Tagesarchiv für den 1. März 2012

Drobny zu Bayern – oder doch nicht? Und: Adler landet noch nicht…

1. März 2012

Adler ist im Anflug. Das war bekannt. Den bestandenen Medizincheck vorausgesetzt, wird der Noch-Bayer-Keeper in der neuen Saison und bis 2016 die neue Nummer eins des HSV. was aus Drobny wird? Der wechselt zum FC Bayern. Auch keine schlechte Lösung. Für ihn.

Das war die überraschende Nachricht am Donnerstag. Oder wechselt Drobny doch nicht zum FC Bayern? Eine Verpflichtung von Drobny ist beim deutschen Rekordmeister selbst – zumindest offiziell – kein Thema. „Das ist eine tolle Geschichte. Sie hat nur einen Haken, sie stimmt hinten und vorne nicht“, sagte Bayern-Pressechef Markus Hörwick auf einer Pressekonferenz in Köln. Dort befinden sich die Bayern-Profis schon seit heute, weil Trainer Jupp Heynckes den Nationalspielern vor dem Bundesligaspiel am Sonnabend in Leverkusen ein wenig Reisestress ersparen wollte. Immerhin sparen sie so einen Flug…

Allerdings, und das sind meine Informationen, ist das Thema Drobny deutlich aktueller als es Hörwick zugeben mag (kann/will?). Zwar gab es bislang noch keinerlei Kontakt zum Spieler selbst. Und auch ein Medizincheck wurde bislang noch nicht anberaumt geschweige denn absolviert. Allerdings wurde Drobnys Berater bereits von dem Interesse der Bayern informiert und die grundsätzliche Bereitschaft Drobnys abgefragt. Und der Tscheche, der bei seinem Amtsantritt in Hamburg 2010 ob der Konkurrenz mit Frank Rost im Tor klar gesagt hatte: „Ich komme nicht zum HSV, um als Nummer zwei zu spielen. Ich werde niemals irgendwo als Nummer zwei hingehen“, warf seine eigenen Vorsätze für den deutschen Rekordmeister über Bord. Wobei ihm das wirklich niemand verübeln kann, zumindest ich absolut nicht. Immerhin ist er die Nummer zwei bei einem Titelaspiranten auf allen Ebenen. Und nur eine Sperre oder eine Verletzung – die ich ihm nicht wünsche! – und Manuel Neuer würde durch Drobny ersetzt. Eine Chance, die Drobny, der in München zudem gut bezahlt würde, natürlich nutzen will.

Deshalb haben sich die Bayern trotz aller Dementis intensiv über Drobny informiert. Insbesondere Drobnys mehr als loyaler Umgang als Nummer zwei hinter Rost scheint den Bayern imponiert zu haben. Die Bayern wollen einen leistungsstarken Keeper in der Hinterhand haben, der sich ohne zu murren mit der Reservistenrolle abfindet. So wie Drobny damals hinter Rost. Und nachdem die bekannten Knieprobleme den Tschechen in dieser Saison noch zu keiner Pause zwangen, schien auch das gesundheitliche Risiko überschaubar. Dennoch, und das ist meiner Meinung nach auch der Hauptimpuls für Hörwicks klares Dementi, der Deal würde immer auch mit dem Medizincheck stehen und fallen. Und da selbst der noch nicht einmal in Sichtweite ist, dürfte eine Verpflichtung Drobnys ebenfalls noch in weiter Ferne sein. So weit, dass es bis dahin das Dementi zum Dementi des Dementis zum Dementi geben könnte. Getreu dem Motto eines berühmten deutschen Politikers: „Was stört mich mein Geschwätz von gestern?“, wird sich wahrscheinlich bis dahin niemand mehr an Hörwicks Worte erinnern/stören.

Erfahrungen damit hatte der HSV zuletzt ja häufiger. Ich erinnere mich da nur an Matthias Sammer, der ja schon hier war, um ganz zu bleiben und sich plötzlich einen Tag vor Ultimo daran erinnerte, dass er noch eine Frau und drei Kinder hat, die vielleicht ihr Veto einlegen könnten. Die taten das und Sammer wusste plötzlich nichts mehr von seiner Zusage an den HSV.

Aber gut, lassen wir das. Fakt ist: Drobny hat beim HSV noch einen laufenden Vertrag bis 2013 und René Adler soll kommen. Allerdings hängt auch der Transfer des ehemaligen Nationaltorwarts von Bayer Leverkusen zum HSV maßgeblich an der medizinischen Untersuchung. Die Ergebnisse liegen dem HSV vor, werden allerdings morgen noch mal Trainer Fink und dem dann wiederkehrenden Sportchef Frank Arnesen erläutert. Anschließend wollen beide zusammen mit dem Vorstand entscheiden, ob sie den Aufsichtsrat informieren, damit sich dieser zusammenfinden und über den Transfer abstimmen kann. Sollte dies alles geschehen und jeweils zugestimmt werden, ist klar, dass Drobny beim HSV nicht in die neue Saison gehen soll. Und damit würde sich ein Wechsel des Tschechen zum FC Bayern immer mehr konkretisieren. Es sei denn, die Bayern haben bis dahin einen anderen Nachfolger für die jetzige Nummer zwei, den Ex-HSV-Keeper Jörg Butt, gefunden. Dem Vernehmen nach soll Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger eine längere Kandidatenliste zusammengestellt haben – vorrangig mit Torhütern älteren Kalibers. Hierbei nimmt Drobny eine der oberen Positionen ein. Nicht mehr – aber eben auch nicht weniger.

Zurück zum HSV. Der hat am Sonnabend endlich wieder die Gelegenheit, seine schwache Heimbilanz zu verbessern. Erst zwei Siege in zwölf Heimspielen stehen zu Buche. Dazu gesellen sich fünf Remis und fünf Niederlagen. In diesem Jahr ist der HSV noch ohne Heimsieg. „Dabei muss man bedenken, dass Dortmund, Bayern und Bremen auch nicht die Spiele sind, wo man zwingend neun Punkte einplanen kann“, relativiert Fink, um dann aber doch zu sagen: „Aber ich bin mir sicher, dass das am Saisonende deutlich positiver sein wird. Daher gebe ich auf diese Statistik nichts. Allerdings müssen wir das schon am Sonnabend beweisen. Schon gegen den VfB Stuttgart.“

Wobei nach dem angekündigten Wechsel von Ivo Ilicevic für Jacopo Sala heute auch ein weiterer etwas überraschender Wechsel von Fink in Betracht gezogen wurde. „Tomas Rincon hat gegen Spanien 90 Minuten gespielt und wenig den Ball gesehen. Er musste schon eine ganze Menge hinterherlaufen“, so Fink, der sich Sorgen um den körperlichen Zustand des Venezolaners nach dem 0:4 gegen den Weltmeister macht. „Ich werde nur Spieler aufstellen, die bei 100 Prozent sind. Deshalb werde ich auch mit Tomas sprechen. Sollte er mir signalisieren, dass er bei diesen 100 Prozent ist, spielt er.“ Ansonsten müsste er umstellen, wobei Gojko Kacar (spielte nur zwei Minuten für Serbien) wohl die erste Alternative neben dem gesetzten David Jarolim auf der Doppel-Sechs wäre.

In der Abwehr wird es dagegen keine Umstellungen geben. Darauf legte sich Fink schon vor einem Gespräch mit Rajkovic fest, der ebenfalls für Serbien im Länderspieleinsatz war. „Ich will hinten nicht zu oft und zu viel wechseln“, sagt Fink, der dabei mit Weitblick agiert. Immerhin droht neben Dennis Aogo und David Jarolim auch dem zweiten Innenverteidiger, Abwehrchef Heiko Westermann, bei der nächsten Verwarnung ein Spiel Zwangspause. Dann müsste Fink gegen Schalke eh umbauen. Ergo: Rajkovic gegen Stuttgart raus und dann gegen Schalke wieder rein – sinnlos.

Sinnlos ist auch die Hoffnung, das Pokal-Aus komplett wiedergutmachen zu können. Denn mehr als drei Punkte gibt es am Sonnabend nicht. Allerdings wäre es schon ein Stück weit Genugtuung, nachdem man in Stuttgart im Dezember trotz einer wirklich guten Leistung mit etlichen Torchancen so bitter ausgeschieden war. „Wir sind an einem an dem Tag top aufgelegten Torwart gescheitert“, sagt Fink und Dennis Aogo ergänzt: „Wir können nicht mehr im Pokal weiterkommen und ärgern uns selbst am meisten über diese verpasste Riesenchance auf Europa. Aber wir können mit einem Sieg wenigstens unsere Fans wieder ein wenig glücklicher nach Hause schicken. Das allein ist Antrieb genug.“

Sein persönlicher Antrieb dürfte durch die durchwachsene Länderspielleistung vom Mittwoch sogar noch mal angefeuert worden sein. Immerhin konnte der smarte Linksverteidiger gegen Frankreich eher wenig Punkte im Hinblick auf die EM sammeln. Das weiß Aogo auch. „Ich werde sicher noch mehrere schwächere Spiele machen und daran nicht zerbrechen. Im Gegenteil. Ich habe gegen einen internationalen Top-Gegner wichtige Erfahrungen sammeln können und will mich jetzt über gute Leistungen beim HSV weiter empfehlen.“ Am Sonnabend gegen niemand geringeren als Martin Harnik. Gegen den in Hamburg aufgewachsenen Österreicher, der in den letzten vier Spielen sieben Mal traf. Allerdings für den VfB, weil ihm in seiner Jugendzeit beim SC Vier- und Marschlande leider kein HSV-Angebot unterbreitet wurde, wie er sagt. „Martin ist ein richtig Guter“, sagt Aogo, „ich habe ja auch schon ein paar mal gegen ihn gespielt. Wenn einer für Gefahr beim VfB sorgt, dann er“, lobt Aogo, um aber klarzustellen: „Ich werde mich dennoch nicht an ihm orientieren. Genauso wenig wie wir uns als Mannschaft am Gegner orientieren werden.“

Klingt gut. Und vor allem optimistisch. Ich bin es auch.

In diesem Sinne, bis morgen,
Scholle (18.55 Uhr)

P.S.: Bislang wurde noch keine Aufsichtsratssitzung anberaumt. Ich habe eben Chefkontrolleuer Otto Rieckhoff gefragt, ob noch für Freitag mit einer Sitzung zum Thema Rene Adler zu rechnen ist. Die Antwort des Aufsichtsratschefs: „Sie können sich sicher sein, dass das morgen nicht passieren wird.“ Demnach wird Adler auch morgen noch nicht verpflichtet. Und Drobny nicht verkauft…

P.P.S: Morgen wird nicht öffentlich trainiert.