Tagesarchiv für den 4. März 2012

Manchmal dauert die Entwicklung . . .

4. März 2012

„Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“

Jetzt werden sie alle wieder auf Paolo Guerrero eindreschen, denn es hat sich ja noch nie einer derart vergessen, wie es der Peruaner nun – wieder einmal – tat. Noch nie. Wie konnte er nur, der Guerrero – und wir wussten es ja schon lange, was für ein schlechter Kerl das ist . . . Ich will das gar nicht entschuldigen, was Guerrero tat, das war ein fieser Tritt, ein ganz übles Foul, und das gehört auch bestraft. Keine Frage. Aber wer spricht denn das Urteil über den Sünder? Sind es die Fans, die Medien – oder doch eher das DFB-Sportgericht? Lasst es doch einzig und allein die Herren Richter entscheiden, die wissen bestimmt, was sie zu tun und zu lassen haben. Aber bis zu dieser Entscheidung ist Guerrero ganz sicher schon einige Mal bis ans Ende seiner Karriere gesperrt und aus dem Verkehr gezogen worden. Da ist das, was „Sport-1“-Experte und Ex-Nationalspieler Thomas Strunz heute im „Doppelpass“ gefordert hat, noch harmlos: „Ich würde Paolo Guerrero bis zum Saisonende sperren.“ Ende der Durchsage.

Ich würde jetzt am liebsten sofort zum sportlichen Geschehen kommen, aber es haben sich ja schon so viele Leute zum Fall Guerrero geäußert, da muss ich meiner Chronisten-Pflicht wohl doch nachkommen.

Marcell Jansen sagte im ZDF zum Guerrero-Tritt: „Das war doof.“ Und Jansen sagte zum „Fall Guerrero“ auf Sport 1: „So brauche ich kein Zeichen zu setzen. Ich kann Zeichen setzen, indem ich vorne die Abwehr unter Druck setze, aber nicht an der Eckfahne – das ist einfach Schwachsinn. Aber das zeigt den heutigen Tag irgendwo.“

Toll. Da spielt der ehemalige Nationalspieler Jansen, der trotz seiner Größe kaum ein Kopfballduell gewinnt, schon seit Wochen in bestechender Form, und dann noch so etwas. Das würde mir als Mitspieler wirklich außerordentlich gut gefallen. Der Mann wäre, wenn ich Mitspieler von ihm wäre, ab sofort mein bester Kumpel im Team. Wenn er es nicht vorher schon war . . .

Immerhin relativierte Dortmunds Meistertrainer Jürgen Klopp die Aussagen von Jansen mit einiger Milde: „Das war der Frust bei Marcell Jansen.“ Klopp weiter: „Wenn du deinen Frust, wie es Guerrero tat, so in den Mittelpunkt stellst, dass dir deine ganze Mannschaft total egal ist, dann musst du so hart kritisiert werden, wie es Jansen getan hat.“ Dann befand der BVB-Coach auch noch: „Es hätte ja auch so kommen können: Guererro beendet seinen Frust, und Sven Ulreich beendet seine Karriere – das muss man sich mal vorstellen. Das ist Wahnsinn. Da muss jetzt mal eine richtige Strafe her.“

Mir gefiel da schon eher, was HSV-Kapitän Heiko Westermann sage: „Paolo schädigt nicht nur sich, sondern die ganze Mannschaft.“ Das stimmt auffällig genau. Westermann sagte, ganz nebenbei, auch noch zum sportlichen Desaster, zur 0:4-Blamage gegen den VfB Stuttgart (der zum ersten Mal seit dem 10. September 2011 wieder in der Fremde siegte): „So können wir nicht mal in der Zweiten Liga bestehen.“ Stimmt auch. Und zwar haargenau.

Übeltäter Paolo Guerrero stellte sich übrigens nach dem Spiel, stellte sich auch noch einmal heute und sagte: „Ich kann nicht sagen, dass ich den Ball spielen wollte. Ich habe erst gedacht, dass ich den Ball noch erreiche, dann bekam ich ihn nicht mehr, ich war frustriert nach dem 0:3-Rückstand, und dann – ja, Scheiße für die Mannschaft. Ich entschuldige mich bei meiner Mannschaft und bei den Zuschauern.“

Wobei einige Fans dieses Foul ja noch lustig fanden. Leute, die dort in der Ecke standen, wo das Foul geschah, die jubelten noch . . . „Das war widerlich“, sagte mir ein „Matz-abber“, der dort sitzt, total entsetzt nach dem Schlusspfiff.

Lasst mich bitte, und wenn ich dafür vernichtet werde, noch einmal sagen, dass ich Paolo Guerrero für einen netten, höflichen, zurückhaltenden und auch für einen absolut schüchternen Menschen halte. Ein Vorbild für die Jugend, so wie er es wohl gerne mal sein möchte, wird er wohl nie werden, aber: Wer jemals Auge in Auge mit Guerrero sprach, der wird wissen, wovon ich spreche. Eigentlich könnte Paolo im Privatleben keinem Menschen etwas Böses tun, aber auf dem Sportplatz ist das etwas anders gelagert. Da flippt und rastet er schon mal aus – wie vielem viele andere Fußballer auch schon mal. Auch ich. Auch Rafael van der Vaart. Ihr erinnert euch? 2. Dezember 2006, der HSV verlor beim VfL Bochum 1:2. Und der gute „Raffaello“ trat Mitte der zweiten Halbzeit, weil nichts lief (für ihn und den HSV), einen Bochumer böse um. Der „Saubermann“ van der Vaart, der „Gut-Mensch“ van der Vaart – und das ist mein Ernst. Van der Vaart konnte doch auch keinem Menschen etwas antun – aber auf dem Platz? Da ging das schon mal zur Probe . . . Alles irgendwie menschlich, alles auch schon tausendfach und mehr im Sport (nicht nur im Fußball) vorgekommen.
Wobei ich mich ehrlich freue, dass dem VfB-Torwart Ulreich nichts passiert ist.

Gefreut habe ich mich zudem über Stport-1-Chefreporter Thomas Hermann, der auch etwas Entlastendes für Guerrero fand: „Er ist als Vereinsspieler vorher noch nie vom Platz gestellt worden, das war nun sein erster Feldverweis.“ Also können diverse Vorstrafen ja auch keine Rolle bei der Verurteilung spielen. Vom Flaschenwurf einmal abgesehen.

Schlusswort von Thorsten Fink: „Paolo schadet uns natürlich, auch weil er in Topform war.“ Dem Foulspieler droht nun auch eine saftige Geldstrafe – vom HSV.

So, Themenwechsel. Fußball. Oder was wir für Fußball halten.

Als ich abends nach Hause kam, sah ich noch Dortmund gegen Mainz 05 (2:1). Während des Spiels bekam ich eine SMS von „uns Lotto“. Karl König oder auch Lotto King Karl. Das machen wir häufig, das geht dann den ganzen Abend so (während des Fußballspiels). Lotto will damit nichts, aber auch absolut nichts gegen den HSV sagen und gesagt haben, wir machen uns nur gegenseitig Gedanken zu dem jeweiligen Spiel, das wir gerade sehen. Letzte Woche, nur ein Beispiel, fragte er mich per SMS bei Augsburg gegen Hertha: „Sag mal, muss der Preetz jetzt nicht mal so langsam wieder über einen neuen Trainer nachdenken . . ?“ Die Hertha hatte gerade Otto Rehhagel verpflichte. Diesmal schrieb mir der Kult-Sänger: „Sag mal, was ist das eigentlich für eine Sportart, die Dortmund und Mainz 05 da gerade ausüben? So ähnlich wie Fußball, aber viel schneller und mit dreimal so vielen Leuten und gleich zwei Bällen. Außerdem rennen die da alle wie die Verrückten. Finde ich ganz interessant, ich könnte mir vorstellen, dass sich das als Nischensportart durchsetzen könnte . . .“

In der Tat. Aber, um Lotto kurz noch aufzuklären (er weiß es natürlich, ein Scherz): das war tatsächlich Bundesliga-Fußball. Auch wenn einem das wie Fußball von einem anderen Stern vorgekommen sein musste. Welch ein Kontrastprogramm. Hier die Dortmunder 90 Minuten lang im Sprinttempo, dort die HSV-Profis, die sich träge, uninspiriert und zudem ohne jede Leidenschaft über den Platz schleppen, die den Ball mehr oder weniger lustlos quer und zurück spielen, als auf ein Tor aus zu sein. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Wie aber kann man als HSV-Trainer da den Schalter noch umlegen? Zumal während einer laufenden Saison? Das geht nicht. Aber jeder Hamburger Spieler sollte sich, ganz allein und im Stillen, noch einmal das Spiel BVB – Mainz 05 reinziehen, dann rot anlaufen, innerlich zu Kreuze kriechen und dann schwören: „Ab morgen versuche ich auch, einen solchen Tempo-Fußball zu spielen. Ich werde rennen, laufen, sprinten, kämpfen und nebenbei noch ein wenig Fußball spielen. Ja, das werde ich.“

Und wer dazu doch noch ein Vorbild benötigt: Kevin Großkreutz. Der rast nach vorne, gibt keinen Ball verloren, und wenn der Gegner den Ball hat, dann rast er natürlich wieder im Höchsttempo zurück.
Ohne Pause! Ohne Pause! Ohne Pause! Wirklich ohne Pause! Und dann könnt ihr, liebe „Matz-abber“, noch einmal die Partie HSV gegen den VfB Stuttgart ansehen. Das kann man ja heute ohne wenn und aber. Und ihr werdet sehen, wie viele Hamburger Jungs sich da doch hin und wieder und immer wieder eine kleine Fünf-Minuten-Pause gönnen. Weil man sich ja sonst nichts gönnt.

Zu diesem Thema sagte Thorsten Fink am Sonnabend – na ja, nicht ganz zu diesem Thema, aber es passt in diese Richtung: „Manchmal dauert die Entwicklung einer Mannschaft Monate, wenn nicht ein Jahr.“

Stimmt auch wieder. Dortmund hat es bewiesen. Da ging es auch nicht über Nacht. Das macht mir Hoffnung. Ich glaube nämlich, dass die Herren beim HSV, also die Verantwortlichen, ja lange erkannt haben, wo die Unterschiede im Fußball liegen. Die Unterschiede zwischen dem HSV und anderen Mannschaften. Das ist ja kein Problem, das nur Thorsten Fink gepachtet hat, dieses Problem gibt es ja schon seit vielen, vielen Jahren. Manchmal hätte man den Gedanken haben können (nach dem 1:1 gegen die Bayern, nach dem 1:1 gegen Mönchengladbach zum Beispiel), dass doch alles gut wird, aber dann gibt es doch wieder solche Pleiten, oder so etwas wie am Sonnabend, einen fußballerischen Offenbarungseid. Weil die Herren Profis vergessen haben, ihr Herz mit auf den Rasen zu nehmen.

Was mich zudem am Sonnabend nach dem Debakel beschäftigte: Thorsten Fink ging mit dem Schlusspfiff zu seinen Spielern auf den Rasen und tätschelte jeden kurz. Wieso, fragte ich mich. Wollte er sich für dieses Spiel, diese Vorstellung bei jedem bedanken? Kann sein. Irgendwann aber kam mir die Idee, dass Fink seine Jungs nur schützen wollte. Vor den Fans, die wütend pfiffen, als ihnen von den auf sie zukommenden HSV-Profis applaudiert wurde. Wobei ich mich diesem Applaus durchaus anschließen möchte, denn besonders die Fans im Norden (Nord-Westen) hielten 90 Minuten tapfer durch, sangen eisern ihre Lieder.
Tapfer, tapfer war das. Und ich fragte mich schon während des Spiels, wie es wohl wäre, wenn diese Fans nun auch noch schweigen würden, wenn sie auch noch pfeifen würden? Das wäre schon eine absolute Weltuntergangsstimmung.
Deswegen danke ich jedem HSV-Fan, der auch nach einem 0:3-Rückstand noch singt und gute Stimmung verbreitet. Was wäre das sonst für ein Fußballspiel geworden?

Kurz noch zu den beiden Elfmetern für die Stuttgarter. Im Stadion hätte ich sie, nachdem ich sie im Fernsehen gleich mehrfach gesehen hatte, auch gegeben. Heute aber, beim „Doppelpass“, sah ich diese Strafstöße doch aus einer etwas anderen Sicht. Auch wohl deswegen, weil die meisten Experten, die in der Runden saßen, in etwas äußerten: „Den ersten Elfmeter kann man geben, muss man aber nicht. Und den zweiten kann man nicht geben.“
Anhand dieser Einschätzungen kann man vielleicht, wenn man sich den Strafstößen neutral nähert, erahnen, wie schwer es ein Schiedsrichter (immer wieder) hat. Deswegen will ich Peter Sippel auch nicht mal im Ansatz kritisieren. Er hat das auch immer geschickt (ob gewollt oder ungewollt) gemacht, indem er nicht in Hektik verfiel. Er stand da wie in Stein gemeißelt, zeigte langsam mit ausgestrecktem Arm in Richtung Fünfmeterraum, sodass man denken konnte: alles klar, Abstoß oder so. Sippel stand und stand, er stand immer noch und ging dann ganz langsam in Richtung Punkt. Elfmeterpunkt. Und allmählich dämmerte es einem: Strafstoß.

Blieben deswegen die Proteste der HSV-Spieler aus? Okay, Jaroslav Drobny reklamierte bei Elfmeter Nummer zwei ein wenig heftiger, aber sonst? Still ruht der See. Ich habe abends noch gesagt: „Der HSV hätte acht Elfmeter gegen sich bekommen können, und niemand hätte Einspruch erhoben.“ Tags darauf war das auch ein Thema im Sport-1-„Doppelpass“. Und BVB-Coach Jürgen Klopp sagte: „Im Spiel haben sich die HSV-Spieler nicht aufgeregt, das kann ja sein. Ich habe das Spiel nicht gesehen, aber es kann ja auch damit zusammenhängen, dass das ein einigermaßen lebloser Auftritt des HSV an diesem Tag komplett gewesen ist. Aber hinterher waren ja auch nicht die Elfmeter das Thema. Da hat Guerrero dann seinem Freund Rajkovic ein wenig geholfen . . .“

Im Prinzip aber war es ja auch egal, ob nun zwei Elfmeter – oder keiner. An diesem Tag hätte der HSV ohnehin verloren, denn er schoss ja so gut (oder so schlecht) wie nie auf das VfB-Tor. Und ohne Torschüsse konnte man nur darauf hoffen, dass die Stuttgarter es selbst machen, aber das wollten die diesmal partout nicht.

Es passte zu diesem wunderschönen Tag, dass ich erst nicht senden konnte (Laptop eingefroren), und dann Hermann Rieger von seiner „treuen Riege“ allein im Wald zurückgelassen wurde. Der Bus war weg. Oder wech. W e c h. Die „so treue Riege“ hat nicht auf ihren Mann gewartet. Weil sich „Hermann the german“ verspätet hatte. Also Abfahrt. Hätte der gute Ernst Happel (selig) auch so gemacht. Zumal nach einem 0:4 des HSV.

Der gute Hermann nahm alle Schuld auf sich. „Sie haben mich nicht vergessen, sie haben nur nicht mehr auf mich gewartet, und dafür habe ich Verständnis. Ich kam aus dem Stadion, da standen so viele Fans und wollten Autogramme, also habe ich geschrieben. Meine Schuld. Ich hätte früher zum Bus gehen müssen, oder schneller schreiben müssen, ganz einfach. Nein, nein, ich habe meinen Anteil daran, ganz klar. Obwohl es sich nur um acht bis zehn Minuten gehandelt hat.“
Es war wohl auch ein wenig Frust dabei, dass nicht auf Hermann gewartet wurde. Selbst dafür hat er Verständnis: „Wenn sie frustriert waren, dann verstehe ich das auch.“ Hermann Rieger ist trotz allem nach Alfstedt gekommen, war um Mitternacht da. Ein Freund, der im Stadion gewesen war, rief den Kult-Masseur an und wollte seine Meinung zu diesem Gekicke erfahren, da stand Hermann noch allein im Wald. Als der Freund davon Wind bekam, drehte er, fuhr von der Autobahn wieder zurück in den Volkspark – und lud Hermann ein. Große Aktion! Danke. Ende gut, alles gut.

Mal abgesehen von der Horror-Darbietung am Nachmittag natürlich. Immerhin hat Sportchef Frank Arnesen dazu Klartext gesprochen und nichts beschönigt. Der Däne sagte: „Diese Leistung reicht nicht.“ Und: „So geht Bundesliga nicht.“ Stimmt auch.
Nebenbei: HSV-Konkurrent (wer es noch nicht weiß – nachher wird auch das noch bejubelt wie der Hertha-Sieg!?) Nürnberg bezwang Mönchengladbach 1:0. Und wenn der HSV am Sonntag auf Schalke verlieren sollte, dann dürfte es mit einem Male, urplötzlich und auch mir nichts, dir nichts, wieder ganz, ganz eng werden – da unten. Dann droht der Abstiegskampf. Wobei das Wort allein ja schon alles beinhaltet: Abstieg und Kampf!
Kampf, ihr Helden vom HSV, jetzt ist Kampf gefragt und angesagt.

Wie sagte noch Heiko Westermann nach diesem Stuttgart-Dilemma: „Wenn man einen schlechten Tag hat, dann muss man wenigstens Leidenschaft zeigen. Das war nicht akzeptabel.“ Stimmt natürlich auch wieder.

Zum Thema Westermann erhielt ich übrigens eine interessante Mail.


Sehr geehrter Herr Matz,

ich appelliere an Ihre Journalistenehre.
Bitte tun Sie etwas gegen die permanente Dauerbeschallung durch Heiko Westermann.
Schon David Jarolim hatte als Kapitän oft den Mund zu voll genommen vor bevorstehenden Spielen. Großspurige Ankündigungen verlauten lassen. Und so weiter usw…
Darüber bin ich heilfroh, war ich heilfroh, dass er nach seiner Degradierung weniger zu den Medien sprach und vor Allem weniger überheblich.
Nun also H.Westermann.
Vor dem Spiel in Bremen. Vollmundigste Sätze. Und einen Megabock dazu. Jetzt gegen Stuttgart schon wieder. Und auch sonst gibt es genügend Beispiele.
Warum kann dieser Typ nicht einfach mal seinen Mund halten. Sich Drobny als Beispiel nehmen. Leistung bringen und nicht ständig dem Hamburger Medienwald Sätze wie diesen hier “…Wir haben individuell die bessere Mannschaft als die Stuttgarter.” in die Feder zu diktieren.

TUN SIE MIR UND BESTIMMT EINER GANZEN MENGE ANDERER FANS DEN GEFALLEN, DIE AKTE WESTERMANN MAL RICHTIG ANZUPACKEN.

Ich danke Ihnen.

Wenn ich einmal antworten darf: Heiko Westermann macht seinen Mund nicht auf, weil er es will. Ginge es nach ihm, würde er wahrscheinlich auch so schweigen, wie Jaroslav Drobny. Aber Westermann ist HSV-Kapitän, und deswegen ist er gefragt, wird er auch immer gefragt. Wenn er nichts mehr sagt, alle anderen auch den Mund halten, dann sind vielleicht einige Fans beruhigt, aber die Medien funktionierten nicht mehr. Es ist das alte Gesetz, was auch im Fußball, vornehmlich im Profi-Fußball Anwendung findet: alles ist ein Geben und Nehmen.
Es ist richtig bemerkt worden: Vor Westermann war David Jarolim Kapitän, auch der sagte stets etwas zum nächsten Spiel – weil das auch ein wenig zu diesem Amt gehört. Heiko Westermann ist, das kann ich allen besorgten HSV-Fans versichern, ganz bestimmt keine Plaudertasche, die von sich aus redet, redet, redet und redet. Deswegen möchte ich ihn hier einmal ausdrücklich in Schutz nehmen – verurteilt ihn nicht, es gehört schlicht zum Profi-Geschäft. Der nächste Kapitän kommt bestimmt, und auch ihm wird es nicht anders ergehen.

So, einige kleine Dinge am Rande:

Am Montag ist trainingsfrei.

Am Dienstag fliegt Frank Arnesen nach London, um mit dem FC Chelsea über Jeffrey Bruma zu sprechen und zu verhandeln. Der Niederländer müsste eventuell, wenn Chelsea es wollte, zurück nach England. Und bei der Gelegenheit will Arnesen auch noch einmal in die Talente-Kiste des FC Chelsea blicken, vielleicht gibt es dort ja noch den einen oder anderen Sala, Töre oder Bruma für den HSV.

Bei diesem Thema: Rene Adler ist immer noch nicht verpflichtet. Es wird auch noch dauern, obwohl es nur einige „Kleinigkeiten“ sind, die noch geregelt werden müssen. Eine große Kleinigkeit soll dabei sein, dass der frühere Nationaltorwart eine Ausstiegsklausel im Vertrag haben möchte, die es ihm erlaubt, nach bereits einem Jahr gegen ein entsprechendes Entgeld (eines anderen Klubs), den HSV wieder verlassen zu können. Das möchte der HSV (noch) nicht so sehr.

Und noch einmal ganz kurz Stuttgart: Der HSV gewann – immerhin – 54 Prozent der Zweikämpfe. Und hatte 51:49 Prozent Ballkontakt. Fouls aber wie folgt: 17:28. Wieder einmal verloren. Drei Gelbe für den VfB wegen Foulspiels, eine für den HSV (David Jarolim). Und einmal Rot für den HSV, ist schon klar.

Kleine Hiobsbotschaft noch vom Vormittag: Da verletzte sich Tolgay Arslan wieder am Knöchel. Der Mittelfeldspieler musste mit dick bandagiertem Fuß in die Kabine, am Montag soll eine Kernspintomografie Aufschluss über die Schwere der Verletzung geben.

Einen schönen Rest-Sonntag noch für euch.

18.07 Uhr