auf dem Platz. Ich bin nicht ausländerfeindlich, will damit nur ausdrücken, dass man anstelle des HSV vielleicht auch mal in Deutschland nach Spielern Ausschau halten könnte, so wie andere Vereine das auch machen. Trägt ein Bruma die Raute im Herzen oder kann das ein Südamerikaner? Mal vorgestellt, wir würden in Brasilien oder Argentinien kicken: Würden wir uns da locker mit dem jeweiligen Verein identifizieren können? Wohl nicht! Aber ein deutscher Spieler kann das, ein Spieler, der mit dem HSV groß geworden ist und dem der Name ein Begriff ist.

Ich wollte dich jetzt nur mal auf diese haarsträubende Geschichte mit dem angeblichen neuen IV-Duo hinweisen. Sorry, aber wenn ich sowas lese, bekomme ich das Kotzen.
Viele liebe Grüße aus Kiel.“

Text Nummer zwei:

So sieht er also aus, unser Umbruch. Sicherlich haben alle, die daran so emsig gewerkelt haben, dieses Resultat nicht erwartet. Hinterher ist man zwar
immer schlauer, aber es sollten sich einige im stillen Kämmerlein mal fragen, was hier eigentlich Priorität hat.
.
Ja, Hoffmann ist weg. Das schien einigen Personen ja das Wichtigste. Der unter ihm langsam aber stetige Aufwärtstrend ist komplett weggewischt. Wir
kommen wieder da an, wo wir schon mal in den 90ern waren. Nichtabstieg diese Saison vorausgesetzt.

Keiner der treibenden Köpfe konnte bzw. kann bis heute vermitteln, was denn nun die Errungenschaften der Post-Hoffmann-Ära sind. Es wurden die vielen
Trainerwechsel angeprangert. Wir hatten diese Saison bereits vier verschiedene Trainer auf der Bank. Rekord. Dann spukt immer wieder dieses „nach
Gutsherrenart“ herum. Ich erwarte von einer Führungspersönlichkeit einen starken Charakter. Punkt. Hoffmann konnte Geld generieren und Hoffmann war
derjenige, der bei finalen Vertragsverhandlungen zugegen war. Schlicht und ergreifend aus dem Grund, weil er dies im Verein am besten konnte. Nun
haben wir einen Jarchow, der ruhig und sachlich reden kann und offensichtlich nirgends aneckt. Mehr allerdings offensichtlich nicht.
.
Aber der Reihe nach: Warum stehen wir heute da, wo wir stehen? Warum hat das Abstiegsgespenst plötzlich eine Dauerkarte für den Block 22C? Nachdem
Beiersdorfer ging, hat es unser Aufsichtsrat nicht geschafft, einen neuen Sportchef einzustellen. 3 Jahre lang ohne Sportchef. Drei! Es gibt keine
wichtigere Aufgabe, als einen Nachfolger für Beiersdorfer zu finden und die schaffen dies über Jahre nicht. Dass Hoffmann diese Aufgabe zusätzlich
angenommen hat, kreide ich ihm an. Das er sie nicht bewältigt hat, eher weniger. Das war leider abzusehen. Das hätte auch den Herren im AR klar sein
müssen. So haben wir unnötig Geld verbrannt, was nun an allen Ecken und Enden fehlt.

Die neue Fraktion im AR spaltet diesen bis zur Zerreissprobe, glänzt durch markige Sprüche (Ertel: „Und am Sonntag hauen wir den Meister weg!“) und
Verleumdungskampagnen. Einziges Ziel war und ist den ehemaligen Vortsandvorsitzenden zu demontieren. Und es wurde die Situation, in der wir uns heute
sportlich befinden, billigend in Kauf genommen. Die Herren hatten schliesslich höhere Ziele. Es soll mir keiner erzählen, dass die Spieler dieses
Schmierentheater komplett kalt lässt.
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Und so wurde dann halt auch Jarchow durch die Hintertür erst als Interims-VV („Huch, wir haben ja gar keinen VV, komm Edgar, mach du!“) eingeschleust
und dann mit einem langfristigen Vertrag ausgestattet. Und eben dieser Jarchow hat sich frühzeitig auf Oenning festgelegt. Wer sitzt wohlwollend
lächelnd bei der Vertragsunterschrift neben Oenning? Jarchow (Foto gibt´s im HSV-Archiv). Das musste ja aber so sein, weil sie ja Hoffmann das Zeugnis
austellen wollten, er habe den Verein nahe an den Bankrott gewirtschaftet. Da musste also eine Billiglösung her. Das wir zu einem späteren Zeitpunkt
noch mal eben 4 Millionen für Ilicevic auf dem Konto hatten, wurde zu dem Zeitpunkt noch als völlig absurd und realitätsfremd bezeichnet.
.
Auch Arnesen, der hier so vehement in der Kritik steht, wurden mit etwas Taschengeld losgeschickt. Das ging nicht anders, weil Edgar „Wenn wir Geld
brauchen, gehe ich zur Bank und beantrage einen Kredit!“ Jarchow und seine Hintermänner im AR das so wollten. Mann kann ja schlecht sagen, dass der
Vorgänger alles verprasst hat und dann trotzdem Geld in die Hand nehmen. So starteten wir mit einem Punkt nach 6 Spieltagen in die Saison. Eine
Hypothek, die sich in dieser Saison nicht mehr abschütteln lässt. Und dann war auf wundersame Weise doch Geld da für Oennings Entlassung (plus
Trainerteam) und das Herauskaufen von Fink aus einem laufenden Vertrag.
.
Wer hier auf die Mannschaft, Fink oder Arnesen einprügelt, denkt einfach zu kurz. Bitte macht euch die Mühe und denkt mal drüber nach, wo die Wurzel
des ganzen liegt. Ja, es ist viel bequemer auf Arnesen zu schimpfen, weil er keinen kleinen Messi mitgebracht hat, der auf Anhieb die Bundesliga
rockt. Es ist viel bequemer Aogo auszupfeifen, weil er ne Flanke zulässt, die zum Tor führt und auf der Gegenseite eine Flanke Richtung Nordkurve
schlägt. Oder seine Interviews zu zerreissen, weil er nicht endlich zugibt, höchsten Zweitligaformat zu besitzen. Oder Fink jegliche Kompetenz
abzusprechen, weil Tesche spielt und nicht Rincon. Uns hilft weder kurz- noch langfristig ein Reus, Klopp und schon gar nicht ein Beiersdorfer. Unser
Verein steht auf einem faulig stinkendem Fundament. Wer sich allerdings allen ernstes den Abstieg wünscht, um alles neu aufzubauen, der sollte sich
mal den Weg anderer Traditionsclubs vor Augen halten.
.
Die Putschisten, Mobber, Medienvertreter, Amtsinhaber ohne Plan, Anti-Kommerz Fußballromantiker und Mein-Stimme-gegen-Acht-Bier-Mitläufer sollten
jeden Tag zum Fußballgott beten, dass das diese Saison glimpflich ausgeht. Das ist euer Werk. Und so gut es vielleicht auch gemeint war, weil man
nicht so weit zurückblicken bzw voraus schauen kann, die Gesamtlage nicht überblickt oder einfach, aus welchen Gründen auch immer, all das gefördert
hat, was jetzt am Tabellenplatz und auf dem Platz zu beobachten ist, sollte sich diese Frage stellen: Ist es mir das mit allen möglichen Konsequenzen
wirklich wert?“

Text Nummer drei:

„Hallo Dieter,

es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber wir haben heute in Hamburg den ersten Absteiger gesehen – und das waren nicht die Gäste.
Du stellst die Frage, wo denn die vielzitierte Qualität im Kader sein soll – stell die Frage nicht uns, stell sie Frank Arnesen, denn der ist für den Kader verantwortlich. Ja, ich weiß – Arnesen kam ohne Kenntnisse der Bundesliga zum HSV. Aber die Entscheidung war früh genug gefallen, als dass er sich hätte vorbereiten können. Was er an Spielern geholt hat, bediente eine Philosophie: Fußballerische Talente. Das Problem ist nur: Außer Talent ist da nix.
Ein Fußballer wird nicht zum Guten seiner Zunft, nur weil man in ihm Potenzial erkennt und weil er hundertmal den Ball hochhalten kann. Das können die Seelöwen bei Hagenbeck auch!
Einen guten, bundesligatauglichen Fußballer zeichnet aber vor allem aus, dass er konstant seine Leistung bringt, leicht zu motivieren ist, die Mannschaftstaktik verinnerlicht, jederzeit hundertprozentig einsatzbereit ist, Verantwortung übernimmt (heute wurde sie an Jaro abgeschoben, das hat man deutlich gesehen) und auf dem Platz in hoher Frequenz die richtigen Entscheidungen trifft. Und diese Qualitäten haben in dieser zusammengewürfelten Truppe die wenigsten. Derjenige, an dem man das heute noch sehen konnte, war David Jarolim. Aber wir haben auch viele Spieler gesehen, die diese unersetzbaren Qualitäten nicht haben. Vor allem die Chelsea-Boys.

Dabei möchte ich die jungen Spieler noch in gewissem Maße in Schutz nehmen. Man hat heute gesehen, dass sie mit dieser Situation völlig überfordert sind. Das sind Spieler, die sich eigentlich als Nachwuchsleute in gestandenen Mannschaften integrieren und entwickeln müssten. Hier allerdings werden sie der Arnesen’schen Philosophie entsprechend in die Verantwortung hineingedrängt. Dessen Aufgabe wäre es eigentlich zu erkennen, dass sie so weit noch nicht sind. Entsprechend hätte der Kader auch im Winter noch angepasst werden müssen. Aber nichts ist passiert. Da sollen Jungs wie Heung Min Son oder Tolgay Arslan in die Bresche springen und das Ruder rumreißen. Ja, spinn‘ ich denn? Das sind noch halbe Kinder!

Am schlimmsten ist, dass das wie die Dortmund-Masche verkauft wird – nur dass wir nicht der BVB sind. Wir sind nicht mal eine Mannschaft! Das hat man zuletzt gut an denen gesehen, die eigentlich Führungsfiguren sein und vorangehen müssten. Paolo Guerrero war ein Beispiel verfehlten Umgangs mit Druck. Der andere ist Mladen Petric. Unfassbar, wie der die Hose davor voll hat, die falsche Entscheidung zu treffen, und es genau wegen dieses Zögerns vergeigt – siehe dritte Minute. Dass Arslan das Ding verstolpert, laste ich ihm nicht mal an: Der Ball kommt überraschend, nicht genau in den Fuß, er will korrigieren, macht den Zwischenschritt und verstolpert. Das kann man Unvermögen nennen, Nervosität oder Pech. Der Junge ist 21, in dem Alter machen manche gerade erst Abi, und bei jungen Fußballern ohne Selbstvertrauen passiert sowas eben. Aber Fakt ist: Zu der Szene darf’s gar nicht kommen, Petric muss es vorher selbst machen. Punkt. Und die „Mannschaft“ darf sich davon dann auch nicht beirren lassen und beim kleinsten Widerstand wie dem 0:1 einknicken!

Aber das ist eben das Problem der Mannschaft: Sie wurde zusammengestellt, um attraktiven, technischen Fußball zu spielen. Sie wurde aber nicht zusammengestellt, um zu kämpfen. Das lernen sie auch nicht mehr, denn es ist ihnen ein Dreivierteljahr lang eingebläut worden, sie seien spielerisch gut genug für die Bundesliga. Man könnte auch sagen, sie wurden damit eingelullt. Aber im Abstiegskampf braucht man eine andere Einstellung, eine andere Mentalität, eine andere Spielweise. Und das alles steckt nicht in der Mehrzahl der Spieler. Ich würde beinahe sagen: Nur in Jarolim (über dessen Weiterverpflichtung man dringend nachdenken sollte, denn einen Spieler wie ihn können wir in der 2. Liga dringend gebrauchen!).

Es ist aber auch ein Problem des Trainers. Thorsten Fink hat in Basel einen für schweizerische Relationen hochveranlagten Kader gehabt, bei dem die Mischung aus ambitionierten Talenten und Routiniers wie Kovac, Huggel, Chipperfield, Streller und Alex Frei stimmte. Hier hingegen muss er den jungen Spielern Druck auflasten, dem sie nicht gewachsen sind. Und er schafft es nicht, aus dieser unharmonischen Truppe ein echtes Team zu bilden, in dem der eine für den anderen kämpft. Ich bin mir angesichts der Vielzahl der Spiele auch nicht sicher, ob Fink den Anforderungen des HSV gewachsen ist. Den Eindruck habe ich nicht, und diesen Eindruck untermauert seine in Interviews offenbarte Ratlosigkeit.

Aber auch diese Personalie ist, wenn sie ein Fehler ist, der Fehler des Sportchefs Frank Arnesen, dessen Vergangenheit bei Chelsea offenbar lediglich Blendwerk war. Aber das täuscht ebenfalls ein wenig: Er hat bei Chelsea eine Milliarde Öl-Euro zur Verfügung gehabt – und hat sich damit einige teure Flops geleistet, das wird leider gern vergessen. Er hätte schon ein cleverer und gut vernetzter Fuchs sein müssen, um mit dem wenigen Geld, das wir zur Verfügung hatten, einen bundesligatauglichen Kader zusammenzustellen. Aber dieses wenige Geld ging raus für Füllmaterial. Als mehr kann man Spieler wie Bruma, Mancienne oder Rajkovic nicht bezeichnen.

Wenn ich da an seine Vorgänger denke… Holger Hieronymus war es, glaube ich, der Ingo Hertzsch, Andrej Panadic, Tomas Ujfalusi und Nico-Jan Hoogma verpflichtete. Beiersdorfer holte van Buyten, Boulahrouz und Mathijsen. Alle für recht wenig Geld, kaum mehr als das, was uns die Chelsea-Boys kosteten. Den Vergleich mit den heutigen Innenverteidigern brauchen die alle nicht zu scheuen. Oder man denke an Spieler wie Jacek Dembinski, Sergej Kirjakov, Nico Kovac. Die mögen fußballerisch limitierter gewesen sein als etwa Gökhan Töre, Ivo Ilicevic und Heung Min Son. Aber dafür hatten sie Erfahrung und genug andere Qualitäten, um mit dem HSV was zu erreichen.

Das alles sehe ich im heutigen Kader nicht. Und darum bin ich mir sicher, dass der Abstieg heute vorentschieden wurde. Wenn wir nicht mal gegen eine Mannschaft wie den SC Freiburg bestehen können, die individuell fußballerisch alle als schlechter als ihre HSV-Pendants beurteilt werden können, dafür aber mental stärker sind, ihre Leistung konstanter abrufen und Verantwortung im Gefüge übernehmen können, gegen wen sollen wir dann überhaupt noch gewinnen? Nicht gegen Wolfsburg, nicht gegen Kaiserslautern, nicht gegen Hannover und auch nicht gegen Hoffenheim. Denn deren Spieler haben begriffen, worum es geht, und verhalten sich auch so, auch wenn es fußballerisch nicht unbedingt bei allen reichen mag. Gegen uns wird es reichen.

Beste Grüße.“

14.35 Uhr