Tagesarchiv für den 12. März 2012

“Die Gerechtigkeit hat noch neun Spieltage Zeit”

12. März 2012

Szenen einer Ehe: Frau M. sitzt an meiner Seite, als das Spiel Schalke 04 gegen den HSV angepfiffen wird. Als HSV-Trainer Thorsten Fink gezeigt wird, schwärmt sie nicht etwa davon, wie schön dieser Mann ist, sondern sie sagt nur: „Wieso trägt der Mann da im Stadion nur einen Anzug? Der holt sich ja den Tod. . . .“ Ich habe ihr gesagt: „Mach dir keine Sorgen, die spielen da in einer Halle, da ist es warm.“ Und habe bei mir gedacht: „Keine Angst um Fink, der Mann trägt bei Wind und Wetter seinen Anzug, der ist hart – und nur die Harten komm’ in Garten.“ Als dann in der 59. Minute der Südkoreaner Heung Min Son eingewechselt wurde, lenkte ich Frau M. ab, genauer auf den Bildschirm zu blicken. Weil der junge HSV-Mann mit einer langen Hose unter der kurzen roten auflief. Was hätte Frau M. wohl dazu gesagt? Vielleicht: „Siehst du, es ist doch bitterkalt auf Schalke, der Trainer holt sich wohl doch den Tod . . .“ Eventuell hätte sie aber auch gesagt: „Sind die jungen Spieler von heute tatsächlich so weich, oder tun sie nur so?“ Egal, Fink hat es überlebt, denn ich habe ihn heute schon gesehen. Und Son wird es auch überlebt haben, er wird wohl eher keinen Hitzeschlag in der 04-Halle bekommen haben – obwohl ich zugebe, dass ich ihn heute noch nicht gesehen habe. Das aber nur am Rande, denn viel wichtiger ist ja die sportliche Seite. Die 1:3-Niederlage, die unverdiente 1:3-Niederlage, hat den HSV wieder einen Schritt näher an den Abgrund gebracht.

Der HSV in der Abstiegszone. Nicht neu, aber immer wieder höchst ungewöhnlich. Denn den HSV erwartet man ja nicht dort unten. Irgendwie jedenfalls. Und so geht es mir vor allem. Aber es gab natürlich schon vergleichsweise schlechte und auch schlechtere Zeiten. Sogar in dieser Saison, denn wo stand denn der HSV, bevor Thorsten Fink in Hamburg anheuerte. Immer wieder aber, wenn das Thema HSV und Abstieg aufkommt, denke ich an Sascha Jusufi, der von 1986 bis 1992 beim HSV im Mittelfeld spielte – und einer der führenden Köpfe der Mannschaft war. Dieser Sascha Jusufi hat mir einst unheimlich eindringlich (unter vier Augen) gesagt: „Glaubst du, dass es mir Spaß macht, mit dem HSV da unten herumzuturnen? Ganz sicher nicht. Ich werde kämpfen, kämpfen, kämpfen, ich werde Tag und Nacht alles geben, damit der HSV nicht absteigt, denn ich möchte nicht eines Tages in der Hierarchie des Klubs unter jenen Namen auftauchen, die den HSV erstmalig in der Bundesliga-Geschichte in Liga zwei geführt haben. Ich will niemals dazugehören, und ich werde es auch nie . . .“

Sascha Jusufi hat Wort gehalten. Der HSV ist bis heute erstklassig geblieben, obwohl es 1992 knapp war. Letztlich belegte der HSV zwar am Ende Platz zwölf, war aber nur drei Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt. Bei der Gelegenheit erinnere ich mich an den vorletzten Spieltag, der HSV musste im Volkspark gegen Hansa Rostock (Mitkonkurrent damals) dringend gewinnen, um nicht nach unten zu müssen. Es stand bis in die Schlussphase des Spiels hinein 0:0, als der eingewechselte Luiz Firminho Emerson (nur vier Profi-Einsätze, ein Tor, aber das war wichtig!) das 1:0-Siegtor erzielte. Ich stand damals hinter dem Rostocker Tor in der Ostkurve), neben mir die Präsidiumsmitglieder Horst Becker und Ernst-Otto Rieckhoff, beide fielen sich in die Arme – und beiden Herren liefen hemmungslos die Tränen über die Wangen. So eng war das damals.

Und so eng könnte es auch wieder werden. Aber ich will es nicht herbei schreien. Muss ja nicht (so kommen). Wenn denn am Sonnabend der SC Freiburg aus dem Volkspark gefegt werden würde, dann wäre ja immerhin schon mal ein guter Anfang gemacht. Wenn . . .

Ich sehe ja, wie es hier bei „Matz ab“ rund geht. Die einen verdammen den HSV, die anderen hoffen und entdecken immer noch etwas Positives. Die Frage, die sich (mir) in diesen Tagen stellt: Ist es hilfreich, den HSV jetzt nieder zu machen, ihn zu verteufeln und zu verdammen? Oder ist es doch besser, nach dem kleinsten Strohhalm zu suchen? Um damit den HSV wieder aufzubauen, ihn zu unterstützen? Vielleicht liegt der goldene Mittelweg, wenn es ihn dann gibt, auf dem Wege zur Rettung. Man sollte jetzt nicht alles schlecht machen, aber man sollte auch in jedem Fall wachsam sein und nicht alles „gnadenlos“ schönreden. Wobei mir von mehreren „Matz-abbern“ ans Herz gelegt wurde, die Sätze, die „Reinhard 1954“ heute bei uns schrieb, zu veröffentlichen. Was ich hiermit auch tue – im Original-Ton:


„Herr Fink wann kapieren Sie es endlich? Ihr Spielsystem mit den aufgerückten Verteidigern und drei Mann in der Abwehr ist grandios gescheitert.
Alle Gegner warten nur darauf, in die sich bietenden Lücken zu stoßen.
Stabilisieren Sie endlich die Abwehr, ansonsten steigen wir ab.
Solche Stellungsfehler wie beim ersten und zweiten Tor habe ich letztmals bei meinen Söhnen in der F und E-Jugend gesehen.
Dann ist Westermann, trotz vorherigem Hinweis von Schiedsrichter Stark, auch noch so dämlich und greift Huntelaar an die Schulter. Elfmeter war die logische Folge.
Wir brauchen Spieler die kratzen, beißen und fighten. Deshalb ist Jarolim für uns derzeit unverzichtbar.
Son kann dies nicht, er hat absolut kein Durchsetzungsvermögen, deshalb ziehe ich Sala einem Spieler wie Son immer vor.
Nach der gestrigen Leistung von Petric fehlen mir ebenfalls die Worte.
Gut dass wir diesen Stehgeiger im Sommer endlich los sind.

Die gestrige Defensivleistung der Herren Jansen und Ilisevic war ebenfalls grottenschlecht.
Herr Fink sehen Sie dies nicht? Handeln Sie endlich bevor es zu spät ist.“

Um einmal meinen Kommentar dazu abzugeben: Ich finde nicht, dass Thorsten Fink bislang so viel falsch gemacht hat – im Gegenteil. Wo stünde der HSV heute, wenn noch Michael Oenning den HSV trainieren würde? Ich danke Fink genau so wie ich Huub Stevens für die wundersame Rettung im Jahre 2007. Damals war der HSV für mich nicht mehr zu retten, aber Stevens, zu dem ich nie ein gutes Verhältnis hatte (ihn aber trotz allem immer sehr, sehr lobe), schaffte dieses kleine Wunder. Und Fink hat diesem (unserem) HSV erstens wieder Leben eingehaucht, zweitens ihn wieder zum Laufen gebracht, drittens das Punktepolster recht gut gefüllt. Und ich habe, ganz klar, auch weiterhin absolutes Vertrauen in seine Arbeit. Obwohl ich weiß, dass das nicht von allen Fans so gesehen wird – aber jeder so, wie er es will und sieht.

Mit Sascha Jusufi (49, 134 Bundesliga-Spiele für den HSV) habe ich heute noch einmal über die damalige Abstiegs-Situation mit dem HSV gesprochen. Er sagt noch heute: „Ein Alptraum.“ Auf die Frage, wie er die Kritik in den Medien und (vor allem) den eigenen Fans ertragen habe, antwortete er: „Ich empfand das eigentlich nicht so schlimm, wir wurden eigentlich gar nicht angegriffen. Es war eher bei den Spielen eine beklemmende Angst der Fans auf den Tribünen zu spüren. Das Hamburger Publikum empfand ich immer als top, empfinde es auch heute so. Das ist doch alles okay und im Rahmen.“ Und: „Wir haben uns als Spieler selbst sehr unter Druck gesetzt. Wir haben uns an einen Tisch gesetzt und gemeinsam beschlossen: Ab jetzt wird Dreck gefressen. Es wir gekämpft und getreten, vorbei ist es mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei. Ja, den Druck haben wir uns selbst gemacht, das waren nicht die Medien und nicht die Fans.“

Und, wie ist es nun um den HSV bestellt? Abstieg? Jusufi: „Ich war ja immer leicht rebellisch, aber Abstieg kann ich mir nicht vorstellen. Ich kann mir vieles vorstellen, aber dass der HSV absteigt? Nein, ganz sicher nicht.“ Aber was muss passieren, damit nicht? Sascha Jusufi: „Der HSV muss jetzt raus aus seiner Kuschelecke. Es ist mir noch alles viel zu kuschelig. Da werden zwei Spiele nicht verloren, und schon wird wieder von der Europa League geträumt. Abstieg, das ist jetzt das Thema. Ärmel aufkrempeln und zur Sache gehen, denn gegen die Studenten aus Freiburg musst du erst einmal gewinnen. Die können nämlich auch rennen und knüppeln.“ Und: „Wenn die HSV-Spieler jetzt nicht wissen, was die Stunde geschlagen hat, dann weiß ich auch nicht. Wenn jetzt erst noch der Trainer die Spieler wecken muss, ihnen die Lage erst erklären muss, dann, das gebe ich zu, dann wird mir echt schlecht, dann habe ich tatsächlich Angst um den HSV. Nein, nein, die Spieler müssen spätestens jetzt wissen, was gefordert ist von ihnen.“ Sascha Jusufi sagt übrigens auch noch: „Thorsten Fink ist ein guter Trainer, ich hoffe nicht, dass sie den in Hamburg auch noch verheizen . . .“ Wie so viele andere Trainer vorher.

Ich habe heute aber auch noch mit unserem „Master of Grätsche“ telefoniert (unser – weil er „Matz-abber“ ist), gemeint ist Carsten Kober. Mal zur Probe: er hat 259 Bundesliga-Spiele für den HSV gemacht. Und Carsten Kober hat mir gesagt: „Ich möchte mal eine kleine Spitze setzen, denn ich muss gestehen, dass ich das System, das Thorsten Fink bei den Heimspielen spielen lässt, nicht so ganz verstehe – aber ich bin eben auch kein Fußballlehrer.“

Ich hatte Kober angerufen, weil auch er einst mit dem HSV zweimal ganz heiß und hart am Abgrund getanzt hat. Er erinnerte sich nicht nur an das Rostock-Spiel: „Noch enger war es meiner Meinung nach im Sommer 1990. Da mussten wir gegen den Absteiger Waldhof Mannheim mindestens unentschieden spielen, um drin zu bleiben – und wir siegten durch ein Tor von Jan Furtok 1:0. Und wenn du in ein Spiel gehst, von dem du weißt, dass du mindestens einen Punkt holen musst, ich sage musst, dann geht dir, mein lieber Mann, aber verdammt der Arsch auf Grundeis. Da ist dann nichts, aber auch nichts mehr normal.“

Und wie ist das mit der Kritik, die auf einen HSV-Spieler einprasselt, wenn es gegen den Abstieg geht? Kober: „Ich habe immer alles gelesen, was es zu lesen gab, das haben die meisten von uns gemacht. Aber mich hat es nicht vernichtet, mich hat das auch nicht getroffen – mich hat das eher angespornt. Aber da ist natürlich jeder anders.“ Und wenn man von den eigenen Fans „vernichtet“ wird? Kober: „Das ist schwer zu sagen. Hilfreich ist das eher nicht. Es wäre für jeden Fan und auch für die Spieler hilfreich, wenn da ein goldener Mittelweg gefunden wird. Nur drauf einprügeln, das ist in einer so prekären Situation sicher nicht hilfreich.“

Aber man kann es sich offensichtlich nicht immer aussuchen, denn viele (oder etliche) HSV-Fans prügeln ja auf jene Spieler ein, die eigentlich „angehimmelt“ werden sollten – weil es ja „ihre Stars“ sind. Eigentlich. Mit der nötigen Unterstützung (und Rückendeckung) könnte der HSV sicher etwas besser (und befreiter) aufspielen. Und das könnte am Sonnabend, wenn es gegen Freiburg in ein Sechs-Punkte-Spiel geht, ganz entscheidend sein. Carsten Kobers Meinung zu diesem Spiel: „Thorsten Fink kam als Spieler auch immer über die kampfstarke Schiene, er muss es seinen Jungs vermitteln, dass es nur mit rennen, kämpfen. Spucken, kratzen und beißen geht. Anders geht sicher nichts.“ Kober sagt aber auch: „Ich hoffe, dass diese Partie gegen Freiburg nicht so sehr hoch geschrieben wird in der Presse, denn das könnte den einen oder anderen jungen Spieler noch mehr verunsichern – und diese 90 Minuten sind natürlich eminent wichtig für den HSV.“ Zumal sich der Sport-Club im Aufwind befindet. Kober: „Nach dem Trainerwechsel hat sich dort viel getan. Der neue Mann hat dort viel Wind gemacht, hat für Begeisterung gesorgt, hat bei den Spielern auch Spaß entfacht und hat auch dafür gesorgt, dass jeder genau weiß, dass er an seinem Gegenspieler zu kleben hat. Die Freiburger verschenken keinen Zentimeter.“

Im Gegensatz zum HSV? Carsten Kober: „Ich hoffe, dass Thorsten Fink und Frank Arnesen der Mannschaft knallhart klar machen, dass es nur über Kampf und Disziplin geht. Nach außen können sie ja ruhig ganz ruhig bleiben, aber intern muss es jetzt schon mal knallen.“ Um noch einen letzten Satz hinzuzufügen: „Ich hätte, das muss ich gestehen, gedacht, dass der HSV unter Fink schon weiter wäre . . .“

Damit steht der „Master of Grätsche“ sicher nicht so ganz allein.
Aber Irren ist männlich.

Vielleicht hat ja auch Thorsten Fink so gedacht. Sein Resümee nach dem Spiel auf Schalke: „Sieht alles ganz gefällig aus, haben auch zwei, drei riesige Torchancen, die sollte man auswärts eigentlich nutzen, um Minimum einen Punkt mitzunehmen, gerade gegen eine solche Mannschaft, die unter den ersten fünf spielt, die auch Europa League spielt. Uns fehlen Kleinigkeiten, wir müssen an der Cleverness arbeiten. Wenn ich sehe, was andere Mannschaften immer gegen uns veranstalten, da müssen wir lernen. Taktische Fouls zum Beispiel. Andere verhalten sich da abgebrühter – aber wir reden darüber mit den Spielern, und wir trainieren das. Mehr kann man nicht tun.“

Im Hinblick auf Sonnabend sagt der HSV-Trainer: „Neun Spiele haben wir noch, wir können mit einem Sieg über Freiburg auf sieben Punkt wegziehen, und das wäre in dieser Phase der Saison schon ein ganz gutes Polster. Auf Freiburg wären es sogar acht Punkte. Wir müssen uns konzentrieren, damit wir endlich mal wieder ein Heimspiel gewinnen, aber wir müssen auch wissen, dass es am Sonnabend kein fußballerischer Leckerbissen werden wird. Aufgrund der Umstände allein schon, denn wir haben Umstellungen vorzunehmen, und dann spielt die Tabellensituation ja auch eine gewisse Rolle. Ist ja klar, dass wir hier nicht schön spielen müssen, sondern im entscheidenden Moment da sein müssen. Das heißt, bei Standards, bei Konter, bei Kleinigkeiten, die uns Tore bringen könnten. Und dass wir ruhig bleiben, wenn es mal nicht so gut läuft – und wenn man 1:0 gewinnt, wichtig wären die drei Punkte, wir müssen dieses wichtige Spiel alle gemeinsam konzentriert angehen.“

Die Situation ist sicher nicht einfach. Fink sagt aber auch: „Sie war sicher aber auch schon mal schwieriger, als wir vier Punkte hinter den anderen Klubs standen. Aber da hat die Mannschaft dann auch schon gezeigt, dass sie mit einer solchen schwierigen Situation umgehen kann.“

Um noch einmal auf den Elfmeter, den Heiko Westermann (sah die fünfte Gelbe und ist gegen Freiburg gesperrt) gegen Huntelaar verursachte, zurückzukommen. Der HSV-Coach sagt: „Für mich war das keiner.“ Kein Strafstoß. Aber er sagt auch: „Ich glaube daran, dass sich alles innerhalb einer Saison ausgleicht. Die Gerechtigkeit hat für uns noch neun Spieltage Zeit.“

Noch kurz zu den Sturm-Sorgen. Es geht – bei Matz ab – vor allem um Mladen Petric? Wie sieht der Trainer den Kroaten? Thorsten Fink sagt: „Ich will nicht auf alles eingehen. Er hatte gegen Schalke eine große Chance, er hat sie nicht genutzt, aber er hat sie sich erarbeitet. Er ist gut gelaufen in dieser Situation, und ich bin sicher, dass er in Zukunft, in den nächsten neun Spielen, noch das eine oder andere Tor für uns schießen wird. Es muss sich jetzt ja auch erst alles einspielen, denn Tolgay Arslan und Mladen Petric haben ja auch noch nicht so oft miteinander gespielt.“
Wäre ein Stürmer aus der Zweiten denkbar, dass der noch zu und bei den Profis stürmt? Thorsten Fink: „Den brauchen wir nicht. Wir haben noch Berg und wir haben noch Son, wir haben noch genügend Stürmer, die uns helfen können – ich vertraue außerdem meiner Mannschaft, die wir hier haben, ich werde im Moment nicht auf irgendwelche Nachwuchsspieler setzen.“

Son hat im Moment allerdings nicht den besten Lauf – und Marcus Berg gar keinen. Er versetzt, um es einmal salopp auszudrücken, im Training keine Berge. Warum nicht, das ist die Frage? Thorsten Fink: „Ich habe das Gefühl, dass er noch nicht wieder so in die Zweikämpfe geht. Und das ist im Abstiegskampf dann schwierig. Das hängt wohl noch mit seiner Verletzung zusammen, dann er hat es in der Hinrunde, als ich hier schon Trainer war, anders gemacht. Deswegen hat er ja auch gespielt.“ Was ich mir im Moment aber nicht vorstellen kann, überhaupt nicht. Berg fehlt im Moment noch sehr, sehr viel. Vielleicht aber ja auch nur Selbstvertrauen, und wer weiß, wie es wäre, wenn er nun spielen müsste? Eventuell könnte dann ja der Knoten bei ihm doch noch einmal platzen – aber wie gesagt, ich glaube nicht daran. Eher wird uns ein Regionalliga-Spieler helfen, zum Beispiel George Kelbel – sechs Tore im dritten Spiel in Folge. Thorsten Fink will zwar keinen Nachwuchsmann, aber vielleicht muss er ja auch noch einmal umdenken – wenn gar nichts mehr in Sachen Toren läuft. Wer weiß es schon?

Ein Wort noch zu Mladen Petric. Er hat es im Moment auch beim HSV-Anhang sehr schwer. Ich glaube allerdings, dass es nicht nur an ihm liegt, denn: Wer hat denn mehr Tore beim HSV geschossen? Keiner. Was ja auch daran liegen könnte, dass es nicht so viele Chancen gibt, die da vorne kreiert werden und wurden. Ich hoffe noch immer darauf, dass Petric noch seine Tore für den HSV schießen wird, denn nur so macht er sich für andere Klubs ja interessant. Schließlich will er noch einen letzten und vor allem guten Vertrag abschließen, bevor er sich auf das Altenteil begibt. Also wird er noch gute und beste Eigenwerbung für sich betreiben müssen – so wie es Jaroslav Drobny zum Beispiel schon seit Wochen meisterlich und auch vorbildlich (als Profi) tut.

Schnell noch zur personellen Lage: Marcell Jansen ist auf Schalke gleich mehrere Mal böse (und brutal) gefoult worden, er hat sich dabei verletzt. Wie schwer, das weiß noch keiner so genau, aber eventuell fällt er für Sonnabend aus. Auch Dennis Aogo fehlt weiterhin, sein Einsatz gegen Freiburg ist so gut wie ausgeschlossen. Thorsten Fink über Aogo: „Es könnte eng werden.“ Als Alternativen wären Slobodan Rajkovic oder Michael Mancienne vorstellbar, beide Spieler wären aber nur echte Notlösungen. Thorsten Fink: „Ich könnte mir Rajkovic da schon vorstellen – aber schaun wir mal.“ Es könnte also in der ohnehin nicht sicheren Defensive noch einmal schlechter kommen – weil allein ja schon der Kapitän fehlen wird. Keine guten Voraussetzungen für das erste „Abstiegsendspiel“. Aber gerade deshalb müssten nun alle HSVer noch enger zusammenrücken – statt aufeinander einzuprügeln. Wäre mal zu überdenken – finde ich.

Morgen, am Dienstag, wird um 10 Uhr im Volkspark trainiert.

17.54 Uhr