Tagesarchiv für den 5. März 2012

Ein Aufschrei der Entrüstung ****AKTUALISIERT: HSV trennt sich von Petric – Maxi Beister hat bis 2016 unterschrieben****

5. März 2012

****Aktualisierung: Der HSV und Mladen Petric gehen im Sommer getrennte Wege. Nachdem der HSV dem Kroaten im vergangenen Sommer ein leicht verbesertes Angebot unterbreitet hatte und dieser abgelehnt hatte, trafen sich HSV-Sportchef Frank Arnesen und Petric-Berater Volker Struth heute in der Imtech-Arena. Dabei kam der Wunsch des Kroaten auf eine schnelle Lösung zum Gespräch – und dierser hat der HSV offenbar entsprochen. So soll Arnesen, der bereits vor dem Köln-Spiel im Mannschaftshotel mit Struth zusammengesessen hatte, heute gar nicht erst ein neues Angebot mehr vorgelegt, sondern lediglich abgesagt haben. Auf www.hsv.de äußerten sich beide Seiten verständnisvoll. Arnesen: „Mladen hat viele Tore für den HSV geschossen und hervorragende Leistungen gebracht – und wird das ganz sicher auch noch bis zum Ende der Saison tun. Er war und ist ein wichtiger Spieler. Aber in der Zukunft werden wir uns anders orientieren, den Umbruch der Mannschaft vorantreiben. Dabei wollen wir verstärkt auf junge Spieler setzen und die Gehaltsstrukturen weiter verschlanken“, so Arnesen. Petric (60 Tore in 127 Pflichtspielen): „Jetzt ist eine Entscheidung da, mit der ich umgehen kann. Ich möchte gern noch einen längerfristigen Vertrag unterschreiben. Das ist beim HSV nicht möglich. Für mich geht es nun darum, gemeinsam mit meinen Mannschaftskollegen die laufende Saison vernünftig zu Ende zu bringen. Dann werde ich sehen, wohin mich mein Weg führt.“ Fortsetzung folgt…*****

Guerrero, Guerrero, Guerrero. Immer wieder Guerrero. Und jetzt treten sie auf den Plan, die Saubermänner des deutschen Fußballs. Wie kann man nur ein solches Foul, einen so brutalen Tritt begehen? Ja, wie kann man nur? Die, die einmal Fußball gespielt haben, die wissen es wahrscheinlich am ehesten. Ich jedenfalls gebe zu, dass ich mich mindestens einmal in meinem Fußballleben auch gründlich vergessen und daneben benommen habe. Sogar als Spielertrainer! Ich habe mich wochenlang geschämt, aber ich konnte es nicht mehr gutmachen. Und diejenigen Fußballer, die ohne ein solche Szene über die Runden gekommen sind, die sind tatsächlich sehr, sehr fair – herzlichen Glückwunsch. Macht weiter so! Fair und nett und höflich und zuvorkommend in allen Lebenslagen. Um es noch einmal zu betonen: Ich will diesen brutalen Tritt gegen den Stuttgarter Towart Sven Ulreich nicht verharmlosen, ganz sicher nicht, er ist schlimm, sehr schlimm sogar, er gehört auch zu den miesesten Fouls, die ich je von einem HSV-Spieler gesehen habe – aber dennoch es ist ja kein Einzelfall. Allen sei empfohlen, sich den Tritt des Berliners Andreas Ottl gegen den Stuttgarter Tamas Hajnal (am 11. Februar 2012) anzusehen, und wer dann feststellt, dass Guerrero schlimmer als der Herthaner zutrat, der hat dann die wesentlich besseren Augen als ich und darf sich freuen. Übrigens wurde Ottl für (nur) drei Spiele gesperrt, Guerrero soll vom DFB für acht Spiele aus dem Verkehr gezogen werden. Zum Glück hat der HSV Widerspruch eingelegt – auch wenn es bei den netten Herren des Verbandes ganz sicher nichts bringen wird. Jede Wette.

„Ich bin sehr enttäuscht darüber, dass der DFB den Paolo Guerrero so lange sperren will. Ich will dieses böse Foul nicht verharmlosen, das war klar eine Rote Karte, aber es gibt andere Fälle, in denen das Strafmaß deutlich geringer war. Ich nehme nur mal das Beispiel Andreas Ottl. Ich habe mir diesen Tritt eben noch einmal angesehen, das war ähnlich wie bei Guerrero – aber wieso liegen bei diesen beiden Fouls fünf Spiele Sperre dazwischen? Für mich ist das nicht zu erklären, dass da ein solcher Unterschied gemacht wird“, sagt HSV-Sportchef Frank Arnesen.

Der DFB-Kontrollausschuss spricht nicht von einem „rohen Spiel“, sondern plädiert auf Tätlichkeit: „Das Fehlverhalten von Spieler Guerrero stellt nach ständiger Rechtsprechung des DFB-Sportgerichts und des DFB-Bundesgerichtes eine Tätlichkeit gegen den Gegner da.“ Und: „Nach den vom Kontrollausschuss getroffenen Feststellungen ist von einer schwerwiegenden Sportverfehlung von Spieler Guerrero im Sinne des § 8 Nr. 5, Absatz 2, Satz 3 der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB auszugehen.“ Was ein ganz wichtiger Punkt bei der Strafzumessung ist: Der DFB sieht Paolo Guerrero nicht als Wiederholungstäter an: Die sportgerichtliche Vorbelastung des Spielers Guerrero aus der Spielzeit 2009/2010 (Entscheidung vom 8. April 2010) wurde gemäß der Spruchpraxis der DFB-Rechtsinstanzen nicht straferschwerend berücksichtigt.“ Soll heißen: Der Flaschenwurf spielt in diesem neuen Fall keine Rolle.
Öffentlich vielleicht. Da Guerreos Ruf durch den damaligen Zwischenfall natürlich bundesweit gelitten hat, denke ich, dass sich niemand davon freisprechen kann, nicht doch – hin und wieder – an diese ebenfalls sehr hässliche Aktion zu denken . . .

Frank Arnesen brach heute noch einmal eine Lanze für den „Übeltäter“: „Paolo hat in den neun Monaten, in denen ich hier für den HSV arbeite, hervorragend mitgezogen, er war diszipliniert, er hat sich absolut nichts zuschulden kommen lassen – er ist tadellos. Der Flaschenwurf war vor meiner Zeit, dazu will ich nichts sagen, aber er hat sich, seit ich da bin, vorbildlich verhalten. Für mich war der Junge bislang hervorragend. Deswegen ist dieses Foul natürlich sehr, sehr schade.“

Nicht besonders erfreut zeigte sich Arnesen darüber, dass Kommentare zum Fall Guerrero aus der ganzen Bundesliga kamen: „Ich kann über den Fall Ottl sprechen, denn er ist ja verurteilt, ansonsten aber finde ich, dass sich jeder zurückhalten sollte, über Spieler zu reden, die nicht zu ihrem Verein gehören. Ein Trainer, der gar nicht von diesem Spiel betroffen ist, der fordert dann eine harte Strafe – das ist nicht in Ordnung.“ Im Sport-1-Doppelpass hatte sich zum Beispiel BVB-Trainer Jürgen Klopp zu Guerrero geäußert.

Acht Spiele ohne Guerrero – so ist es beantragt, so wird es kommen. Und damit kommt eine ganz harte Zeit auf den HSV zu. Wer reißt sich nun im Angriff so den Hintern auf, wer wühlt da vorne allein auf weiter Flur, wer verteidigt die Bälle auch gegen drei, vier Gegenspieler, wer schießt die Tore für den HSV? Diese Frage darf sich jetzt jeder von euch selbst einmal im stillen Kämmerlein beantworten. Arnesen sagt: „Ganz klar, Guerreros Fehlen wird uns schwächen. Paolo war gut drauf, er war sehr gut drauf.“ Und: „Wir haben Petric, wir haben Son und wir haben Berg. Wenn einer ausfällt, dann müssen sich die anderen zeigen. Guerrero hätte ja auch verletzt ausfallen können, dann hätte er uns auch gefehlt. Jetzt müssen sich die anderen zeigen, wir haben einen guten Kader – jetzt müssen andere einspringen. Und ich habe Vertrauen in Petric, Vertrauen in Berg und Vertrauen in Son. Ich bin immer positiv, und so bleibe ich auch.“

In dieser Woche wird Frank Arnesen noch über die Vertragsverlängerung von und mit Mladen Petric sprechen. So wie ich die Situation einschätze und deute, so denke ich, dass es am Saisonende eine Trennung geben wird. Aber lassen wir uns mal überraschen. Hatte ich am Nachmittag geschrieben – aber nun sind die Würfel gefallen, die Trennung ist besiegelt. Trennung im Sommer.

Der Profi-Fußball ist ja ohnehin voller Überraschungen: Erst kaufte der FC Chelsea dem FC Porto den portugiesische Trainer André Villas-Boas weg, und dann wird der Erfolgs-Coach nach nur acht Monaten an der Stamford Bridge entlassen. Damit müssen die Engländer jetzt klarkommen, aber, und darum schreibe ich das: HSV-Sportchef Arnesen weilt Dienstag in London, um mit seinem ehemaligen Arbeitgeber FC Chelsea auch über Jeffrey Bruma zu sprechen. Der 20-jährige Niederländer ist zwar für zwei Jahre nach Hamburg ausgeliehen, aber wenn Chelsea will, dann müsste Bruma schon in diesem Sommer wieder zurück. Wer aber kann das nun beantworten? Der Trainer ist weg, und der neue ist nicht da. Wäre er da, könnte er sich sicher auch kein rechtes Bild von der Lage machen – schade. Aber Arnesen will sich ja auch bei der Gelegenheit nach Chelsea-Spielern für den HSV umsehen.

Zwei Personalien am Rande:
Tolgay Arslan wird morgen um 15 Uhr mit der Mannschaft trainieren, die Knöchelverletzung hat sich als nicht so schwerwiegend herausgestellt. Und der an Fortuna Düsseldorf ausgeliehene Stürmer Maximilian Beister wird, so sieht es nun aus, in diesem Sommer zum HSV zurückkehren.
Ergänzt um 20.45 Uhr: Beister hat beim HSV einen Vertrag, der bis 2016 läuft, unterschrieben. Willkommen in der Heimat.

Ein anderes Thema, der Spielplan. Die DFL gab heute die Ansetzungen der Fußball-Bundesliga bekannt, die Spieltag Spieltage 28 – 34. Der HSV schafft dabei tatsächlich noch das zehnte Sonntagsspiel der Saison – herzlichen Glückwunsch! An alle Beteiligten.

28. Spieltag: Sonnabend, 31. März: 1. FC Kaiserslautern – Hamburger SV 15.30 Uhr;
29. Spieltag: Sonntag, 08. April: Hamburger SV – Bayer Leverkusen 17.30 Uhr;
30. Spieltag: Mittwoch, 11. April: 1899 Hoffenheim – Hamburger SV 20 Uhr;
31. Spieltag: Sonnabend, 14. April: Hamburger SV – Hannover 96 15.30 Uhr;
32. Spieltag: Sonnabend, 21. April: 1. FC Nürnberg – Hamburger SV 15.30 Uhr.
Die beiden letzten Spieltage der Saison finden alle sonnabends statt, um 15.30 Uhr.

Dann möchte ich euch noch drei Meldungen der Deutschen Presse-Agentur kredenzen – im vollen Wortlaut.


Hamburg (dpa) – Fußball-Bundesligist Hamburger SV wehrt sich gegen die Forderung des Kontrollausschusses des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Stürmer Paolo Guerrero für acht Spiele zu sperren. Dies bestätigte HSV-Mediendirektor Jörn Wolf der Nachrichtenagentur dpa am Montag. Bis zum Mittag musste der Verein eine schriftliche Stellungnahme abgeben. Der 28 Jahre alte Peruaner hatte am Samstag im Bundesliga-Spiel (0:4) gegen den VfB Stuttgart Torhüter Sven Ulreich brutal gefoult. Der Tritt des Stürmers mit Anlauf in die Kniekehle von Ulreich hatte in der Bundesliga für einen Aufschrei der Entrüstung gesorgt.

Hamburg (dpa) – Trainer Thorsten Fink vom Fußball-Bundesligisten Hamburger SV hat Paolo Guerrero nach dem brutalen Foul beim 0:4 gegen den VfB Stuttgart zur Aussprache zitiert, plädiert aber für eine maßvolle Spielsperre seitens des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). „Natürlich werden wir Paolo bestrafen. Wenn einer eine Rote Karte bekommt, wird er immer bestraft. Aber es war seine erste und er hat nicht nachgetreten und nicht nachgeschlagen“, sagte der Coach am Montag der Nachrichtenagentur dpa.
Der Tritt des Peruaners mit Anlauf in die Kniekehle von VfB-Torhüter Sven Ulreich hatte in der Bundesliga für einen Aufschrei der Entrüstung gesorgt. Experten forderten bis zu zehn Spiele Sperre. Der DFB nahm am Montag die Ermittlungen auf.
„Wir wollen ihn nicht in Schutz nehmen, aber er ist kein Wiederholungstäter. Wir wollen nichts verharmlosen, aber wir wollen es auch nicht schlimmer machen, als es ist“, führte Fink aus. Es könne nicht sein, dass der Berliner Profi Andreas Ottl bei einem ähnlichen Foul drei Spiele Sperre bekomme und für Guerrero das Strafmaß deutlich höher ausfallen solle. „Es war schlimm, aber keine Tätlichkeit“, sagte Fink.

Hamburg (dpa) – HSV-Idol Uwe Seeler hat den brutalen Tritt von Stürmer Paolo Guerrero beim 0:4 im Bundesliga-Spiel gegen den VfB Stuttgart hart verurteilt. „Das ist ein Kurzschluss gewesen, dafür gibt es keine Entschuldigung“, sagte der 75-Jährige am Montag der Nachrichtenagentur dpa. „Irgendwann muss er ja mal dazulernen.“
Der Tritt des Peruaners am Samstag mit Anlauf in die Kniekehle von VfB-Torhüter Sven Ulreich hatte in der Bundesliga für einen Aufschrei der Entrüstung gesorgt. Es sei an der Zeit, dass der HSV ihm sehr deutlich klarmache, dass „er sich so etwas nicht mehr erlauben darf. Paolo hätte ihm ein Bein brechen können. Wenn ich 50 Meter anlaufe, das geht gar nicht“, sagte der ehemalige Nationalstürmer. Guerrero sei gut beraten, sich „mehr als zu entschuldigen“. Er schade in der derzeitigen Situation vor allem der Mannschaft des Bundesliga-13.

Zum krönenden Abschluss noch ein Brief an mich, den ich auch gerne an euch weiterreiche:


Lieber Herr Matz, ich bin ein seit langen Jahren meist leidender HSV-Fan, habe aber auch schon bessere Zeiten erlebt. Mir tun vor allen Dingen die jüngeren Fans leid, die eigentlich mehr Flops als Tops gesehen haben. Zur
aktuellen Situation der Mannschaft: Die machen einfach keinen Spaß mehr!
Ihrem Blog – den finde ich toll und man findet dort auch viel Trost.

Herzliche Grüße,
Wernercarlos

Allen “Matz-abbern” einen wunderschönen Feierabend.

17.49 Uhr