Monatsarchiv für Februar 2012

HSV-B verliert gegen Kopenhagen 2:3

20. Februar 2012

Das Werder-Spiel gehört der Vergangenheit an, dieses 1:3 ist abgehakt: „Das muss doch ganz schnell gehen, denn das nächste Spiel steht ja bereits am Freitag auf dem Plan. Deswegen können wir uns mit der Niederlage doch nicht mehr so lange beschäftigen. Wir haben das per Video aufgearbeitet, und nun blicken wir der Partie gegen Mönchengladbach entgegen“, sagte Thorsten Fink am Mittag. Stunden später gab es aber zunächst das Testspiel gegen den FC Kopenhagen. Das heißt: Die Spieler, die gegen Werder spielten, die gingen auf einen 45-Minuten-Lauf im Volkspark (Fink: „Ein guter Lauf ist gesund“), zuvor wurde von allen im Kraftraum gearbeitet. Bis auf Mladen Petric, der einen Bluterguss im Oberschenkel hat und deshalb pausierte. Und die Reservisten durften dafür dann gegen die Dänen ran, verloren diese Partie aber mit 2:3.

Die B-Elf begann mit Neuhaus, Skjelbred, Bruma, Mancienne Sternberg; Tesche, Kacar; Son, Ilicevic; Arslan; Berg.
Kopenhagen ging in der 13. Minute in Führung. Vorausgegangen war ein kapitaler „Bock“ von Torwart Sven Neuhaus, der Jeffrey Bruma den Ball zentral 22 Meter vor dem Tor zu spielte, obwohl drei Dänen um den Niederländer herum standen. Prompt passierte das, was auch passieren musste – Bruma verlor die Kugel, einmal hielt Neuhaus noch, dann traf Pape Diouf.

Der HSV tat sich schwer, ins Spiel zu kommen, die Dänen waren in den ersten 25 Minuten besser, aber dann. Die erste Hamburger Chance hatte Ivo Ilicevic, der halbrechts allein auf das Tor zu, doch Torwart Christensen konnte abwehren. Vielleicht wäre ein kurzer Querpass zum mitgelaufenen Son angebrachter gewesen, als es allein zu versuchen – aber vorher hatte es eine solche Szene schon einmal umgekehrt gegeben, als Son eigensinnig schoss.

Dann ging es Schlag auf Schlag. Nach einem Ilicevic-Freistoß (halbrechts, 30 Meter) kam Bruma frei zum Kopfball, traf die Kugel aber nicht richtig, sodass Christensen halten konnte (29.). Bei der folgenden Ecke kam Michael Mancienne zum Kopfball, wieder gehalten. Und 60 Sekunden später hieß es dann 1:1. Eckstoß Tolgay Arslan, Kopfball Gojko Kacar (war vor Christensen am Ball), der Ausgleich.

Marcus Berg hatte – nach einem sehr guten Pass von Robert Tesche – in der 36. Minute das 2:1 auf dem linken Fuß, schoss aber zu hoch; Eckstoß, weil Christensen noch eine Hand dran hatte. Der Ball hätte aber ohnehin nicht den Weg ins Tor gefunden. Kurz vor der Pause vergab Son nach einem sehenswerten Doppelpass mit Berg das 2:1, allein vor dem FCK-Tor blieb wieder Christensen der Sieger (42.). Zu lässig verschenkt.

Aus der Pause kamen wieder die Dänen etwas besser, aber die erste große Tormöglichkeit hatte der HSV: Ilicevic schickte Arslan, der umkurvte Torwart Christensen, traf aber nur das Außennetz. Trotz allem gab es großen (und verdienten) Beifall der (von mir geschätzt) 300 Zuschauern (54.).

In der 61. Minute gab es zwei Auswechslungen beim HSV: Kacar und Ilicevic, es kamen Zhi Gin Lam und Muhamed Besic. Letzterer ging auf die rechte Außenposition der Viererkette, die nach dem Seitenwechsel Tesche eingenommen hatte – Skjelbred ging dafür auf die Sechs. Letzter Wechsel beim HSV in der 79. Minute: Kevin Ingreso kam für Sternberg.

Für Besic begann das Spiel bravourös, denn auf Zuspiel von Janek Sternberg kurvte Besic fünf Meter vor dem FCK-Strafraum von rechts zur Mitte (wie weiland Helmut Rahn), es folgte ein Linksschuss – der in den Winkel flog. Um es mit Oskar Klose (eine ehemaliger und großer Radio-Reporter) zu sagen: „Das war ja ein Ball, den Christensen in seiner Gefährlichkeit ein wenig unterschätzt hatte . . .“ Der Keeper griff, griff und griff, so als wolle er Schmetterlinge fangen – Tor. Trotz allem: ein sehr schönes Tor.

2:1 für den HSV in der 64. Minute, doch vier Minuten später stand es auch schon 2:2. Kopenhagens Nordstrand (heißt tatsächlich so) hatte knallhart getroffen.

Auffällig beim HSV: Tolgay Arslan, der sich zeigen wollte (und es auch tat), dann auch Michale Mancienne, der kaum einen Fehler beging. Dazu hatten Gojko Kacar und Ivo Ilicevic einige gute Szenen mehr als andere Kollegen. Ab und an blitzte auch bei Heung Min Son etwas auf, aber er kann trotz allem mehr.

Sven Neuhaus im Tor sah nicht immer souverän aus, aber eines muss auch noch hinzu gefügt werden: mit dem Fuß ist er manchmal zu lässig. Wenn er seinen gedeckten Vorderleuten den Ball in die Füße spielte, brachte er sie mitunter arg in Bedrängnis. Muss ja nicht sein . . . Am 2:3 in der 81. Minute, wiederum von Nordstrand erzielt, war Neuhaus allerdings schuld- und machtlos.

Für Schiedsrichter-Fans sei am Rande gesagt: Das Spiel wurde von Harm Osmers geleitet. Der junge Mann ist nicht verwandt oder verschwägert mit dem früheren Bremer Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers (erinnert Euch an das Helmer-Phantom-Tor bei Bayern gegen Nürnberg), Harm Osmers trägt rein zufällig diesen Namen – und kommt aus Hannover.

Zurück zur ersten Mannschaft und damit zur Bundesliga-Saison.

Der HSV auf dem Weg zur grauen Maus? Viele haben anscheinend Angst davor, dass der HSV nur noch „austrudeln“ lässt . . . Weil es weder groß nach oben noch groß nach unten geht. Thorasten Fink aber sieht das etwas anders: „Ich sehe das anders, denn nach unten geht ja immer was. Wenn man nun verliert, dann steht man zu Hause gleich wieder unter Druck. Wir haben auch vor dem Bremen-Spiel schon gesagt, dass wir unten noch nicht ganz raus sind. Wir haben uns mal etwas Luft verschafft, aber wir wollen unter die Top Ten, und da sind wir noch nicht. Von daher haben wir noch große Ziele in den nächsten Wochen, ich auf jeden Fall mit der Mannschaft, denn sie hat das Potenzial, um noch weiter nach oben zu kommen.“

Dann rudert Thorsten Fink noch ein wenig zurück: „Das darf auch nicht so falsch rüberkommen, wenn ich mal sage, dass wir noch nicht reif für Europa sind. Ich sage mal, dass meine Mannschaft dazu nicht zu schlecht ist, nur müssen wir alles noch weiter einspielen. Solche Ziele anzupeilen geht nur, wenn man eingespielt ist, wenn man sicher ist, wenn man auch dann, wenn man zurück liegt, seine spielerische Linie durchzieht. Da braucht man gefestigte Leute, und das geht auch nur, wenn man lange mit den Leuten gearbeitet hat – oder es kann. Die Leute müssen vertrauen in das System haben, und das geht nicht innerhalb von ein paar Wochen. Die Mannschaft hat aber schon das Potenzial, höher zu spielen als jetzt. Es gibt aber immer wieder Kleinigkeiten zu verbessern, und daran werden wir arbeiten.“

Das beste Beispiel für Fink ist der kommende Bundesliga-Gegner. Borussia Mönchengladbach spielte in der vergangenen Saison gegen den Abstieg, steht nun aber vor dem Einzug in die Champions League. Fink: „Daran sieht man, dass sich alles erst entwickeln muss.“ Und: „Die Gladbacher spielen schnell, spielen immer schnell nach vorne, sind konterstark, können aber auch vorne das Spiel machen. Sie können defensiv gut spielen, die Spieler passen alle sehr gut zueinander, das Team hat einen guten Charakter. Und das reicht dann schon oft aus, vorne mit zu spielen, denn andere Mannschaften, die man vorne erwartet haben, schwächeln eben das eine oder andere Mal.“

Dass der HSV aber in Mönchengladbach „etwas holen“ kann oder auch wird, damit ist im Moment ja wohl nicht zu rechnen, denn erstens Ist die Borussia vom Kaliber her mit Dortmund, Bayern und auch ein wenig mit Bremen anzusiedeln, außerdem hat der Tabellenzweite derzeit ja einen sensationellen Lauf. Trotzdem denkt Thorsten Fink ein wenig anders über die kommende Partie: „Wir haben in Gladbach nichts zu verlieren, können da befreit aufspielen – wer rechnet schon damit, dass wir dort gewinnen? Das aber könnte unser Vorteil sein, wir können dort frech aufspielen, und wer weiß, was dann für uns dabei herausspringt? Wir haben ja, nur weil wir nun ein Spiel verloren haben, nicht unser Selbstvertrauen eingebüßt. Wir hatten davor doch dreimal super gespielt und schon Konstanz gehabt – das war ja schon ganz gut.“

16.59 Uhr

Nachbetrachtung zum 96. Nordderby

19. Februar 2012

Auch das ist Fußball: Otto Rehhagel ist neuer Hertha-Trainer, demnächst wird Udo Lattek seinen erfolglosen Kumpel Jupp Heynckes den beim schwer kriselnden FC Bayern München ablösen, falls Rehhagel dann doch nur so lange wie Michael Skibbe durchhalten sollte, dann stünde schon Erich Ribbeck in den Startlöchern, und Dr. Theo Zwanziger tritt die Wulff-Nachfolge an und wird neuer Bundespräsident. Irgendwie alles unfassbar, was sich so im Lande tut, es ist wirklich fix was los – aber was ist schon fassbar? Ich zum Beispiel kann es immer noch nicht fassen, dass der HSV gegen Werder Bremen verloren hat. Die Schaaf-Truppe hatte in diesem Jahr noch kein Bundesliga-Spiel gewonnen. Und dann waren bei den Bremern solche bekannten Fußball-Größen wie Florian Hartherz, Zlatko Junuzovic, Tom Trybull, Francios Affolter, Lukas Schmitz und Zlatko Ignjovski dabei. Natürlich ist es gegen Werder immer eine besondere Kiste, selbstverständlich ist ein Nordderby etwas Besonderes – aber diesmal standen die Vorzeichen doch eindeutig auf einen HSV-Erfolg. Und dann dies. Dieses erschütternde 1:3.

Zu dem der (äußerlich) gefasste HSV-Trainer Thorsten Fink befand: „Ich war mit der Gesamtleistung meiner Mannschaft sehr zufrieden. Wir haben gefightet, wir haben gekämpft, wir haben nach vorne gespielt, wir haben uns Chancen herausgespielt, wir haben alles getan – so muss eigentlich ein Derby aussehen. Leider haben wir aber einfache Fehler in der Vorwärtsbewegung gehabt, wir hatten einfache Ballverluste, die wir so in der Vorwoche in Köln nicht gehabt haben, und diese einfachen Ballverluste wurden sofort bestraft. Wenn man natürliche solche Fehler macht, dann kann man ein solches Derby nicht gewinnen, wir sind aber trotzdem mit der Leistung, mit der Gesamtleistung, zufrieden. Wir wollten fighten, wir wollten kämpfen, wir hatten einen guten Spielaufbau, haben viele Zweikämpfe gewonnen, das alles haben wir gemacht. Wir haben auch gesehen, dass unser Anspruch nicht der Uefa-Cup ist – ich habe immer wieder gewarnt. Unser Anspruch ist immer noch der gesicherte Mittelfeldplatz – den Unterschied haben wir heute gesehen.“ Später sagte der HSV-Coach auch noch: „Ich lasse mir von niemandem etwas aufschwatzen, wir haben drei, vier Fehler gemacht, aber die Gesamtleistung stimmte, wir haben ein rassiges Derby gesehen. Und Fehler passieren immer wieder, sonst würden wir ja in der Champions League spielen“ Und – auch das noch: „Wenn man ein Derby verliert, dann bin ich nicht glücklich, das ist auch klar.“

Ganz ehrlich: Ich bewundere Thorsten Fink dass er so die Ruhe behalten hat – oder auch immer und in jeder Situation die Contenance bewahrt. Das gilt übrigens für alle HSV-Verantwortlichen an diesem Sonnabend. Hut ab! Keine Panik, keine Hektik, keine Bitterkeit, keinen großen Ärger, keine übergroße Säuernis – der HSV akzeptierte diese verdiente Niederlage sportlich fair und in aufrechter Haltung. Vorbildlich, anerkennenswert, nachahmenswert.

Was aber soll Thorsten Fink nach einem solchen 1:3 schon sagen? Soll er seine Spieler nach allen Regeln der Kunst „zusammenfalten“? Dann würden sie völlig das Selbstvertrauen verlieren. Oder eventuell auch nur „bocklos“ werden und auf Dienst nach Vorschrift umschalten. Damit wäre dem HSV aber gewiss nicht gedient, denn noch sind 14 Punkte einzufahren, damit der Klassenerhalt gesichert ist. Sind jedoch erst einmal diese ominösen 40 Zähler (die zum Nicht-Abstieg berechtigen) auf Hamburger Seite, dann könnten wohl Fink als auch Sportchef Frank Arnesen jedes Mal dann die volle Wahrheit sagen, wenn ihnen danach ist. Bis dahin allerdings muss wohl oder übel „gepudert“ werden. Und das macht Thorsten Fink meisterhaft. Er hat eben das berühmte Gen dafür.

Wobei ich mir gerade vorstelle, wie Werder-Trainer Thomas Schaaf wohl reagiert hätte, wenn das Ergebnis umgekehrt gewesen wäre – und der Schiedsrichter nur zwei Minuten hätte nachspielen lassen. Das wäre ein Aufstand gewesen, aber hallo . . . Zwei Bremer lagen in der zweiten Halbzeit jeweils drei Minuten und länger am Boden. Von Marko Marin an der Eckfahne einmal abgesehen (dazu komme ich später). Und dazu gab es dann auch noch diverse andere Zeitverzögerungen der Bremer. Beim HSV aber nahm man all diese besonderen Umstände ganz gelassen hin. Sportlich fair eben. Und großartig. Allerdings, das ist wohl unbestritten, hätten an diesem Tag ja auch sechs Minuten Nachspielzeit nichts gebracht und am Spielausgang geändert, denn zwei oder drei Tore hätte der HSV an diesem Tag auch bis zum Beginn des Klitschko-Boxkampfes kurz vor Mitternacht nicht mehr geschossen. Was natürlich hypothetisch ist, zugegeben.
Und wenn ich schon dabei bin: Gegen Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer will ich damit nichts, rein gar nichts gesagt haben, denn das hat erstens schon der Herr Schaaf an der Seitenlinie und vor seiner Bank 90 Minuten lang recht ausgiebig getan, und zweitens hat Kinhöfer – das sage ich als (halbwegs) neutraler Beobachter – eine gute Leistung gebracht.

Kurz noch zu der statistischen Seite des 96. Nordderbys:
18:13 Torschüsse für den HSV, 3:2 Ecken für den HSV, 62:38 Prozent Ballbesitz für den HSV, 56:44 gewonnene Zweikämpfe für den HSV, 10:23 Fouls (da war Werder mal vorn), 4:1 Abseits für den HSV, Slobodan Rajkovic hatte die meisten Ballkontakte (99), Werders Bester war Fritz (55), Rajkovic hatte 62 Prozent gewonnene Zweikämpfe, Bremens Hartherz brachte es auf 64 Prozent, Dennis Aogo gab sechs Torschussvorlagen, für Werder war Marin der Führende (drei), Mladen Petric hatte als Hamburgs Bester fünf Torschüsse, Marin brachte es auf vier – und dann standen am Schluss 1:3 Tore für die Bremer zu Buche. Letzterer Wert dieser ansonsten wertlosen Statistik war und ist im Fußball ganz entscheidend.

Die Deutsche Presseagentur (DPA) schreibt heute übrigens:
In dieser Verfassung kann der HSV seine Träumereien von Europa beenden und muss nächsten Freitag bei Borussia Mönchengladbach aufpassen, nicht unter die Räder zu kommen.
Der DPA dann auch noch weiter:
Werder-Trainer Schaaf war während der 90 Minuten unter Hochspannung und kommentierte jede Schiedsrichterentscheidung lautstark. Dabei wird sein aus Verletzungs- und Finanznot geborener Jugendstil bei Werder immer ansehnlicher. Der Coach hatte die junge Garde um Trybull, Florian Hartherz (beide 18) und Zlatko Junuzovic (24) taktisch so gut eingestellt, dass sie mit temporeichem Passspiel durch die Reihen der Hamburger marschieren konnte.

So, zu den Vorkommnissen am Rande (außer der Pöbelei):

Ein Nachspiel könnte der Becherwurf aus der HSV-Fankurve an die Wade von Marko Marin bei einem Eckball haben. „Das ist eine Frechheit. Eigentlich aber sind die Hamburger Fans nicht so“, sagte der Bremer, „das ist trotzdem ärgerlich für den Fußball und ich hoffe, dass es nicht üblich wird, die Gegner auf diese Art zu verletzen“. Marin war bei diesem Eckstoß aufreizend langsam zur Eckfahne gegangen, das brachte einen HSV-Fan wohl zu sehr in Rage, aber aufreizend langsam gehen ist eben erlaubt – so lange es der Schiedsrichter nicht anders sieht. Deshalb ist diese Selbstjustiz wieder einmal blöde, denn sie wird dem HSV wieder einiges an Geld kosten. Wenn schon keine Bengalos in den HSV-Reihen (Werder-Anhänger zündelten sehr wohl), dann tut es eben auch ein mit einem Feuerzeug „gefüllter“ Becher – die Dummen sterben nie aus. PS: Dass Marin, dem in dieser Republik noch nie einer so etwas wie Fallsucht unterstellt hat (oder irre ich da?), von diesem „Treffer“ dann noch (kurz) zu Boden geht, das spricht eine ganz besondere Sprache. Im Prinzip aber muss das jeder Spieler mit sich selbst im stillen Kämmerlein ausmachen, ob er sich auf diese unrühmliche Art und Weise outen oder blamieren will. Es sei denn, die Offiziellen des Vereins reden diesem Spieler (oder diesen Spielern) mal ins Gewissen . . .

Und dann sorgten zwei vor der Partie festgenommene HSV-Anhänger noch zusätzlich für Aufregung. Beide hatten schon Tage (oder einen Tag?) vorher zwei mit Brandbeschleuniger getränkte Fahnen und Transparente in die Arena geschmuggelt und bestens versteckt (glaubten sie jedenfalls), diese beiden Utensilien wurden aber zeitig vor dem Spiel entdeckt – und bewusst in ihrem Versteck liegen gelassen. Als diese beiden Fußball-
Fans der besonderen Art dann kurz vor dem Anpfiff die (un-)sicher deponierten Sachen abholen wollten, griff die schon auf der Lauer liegende Polizei zu. Die Dummen sterben eben nie aus – Teil zwei. Das ist doch alles nur noch unterirdisch. Gehört wohl aber zum Fußballverständnis einiger Leute von heute dazu. Bin gespannt, was das für Strafen gibt . . .

Auch am Rande: Die „Schlagzeilen“ des aktuellen – und immer sehr, sehr gut gemachten (Kompliment, liebe Kollegen!) – Stadionheftes „HSVlive“ lautete diesmal: „Jaro – einer von uns“. Wie trügerisch!

Nicht mehr lange nämlich ist „Jaro einer von uns“, denn der Abschied des tschechischen Dauerläufers ist für den HSV beschlossene Sache. In der Halbzeitpause diskutierten wir (Kollegen fast aller Hamburger Zeitungen) über den HSV, über das Spiel, speziell über das Mittelfeld. Ein (mir bekannter) Kollege befand dann – nicht untypisch: „Der HSV wird sich zur neuen Saison gleich drei neue Sechser suchen müssen, denn so ist das doch nichts Halbes und nichts Ganzes. Den einzigen Sechser jedoch, den du noch gebrauchen könntest, den, ausgerechnet den, den lassen sie laufen. Fußball verkehrt.“

Gemeint war mit dem Einzigen natürlich David Jarolim. Auch diesmal eine Stütze des HSV-Teams. Ich hatte ja gemeint, dass „Jaro“ schon mit gesenktem Kopf auf den Rasen gelaufen sei, weil ja in den Tagen zuvor in allen Zeitungen ausgiebig zu lesen war, dass am Saisonende Schluss ist für ihn, aber meine Vermutung stimmte nicht. „Ich war gut drauf, habe mich auch gut gefühlt. Und ich habe nicht mit gesenktem Kopf gespielt, ganz im Gegenteil, ich werde hier bis zum letzten Spiel alles für den HSV geben.“ Dann fügte der Tscheche noch hinzu: „Es ist für mich nach wie vor ein Traum, dass ich hier noch spielen darf, damit habe ich nämlich schon gar nicht mehr gerechnet.“ Und: „Keine Sorge, ich bin klar im Kopf, weiß meine Situation hier ganz genau einzuschätzen.“

Ganz, ganz am Rande hat er HSV – besser einer seiner Altmeister – an diesem Wochenende einen Rekord eingebüßt. Manfred „Manni“ Kaltz ist nicht mehr alleiniger Rekordhalter in Sachen Bundesliga-Eigentoren. Der Mainzer Noveski (der, an dem Eljero Elia bestimmt immer denken wird) zog im 1:1-Spiel gegen Hoffenheim mit seinem sechsten Eigentor in der Liga mit dem HSV-„Flankengott“ gleich.

So, und dann bin ich auch durch (das muss aber noch!): Tolgay Arslan, in der 72. Minute für Jacopo Sala eingewechselt, war für mich ein Lichtblick an diesem ansonsten sehr trüben 18. Februar 2012.

Morgen, am Montag, ist kein Training im Volkspark. Um 15 Uhr aber trifft der HSV auf dem Trainingsplatz auf den FC Kopenhagen.

16.25 Uhr

Aus allen Träumen gerissen – 1:3

18. Februar 2012

Aus allen Träumen gerissen! Wahnsinn. Wer hätte das vorher gedacht? Der HSV verliert sein Heimspiel gegen den ewigen Nordrivalen Werder Bremen mit 1:3 – völlig verdient. Das war zu wenig, was der HSV diesmal bot, die guten Leistungen und Punktgewinne der letzten Wochen sind der Mannschaft offenbar überhaupt nicht bekommen. Pizarro schoss diesmal zwar kein Tor gegen den HSV, aber es sprangen eben andere für ihn ein. Der HSV war dem defensiv und nur auf Konter eingestellten Bremer Team vor 56 553 Zuschauern schön auf den Leim gegangen. . . Die Realität hat uns alle wieder: die Fans, die Mannschaft, die Verantwortlichen – ganz Hamburg. Wunder dauern eben immer etwas länger. „Die Nummer eins im Norden sind wir“, sangen die Werder-Anhänger, niemand konnte ihnen etwas erwidern. Auch so ist Fußball.

Die Stimmung war super. Vor dem Anpfiff, auch noch in den Anfangsminuten. Alles wunderbar. Hüben wie drüben Fan-Gesänge – so muss Fußball sein. Aus Hamburger Sicht stand einem Fußball-Fest nichts entgegen. Bis auf die fußballerischen Defizite. Oder war es nur die pure Überheblichkeit? In der neunten Minute „verdaddelte“ der „Zehner“ des HSV einen Ball an der Mittellinie. Arrogant. Das war nur arrogant. Rincon, der bis dahin schon einige Male den Ball wunderschön mit der Sohle gestreichelt hatte, leistete sich den Luxus, quasi als letzter Mann einen völlig überflüssigen Zweikampf zu suchen. Und verlor prompt die Kugel. Was für ein fataler Anfängerfehler. Alle Hamburger noch in der Vorwärtsbewegung – und der Konter lief. Und keiner konnte die Bremer stoppen. Marin schließlich legte die Kugel in die kurze Ecke – an guten Tagen hält Jaroslav Drobny diesen nicht besonders scharfen Schuss. 0:1 – die kalte Dusche.

Werder danach in der eigenen Hälfte. Elf Mann. Die warteten auf den HSV, wohlwissend, dass dieser HSV noch gar nicht in der Lage ist, eine solche Defensive auseinander zu spielen. Die Bremer lauerten auf Konter, und sie bekamen sie natürlich – frei Haus geliefert, denn von hinten heraus spielte der HSV mit unendlichen Fehlern nach vorne. Werder musste eigentlich nur danke sagen. Ganz, ganz bitter, diese Vorführung. So spielt man mit Studenten . . .

Und auf diese Art und Weise fiel prompt auch das 0:2. Marcell Jansen, der bis dahin gar nicht mitgespielt hatte, verlor den Ball auf der rechten Seite – aber wie! Unfassbar. Das war ganz sicher anfängerhaft. Der Konter lief. Und wieder kam Marin zum Abschluss, doch diesmal hielt Drobny den Schuss aus 15 Metern noch (sehr gut!). Eckstoß. Und den köpfte Trybull, den Dennis Aogo wohl aus den Augen verloren hatte, zum zweiten Tor für die Bremer ein. Wenn Drobny den ersten Treffer an guten Tagen gehalten hätte, so hätte er diesen Kopfball an guten Tagen wahrscheinlich mit dem Fuß gestoppt, hoch genommen und per Fallrückzieher nach vorne befördert. Diesmal tauchte der Tscheche wie eine Blei-Ente ab. Ende. Halbzeit. Unfassbar. Vor dem Spiel hatten 84 Prozent auf einen HSV-Sieg getippt – und dann eine solche erbärmliche Vorstellung.

Wer weiß, wie es gekommen wäre, wenn in der 48. Minute gleich der Anschlusstreffer gefallen wäre. Flanke Dennis Diekmeier, Mladen Petric direkt – genau auf Wiese – nur Eckstoß. Im Gegenzug hätte es 0:3 stehen müssen. Marin, um den sich niemand in der Hamburger Truppe so richtig zu kümmern schien, legte zur Mitte, dort hatte Diekmeier schön geschlafen, er ließ Rosenberg aus den Augen, doch der Bremer verfehlte freistehend aus sieben Metern das HSV-Tor. Ein Kunststück. Und großes Glück für den HSV.

Und es hielt die „Finken“ weiter im Spiel. Der HSV wurde doch noch besser, spielte druckvoller, wollte die Wende. Ivo Ilicevic traf aus spitzem Winkel mit einem Volleyschuss den Pfosten, dann traf Petric per abgefälschtem Freistoß zum 1:2 (76.) – Hoffnung keimte noch einmal auf . . .

Diese aber wurde in der 86. Minute begraben. Ein ganz „langes und hohes Ding“ in den Werder-Angriff, Slobodan Rajkovic und Heiko Westermann liefen ineinander, Arnautovic sagte danke und schoss mühelos ein. Dieses Tor passte an diesem verregneten Sonnabend genau zur HSV-Vorstellung . . .

Die Einzelkritik:

Jaroslav Drobny hat zuletzt immer gut gehalten, das war mal wieder ein schwächerer Tag – Note fünf.

Dennis Diekmeier – nicht Fisch, nicht Fleisch. Nach vorne kaum etwas, nach hinten unaufmerksam und unkonzentriert. Das war gar nichts.

Heiko Westermann begann fahrig wie zuletzt in Köln. Diesmal aber hielt diese Phase viel, viel länger an. Er kann es besser. Obwohl er sich auch diesmal in Halbzeit zwei steigern konnte, so dass er noch eine große, vielleicht sogar die Stütze des Teams wurde.

Slobodan Rajkovic bot eine solide Partie, obwohl auch er längst nicht so souverän war wie zuletzt.

Dennis Aogo hatte, so schien es, sein Hauptaugenmerk auf die Offensive gelegt. Nach hinten gelegentlich unkonzentriert, nach vorne ohne die rechte Durchschlagskraft.

David Jarolim bemüht wie immer, eroberte auch einige Bälle, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, als sei er schon mit gesenktem Kopf auf den Rasen gelaufen. Das endgültige Aus, dass er nun noch einmal aus allen Hamburger Zeitungen erfahren und lesen musste, schien ihn doch etwas zu lähmen. So jedenfalls mein Eindruck. „Jaro“ war okay, aber mehr auch nicht.

Tomas Rincon war ein Ausfall. Brotlose Kunst nennt man so etwas – aber warum soll er nicht auch einmal solche Tage erleben? Hoffentlich bleibt es bei diesem Ausrutscher. Und hoffentlich sagt ihm mal jemand, dass er ganz sicher kein genialer „Ballstreichler“ ist, Rincon muss über den Kampf zu seinem Spiel finden, aber nicht in der Rolle des Spielmachers . Ich kann mich nur wiederholen: Bitte, bitte, liebe Leute vom HSV, sagt es ihm. Für Rincon kam nach der Pause Ivo Ilicevic, der Gas gab und eine Belebung für das HSV-Spiel war, auch wenn er sich gleich einen ganz katastrophalen Fehlpass erlaubte. Aber ihn hatte Werder auf dem Zettel, ihm wurde Respekt entgegengebracht.

Jacopo Sala fand schwer ins Spiel, fand letztlich gar nicht so richtig hinein – ich hätte ihn spätestens zur Pause vom Rasen genommen. Aber da es in diese Richtung ja noch mehrere Kandidaten gab, bremste sich Thorsten Fink wahrscheinlich. Zur Pause, spätestens zur Pause, hätte er fünf Mann zum Duschen schicken können – wenn nicht müssen. Sala wurde erst
in der 72. Minute „erlöst“, für ihn kam Tolgay Arslan.

Marcell Jansen wäre auch ein Kandidat für einen Pausen-Wechsel gewesen Ein ganz heißer sogar. Der ehemalige Nationalspieler war ein Totalausfall. Er spielte gar nicht mit – bis auf diese Szene in der 45. Minute. Als er in der 71. Minute endlich (gegen Heung Min Son) ausgewechselt wurde, dann bekam er von Stadionsprecher Dirk Dröge noch einen netten Spruch mit auf den Weg in die Kabine: „Gute Besserung für den Oberschenkel.“ Ja, dem möchte ich mich anschließen.

Mladen Petric war in den ersten 30 Minuten nie zu sehen, und wenn, dann nur durch Fehlpässe. Aber dann bekam er noch die Kurve, taute auf und war um Leben bemüht. Akzente konnte er aber auch nicht setzen. Immerhin aber sorgte er mit einem abgefälschten Freistoß (Werders Fritz lenkte den Ball ab) noch für das 1:2 (76.).

Ganz vorne stand Paolo Guerrero diesmal allein auf weiter Flur, total allein. Und hatte es schwer, denn die Werder-Defensive nahm ihn hart ran, mitunter recht, recht hart sogar. Damit wurde ihm frühzeitig der Zahn gezogen, Guerrero bemühte sich ohne Ende, aber es kam nichts dabei rum. Gegen Ende der Partie war der Peruaner total ausgepumpt, alle, leer.

Ein Wort am Rande. Der arme Herr Schaaf. Er muss nach diesem Spiel Tennisarme haben. Jede, wirklich jede Schiedsrichter-Entscheidung des guten Unparteiischen Thorsten Kinhöfer kommentierte er mit hoch erhobenen Armen, mit wildem Gestikulieren und mit einigen Kommentaren. Der Mann (Schaaf) hatte an diesem Tag eben keine anderen Sorgen, fußballerisch lief es ja mit seiner Truppe nach Plan . . .

17.27 Uhr

Kapitänsangelegenheit: Pizarro rausnehmen – dann klappt’s auch mit dem Derbysieg…

17. Februar 2012

„Wir spielen im Moment das, was die Mannschaft kann“, lobte HSV-Trainer Thorsten Fink sein Team nach dem 1:0-Sieg in Köln. Selbiger hatte hier im Blog mehrheitlich positive Stimmen hervorgerufen. Allerdings gab es auch noch viele, die mit der Art und Weise nicht zufrieden waren. Dazu zähle ich mich nicht. Im Gegenteil. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich diese Mannschaft stabilisiert hat, taktisch wie in Köln sensationell diszipliniert spiel und dabei immer am eigenen Leistungslimit agiert. Das ist bei zunehmender Eingespieltheit noch um Nunacen steigerbar – aber für den Moment sollten wir zufrieden sein. Obwohl, nein – zufrieden dürfen wir nicht sein, das ist das falsche Wort. Aber wir sollten immer einen Blick haben auf das, was wir zu Saisonbeginn sahen und wo wir jetzt sind.

Denn: Unter Fink wurde es besser. Das ist kein Geheimnis, das sagen Punkte und Tabellenplatz klar aus. Allein die ersten vier Spiele der Rückrunde zeigen das schon deutlich. Und ich beziehe da bewusst das 1:5 gegen Dortmund mit ein, damit hier keiner die Daten anzweifeln oder deren Auswahl als willkürlich bezeichnen kann. „Wir haben uns defensiv gefestigt“, sagt HSV-Abwehrchef Heiko Westermann. Im Trainingslager in Marbella sowie in den letzten sieben tagen vor Rückrundenbeginn hatte sich Fink der eigenen defensiven verschrieben. Und damit lag er goldrichtig. Zwar gab es zu Beginn gegen übermächtige und von HSV-Fehlern profitierende Dortmunder eine bittere 1:5-Lehrstunde, allerdings zeigte sich anschließend, dass der HSV seine immer wieder proklamierte Schwachstelle Nummer eins in den Griff bekommen hat: die Defensive. Allerdings ist diese neue Stärke nicht allein der Viererkette zuzuordnen, sondern der allgemein besser werdenden Defensivarbeit als Team. „Die besten Beispiele waren Bayern und Köln. Beide Male haben wir sehr kompakt gestanden, mit allen elf gut gegen den Ball gearbeitet.“ Soll heißen: der HSV hat endlich eine ballorientiert verteidigende und aggressive Defensive. Daher verwundert es auch nicht, dass der HSV in den ersten vier Rückrundenspielen nur die Hälfte der Gegentore kassiert hat, die er gegen die gleichen Gegner in der Hinrunde eingeschenkt bekam. Trotz der fünf Gegentore zum Rückrundenauftakt.

Wie die umfangreichen, detaillierten Daten der Castrol Edge deutlich machen, hat es Fink geschafft, seiner Mannschaft ein gesundes Maß Defensivdenken einzuimpfen. Die Hälfte der Gegentore, dazu mehr gewonnene Zweikämpfe (257 jetzt gegenüber 243 nach vier Hinrundenspielen) sind erste Indizien. Und die Tatsache, dass der HSV in der Rückrunde 84 Foulspiele verursachte und zum gleichen Zeitpunkt in der Hinrunde erst 65 Fouls auf dem Kerbholz hat, spricht für die neue Aggressivität, die Fink immer wieder fordert. Dass es sich hierbei um eine zielführende, so genannte „gesunde Aggressivität handelt, unterstreichen die gerade erst fünf Gelben Karten in der Rückrunde. Zum Vergleich: In der Hinrunde hatte der HSV bereits elf Gelbe nach vier Spielen – und trotzdem nur einem Punkt gegenüber aktuell sieben. Apropos Gelbe, da ist doch was: Neben Michael Mancienne droht mit Heiko Westermann und Dennis Aogo ausgerechnet den wahrscheinlich konstantesten zwei Abwehrspielern bei der nächsten Verwarnung ein Spiel Sperre. Das wäre im Übrigen dann die Partie am kommenden Freitag gegen und in Mönchengladbach. Ob das belastet? „Nein“, antworten beide unisono, „wir können es ja nicht ändern.“ Aber es würde eben auch nichts an ihrer Spielweise ändern. Und das ist gut so.

Was mich an der Statistik von CastrolEdge besonders freute, ist die Tatsache, dass der HSV bei allem Defensivdenken auch offensiv stärker wird. Zwar wurden bislang erst 5 Tore erzielt (in der Hinrunde waren es 6 zu diesem Zeitpunkt), allerdings kommt der HSV in der Rückrunde deutlich häufiger zum Abschluss. Genau genommen waren es aktuell 42 Torschüsse gegenüber 27 in der Hinrunde. Ein Resultat der dominanteren Spielweise, die sich im durchschnittlichen Ballbesitz zeigt. Denn da hat der HSV 51,6 Prozent Ballbesitz gegenüber 44,5 Prozent zu Saisonbeginn. Besonders bemerkenswert ist, dass der HSV durchschnittlich mehr am Ball ist als der Gegner, obwohl die bemessenen Spiele zweimal auswärts und zu Hause gegen niemand geringeren als die absoluten Top-Teams Bayern und Dortmund waren.

Aber okay, genug gelobt. Morgen kommen die Unaussprechlichen. Da gilt es, die Form zu bestätigen. Und ich gebe zu, gegen die Lieblingsmannschaft meines im Moment karnevalsbedingt delirierten Kollegen Lutz Wöckener (er musste in der verbotenen Stadt aufwachsen) schmerzen Niederlagen doppelt. Zumal, weil sie meistens so vermeid- oder zumindest zu oft vorhersehbar waren. Dennoch, und damit endet auch schon der Mini-„was-ist-wenn?“-Teil“, dieses Nordderby hat andere Vorzeichen. Bei den Spielern herrscht nicht mehr der zu große Respekt vor den Grünweißen wie so oft in den vergangenen Jahren. Die meisten Spieler sind hier nicht einmal bekannt. „Das muss ich zugeben“, sagt Dennis Aogo, „aber wir werden uns wie immer gut auf alle vorbereiten. Aber nicht mehr als auf die vorigen Gegner.“ Warum auch? Die Mannschaft glaubt an sich.

In der verbotenen Stadt jedenfalls, diese Erfahrung hat mein korrekt-fußballgepolter Kollege Kai Schiller am Mittwoch bei seinem Abenteuer in der Weserstadt gemacht, glaubt niemand an einen Sieg der Grünweißen. Weder die begleitenden Journalisten/-innen noch die Einwohner. Und das, obwohl unser Lieblingsgegner (bis heute Abend) fünf Ränge höher platziert ist. „Aber weil wir ein Heimspiel haben, dürfte es ein Duell auf Augenhöhe werden“, glaubt Aogo, nicht wissend, dass er bislang jedes Bundesliga-Heimspiel gegen den morgigen Gegner gewonnen hat. „Ist das so?“, fragt der Linksverteidiger verwundert und schiebt nach: „Dann wollen wir das mal so belassen.“

Ja, das wollen wir. Und auf dem Weg dahin dürfte die größte Aufgabe sein, Claudio Pizarro zu stoppen. 14 Buden knipste der Torjäger in 19 Bundesligaspielen gegen den HSV. So auch die beiden im Hinspiel. „Ein großer Faktor in deren Spiel ist ganz sicher Pizarro“, sagt Westermann, der sich hauptverantwortlich für die Beschattung des Peruaners zeichnet. „Ich werde aus dem Spiel heraus sicher am meisten mit ihm zu tun haben“, so der Abwehrchef, der großen Respekt vor seinem Gegner hat: „Seine Tore zeigen sein Qualität. Er ist 80 Minuten nicht zu sehen, und trotzdem ist er im entscheidenden Moment da. Er weiß, wo er hin muss. Und er ist brutal gefährlich bei Standards, weil er nur auf den kleinsten Fehler wartet und nutzt. Dazu ist er sehr ball- und spielsicher. Wenn er nicht dabei ist, hat seine Mannschaft Probleme. Er macht einfach den Unterschied.“

Allerdings nicht in diesem Nordderby. „Daran muss ich mich messen lassen“, sagt Westermann, der sich für diese Hercules-Aufgabe gewappnet sieht. „Pizarro wird uns nicht mehr weglaufen, die Schnelligkeit hat er nicht mehr. Und ich freue mich auf die Duelle, weil er ein Heißblut ist auf dem Platz. Und darauf bin ich heiß. Das werden richtige Duelle. Er lässt sich nichts gefallen. Und vielleicht lässt er sich ja wieder zu einer undurchdachten Aktion verleiten.“ Ob er sich die von seinem Teamkollegen Paolo Guerrero versprochenen Tipps schon eingeholt hat? „Nein“, sagt Westermann, „ich habe auch schon oft genug gegen ihn gespielt. Ich kenne seine Qualitäten. Und ich bin gewarnt.“ Pizarro jetzt auch.

Dabei ist Pizarro für Westermann ein echter Prüfstein. Auch in Hinblick auf die bevorstehende EM. Vor einer Woche hatte ausgerechnet Westermann in Köln im Mannschaftshotel ein nettes Gespräch mit Hansi Flick, dem Cotrainer von Jogi Löw in der DFB-Auswahl. Und dieser hat dem HSV-Kapitän Positives in Aussicht gestellt. „Er hat mir nur gesagt, dass er genauso wie Jogi Löw weiß, was ich kann. Für mich steht die Tür weiter offen.“ Und wenn er Pizarro ausschaltet, sogar schon für das Spiel gegen Frankreich in Bremen? „Eher nicht“, sagt Westermann, der nach der Verletzung von Per Mertesacker noch größere Chancen auf die EM-Teilnahme haben dürfte. Ob er sich selbst nominieren würde? Ob er es verdient hätte? „Ich glaube schon, dass ich es verdient hätte. Allemal. Aber es sind auch viele neue, junge Leute dazugekommen, die spielen können. Jetzt liegt es an mir.“ Stimmt! Sollte er tatsächlich Pizarro ausschalten können, dürfte das ein weiteres, nachhaltiges Bewerbungsschreiben für ihn sein. Und allemal Grund zur Freude für uns.

Im Nachmittagstraining beschränkte sich Fink heute auf knapp 40 Minuten mit Kreisspiel, leichten Laufübungen und ein Abschlussspiel, in dem er Blöcke auf beide Mannschaften verteilte. Und für alle die, die hier unken, der HSV spiele immer dann schlecht, wenn das Training gelobt wird: Insbesondere der zentrale Defensivblock mit Rajkovic, Westermann, Jarolim und Rincon patzte und verlor das Spiel 0:4. Torschützen: 3x Guerrero, 1x Petric.

Mir würde gegen die Anderen schon ein 1:0 reichen. Meinetwegen auch noch unspektakulärer als der Sieg in Köln.

In diesem Sinne – bis morgen! Da wird gewonnen. Ich lege mich fest.

Scholle

So könnten sie spielen:

HSV: Drobny – Diekmeier, Westermann, Rajkovic, Aogo – Sala, Jarolim, Rincon, Jansen – Petric, Guerrero.
Werder Bremen: Wiese – Fritz, Affolter, Sokratis, Hartherz – Bargfrede – Ignjovski, Trybull – Junuzovic – Arnautovic, Pizarro

Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)
Assistenten: Detlef Scheppe (Wenden), Christian Fischer (Hemer)
Vierter Offizieller: Harm Osmers (Hannover)

Die Statistik von Castrol Edge:

Die Anspannung vor dem Nordderby steigt sicht- und hörbar

16. Februar 2012

Der „Oha-Effekt“ blieb nicht aus. Auf die Frage, ob er in der Kabinenansprache vor dem Nordderby ein besonderes Stilmittel benutzen wolle, um die Brisanz der Partie noch mal zu verdeutlichen, antwortete HSV-Trainer Thorsten Fink zunächst ganz langsam. Er reihte Buchstabe an Buchstabe und brauchte eine gefühlte Stunde für den satz. „Ich kann natürlich nicht langsam sprechen und sagen: ‚Hey Jungs, das ist ein Derby’, und dass wir gewinnen wollen“, so Fink betont langsam und langweilend, ehe er mit der Handkante auf das Podium im Presseraum der Imtech-Arena schlug und mit roter werdendem Kopf und ansteigender Lautstärke brüllte: „Nein, wir wissen, wie wichtig das Spiel ist, das Derby. Und wir geben Gas.“ Und, lasst es Euch gesagt sein, was in Schriftform schwer rüberkommt, wirkte in Echtzeit tatsächlich beeindruckend. Zumindest ließ es erahnen, mit welcher Intensität Fink seine motivierenden Ansprachen vor der Mannschaft hält.

Und das wird auch am Sonnabend nötig sein. Denn da kommt es zum Nordderby gegen die Nordost-Delmenhorster (als Kompromiss, denn die verbotene Stadt liegt weder genau östlich noch nördlich). Und da das Hinspiel 0:2 verloren gegangen ist, sinnen die HSV-Profis auf Revanche. Selbst die an sich schmerzhafte Rückenprellung bei Gojko Kacar konnte ihn nicht davon abhalten, heute im Training um seine Chance auf einen Platz in der Startelf zu kämpfen. Dass es nicht reichen wird – es war ihm egal. Und das zeugt von zwar durchaus zu erwartender, aber eben auch gesunder Motivation. „Man merkt im Training deutlich, dass es heißer wird. Die Anspannung steigt, es geht richtig zur Sache“, sagt Mladen Petric.

Und genau diese Portion gesunde Aggressivität verlangt auch Thorsten Fink. „Ich erwarte von der Mannschaft, dass sie genau da weitermacht, wo sie in den letzten Spielen aufgehört hat.“ Soll heißen: dominantes Spiel mit viel Ballbesitz. Schon deshalb wird er aller Voraussicht nach nichts an der Startelf der Köln-Partie verändern. Einzige Ausnahme: der für Fink weiterhin gesetzte Tomas Rincon löst nach abgesessener Gelbsperre den am Rücken noch leicht angeschlagenen Kacar ab.

Und so sicht- und hörbar heiß auch Fink auf das Derby ist („Ich weiß, was so ein Nordderby bedeutet. Verliert man, kann man es nicht gleich wiedergutmachen und man wird gehänselt. Es ist ein besonderes Spiel“), der HSV-Coach findet dennoch eine Lücke für einen kleinen, aber feinen Appell: „Ich werde nicht mit Sprüchen das Spiel anheizen, weil ich keine Randale drumherum will, sondern Feuer auf dem Platz. Dort soll sich der Wettkampf abspielen. Mit fairen Mitteln.“ Worte, die ein Tim Wiese so sicher auch unterschreiben würde…


Aber egal, der HSV braucht sich auch nicht in markigen Sprüchen verrennen. Die Form spricht für sie. Werder hat zuletzt viermal in Folge remis gespielt, der HSV hat aus den letzten vier Spielen zwei Siege und ein Remis gegen den FC Bayern geholt. „Wir haben uns eine gute Ausgangsposition verschaffen“, sagt Mladen Petric, „bis auf ein Spiel gegen Dortmund haben wir gut losgelegt und uns viel Selbstvertrauen geholt.“ Insbesondere der Köln-Sieg habe noch mal nachhaltig Wirkung. Petric: „Das war ein Bigpoint, weil wir nicht wie so oft versucht haben, das Spiel schon in den ersten 15 Minuten zu entscheiden. Wir hatten Geduld, haben an uns geglaubt und konnten mit dem 1:0 sehr gut leben.“ Zumal der HSV so am Sonnabend das erste Mal mit positivem Druck ins Spiel gehen kann. Der Abstiegskampf ist bei acht Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz in vorerst sicherer Entfernung. Petric: „Und natürlich können wir den Anschluss herstellen – aber dafür müssen wir am Sonnabend unsere vergangenen Wochen bestätigen.“

Das Wort Europa scheint indes auf dem Index zu stehen, nachdem es kurz vor und in der Winterpause immer wieder ausgesprochen und mit einem bitteren 1:5 zum Auftakt gegen Dortmund bestraft wurde. Allerdings, und das ist genau die richtige Temperierung, der Blick nach oben bleibt: „Sollten wir uns weiter vorarbeiten können, werden wir ganz sicher nie sagen, dass wir mit Platz acht oder neun zufrieden sind“, kündigt Petric an. Und mehr sollte er auch nicht sagen. Wir alle wissen nur zu gut, wie oft gerade beim HSV die Ansprüche der Leistung voraus waren…

Nein, bei der am häufigsten gespielten Bundesligapartie (zum 96. Mal gibt es dieses Nordderby am Sonnabend) treffen zwei Mannschaften aufeinander, die in der Tabelle zwar fünf Ränge auseinander liegen, aber eine sehr ähnliche Entwicklung nehmen. Denn nachdem der HSV zwangsläufig im Sommer den Umbruch eingeläutet hatte, ist dieser inzwischen auch beim nächsten Gegner angekommen. Derzeit versuchen es Schaaf und Allofs sogar mit der jüngsten Mannschaft aller Zeiten. Zuletzt wurden teure Spieler wie Almeide, Frings, Jensen, Pasanen und Mertesacker verkauft. Wobei Letztgenannter sich am Wochenende bei seinem neuen Klub Arsenal London so schwer verletzt hat, dass ihm jetzt sogar das EM-Aus drohen könnte. Eine Nachricht, die Heiko Westermann – dafür ist er vorbildlicher Sportsmann genug – alles andere als freuen wird, die ihm allerdings die Aussicht auf einen Nominierung für die Endrunde in Polen und der Ukraine im Sommer verbessern könnte.

Aber schnell wieder zurück zur Aktualität. Mit den zumeist Grünweiß-Gekleideten kommt am Sonnabend eine Mannschaft, die schwer einzuschätzen ist. „Die spielen von Weltklasse bis weniger gut alles“, sagt Jansen und betont: „Aber am Ende haben sie irgendwie Erfolg. Wir sind auf jeden Fall gewarnt.“ Wobei alle (auch Fink) auf die Frage, ob sie alle Spieler aus der momentan Startelf der Weserstädter kennen, ausweichend antworten. Und das zurecht. Oder sind Euch Namen wie Florian Hartherz, Francois Affolter oder auch Tom Trybull nachhaltig bekannt?

Eher nicht. Klar ist aber, dass sie Fußball spielen können und ihr Trainer Thomas Schaaf an der Ausrichtung und am Spielsystem der vergangenen Monate und Jahre festhält. Dabei agieren sie immer mit Raute und immer mit zwei Stürmern. Ihre Mannschaft hat keinen ausgewiesenen Zehner, vor dem sich die Konkurrenz fürchtet. Statt eines Özils oder Diegos kümmert sich inzwischen ein Zlatko Junuzovic um die Kreativität im Spiel. Da sich nach sechs Champions-League-Teilnahmen in sieben Jahren die Erwartungen der Anhänger nicht der Kaderveränderung angepasst haben, sprach Allofs zuletzt immer wieder von „erschreckendem Anspruchsdenken“. Was das betrifft, steht es 1:0 für den HSV. Denn der hat es besser gemacht. Dort wurden schon vor Saisonende 2010/2011 die Ansprüche für 2011/2012 wiederholt kleingeredet. Dazu kam ein Saisonstart, der auch den letzten verträumten Optimisten derart erschrecken ließ, dass seither der Minimum Klassenerhalt als Ziel ausgegeben und erwartet werden konnte. Sollte sich dieses Ziel (Arnesen: „Und das ist erst, wenn wir 40 Punkte sicher haben“) vorzeitig realisieren lassen, würde weitergedacht. „Die Fans nehmen die Situation an“, sagt Mladen Petric, der auch in Berlin einen besonderen Support vernommen hat. „Eine geile Stimmung!“ Und die soll es auch am Sonnabend geben. Auch wenn bislang noch 3000 Tickets im freien Verkauf sind, das Stadion überraschend noch nicht ausverkauft ist.

Apropos Petric: der Kroate steht trotz seiner im März anstehenden Vertragsverhandlungen mit dem HSV momentan ein wenig im Schatten des formstarken Paolo Guerreros. „Es ist eigentlich ganz schön, mal etwas mehr Ruhe zu haben“, scherzt Petric und fügt an: „Paolo hat einen top Lauf im Moment, und der ist für uns alle gut. Auch für mich. Ich verstehe mich mit Paolo auf und neben dem Platz super.“ Zuletzt bewiesen beim 1:0 in Köln. Und genau darin dürfte eine der größten Stärken des HSV im Moment liegen: der Gegner muss sich auf zwei Topstürmer konzentrieren – nicht nur auf einen. „Mladen spielt sehr gut mit Paolo zusammen“, lobt auch Fink, „dass der eine weniger trifft als der andere ist nicht wichtig. Es ist generell nicht wichtig, wer die Tore macht, sondern nur, dass das System funktioniert. Und dafür arbeiten beide gut mit. Wenn das so bleibt, werden sie eh beide auf ihre Torquote kommen.“

Am besten schon mit Treffern im Nordderby. Gutes Omen: gegen den Torwart der Grünweißen erzielte Petric seinen ersten Bundesligatreffer. Besser noch: „Wir haben mit Dortmund damals 3:0 gewonnen und ich habe zwei Tore erzielen können.“ Und das gegen den damaligen Torwart Tim Wiese, der auch am Sonnabend in der Imtech-Arena das Tor der Unaussprechlichen hüten wird.

In diesem Sinne, bis morgen.

Da findet leider kein öffentliches Training statt.

Scholle (18.45 Uhr)

Das Spiel gegen die Unaussprechlichen elektrisiert

15. Februar 2012

So schnell kann es gehen! Das dachten wir uns oben im fünften Stock der Imtech-Arena. Kaum kündigt der HSV verschärfte Maßnahmen gegen Pyrotechnik-Missbrauch im Stadion an, brennt es auch schon in der Imtech-Arena. Zumindest dachte das die Feuerwehr, die um 12.54 Uhr mit vier Wagen und Blaulicht anrückte Allerdings, schon 14 Minuten später rückten alle Löschwagen wieder ab – falscher Alarm. Zum Glück. Richtig heiß wird es eh erst am Sonnabend, wenn der HSV im Block 25A die Kontrollen drastisch verschärft. Und ganz nebenbei: Mit den Unaussprechlichen kommen an dem Tag ausgerechnet die Fans nach Hamburg, die in der Bundesliga am häufigsten Pyrotechnik zünden. Ob es im Gästeblock auch eine derart verschärfte Kontrolle gibt? Nein!

Echter Alarm herrscht allerdings im Hinblick auf das bevorstehende Nordderby. Auf dem Trainingsplatz wurde nach einer kurzen Aufwärmphase so eine Art Völkerball gespielt. Zunächst waren die Nummern ein bis 13 draußen, der Rest innen mit Fitnesscoach Nikola Vidovic – und nach 50 Minuten wurde gewechselt. Wobei ziemlich klar sein dürfte, dass die Jungs in der Kabine von dem Kickboxmeister deutlich härter drangenommen wurden als die Gruppe draußen von Fink und Co. „Das tut schon mal richtig weh“, beschreibt Jansen Vidovic’s Trainingsmethoden, „aber es tut allen gut.“ Und ganz ehrlich: ich habe mit fast allen Spielern mal über den verhältnismäßig neuen Physio gesprochen – und alle sind begeistert.

Das wiederum gilt auch für das wichtigste Ereignis dieser Woche (nach meiner aktiven Rückkehr auf den Trainingsplatz natürlich): für das Nordderby gegen die Nord-Delmenhorster. Die Runde von damals mit den vier Spielen in Folge nervt hier – nicht nur mich. „Das war scheiße“, spricht Jansen Klartext, „da haben wir im DFB-Pokal, das muss man so ehrlich sagen, verdient verloren, weil wir taktisch schlechter waren. Aber in der Europa-League waren wir in beiden Spielen besser und haben unter kuriosen Umständen verloren. Ich erinnere da nur an Michael Gravgaard – zuerst die Papierkugel und dann auch noch das nicht gegebene Tor.“ Das Ligaspiel fiel damals anschließend kaum noch ins Gewicht. Zu groß war die Enttäuschung über das Doppel-Aus in den beiden Cup-Halbfinals. „Schon deshalb ist das Spiel am Sonnabend hier mehr als nur ein Top-Spiel für uns“, verspricht Jansen, „Das ist eine Top-Spiel mit Sternchen. Da haben wir noch was in der Schublade…“ Womit der Linksfuß sagen will, dass sie noch etwas gutzumachen haben.

Gut macht es im Moment die gesamte HSV-Mannschaft im Kollektiv. Wer auch immer sich über das Spiel am Sonntag in Köln geärgert hat, sie/er hat noch zu hohe Ansprüche. Der Satz von Trainer Thorsten Fink „Wir spielen im Moment genau das, was wir können“ ist meiner Meinung nach komplett richtig und alles beschreibend. Solche Siege sind Gold wert, weil sie existenziell sind. Ein 0:0 in Köln hätte Diskussionen aufgeworfen, ganz klar. Das weiß auch Fink. Weil das bei Niederlagen fast immer so ist. Und der HSV-Coach hätte sich trotzdem gestellt, ganz sicher. Allerdings hat der Trainer im Moment nur die Aufgabe, dieser Mannschaft eine gesunde Basis zu verschaffen. Auf dem Platz wie in der Tabelle. Und diese beiden Dinge gelingen ihm sehr gut. Auch in Köln, wo man nicht mehr als drei Punkte mitnehmen konnte. Insofern sollten wir zufrieden sein, wenn der HSV gewinnt, ohne dabei kapitale Schwächen zu offenbaren, die Anlass zur Kritik bieten. Und das hat die Mannschaft nun wirklich nicht.

Aber okay, zurück zum alles beherrschenden Thema: zum Nordderby gegen die Unaussprechlichen. Die haben heute parallel zu unserer Runde mit Paolo Guerrero eine Runde mit Claudio Pizarro angesetzt. Pikant: Den wollte der HSV 2008 verpflichten, als er vom FC Chelsea zurück in die Bundesliga wechselte. „Ja, es gab damals ein Angebot vom HSV“, sagte Pizarro heute. Und via Interviewticker aus Bremen aktuell informiert, stellte ich gleich Frank Arnesen die Frage, ob das so stimme. Immerhin war der heutige HSV-Sportchef damals noch als Sportchef des FC Chelsea aktiv. „Davon weiß ich nichts“, so der Däne, „vom HSV hatte sich damals nie jemand gemeldet. Wäre da was gekommen, hätten wir ihn natürlich nach Hamburg geschickt“, scherzt Arnesen, der heute noch mal klarstellte, dass er sich über David Jarolims Rückkehr zwar sehr freue, deshalb aber den Plan, den Tschechen im Sommer abzugeben, noch nicht über den Haufen geworfen habe.

Aber zurück zu Pizarro und seinem HSV-Angebot von 2008. Es gab es, wie mir damals der Vorstand bestätigte. Und ehrlich gesagt hätte ich mich richtig gefreut, wenn das geklappt hätte. Allerdings kam es nie zu intensiveren Verhandlungen. Pizarro wollte unbedingt nach Nord-Delmenhorst zurück, ließ daran von Beginn der Verhandlungen an keinen Zweifel. „Ansonsten hätte ich nie wieder nach Bremen einreisen dürfen“, scherzte Pizarro heute in der Interviewrunde.

Mein sympathischer Kollege Kai Schiller war übrigens vor Ort. Frisch geimpft (nur ’n dummer Scherz, bitte nicht beleidigt sein, liebe Bremer) und von mir mit dem Auftrag ausgestattet, dem besten Spieler der Unaussprechlichen ordentlich einen gegen das Schienbein zu schmettern, lauschte er dem Topstürmer, während ich in der Imtech-Arena dem einzig echten Peruaner der Bundesliga zuhörte: Paolo Guerrero. Der ist im Moment – nein: schon seit der Übernahme von Thorsten Fink – in aufsteigender Form. Wer der bessere Stürmer ist wurde da gefragt. Eigentlich müsste man hierbei ehrlicherweise für Pizarro votieren, der gefühlte 100 Tore mehr erzielt hat in seiner Bundesliga-Karriere. Aber noch eigentlicher sollte man diese Frage so gar nicht stellen. Immerhin sind beide absolut verschiedene Spielertypen. Denn während Pizarro vom Typ her am ehesten dem früheren Mladen Petric beim HSV entspricht, ist Paolo der Arbeiter unter den Angreifern. „Paolo haut sich immer voll rein, ist super mannschaftsdienlich, arbeitet tierisch nach hinten und ist schon deshalb hoch angesehen in der Truppe“, lobt Jansen, „und wenn er jetzt noch trifft – umso besser. Wir brauchen auch Stürmer, die mehr als fünf, sechs Tore machen.“ Bedeutet: Guerrero muss am Wochenende nachlegen – er hat ja erst sechs Saisontreffer.

Nachlegen müsste der HSV auch, wollte er Mladen Petric über die Saison hinaus halten. Das aber wird so nicht geschehen, wie Klubboss Carl Jarchow bereits ankündigte und Arnesen heute noch mal unterstrich: „Wir müssen wieder sparen. Wir wissen, dass wir in der kommenden Saison nicht so viel Kohle ausgeben können, wie in diesem Jahr. Wir müssen das noch mal zurückschrauben.“ Selbst das Erreichen eines internationalen Startplatzes (Arnesen: „Darüber rede ich gar nicht“) würde finanziell nicht allzu viel bewegen. „Du weißt nie, wen Du als Gegner bekommst, wie weit Du kommst und so weiter. Außer in der Champions League kann man nicht viel einplanen. Aber ein internationaler Startplatz macht dich als Verein für Spieler interessanter. Da könnte es uns das Leben etwas leichter machen.“

Leichter machen könnte es auch Klaus Michael Kühne. Der Milliardär steht weiterhin in engem Kontakt zum HSV. Gerade jetzt, wo die Suche des HSV nach einem kreativen Mittelfeldspieler auf Hochtouren läuft und die Vereinskassen leer sind, könnte der HSV-Fan, der gerade 450 Millionen Euro bei Hapag Lloyd investiert hat, helfen. Das hofft Arnesen trotz des Gegenwindes in der Mitglieder. „Herr Kühne steht unserer Zukunftsplanung sehr positiv gegenüber. Und die Mitglieder müssen keine Angst haben, dass hier etwas im Stile der englischen Klubs verkauft wird. Der HSV wird immer souverän bleiben“, plädiert der HSV-Sportchef, „und ich werde den Klub immer verteidigen. Herr Kühne ist ein Investor, der das Risiko eingeht, 100 Prozent zu verlieren. Für mich ist das mehr ein Sponsor als ein Investor. Aber keinesfalls jemand, der dem HSV schaden könnte. Im Gegenteil.“

Eine Meinung, die ich im Übrigen teile. Sofern die Investments gläsern sind. Soll heißen: ich würde mich freuen, wenn Herr Kühne dem HSV einen Mittelfeldspieler der Klasse Rafael van der Vaart komplett finanziert. Dann darf er auch gern an einem eventuellen Weiterverkauf des Spielers partizipieren. Er darf auch gern daran verdienen, sollte der Spieler dem HSV mehr einbringen, als er vorher gekostet hat. Zudem glaube ich, dass der HSV bei allen Bestrebungen, neue Geldquellen (Arena-Events, Südkorea, etc.) zu erschließen, Hilfe dringend brauchen kann. Denn gute Spieler erhöhen die Wahrscheinlichkeit auf sportliche Erfolge. Die wiederum machen den HSV attraktiver für Sponsoren und interessante Spieler. Und so kann sich eine Schraube bei gutem Management schnell immer weiter nach oben schrauben.

Und damit meine ich nicht nur fertige Stars á la van der Vaart, sondern auch Spieler wie Maximilian Beister. Nach der Borussia aus Dortmund soll laut Sportbild die Borussia aus Mönchengladbach jetzt an dem Leihspieler des HSV in Diensten Fortuna Düsseldorfs interessiert sein. „Aber ich bin ganz ruhig“, sagt Arnesen, „es ist alles besprochen, zuletzt noch mal in Berlin. Es ist alles positiv.“ Jetzt ginge es nur noch um letzte finanzielle Details. „Wir werden in den nächsten sieben bis zehn Tagen eine Entscheidung haben. Und ich glaube, sie wird positiv für uns.“

Wie das Heimspiel am Sonnabend. Da gibt es keine zwei Meinungen.

In diesem Sinne, bis morgen.

Scholle

P.S.: Am Nachmittag ging es auf dem Platz gut zur Sache. Insbesondere im Abschlussturnier mit drei Mannschaften auf verkürztem Feld. Und während der Trainingsplatz schwer ramponiert wirkte, erstrahlt der Stadionrasen nach den Eisestemperaturen in einem nahezu perfekten Zustand.

18.59 Uhr

Registrierung aktiv (Update: 13:21 Uhr)

15. Februar 2012

Seit heute morgen (Mittwoch, 15. Februar 2012) ca. 7:45 Uhr ist die Registrierung aktiv.

Das Hinterlassen von Kommentaren ist nur noch auf vier verschiedene Arten möglich: Über eine Registrierung hier im HSV-Blog „Matz ab”, über Ihren persönlichen Facebook-Account, über Ihren persönlichen GooglePlus-Account oder über Ihren persönlichen Hotmail-Account.  Update:  Die Kommentierung funktioniert derzeit nur über die direkte Registrierung im Blog. Bei den anderen Möglichkeiten gibt es noch zu lösende Schwierigkeiten.

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Sollten Sie Probleme haben oder sollten Fragen auftauchen, wenden Sie sich bitte per Email an die Moderatoren (siehe Nutzungsbedingungen).

8.00 Uhr

Update 8:30 Uhr: Die Kommentare sind jetzt sichtbar.

Update 9:52 Uhr: Es werden jetzt auch Avatare angezeigt. Jeder kann sich kostenfrei einen Avatar bei http://www.gravatar.com einrichten. Der wird dann jeweils vor dem Kommentar angezeigt (ggf. dauert es etwas bis die hier angezeigt werden).
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Der Kommentareintrag von hansel dazu:
“An Alle die bei Avatar ein Bild hinterlegen wollen. Ihr müsst euch neu registrieren bei gravatar.com mit eurer Email Adresse die ihr auch für Matzab Blog genommen habt. Der benutzerName muss nicht gleich sein (er ist meistens schon vergeben,hängt einfach ne Zahl im benutzername dran). Dann ein bildchen ins Avatar Profil laden. Wichtig ist das nur die Registrierung für Avatar und Matzab mit der gleichen Emailadresse gemacht wurde. Und es dauert paar Minuten bis dann das Bild zu sehen ist.”

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Thorsten Fink: “Toll, dass nun das Derby folgt” Ab Mittwoch kommt die Registrierung

14. Februar 2012

Europa wir kommen!
Das heißt, der HSV wir kommen. Natürlich. Wer denn sonst? Mit Thorsten Fink geht es wieder quer durch den europäischen Spitzen-Fußball, das ist doch klar. Nach einer solchen Erfolgsserie ist doch wirklich alles möglich. Da muss niemand mehr Angst vor dem Abstieg haben. Im Gegenteil, der HSV wird das Feld noch von hinten aufrollen. Wer denkt denn jetzt noch an die 1:5-Klatsche gegen Meister Dortmund? Die war zwar erst am 22. Januar, aber das ist doch Schnee von gestern. Oder? „Wir sollten auf dem Boden bleiben, wir sollten realistisch bleiben. Unser Ziel war in dieser Saison der Nicht-Abstieg, das war schwer genug. Jetzt sollten wir so schnell wie möglich versuchen, die 40-Punkte-Marke zu überschreiten, und was danach noch möglich ist, das werden wir dann sehen“, sagt Trainer Fink ganz gelassen. Und ergänzt ebenso sachlich: „Natürlich ist klar, dass jetzt eine gewisse Euphorie entsteht, aber wir dürfen jetzt nicht gleich wieder das Ziel Europa ausgeben. Nach dem Dortmund-Spiel hieß es noch von allen Seiten, dass mit dieser Mannschaft gar nichts zu erreichen ist, deswegen kann jetzt nicht gleich jeder was vom Europa-Pokal erzählen.“

Recht hat er da, der Torsten Fink. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, und ein 1:1 gegen die Bayern und zwei Auswärtssiege in Folge auch nicht. Der Coach sagt auch: „Wir selber wissen, dass wir an einem guten Tag jede Mannschaft aus der Bundesliga schlagen können, aber auf Sicht eine gute Saison zu spielen, dazu gehört schon etwas mehr. Unser Ziel sollte weiterhin der einstellige Tabellenplatz und ein gesicherter Mittelfeldplatz sein. Dazu müssen wir weiter hungrig bleiben – und dann werden wir am Ende sehen, was dabei heraus kommt.“

Fink hält den Ball auf jeden Fall ganz flach. Und tut gut daran. Er weiß auch sehr genau, dass es noch hin und wieder Rückschläge geben wird. Das nächste Auswärtsspiel zum Beispiel führt den HSV zur Borussia in Mönchengladbach . . .

Dennoch muss natürlich festgehalten werden, dass der HSV sich erst einmal aus der unmittelbaren Abstiegsgefahr entfernt hat. Die letzten beiden Erfolge in der Fremde waren dabei überlebensnotwendig. Finks Kommentar: „Wir sind auf dem richtige Wege, die Mannschaft hat nun drei Spiele sehr konstant gespielt. Das ist erfreulich, aber wir wollen dennoch nicht sagen, dass wir schon alle zufrieden sind. Wir wollen nicht nachlassen, und deswegen finde ich es toll, dass es nun ein Derby gegen Werder Bremen gibt, denn in einem Derby kann man nicht nachlassen. Jeder Spieler weiß genau, dass es um sehr viel geht. Und jeder muss wissen, dass man nur dann gewinnen kann, wenn man genau so konzentriert in die Spiele geht, wie in den letzten drei Partien.“

Dann spricht Thorsten Fink einen Punkt an, der hier (und nicht nur hier) sehr kontrovers diskutiert wurde: „Mit unserer Leistung im Köln-Spiel war ich sehr zufrieden, das haben wir da sehr gut gemacht. Das war genau so, wie ich mir das vorstelle. Am Ende wird vielleicht der eine oder andere sagen, dass wir doch besser 5:0 gewonnen hätten, aber ich glaube, dass wir schon gut waren. Wir haben geduldig auf unsere Chancen gewartet, wir haben das Spiel absolut kontrolliert, wir haben die Stimmung aus diesem Hexenkessel genommen, wir haben mehr Zweikämpfe gewonnen als der Gegner, wir haben 31 Flanken geschlagen, hatten 19 Torschüsse – mehr geht doch nicht in einem Auswärtsspiel.“

Und Köln hatte in Halbzeit eins – als Heimmannschaft – nur 30 Prozent Ballbesitz. Trotz allem waren einige HSV-Fans unzufrieden mit dem Fink-Team. Weil der HSV eben der HSV ist. Da gibt es ganz andere Ansprüche. Immer noch. Obwohl damit sicherlich hin und wieder die Sachlage verkannt wird. Fink: „Leute, die dieses Spiel gesehen haben, und die Leute, die sich auch nicht von Zeitungen beeinflussen lassen, und alle Fußball-Fachleute, die auch wirkliche Fußball-Fachleute sind, die werden wissen, dass das von uns ein super Spiel war. Ich muss für mich als Trainer klären, wie meine Mannschaft gespielt hat, und meine Mannschaft hat in Köln hervorragend gespielt. Wir haben top gespielt, wir haben Ausstrahlung gehabt, der Gegner hatte Respekt vor uns – mehr kann ich mir nicht wünschen. Oder wollen die Leute, dass wir wie Barcelona spielen?“ Und: „Mir hat noch keiner etwas Schlechtes über unser Spiel in Köln erzählt, ich habe nur Gutes gehört.“ Und noch einmal: „Wir waren sehr gut, ich war sehr zufrieden. Es gab dann zwischendurch al zehn Minuten, in denen Köln 50 Prozent Ballbesitz hatte, also genau so viel wie wir, aber das haben wir dann wieder verbessert. Und natürlich kann man Kleinigkeiten auch immer mal verbessern. Wir hätten früher das 1:0 machen können, wir hätte nach den Chancen von Mladen Petric und Dennis Aogo auch 3:0 gewinnen können – aber das wäre dann auch schon das Optimale, wenn die Chancenauswertung hundertprozentig wäre.“

Themenwechsel. Jetzt gibt es auch Bestrebungen, dass der zum Saisonende auslaufende Vertrag von David Jarolim doch noch verlängert wird. Was ich grundsätzlich begrüßen würde. Und mit mir sicherlich auch eine riesige „Jaro“-Fan-Gemeinde. Thorsten Fink sagt als Verantwortlicher dazu: „Ich weiß, was Jaro kann, und er ist erst 32 Jahre alt, noch keine 38. Das ist ein gutes Fußballalter, und er hat geduldig auf seine Chance gewartet. Er hat immer an sich gearbeitet, hat seine Leistungen im Training gebracht, hat einen tollen Charakter gezeigt, ist vorbildlich in seinem Einsatz, er ist immer der erste Spieler beim Training und dann auch der letzte, der geht. Ich habe gewusst, dass er uns mit seiner Erfahrung helfen kann.“ Und ein neuer Vertrag für Jarolim? Fink: „Wir schauen, was alles geht, was alles noch machbar ist. Und wenn er bis zum Ende der Saison gut spielt, warum sollen wir dann sagen es ist Schluss? Mal sehen, was noch alles passiert.“

Dann sagt Thorsten Fink noch generell zum Ende einer Spieler-Karriere: „Gerade solche Spieler wie David, die muss man vernünftig verabschieden. Für ihn ist das doch jetzt das Schönste, wenn er solche Top-Leistungen bis zum Ende der Saison bringen kann, wenn er dem Klub nun weiter helfen kann und er dafür dann würdig verabschiedet wird – wenn denn geht. Von daher habe ich vor solchen Spieler größten Respekt, die alles für ihren Klub geben, die sich mit ihrem Klub identifizieren – und dazu gehört immer ein guter Abschied und ehrliche Worte.“ Fink gibt dann noch zu, dass er mit Sportchef Frank Arnesen noch nicht über den „Fall Jarolim“ gesprochen hat – ob Verlängerung ja oder nein.

Mein Gefühl sagt mir aber heute, am 14. Februar 2012: nein.

Noch einmal Themenwechsel. Zum Werder-Spiel. Fest steht für den Trainer, dass Tomas Rincon wieder in die Mannschaft kommen wird. Und damit Gojko Kacar wieder auf die Bank geht. Und fast hundertprozentig ist wohl auch, dass Slobodan Rajkovic in der Mannschaft bleiben wird. Und Jeffrey Bruma (er soll morgen wieder trainieren) wird dann neben Kacar Platz nehmen müssen. So ist das Profi-Leben in einem Spitzen-Team, in dem jede Position doppelt gut besetzt ist. Einer muss auf die Bank. Fink zur Problematik der Innenverteidigung: „Der Rajko hat jetzt zweimal sehr gut gespielt, ich sehe da keinen Anlass zu wechseln. Ich glaube, das wäre dumm von mir.“

So, zwei ganz interessante Dinge habe ich noch am Rande:

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes hat den HSV zu einer Geldstrafe in Höhe von
10 000 Euro verurteilt. Der DFB ahndete damit zwei Vorfälle im Fanblock der Hamburger in den vergangenen Wochen. Im Auswärtsspiel bei Hertha BSC Berlin hatten HSV-Anhänger am 28. Januar drei Knallkörper gezündet. Im Heimspiel der Norddeutschen gegen Bayern München am 4. Februar waren bengalische Feuer abgebrannt worden.

Aber schön war es doch . . .
Geld? Strafe? Das werden sich die Unverbesserlichen jetzt sicher fragen. Und: Was sind denn für den HSV schon lumpige 10 000 Euro? Unwichtig, total unwichtig. Geld hat der HSV doch ohnehin genügend in der Kasse.
Deswegen: das nächste Feuer kommt bestimmt . . . Oder doch nicht?

Der HSV wird sich jetzt, das wurde nun intern beschlossen, ganz energisch wehren, die Kontrollen (besonders im Block 25 A, werden deutlich verschärft, denn: In der Saison 2010/11 hat der HSV 25 000 Euro für ein heißes Stadion (und an Strafgelder) abdrücken müssen, in dieser Spielzeit beläuft sich das Strafgeld schon auf 26 000 Euro. Und noch ist die Saison nicht beendet. Deswegen greift der Klub nun durch. Es wird nicht nur durchsucht, sondern auch gefilmt.

Und alle Zündler sollten sich daran orientieren, dass erst kürzlich der Zweitliga-Klub Greuther-Fürth die gesamte Summe (Strafe) an den ermittelten „Feuerteufel“ weitergereicht hat. Bengalos sehen vielleicht ganz gut aus, können aber auch arm machen. Und vielleicht sogar eine ganze Zukunft nach allen Regeln der Kunst „versauen“. Wäre doch eventuell mal überdenkenswert, ob man sich das alles wirklich antun muss. Und eventuell könnte man ja doch mal so lange warten, bis eines Tages diese Feuer in irgendeiner Form tatsächlich zugelassen werden sollten. Wenn es denn so sein sollte . . .

Und noch ein ganz ernstes und brisantes Thema: REGISTRIERUNG.

Im HSV gibt es gewisse Kreise, die dem Matz-ab-Blog die gesamte Anonymität entziehen wollen. Notfalls die Raute sogar entziehen. Weil es beim HSV keine Anonymität mehr gibt. Und hier, bei Matz ab, wird teilweise – nur anonym – recht heftig gegen den HSV geschossen, dass es nun dem einen oder anderen HSV-Mitglied keine reine Freude mehr ist.

Jetzt aber kommt die Registrierung, lange angekündigt, lange erhofft, und nun wollen wir die Entwicklung mal abwarten, wohin die Reise geht.

Und so soll es laufen:
Ab morgen früh (Mittwoch, 15. Februar 2012) ca. 8 Uhr wird sich die Verfahrensweise für das
Kommentarschreiben ändern.
Das Hinterlassen von Kommentaren ist nur noch auf vier verschiedene Arten
möglich: Über eine Registrierung hier im HSV-Blog „Matz ab”, über Ihren
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Finks Erfolgsserie ist kein Zufall

13. Februar 2012

Setzte sich heute auf dem Weg in die Redaktion ein „Matz-abber“ in der U-Bahn zu mir und sagte mir, was ihm auf dem Herzen brannte: „Es lag alles nur am Trainer, da können die Leute reden wie sie wollen. Köln war für mich nur der letzte Beweis – es lag eindeutig nur am Trainer, dass der HSV so lange an letzter Stelle stand. Für mich ist Thorsten Fink der Glücksgriff schlechthin, er hat den HSV wieder zu neuem Leben erweckt.“ Ende des einseitigen Plausches.
Wenn wir uns alle mal erinnern wollen: Nach dem achten Spieltag hatte der HSV ganze vier Punkte auf dem Konto. Ein Sieg, ein Unentschieden, der Rest war übel und übelst. Unter der Regie von Michael Oenning, der nach dem Gladbach-Spiel gehen musste (sechster Spieltag), funktionierte so gut wie nichts. Fink übernahm am zehnten Spieltag – und hat seit dieser Zeit ein einziges Bundesliga-Spiel verloren (Ausnahme: die 1:5-Klatsche gegen den BVB). Elf Spiele blieb Fink mit dem HSV ungeschlagen, unter Fink gab es stolze 19 Punkte! Und: auswärts kassierte er nicht eine Niederlage! Die letzte Pleite in der Fremde gab es am 10. September – in Bremen. Jetzt schließt sich der Kreis. Zweimal hatte Pizarro getroffen – 0:2. Und nun kommt Werder nach Hamburg.

Zurück zu Thorsten Fink. Nein, das ist ganz sicher kein Zufall mehr. Ich ertappe mich in diesen Wochen und Tagen so häufig dabei, an eine Szene unmittelbar nach der Verpflichtung Thorsten Finks zu denken. Da saß auf dem Podium im Presseraum der Arena Mladen Petric, der ja bekanntlich noch beste Kontakte in die Schweiz hat. Der Torjäger plauderte aus dem Nähkästchen, verriet dabei, dass er mit einem Kollegen vom FC Basel gesprochen hätte, und der hätte ihm gesagt: „Jetzt bekommt ihr in Hamburg aber einen richtig guten Trainer . . .“ Stimmt. Volltreffer! Der Mann hat Ahnung – und hat auch noch Wort gehalten.

Und ich sage dazu auch: Wer jetzt noch über die vielleicht wenig attraktive Spielweise des HSV mosert, der sollte sich nun wirklich noch einmal – und nur – an den achten Spieltag erinnern: Platz 18. Tiefer ging es nicht mehr. Der HSV hatte die Laterne, war Tabellenschlusslicht. Schuld daran? Der Umbruch war es, der den HSV trudeln ließ, und der Trainer, der diese Mannschaft nicht so richtig ins Laufen bringen konnte.

Jetzt sieht der HSV endlich wieder Land! Aber trotz allem muss noch immer festgehalten werden, dass es in dieser Spielzeit erst einmal und weiterhin nur ums Überleben geht. Nicht um Schönspielerei. Und in der neuen Saison, da lasst mal den Fink (und Frank Arnesen) dann machen. Das wird schon. Denn diese Erfolgsserie des neuen HSV-Trainers ist ja wirklich kein Zufall – sondern Können. Finks Können.

Der Coach sagte zum 1:0-Erfolg in Köln noch: „Wir wollten unbedingt gewinnen. Wir haben gefightet bis zum Schluss. Wir wollen uns weiter nach oben kämpfen, nun sind wir zum ersten Mal in dieser Saison auf Platz zehn und haben jetzt acht Punkte Vorsprung auf einen Nichtabstiegsplatz.“
Und einige Mannschaften stehen nun hinter dem HSV, die vor Wochen und Monaten noch uneinholbar schienen. Gut gemacht, Jungs! „Wir haben das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben“, sagte HSV-Mittelfeldmann David Jarolim. Die 46 500 Zuschauer im RheinEnergieStadion hatten vor allen Dingen einen über weite Strecken harmlosen und viel zu defensiv eingestellten 1. FC Köln erlebt. Die Hausherren hatten in den ersten 45 Minuten weniger als 30 Prozent Ballbesitz – so wenig wie seit sieben Jahren bei einem Heimspiel nicht mehr. 30 Prozent Ballbesitz für die Heim-Elf – das spricht deutlich für den HSV – egal wie das Spiel auch immer aussah. Es geht um Punkte, nicht um Schönheit.

Übrigens: Am Tag danach gab es ein Unentschieden für den HSV. Und zwar für die B-Vertretung, die nur ein 2:2 gegen die eigene U 23, die Rodolfo Cardoso trainiert, erreichte. Die Torfolge: 1:0 Bertul Kocabas (5.), 1:1 Ivo Ilicevic (32.), 1:2 Heung Min Son (57.), 2:2 Jordan Brown (65.). Son schoss noch einmal an die Latte; insgesamt war die Zweite den Profis ebenbürtig – wenn nicht sogar leicht besser.

Noch ein kurzer Nachtrag zum Köln-Spiel: Gojko Kacar hatte ich ja eine Verletzung unterstellt, als er in der 69. Minute ausgewechselt worden ist (für ihn kam Robert Tesche). Die Verletzung gibt es tatsächlich, Kacar hat eine Beckenprellung erlitten, konnte heute aber das normale Programm (im Kraftraum) absolvieren, dürfte also auch am Mittwoch wieder im Mannschafts-Training stehen.

Zwei Dinge möchte ich noch aufklären.
Erstens hatte ich nach dem Bayern-Spiel behauptet (oder vermutet, das passt besser), dass Schiedsrichter Knut Kircher einen Fehler beging, als er einen verspäteten Freistoß für die Bayern gepfiffen hatte – der Ball aber schon im Seiten-Aus lag. Darüber sprach ich (hatte ich ja versprochen) mit DFL-Schiedsrichter-Boss Hellmut Krug, und der sagte mir: „Alles korrekt. So lange das Spiel noch nicht fortgesetzt worden ist, in diesem Falle wäre es der Einwurf gewesen, kann sich der Schiedsrichter noch anders entscheiden – wie in diesem Fall geschehen.“
Zweitens wurde vielfach gefragt, warum in Köln nicht Ivo Ilicevic eingewechselt wurde, sondern Robert Tesche (für Gojko Kacar)? Ich habe darüber nicht mit Thorsten Fink gesprochen, aber ich hätte es ebenso gemacht. Ilicevic ist Offensivspieler, Tesche sollte auf der Sechs spielen. Also kam er als Sechser. Völlig logisch. Jeder HSV-Fan kann ganz sicher, hundertprozentig sicher sein, dass Fink nichts, wirklich nichts gegen Ilicevic hat. Im Gegenteil, der Coach lobt ihn bei jeder Gelegenheit. Aber wenn ein Verteidiger ausfällt, dann wechsle ich als Trainer doch auch keinen Heung Min Son ein – nur weil die Fans auf den stehen. Ilicevic wird noch kommen, ganz groß heraus sogar – keine Panik.

Dann bekam ich noch Post vom HSV. Zu einem Beitrag der Vorwoche. Es ging um die Tauschbörse (Karten). Das wurde mir dazu geschrieben:

Sehr geehrter Herr Matz,

etwas überrascht war ich, als ich am vergangenen Montag den Leserbrief zum Thema HSV-Ticketbörse las zu dem ich gerne Stellung nehmen möchte.

Der HSV ist einer von vier Bundesligisten, der seinen Dauerkartenbesitzern die Möglichkeit gibt Ihren Stammplatz bei Verhinderung Dritten bequem online anzubieten, ohne die geliebte Dauerkarte aus der Hand zu geben.

Diese Möglichkeit besteht unabhängig davon, ob das Spiel ausverkauft ist oder nicht. Somit machen wir uns streng genommen sogar selber Konkurrenz, da erfahrungsgemäß die vermeintlich besseren Plätze im Besitz von Dauerkartenbesitzern sind.

Bei erfolgreichem Verkauf erhält der Verkäufer 1/17 des ursprünglichen DK-Wertes erstattet. In dem konkreten Fall waren dieses 42,70€, da es sich um einen Sitzplatz der Kategorie 1 handelte.

Der Verkaufspreis in der HSV-Ticketbörse beträgt jeweils der reguläre Ticketpreis als Einzelspielticket zuzüglich 10%-Aufschlag für die gesamte Abwicklung und als kleiner Aufschlag, damit unsere unverkauften Tickets immer noch ein kleinen Tick günstiger sind.

Im konkreten Fall zahlt der Dauerkartenbesitzer für seine Dauerkarte 726€ und erhält auf die gesamte Saison gerechnet einen Preisvorteil von rund 35% gegenüber dem kumulierten Wert von 17 Einzelspieltagstickets in der Kategorie 1. Dieser Rabatt ist in anderen Kategorien sogar bis zu 47%.

Somit verdient der HSV mit einem Verkauf eines Dauerkartenplatzes über die HSV-Ticketbörse nicht doppelt, sondern „erhalten“ wir lediglich einen Teil des Rabattes zurück, den wir dem Dauerkartenbesitzer zum Anfang der Saison gewährt haben. Dieses ist durchaus legitim, da auch der Dauerkartenbesitzer 1/17 seines ursprünglichen Kaufpreises erstattet bekommt, wodurch die HSV-Ticketbörse gerade bei ausverkauften Spielen eine Win-Win Situation für beide Seiten darstellt. Bei nicht –ausverkauften Spielen kann dieser Service hingegen zu unserem Nachteil sein, da wir auf unseren unverkauften Tickets „sitzenbleiben“ und nur einen Anteil vom Verkaufspreis erhalten.

Ich hoffe ich konnte Ihnen das Thema HSV-Ticketbörse etwas näher bringen und würde mich freuen, wenn viele Dauerkartenbesitzer und HSV-Fans diesen Service nutzen würden.

Sehr gerne stehe ich Ihnen gerne für weitere Rückfragen rund um das HSV Ticketing zur Verfügung.

Mit besten Grüßen

Kai Voerste

Zu einem ganz speziellen Thema gab es auch eine Anfrage an uns: Warum musste der HSV in Köln bereits sein achtes Sonntags-Spiel der Saison absolvieren (fragte auch „V-Twin-Skipper”)?
Gute Frage. Auch der HSV rätselt darüber – und findet keine Antwort. Ich habe spontan versucht, DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus anzurufen, aber ich konnte ihm nur auf die Box sprechen. Ich bleibe aber dran an diesem Thema.

Dann gab es noch einige Zuschriften, die jene „Matz-abber“ lesen sollten, die sonst keine Zuschriften lesen:

Von „Jogi_aus_RD“ kam:
… Was mir aufgefallen ist: Der HSV hat bis zum Ende versucht den Sieg
nach Hause zu holen und das hat sich ausgezahlt. So mag ich das und es
zeugt von einer anderen Einstellung der Spieler.
Die WOLLEN den Sieg bis zur 90ten Minute und so holt man die ganz
entscheidenden Punkte! …

„Ruediger“ schrieb:
… Es wächst hier etwas heran, diese zarte Pflanze dürfen wir alle nicht
zertreten.
Eine solche junge und hungrige Mannschaft habe ich seit mehr als 20 Jahren
nicht gesehen. Daher hoffe ich auf ein weiteres, sicherlich langsames aber
stetiges Wachstum nach oben.

 

Der „Schenefelder“ schickte folgenden Beitrag:
War das wieder spannend! Eigentlich müsste der HSV uns Fans eine Gruppenentspannungstherapie bezahlen.

Von „Carsten Bossen“ gab es:
Hier wird zuviel gemeckert. Wer hätte denn nach dem 6.Spieltag gedacht,
das wir heute 8 Punkte vor den Abstiegsrängen liegen. Einfach nur freuen
für unseren HSV das wir es geschafft haben!! Es wird hier was aufgebaut
und ich schaue sehr optimistisch in die Zukunft

Und dann gab es noch vom „Harzer“ eine besondere Entdeckung:

Tomas Rincon schrieb bei Twitter:
Goooooooollll !! Como se sufre viendolo por tv. NUR DER HSV. Komm Jungs
bring mal die 3 Punkte nach Hause :)”

Soll so viel heißen wie: „Tooooooooor!! Ich habe so sehr vorm Fernseher gelitten . . .“

Und dann gab es auch das noch:
Lutz Prenzel (Sulzbach am Main), ein Glücklicher des Matz-ab-Gewinnspiels, bedankt sich für das Tesche-Trikot. Per Brief. Ich danke auch. Für den netten und freundlichen Brief. Ist nicht alltäglich.

Zum Trainingsplan:
Am Dienstag ist frei, am Mittwoch wird um 10 und 15 Uhr im Volkspark geübt.

Und: Für das Werder-Spiel gibt es noch 4000 Rest-Karten.

Mehr habe ich aber jetzt auch nicht. Einen schönen Feierabend für alle „Matz-abber“ und ihre Lieben.

17.07 Uhr

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