Tagesarchiv für den 3. März 2012

Grausames 0:4-Debakel gegen den VfB

3. März 2012

Der Blick geht wieder in Richtung Tabellenende. In Hamburg jedenfalls. Im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart sollte es vor 55 263 Zuschauern endlich den ersten Heimsieg im Jahre 20121 geben, aber es gab ein Debakel für den HSV. 0:4 hieß es am Ende, den Endstand besiegelte der Hamburger Martin Harnik in der Schlussminute, der einst bei Vier- und Marschlande mit dem Fußball begonnen hatte. Der HSV enttäuschte auf der ganzen Linie, bot nur noch Zweitliga-Fußball vom untersten Niveau und dürfte so vor ganz schweren Wochen stehen. Zumal im Abstiegskampf auf Paolo Guerrero verzichtet werden muss, der nach einem ganz, ganz bösen Tritt die Rote Karte gesehen hat und nun ganz sicher lange fehlen wird. Das werden fürchterlich harte Wochen für den HSV, bei dem am Ende nur Torwart Jaroslav Drobny gelobt und gefeiert wurde. Der große Franz Beckenbauer hatte es vor Monaten schon einmal gesagt: „Diesem HSV kann nur der liebe Gott helfen, aber kein Trainer . . .“ Hoffentlich hat Trainer Thorsten Fink auch in Zukunft die Zügel fest im Griff, es ist ihm zu wünschen, denn sonst könnte diese Saison noch ganz übel für den HSV verlaufen. So, wie diese Mannschaft an diesem Sonnabend gespielt beziehungsweise nicht gespielt hat.
Hilf, lieber Fußball-Gott, hilf! Bitte.

„Wir wollen nach vorne spielen, wir wollen Tore schießen.“ Hat Heiko Westermann vorher ja verkündet. Aber reden kann man viel, umsetzen ist die andere Sache. Das, was der HSV in Halbzeit eins gegen den VfB Stuttgart angeboten hat, war das berühmt-berüchtigte „Fünf-gegen-zwei“-Spiel. Erschütternd. Wirklich katastrophal. Ein Armutszeugnis. Nach vorne ging nichts, und hinten gab es mehr Löcher als es die im Schweizer Käse gibt. Solche Tage gibt es im Fußball zwar immer wieder, aber warum hat sie der HSV immer im Volkspark? Das ist doch grausam, was sich hier abspielt.
Und es kann nicht daran gelegen haben, dass Dennis Aogo kurz vor dem Anpfiff wegen einer Wadenverhärtung passen musste. Für den Nationalverteidiger rückte Marcell Jansen nach hinten, Ivo Ilicevic spielte links, Jacopo Sala kam (doch wieder) ins Team und nahm seine Position rechts ein.

Wie gesagt, daran lag es nicht. Das Spiel begann langweilig, beide Teams kickten brav und bieder ihren Stiefel herunter. Schon diese Anfangsphase war schlecht, so dass sich viele Zuschauer fragten: „Wann beginnt das Hauptspiel?“ Die Stuttgarter bemerkten dann aber immerhin, wie harmlos diese HSV-Mannschaft ist – und dann kam der VfB. Begünstigt durch einen Fehler von Sala, der einen Schwaben anköpfte, die Defensive stand in diesem Moment unsortiert, Ibisevic tanzte den schwachen Slobodan Rajkovic aus und schob den Ball zum 0:1 ein. Das war in der 23. Minute. Zuvor hätte der VfB schon in Führung gehen müssen, aber Hajnal ist eben kein Kopfball-Riese – er köpfte die Kugel aus sechs Metern unbedrängt und total unplatziert auf das HSV-Gehäuse, sodass Jaroslav Drobny noch zur Ecke klären konnte (10.).

Das hätte ein Weckruf sein müssen, aber der HSV ignorierte diese Chance. Auch die folgende. Rajkovic rutschte aus, Harnik lief allein auf Drobny zu – doch der HSV-Keeper rettete großartig (28.).

Auch die ersten Pfiffe des HSV-Anhangs hatten keine weckende Wirkung. Die Zuschauer pfiffen beim Rückpass von Tomas Rincon auf Drobny – es war aber tatsächlich so hilflos, wie das alles aussah. Und die Stuttgarter nutzten es aus. Der völlig neben der Spur spielende Rajkovic foulte im Kopfballduell den kleinen Japaner Okazaki – Elfmeter. Kuzmanovic verwandelte – 0:2 (31.). Die Vorentscheidung. Wer glaubte bei diesem harmlosen Auftritt noch an eine Wende? Nur noch die allergrößten Optimisten. Aber die werden in diesen Tagen immer weniger. Bei einem Blick auf die West-Tribüne erkannte man viele, viele Lücken. Es werden immer mehr. Wobei ich gehört habe, dass etliche Dauerkarten-Besitzer schon nicht mehr den Gang in den Volkspark antreten . . .

In der 44. Minute schoss der HSV dann tatsächlich doch einmal auf das VfB-Tor. Es war ein 22-Meter-Freistoß, geschossen von Mladen Petric, mühelos gehalten von Torwart Ulreich. Und mit dem Pausenpfiff folgte der zweite Torschuss – es war aber nur ein harmloser Roller von Guerrero. Immerhin musste Ulreich einmal zu Boden . . .

Bereits in der 41. Minute hatte Thorsten Fink ausgewechselt, er schickte Tolgay Arslan für den neben sich stehenden Tomas Rincon auf den Rasen, zur zweiten Halbzeit kam dann Heung Min Son für Jacopo Sala. Gebracht hat es nichts, denn das Spiel änderte sich nicht mehr. Im Gegenteil. Als Rajkovic den durchlaufenden Harnik im Strafraum straucheln ließ, gab es Elfmeter Nummer zwei für den VfB. Kuzmanovic nutzte die erneute Chance eiskalt – 0:3 (47.). Welch ein bombiger Start in die zweite Halbzeit . . .

Aber der eigentliche „Höhepunkt“ sollte noch folgen. In der 54. Minute drehte Paolo Guerrero durch. Er lief hinter dem Ball und Torwart Ulreich her, und als der Ball an der Eckfahne bereits im Aus war, trat der Peruaner den Keeper brutal von hinten in die Wade – Rot. Ein glatte und so etwas von verdiente Rote Karte. Dieser Platzverweis wird Guerrero lange, mindestens vier, fünf Spiele zum Zuschauen verurteilen.

Mit nur noch zehn Spielern wehrte sich der HSV zwar noch achtbar, aber natürlich gab es keine Wende mehr. In diesem Spiel war von Beginn an der Wurm drin, daran konnte kein Hamburger mehr etwas ändern.

Die Einzelkritik:

Jaroslav Drobny hielt, was zu halten war – an ihm lag diese Niederlage gewiss nicht, er war für mich noch der beste Hamburger.

Dennis Diekmeier war noch ganz okay, Heiko Westermann eine Stütze, Slobodan Rajkovic ein Ausfall, Marcell Jansen kein guter Aogo-Vertreter, auch wenn er gelegentlich auch Szenen hatte, die man als brauchbar bezeichnen konnte.

David Jarolim kämpfte, gab nie auf, er wollte – aber fand wenig Verständnis bei seinen Nebenleuten. Bitter für den HSV: „Jaro“ sah seine fünfte Gelbe Karte und wird beim Spiel auf Schalke eine Pause einlegen müssen.

Tomas Rincon war ganz einfach nicht da, suchte sein Spiel fand es aber nie. Das war ganz schwach, er wollte und versuchte ein Spielmacher zu sein, aber alles war nur fürchterlich daneben.

Jacopo Sala arbeitete viel, aber fußballerisch misslang ihm das meiste, nur einen guten Hackentrick hatten die Zuschauer zu beklatschen. Der junge Mann braucht dringend eine Pause. Links versuchte sich Ivo Ilicevic, aber der ehemalige Lauterer wirkt immer noch wie ein Fremdkörper in dieser Mannschaft. Schade, bei seinem Talent.

Mladen Petric war nur bei Freistöße und einem Kopfball, der knapp sein Ziel verfehlte, zu sehen – das war viiiiiiiieeeeel zu wenig. Und Guerrero? Er wollte, er wehrte sich, er gab nie auf – bis zu seinem üblen Tritt. Da hätte er sich besser in der Gewalt haben müssen, aber wahrscheinlich ging in dieses ganze Gekicke seiner Kollegen dermaßen auf den Geist, dass er die Nerven verlor.
Immerhin: Beim Abgang des Peruaners klopfte ihm Trainer Fink noch kurz auf die Schulter – eine gute und auch versöhnliche Geste.

Die eingewechselten Arslan und Son, waren bemüht, konnten aber nicht mehr bewirken. Arslan hatte noch die etwas besseren Szenen.

Was auffällig war in und an diesem Spiel: Der HSV ging brav und in sein Schicksal ergeben unter. Es gab nicht einen, der die Kollegen weckte, motivierte, der sie mitreißen wollte. Das war wie in einer Schüler-Mannschaft. Während sich die Stuttgarter einige Gelbe Karten abholten, setzte auf Hamburger Seite keiner ein Zeichen (vielleicht noch Jarolim). So naiv spielt man, wenn es nicht um dringend benötigte Punkte geht – aber nun muss dieser schwache HSV wieder einmal vermehrt nach unten blicken. Leider.

PS: Mein Laptop war “eingefroren”, ich konnte lange Zeit nicht senden, kam nicht mal rein ins Netz. Sorry. Aber solche Tage gibt es . . . Wir hatten es gerade erlebt.

17.47 Uhr