Monatsarchiv für Februar 2012

Gänsehaut bei der Halbzeitansprache

26. Februar 2012

Lieber Bob (in Anlehnung an Deinen ersten Kommentar zu meinem gestrigen Artikel),
natürlich auch liebe “Matz-abber”,
der folgende Absatz aber ist vor allem für und an Bob:
Wenn ein Verteidiger auf der Torlinie angeschossen wird, dann darf der da erstens stehen, und zweitens gehört auch ein Verteidiger zum Spiel (des HSV). Und ferner darf auch ein (so guter) Torwart wie Jaroslav Drobny den einen oder anderen Ball halten, denn dafür wird er erstens bezahlt, zweitens ist das seine einzige Aufgabe – abgesehen davon, dass er den Ball nach einem Aus wieder ins Spiel zu bringen hat. An meiner Spielanalyse, so glaube ich, hätte das aber nichts geändert – und ich habe inzwischen auch von einigen Kollegen, die in Mönchengladbach waren, Zuspruch erhalten. Aber wie gesagt, jeder darf und jeder soll natürlich auch seine eigene Meinung haben – und verbreiten. Davon lebt „Matz ab“.

So, ganz normal weiter:
Wo ich gerade bei Drobny war: Der Tscheche hat mir imponiert. Steht mit einer Bärenruhe unerschütterlich zwischen den Pfosten, sagt nicht einen Ton – und hält riesig. Wohl wissend, dass er im Sommer von Rene Adler abgelöst wird. Das hat echte Klasse, „Drobo“, und das dokumentiert eine einwandfreie profihafte Einstellung. Wie bei Landsmann David Jarolim ebenfalls feststellbar.

Natürlich hat Drobny nicht allzu viel zu tun gehabt, am vergangenen Freitag, aber es waren bei den wenigen Sachen doch Dinge dabei, die ein Torwart nicht unbedingt halten muss. Und dazu hatte der HSV-Keeper ja auch in der Woche noch „Knie“. Nein, nein, das war in meinen Augen eine glatte Eins, Herr Drobny!

Ich hätte es darüber hinaus ja auch professioneller vom HSV gefunden, wenn der Adler-Transfer noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen wäre. Im Interesse des sportlichen Erfolgs. Und: Was ist, wenn Drobny auf einmal wieder einmal daneben greifen würde? Würde man ihm da nicht unterstellen, in Gedanken schon Abschied vom HSV genommen zu haben? Mir ist es rätselhaft, warum solche Transfers immer und immer wieder auf den „Markt“ gelangen. Kann man nicht einfach mit Adler im Stillen einig sein, den Vertrag unterschreiben und weiterhin Stillschweigen vereinbaren?
Nein, ganz klar, man kann nicht. Ich bin (auch in dieser Beziehung) wohl ein ewiger Träumer. Schade ist es trotzdem. Auch um Drobny, der uns allen wohl eindrucksvoll gezeigt hat, welch ein guter Torwart er ist. Trotz der Formkrise zu Beginn der Saison.

Sportchef Frank Arnesen zu diesem speziellen Drobny-Thema: „In Sachen Rene Adler haben wir am Mittwoch eine Entscheidung. Und zu Jaroslav Drobny: Wir sind mit ihm im Gespräch. Grundsätzlich ist es aber auch so, dass wenn ein neuer Spieler kommt, dass das Ansporn für unsere Spieler sein muss. Und Jaroslav hat gezeigt, dass er diese Situation angenommen hat, er hat in Gladbach hervorragend gehalten, hatte viele hervorragende Szenen – er ist als Torwart besser als gut.“

Thorsten Fink hat zum selben Thema folgende Meinung: „Zu Rene Adler sage ich weiterhin nichts. Und zu Jaroslav Drobny kann ich nur sagen, dass er hervorragend gehalten hat. Er ist mental richtig stark, hat sich von den Diskussionen nicht beeinflussen lassen – er ist einfach ein guter Typ.“ Stimmt genau.

„Drobo“ und „Jaro“ – ein einfach nur gutes Gespann. Denn auch Jarolim hat in Mönchengladbach wieder eine Klassepartie abgeliefert. So dass ich am Wochenende quasi angebettelt wurde (von einem Mann, der sowohl den HSV als auch St. Pauli im Herzen hat – so etwas gibt es tatsächlich!): „Didi, du musst einfach dafür sorgen, dass Jaro noch ein weiteres Jahr beim HSV spielt, der ist so stark wie nie.“

Zu diesem Thema wollte ich eigentlich eine Mail an mich erst später veröffentlichen, aber jetzt passt sie gerade so gut, deswegen nun los:


Lieber Herr Matz,
ich habe Sie in oftmals im Blog wegen Ihrer Lobhudelei für David Jarolim kritisiert.
Ich möchte mich hierfür auf diesem Wege bei Ihnen entschuldigen.
Siehe nachst. Blogbeitrag.
Mit freundlichen Grüßen Reinhard H. aus Lengede.

„Reinhard 1954“ sagt:
25. Februar 2012 um 17:39
Dobry den (Guten Tag) Herr Jarolim.

Die Leistung die Sie gestern gezeigt haben, kann man nur als phänomenal bzw. grandios bezeichnen. Ich entschuldige mich hier abermals, für die vielen vielen kritischen Statements meinerseits Ihnen gegenüber. Sie sind im Moment ein ganz ganz wichtiger Baustein im HSV-Gebilde. Kein Spieler beim HSV identifiziert sich so mit dem HSV und trägt die Raute so tief im Herzen wie Sie. Sie und Rincon waren gestern die entscheidenden Männer beim HSV. Wenn statt Jarolim und Rincon gestern Kacar und Tesche gespielt hätten, hätten wir wahrscheinlich verloren.

Schade dass der Linienrichter die Abseitsstellung der Gladbacher beim 1:0 nicht erkannt hat. Die Mannschaft des HSV hat gestern eine engagierte und bemerkenswerte Leistung abgeliefert und damit die richtige Antwort auf die Pleite gegen Werder gegeben.

Endlich hat Fink gestern mal das antiquierte Spiel mit zwei Spitzen aufgegeben und stattdessen mit dem sehr guten Arslan hinter Guerrero gespielt. Jansen hat gestern leider wieder eine eher unterdurchschnittliche Leistung geboten. Mit Jansen ist einfach kein schnelles Konterspiel möglich. Warum spielt statt Jansen nicht Ilicevic von Anfang an? Über eines habe ich mich geärgert. Der HSV bekam in der zweiten Halbzeit mittig vor dem Tor einen Freistoß aus ca. 16,5 Metern. Arslan wollte diesen Freistoß ausführen. Arslan hat übrigens in Aachen reihenweise Freistöße direkt verwandelt. Aber Aogo nahm Arslan den Ball weg und drosch diesen wie meistens unplatziert in die Mauer. Warum darf Aogo immer wieder Standards ausführen?

Die Stimmung im Block war wie immer super. Ich habe nette Fans vom HSV-Fanclub aus Köln kennen gelernt.
Hoffentlich darf Arslan gegen Stuttgart wieder statt Petric spielen.

So, das war „Reinhard 1954“. Ich bin ganz sicher, dass David Jarolim das lesen wird, denn er liest hier regelmäßig mit – ich hoffe dass „Jaro“ nicht nachtragend ist. Bin mir eigentlich sogar sicher, dass er es nicht ist.

David Jarolim sagte nach dem 1:1 in Gladbach: „Nach dem Verlauf der ersten Halbzeit ist das 1:1 ein gutes Ergebnis. Wir standen schon im ersten Durchgang ganz gut, haben aber versäumt, nach vorne zu spielen, das haben wir in der zweiten Halbzeit viel besser gemacht, da war unser Spiel richtig lebendig. Deswegen haben wir den Punkt verdient. Das Gegentor war ärgerlich, denn erstens war das kein Freistoß gegen Heiko Westermann, und zweitens stand Hanke im Abseits. Aber so ist Fußball, damit muss man klar kommen. Die Leistung in der zweiten Halbzeit war ein gutes Signal, denn in Mönchengladbach haben nicht viele Mannschaften einen Punkt geholt.“ Dann lobt „Jaro“ auch noch den „Neuzugang“: „Tolgay Arslan ist ins Team gekommen, weil Mladen Petric verletzt war. Er kam ins Team, schießt das Tor – das ist wunderbar für ihn und für uns. Er hat gut trainiert, gut gearbeitet, das zahlt sich jetzt aus.“ Dann verriet Jarolim noch ein kleines Fitness-Geheimnis: „Tolgay hat mit mir zusammen noch ein zusätzliches Programm absolviert, das Nikola Vidovic leitet, und zwar zusätzlich zu dem normalen Trainingspensum.“

Ja, wie Arslan schon sagte: „Von nichts kommt nichts.“ Er hat es begriffen. Kompliment. Und solche schönen (Tor-)Momente wie die in Gladbach entschädigen dann ja auch optimal für diese Schinderei. Vorbildlich!

Paolo Guerrero hatte auch ein Lob für seinen neuen „Hintermann“ parat: „Tolgay Arslan hatte ich diese Tor verdient, er war unheimlich viel unterwegs, wir haben versucht, uns gegenseitig zu unterstützen – und in der Pause haben wir uns geschworen, dass wir diese Ding noch drehen wollen. Leider ist es uns nicht ganz gelungen.“ Immerhin aber nicht verloren. Und Guerrero leistete ja auch die Vorarbeit zu diesem 1:1, indem er den schwachen Dante übersprang – gut gemacht, Paolo!

Und was war eigentlich beim 1:0 los? Marcell Jansen zeigte auf jeden Fall ein schlechtes Abwehrverhalten, indem er nur seine Brust an den Rücken von Hanke drückte. Auch deswegen sagte Hanke danke. Aber es war, da beißt die Maus ja trotzdem keinen Faden ab, abseits! Ich habe aber keine Lust, auf meinen „Lieblingsschiedsrichter“ G. Perl einzudreschen, denn er ist in einer solchen Szene auf seinen Mann an der Linie angewiesen. Dass Perl zuvor aus dem Nichts einen unberechtigten Freistoß für die Borussia pfeift – das passiert auch anderen Unparteiischen. Insgesamt hat der Mann aus München diesmal eines seiner besseren Spiele gepfiffen – denke ich.

Dass Thorsten Fink dennoch zur Pause auf „180“ war, ist schon okay – bei einem solchen Spielverlauf. „So habe ich den Trainer noch nie erlebt“, sagte Frank Arnesen und fügte hinzu: „Er war total aufgeregt, dieser Freistoß, dieses Tor und auch die Tatsache, dass wir zu wenig nach vorne gemacht haben, hatte ihn sauer werden lassen.“ Ich fand es ja auch deshalb gut, dass Fink beim Halbzeitgang in die Kabinen kurz Kontakt zu Perl aufgenommen hatte – man muss sich ja nicht alles gefallen lassen.

Zurück zu Arnesen, der zum Spielausgang sagte „Ich habe hier die Spiele gegen Wolfsburg und gegen die Bayern gesehen, beide Mannschaften wurden von den Borussen aus dem Stadion gefegt. Das zeigt, wie schwer es ist, hier etwas mitzunehmen. Wir aber hatten es verdient, denn wir haben hier gut gespielt, wir haben sie in der zweiten Halbzeit mit unserem Spiel überrumpelt.“

Zu Tolgay Arslan befand der Sportchef: „Er hatte eine schwierige Phase, ähnlich wie Jacopo Sala, beide waren durch ihre Verletzungen völlig aus der Spur. Jetzt ist er aber physisch stark, er spielt clever, hat gute Bewegungen und hat auch Ruhe am Ball – aber er hat noch Luft nach oben. Er hat unglaublich viel Selbstvertrauen, er ist ein Talent, wir glauben daran, dass er uns in Zukunft helfen kann – deswegen haben wir ihn auch nicht noch einmal verliehen. Er hat eine Zukunft bei uns.“ Der so Gelobte sagte: „Ich verdanke dieses Comeback Nikola Vidovic und Markus Günther, die sehr viel mit mir gearbeitet haben, sie haben mich in diese Verfassung gebracht, dass ich nun wieder spielen kann. Ich hätte vielleicht noch ein Tor mehr schießen können, aber auch so ist es ein überragendes Gefühl.“

Dann sagte Tolgay Arslan auch noch: „Ich bin endlich angekommen beim HSV, ich will eine große Zukunft haben bei diesem Verein. Ich bin ein Arbeiter, der viele Extraschichten macht, um an seinen Defiziten arbeitet – und ich freue mich, dass es voran geht. Ich bedanke mich beim Trainer, denn nicht jeder hat den Mut, einen Spieler, der sieben Monate verletzt war, ins kalte Wasser zu werfen.“ Und Arslan zeigte zudem, dass er ein Teamplayer ist, denn er sprach über den Mann, für den er in die Mannschaft gekommen war: „Es ist kein Problem für mich, mich hinter Mladen Petric anzustellen, Petric ist ein überragender Stürmer, er ist ein Vorbild von mir, ich kann unheimlich viel von ihm lernen – aber vielleicht findet der Trainer ja trotzdem eine Position für mich im Team.“

Dann verteilte Tolgay Arslan auch noch ein besonderes Lob an den Coach: „Bei seiner Halbzeitansprache hatte ich eine Gänsehaut, er hat uns enorm gepusht. Er hat uns erinnert, was wir eigentlich drauf haben – und dann wollten wir einfach nur noch raus und Vollgas geben.“ Ist voll gelungen.

Übrigens erklärte Thorsten Fink noch, warum Arslan und nicht Petric gespielt hat: „Mladen war nicht bei 100 Prozent. Das gehört zu meinem Arbeitsstil dazu, dass ich nur Spielern vertraue, die 100 Prozent haben – 80 Prozent reichen nicht. Aber nächste Woche wird Petric wieder dabei sein, das ist klar, auf Spieler seiner Qualität wollen wir nicht verzichten. Arslan ist belohnt worden, er hat keine Angst – aber natürlich muss er sich wieder hinter Petric anstellen.“

So, kurz möchte ich noch auf meinen Abendblatt-Artikel (Freitag) kommen, in dem es um die Nachspielzeit generell geht. Es gab ein großes Echo darauf. Dabei hatte ich noch lange nicht alles zu diesem Thema gesagt (Platzgründe).
Es geht darum, dass pro Spielerwechsel 30 Sekunden nachgespielt werden sollten – nachgespielt müssen, wenn ich das Sagen hätte. Auch dann, wenn das Spiel entschieden ist (oder es so scheint). Erstens zählt am Ende vielleicht jedes Tor, zweitens muss man jedem Spieler (Freund oder Feind) die Gelegenheit geben, sich noch eine farbige Karte „einzufangen“. Schließlich fehlte diese Zeit ja schon während der 90 Minuten, die zuvor gespielt werden sollten.

Mir haben zu diesem Thema „Nachspielzeit“ auch zwei Schiedsrichter unabhängig voneinander „gestanden“, dass sie froh sind, wenn sie das „Ding“ nach exakt 90 Minuten abpfeifen können, denn in der Nachspielzeit passieren oft Dinge, die ein zuvor souverän geleitetes Spiel auf den Kopf stellen können. Auch ein Argument . . .

In England aber sind beispielsweise vier bis sechs Minuten Nachspielzeit an der Tagesordnung – warum nicht auch in der Bundesliga?

Und noch ein Argument dafür, dass es eine solche 30-Sekunden-Nachspieleit pro Spieler geben sollte: Radio- und TV-Stationen könnten sich so besser auf die jeweilige Zeit, die drauf gelegt wird, einstellen. Wie jeder Fan im Stadion auch – und vor allem jeder Trainer. Denn oft wird draußen ja genörgelt, weil zu wenig oder zu lange nachgespielt wird. Könnte man alles umgehen – wenn sich der DFB oder die DFL irgendwann einmal bekehren ließen.

Zuletzt noch einmal zu den Randgeschichten.

Der Aufruf, ob ein „Matz-abber“ noch irgendwelche Sachen für das HSV-Museum hätte (ist übrigens mit dem Museums-Chef Dirk Mansen nicht abgesprochen – ich hoffe dennoch, dass er sich freuen wird), hat schon zwei tolle Dinge zu Tage gefördert.

Einmal dies hier:


Moin Herr Matz,

als Hamburger Jung (Jahrgang 1938) kam ich 1952 zum ersten Spiel meines HSV zum Rothenbaum. Den Gegner kann ich nicht mehr erinnern, aber die Bombenstimmung hinter dem Tor zur Rothenbaumchaussee.
Meine Eltern wussten nichts von meinem “Ausflug” zum HSV. denn Geld für die Bahnfahrt war ja nicht vorhanden.

Meine beiden Freunde und ich lösten uns damals eine Bahnsteigkarte (ich glaube sie kostete 10 Pfenning), mit der man kostenpflichtig den Bahnsteig betreten durfte und fuhren – natürlich rechtswidrig – zum Dammtor Bahnhof. Eine Eintrittskarte hatten wir natürlich auch nicht. Wir erbettelten uns den Einlass – der uns durch einen Ordner gelang, indem er uns zwischen die HSV-Mannschaft schubste, die von Klubheim über die Straße zum Platz kam. Ein Erlebnis, das ich erst sehr viel später verinnerlichte.

Die Rückfahrt sollte wieder auf Bahnsteigkarte erfolgen – aber bereits auf dem Dammtorbahnhof wurden wir durch die Bahnpolizei aus der S-Bahn herausgeholt und zur Bahnpolizeistation Hamburg-Hauptbahnhof gebracht und hier zur Zahlung von je 2,00 Mark Strafe “verurteilt”, die eine nette Nachbarin für mich damals in bar bei der Bahnpolizei bezahlte, da meine Eltern ja nichts davon wissen durften. Aber nun Schluss…

Ich könnte noch einige Erlebnisse berichten, speziell auch von meiner Autogrammsammellei, der eigentliche Grund meines Schreibens.
In den Jahren 1954/55 kam neben meiner Fußballleidenschaft das Autogramme sammeln hinzu. Hiervon existieren noch 3 kleine Bücher mit zahlreichen Autogrammen der HSV-Spieler, der Nationalmannschaft, vieler anderer Vereine, Richard Hofmann (Dresdner SC, Helmut Schön, Herbert Zimmermann usw. Alle Namen aufzuzählen wäre zuviel.

Da mein Sohn und meine Enkel zu den Bücher keine Beziehung haben, meine Frage: wären sie etwas für das HSV-Museum? Ich beziehe mich hierbei auf den heutigen Matz-Blog.
Ich würde Ihnen die Bücher gern zur Durchsicht überlassen. Wenn ja, geben Sie diese bitte weiter – wenn nein einfach an mich zurück.

Mit freundlichen Grüßen!
Horst N.

Zudem schickte uns der “Matz-abber” “Tim” zwei Fotos von einem HSV-Becher mit Autogrammen aus den 90er-Jahren, ich habe die Unterschriften von Uwe Jähnig, Andre Breitenreiter, Yordan Letchkov, Sven Kmetsch, Holger Hiemann, Karsten Bäron und, und, und erkannt. Hatte einen solchen Becher zuvor aber auch noch nie gesehen. Ein tolles Stück. Ich werde mit Dirk Mansen sprechen.

Dann gab es noch einen Brief aus der Ferne:


Lieber Dieter, lieber Scholle,

eventuell mag Euch entgangen sein, was für eine verrückte Karriere unser früherer Publikumsliebling Besart Berisha derzeit hinlegt! Er avanciert mehr und mehr zum Superstar der Australischen A-League, spielt bei Brisbane Roar. Das ist natürlich kein hohes Level, sein Teamkollege Broich war vor kurzem Spieler des Jahres, aber es passt zum verrückten Werdegang des Ex-Hamburgers, ihr erinnert Euch sicher, muss ich ja nicht zusammenfassen.
Lg. Oliver.

Und auch das gab es noch:

Moin, moin Herr Matz, diesmal aus Shanghai . . .
Die Mail das HSV’ers aus Hong Kong von gestern hat mich animiert diese Zeilen zu senden, denn wir beide leben in der gleichen Zeitzone und zumindest ich mache ‚Kopfstände’ den HSV zu sehen und zu verfolgen, denn in China habe ich leider Probleme Spiele ‚live’ zu sehen, der Fan in Hong Kong hat es da sicherlich etwas leichter….genauer gesagt, es war meine Frau, die der Meinung war ich könnte nichts falsch machen, wenn ich diese Mail auf den Weg bringe…. Hat sie vielleicht erneut Recht…?

Ist es Ihnen möglich, mich mit dem HSV’er in Hong Kong in Verbindung zu bringen? Da ich häufig in Hong Kong bin würde ich gerne bei einer der nächsten Reisen die Gelegenheit haben, mich mit einem ‚Gleichgesonnenen’, einer ‚Raute’ zu treffen, um Bekanntschaft zu machen….auch ich habe lebendige Erinnerungen an Besuche im ‚Volkspark’ Stadion und Spiele des HSV u.a. vs. Santos mit Pele etc…
Ich höre gerne und sende beste Grüsse aus einer der Partnerstädte Hamburg’s…….SHANGHAI-J

Ich bin sicher, ganz sicher sogar, dass unser „Matz-abber“ aus Hong Kong diese Zeilen lesen wird (weil er alles liest) – und er wird sich bei mir melden. Dann werde ich ihm die Mail-Adresse geben – und es werden sich hoffentlich zwei weitere HSV-Freunde in der Fremde zusammenfinden.
Was ich übrigens ganz, ganz toll finde. Es haben sich ja hier (bei Matz ab) schon so viele Freunde (fürs Leben?) gefunden – das macht echt viel, viel Spaß. Auch ich gehöre ja dazu, denn ich habe durch diesen Blog auch schon sehr, sehr viele liebenswerte Menschen kennen gelernt, die Freunde für mein Leben bleiben werden. Weiter so!

So, das war es heute wieder einmal – in kurzen Zügen. Nein, nein, ist wieder ein wenig lang geworden, aber ich hoffe, Ihr verzeiht mir. Lasst den Sonntag noch schön ausklingen – immer mit der guten HSV-Leistung vom Freitag im Hinterkopf.

PS: Morgen, Montag, wird um 15 Uhr im Volkspark geübt.

17.05 Uhr

Arslan der Gewinner von Gladbach

25. Februar 2012

Altersmilde? Oder schlicht keine Ahnung (mehr) vom Fußball? Ich frage mich in diesen Tagen tatsächlich, ob es mit dem fortgeschrittenen Alter zusammenhängt, denn: Einige – oder viele – von Euch haben am Freitag ein schlechtes Spiel des HSV in Mönchengladbach gesehen, auch ein schlechtes Spiel der Borussia. Ich aber nicht. Wieso? Ich war auch schon mit der ersten Halbzeit zufrieden, mit der vielen hier nicht einverstanden waren, mit der auch Trainer Thorsten Fink und Sportchef Frank Arnesen nicht so zufrieden waren. Fink hatte ausgemacht: „Im ersten Durchgang waren wir viel zu passiv, wie können viel mehr – und das haben wir in Halbzeit zwei gezeigt.“ Arnesen befand: „Ich bin stolz auf die zweite Halbzeit von uns.“ Und Kapitän Heiko Westermann sagte: „In Halbzeit eins waren wir zu behäbig, dann aber ganz stark, da wäre sogar ein Sieg für uns verdient gewesen.“

Ich aber war schon mit dem ersten Durchgang zufrieden – und will das auch erklären. Die Gladbacher haben in dieser Saison einen unglaublichen Lauf, sie haben daheim und in der Fremde schon so viele Mannschaften vor sich her gespielt, sie haben so manchen Gegner aus dem Stadion geschossen. Davor hatte ich große, große Angst. Aber dem HSV passierte das nicht. Weil der Ball klug gehalten wurde, weil die Räume klug eng gemacht worden sind, weil früh attackiert wurde, weil viel, viel gelaufen wurde, weil alle mit Leidenschaft und dem nötigen Willen bei der Sache waren – weil ganz einfach die Handschrift von Trainer Thorsten Fink zu erkennen war. Natürlich hatte der HSV wieder viel Rückpässe auf Torwart Jaroslav Drobny im Repertoire, aber – und das ist das Wunderbare an diesem Freitag gewesen: Auch die Gladbacher Überflieger spielten immer wieder zu Torwart Ter Stegen zurück. Ich glaube sogar, dass die Borussen in diesen 90 Minuten so oft zurückgespielt haben, wie in der gesamten Saison nicht. Und das ist doch ein dickes Kompliment an den HSV.

Dieser HSV war – nach der 1:3-Niederlage gegen Werder – nicht nach Mönchengladbach gefahren, um den Spitzenklub schwindelig zu spielen. Es ging nur darum, die Borussen nicht zu ihrem Spiel finden zu lassen, und dieses Konzept ist großartig aufgegangen. Dass die „Fohlen“ dennoch die eine oder andere Chance hatten, ist gar nicht zu vermeiden, aber es waren doch nur wenige. Glück hat auf Dauer nur der Tüchtige, und der HSV war an diesem Abend tüchtig. Sehr tüchtig sogar. Auch wenn im ersten Durchgang kaum einmal nach vorne gespielt wurde. Gut Ding will Weile haben. Und Wunder dauern eben auch beim HSV etwas länger. Ich hatte nie geglaubt, dass der HSV diese jungen Himmelsstürmer so gut im Griff haben würde. Aber das hatten sie. Wo war Reus? Und wie schlecht war Hanke – trotz seines Abseitstors? Und – auch wenn es in diesem Zusammenhang unwichtig ist – ich habe mich während des Spiels immer wieder gefragt, ob die Bayern, der große FC Bayern, inzwischen auch altersmilde geworden ist, denn: Wie kann ein Uli Hoeneß tatsächlich an einen Dante denken? Dann könnte er auch Heiko Westermann, Jeffrey Bruma oder Slobodan Rajkovic angreifen, ich war von Dante ebenso enttäuscht wie von Hanke und Reus. Aber das lag doch vor allem am HSV, weil der diese Spieler super beschattete. Man spielt immer nur so gut, wie es der Gegner zulässt, und dieser gute HSV (der in meinen Augen besser war als beim 1:0-Sieg in Köln) ließ eben nicht viel zu.

Wobei ich niemanden, der dem HSV ein schwaches Spiel attestierte, auf meine Seite ziehen will. Jeder soll und darf seine eigene Meinung haben, selbstverständlich, aber ich habe eben auch meine. Und die teile ich Euch mit. Jeder darf natürlich anderer Meinung sein, denn – auch das ist Fußball.

Der HSV blieb mit diesem 1:1 auswärts unter Thorsten Fink weiter ungeschlagen (und ist auch seit dem 10. September 2011 auswärts unbesiegt!). Das ist doch etwas. Ich habe es eben schon geschrieben, ich muss mich aber ausdrücklich auch wiederholen: Ich erkenne eine Handschrift des Trainers. Die Mannschaft spielt immer mehr (natürlich gibt es auch Ausnahmen) das, was der Coach sehen will, was er seinen Spielern mit auf den Rasen gegeben hat. Und das möchte ich ausdrücklich auch einmal loben, Kompliment Herr Fink! Sie haben schon viel aus dem einstigen Abstiegskandidaten HSV gemacht. Und wie toll sah denn am Freitag und am frühen Sonnabend Tabellenplatz acht schon aus!? Super. Herzlichen Glückwunsch, denn ich gehöre zu jenen Pessimisten, die damit gerechnet haben, dass es diese Saison nicht nur ganz eng werden könnte, sondern dass es auch eventuell mal nach unten gehen könnte. Die Situation war schon prekär, und das ist sie jetzt nicht mehr. Weil sich der HSV unter Fink „berappelt“ hat. Oder, Frank Arnesen brachte es in Mönchengladbach auf den Punkt: „Wir haben heute bewiesen, dass wir auswärts mit allen mithalten können.”
Stimmt, Herr Arnesen, stimmt ganz genau. Und eben das hatte ich, das gebe ich zu, vor diesem Spiel (und im Rückblick auf Bremen) in Mönchengladbach stark bezweifelt.

Ohne jeden Zweifel gab es an diesem späten Freitag einen überraschenden Gewinner im HSV-Team: Tolgay Arslan. Der junge Bursche hatte in der Woche gegen Kopenhagen schon sehr schön aufgezogen, und diesmal mischte er wie ein „Alter“ mit. Sehr gut anzusehen. Da kommt einer. Und: Arslan ist nach Jacopo Sala der zweite überraschende (und überzeugende) “Neuzugang” während dieser Saison – ungeahnte Möglichkeiten für Thorsten Fink . . .
Ich hatte das ja schon in der Woche bereits geschrieben (Dienstag), Tolgay Arslan ist bei und mit dem Leihgeschäft in Aachen gereift, er ist klar im Kopf, er weiß nun wie der Hase zu laufen hat – und er richtet sich auch danach. Wie gesagt, er ist der Gewinner.
Und Mladen Petric? Ist er deswegen der Verlierer? Sicher nicht. Aber er wird die Zeichen erkennen. Thorsten Fink hatte in Mönchengladbach gesagt: „Mladen ist leicht angeschlagen, hätte spielen können, wenn Not am Mann gewesen wäre, aber er ist nicht hundertprozentig fit.“ Deswegen Arslan. Und es würde mich nicht wundern, wenn der Deutsch-Türke auch am Sonnabend gegen den VfB Stuttgart in der HSV-Startformation stehen würde. Was nicht automatisch zu bedeuten hätte, dass Petric nicht . . . Aber der Kroate wird eben nur dann spielen, wenn er auch wirklich topfit ist. Und, das ist meine Meinung dazu: Der HSV wäre klug beraten, weiter auf Mladen Petric zu bauen, denn niemand ist vor dem gegnerischen Tor so kaltschnäuzig wie Petric. Seine Treffer werden wir alle noch dringend benötigen – und dann auch entsprechend bejubeln. Was aber dann am Saisonende sein wird, das vermag ich heute noch nicht zu prognostizieren – ich tippe jedoch, dass es eher auf eine Trennung hinauslaufen wird.

So, zum Abschluss dieses spannenden Bundesliga-Sonnabends möchte ich mich auf diesem Wege noch für die vielen Zuschriften bedanken, die ich deshalb erhielt, weil ich von (m)einem Vorspiel vor HSV – Mönchengladbach im Jahre 1965 berichtet hatte. Eine Mail möchte ich exemplarisch herausstellen, sie kam aus dem fernen Ausland. Los geht es – im O-Ton:


Moin Herr Matz.

Ganz wehmuetig wurde mir zumute, als ich (bedingt durch den 7-stuendigen Zeitunterschied, der uns trennt – Hong Kong-Hamburg – ) heute morgen im Blog Ihre Zeilen zu Ihrem ersten Spiel im Volkspark – mit der BU-Jungmann – las. Ich werde den Nachmittag nie wieder vergessen, denn fuer mich war es als 12-jaehriger Buttje das allererste mal, dass ich im Volksparkstadion war. Ich kann mich auch noch gut an das Vorspiel erinnern (sorry, aber wir waren so ungeduldig und wollten, dass das Spiel gegen Gladbach nun endlich los gehen sollte). Mein Kumpel und ich hatten uns auch fuerchterlich HSV-Fan maessig aufgetakelt, mit Fussball-Bildern und HSV Wimpel verzierte Pappmelone auf dem Kopf und ausgeruestet ner Militaertroete aus dem 1. Weltkrieg, die ich auf dem Dachboden meines Grossonkels gefunden hatte.

Wir waren sehr aufgeregt, war es doch das erste Mal, dass wir bei einem Bundesligaspiel live dabei sein durften. Natuerlich in der Westkurve fuer ein paar Mark. Ploetzlich tauchten zwei schon ziemlich angesaeuselte Gladbach-Fans vor uns auf, die sich wohl die falsche Karte gekauft hatten, denn die Gegner
waren ja eigentlich im “Osten”. Die beiden hatten sich ein Plakat aus Pappe gebastelt, mit 3 Tigern drauf (aus der damaligen Esso-Werbung “Pack den Tiger in den Tank”). Unter jedem Tiger stand ein Name, naemlich: Rupp, Netzer und Heynckes. Und dann groehlten die beiden auch immer wieder lauthals: “Rupp, Netzer und Heynckes gehoeren in die Nationalmannschaft!!!” Wir Butjes hatten keine Angst vor den Grossen und fingen an sie zu veraeppeln: “Ihr geht hier heute mit ner 5:0-Packung nach Hause, pass man auf!” Und das war vorm Spiel… Tja, und so kam es dann ja auch. Und mein Kumpel und ich waren maechtig stolz. Die mittlerweile sehr besaeuselten Rupp-Netzer-Heynckes Fans taten uns beinah ein bisschen leid, war doch unsere etwas provokative Voraussage tatsaechlich eingetroffen. Aber immerhin hatten die beiden ja recht behalten: Rupp, Netzer und Heynckes gehoerten dann ja bald zur Nationalmannschaft und waren da nicht mehr wegzudenken.

Ich schreibe Ihnen diese Zeilen aus meiner seit 32 Jahren “neuen” Heimat Hong Kong, wo es mich im zarten Alter von 27 hinverschlagen hat. Bin nach wie vor bei jedem HSV Spiel so aufgeregt wie damals, ob vor dem Fernseher in Hong Kong oder bei Hamburg Besuchen im Volkspark. Und Ihr Blog gehoert jeden Morgen zur Pflichtlektuere, auch wenn ich eher selten (als “hongkichris” – aber noch nicht neu registriert) mal selbst den einen oder anderen kleinen Beitrag geschrieben habe.

Nun wuensche ich mir, dass Sie und Scholle naechste Woche in kurzen Hosen auf dem Dach des Axel Springer Hauses stehen werden, einen Tip (schon gar nicht so einen wie im September 1965) moechte ich aber heute nicht abgeben…

Viele Gruesse aus dem nasskalten Hong Kong

Vielen Dank nach Hong Kong (und an alle anderen User, die mir schrieben) für diese Zeilen aus der Ferne; und ein wunder Punkt ist dabei (für mich) ja die „Kurze-Hosen-Geschichte“ auf dem Dach. Dazu habe ich heuet noch eine Mail bekommen, aus der Schweiz. In Bern wohnt seit Jahrzehnten der frühere St.-Pauli-Kapitän Rolf Höfert, und der ist von Beginn an ein ganz treuer Matz-ab-Fan und –Mitleser. Rolf Höfert ist mein Jahrgang, er spielte in der Jugend bei Paloma, wir also immer gegeneinander, kennen uns also um die 50 Jahre – und der gute Rolf schrieb mir heute: „Moin, mein Dieter, 1:1 in Mönchengladbach ist wie ein Sieg für den HSV, also erwarte ich dich und Scholle in dieser Woche in kurzen Hosen . . .“
Mal sehen.

Noch eine andere Kleinigkeit am Rande:
Am Freitag waren Frau M. und ich bei unserem Matz-ab-Moderator Andre (mein Sohn) zum Kaffeetrinken. Und dabei bemerkten wir, dass aus einem nostalgischen HSV-Becher getrunken wurde – auf dem das gemalte Volksparkstadion zu sehen ist. „Würdest du die für das Museum spenden?“, so fragte ich, und Andre nickte. Spontan rief ich bei Museums-Direktor Dirk Mansen an, fragte ihn, ob er eine solche Tasse bereits habe, er verneinte – und nun wird das gut oder bestens erhaltene Stück in der kommenden Woche in Museum wandern.

Von mir sind bereits zwei Dinge dort zu sehen: Das WM-Endspiel-Trikot von Felix Magath aus dem Jahr 1986 (dem Argentinien-Spiel), das mir der gute Felix einst schenkte, und ein ganz kleines Teil: HSV-Streichhölzer vom HSV-Restaurant Lindenhof in Norderstedt. Und noch ein Teil ging von mir ins Museum: Ein Freund meines Sohnes (Markus F.) brachte mir aus Brasilien einen ganz besonderen Becher mit. Auf dem ist die Mannschaft von Gremio Porto Alegre zu sehen. Und? Was ist das Besondere daran? Man erkennt es erst nach dem vierten oder fünften Hinsehen: der Kapitän der Brasilianer hält einen HSV-Wimpel in der Hand! Das Foto wurde am 11. Dezember 1983 vor dem Weltpokal-Finale aufgenommen, der HSV verlor damals mit 1:2 nach Verlängerung.

Bei der Gelegenheit, das schlug mir Andre vor, stelle ich mal die Frage: Wer von Euch hat ähnliche Stücke aus der ruhmreichen HSV-Vergangenheit (und würde sie dem Museum auch eventuell zur Verfügung stellen – ich würde es vermitteln).

So, nun wünsche ich allen Matz-abbern und Ihren Lieben noch ein schönes Wochenende – ohne zu zittern, wie schön dass der HSV schon gespielt hat (und in Mönchengldabach nicht mehr verlieren kann) . . .

16.52 Uhr

Arslan trifft – ein hochverdienter Punkt in Mönchengladbach

24. Februar 2012

Es bleibt bei der positiven Auswärtsbilanz: der HSV ist auch nach dem Auftritt bei der Überraschungsmannschaft der Saison, Borussia Mönchengladbach, seit September 2011 ungeschlagen. Tolgay Arslan besorgte mit seinem Tor in der 56. Minute den für den HSV hochverdienten Auswärtspunkt, wobei der Gastgeber durch Hanke in der 45. Minute mit einem irregulären Treffer in Führung gegangen war. „Erste Halbzeit haben wir zu wenig nach vorne gespielt“, analysierte Frank Arnesen, der sich besonders mit der zweiten Halbzeit zufrieden zeigte: „Da haben wir gezeigt, was wir können. Das war eine sehr gute zweite Halbzeit von uns und ein absolut verdienter Punkt.“ Auch Fink sah das so: „Die erste Hälfte waren wir zu passiv – in der zweiten Halbzeit dann aber so, wie ich es mir vorgestellt habe. Die Jungs haben sich zusammengerissen und verdient einen Punkt geholt. 1:1 in Gladbach ist ein gutes Ergebnis für uns.“

Überraschend ohne Mladen Petric ging es im Borussia Park los. Für den angeschlagenen Kroaten (Fink: „Er hätte zur Not spielen können, ist aber nicht bei 100 Prozent“), der einen Bluterguss im Oberschenkel hat, lief Tolgay Arslan auf. Der wiederum war beim Test gegen Kopenhagen am Montag noch der beste Mann. „Er hat super Trainingsleistungen gezeigt, dazu gut gespielt“, argumentierte Fink vor Spielbeginn, „er hat sich die Nominierung einfach verdient.“ Und das stellte Arslan in der 12. Minute erstmals unter Beweis. Nachdem der HSV bis dahin mehr Ballbesitz aber genauso keine Chance hatte wie die Gastgeber, setzte der Youngster einfach mal zum Schuss an. Der war auch scharf – allerdings zu unplatziert und so für Gladbachs herausragenden Keeper Ter Stegen kein Problem.

Der HSV begann gut. Gewohnt aggressiv und früh störend übernahm die Mannschaft mit Anpfiff das Kommando. Das wiederum war nicht wirklich verwunderlich, schließlich ist das Gladbacher Spiel vornehmlich auf Konter ausgelegt. Die Mannschaft von Trainer Lucien Favre wartet auf Fehler des Gegners und schaltet blitzschnell um. Wie in der 20. Minute, als de Camargo von Hanke frei gespielt wird, seinen Querpass aber zu ungenau ansetzt. Schon hier hätte es so gefährlich werden können wie bei der anschließenden Ecke. Da passten Jacopo Sala und Paolo Guerrero nicht auf und Gladbachs Brouwers nahm den an Freund und Feind gen zweiten Pfosten fliegenden Ball direkt – Dennis Diekmeier rettete auf der Linie. Es erinnerte ein wenig an das Nordderby, wo der HSV am Ball war, der Gegner aber die großen Chancen hatte. In der 28. Minute musste dann Drobny gegen den plötzlich völlig frei vor ihm auftauchenden de Camargo mit einer Fußabwehr retten. Die zweite Hundertprozentige für die Gladbacher, die ansonsten dem HSV den Ball überließen und sicher standen. Arslan? Nach 15 Minuten abgetaucht.

Dennoch, es war in den ersten 45 Minuten sicherlich kein besonders interessantes Spiel, was auch an der Ideenlosigkeit der Hamburger lag. „Wir haben zu viel verteidigt, zu selten konstruktiv nach vorn gespielt. Uns fehlte die Torgefahr“, so Fink anschließend.

Es war allerdings auch kein schlechtes Spiel. Einziges Manko: die Spieleröffnung des HSV. Der HSV hatte Probleme, über Rajkovic und Westermann hinten rauszukommen. Auch, weil es im Mittelfeld und im Angriff bis auf Tomas Rincon zu selten Abnehmer gab. Zu oft wurde der Rückpass auf Drobny gewählt, der den Ball lang rausschlug und damit nicht wenige Ballverluste produzierte. Die bittere Konsequenz: Gladbach ging sogar in Führung. Das allerdings aus klarer Abseitsposition. Arango zirkelte einen Freistoß aus 40 Metern zentral und ungefährlich in den Sechzehner. Hier hatte Jansen seinen Gegenspieler Mike Hanke ins Abseits gestellt – was eigentlich gut war. Allerdings übersah der Linienrichter diese klar und mehr als deutlich erkennbare Abseitsposition und der Gladbacher traf per Kopf zum 1:0. „Abseits“, befand selbst Gladbachs 2. Vorsitzender Bonhof in der Halbzeitanalyse. Wobei, ganz ehrlich, auch nach dem nicht gesehenen Abseits hätte Jansen den Gegentreffer verhindern können und müssen. Aber statt Hanke effektiv zu stören, stand der Linksfuß relativ teilnahmslos hinter dem Gladbacher.

Und die zweite Hälfte begann so, wie die erste geendet hatte: mit bösen Hamburgern. Auf dem Weg in die Kabine hatten sich Fink und sein Assistent Patrick Rahmen das Schiri-Gespann um Günter Perl aus Pullach vorgenommen und sie ob der bitteren Fehlentscheidung zum 0:1 aufgefordert, konzentrierter zu agieren. Selbiges taten seine Mannen mit Anpfiff der zweiten Halbzeit. „Der Trainer hat die richtigen Worte gefunden“, so Arslan, der in der 46. Minute dann gleich die Riesenchance hatte. Von Guerrero freigespielt, zielte er aus 16 Metern nur knapp zu hoch, machte das aber zehn Minuten später besser. Wieder bereitete Guerrero vor, diesmal mit einem gewonnenen Kopfballduell nach einer Ecke gegen den Bayern-Wunschspieler Dante. Guerreros Kopfball landet direkt vor den Füßen Arslans, der aus sieben Metern flach unten rechts einnetzt. Das 1:1. Das absolut verdiente 1:1.

Ein Treffer, der dem stärker werdenden HSV sichtbar Auftrieb gab. Es wurde weiterhin gepresst, und das zumeist effektiv. Lediglich der letzte Pass, die letzte Flanke (Aogo hatte immer wieder gute Möglichkeiten zu flanken) Gladbach wackelte, der HSV baute seine Ballbesitzquote aus, und brachte sich wenn nur selbst in Gefahr. So geschehen in der 75. Minute, wo zunächst ein zu kurzer Rückpass (Drobny rettete per Befreiungsschlag) und anschließend eine schlechte Fußabwehr (jeweils Rajkovic) für Gefahr sorgten. In der 90. Minute dann sogar noch zwei Riesenchancen für die Gladbacher. Zuerst scheiterte Nordveidt mit dem Fuß, anschließend Arango nach einem Eckball per Kopf. Allerdings, und da waren sich anschließend wohl alle einig, ein Gladbach-Sieg wäre zu viel des Guten gewesen. Der Punkt für den HSV war hochverdient.

Auffällig gut war heute ausgerechnet der, auf den die meisten Augen gerichtet waren: Jaroslav Drobny. Der Tscheche war sicher auf der Linie, in der Luft und rettete mit zwei starken Paraden. Er beendete damit jegliche Diskussion, er könne durch das Bekanntwerden der Adler-Verpflichtung nervös werden. Das Gegenteil war der Fall, Drobny agierte so sicher wie zuletzt so oft. Wie fast alle ebenfalls gut: Tolgay Arslan. Der Junge nahm sich seine Auszeiten, war aber der mit Abstand torgefährlichste Hamburger. „Er hat das gemacht, was wir erhofft haben: er hat getroffen“, lobte Fink. „Er hat seine Sache gut gemacht.“ Und er dürfte nach seiner ewig scheinenden Verletzungspause weitere Chancen in der Startelf erhalten.

In diesem Sinne, ich bin zufrieden. Auch, wenn sicherlich mehr drin war und mein Tipp auf einen 2:1-Sieg des HSV knapp verfehlt wurde.

Bis morgen,
Scholle

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