Tagesarchiv für den 2. März 2012

Westermann: “Wir haben gelernt . . .”

2. März 2012

„Wir sind gut vorbereitet, wir sind gut drauf – deswegen wollen wir natürlich den ersten Heimsieg 2012 einfahren“, sagt Heiko Westermann vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart. Das übrigens von Peter Sippel geleitet wird, denn er ging eben an mir auf dem Flughafen Fuhlsbüttel vorbei. Ich war da, weil ich meinen Sohn, der in Japan war, abgeholt habe – deswegen die kleine Pause. Zu der gesellten sich 26 Minuten Flug-Verspätung und zehn Minuten „Kofferdurchwühlen“ (Zoll). Aber warum soll es auch glatt laufen, wo es doch schon nach dem Training diese unsäglichen 20 Kilometer Stau gegeben hatte. Egal, zurück zum Fußball. Der Kapitän hat heute gesprochen. Und dabei auch erklärt, wie die Schwaben besiegt werden könnten. Heiko Westermann: „Am besten wäre es wohl, wenn wir so zu Hause auftreten würden, wie wir auswärts auftreten. Mit der nötigen Geduld, warten bis der Gegner einen Fehler macht – und dann zuschlagen.“ Wie eine Schlange.

Das letzte Aufeinandertreffen mit dem VfB ging, wir erinnern uns alle, für den HSV verloren. Eine schmerzliche Niederlage, denn der HSV war deutlich die bessere Mannschaft, in diesem Pokalspiel, doch die besten Chancen wurden vergeben. Auch das ist sicher ein Grund, warum der HSV an diesem Sonnabend alles geben wird, denn das Pokal-Aus tut noch immer weh.

„Wir sind, so denke ich, individuell die bessere Mannschaft, und wir haben noch etwas gut zu machen. Und wir könnten ja mit einem Sieg die Stuttgarter hinter uns lassen.“

Ähnlich sah das aber auch schon vor dem Werder-Spiel aus. Und das ging mit 1:3 in die Hose, weil der HSV stürmte, nach vorne spielte, in der gegnerischen Hälfte die Bälle verlor – und ausgekontert wurde. Jetzt weiß jeder HSV-Spieler, wie es nicht gehen kann, daraus müssen die entsprechenden Lehren gezogen werden. Westermann: „Wir müssen uns nicht so viele Gedanken machen, wir müssen einfach Fußball spielen. So, wie wir es in der zweiten Halbzeit beim 1:1 gegen Mönchengladbach gemacht haben. Ich glaube, dass Stuttgart hier nicht das Spiel machen wird, sie werden auf Konter lauern, deswegen ist es für uns umso wichtiger, dass wir den Ball halten, den nicht herschenken. Das müssen wir über die gesamten 90 Minuten machen, und dann werden wir am Ende auch der Sieger sein.“

Das von mir noch einmal erwähnte Bremen-Spiel ist ja schon längst aufgearbeitet worden, schon vor dem 1:1 in Gladbach. Und genau dieses Spiel sollte Mut machen, zeigt es doch auch, wie es geht. Westermann: „Wenn wir den Ball verlieren sollten, dabei aber gut gestaffelt sind, dann ist es für eine gegnerische Mannschaft nicht einfach, uns auszuspielen. Gegen Bremen waren wir aber nicht gut gestaffelt. Da haben wir vorne den Ball verloren, und auf einer Seite waren drei Mann weg. Dann kann ein Spieler ungehindert mit dem Ball von hinten nach vorne laufen, da machen wir es dem Gegner zu einfach. Wenn wir aber gut gestaffelt stehen, dann haben wir weit, weit weniger Probleme in unserem Spiel, als gegen Dortmund und Bremen.“

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.

Heiko Westermann gehört zu den HSV-Spielern, die schon einige Erfahrungen in der Bundesliga gesammelt haben. Die Mehrzahl hat das nicht, und der Kapitän weiß: „Das ist natürlich auch eine Sache der Erfahrung. Gegen Bremen haben wir nach dem 0:1-Rückstand weiter gestürmt, das war ein Fehler. Wir wollten mehr, statt unser Spiel weiter durchzuziehen. Aus dieser Lektion haben wir aber gelernt.“ Er sagt aber auch: „Wir werden nicht nur den Ball halten, indem wir nur nach hinten spielen. Wir wollen schon nach vorne spielen und Tore machen. Und dabei werden uns die Fans schon unterstützen. Sie haben es immer getan, auch in jener Phase, die wir heute als sehr schwierige Zeit beurteilen – das muss ich sagen, das ist zu loben. Wir hatten vielleicht auch in dem einen oder anderen Spiel schon geglaubt, dass wir weiter wären, dass wir das ganz locker machen – aber dem war eben nicht so.“

Dennoch muss ja festgehalten werden, dass nicht nur die Fans immer gut waren, sondern auch die Mannschaft ihre Fortschritte gemacht hat. Und weiter machen wird. Davon ist auch Heiko Westermann überzeugt: „Die jungen Spieler machen alle eine Super-Entwicklung durch, und der Trainer macht das auch sehr gut, er redet mit allen, versucht ihnen zu vermitteln, wie es zu laufen hat.“ Genau das merkt man dem Spiel des HSV aber auch schon an. Selbst wenn der eine oder andere Kritiker davon nichts wissen will (weil er es nicht erkennen kann?).

Was mir an diesem HSV (von T. Fink) imponiert, zuletzt ganz besonders: In Mönchengladbach hat die Mannschaft schon in der gegnerischen Hälfte angegriffen. Pressing a la Happel? Sah auf jeden Fall ein wenig so aus. Und, so denke ich: Was bei der Spitzen-Mannschaft in Mönchengladbach geht, das muss doch erst recht daheim gegen den VfB Stuttgart gehen, oder?

„Wir werden unser Spiel nicht verändern, wir werden versuchen, Stuttgart zu pressen, wir werden vorne drauf gehen. Wir wollen unser Spiel durchziehen, das heißt, Ballbesitz, Ballkontrolle, schnell versuchen nach vorne zu spielen, gut gestaffelt in der Rückwärtsbewegung stehen.“

Dazu hoffe ich natürlich auch, dass die Standards endlich wieder einmal besser ausgeführt werden. Noch liegt der HSV in dieser Statistik mit an der Spitze (kürzlich noch die Nummer eins!), aber dennoch wurden viele Freistöße allzu leicht hergeschenkt. Meine Hoffnung in dieser Beziehung ist, dass Thorsten Fink seine Schützen noch einmal eindringlich einschwört, solche Chancen nicht leichtfertig zu vertun. Auch diese Möglichkeiten, durch Standards zu Toren zu kommen, können in ausgeglichenen Spielen den Unterschied ausmachen. Sollten und könnten sich die HSV-Spieler mal (wieder) drauf besinnen . . .

Und zudem bleibt zu hoffen, dass auch die Zuschauer bei diesem Geduld-Spiel „mitspielen“ werden – und die nötige Ruhe aufbringen. Es wäre im Sinne des HSV, denn die (einst so) prekäre Situation, so gut sie im Moment auch schon wieder aussehen mag, sie ist noch immer nicht restlos bereinigt. Zwei, drei Niederlagen in Folge, und schon würde der Abstiegskampf erneut entfacht sein. „Ich glaube aber, dass wenn wir erst einmal in Führung liegen, dass dann die Fans auch wie eine Mauer hinter uns stehen werden“, sagt Heiko Westermann.

Der Kapitän ist, ebenso wie David Jarolim und Dennis Aogo, mit der vierten Karte belastet, noch einmal Gelb (gegen den VfB) und schon müsste Westermann beim nächsten Spiel zusehen. Und das nächste Spiel geht gegen den FC Schalke 04 – da war doch was? Genau, aus Gelsenkirchen kam Heiko Westermann einst nach Hamburg. Wäre ganz schön, wenn Peter Sippel ganz ohne Gelb in dieser Partie auskommen könnte.

Nach dem heutigen Training führte Thorsten Fink übrigens noch ein kurzes (aber intensives) Einzelgespräch mit Mladen Petric. Ob es darum ging, welche Position der Kroate bekleiden wird? Wir Kollegen waren uns nicht ganz einig, wie es gehen soll: Petric und Guerrero vorne, oder nur Guerrero vorne und Petric als hängende Spitze, als verkappter „Zehner“ – oder „Neuneinhalber“? Abwarten.

Guerrero, ich schrieb es bereits vor einigen Stunden, wurde vom Trainer etwas früher in die Kabine geschickt – zum Zwecke der Schonung, „Ich bin nicht verletzt, auch nicht angeschlagen, der Trainer wollte mir einfach nur mal Ruhe gönnen“, sagte Paolo Guerrrero. Neben ihm ging Tomas Rincon. Er hatte ein Hosenbein bis weit nach oben gekrempelt. Dadurch wurde ein Souvenir von Xabi Alonso sichtbar – blutunterlaufene Striemen über dem linken Knie bis zum Oberschenkel, spanische Stollen lassen grüßen. Eine Erinnerung an das Länderspiel gegen den Weltmeister (der 5:0 gegen Venezuela gewann). Rincon aber ist wohlauf: „Ich werde spielen, habe ja jetzt noch zehn Stunden Schlaf vor mir – und die Verletzung wird mich auch nicht aufhalten, alles ist okay.“
So kennen wir ihn, den Herrn „Popeye“.

Noch drei kleine Dinge am Rande:

Der HSV hat am Mittwoch um 19 Uhr ein Testspiel beim SC Victoria Hamburg.

Und dann gab es da noch einen netten Beitrag vom „Schenefelder”:

Mahlzeit!
ich habe gerade im Keller ein altes Abendblatt-Jahrbuch gefunden: Über den HSV war 1989 folgendes zu lesen, was mich ein wenig an die heutigen Zeiten erinnert: Neues Team des HSV: Sportlich im Umbruch Vorfreude auf die Saison 1989/1990 war zu spüren: Der HSV ist endlich wieder in einerm großen internationalen Wettbewerb, dem UEFA-Cup, vertreten. Eine zusätzliche Chance für die junge Mannschaft, sich zu profilieren. Angesichts des dramatischen Zuschauerschwunds – der Schnitt bei Heimspielen betrug nur noch 15 114 – wurden die Ausgaben scharf kalkuliert. Nur noch auf 9,7 Millionen Mark ist der Saisonetat bemessen.
Eine logische Konsequenz der hohen Verbindlichkeiten. Sportlich bleibt abzuwarten, wie der HSV seinen Umbruch verkraftet. Mit Manfred Kaltz und Uwe Bein verlor er zwei Leistungsträger. Kaltz war nicht nur wegen seiner berühmten Bananenflanken der Fixpunkt des Spiels und Bein schoss 15 Tore, was ihm so leicht keiner nachmachen wird.

Die Hoffnungen ruhten für 1989/90 auf drei neuen Spielern, die für 3,2 Millionen Mark Ablöse geholt wurden: Michael Schröder kehrte aus Stuttgart in seine Heimat zurück, Armin Eck am vom FC Bayern München und Detlev Dammeier von Hannover 96. Eine Rechnung mit unbekannten Größen?

Der HSV hatte jedenfalls wieder einen UEFA-Cup-Platz im Visier. Dazu noch ein nettes Bild der Mannschaft mit Reimann als Trainer und Jupp Koitka und Richard Golz als Torleuten…!

Und zum Schluss in eigener (technischer) Sache:
Mein Sohn Andre, der Moderator, schrieb mir:


„Es wäre schön, wenn du an den Blog noch eine Nachricht von der Technik hängen könntest.

Seit heute funktioniert das Kommentarschreiben auch mit dem Facebook-Login. Das scheiterte am 15. Februar noch einer organisatorischen Hürde.
Kommentarschreiber können jetzt direkt mit ihrem Facebook-, Google- oder Hotmailaccount Kommentare schreiben und müssen sich nicht extra im Matz-ab-Blog registrieren. Für diese Kommentarschreiber funktioniert das Einrichten eines Fotos/Avatars über Gravatar ebenfalls. Beachtet dazu den Blogbeitrag vom
15. Februar, verlinkt in den Nutzerbedingungen.

So, das war es. Sorry für die kurze Unterbrechung (Verspätung), aber manchmal geht es nicht anders – solche Tage gibt es.

Hoffen wir alle auf ein schönes Spiel gegen den VfB Stuttgart – und endlich mal wieder einen Heimsieg.

Gute Nacht.

21.43 Uhr

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