Tagesarchiv für den 9. März 2012

Arnesen will Herz, Spaß und Begeisterung

9. März 2012

Außer Spesen nichts gewesen. Noch nichts. Er habe gute Gespräche in London geführt, mit dem Klub-Chef und dem Manager vom FC Chelsea, aber herausgekommen ist dabei nichts. Noch nichts. Weil der Klub ja im Moment ohne Trainer ist. Es ging darum, ob Jeffrey Bruma eventuell schon in diesem Sommer wieder zurück muss, und es ging um den einen oder anderen Spieler, der vielleicht zum HSV gelotst werden könnte. Bei Bruma sieht es so aus, als dürfe und werde er noch ein weiteres Jahr beim HSV bleiben – wenn der Niederländer es denn selbst noch will. Und das ist ja nicht immer ganz sicher, denn junge Leute sind sprunghaft – und schnell mal unzufrieden. Die endgültige Entscheidung soll Mitte April fallen, obwohl Chelsea sich noch bis zum 1. Juni Zeit lassen könnte – laut Vertrag. Und neue Spieler? Romelo Lukaku zum Beispiel, der 18-jährige Belgier, der als großes Talent gilt? Frank Arnesen: „Der ist kein Thema für uns.“

Wahrscheinlich zu teuer. Und wenn nicht der Herr Kühne, der ja nun in sämtlichen Bestenlisten der reichsten Leute der Welt auftauchte, nicht ein wenig Geld gibt und sein Herz für den HSV (neu?) entdeckt, dann dürfte ein solcher Spieler wohl noch auf Jahre hinaus ein Hamburger Traum bleiben. Selbst auf Leihbasis ist Lukaku kaum umsetzbar, denn Chelsea möchte lieber, dass ein Leihgeschäft innerhalb der englischen Liga zustande käme – damit sich der Spieler an die Verhältnisse in England gewöhnen kann. Macht ja auch Sinn. „Das ist auch unser Denken. Wenn wir unsere Spieler ausleihen, dann auch möglichst innerhalb Deutschlands“, sagt Arnesen.

Er hat ein, zwei Chelsea-Nachwuchsspieler im Kopf, die er – wenn es denn finanziell machbar ist – gerne beim HSV sehen würde: „Zwölf bis 14 Spieler hat Chelsea im Moment ausgeliehen, fünf bis acht Spieler spielen bei Chelsea und wären wohl auch für uns interessant. Allerdings müssen sie ja auch passen, und sie müssten bei uns eine gewisse Anzahl von Spielen absolvieren, alles andere würde ja keinen Sinn machen. Bei uns aber sind einige Positionen ja auch schon so gut besetzt, dass wird nicht wahllos Spieler zu uns holen werden. Ganz klar, wir werden nur Spieler holen, die wir auch brauchen und von denen wir glauben, dass sie gut genug für uns sind.“ Macht auch Sinn.

Bei der Gelegenheit sei gerne von mir noch einmal erinnert, wie sehr Frank Arnesen zu Saisonbeginn von Medien und deutscher Fußball-Prominenz attackiert und angeschossen worden ist, weil er „nur unbekannte Talente von Chelsea“ zum HSV geholt hatte. Heute sind diese Stimmen längst verstummt, denn Gökhan Töre, Jeffrey Bruma, Jacopo Sala, Slobodan Rajkovic und Michael Mancienne haben ihre Bundesliga-Tauglichkeit bewiesen, zum Teil sogar mehr als das. Dass diese jungen Leute keine Chance bei Chelsea hatten, liegt auf der Hand, denn beim englischen Spitzen-Klub spielt ansonsten schon Weltklasse. Also müssen die junge Männer warten – und sich anderswo ihre Spielpraxis holen und ihre Hörner abstoßen. So auch beim HSV. Der wird auf diese Art und Weise eben auch ein Ausbildungsverein für den FC Chelsea. So bitter wie es klingt, aber das ist (zurzeit) die (finanzielle) Realität. Arnesen: „Junge Talente brauchen ihre Zeit, es gibt nur wenige, und das sind dann auch die allergrößten Spieler, die es früher schaffen – wie Rooney, Messi, Ronaldo. Aber selbst der hatte es bei seinem Start sehr, sehr schwer, brauchte als Top-Talent eineinhalb Jahre, ehe er voll da war.“

Übrigens: Auch Deutschland hatte solche Talente. Uwe Seeler zum Beispiel, mit 17 Jahren Nationalspieler. Oder Franz Beckenbauer. Lang, lang ist es her, aber es gab tatsächlich solche besonderen deutschen Fußball-Exemplare.

Frank Arnesen ist schon (kräftig?) dabei, am neuen HSV 2012/13 zu basteln. Und er sagt: „Meine Philosophie ist so, ganz klar, dass ich gerne mit jungen Spielern spiele. Ich will auch gerne die Entwicklung der jungen Spieler sehe. Aber wir wissen auch, dass junge Leute häufiger mal einen Fehler machen, und Fehler kosten Punkte. Das ist das, was wir nicht so gerne haben wollen. Deswegen sagen wir auch, dass man zwar Jugend haben kann, aber nicht nur Jugend. Das könnte ein Problem sein. Ich sage aber, dass unsere jungen Leute von Jahr zu Jahr besser werden, das ist so, das kann nicht anders sein. Ein Jahr Erfahrungen sammeln, und dann müssen sie hier den nächsten Schritt machen.“ Arnesen hat „hier“ gesagt, also beim HSV. So habe ich das verstanden – oder möchte es so verstanden haben.

Wer sich noch immer dafür interessiert, wie es um Rene Adler (zum HSV) steht, der soll es auch schnell noch wissen: es gibt keinen neuen Stand. Arnesen: „Das kann auch noch vier Wochen dauern.“ Aha. Vor 14 Tagen sollte am Mittwoch unterschrieben sein, werden können, und nun noch locker vier Wochen? Was läuft da falsch? Hat der HSV Adler schon unter Vertrag, will aber im Moment keine Unruhe? Hat Adler eventuell doch mehr „Knie“ als er haben möchte – und der HSV hat es entdeckt, will damit aber nicht – weil es rufschädigend sein könnte – an die Öffentlichkeit? Oder hat Adler in letzter Minute noch einen anderen Klub, der mehr bietet und sportlich mehr zu bieten hat? Ich bin sehr gespannt auf die Auflösung dieses Rätsels.

Ein Absatz auch noch zu David Jarolim. Ich weiß genau, dass insgeheim noch viele HSV-Fans hoffen (gehofft haben), dass der Dauerläufer auf der Sechs doch noch ein Jahr dranhängen wird – beim HSV. Ich gehöre zu dieser Sorte Fans, gebe ich zu, aber das wisst Ihr ja auch. Deswegen aber habe ich Frank Arnesen danach gefragt, und der Sportchef antwortete ehrlich: „In diesem Moment gibt es keine andere Strategie bei uns und von mir. Und es ist dann nicht so, dass ich nach drei, vier Wochen sage, das ist nicht so, ich werde es ändern. Nein, es gibt keine Änderung.“ „Jaro“ wird also gehen, das steht spätestens seit heute für mich fest. So tragisch diese Entscheidung auch ist – ich halte sie auch für falsch, aber das nur nebenbei – jeder hat seine persönliche Meinung dazu und darf sie natürlich auch haben und äußern.

Noch eine Personalie wurde heute diskutiert: Granit Xhaka. Basels 19-jähriges Mittelfeld-Talent steht weiter aufd er Wunschliste des HSV, aber im Moment Ruhen die Aktivitäten. „Basel steht vor dem schweren Champions-League-Spiel gegen den FC Bayern, darauf soll sich der Spieler konzentrieren, das geht ganz klar vor. Aber wir sind nach wie vor dran, ich muss aber auch sagen, dass die Konkurrenz sehr groß ist. Aber vielleicht haben wir einen kleinen Vorteil, weil Thorsten Fink ihn ja trainiert hat und ihn sehr gut kennt“, sagt Frank Arnesen – und wirkt optimistisch dabei. Beim 3:1-Erfolg des FCB zuletzt gegen Luzern wurde Xhaka in der 71. Minute eingewechselt.

Zum Schalke-Spiel. Der HSV wird ersatzgeschwächt in diese 90 Minuten am Sonntag gehen. Paolo Guerrero, Dennis Aogo und David Jarolim fallen aus, Tomas Rincon dagegen wird spielen können. Auf der Position des Innenverteidigers wird es eine Änderung geben, Bruma kommt für Rajkovic.
Heute wurde zwei Stunden trainiert, eineinhalb Stunden auf dem Trainingsplatz, dann eine halbe Stunde unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Stadion. Sogar die Fenster der „Raute“ waren zugeklebt, es war also ganz geheim. Wenn’s denn hilft. Zuvor wurde (fast) alles mit dem Ball gemacht, zu Beginn ein ganz kleiner Zirkel mit drei Stationen. Mit dabei eine Geschicklichkeitsübung, denn die Spieler mussten einen ganz kleinen Fußball, der etwas größer als ein Tennisball war, jonglieren. Sah spaßig aus, aber auch gut, denn einige konnte es durchaus sehr gut – Gökhan Töre gefiel mir persönlich am besten.

Es gab danach auch noch zwei Stationen mit „sieben gegen drei“, es folgte Passspiel – und der Umzug in die Arena.

Wobei sich auch die Mannschaft für das Schalke-Spiel zeigte: Drobny; Diekmeier, Westermann, Bruma, Jansen; Rincon, Kacar; Sala, Ilicevic; Arslan; Petric. Schiedsrichter in Gelsenkirchen wird Wolfgang Stark sein.

Frank Arnesen zu diesem Spiel: „Fußball ist, wenn wir eine Mannschaft sehen, die alles probiert, um zu einem guten Resultat zu kommen. Eine Mannschaft, die Spaß hat, die mit Begeisterung spielt, mit Leidenschaft spielt und die als Team, als Einheit auftritt. Das will ich sehen. Die Spieler waren nach dem 0:4 gegen Stuttgart selbst total enttäuscht, deswegen glaube ich daran, dass sie es nun wieder besser machen wollen.“ Und: „Wir wissen, dass wir es besser können, und nun müssen wir alles geben, mit Herz spielen, clever spielen – das erwarte ich.“

Abstieg ist für den Sportchef kein Thema: „In diesem Moment nicht. Ich glaube, dass wir zu gut sind, um abzusteigen. Aber wir müssen die Punkte holen. 40 Punkte müssen wir haben, um nicht abzusteigen. Und wir haben jetzt zwar Schalke von oben, aber die Konkurrenz haben wir danach – und dann müssen wir punkten, dann können wir Punkte holen. Ich habe ein gutes Gefühl, aber wir müssen damit auch beginnen.“ Auf Schalke? Warum nicht.

Zwei weitere Personalien noch zum Schluss:
Zeugwart Mario Mosa (44) ist heute in der Kabine gestürzt und hat sich den linken Arm gebrochen, musste ins UKE gefahren werden und trägt nun einen Gipsverband. Gute Besserung, Mario!

Und: Paolo Guerrero ist jetzt auch HSV-intern „verarztet“ worden. Dabei ist (wohl) auch eine Geldstrafe, aber über die Höhe verriet der Klub nichts, das bleibt (so Frank Arnesen) „intern“. Spekulationen aber wird es ganz gewiss geben – ich beteilige mich aber nicht daran. Immerhin: Guerrero wird in den nächsten Wochen dreimal die Woche eine Jugend-Mannschaft des HSV trainieren, und er wird auch im Rahmen des „Hamburger Wegs“ diverse Einsätze haben – der Peruaner bleibt also in den nächsten sieben Wochen nicht unterbeschäftigt.

Morgen trainiert der HSV am Vormittag im Stadion und unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

19.46 Uhr

PS: Das schrieb Neu-Ossi heute:

“Meine Kumpels ausm Schalker Pütt haben mir gesteckt, dass Huub das Spiel
freiwillig verloren geben will. Er möchte unheimlich gerne Dieter in rosa
Röckchen sehen – das ist ihm die Sache wert, wurde er zitiert.”

Na denn!