Monatsarchiv für März 2012

1:0 gewonnen – Land in Sicht!

31. März 2012

Der HSV ist wieder über dem Strich – und kann doch noch gewinnen. Nach vier Niederlagen in Folge gab es im Abstiegs-Endspiel beim 1. FC Kaiserslautern einen knappen aber nicht unverdienten 1:0-Erfolg, den Marcell Jansen mit seinem Linksschuss in der 28. Minute sicherte. Dank des überragend haltenden Keepers Jaroslav Drobny konnte der HSV aber diesen so wichtigen Dreier sichern – der Tscheche war der überragende Mann. Glück für den HSV, dass in der 87. Minute kein Elfmeter gegen Hamburg gepfiffen wurde, als Gojko Kacar den Lauterer Wagner im Fünfmeterraum zu Fall brachte. Der HSV kann jetzt erst einmal wieder auf- und durchatmen, es ist wieder Land in Sicht. Aber geschafft ist es immer noch nicht, es folgen immer noch sechs Endspiele, denn die Konkurrenz schläft nicht, wie Freiburg, Mainz und Augsburg zeigen. Jetzt muss der HSV endlich einmal zu Hause nachlegen – gegen Leverkusen im Volkspark.


Von links: Bert Ehm, Lotto King Karl, Dieter Matz, Marcus Scholz

Es ging ja schon gut los: Heiko Westermann gewann die Seitenwahl gegen den Kollegen Tiffert. Ein gutes Omen? Mit Spaß und Lockerheit, so hatte es Marcus Berg vorher gesagt, sollte der Betzenberg gestürmt werden. Aber der Spaß war dem Schweden schnell vergangen, denn er hatte schon nach wenigen Sekunden eine blutende Kopfplatzwunde nach einem Duell mit Rodnei. Minutenlang musste Berg behandelt werden. Spaß und Lockerheit waren aber auch bei den Bergs HSV-Kollegen nicht vorhanden. Zu Beginn war es ein einziges Gewürge und Gestochere, wobei der Tabellenletzte etwas dynamischer wirkte als der HSV.
Die erste gute Tormöglichkeit hatten dann auch die roten Teufel. De Witt, der beim Hinspiel (1:1) sein erstes Bundesliga-Tor erzielen durfte und konnte, marschierte nach einem Abstoß mit dem Ball am Fuß bis 18 Meter vor das HSV-Tor, ein Schuss, Michael Mancienne stellte sich in den Weg und fälschte den Ball ab – das 1:0 schien unvermeidbar. Jaroslav Drobny aber hielt weltmeisterlich – eine Super-Parade, der Tscheche lenkte den fast unhaltbaren Ball gerade noch über die Torlatte. „Drobo“ Drobny – Fußballgott. (11.).
Nach einer Viertelstunde schien sich der HSV gefangen zu haben, es wurde ruhiger, abgeklärter und auch sicherer gespielt, der Ball auch in den eigenen Reihen gehalten, wenn es nach vorne keine Lücken gab. Allerdings musste noch einmal Drobny die Null retten. Wieder war es De Witt, der aus zwölf Metern flach abzog, aber Drobny tauchte flach ab und hielt auch diese Kugel fest (24.). Hervorragend.
Und was machte der HSV in der Offensive? Kaum etwas. Von Mladen Petric war nicht viel (oder kaum etwas) zu sehen, über rechts kam so gut wie nichts gen FCK-Strafraum, denn weder Ivo Ilicevic (wurde permanent ausgepfiffen) noch Dennis Diekmeier konnte sich Richtung Torauslinie „vorkämpfen“. Von links kam wenigstens etwas, weil vor allen Dingen Marcell Jansen diesmal agil wirkte. Auch deshalb gab es hin und wieder mal einen Ball für Marcus Berg, der dabei seine zurzeit gute Form erneut unter Beweis stellte. Für mich schon erstaunlich, denn – ich schrieb es bereits mehrfach – vor einigen Wochen und Tagen war Berg quasi noch weit weg vom Fenster. Jetzt aber macht er seine Sache erstaunlich gut, er hält die Kugel klug (wie vorher oft Paolo Guerrero) und verteilt sie auch geschickt. Bravo!
Auf diese Art fiel auch der Hamburger Führungstreffer. Zweite Flanke von Dennis Aogo von links, am langen Pfosten lauerte Berg. Der Schwede hätte die Kugel direkt nehmen und auf das Tor schießen können, doch er machte es mit viel, viel Übersicht. Er legte den Ball zur Mitte ab, hervorragend gemacht, Ilicevic schoss, der Ball prallte von einem Lauterer ab – Elfmeter? Diese Frage umging Jansen eiskalt, denn er behielt die Nerven und die Übersicht, schoss flach aus zehn Metern ein. Welch ein Jubel im HSV-Team, und auch in der HSV-Kurve wurde wie beim Karneval in Rio gefeiert. Traumhaft. Endlich einmal eine HSV-Führung – so lässt es sich ja in der Tat etwas entspannter spielen.
Personell eng wurde es in der 35. Minute: Diekmeier am Boden, Diekmeier musste draußen behandelt werden. Die bange Frage: wer kommt für den Verteidiger? Da saß nur noch ein „Defensiver“ auf der Bank: Linksfuß Slobodan Rajkovic. Auch deshalb saß er ganz „allein“ dort, weil sich der Mannschaftsrat ja zuvor gegen das Mitwirken von Jeffrey Bruma ausgesprochen. Und so dick ist die Spielerdecke des HSV eben nicht mehr. Was daran zu erkennen war, dass zu Beginn des zweiten Durchgangs mit Jacopo Sala ein Spieler kam, der eher offensive Qualitäten hat.
Nach dem Seitenwechsel kam der HSV besser zum Zuge. Petric hatte das 2:0 auf seinem linken Fuß, doch Sippel hielt. Wenn es glücklich gelaufen wäre für den HSV, aber das haben wir ja schon lange nicht mehr erlebt, hätte der mitgelaufene Jansen die Kugel ins leere Lauterer Tor befördern können, aber er bekam den Ball zu plötzlich vor seinen rechten Fuß – Chance vorbei (47.) . 120 Sekunden später hatte Gojko Kacar das zweite HSV-Tor auf dem Kopf, doch Sippel hielt diesmal glänzend. Wie im Gegenzug Drobny gegen Sahan – nur Eckstoß für die „Teufel“.
In der folgenden Zeit machte das Schlusslicht richtig (gut) Druck. Irgendwie schien der sich nun ein wenig zu weit zurückziehende HSV um ein Gegentor zu betteln.

Die Einzel (diesmal etwas kürzer, weil gleich die Internet-Sendung beginnen soll):

Jaroslav Drobny war ein überragender Rückhalt – trotz seiner muskulären Probleme im Oberschenkel. Note eins für den Tschechen.
Dennis Diekmeier hatte hinten keine besonders starken Szenen gegen Bugera, schaffte es aber auch nach vorne nicht oft, Akzente zu setzen. Da muss irgendwann schon einmal mehr kommen. Er musste zur Pause verletzt raus. Heiko Westermann wie ein Fels in der Brandung – großartig, der beste Feldspieer des HSV. Michael Mancienne stand seinem Kapitän eisern und fest zur Seite, ebenfalls eine sehr, sehr gute Partie. Dennis Aogo hatte seine Seite gut im Griff, verstand sich diesmal auffällig gut mit Jansen. Beide konnten durchaus auch im Spiel nach vorne gefallen.
David Jarolim, der Super- und Vollblut-HSVer, war wieder eine große, hervorragende Stütze des Teams, ein toller Stabilisator, an dem sich alle orientieren konnten. Was der Dauerläufer wieder an Bällen erkämpfte, das ist einfach nur riesig. Kompliment, „Jaro“, ganz dickes Kompliment, das ist immer noch allererste Sahne.
Bei Gojko Kacar wechselten sich gute und nicht so gute Szenen in bunter Reihenfolge ab, in der zweiten Halbzeit hatte er sein Spiel etwas besser im Griff. Grundsätzlich aber muss er noch viel, viel mehr machen – und besser werden. Er hat es doch einst gekonnt.
Ivo Ilicevic blieb eine Halbzeit lang blass, total blass sogar, dann taute er an alter Wirkungsstätte ein wenig auf. Pech für ihn, als er in der 63. Minute nur die Torlatte des FCK-Gehäuses traf. Die Vorarbeit, die soll auch erwähnt werden, kam von Berg und Kacar, der den Ball per Hacke vorlegte. Bester Angriff des Spiels! Links hatte Marcell Jansen einen seiner besseren Tage im HSV-Trikot erwischt – nicht nur wegen des Tores. Allerdings hätte er in der 64. Minute fast das 1:1 verschuldet, als er nach einer Linksflanke Tiffert zum Kopfball kommen ließ – das hätte ins Auge gehen können. Zum Glück sind die Pfälzer ja keine Weltmeister in Sachen Tore schießen . . .
Mladen Petric war lange Zeit nicht zu sehen, aber in Halbzeit zwei legte er zu – das war okay. In der 80. Minute wurde er vom Platz genommen, für ihn kam Heung Min Son –der alles das, was gut aussah, verstolperte. So geht das nicht mehr, Herr Fink! Aber Gökhan Töre ist wohl ebenfalls ein wenig in Ungnade gefallen.
Und Marcus Berg hat, wie schon geschrieben, seine gute Form erneut bestätigt, allerdings schienen ihm im zweiten Durchgang doch ein wenig die Kräfte zu schwinden.
Jacopo Sala mischte auf ungewohnter Position gut mit, das war fast souverän zu nennen.
Ein Blick zum Osterwochenende: Bayer Leverkusen verliert daheim gegen Freiburg. Das allein ist schon nicht gut, aber was passiert mit dem Trainer? Wenn Robin Dutt vor die Tür gesetzt wird, dann kämen die Millionäre aus Leverkusen wohl mit einem neuen Coach – nicht gut für den HSV. Gewiss nicht. Aber mal abwarten.

Und jetzt gleich wollen wir im Internet bei Matz ab auf Sendung gehen.

Jarolim: “Es geht um die Existenz des HSV”

30. März 2012

Auswärts war der HSV doch meistens eine Macht. Bis auf Schalke und Wolfsburg. Aber auswärts ging es doch meistens, mal abgesehen vom Saisonbeginn, als es gegen Dortmund, Bayern und Bremen nicht so recht klappte. Aber danach sah es doch auswärts meistens gut aus. Ein Strohhalm in der schweren Lage? Vielleicht. Auswärts beim Tabellenletzten, das müsste doch eigentlich klappen. Gerade jetzt, wo doch auch der letzte HSV-Profi begriffen haben soll, wo ihm das Wasser steht – zurzeit. Bis Unterkante Unterlippe. Und da der Gastgeber auch noch kommen muss, weil er schon kräftig Wasser über die Unterlippe in den Mund bekommen hat, müsste doch eigentlich in der Pfalz etwas zu machen sein. Müsste . . .

Sieben Spiele hat der HSV ja noch, sieben Spiele wahrscheinlich auch noch für David Jarolim – mit der Raute auf der Brust. Und mit jedem dieser „Jaro-Abschiedsspiele“ wird der Tscheche wichtiger für das Team. Eigentlich war Jarolim ja gar nicht (mehr) im Mannschaftsrat, zu Saisonbeginn (unter Michael Oenning) waren das vier Herren: Jaroslav Drobny, Heiko Westermann, Dennis Aogo und Mladen Petric. Doch als Trainer Thorsten Fink kürzlich nach dem Mannschaftsrat befragt wurde, zählte er „Jaro“ wie selbstverständlich mit auf. Als er dann darauf hingewiesen wurde, dass Jarolim (eigentlich) gar nicht dazu gehören würde, sagte Fink etwas säuerlich: „Wer bestimmt denn das? Ich bin doch hier der Trainer. Und wenn ich sage, dass Jarolim dazugehört, dann gehört er dazu.“ Natürlich.

Deswegen spielt er ja jetzt auch. Und übernimmt Verantwortung. Als einer der ersten HSV-Profis schon etwas früher . . . Weil er die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt hatte. Heute hat „Jaro“ im Hinblick auf das erste von sieben „Abstiegs-Endspielen“ gesagt: „Es ist für uns kein Alles-oder-nichts-Spiel, danach gibt es noch sechs Spiele, genügend Partien, in denen auch noch etwas zu machen ist. Für Kaiserslautern allerdings geht es schon um alles, da ist dieses Spiel schon die letzte Hoffnung – und für uns könnte es in der Tabelle nach vorne gehen, allerdings nur mit drei Punkten.“ In der Tat. Aber Jarolim baut gleichzeitig auch Druck für die Mannschaft auf: „Wichtig ist, dass wir definitiv nicht verlieren dürfen, wir können uns keine Niederlage erlauben.“

Gut zu wissen. Für alle. Aber wie verliert man bei einem hoch motivierten Tabellenschlusslicht, das um seine letzte Chance kämpft, nicht? „Die Bundesliga ist zu ausgeglichen als dass wir sagen können, dass wir Kaiserslautern einfach mal so weghauen. Nur wenn wir alle 100 Prozent bringen, können wir dort auch bestehen. In Wolfsburg haben wir zuletzt mit Sicherheit nicht gut gespielt, aber wir haben defensiv schon wieder viel besser gearbeitet, daran müssen wir anknüpfen. Es geht hier nicht darum, schön zu spielen, wir brauchen eine Defensive, die bestens organisiert ist, da stehen wir alle in der Verantwortung. Es geht hier nur um die Punkte, die müssen wir nach Hamburg holen – es geht um die Existenz des HSV.“

Dann sagt „Jaro“ auch noch: „Wir dürfen trotz der schwierigen Situation nicht verkrampfen. Wir brauchen zwar eine gewisse Spannung, aber wir müssen trotz allem locker Fußball spielen. Wir können mit einem gewissen Vertrauen in das Spiel gehen, und einfach mal darauf hoffen, mal ein Scheiß-Tor zu machen – einfach mal Glück zu haben. Denn es nämlich immer wieder sehr schwierig, nach einem Rückstand zurück zu kommen. Ich hoffe, dass es in Kaiserslautern einmal umgekehrt der Fall sein wird.“

Das hoffen wir alle. Inständig. Und eigentlich müsste der HSV ja auch in der Lage sein, bei einem Tabellenletzten, der in 27 Spielen erst 17 Tore erzielt hat, auch „etwas“ zu holen. Schließlich haben Trainer wie Sportchef immer von der „guten Qualität“ der HSV-Mannschaft gesprochen. David Jarolim aber nimmt diesen Ball dankbar auf und warnt: „Man muss diese gute Qualität aber auch endlich einmal im Spiel sehen, man kann nicht immer nur die ganze Saison darüber reden. Das, was wir eventuell an Qualität mehr haben, das machen andere Mannschaft mit Leidenschaft und Kampf wett, ich hoffe, dass es mit diesem Gequatsche jetzt endlich vorbei ist, man muss mit Herz und hundertprozentiger Spannung dabei sein. Wer das beherzigt, der ist im Moment auch am weitesten vorn. Ich hoffe, dass jetzt der Geist in unserer Mannschaft stimmt.“

Auch da hoffen wir alle mit ihm. Wobei der Mannschaftsrat ja wohl die Empfehlung ausgegeben hatte, auf Jeffrey Bruma zu verzichten. Diesem Vorschlag wurde schon in Wolfsburg entsprochen, und auch diesmal wird Bruma fehlen. Er trat die Reise in die Pfalz gar nicht erst mit an. Ein dicker und fetter Denkzettel für ein großes Talent. Der Niederländer aber soll zuletzt den Bogen überspannt haben. Zu lässig, zu nachlässig und zu großspurig soll er mit der prekären Lage des HSV umgegangen sein, was bei den erfahrenen Kollegen nicht sonderlich gut ankam – eher war das Gegenteil der Fall. Nach Muhamed Besic der zweite „Fall“, in dem sich ein junger Mann zu lax über die angespannte Lage des Klubs hinwegsetzt. Es gibt ja das Gerücht, dass zudem auch noch der eine oder andere weitere „Jüngling“ ebenso denkt, aber da hoffe ich nun wirklich mal, dass es sich dabei nur um Gerüchte handelt. Ansonsten wäre es beschämend, dann hätten diese Jungs tatsächlich den Beruf (des Profi-Fußballers) gründlich verfehlt. In meinen Augen kann es jetzt auch gar nicht darum gehen, dass ein Spieler (wer auch immer) den Anspruch erhebt, spielen zu müssen. Es geht hier nicht um irgendeinen Egoismus, sondern nur um die Raute. Da hat sich ein jeder zurückzunehmen, Einzelschicksale stehen hier nicht auf dem Programmplan, es geht hier einzig und allein um den Bundesliga-Dino, der muss unter allen Umständen am Leben gehalten werden.

Wer denn unbedingt glaubt, immer spielen zu müssen, der soll am Ende der Saison seine Koffer packen – und sich einen anderen Arbeitgeber suchen. Ich allerdings habe hier in dieser Saison keinen Spieler erlebt, der einen solchen Anspruch für sich erheben kann. Wobei ich Gökhan Töre schon eine überragende Hinrunde attestieren würde. Dann aber wurde der Deutsch-Türke schwerer verletzt, und nun jagt er seiner guten Frühform aus dem Herbst immer noch hinterher. Leider. Heute beim Abschlussspielchen allerdings, als er in der B-Vertretung (neben Paolo Guerrero, der wieder dabei ist!) spielte, dribbelte er schon wieder recht schwungvoll und vielversprechend auf. Vielleicht schießt und dribbelte Töre den HSV ja doch noch zur Rettung – die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ebenfalls nicht mit in die Pfalz ist Tomas Rincon gereist. Der Venezolaner hat eine kleine und verschleppte schmerzhafte Knochenabsplitterung am Schienbein und soll sich mal eine Woche auskurieren – er wird in der Schlussphase der Saison ganz sicher noch benötigt. Für Rincon rückt Per Skjelbred in den Kader, für Bruma kommt Jacopo Sala wieder hinzu.

Beim heutigen Training gab es noch drei Auffälligkeiten:
Marcus Berg traf selbst dann, wenn er den Ball nicht voll und richtig getroffen hatte, ins Tor. Das sah richtig gut aus, in dieser Form könnte er morgen im Fritz-Walter-Stadion ruhig und gerne weitermachen. Ein wenig Angst habe ich noch um zwei andere „Kandidaten“. Mladen Petric hat Rücken. Er hat zwar durchtrainiert, aber er wirkte nicht absolut fit dabei – ging und lief immer kerzengerade. So richtig gut sah das nicht auf – ich bin gespannt. Gut sah auch Jaroslav Drobny nicht zwischen den Pfosten aus, wobei ich nicht auf Äußerlichkeiten ansprechen will. Der Tscheche hat muskuläre Probleme im Oberschenkel, die ihn schon in der Woche zu einem nur unregelmäßigen Training zwangen. Aber: Drobny hielt nicht unbedingt souverän, da offenbar auch nicht richtig fit. Hoffentlich halten die Muskeln morgen alle Anstrengungen aus – sodass „Drobo“ auch richtig gut halten kann. Nicht auszudenken, wenn es . . . Nein, daran mag ich nicht denken.

So, nun noch schnell
„Einer von Euch“.

Diesmal hat die Abteilung Moderation den „Matz-abber“ „Peschino” herausgegriffen. Und ab:

Werde wohl langsam senil und komme mit dieser schnellebigen Zeit nicht mehr klar. Was in mir vorgeht will ich mal an den Beispielen Rajkovic, Bruma, Rincon, Sala und Arslan verklickern.
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Rajkovic, der war vom Finkel erst noch (ein)gesetzt bis eine abbelgwatschte Bewegung eine haessliche Platzwunde an FCK’s Tiffert verursachte. Dann war er ganz schnell “abgehakt”. Erst durch DFB-Sperre, dann aber quasi verloschen als Stern (Sicherheitsrisiko?). Im Prinzip nun ein Entsorgungs-Fall.
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Bruma, der Nachfolger. Machte seine Sache hinten recht ordentlich und netzte sogar mal nach Standards ins richtige Tor. Der war auf einmal nicht nur unverzichtbar, sondern auch unbezahlbar: Blogvater Matz am 3.12.2011: “15 Millionen sind schon so gemeint. Kein Mensch wird denken, dass ein niederländischer Nationalspieler für nur und lächerliche 1,5 Millionen Euro zu haben sein wird”. Verletzungen warfen ihn zurueck. Heute sitzt er auf der Bank. Niemand fordert ihn momentan zurueck in die IV. Ist sein Stern auch schon verloschen? Oder hat der HSV die perfide Taktik ihn nicht zu bringen damit Chelsea in nicht zurueckbeordert? Selbst um den Preis eines Abstiegs? Ich behaupte, 1,5 Mio wuerde der HSV fuer ihn sofort mit Kusshand nehmen (Entsorgungsfall geworden?), aber leider gehoert er Chelsea. Muss ich einen Bezug zum NL-Nati-Spieler Mathijsen und seine Abloese herstellen (Hallo, Billy)? Lieber nicht. Will auch lieber keinen Bezug auf die Zahlungsmoral mediterraner Scheich-Clubs hiereinbringen (und habe es damit doch schon getan).
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Rincon, der “Amazonas-Gatuso”, eigentlich muesste es “Orinoco-Gatuso” heissen, denn der grosse Fluss in Venzuela heisst… aber lassen wir die Korinthenkackerei. Die emsige und ach so wertvolle Arbeitsbiene auf der defensiveren “Sechs”. Spielverlagerung.de widmete ihm sogar noch ein Tuerchen auf dem Adventskalender:
http://spielverlagerung.de/2011/12/04/adventskalender-turchen-4-tomas-rincon/ Aber das ist VERGANGENHEIT!!! Heute, nachdem ihn ein Laenderspiel in Spanien zurueckwarf, eine Klatsche dazu, ist er von Jarolim (!) verdraengt, dem jarolim, dessen Spielweise in der 2.Haelfte Anno Domini 2011 allerorts geaechtet und verpoent war. Tja Rincon, noch als Ergaenzungsspieler von Beiersdorfer geholt, sollte zusaetzlich zur Zerstoerarbeit auch noch die dringend benoetigten intelligenten Paesse in die Schnittstellen spielen. Leider endete dann einer dieser allseits geforderten Versuche beim Gegner (Bremen) und es klingelte zur Unzeit im falschen Tor. Das war wohl sein “Aus”? Tja, so schnell aendern sich die Zeiten. Sterne erleuchten, Sterne erblassen. Sogar Sterne die alles mitbringen, was der HSV im Abstiegskampf braucht.
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Sala, fuer wenige Pennies gekommen und lange verletzt, im Winter-Trainingslager von Ju aus Qu (wo ist der eigentlich?) entdeckt und gefoerdert. Ja, genau dem Winter-Trainingslager, das in einem grandiosen 1:0 Testspiel-Sieg bei Arminia Bielefeld aushallte (welch Elend offenbarte sich dort nicht schon?). Nunja, in der dann bis dahin dunkelsten Stunde der Rueckrunde, gegen den BVB, flackerte nach seiner Einwechselung der kurze Schein des Jacopo Sala auf. In der Folge in der Startelf mit ordentlicher Leistung, dann mit nicht mehr so klar eindeutig ordentlicher Leistung, usw. jetzt wird er immerhin geschaetzt aber wieder aussortiert? Wie schade ist diese Entwicklung eigentlich?
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Arslan, das Dejagah-Opfer (Dejagah sass uebrigens Modell fuer René Goscinny / Albert Uderzo fuer “Asterix bei Kleopatra”, guckst du: http://www.myvideo.de/watch/3302186/Asterix_und_Kleopatra_Der_Drogenkuchen). Muehsam an die Mannschaft wieder rangerobbt und in das Guerreo-Vakuum gestossen. Gute Spiele gemacht (Gladbach, Schalke), dann, nach vergebener 100%-Torchance gegen VW, in EINEM Spiel die “Cojones” eingeklappt… und raus bist Du.
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Soll ich mit Berg weitermachen? Lieber nicht! Ich kann mir vorstellen, wie es enden wird, und ich befuerchte es wird nicht nett werden. Im allerbesten Fall landet er (seelisch wie koerperlich) unbeschaedigt auf der Ersatzbank und liest niemals diesen Blog.
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Zurueck zu meinem Punkt. Ich komme da nicht mehr mit. Der HSV taumelt. Spieler, die nach dem Saison-Start-Desaster fuer den Turn-Around standen, wurden schnell “aussortiert” bzw. sind vergessen. Sogar hier im Blog – gaaanz schnell. Sie waren kurz gut genug, wurden gepusht und gefordert, haben auch ihr Bestes gegeben aber wurden nach der ersten Schwaeche wie “heisse Kartoffeln” wieder fallen gelassen. Gleichzeitig wird hier mangelnde Identifikation mit der Raute und Soeldnermentalitaet angeprangert.
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Bin ich der einzige hier, der da nicht mehr mitkommt? Ist hier keiner, der einen der Genannten in irgendeiner Weise in der Startelf vermisst? Ist es normal dass eine halbe Mannschaft ein- und wieder aussortiert wird? Ich verstehe, dass experimentiert wird. Aber sind ALLE, die noch in dieser Stammelf sind, wirklich besser? Sind ALLE, die fuer die Aussortierten reingekommen sind, besser? Komme da einfach nicht mehr mit…
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P.S.: Die Diskussion bestimmen die von mir genannten Namen aber eher nicht. Das tun Namen wie Petric, Jansen, Aogo, Ilicevic usw. Warum die einen eiskalt aussortiert werden, an anderen aber beinhart festgehalten wird, erschliesst sich mir wie gesagt nicht immer.

Zum Schluss noch ein Hinweis auf morgen – und in eigener Sache. Da geht bei „Matz ab“ eine großartige Neuheit auf Reisen. Wir starten mit dem „Matz-ab-Talk“ – und zwar live hier bei “Matz Ab”. Gegen 17.30 Uhr (wenn ich den Bericht vom Lautern-Spiel in den Blog gestellt habe) wollen und – so behaupte ich einmal kühn – werden wir „auf Sendung“ gehen. Wir, das sind die Gäste Lotto King Karl und der erfolgreichste Amateurtrainer Hamburgs, Bert Ehm, sowie die Gastgeber, das werden „Scholle“ und ich sein. Wir werden cirka eine halbe Stunde über das eben gelaufene Spiel in der Pfalz reden, diskutieren, urteilen, analysieren und fachsimpeln. Und Ihr seid hoffentlich mit von der Partie – meines Wissens sind wir, das Hamburger Abendblatt, die erste Zeitung, die eine solche Talkrunde live im Internet anbietet.
PS: Wer es live verpasst, der kann sich später die Aufzeichnung bei „Matz ab“ ansehen. Wir freuen uns auf diese Neuheit – wir hoffen, dass es euch ebenso geht. Und natürlich hoffen wir alle, dass wir nur über einen HSV-Sieg zu reden haben werden.

Und noch eine gute Aktion von den HSV-Fans. Unter: http://www.hsv-sc.de/nc/news-anzeige/article/immer-erst-liga.html?tx_ttnews[backPid]=6
findet Ihr folgenden Hinweis:

Immer erste Liga!

Wir für Euch – Ihr für uns … Nur der HSV!

Unser Hamburger Sport-Verein e.V. befindet sich in einer schwierigen Situation und gerade jetzt müssen wir alle zusammen halten und gemeinsam alles zur Unterstützung unserer Mannschaft tun! Jetzt sind wir alle gefordert!??Gemeinsam mit vielen Personen und Gruppen aus der Fanszene, dem Vorstand und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des HSV und auch der Mannschaft haben wir in den letzten Tagen die gemeinsame Aktion??IMMER ERSTE LIGA! ?WIR FÜR EUCH – IHR FÜR UNS ?NUR DER HSV??ins Leben gerufen. Schon zu unserem morgigen Spiel in Kaiserslautern werden wir das erste kleine Zeichen setzten!??Lass uns alle gemeinsam die Mannschaft unterstützen! Sie brauchen uns! Jetzt! Bringt alle Eure Schals mit nach Lautern und macht den Gästebereich zur blauen Wand, zeigt die Farben unseres HSV, immer und überall! Singt, schreit, grölt und feuert unsere Mannschaft frenetisch an – egal wie das Spiel läuft! ??Wenn auch Euer Fan-Club diese Aktion unterstützt, dann meldet Euch bei uns, damit wir Euch mit in die Liste aufnehmen können!?Ihr habt Ideen??? Her damit, schreibt uns eine Mail an supporters(at)hsv(dot)de oder sprecht uns direkt an !??

Unterstützt von:
Vorstand und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hamburger Sport-Verein e.V.
Der Mannschaft des HSV ?HSV Supporters Club
HSV OFC “Kap der guten Hoffnung”
HSV OFC “Der Norden hebt ab”
Chosen Few Hamburg
1887-Shop
Abschlach!

17.59 Uhr

Vor dem Abstiegs-Endspiel in Lautern

29. März 2012

Diesmal die erfreuliche Nachricht zu Beginn des Beitrags:
Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat den HSV wegen mangelnden Schutzes des Gegners mit einer Geldstrafe in Höhe von 30 000 Euro belegt. Während des Bundesligaspiels zwischen dem HSV und Werder Bremen am 18. Februar war aus dem Hamburger Zuschauerblock in Richtung des Bremer Spielers Marko Marin ein Getränkebecher geworfen worden, in dem sich ein Feuerzeug befand. Marin wurde von dem Wurfgeschoss zwar getroffen, ging kurz zu Boden, trug aber keine Verletzung davon.

Erfreulich deshalb, weil es ja auch eine etwas härtere Strafe hätte geben können. Und damit ist nicht nur das Finanzielle gemeint. Geld hat der HSV ja genug, da kommt es nicht so groß darauf an, ob es nun eine sechs- oder doch nur eine fünfstellige Zahl an Strafe gibt. Bitter ist nur, dass die, die hinterher herumquaken, dass sich der HSV keine neuen Spieler mehr leisten kann, nach Herzenslust mit dem Geld des Klubs spielen. Aber das lasse ich lieber, Geld ist ja ohnehin ein ganz besonderes Thema (bei „Matz ab“) – und bei den Bilanzen kann der HSV ganz sicher noch viele, viele weitere Strafen mühelos aus der Portokasse bezahlen . . .

Nun gut, es gibt in diesen Tagen ja auch noch die etwas anderen Sorgen um die Raute. Das Reizthema wird auch „Abstiegsgefahr“ genannt. Und da steht am Sonnabend bekanntlich ein ganz schweres Spiel auf dem Programmplan: Kaiserslautern. Was mich an dieser Partie jetzt schon total nervt ist die Tatsache, dass ich überall nur höre: „Wir haben noch sieben Spiele vor der Brust. Und nach den 90 Minuten in der Pfalz immer noch sechs.“ Das mag ja wahr sein, aber im Moment kann und darf es nur dieses eine Spielchen geben, nur dieses eine. Und das ist als absolutes Endspiel zu betrachten. Der HSV spielt beim Tabellenletzten um den Klassenerhalt. Dort muss gewonnen werden. Und dort kann eigentlich auch gewonnen werden, denn der 1. FC Kaiserslautern ist nun mal die schlechteste Mannschaft der Liga. Wenn nicht dort gewinnen, wann dann? Gegen wen dann? Da ist es total egal, dass es hinterher noch sechs weitere Spiele geben wird. Spiele, die ganz sicher nicht leichter sind, als das vom kommenden Sonnabend.

Witzig finde ich, oder besser: Kurios finde ich, dass mit Marcus Berg nun innerhalb des HSV ein Strohhalm gefunden wurde, der vor Wochen noch gar keine Option gewesen ist. Der Schwede war jenseits von Gut und Böse, er fiel nur durch magere Trainingsleistungen auf, die sogar sein Trainer festgestellt hatte. Nun aber wird genau dieser Berg zum großen Hoffnungsträger. Ein Schuss und ein daraus resultierendes Tor hat dafür gesorgt. Marcus Berg hatte, so hat es mein Kollege Lars Pegelow (NDR 90.3) ausgerechnet, in Wolfsburg exakt 17 Ballkontakte (in 90 Minuten). Einen von den 17 Ballkontakten nutzte er zum 1:1. Das macht den Schweden nun, in dieser prekären Lage des Klubs, so besonders wertvoll.

„Er wirkt sehr selbstbewusst, er hat auch in dieser Woche im Training wieder sehr schöne Tore gemacht – und er braucht für seine Tore auch wenige Chancen. Und wir brauchen so einen Spieler, denn in letzter Zeit hatten wir ja einigen große und gute Chancen, die wir nicht ausgenutzt haben. In Wolfsburg hatte Marcus Berg eine Möglichkeit, und die hat er genutzt, das zeichnet einen guten Torjäger aus. Für uns kann er in den letzten Spielen sehr wichtig sein“, sagt Trainer Thorsten Fink über seinen großen Hoffnungsträger.

Und Marcus Berg? Kann er das alles, was jetzt um ihn herum passiert, alles nachvollziehen? Der Schwede sagt: „Ich habe zwar ein schönes Tor zuletzt gemacht, aber wichtiger ist, dass wir zusammen gut spielen, dass wir die Taktik befolgen und hart kämpfen. Nur das zählt jetzt.“ Zur allgemeinen Lage befindet Berg: „Die Stimmung ist gut, das Training ist hart, aber wir sind locker drauf und haben Spaß. Und bei uns gibt es viele Spieler, die genug Erfahrungen haben, um dieses schwere Spiel zu meistern. Sie haben schon schwere Spiele hinter sich gebracht, so dass sie wissen, was auf sie zukommen wird.“

Was glaubt Marcus Berg, wie kann das Spiel in Kaiserslautern positiv für den HSV laufen? „Das wird ganz, ganz schwer, aber wir müssen die drei Punkte holen, und dazu müssen wir unser Spiel spielen, den Ball lange halten, hart kämpfen.“ Und Tore schießen. Du eine Einheit sein, die Berge versetzen will – und kann.

Dazu traf sich die Mannschaft am Mittwoch im Restaurant „Gallo Nero“ in Winterhude. Essen etwas Nicht-Alkoholisches trinken, Fernsehen, und zwar die Champions League. Und natürlich viel miteinander reden. Manchmal ist das hilfreich. „Das war locker, das war in Ordnung, wir haben in aller Ruhe beisammen gesessen – es war nur schön“, sagt Berg. Gemeinsam sind wir stark. Ob es tatsächlich etwas gebracht hat, das wird der Sonnabend zeigen.

Und wenn nicht? Dann werden die Sorgen in Hamburg noch größer – und in ganz Deutschland ebenfalls. Ich sprach heute mit Udo Lattek, dem einstmals erfolgreichsten Trainer der Welt. Auch er macht sich Gedanken um den Dino: „Ich mache, das gebe ich zu, mir natürlich Sorgen um den HSV, ich weiß aber nicht, ob sich die Leute beim HSV auch Sorgen um den Verein machen. Da habe ich meine leisen Zweifel. Was sich in Hamburg zuletzt alles so abgespielt hat – da hätte ich als Trainer keine ruhige Minute mehr gehabt“, sagt Udo Lattek und fügt hinzu: „Ich weiß auch nicht, ob jeder HSV-Spieler weiß, um was es jetzt geht. Aus der Ferne habe ich oftmals das Gefühl. Dass es dem einen oder anderen Profi wurscht ist, was passiert, denn er wird ja auch jeden Fall einen neuen Klub finden, für den er im Falle des HSV-Abstiegs weiterhin erstklassig spielen kann.“ Dann erinnert Udo Lattek an die vergangene Saison: „So lief es doch auch in Frankfurt. Da hat zur Halbzeit der Saison niemand an Abstieg gedacht, und als es passiert war, da sind die Spieler dann ganz schnell zu anderen Vereinen gegangen.“

So läuft das heute im Profi-Fußball. Udo Lattek hat mit seinen Mannschaften nie gegen den Abstieg kämpfen müssen , kennt er überhaupt ein solches Gefühl? Er korrigiert mich: „Mit Borussia Dortmund habe ich den Abstiegskampf genossen, da wurde ich als Retter geholt – eine harte Zeit. Lieber spiele ich Jahr für Jahr um die Meisterschaft, als noch einmal gegen den Abstieg. Ich habe in Dortmund auch die große Flatter gekriegt, weil man Tag und Nacht damit beschäftigt ist, einen solchen Klub vor dem Sturz nach unten zu bewahren. Keine schöne Zeit für mich.“

Was tippt Lattek für den Sonnabend? Auf Kaiserslautern oder den HSV? Er sagt: „Das ist völlig offen, und da ich beide Klubs lange nicht mehr live gesehen habe, enthalte ich mich bei diesem Tippspiel.“ Immerhin sagt Lattek in Richtung Hamburg: „Der HSV ist etwas ganz Großes im deutschen Fußball, so etwas darf nicht absteigen. Die Mannschaft ist von den Positionen her ganz gut besetzt, sie dürfte eigentlich nichts mit dem Abstieg zu tun haben, aber sie war wohl auch oft genug keine Einheit auf dem Platz – So kam es mir jedenfalls manchmal vor – Und es spielen ja auch immer mal wieder neue Leute, kontinuierlich mit einem Team zu spielen war da nicht viel.“ Dann rede ich mit dem Meister-Trainer über Paolo Guerrero, dass der Peruaner ja jetzt auch ganz schmerzlich vermisst wird. Lattek: „Ich verstehe es bis heute nicht, wie ein Spieler so ausrasten kann. Ich verstehe es nicht. Das ist doch auch eine Sache der Erziehung. Wenn ich an diesen Vorfall, an dieses Foul denke, dann macht es mich krank . . .“

Ganz zum Schluss: Wie denkt Udo Lattek über Thorsten Fink? Lattek sagt: „An ihm kann es nicht liegen, dass der HSV dort unten steht, denn überall wo ich hinhöre, wird er gelobt. Vor allen Dingen in der Schweiz, da wird er mit Lob geradezu überhäuft . . .“

Vielleicht kann man das ja auch irgendwann in ferner Zukunft über Hamburg und Thorsten Fink sagen. Vielleicht.

So, schnell noch ein Blick zum Gegner:

Trainer Krassimir Balakow setzt bei Bundesliga-Schlusslicht 1. FC Kaiserslautern vor dem Abstiegsduell gegen den HSV auf Torschusstraining, Einzelgespräche und eine Prise Lockerheit. „Im Fußball ist Psychologie ein wichtiger Faktor. Wir wollen mit Mut nach vorne spielen und beschäftigen uns nicht mit dem Gegner“, sagte Balakow, der am Donnerstag seinen 45. Geburtstag feierte.

Seit 17 Spielen hat der FCK nicht mehr gewonnen und in dieser Saison erst 17 Tore erzielt.

Und dann noch „Matz-ab-intern“

„Der Allgäuer” schreibt:

PROST – wer trinkt mit mir? Ich habe heute Geburtstag und schon mal auf das neue Lebensjahr angestossen. Das zweite Glass will ich jetzt auf den H S V leeren, damit die Mannschaft in Kaiserslautern das Punktekonto um 3 Punkte füllt. Ich gehe mal ganz fest davon aus auch im 72sten Lebensjahr mit dem HSV in der 1.BUNDESLIGA zu spielen.

Eure Kommentare lesen sich alle, durch die Bank, wie aus dem tiefen dunklem Keller in dem wir zurzeit sitzen und wir hoffen inständig die Tür nach oben noch vor dem Abpfiff der Saison zu finden. Ich bin sicher, wenn wir alle wollen dann finden wir die Tür und sehen wieder Tageslicht in dem wir dann in der nächsten Saison -umgebrochen- ungebrochen wieder auf die treffen, die uns in dieser Saison so manches Mal die Nase gezeigt haben. Ab morgen erhole ich mich für eine Woche in der Türkei und dann geht es aufbauend auf dem Dreier vom Betzenberg in die letzten 6 (END-)Spiele dieser Saison und dann ist Tag der Abrechnung an dem wir auf einem Platz stehen, der den DINO auch in der nächsten Saison in der 1. Bundesliga spielen lässt. (An Geburtstagen sind Wünsche ja nun mal erlaubt!!!!)
Euer Allgäuer.

Von „we_are_family“ kam das:

… Ähnlich klang CEJ zum Thema “Generationen” am Sonntag im Sportclub. Zitat: “…. In erster Linie den Spielern des Mannschaftsrates kommt jetzt eine besondere Aufgabe zu. In erster Linie unser Kapitän Heiko Westermann, der das auch macht, aber auch Drobny, Jaro, Petric und Aogo müssen voran gehen, müssen den 19-jährigen den Weg weisen und motivieren” … – Über wie viele reden wir da eigentlich, die 19 oder jünger sind, die sich seit Wochen um die 18 Plätze im Kader und der Start 11 streiten? ….. Über genau EINEN, nämlich Son! – Gegen Wolfsburg hatte unsere Start11 ein Durchschnittsalter von 26,7 (!) Jahren; der jüngste war mit 22 Dennis Diekmeier! Alle 11 Nationalspieler! (Werder 22,7 (!), Freiburg 23,7 (!).

Wir werden von 3 Spielern in den Abstiegskampf geführt, die – Stand heute – in der neuen Saison nicht mehr beim HSV sein sollen. Dazu Spieler, die im Falle eines Abstiegs und nicht akzeptierter Gehaltskürzungen ablösefrei gehen könnten. Wirkt sich das eher motivierend aus oder besteht die Gefahr eines “Mir doch egal, über MEINE Zukunft brauche ich mir keine Gedanken zu machen”.? … Ich weiß`es nicht. Das alles unter der Leitung von 3 Bundesliga-Neulingen (VV, SpoDi, Trainer), die alle 3 Null Erfahrung im Abstiegskampf haben.

Sonnabend wird richtungsweisend und der Rest der Saison ein Tanz auf der Rasierklinge. Hoffentlich geht es gut!

Und vom HSV-Presseservice kam auch das noch:

Ostern mit der ganzen Familie zum HSV Am Ostersonntag, 08. April 2012, empfängt der HSV das Team von Bayer 04 Leverkusen in der Imtech Arena (Anstoß 17.30 Uhr). Zum Fest der Familie öffnet der HSV die komplette Südtribüne zu Familienblock-Konditionen. Die Preise liegen bei 34 EUR bzw. 25 EUR für Erwachsene und 10 EUR für Kinder. Die Tickets sind wie alle anderen Karten auch im Onlineshop auf www.hsv.de, in den HSV Fanshops, im Service Center in der Imtech Arena, in allen HSV-Vorverkaufsstellen oder über die Telefonhotline 01805 – 478 478 (0,14 EUR/Min. aus dem Festnetz; Mobilfunk max. 0,42EUR/Min.) erhältlich.

Training ist am Freitag nicht öffentlich.

19.16 Uhr

In eigener Sache:
Am Sonnabend wartet eine wirklich nette Überraschung auf Euch, eine absolute Neuheit – nicht nur bei Matz Ab! Mehr dazu im morgigen Blog…

Es ist alles gesagt – mal wieder. Jetzt zählt nur ein Sieg

28. März 2012

Es gibt ja immer wieder Hinweise von Außenstehenden, die sich bewahrheiten. Gestern zum Beispiel wurde mir erzählt, dass es intern Unruhen gab wegen Muhamed Besic. So weit, so wahr. Was dann allerdings von meinem Bekannten kam, kann in die Schublade „Stille Post“ zurückgesteckt werden. „Er hat sich angeblich darüber beschwert, dass ihm selbst Spieler wie Rajkovic als Linksverteidiger vorgezogen würde.“ Das wiederum ist nicht wahr. Stattdessen wurde Besic suspendiert, weil er sich im Training hängen ließ und auch ansonsten wenig professionelle Einstellung vorlebte. Im Gegenteil, der (erstaunlich, weil so extrem) selbstbewusste Bosnier war immer wieder dadurch aufgefallen, dass er sich selbst als zu gut empfand, um für die eigene U23 zu spielen. Er soll, so berichtet es die SportBild, sogar seinen Rausschmiss gegenüber Trainer Thorsten Fink, der ihn mit beiden Händen am Kragen gepackt haben soll, mit folgenden Worten kommentiert haben: „Wer bist Du, dass Du mich anpackst?“ Es war Fink, sein Trainer. Zugleich die Autoritätsperson für Besic beim HSV. Wobei der 19-Jähreige ausgerechnet damit am meisten Probleme hat. Die einen sagen, weil er es von seinem Vater so vorgelebt bekommt, die anderen betrachten Besic seit dessen Nationalelfnominierung für Bosnien als abgehoben. Und das, obwohl er in der Bundesliga bis heute nicht Fuß fassen konnte.

Nun also noch weniger. Besic dürfte unter Trainer Thorsten Fink keine Berücksichtigung mehr erwarten dürfen. Und auch wenn er sich am Tag danach entschuldigte sowie sein Berater von „beidseitigen Fehlern“ sprach – Fink bleibt stur. Zu recht, wie ich finde. Zumal das auch ein Zeichen an das eine oder andere weitere Talent im Kader ist, das sich zuletzt schon in Sphären wähnte, die nichts mit HSV geschweige denn mit Abstiegskampf zu tun haben.

Das sieht auch Ivo Ilicevic so. Ohne auf diesen expliziten Vorfall einzugehen, begrüßt der rechte Mittelfeldspieler Finks jüngste Maßnahmen. Ilicevic sieht sie unmittelbar vor seiner ersten Rückkehr als Gegner zum 1. FC Kaiserslautern sogar als fruchtbar an. „Es ist völlig zweitrangig, ob ich zu meinem Ex-Klub zurückkehre – wichtiger ist, dass wir gut arbeiten. Und so, wie die Mannschaft trainiert, macht das Hoffnung“, sagt Ilicevic, der heute im Training zu den Besseren beim langen Abschlussspiel gehörte, „es haben jetzt alle verstanden.“

Hoffnung also. Durchs Training. Das hatten wir schon so oft, dass man geneigt ist, nicht mehr daran zu glauben. Zumal, wenn man sieht, dass im Nachmittagstraining – der angekündigten weiten Extraeinheit – Fußball-Tennis gespielt wurde. Viel mehr als aktives Zusammensein ist das nicht. Deshalb nehme ich lieber eine andere Ansicht Ilicevics auf, die mir deutlich besser gefällt und der ich mehr Bedeutung beimesse. „Wir müssen in Lautern über den Kampf kommen“, so der Rechtsfuß. Endlich mal einer, der spricht wie ein „Abstiegskämpfer“. Dass er zwischendurch auch wieder die höhere Qualität des HSV ansprach ist insofern okay, als dass er es in die richtige Reihenfolge setzt. „Wenn wir den Kampf annehmen und gegenhalten, wird sich unsere Qualität letztlich durchsetzen.“

Richtig. Ilicevic weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es auf dem von frenetischen Lautern-Fans befeuerten Betzenberg für gegnerische Mannschaften ist – oder besser: wie schwer es sein kann. Denn auch beim FCK herrscht Unsicherheit. Ilicevic: „Wir haben die große Chance, die Fans gegen die eigene Mannschaft aufzubringen. Wenn wir lange in Ballbesitz sind oder am besten noch in Führung gehen, kippt die Stimmung schnell. Dann wird es auch für Lautern schwer.“ Denn, und darin sieht Ilicevic den Vorteil für den HSV. Der HSV-Profi glaubt sogar daran, dass sich beim 1. FC Kaiserslautern Angst einschleichen könnte. „Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Lautern ist jetzt schon sieben Punkte vom rettenden Ufer entfernt. Da ist das Spiel für die schon so etwas wie die letzte Chance“, sagt Ilicevic. Ob das für den HSV auch gilt? „Nicht ganz so krass. Aber wir wissen, dass wir dieses Spiel nicht verlieren dürfen.“

Wobei Ilicevic selbst ein wesentlicher Baustein sein könnte. Zumindest soll er das werden. Der Kroate galt nach seinem Wechsel als Sofortverstärkung, traf bei seinem ersten Kurzeinsatz und schürte Hoffnungen, die er seither nicht erfüllen konnte. „Es war bislang keine einfache Saison für mich. Durch die vielen Verletzungen fehlte mir der Rhythmus“, klagt Ilicevic. Allerdings kann davon in der Rückrunde nach nunmehr sieben von zehn Spielen nun wirklich nicht mehr die Rede sein. Und bevor ich ihn genau das fragen kann, zeigt sich Ilicevic selbstkritisch: „Ich brauche für meine Leistung Spiele – und die habe ich jetzt bekommen. Deshalb muss jetzt mehr kommen von mir. In Lautern beispielsweise – auch wenn ich dort erst einmal vor allem anderen den Kampf annehmen muss.“

Kämpfen tut auch gerade Jaroslav Drobny. Der Tscheche, der in der Partie beim VfL Wolfsburg patzte, ist noch immer nicht wieder hundertprozentig fit. Heute Vormittag pausierte er, am Nachmittag erholte er sich aktiv mit weniger belastenden Torwartübungen auf dem Platz. Klar ist, dass Drobny gegen Kaiserslautern im Tor stehen wird. Trotz der Blessur am Oberschenkelmuskelansatz rechts. Das Schlimme daran: Drobny muss auch deshalb spielen, weil der HSV keine Alternative hat. Denn sowohl Sven Neuhaus als auch Florian Stritzl traut Fink ein Bundesligaspiel nicht zu. Erst recht nicht in einer so brisanten Situation.

Da bleibt nur zu hoffen, dass sich Drobny bis Sonnabend ausreichend erholt. Mehr als bis zum Wolfsburg-Spiel. Immerhin gilt er als einer der absoluten Führungsspieler im Team und hat Erfahrungen – auch negative – mit dem Abstiegskampf gemacht. Vielleicht kann der Tscheche seinen Mitspielern ja heute beim von ihm, Heiko Westermann und Dennis Aogo initiierten Mannschaftsabend ein paar wichtige Tipps geben, wie man es im Abstiegskampf (nicht) macht.

In diesem Sinne, es ist eigentlich alles gesagt. Mal wieder. Jetzt – und so sehr das auch eine Floskel ist – jetzt zählt nur noch ein Sieg beim FCK. Morgen steht nur eine Einheit um 15 Uhr an der Arena auf dem Plan. Im Anhang findet Ihr einen Auszug sehr lesenswerter Mails aus unserer (Blog-)Mitte.

Bis morgen,
Scholle

Blogbeiträge:
„Jockel“ schrieb:

Hallo,

mit Erstaunen musste ich die letzten Tage feststellen, dass in der Boulevard-Presse immer wieder die Spieler Besic und Castelen an den Pranger gestellt werden. Entweder sind sie unter einem “anderen” Spieler-Namen aufgelaufen oder ich habe Wahrnehmungsstörungen. Man kann doch nicht ernsthaft die HSV-Misere an zwei Dauer-Reservisten festmachen, um damit den Druck von den eigentlich verantwortlichen Spielern zu nehmen…?! Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Trainer Fink diese
Wirkung erzielen wollte…….falls doch, wäre dies ein Armutszeugnis.

Schwarz-weiß-blaue Grüße,
Jockel 1887

P.S. Die gute Zustands-und Problembeschreibung des Fachmannes Bettin analysiert perfekt die Schwachstellen in der Spielgestaltung beim HSV und gibt damit auch gleichzeitig die Ansatzpunkte vor. Fehlende Kreativität und ein nicht erkennbares System kann in den letzten Spielen daher nur über den Kampf ausgeglichen werden. Ich hoffe, zumindest dies funktioniert noch rechtzeitig.

Von „Magicc“:

Ich gehöre eigentlich eher zu den Lesern als zu den Schreibern, aber bei einigen Kommentaren hier kann ich nur den Kopf schütteln. Ihr drescht hier auf Spieler und Verantwortliche ein, das geht so gar nicht.

Thema Petric:

Er hat schon immer so gespielt, sich nie viel bewegt, war nie der Mitreißer, aber er hat immer noch viele Tore erzielt. Das der Mann jetzt wie ein beklopptes Huhn über den Platz läuft, ist nicht zu erwarten. Im Moment trifft er nicht, aber daraus solche Dinge abzuleiten, wie „kein Bock mehr” oder „ist mit den Gedanken bei einem anderen Verein” ist Unsinn und beleidigend. Diejenigen, die jetzt hier meckern, waren die gleichen, die nach den (vielen) Toren von ihm gejubelt haben. Übrigens spielt ein Gomez nicht anders, bekommt aber ständig von links und rechts Bälle zugespielt. Petric bekommt vielleicht 2 oder 3 in einem Spiel und muss daraus etwas machen. Bei Bayern hätte er eine ähnliche Quote wie Gomez. Hier würde uns allen ein wenig mehr Respekt, auch für geleistete Jahre, wirklich gut tun.

Thema Jaro:

Ich bin der Meinung, eine eigentlich gefällte Entscheidung zu revidieren, weil dieser Spieler jetzt, in einer wirklich schwierigen Phase, gezeigt hat, wie wichtig er für die Stabilität und vielleicht auch als Führungsspieler sein kann, zeugt von Charakter. An einer einmal getroffenen Entscheidung festzuhalten, nur weil man diese einmal getroffen hat, ist Starrsinn.
Jaro hat, als einer der wenigen auf dem Platz tatsächlich die Raute im Herzen und hat sich, trotz seiner beschränkten fußballerischen Fähigkeiten, immer den A… aufgerissen. Und nur mit jungen Leuten wird es nichts. Ein paar erfahrene brauchst du im Team.

Thema Adler/Drobny:

Warum wird Arnesen kritisiert, wenn er sich um Adler kümmert?

Bei aller Objektivität ist Drobny ein höchst durchschnittlicher Torwart. ( z.B. waren beide Tore in WoBu, zumindest zum Teil, seine ) Das er auf der Linie teilweise wirklich starke Reflexe hat, will ich ihm nicht absprechen, aber sonst? Jeder hohe Ball bringt Angst. Kein entschlossenes “Rauslaufen” und zupacken. Wenn überhaupt, dann oft mit einer Faust und viel Gottvertrauen. Sorry, aber da findest du in der dritten Liga mindestens 5 gleichwertige.
8 von 10 Abschlägen landen beim Gegner oder im Aus. Modernes Torwartspiel? Fehlanzeige. Organisation der Abwehr, speziell bei Standards? Hör mir auf.
Mit seinem flatterhaften Verhalten verunsichert er die gesamte Abwehr und ist meiner bescheidenen Meinung nach die Hauptursache für die Abwehrmisere.

Wenn ein Mann wie Adler, der immerhin fast die deutsche Nummer1 geworden wäre, auf dem Markt ist und auch bei unserer finanziellen Ausstattung zu haben ist, dann würde Arnesen fahrlässig handeln, es nicht zumindest zu versuchen. Und wenn Herr Adler sich etwas Bedenkzeit erbittet, weil er nicht geil auf Liga 2 ist, dann kann ich es durchaus verstehen. Das wird uns auch bei anderen Transfers noch passieren, solange der Ligaverbleib nicht geklärt ist.

Petric will seine Kritiker Lügen strafen

27. März 2012

Eigentlich war die Lage klar. Egal, was er gemacht hätte, es wäre ihm höchstwahrscheinlich negativ ausgelegt worden. Glaubt auf jeden Fall Mladen Petric – und ich persönlich auch. Denn von dem Moment an, an dem bekanntgegeben wurde, dass der HSV und der Kroate sich im Sommer trennen würden, befand sich der Kroate unter erhöhter Dauerbeobachtung. Hätte er plötzlich Top-Leistungen gezeigt, hätte man ihm unterstellt, sich im Gegensatz zu den Vorwochen für einen neuen Vertrag plötzlich wieder zerreißen zu können. Aber da dem nicht so war und Petric seiner Form weiter hinterherläuft, meinen nicht wenige, Petric habe mit dem HSV abgeschlossen und schone sich für seinen neuen Verein. Mir wäre das erste Szenario lieber gewesen, weil es zumindest den einen oder anderen Punkt mehr nach sich gezogen hätte – aber es wurde das zweite. Und dabei beneide ich Mladen nicht.

Dabei war und ist Petric schon seither der Typ Stürmer, der selbst eigene Fangruppen spaltet. Er ist kein Kämpfer, spielt elegant und wirkt manchmal zu lässig – allerdings wusste er immer wieder dadurch zu bestechen, viele Tore zu erzielen. Das Spiel ohne Ball war dagegen eher selten so, dass die Fans ihm übermäßigen Einsatz bescheinigen wollten. Dennoch, Petric hat in 193 Pflichtspielen für Basel, Dortmund und den HSV 86 Treffer erzielen können. Eine mehr als ordentliche Quote. Bis auf diese Saison. Petric durchläuft eine Formkrise, wie selten zuvor. Sechs Treffer in 20 Spielen, davon waren sogar zwei Elfmeter – das ist für ihn zu wenig. Und das weiß auch Mladen selbst. „Natürlich erwarte ich selbst viel mehr von mir. Es ist für mich das erste Mal seit vier Jahren beim HSV, dass ich so einen negativen Lauf habe. Da spielen etliche Faktoren rein – aber klar ist: ich muss mich selbst da rausholen. Und das werde ich. Ich gebe weiterhin alles für den HSV. Denn ich will hier einen positiven Abschied haben. Der Verein bedeutet mir eine Menge.“

Nun kommen hier sicher wieder Zweifler, die dem smarten Linksfuß diese Worte nicht abnehmen. Das Dumme daran ist, es ist sogar unmöglich, einen Gegenbeweis anzutreten. Und genau deswegen hat Petric lange geschwiegen. Fast täglich haben wir um einen Termin bei dem Torjäger gebeten. Wochenlang erfolglos. „Ich wollte nichts sagen, sondern auf dem Platz etwas zeigen“, sagt Petric, „denn dass so eine Situation auch an mir nicht spurlos vorbeizieht, ist klar. Ich saß oft zu Hause und habe mir den Kopf zerbrochen, weshalb es so schlecht läuft“, erzählte mir Mladen heute.

Auch an dem so erfahrenen, oft so abgeklärt wirkenden 31-Jährigen sind die Zweifel nicht spurlos vorbeigezogen. Extern durch Pfiffe und die Medien öffentlich gemacht, wurden auch intern Stimmen lauter, die an Petrics Einstellung zweifelten. Ich habe ihn heute gefragt, ob die Tatsache, dass man nicht mit ihm verlängern würde, ihn persönlich enttäuscht hätte. Und allein das lange Zögern bei der Antwort zeigte mir, dass dem so ist. Dennoch sagte er: „Wir haben viele Gespräche gehabt und gemeinsam eine Entscheidung getroffen. Ich mache mir über meine Zukunft keine Sorgen. Im Gegenteil, ich denke noch gar nicht daran. Ich habe auch noch nirgendwo einen vertrag unterschrieben, wie es mir von einigen unterstellt wurde. Nein, jetzt bin ich – jetzt sind wir alle in der Pflicht, das Ende positiv zu gestalten.“

Klingt gut – wird gut. Hoffe ich. Denn wie wichtig Mladen für die Mannschaft nach dem Ausfall von Paolo Guerrero ist, dürften nach den Versuchen mit Arslan und Son alle wissen. Selbst die bösesten Kritiker dürften nicht übersehen haben, dass Petric – vielleicht ja jetzt im Doppelpass mit dem vor dem Tor weiterhin bärenstarken Marcus Berg – den Unterschied machen kann. Mannschaftsintern hat der 31-Jährige allemal an Bedeutung gewonnen. Zuletzt im Spiel gegen Freiburg ergriff er in der Halbzeit das Wort. „Die Mannschaft saß da und keiner sagte ein Wort. Die Stimmung war am Boden. Da habe ich alle zusammengerufen und auf die zweite Halbzeit eingeschworen.“ Dass ausgerechnet er als ausgewiesener „Knipser“ anschließend in der zweiten Hälfte eine Hundertprozentige vergab – auch ein Ergebnis der Ereignisse in den letzten Wochen. „Den muss ich machen, da gibt es gar nichts“, so Petric, der zwar keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Auslassen der Großchance und seinen gescheiterten Vertragsverhandlungen zugeben wollte, der aber auch klar sagt: „Es wäre arrogant zu sagen, dass ich alles an mir abprallen lasse. Ich beschäftige mich auch mit den verschiedenen Situationen. Mir geht das alles hier ganz sicher nicht am Arsch vorbei. Ganz sicher nicht.“

Es ist erkennbar, dass auch Petric verletzt ist. „Natürlich hat das auch in mir gebrodelt. Wenn die Leute sagen, ich hätte woanders unterschrieben und mir sei die Situation beim HSV egal, dann ist das eine Frechheit. Dann wurden noch Sachen geschrieben, die absolut unwahr waren. Ich habe bis heute nirgendwo unterschrieben. Vielmehr wurde ein Sündenbock gesucht – und in mir gefunden. Doof war nur, dass alles in eine Phase fiel, die für uns nicht gut lief. Auch für mich nicht.“ Inzwischen aber, und das betont Mladen, habe er gelernt, damit umzugehen. „Das war nicht leicht, aber ich habe mich in den Griff gekriegt. Es ging und geht hier nicht ja auch nie um mich allein. Es hängt sehr viel mehr dran. Ich habe gelernt, diese Dinge für mich richtig einzuordnen.“

Auch, weil er wie seine Mannschaftskollegen inzwischen erkannt habe, was die Uhr geschlagen hat. Sein persönliches Schicksal ist nicht annähernd so wichtig, wie das des letzten Bundesliga-Dinos, der seinen Nimbus zu verlieren droht. Insbesondere die deutliche Ansprache von Trainer Thorsten Fink am Montag habe Klarheit gebracht, sagt Petric. „Ich glaube schon, dass die Trainerworte was bewirkt haben. Das war für den einen oder anderen, der die Situation bislang unterschätzt hat, der ultimative Weckruf.“ Dass damit insbesondere die jüngeren Spieler, wie beispielsweise die Zugänge des FC Chelsea gemeint seien wollte Petric nicht bestätigen – allerdings gilt es als offenes Geheimnis, dass unter anderen ein Gökhan Töre, ein Jacopo Sala, ein Jeffrey Bruma sowie auch ein Heung Min Son oder Ivo Ilicevic vom Trainer persönlich dazu aufgefordert wurden, sich der brenzligen Situation des Klubs bewusst zu werden und künftig mehr zu investieren. Und schon dieser Umstand lässt die erneuten Versuche Frank Arnesens, von Chelsea Leute aus der zweiten Reihe nach Hamburg zu holen, auf mich sehr unglücklich wirken – um es vorsichtig zu formulieren.

Wobei Arnesen schon einen nominell guten Transfer unter Dach und Fach gebracht hat. Sollte der HSV die Klasse halten – und nur aufgrund dieser noch unklaren Situation wurde der lange feststehende Transfer bislang noch nicht als perfekt vermeldet – kommt Stürmer Artjoms Rudnevs. Das haben wir heute bereits im Abendblatt vermeldet, aber für die, die nur hier im Blog unterwegs sind, noch mal: Der lettische Torjäger von Lech Posen, der auch von Dortmund und Borussia Mönchengladbach umworben gewesen sein soll, soll Mladen Petric im Angriff ersetzen. Der HSV, Posen und der 24-jährige Nationalspieler sind sich bereits seit Wochen einig. Der Angreifer, der es in dieser Saison in 21 Meisterschaftsspielen in Polens erster Liga auf 18 Treffer bringt, gilt als hoffnungsvolles Talent.

Apropos hoffnungsfroh, das durfte man heute nach dem Vormittagstraining auch sein. Nach den eher mageren Konsequenzen gestern (Besic und Castelen zur U23 runter), ließ Fink heute Vormittag seinen Worten Taten folgen und zog die Trainingsintensität an. Auf jeweils zwei kleine sowie zwei Fünf-Meter-Tore spielten jeweils fünf gegen fünf, ehe Fink eine intensive taktische Übung einstreute. Dabei musste sich die Abwehr (in wechselnden Formationen) einer Überzahl attackierender Spieler erwehren und sich unter Druck spielerisch befreien. Das gelang zwar nur bedingt – aber es sind ja noch ein paar Tage und zumindest die Laufintensität und der Einsatz der Spieler war sehr ordentlich. Zum Abschluss ließ Fink dann noch auf verkürztem Feld jeweils zwei gegen zwei spielen. Und jeder – nicht nur die, die selbst gekickt haben – kann erahnen, dass diese Übung sehr anstrengend war. Entsprechend ließ es Fink am Nachmittag etwas gemäßigter angehen.

In diesem Sinne, Mladens bestes Mittel gegen seine nicht leiser werdenden Kritiker waren, sind und bleiben seine Tore. Und die helfen auch gegen den Abstieg. Ergo: Mach et, Mladen! Für Dich, gegen Deine Kritiker – aber vor allem für den HSV!

Bis morgen! Da wird wieder um 10 und um 15 Uhr trainiert.

Scholle

P.S.: Heute gab es vormittags eine turnusmäßige Vorstandssitzung, auf der auch das Thema David Jarolim noch mal auf den Tisch kam. Gut möglich, dass der HSV die eigentlich schon als entschieden geltende Trennung von dem Tschechen noch mal aufschiebt und mit dem zuletzt formstärksten Hamburger trotz der zuletzt ebenso hartnäckigen wie wiederholten Dementis Frank Arnesens verlängert.

Fink zieht die Zügel an!

26. März 2012

Es wird personelle Veränderungen geben. Beim HSV. Und die nahmen bereits heute ihren Lauf. Ab sofort nehmen Romeo Castelen und Muhamed Besic nicht mehr am Training der Profis teil. Das ist Teil eines gewissen Entschlackungsprozesses. Trainer Thorsten Fink will mit weniger Leuten übersichtlicher und komprimierter trainieren, um die Mannschaft noch effektiver auf die letzten sieben Endspiele – hoffentlich nicht wörtlich gemeint – vorbereiten zu können. Wenn es denn hilft. Und bei der Gelegenheit: Fink wird wohl auch die Aufstellung für das Kaiserslautern-Endspiel ein wenig verändern. Er möchte einen Tick offensiver werden, deshalb könnte es wohl sein, dass Tomas Rincon wieder zurück auf die Bank muss, und dass seinen Platz Gojko Kacar einnehmen wird. Ziel dieser Umstellung ist, dass wieder ein wenig mehr nach vorne gedacht und gespielt wird, was ja auch für die Partie am Sonnabend nicht verkehrt wäre, denn: Kaiserslautern wird die letzte Chance haben, durch einen Heimsieg doch noch Anschluss an das Mittelfeld gewinnen zu können. Also muss Lautern stürmen – und der HSV wird Lücken vorfinden. Und wenn es diese Lücken tatsächlich geben sollte, dann muss es natürlich auch HSV-Spieler geben, die in diese gehen bzw. laufen und bestenfalls sogar sprinten können. Um so die nötigen Treffer für den dringend benötigten Auswärtssieg zu schießen. Hoffen wir das Beste.

Festhalten wird Thorsten Fink (wohl) weiterhin an Marcell Jansen und auch an Mladen Petric. Bei Jansen ist es so, dass der Coach das „gute Verständnis“ mit Dennis Aogo auf der linken Seite lobt. Und dass Jansen mit schnellen Schritten in die (freien) Räume auf der linken Seite laufen kann, wird und soll. Ich habe davon zuletzt herzlich wenig gesehen, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich auch beim HSV zuletzt. Zur Entscheidung „pro Petric“ sagt Thorsten Fink: „Für ihn spricht die Erfahrung, und dass er schon so viele Tore für den Verein geschossen hat. Auch wie er sich gibt im Moment, wie er der Mannschaft helfen will, dass er mal was sagt, dass er auch anspricht, wenn etwas nicht gut ist, dass er sich gut im Spielerrat gibt – ich finde das ist alles in Ordnung, wir brauchen ihn für die kommenden harten Wochen. Und wenn man im Abstiegskampf ist, dann braucht man schon Erfahrung, um damit auch umgehen zu können.“

Da Jansen und Petric „drin“ bleiben werden, was ist dann mit Ivo Ilicevic? Für ihn spricht, so hat es Thorsten Fink ausgemacht, dass er gegen Freiburg (relativ) gut gespielt hat. Was in meinen Augen auch für ihn sprechen könnte ist die Tatsache, dass er ja einst auf dem Betzenberg daheim war, und dass er es genau dort seinen Freunden und Feinden zeigen will, dass er mit seinem Wechsel zum HSV alles richtig gemacht hat. Das wäre zum Beispiel meine (letzte) Hoffnung – im „Fall Ilicevic“.

Thorsten Fink zieht die Zügel an. Die Mannschaft kam 27 Minuten nach 15 Uhr erst auf den Trainingsplatz, weil es zuvor eine eindringliche und auch gelegentlich lautstarke Ansprache des Trainers gegeben hatte. Fink nahm sich dabei einige seiner „Sorgenkinder“ zur Brust – und forderte von allen 100 Prozent ein. Eine Forderung, die meinen Wünschen entsprechen würde und der ich mich anschließen könnte.

Aufwachen, Jungs, es ist fast schon zu spät!

„Wir wollen in Kaiserslautern gewinnen, wir werden dort alles geben wir werden auch Gas geben – und dann schauen wir, was da hinterher rauskommen wird. Es könnte ja auch sein, dass wir dort einen Punkt mitnehmen, aber es könnte ja auch weiter sein, dass dieser Punkt uns wieder über den Strich bringt. Es wird ein harter Abstiegsfight bis zum Ende. Wir können jetzt nicht davon ausgehen, dass wir nun alles gewinnen, und dass wir dann in drei, vier Spielen da unten raus sind. Das wird ein harter Fight, und es wird hart bleiben, wir müssen uns, das ist ganz klar, auf sieben harte Spiele einstellen und vorbereiten, es gibt jetzt nicht nur das eine Endspiel in Kaiserslautern für uns“, sagt Thorsten Fink. Er hat es auf jeden Fall verinnerlicht, was die Stunde jetzt geschlagen hat. Was die Stunde für den HSV, den letzten Dino der Liga, geschlagen hat.

Und das muss und wird er seinen Männern vermitteln. Und wenn die es dann auch kapieren, dann wird es doch laufen. Oder? Mensch, der HSV, dieser HSV hat doch vor Wochen noch ein 1:1 gegen die Bayern geschafft, und ein 1:1 in Gladbach geholt. Und zwar nicht mit Glück, sondern mit Können. Fink predigt seinen Jungs jetzt bestimmt (und mitunter kommt er mir tatsächlich wie ein Wanderprediger vor!) täglich folgende Sätze: „Ich glaube an meine Mannschaft, ich vertraue ihr – und dann werden wir es schaffen. Wir haben die Lage erkannt, wir wissen, dass es eine heikle Lage ist, wir wissen, dass die Leistungen in den letzten Wochen nicht immer gut waren, und das werden wir ändern. Jeder, der hier jetzt nicht mitzieht, der darf dann einfach nicht mehr dabei sein in unserem Kader. Wer jetzt nicht hundertprozentig bei der Sache ist, der wird am Wochenende auch nicht dabei sein – ich werde diese Woche ganz genau hinschauen, wer da nicht so mitzieht wie wir es wollen.“ Und weiter sagt der Coach: „Wir müssen hart arbeiten, wir müssen unser Ziel hartnäckig verfolgen, wir müssen unsere kleinen Fehler abstellen, wir müssen konzentrierter spielen, wir müssen lernen, auch Kleinigkeiten besser machen zu wollen, wir müssen weiter dranbleiben. Diese Kleinigkeiten können einen Punkt bedeuten, und ein Punkt kann am Schluss den Nicht-Abstieg bedeuten.“

Thorsten Fink lässt in den nächsten beiden Tagen jeweils um 10 Uhr und um 15 Uhr trainieren, legt also auch im Trainingspensum zu, aber er wird ansonsten seine Linie beibehalten. Soll heißen, dass er jetzt nicht die Knute rausholen wird, um auf die Spieler einzuprügeln. Er sagt: „Es hilft nichts, auf die Mannschaft einzuhauen, und dann zu glauben, sie würde deshalb am Wochenende besser spielen. Wenn die Spieler den entsprechenden Einsatzwillen nicht zeigen, dann werde ich natürlich reagieren, aber wir reagieren schon jede Woche – das muss nur nicht immer an die Öffentlichkeit gelangen. Wir werden durchaus schon mal lauter, aber das geschieht intern. Trotz allem muss es doch so sein, dass man seiner Mannschaft Vertrauen schenkt. Draufhauen, und ich bin ja auch schon ein paar Jahre im Profi-Geschäft dabei, bringt nichts. Wir müssen positiv denken, wir müssen wissen, dass wir es besser können – wir haben es doch schon gezeigt.“

Natürlich hat er das, der HSV. Aber er hat es auch oft genug schon bewiesen, dass er es nicht so richtig kann. Wer von 14 Heimspielen lediglich zwei gewinnt, der kann so viel Qualität eigentlich nicht in der Mannschaft haben – oder liege ich da falsch? Nur was soll Thorsten Fink dazu sagen? Er hat ja keine andere Mannschaft. Er muss genau diesen Leuten vertrauen, dass sie die Kastanien aus dem Feuer holen – und die Raute weiterhin ganz oben am Leben erhalten. Später, viel, viel später können die Verantwortlichen sicher mal (im privaten Kreis) zugeben, dass es ein heißer Tanz auf der Rasierklinge war, das Unternehmen „HSV 2011/12“.

Zumal es ja noch viele außergewöhnliche Widrigkeiten dazu gab – quasi als Zugabe. Dass sich der HSV von Mladen Petric trennen will, wollte und muss – ausgerechnet jetzt. Ja, ausgerechnet jetzt. Das ist zwar äußerst dumm gelaufen, aber der HSV kann doch jetzt nicht nur deshalb, weil er auf die Tore von Mladen Petric hofft, seine Planungen umstoßen und sagen: „Gut, es geht eben nicht anders, dann verlängern wir mit Petric eben um die nächsten zwei, drei Jahre – für einige Millionen. . .“ So geht es doch wirklich nicht.

Dumm gelaufen ist es natürlich auch im Fall Jaroslav Drobny. Jeden Tag war etwas über die Verpflichtung des ehemaligen Nationaltorwarts Rene Adler zu lesen. Die Offenheit ist dumm gewesen, aber sie soll aus Leverkusen lanciert worden sein. Zum Glück ist es ja inzwischen ein wenig ruhiger in diesem Thema geworden. Ob das aber wirklich noch hilfreich ist? Ich weiß es wirklich nicht. Anstelle von Drobny wäre ich, Profi hin oder her, schon echt verunsichert – und auch sauer. Quintessenz: Dieser Fall ist für mich schon echt dumm gelaufen, das wäre vermeidbar gewesen. Wie wohl auch der „Fall Jarolim“. Da wird ein Mann, der sich Verdienste um den HSV erworben hat, im Herbst auf das Abstellgleis geschoben – und nun soll er der „Held im Abstiegskampf“ werden. Plötzlich und unerwartet. Und „Jaro“ gibt ja auch tatsächlich Gas ohne Ende, zweigt sich als Vorbild-Profi. Aber ob es noch hilft? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass David Jarolim ganz sicher kein Großverdiener ist, als dass man ihn von der Gehaltsliste kriegen muss. Und ich weiß, dass man einen so vobildlichen Spieler eigentlich immer noch brauchen könnte. Sogar für etwas weniger Geld (Gehalt), wenn es denn sein müsste – denn der HSV hat „Jaro“, dem schon ausrangierten „Jaro“ ja schon weit vorher in Aussicht gestellt, weiter für den Klub arbeiten zu können – im Nachwuchsbereich. Was wäre es wohl gewesen, wenn er dann einen abgespeckten Vertrag erhalten hätte, praktisch als „Stand-by-Profi“? Aber gut, ich bin nicht der, der dem HSV diese Philosophie verordnet (hat), aber es ist schon so – auch diese Baustelle wäre eigentlich nicht nötig gewesen.

Diese drei Widrigkeiten haben dem HSV sicherlich nicht in die Karten gespielt, sie haben sicherlich auch dabei „geholfen“, dass der Klub nun so steht, wie er steht. Und dann gibt es ja auch noch die Personalie Paolo Guerrero. Wie sehr fehlt dieser Mann denn nun? Unheimlich sehr – behaupte ich, denn er war vorher der beste Stürmer des HSV. Und das ist Punkt vier, der in dieser schlimmen Misere seine negative Bedeutung hat. Und darunter hat nun der gesamte Klub und sein Umfeld zu leiden. Leider, leider.

Nun soll es plötzlich Marcus Berg richten. Marcus Berg! Einer, den kaum einer auf dem Zettel hatte. Wer den Schweden zuletzt im Training gesehen hat, der kann es ganz sicher nicht glauben, dass auf ihn nun die Offensiv-Hoffnungen des HSV ruhen sollen. Über diesen Marcus Berg hatte Thorsten Fink noch in der Woche vor dem Freiburg-Spiel (völlig zu recht) gesagt, dass er „jedem Zweikampf aus dem Wege geht“. Jetzt sagt der Trainer: „Bei ihm hat man das Gefühl, dass er nicht viele Chancen braucht, um ein Tor zu machen. Ich kann über Marcus Berg nur Gutes sagen, wir besitzen in ihm nun einen guten Torjäger. Ich habe mich immer gefragt, warum er so sehr in der Kritik stand, er war ja auch öfter mal verletzt, aber ich habe ihn eigentlich immer sehr, sehr gut gesehen. Ich freue mich, dass er jetzt gerade im richtigen Moment seine Form findet, und von einem Torjäger erwarte ich Tore – das hat der Marcus in Wolfsburg gleich gemacht.“

Hoffen wir also auf den Berg-Affekt auf dem Betzenberg.

Bei der Gelegenheit: Es wird ja immer gefragt, warum der HSV in der Winterpause keine weiteren Spieler verpflichtet hat? Zu diesem Thema hatte am Wochenende ein ganz besonderer Mann eine ganz dezidierte Meinung. Ich habe dies live im Fernsehen gesehen, aber ich wurde darauf per Mail noch einmal explizit aufmerksam gemacht, deswegen nun die Mail dazu:


Hallo Herr Matz,

diese Aussage von Clemens Tönnies auf Sport 1/Doppelpass zum HSV sollte nicht untergehen:
„Dieses ständige Gerede beim HSV, man müsse die Personalkosten reduzieren, ist für einen so großen Verein völlig unverständlich. Ich glaube, dass man beides tun muss: die Ausgaben harmonisieren, aber auch die Einnahmenseite aktivieren. Ich sehe den Verein ein bisschen sich kaputt sparen. So kriegen Sie kein Unternehmen saniert, wenn Sie nur auf sparen setzen.”

Clemens Tönnies, Aufsichtsratsvorsitzender Schalke 04 am 25.03. auf Sport 1

Ich bin übrigens HSV-Mitglied und leide wie Sie vermutlich auch unter der aktuellen Situation.
Mit freundlichen Grüssen
André A.

PS: Dienstag um 10 und um 15 Uhr Training im Volkspark.

18.41 Uhr

Die Qualität – jetzt muss sie sich zeigen

25. März 2012

Statt Osterhasen gibt es in diesem Jahr in Hamburg nur Angsthasen. Und davon laufen in diesen Tagen schon weit vor dem heiligen Fest sehr, sehr viele durch die Stadt. Man erkennt sie an den gesenkten Blicken, am genervten Gesichtsausdruck und an der Dünnhäutigkeit, wenn über das Thema Bundesliga-Abstieg im Zusammenhang mit dem HSV philosophiert und diskutiert wird. Alles nicht mehr so ganz normal in dieser schweren Zeit. Aber, und das ist vielleicht ein kleiner Trost, das wunderschöne Vorsommer-Wetter ist wenigstens wunderschön . . . Wenn’s nur nicht alles so traurig wäre. Geht’s euch nicht auch so: Das nächste Spiel ist viel zu lange weg. Der Dino geht am Stock, schlimmer noch, er kämpft fast schon verzweifelt ums Überleben – man möchte so gerne helfen, aber man kann nicht. Das ist doch alles absolut entsetzlich.

Und dann noch diese Bundesliga. Spielt auf einmal wie im wilden Westen. Als ob es alles gegen den HSV gehen muss. Sogar Werders A-Jugend lässt sich in der dreiminütigen Nachspielzeit noch einen von Augsburg einschenken. Das ist doch alles Mist – ist das doch.
Nun gut, der HSV wird sich am eigenen Schopfe aus dem Schlammassel ziehen müssen, und müsste damit am besten schon am Sonnabend auf dem „Betze“ anfangen. Dann mit der Einstellung von Wolfsburg, vielleicht noch mit dem einen oder anderen Prozent mehr, dann könnte es tatsächlich etwas werden.

Wenn dazu dann auch noch das Offensivspiel etwas verbessert werden könnte, dann wäre das sicher ganz hilfreich. 15:4 Torschüsse in Wolfsburg, das ist doch echt zu dürftig. Obwohl Trainer Fink und Sportchef Frank Arnesen damit leben können, denn beide erklärte unisono: „Wir haben auswärts gespielt, da ist eine solche Bilanz ganz normal.“ Na ja. Bei solchen Aussagen ertappe ich mich immer mehr, in der Vergangenheit zu forschen. Bin in den 80er-Jahren gelandet. Bei der unglaublich Siegesserie des HSV. Damals, als der HSV auch nach 30 Bundesliga-Spielen nicht verloren hatte, erfand der damalige Abendblatt-Sportchef eine Zeile, die heute noch Kreise zieht (in der Redaktion): „Wer will diesen HSV noch siegen sehen?“ Was ich damit sagen will: Bei diesen über 30 unbesiegten Spielen waren sicher auch zwei, drei Auswärtssiege dabei. Und zwar nicht immer nur 1:0. Da muss damals also durchaus doch mehrmals auf das gegnerische Tor (und in jenes hinein) geschossen worden sein – damals wahrscheinlich auch völlig normal. So wie es heute eben völlig normal ist, dass man nur viermal . . . Zumal ja, das wird uns Woche für Woche von verantwortlicher Seite bestätigt, die Qualität innerhalb des HSV-Teams ja durchaus gut oder sogar sehr gut sein soll.

Was sie natürlich nicht ist. Das wird uns in spätestens zehn Jahren auch in einer privaten Unterhaltung bestätigt werden, nur offiziell eben noch nicht. Weil es dieser Kader ja richten soll, richten muss – drin zu bleiben.

Ich bin mal gespannt, ab es personelle Veränderungen im Hinblick auf das Lautern-Spiel am Sonnabend geben wird. Sehr gespannt. Marcell Jansen und Ivo Ilicevic zum Beispiel – werden sie erneut spielen dürfen? Von beiden Profis kam null Wirkung. Null. Wieder einmal. Und ich sage (schreibe) es höchst ungern, aber ich schreibe es heute: bei Ilicevic gebe ich meine Hoffnung auf. Ich habe ihm eine große Zukunft beim HSV vorhergesagt, ich war begeistert, als er vom HSV verpflichtet worden ist – und bin jetzt so was von enttäuscht. Da kommt ja gar nichts. Bei Jansen kommen ja wenigstens tolle Erklärungen, warum da nichts kommt – aber Ilicevic? Wie gesagt, keine Hoffnung mehr. Jetzt muss Gökhan Töre helfen – bitteschön. Der Deutsch-Türke wurde am Ende der Hinrunde als bester Nachwuchsmann der Liga ausgezeichnet, daran darf er nun gerne wieder mal anknüpfen. Bitte, bitte.

Gespannt bin ich auch, wie es sich mit Mladen Petric entwickelt. Ich habe meine Meinung zu ihm schon in Wolfsburg geschrieben – ich würde ihn (natürlich) auch auf dem Betzenberg bringen. Ganz klar. Auch schon deshalb, weil es ja gar keine großen Alternativen mehr gibt. Aber immerhin hat sich Marcus Berg (mit seinem sehr schönen Tor) ja wieder in Erinnerung gebracht – mit einer durchaus guten Leistung. Habe ich ihm gar nicht zugetraut, gebe ich zu, aber man ist eben nie vor Überraschungen gefeit. Und das ist ja auch gut so.

Gefragt wurde ich im Blog auch nach Per Ciljan Skjelbred. Er war nicht im Kader für das Wolfsburg-Spiel. Thorsten Fink hat so entschieden. Obwohl ich denke, dass es nun mal an der Zeit wäre, dass der Norweger endlich mal zeigt, was ihn einst in den internationalen Fußball gebracht hat. Im Training, so finde ich, macht Skjelbred durchaus mal die eine oder andere gute Sache, aber insgesamt macht er einfach zu wenig. Dennoch glaube ich, dass er ja seine Erfahrungen gesammelt hat, und die könnten doch eventuell noch einmal ganz hilfreich sein – so hoffe ich mindestens. Vielleicht erhört er mich ja mal und reißt sich nun und ab jetzt zusammen.

So, um nicht zu lang zu werden, denn es kommt zum Schluss ja noch einiges, beende ich diesen Sonntags-Beitrag.

Vom SID, Sport-Informations-Dienst, kommt der heutige Bundesliga-Kommentar:

Reif fürs Museum

Von Kristof Stühm

Sechs Euro kostet beim HSV eine Reise in die glorreiche Vergangenheit. Im klubeigenen Museum kann jeder Besucher auf 700 Quadratmetern die erfolgreiche Geschichte der Hamburger atmen, die Trophäen bestaunen, ein Meistertrikot von Uwe Seeler bewundern und die großen Triumphe immer und immer wieder auf bewegten Bildern anschauen. Sieben Spieltage vor Saisonende ist es längst nicht mehr ausgeschlossen, dass Direktor Dirk Mansen im Mai für ein weiteres historisches Exponat einen Platz finden muss – die legendäre Bundesliga-Uhr.

Zwar tickt sie noch und zählt die Jahre, Tage, Stunden, Minuten und Sekunden, die der HSV in der Bundesliga spielt – seit Gründung der Eliteliga 1963 als einziger Klub ununterbrochen. Doch nach vier Pleiten in Serie taumeln die Hamburger immer schneller in Richtung
2. Liga. Und während die Konkurrenten aus Augsburg, Freiburg und Berlin den brutalen Existenzkampf längst angenommen haben und ihre viel bescheideneren Mittel leidenschaftlich in die Waagschale werfen, üben sich die Hanseaten weiter in Schönfärberei. Motto: Wir sind zu gut für den Abstieg!

Trainer Thorsten Fink überraschte erneut mit seiner sehr eigenen Analyse: „Wir müssen nichts ändern.“ Vergangene Woche hatte er noch gesagt, der HSV sei „kein Abstiegskandidat“. Und Sportdirektor Frank Arnesen behauptete nach der Niederlage in Wolfsburg: „So werden wir noch unsere Punkte holen.“

Doch Punkte holen längst nur noch die anderen. In Freiburg hat Trainer Christian Streich eine verschworene Elf geformt, die Augsburger haben sowieso nichts zu verlieren, weil ihnen schon vor Saisonbeginn klar war, dass sie bis zum Schluss unten drinstecken würden. Und plötzlich gewinnt sogar die Hertha aus Berlin mit Otto Rehhagel.

In der wichtigsten Phase der Saison spricht der Trend klar gegen den HSV. Die Abwehr leistet sich regelmäßig Aussetzer – vor allem bei Standardsituationen. Dem Mittelfeld fehlt es an Ideen und Esprit. Bezeichnend: Bester Mann in der für den Spielaufbau so wichtigen Zentrale ist der eigentlich schon ausgemusterte David Jarolim.

Der Angriff verbreitet auch nicht gerade Angst und Schrecken. Paolo Guerrero darf nach seinem Kung-Fu-Tritt gegen Stuttgarts Sven Ulreich erst in den letzten beiden Spielen wieder mitmachen. Marcus Berg hat zwar in Wolfsburg getroffen, ein Torjäger ist er aber nicht. Und Mladen Petric hat am meisten mit sich selbst zu tun. Dass sein auslaufender Vertrag nicht verlängert wird, trägt sicher nicht dazu bei, dass sich der Kroate über das Mindestmaß hinaus bewegt.

Und so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende der Saison zwei eigentlich in Stein gemeißelte Fußball-Serien enden: Die Unaufsteigbaren aus Fürth steigen auf. Und die Unabsteigbaren aus Hamburg steigen ab.

 

Zu diesem brisanten Thema gab natürlich auch bei uns wieder zahlreiche Kommentar. Pro und kontra. Drei Meinungen davon einmal exemplarisch veröffentlicht.

„Bubi Hönig“ am 25. März 2012 um 10:15:


Guten Morgen, ich möchte nicht in die Diskussion einsteigen, weil aus meiner Sicht die Zeit dafür vorbei ist. Es geht nicht um den Trainer, den VV,
den Sportchef und nicht um einzelne, oder besser alle Spieler. Es geht nur noch ums Überleben!! Ich will mal Dieters Absatz zum Publikumsvergleich
herausgreifen, weil er damit aus meiner Sicht einen wichtigen Punkt anspricht. Aus meiner Erinnerung gab es die wildeste Stimmung beim HSV (natürlich
neben den Meisterjahren) in den bedrohlichsten Phasen, z.B. 1972. Die Leidenschaft der Zuschauer war für jeden in ihrer gesteigerten Form spürbar,
ganz sicher auch für die Spieler. sogar unsere Geliebte Presse rief zur Unterstützung auf! Mir kommt es vor, als wenn heute eher über zu hohe Ablösen
diskutiert wird, oder um zu hoch stehende AV. Vielleicht verhindern diese fehlenden % bei den Fans auch den Abruf derselben bei den Spielern. In WOB
fand ich die Mannschaft OK und am Rande ihrer Möglichkeiten. Fehlende Klasse lässt sich eben nicht so einfach wettmachen.
Guten Tag.

Von Eisenwilli:

ich hatte es vor monaten schon geschrieben, selbst wenn herr mourinho
persönlich auf der trainerbank sitzen würde, oder van gaal oder sonst wer,
die situation wäre vermutlich die gleiche.

es liegt an der einkauf- und verkaufsspolitik der letzten jahre. kein
einziges “talent” hat sich beim HSV entwickelt oder durchgesetzt. komisch,
daß ein choupo woanders plötzlich trifft, es war für all die jungen leute
die beste entscheidung, den verein zu verlassen und woanders ihr glück zu
suchen.

und dieter, ich fand es damals schon unmöglich, für rohzenal 7 mios
auszugeben, für berg gar 10. die spirale hatte ihre spitze erreicht, es
war der pure wahninn! doch wer wagte es, dies zu stoppen? die
transfersummen beim HSV hatten eine atemberaubende dimension erreicht, die
kaum mehr nachzuvollziehen war. man city war daran nicht ganz unbeteiligt,
will ich an dieser stelle anmerken.

dass nun eine rückkehr zur politik der sparsamkeit eingekehrt ist, das war
uns ALLEN klar, birgt auch ein großes risiko. dass es nun gegen den
abstieg geht, tja, auch damit hätte man rechnen können, spätestens in der
letzten winterpause, doch hochmut kommt vor dem fall! die erspielten
punkte gegen bayern und gladbach halten uns nun noch mit der nasenspitze
über wasser, mehr aber auch nicht.

 

Und dann auch der Kommentar von “HSV seit 1981″:

Absolut korrekt: Verantwortlich für die Mieserensaison 2011/2012 ist diese
Vereinsführung und diejenigen, die sie ins Amt gehievt haben.
Nur dagegen zu sein, hilft nicht. Man muss auch ein Konzept haben, dass
über Umbruch (oder war es Abbruch) hinaus geht.
Wer einen Verein mit Amateuren und wie einen Amateurclub führen will, der
wird auch bald mit solchen spielen.
Unter Hoffmann haben wir wenigstens – wenn es eine Saison schlecht lief –
um den letzten Qualiplatz für die Europa League mitgespielt und nicht um
die Relegation.

Drei kleinere Dinge noch.

1.) Der Beitrag von Thorsten Bettin, den ich hier gestern veröffentlichte, fand bei Freunden, Bekannten, Usern und Fans sehr viel Zuspruch. Danke dafür. Der Altenwerder-Trainer hatte ja viele Punkte kritisch hinterfragt, auch das Trainingspensum eines Profis allgemein – und das des HSV-Profis ganz speziell. Ich möchte zu diesem Thema nur sagen, dass so etwas immer wieder diskutiert wird auch von Amateurtrainern, die gelegentlich beim HSV zusehen. Ich habe mich in meinen über 30 Jahren beim HSV oft genug mit dieser Problematik befasst, und ich bin es, ehrlich gesagt, Leid, darüber zu schreiben. Ich kann nur sagen: So, wie dieser HSV jetzt unter der Regie von Thorsten Fink trainiert, so wurde er auch unter Michael Oenning, Armin Veh, Bruno Labbadia, Martin Jol, Huub Stevens, Thomas Doll, Frank Pagelsdorf, Kurt Jara, Klaus Toppmöller, Martin Wilke und Co trainiert. Da gibt es keine großen Unterschiede. Und deswegen schreibe ich auch nicht mehr drüber.

Mir ist das, auch das gebe ich zu, viel zu wenig. Und viel zu wenig individuell. Aber auch das ist schon oft von mir geschrieben worden. Die Profis trainieren eben so, ob sich darüber ein Matz aufregt oder nicht. Und nun könnte ich diese ganzen Namen, die ihr eben gelesen habt, erneut runterbeten – sie haben alle so trainiert. Und so ist es offenbar Sitte. Und ein Trainer-Guru wie Otto Rehhagel, dem wird ja nachgesagt, dass er meistens nur spielen lässt, ansonsten soll sein Training antiquiert sein. Und? Was soll’s? Es ist so, wie es ist. Er wird sich nicht mehr ändern, kein Trainer in Deutschland (und in der Ersten Bundesliga) wird sich mehr ändern. Die ziehen ihr Ding so durch. Ende.

Eine kleine Nuance aber, das muss ich doch noch zugeben, gab es mal. Tatsache! Als Oenning von Veh übernahm, also der Co-Trainer seinen Chef beerbte, da zog Oenning kurz vor dem Ende der Saison das Trainingspensum doch noch einmal an. Im krassen Gegensatz zu allen ansonsten üblichen Aussagen aller oben aufgezählten Bundesliga-Trainer, die immer Stein und Bein schworen: „Gegen Ende der Saison bringt das überhaupt nichts mehr, den Grundstein für Ausdauer, Kraft und Kondition muss man in der Vorbereitung legen . . .“ Super. Dann legt mal schön weiter . . .
Und wenn ich schon dabei bin: Ich habe schon seit Monaten ganz einfach das Gefühl, dass sich Mannschaften wie Freiburg oder vor allem auch Augsburg ganz anders den Arsch aufreißen (können), als unser HSV. Aber das mag ja noch kommen . . .

Um das Thema abzuschließen: Lieber Thorsten Bettin, ich kann verstehen, dass Du skeptisch bist, wenn Du das alles siehst, aber ich kann Dir versichern, Du bist nicht der erste (Hamburger) Amateurtrainer, der ein solches Aha-Erlebnis im Volkspark hat, und Du wirst nicht der letzte sein. Ganz sicher Aber das ist alles ganz normal – wie in der ersten Bundesliga eben.

Wobei, und das muss schnell noch erlaubt sein, da fällt mir doch gerade noch ein kleines Nähkästchen ein: Unter Frank Pagelsdorf waren wir mal im Trainingslager an der Algarve. Da haben die Spieler während des Trainings auch oft im Gras und in der Sonne gelegen. So viel und so oft, dass wir uns draußen fragten, ob das noch „gesund“ ist? Irgendwann sprachen wir am Ende des Trainings auch darüber mit HSV-Boss Werner Hackmann und Sportchef Holger Hieronymus. Letzterer gab dann zu: „Komisch, das sehen wir genau so wie ihr – ich werde mal mit dem Trainer reden.“ Das tat er dann auch, was dazu führte, dass Pagelsdorf völlig sauer auf uns war. Irgendwann sprachen wir in großer (Presse-)Runde darüber, und der HSV-Coach sagte: „Holger Hieronymus hat mir gesagt, dass ihr euch bei ihm über mein zu lasches Training beklagt habt – und das finde ich einfach eine riesige Sauerei . . .“ So viel zum Thema: „Ich werde mal mit dem Trainer darüber reden.“ Und nun tatsächlich Ende mit diesem leidigen Thema.

2.) Heute um 21.45 Uhr gibt es bei beim TV-Sender „HH 1“ die Hamburger Presserunde zum Thema HSV, mit von der Partie ist „Lotto King Karl“.

3.) Und dann gibt es in der jetzigen Situation ja, Ihr werdet es gemerkt haben, unglaublich viele Witze über den angeschlagenen HSV. Ich sage immer: „Man muss auch über sich selbst lachen können. Und wer zuletzt lacht, lacht am besten.“

Hier ein Witz, über den ich lachen kann, schickte mir Bernd F. zu, auch dafür vielen Dank:

Die Fee gewährt dem Mann einen Wunsch.

Der Mann: „Ich möchte gerne unsterblich sein!”

Die Fee: „Tut mir leid, aber das ist der einzige Wunsch, den ich dir nicht erfüllen kann!”

Der Mann: „Okay, dann möchte ich erst dann sterben, wenn der HSV mal wieder – Deutscher Meister – wird!”

Die Fee: „Du raffinierter Kerl . . .”

PS: Training am Montag im Volkspark, wahrscheinlich um 15 Uhr, aber gesichert ist das nicht.

17.36 Uhr

Die Trainer-Frage stellt sich nicht

24. März 2012

Um das einmal klar zu sagen: Auch nach der vierten HSV-Pleite in Folge ist ein Trainerwechsel kein Thema. Für mich nicht, für die Verantwortlichen nicht. Thorsten Fink bleibt, keine Frage, es ist in erster Linie die Mannschaft gefragt – und die zeigte sich ja trotz der 1:2-Niederlage in Wolfsburg ein wenig erholt, zeigte den Willen und zeigte auch endlich einmal so etwas wie Geschlossenheit. Nur so geht es nämlich noch.

Aber auch das Verhältnis Mannschaft/Fans zeigte sich in der Volkswagen-Arena intakt. Ich will nicht sagen, dass die Spieler nach dem Schlusspfiff, als sie in die „Hamburger Kurve“ gingen, begeistert gefeiert wurden, aber sie erhielten viel Beifall und immer wieder auch aufmunternde Zurufe. Wobei ich mich gefragt habe, ob das vielleicht auch deshalb etwas üppiger als sonst nach Niederlagen ausgefallen ist, weil sich ansonsten „ganz Wolfsburg“ in den Armen lag und so feierte, als wäre gerade die zweite Deutsche Meisterschaft unter Dach und Fach geschossen worden. „Oh, wie ist das schön“, sangen die VfL-Fans immer wieder, und auch dieses schlimme „Lied“: „Zweite Liga, Hamburg ist dabei, Zweite Liga, Hamburg ist dabei . . .“ Mal abwarten. Aber soweit ist es schon gekommen, dass sich der HSV solche Schmähungen nun auch schon in Wolfsburg gefallen lassen muss.

Deswegen kann ich nur daran appellieren, dass nun alle Hamburger und alle HSV-Fans zusammenhalten. Niedermachen? Vernichten? Das machen doch schon die anderen Fans, warum sollten das in dieser schlimmen, in dieser hochdramatischen Situation auch noch die „eigenen“, die HSV-Fans machen? Um hinterher, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, noch mehr über den Klub herzufallen? Ich kann außerdem immer wieder nur sagen: Wer jetzt pöbelt, wer jetzt aus der Haut fährt, weil die Ergebnisse nicht mehr stimmen, weil der Klub in größter Abstiegsgefahr schwebt, der sollte sich selbst einmal hinterfragen. Vielleicht nur diese eine Frage stellen: „Wo war ich, als damals ein Marcus Berg für elf Millionen Euro verpflichtet wurde, wo war ich, als damals – ist ja noch gar nicht so lange her – ein David Rozehnal für sieben Millionen Euro eingekauft wurde? Und habe ich etwas dagegen gehabt, als Paolo Guerreros Vertrag nach dem ominösen Flaschenwurf nicht nur verlängert wurde, sondern das Gehalt auch gleichzeitig um eine Million Euro angehoben wurde?“

Wer hat da gepöbelt? Vielleicht noch gerade im Falle Guerrero, aber weder bei Berg noch bei Rozehnal (nur zum Beispiel) haben die Fans protestiert. Trotz dieser Wahnsinns-Summen! Und heute fragen sich viele HSV-Anhänger, warum der Klub nicht in der Winterpause noch reagiert hat, warum nicht noch ein, zwei, drei neue Spieler verpflichtet wurden?

Ja, warum wohl nicht?

Alle, die damals geschwiegen haben, die dürften jetzt ganz sicher nicht herumpöbeln, nicht vernichten, nicht kritisieren.

Und sie sollten hoffen. Auf die Rettung, die ja immer noch möglich ist. Der HSV hat in diesem Jahr schon 1:1 gegen Bayern München und Borussia Mönchengladbach gespielt. Also bewiesen, dass er es kann – es könnte. Jetzt wurde zwar das erste von acht Abstiegsendspielen verloren, aber es gibt noch immer sieben Abstiegsendspiele. Sieben. Und in denen geht es nicht gegen die ganz Großen von oben, sondern gegen durchaus schlagbare Mannschaften. Der HSV muss jetzt nur, da bin ich ganz auf der Seite von Thorsten Fink, eine Einheit werden. Und zwar nicht nur die Mannschaft, die es auf dem Rasen richten soll, sondern alle. Das gesamte Umfeld. Die Lage ist äußerst prekär, aber deswegen nun in Panik verfallen? Das wäre wenig hilfreich.

So, das musste ich mir mal von der Seele schreiben. Ich gebe es doch zu, ich zitterte doch mit euch, mit dem HSV. Ist doch klar. Ich gehe seit August 1959 zum HSV, ich habe den HSV immer oben erlebt und gesehen, deswegen will auch ich den HSV nicht in Liga zwei sehen. Im 125. Geburtstagsjahr darf die Raute nicht untergehen – aber eine Rettung kann meines Erachtens nur dann gelingen, wenn alle gemeinsam dagegen angehen. Alle.

Und das scheint die Mannschaft nun endlich kapiert zu haben. Endlich, endlich, endlich. Natürlich wurde es Zeit, aber nun scheint es zu funktionieren. In Wolfsburg war einer für den anderen da, es wurde gekämpft, gebissen und enorm viel gelaufen, es wurde sich gegenseitig geholfen. Auch deshalb, weil die erfahreneren Spieler wie Mladen Petric, Heiko Westermann, Dennis Aogo und David Jarolim mit bestem Beispiel voran gingen bzw. liefen. Und weil sie, auch sie (neben den Verantwortlichen im Trainerstab), in der Woche zuvor schon verbal auf die jungen Leute eingewirkt hatten. Auch das war natürlich längst überfällig, aber es ist immerhin nun geschehen. Besser spät als nie.

Um noch einmal auf die Trainer-Situation zu kommen. Der Vorstands-Vorsitzende des HSV, Carl-Edgar Jarchow, war heute beim Training, er sagte klar und unmissverständlich: „Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass wir mit Thorsten Fink den richtigen Trainer haben, und ich bin davon überzeugt, dass wir auch den richtigen Trainerstab haben.“

Dass Thorsten Fink seine Mannschaft nach dem Spiel in Wolfsburg lobte – wer will es ihm verdenken? Soll er seine Mannen unangespitzt in den Boden klopfen? Dann darf er am nächsten Sonnabend in Kaiserslautern selbst ran. Vielleicht mit Frank Arnesen . . . Nein, der Coach muss seine Spieler aufbauen und aufrichten, denn er hat keine anderen, er muss auf sie bauen – und sie müssen diesen HSV vor dem Abstieg bewahren. Fink fand deshalb (fast) nur lobende Sätze für sein Team: „Der Auftritt meiner Mannschaft war heute sehr, sehr gut, sehr engagiert, zweikampfbetont, sehr konzentriert. Mit dieser Leistung kann man zufrieden sein, wir haben unglücklich verloren – durch eine blöde Standardsituation. Das war höchst unglücklich, dass dieser Ball den Weg ins Tor fand. Aber wir haben gut gefightet, wenn wir das auch in Zukunft so machen, mit dieser Energie-Leistung, dann wird sich auch in Kürze ein Sieg einstellen.“

Thorsten Fink sagte weiter: „Die Tabellensituation macht mir im Moment natürlich auch Sorge, aber ich bin zuversichtlich, dass wir da unten rauskommen, denn die Mannschaft hat gezeigt, dass sie es kann. Wir haben auswärts ein Tor geschossen, dass muss reichen, um einen Punkt mit zu nehmen oder auch zu gewinnen. Insgesamt aber war ich von der Spielanlage schon zufrieden, die Mannschaft hat alles gegeben. Sie hat den Abstiegskampf angenommen, sie weiß, um was es geht. Das ist Abstiegskampf pur, aber wir haben die Zweikämpfe angenommen, die Mannschaft hat kaum Torchancen des Gegners zugelassen, wir haben das Spiel eigentlich kontrolliert, ganz klar, das stimmt mich optimistisch. Mit dieser Einstellung werden wir die Klasse halten.“

Dieses Spiel muss oder sollte der HSV-Mannschaft, trotz der Niederlage, neues Selbstvertrauen geben. Fink blickte schon einmal optimistisch voraus: „Wir haben noch das direkte Duell mit Kaiserslautern, auch noch mit Augsburg – da kann man schon seinen Grundstein setzen . . . Kaiserslautern steht ganz unten drin, die müssen am Sonnabend im Spiel gegen uns gewinnen, sie müssen also kommen – und das sollten wir dann für Konter nutzen. Ich werde meiner Mannschaft sagen, dass wir nur so weiter machen müssen wie jetzt, dann kommt das Glück auch zurück.“

Kurz einmal zu der Spiel-Statistik. 15:4 lautete das Torschuss-Verhältnis für den VfL. 56:44 Prozent Ballbesitz für den HSV. 51:49 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Wolfsburg. 10:3 Ecken für den Sieger, 24:16 Fouls – auch da führte der VfL. Der beste Wolfsburger Zweikämpfer war Felipe (69 Prozent gewonnen), beim HSV war es Dennis Diekmeier (79.). Hasebe war mit fünf der beste Flankengeber seines Teams, beim HSV war es der eingewechselte (!) Gökhan Töre – mit zwei. Hasebe hatte die meisten Ballkontakte (64), beim HSV war es Heiko Westermann mit 96. Mandzukis schoss fünf Mal auf das HSV-Tor, vier HSV-Spieler versuchten sich in dieser Disziplin jeweils (nur) einmal – und das ist natürlich viel zu kümmerlich. Für Thorsten Fink aber völlig normal: „Das ist auswärts so.“ Muss aber, das ist meine Meinung, auswärts nicht so sein. Man darf und sollte sich nie mit zu wenig (so wenig) zufriedengeben. Aber das ist natürlich auch eine Frage von Anspruch und Wirklichkeit.

Zufrieden mit dem Auftreten des HSV war in Wolfsburg auch der Sportchef. Frank Arnesen befand: „Diesmal stand eine ganz andere HSV-Mannschaft auf dem Rasen. Das war eine Einheit, und diese Einheit hat der guten Wolfsburger Mannschaft wenige Chancen gelassen. Und nun haben wir ein ganz großes Finale vor der Brust. Wenn wir da so auftreten wie heute, dann haben wir die Chance, dort Punkte zu holen.“

Wenn.

Aber das liegt nun in erster Linie an der Mannschaft. Und von der hat sich am Freitag in Wolfsburg niemand so verletzt, als dass er am nächsten Sonnabend ausfallen müsste. Auch Heiko Westermann nicht. Der ging ja in der Schlussphase bei einem Kopfballduell zu Boden, dort wurde er dann wohl mit einer Stiefelspitze knapp unter dem Auge getroffen. Sah böse aus. Und weit nach dem Schlusspfiff sah der Kapitän dann wie einer aus, der gegen Klitschko geboxt hat. Aber Westermann ist hart im Nehmen: „Es ist nichts gebrochen. Es war schon oftmals etwas gebrochen, deswegen weiß ich jetzt, dass nicht gebrochen ist. Aber diese Verletzung ist nicht so schlimm, wie die verlorenen drei Punkte . . .“ Drei Punkte? War es nicht nur der eine? Westermann: „Wir standen sehr kompakt, haben nicht viel zugelassen – die beiden Gegentore mussten nicht sein. Wie sie gefallen sind, das sagt doch alles.“ Der Kapitän war am 1:2 beteiligt: „Ich musste raus, auf die linke Seite, und da konnte ich nur noch foulen. Der Wolfsburger hätte bereits vorher an der Mittellinie gestellt werden müssen, eventuell auch gefoult werden. Dass nach diesem Foul ein Tor fällt, das ist natürlich bitter.“ Insgesamt stellte Heiko Westermann fest: „Diese Niederlage macht es natürlich nicht leichter für uns.“
Wie wahr.

„Lautern wird ein schönes Kampfspiel“, sagt Heiko Westermann, und der ehemalige HSV-Spieler Roy Präger, schon seit Jahren Angestellter des VfL Wolfsburg, sagte: „Kaiserslautern gegen den HSV, das kein Sechs-Punkte-Spiel, das ist ein Zwölf-Punkte-Spiel.“

Auf dem Betzenberg wird die Luft brennen. Und die Teufel-Fans werden wie die Teufel hinter ihrem Team stehen. Nachahmenswert. Und für Hamburger ein Punkt zum Nachdenken. Zusammenhalten, das ist es jetzt – in der allergrößten Not. Denn die Tabellensituation ist dramatisch schlecht geworden. Klar, wenn man nichts mehr gewinnt.

So, ganz zum Schluss (morgen, Sonntag, ist trainingsfrei) noch ein besonderer Beitrag bei Matz ab. Geschrieben hat ihn Thorsten Bettin, er war einst ein glänzender Amateurfußballer in Hamburg und ist nun Trainer (Altenwerder, früher HTB, Süderelbe). Er schrieb heute (vielen Dank dafür, lieber Thorsten):


Liebe HSV-Gemeinde,

schon Monate verfolge ich eure Kommentare in diesem Blog und muss feststellen, dass viele hervorragende Kommentare gerade im Bereich der sportlichen Analyse getroffen werden, andererseits auch viele unsachliche Kommentare zur sportlichen Leitung des Vereins.

Ich für meinen Teil möchte mich gerne aufs Sportliche beschränken, alles andere sind Themen für eine Mitgliederversammlung.

Nehmen wir mal die Fakten von gestern:
Eine Viererkette (incl Torwart), die große Probleme in der Spieleröffnung hat, zudem in der Rückwärtsbewegung über die Außenbahn viel zu anfällig ist. Die Vorstöße sowohl über rechts oder links werden nicht bis zur Grundlinie gespielt, zudem fast ohne Tempo insofern ohne Wirkung. Aogo und Diekmeier sind nicht die Langsamsten, aber ohne jegliches Durchsetzungsvermögen.

Warum, Herr Diekmeier, immer denselben Ansatz, außen am Gegner vorbei anstatt mal mit dem Ball im höchsten Tempo nach innen ziehen und in den Strafraum rein!!! Das Gleiche gilt für den Kollegen links.

Auf den 6er-Positionen sowie im Halbfeld fehlt jegliche Kreativität, um dem Gegner spielerisch Paroli bieten zu können, gegebenenfalls überlegen zu sein. Bei so hoch verteidigenden Wölfen wie gestern, wo man mit schnellem Passspiel oder einen einfachen Doppelpass oder vielleicht mal mit einem mutigen Dribbling hinter die Abwehr kommen kann, fehlt uns einfach die geistige Frische – aber auch die Qualität.

Die Stürmer machen die Bälle nicht fest und fordern die Laufwege nicht ein. Denn nicht der Spieler, der den Ball führt ist entscheidend, sondern die Spieler die den Ball haben wollen müssen das durch ihren Laufweg vorgeben. Dies alles begleitet uns seit Monaten. Und über ein probates Mittel wie Standards müssen wir uns, glaube ich, nicht mehr unterhalten. Da nützt es auch nichts, wenn man unter Ausschluss der Öffentlichkeit es “einmal” trainiert und der Ertrag nicht eingefahren wird.

Ich habe mir letzte Woche das Training und den Trainingsplan mal angeschaut und ich muss sagen, es wirft viele Fragen auf. Mo, Di, Mi einmal Training Donnerstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit – und das in dieser prekären Lage. Hinzu kommt, dass die Intensität einer Amateurmannschaft doppelt so hoch ist. Das gibt mir schon zu denken.

Gestern der 21. Gegentreffer nach einer Standardsituation, vielleicht sollte man nicht nur drüber sprechen, sondern bis zum Erbrechen daran arbeiten.

Ich kann nur hoffen, dass uns der Supergau erspart bleibt, und ich mir meinen Frust ein bisschen mit euch teilen konnte und wünsche mir das die “6 Trainer” die richtigen Lösungen beim Training finden und der Mannschaft, wenn sie denn eine ist, klar machen können um was es hier für Hamburg und sein tolles Publikum bedeutet, wenn der Schalter nicht umgelegt wird.

In diesem Sinne
Nur der HSV

So, in der Liga spielten sie heute überhaupt nicht für den HSV, die Raute steht jetzt auf Rang 16, dem Relegationsplatz. Es wird hochdramatisch, es wird ganz, ganz bitter.
Haltet durch, haltet zusammen – nur so geht es jetzt noch.
Bitte.

17.26 Uhr

Gekämpft! Aber 1:2 in Wolfsburg

23. März 2012

Der HSV hat es nicht gepackt. Trotz einer engagierten und auch couragierten Leistung gab es in Wolfsburg die von vielen vorher schon erwartete Niederlage. Dieses 1:2 hätte aber nicht sein müssen, denn der HSV wehrte sich diesmal, er war in etlichen Phasen ebenbürtig, traf aber letztlich auf einen Gegner, der auch alles gab, geben wollte und musste, um noch weiter nach oben und ins internationale Geschäft zu kommen. Der HSV hat in Wolfsburg sicher einen kleinen Rückschlag erlitten, aber die Moral der Truppe stimmte – und genau die stimmt mich für den Rest der Saison auch optimistisch. Da geht noch was. So spielt kein Absteiger. Obwohl ich auch sagen muss: Die erste HSV-Torchance des zweiten Durchgangs erst in der 82. Minute, das ist und bleibt nicht in Ordnung. Die Offensive muss dringend verbessert werden. Nur wie? Thorsten Fink wird zaubern müssen. Aber es muss ihm gelingen, sonst geht der Dino tatsächlich baden.
Hamburger, wehrt euch!
Gemeinsam. Jetzt geht es nur noch gemeinsam. Und nicht gegeneinander.

Vor 30 000 Zuschauern, unter ihnen der ehemalige HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer (als TV-Co-Kommentator), gab es diesmal endlich kein schnelles Gegentor – endlich mal nur 0:0 zur Pause, endlich einmal beim Halbzeit-Tee keinem Rückstand gedanklich hinterher hecheln. Es war nicht schön, aber das ist es ja schon lange nicht mehr. Und diesmal war es gut, dass es nicht schön war. Der HSV war hellwach, es gab keine lange Abtastphase, es ging zur Sache, jeder Spieler hat es offenbar jetzt und nun kapiert. Es ging aggressiv in die Zweikämpfe (machte auch der VfL), es ging mit Biss und dem nötigen Willen zur Sache, und es wurde offenbar auch mit Verstand gespielt. So heißen: Das, was der Trainer vorher angesprochen und gefordert hatte, dass wurde auch tatsächlich auf dem Rasen (versucht) umzusetzen. Das war, wie bereits geschrieben, nicht schön, aber so geht Abstiegskampf.

Es wirkte sich positiv aus, dass beim HSV in der Defensive die beiden Stabilisatoren Heiko Westermann und Dennis Aogo wieder dabei waren. Das gab Halt. Und auch die Maßnahme, Michael Mancienne in die Innenverteidigung zu stellen, und die zuletzt als Unsicherheitskandidaten auftretenden Jeffrey Bruma sowie Slobodan Rajkovic draußen zu lassen, zahlte sich aus. Mancienne spielte in Halbzeit eins abgeklärt und mit Übersicht. Und fast fehlerfrei. Das ist schon was . . .

Dabei hätte es nach einer Minute und 39 Sekunden schon 1:0 für Wolfsburg stehen können, doch Mandzukic schoss aus vier Metern und spitzem Winkel kläglich daneben. Ich hatte vorher so viel Angst vor dem Angriff der Niedersachsen, überall hatte ich erzählt: „Die haben zwei sehr gute Stürmer mit Killerinstinkt, die werden den Unterschied ausmachen.“ Denkste. So kann man sich täuschen. Von der HSV-Offensive war zwar kaum etwas zu sehen, aber die war mindestens genauso gefährlich – bzw. ungefährlich. Erschütternd, was für ein „Schlumpfschütze“ Helmes geworden ist. Ich kann Felix Magath verstehen, dass er ihn im Sommer zum Verkauf anbieten wird – das ist ja gar nichts mehr. Jedenfalls diesmal gegen den HSV. Zum Glück für den HSV.

Das Spiel, der Abstiegskampf, wurde hauptsächlich im Mittelfeld ausgetragen. Dort hatte der HSV zuletzt immer wieder Defizite, weil dort entscheidende Zweikämpfe verloren gingen – weil zu brav. Wie selbst die Spieler zugaben. Diesmal wurde dagegengehalten. Endlich einmal. Obwohl der ungekrönte „Treter“ rund um den Mittelkreis VfL-Spieler Josue war, der 30 Minuten lang bei Schiedsrichter Dr. Felix Brych vergeblich um Gelb bettelte – ehe ihn der Münchner (nach einem kräftigen Tritt Josues gegen David Jarolim) „erhörte“ und den gelben Karton zückte – endlich zückte.

Torchancen gab es für den HSV in den ersten 45 Minuten nicht, aber das war auch kaum möglich – denn der Ball wurde in den meisten Momenten gar nicht oder auch viel zu spät nach vorne gespielt. Dort mühte sich Marcus Berg als vorderste Spitze, dahinter lauerte Mladen Petric. Ich sage es gleich: Petric hat mir in dieser Rolle gefallen, weil er Biss zeigte. Jawohl, und dabei bleibe ich, er hat Biss gezeigt. Er lief viel, diesmal auch viel nach hinten. Dass er nach vorne kaum Akzente setzte, setzen konnte, das liegt doch auch, seien wir alle mal ehrlich, an den kaum verwertbaren Bällen, die nach vorne gelangen. Das meiste davon ist nicht zu verarbeiten, weil hoch und ungenau, aber genau das ist das Dilemma. Wenn der HSV da die Ruhe (und die Qualität) hätte, die Dinge sauber auszuspielen, dann wäre auch in der HSV-Offensive mehr möglich. Ganz sicher. Man solle als nicht immer alles Petric in die Schuhe schieben wollen, er allein kann keine Wunderdinge vollbringen, auch er ist darauf angewiesen, dass er bedient wird.

Eine ganz symptomatische Szene dazu. 41. Minute, Freistoß von halblinks, Dennis Aogo. Vollversammlung im und am VfL-Strafraum. Petric hofft, Petric lauert, Petric wittert und sucht seine Chance – und der Ball landet in den Armen von Wolfsburgs Keeper Benaglio. Petric atmet tief durch – und läuft (wieder einmal) enttäuscht zurück.

In der Schlussphase der ersten Halbzeit geht mir eines nicht aus dem Kopf: „Wir sind zu brav.“ Das scheint, so denke ich, auch für die Hamburger Fans (die wieder super waren, tolle Gesänge, großartige Stimmung – keine Frage) zu gelten. Ich denke an die 0:4-Partie gegen Stuttgart zurück. Zwei Elfmeter gegen den HSV – und niemand pfeift. Hier pfiffen alle, weil sich Felix Brych zwei- dreimal erlaubte, gegen den VfL zu entscheiden. Oder nicht für den VfL. Was war dann hier los!? Das wünschte ich mir auch mal im Volkspark. Dass man dann von Heimvorteil sprechen kann, weil das Publikum der zwölfte Mann ist. Auch Schiedsrichter haben ein Empfinden, was nun gut für sie ist – und was nicht. Und Brych hatte wohl das Empfinden, dass es mal besser für ihn ist, mal nicht für den HSV zu pfeifen. Deswegen protestierten zwar Westermann und Tomas Rincon heftig beim Schiedsrichter, weil sie zwei- dreimal auf Pfiffe für den HSV gewartet hatten, aber wären diese Pfiffe gekommen, hätte es einen wahren Proteststurm der Wolfsburger gegen den Unparteiischen gegeben. Der war klug beraten, es so zu machen, wie er es gemacht hat. Auch wenn sicher der eine oder andere Pfiff mehr für den HSV nicht verkehrt gewesen wäre.

Nach dem Seitenwechsel wurde es turbulent. 15 Sekunden nach Wiederanpfiff lag der Ball im HSV-Netz. Dejagah hatte sich gegen Aogo durchgesetzt (alles regelgerecht?), Flanke von rechts – und Mandzukic schoss am langen Pfosten ein. Auch weil Mancienne zu spät kam. Der Anfang vom Ende? Diesmal nicht. Diesmal zeigte der HSV gleich Zähne. Im Gegenzug schon. Westermann schickte (mit links!) Marcus Berg, der nahm den Ballgeschickt an und mit, lupfte dann die Kugel über den hinauslaufenden Banaglio ins Tor. Ein Klasse-Treffer! Fast würde ich ihm das Prädikat „sensationell“ geben. Das Tor wurde von der gesamten Truppe begeistert gefeiert, und auch Thorsten Fink stürzte sich voll mit ins Jubel-Getümmel. Großartig. Dieses 1:1 muss dem Berg endlich wieder (mehr) Selbstvertrauen geben. Muss.

Hoffentlich.

Nach diesen beiden Blitztreffern hatte der HSV das Spiel gut im Griff. Und das Publikum wurde mit jeder weiteren Gelben Karte für Wolfsburg ungemütlicher: „Schieber, Schieber, Schieber.“ Hier war was los. Da kann sich Hamburg als Heim-Publikum aber mal einen ganz große Scheibe von abschneiden. Aber das hatten wir ja schon . . .

Als es dann auch mal Gelb für den HSV gab, da klingelte es auch gleich im HSV-Kasten. Westermann hatte sich den Karton hinten links abgeholt, den fälligen Freistoß schoss Schäfer um die Zwei-Mann-Mauer listig auf den kurzen Pfosten – und Tor. Plötzlich war der Ball – zum Entsetzen der Hamburger – drin. Jaroslav Drobny sah dabei nicht gerade glücklich aus. Den hätte er halten dürfen, wenn auch die Mauer bestimmt nicht so ganz richtig stand (75.). „Zweite Liga, Hamburg ist dabei“, skandierten die VfL-Fans, die bis dahin ganz sicher in Sachen Lautstärke nicht die Oberhand im Stadion gehabt hatten. Die Hamburger Fans forderten dann: „Wir woll’n euch kämpfen seh’n . . . .“

Heung Min Son kam in dieser 75. Minute für Marcell Jansen. Der ehemalige Nationalspieler hatte sich zuvor nach Kräften bemüht, aber irgendwie reicht es nicht mehr. Drei gute oder auch nur mittelprächtige Szenen hatte ich mir in Halbzeit eins für Jansen notiert – nur drei. Einmal ein Pass flach zur Mitte, der war gut für Berg gedacht, wurde aber geklärt (10.). Dann ein 25-Meter-Schuss weit über das VfL-Tor (19.), es folgte zwei Minuten später eine Linksflanke, die besser auf Petric gekommen wäre, aber am langen Pfosten Berg erreichte – Gefahr vorbei. Das war insgesamt zu wenig, in Halbzeit zwei kam nichts mehr von Jansen.

Die Einzel:

Jaroslav Drobny bekam nicht viel zu tun, hielt gut – aber das 1:2 muss er wohl auf seine Kappe nehmen. Mit auf seine.
Dennis Diekmeier? Das war nicht viel. Oder anders gesagt, viel zu wenig. Michael Mancienne eine Halbzeit gut, dann hatte er so manchen „Kinken“ drauf und baute stark ab. Wieso? Mangelnde Spielpraxis? Heiko Westermann? Insgesamt okay, wenn auch nicht fehlerfrei. Dennis Aogo? Gute erste Halbzeit, dann bekam er leichte (und größere) Schwierigkeiten mit dem bulligen Dejagah. So auch beim 0:1.

Tomas Rincon wehrte sich, biss, zeigte seine Zähne – das war okay, auch wenn spielerisch einige Wünsche (mehr) offen blieben. David Jarolim rackerte, rieb sich auf, gab wieder alles, aber diesmal schlichen sich auch einige Fehler in sein Spiel ein. Verständlich, er ist seit Wochen der einzige Hamburger der immer 100 Prozent gegeben hat, irgendwann scheint dann auch sein Akku mal am Ende.

Ivo Ilicevic war nicht zu sehen. Weder rechts noch links. Er bleibt mir ein Rätsel. Wie Marcell Jansen.

Zu Mladen Petric ist alles gesagt, und Marcus Berg muss ich in diesem Zusammenhang auch loben. Er hat alles gegeben. In der 84. Minute kamen Gojko Kacar und Gökhan Töre (für Jarolim und Ilicevic) – zu spät, sie rissen es nicht mehr herum. Bitter, dass sich in der Nachspielzeit Heiko Westermann am Kopf verletzte, er muss behandelt werden und ging dann angeschlagen in die Kabine.

Es wird jetzt wohl insgesamt noch bitterer für den HSV. Aber diese Prognose ist nicht neu.

Ein Trost: Noch gibt es sieben Spiele.

22.38 Uhr

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