Tagesarchiv für den 24. Februar 2012

Arslan trifft – ein hochverdienter Punkt in Mönchengladbach

24. Februar 2012

Es bleibt bei der positiven Auswärtsbilanz: der HSV ist auch nach dem Auftritt bei der Überraschungsmannschaft der Saison, Borussia Mönchengladbach, seit September 2011 ungeschlagen. Tolgay Arslan besorgte mit seinem Tor in der 56. Minute den für den HSV hochverdienten Auswärtspunkt, wobei der Gastgeber durch Hanke in der 45. Minute mit einem irregulären Treffer in Führung gegangen war. „Erste Halbzeit haben wir zu wenig nach vorne gespielt“, analysierte Frank Arnesen, der sich besonders mit der zweiten Halbzeit zufrieden zeigte: „Da haben wir gezeigt, was wir können. Das war eine sehr gute zweite Halbzeit von uns und ein absolut verdienter Punkt.“ Auch Fink sah das so: „Die erste Hälfte waren wir zu passiv – in der zweiten Halbzeit dann aber so, wie ich es mir vorgestellt habe. Die Jungs haben sich zusammengerissen und verdient einen Punkt geholt. 1:1 in Gladbach ist ein gutes Ergebnis für uns.“

Überraschend ohne Mladen Petric ging es im Borussia Park los. Für den angeschlagenen Kroaten (Fink: „Er hätte zur Not spielen können, ist aber nicht bei 100 Prozent“), der einen Bluterguss im Oberschenkel hat, lief Tolgay Arslan auf. Der wiederum war beim Test gegen Kopenhagen am Montag noch der beste Mann. „Er hat super Trainingsleistungen gezeigt, dazu gut gespielt“, argumentierte Fink vor Spielbeginn, „er hat sich die Nominierung einfach verdient.“ Und das stellte Arslan in der 12. Minute erstmals unter Beweis. Nachdem der HSV bis dahin mehr Ballbesitz aber genauso keine Chance hatte wie die Gastgeber, setzte der Youngster einfach mal zum Schuss an. Der war auch scharf – allerdings zu unplatziert und so für Gladbachs herausragenden Keeper Ter Stegen kein Problem.

Der HSV begann gut. Gewohnt aggressiv und früh störend übernahm die Mannschaft mit Anpfiff das Kommando. Das wiederum war nicht wirklich verwunderlich, schließlich ist das Gladbacher Spiel vornehmlich auf Konter ausgelegt. Die Mannschaft von Trainer Lucien Favre wartet auf Fehler des Gegners und schaltet blitzschnell um. Wie in der 20. Minute, als de Camargo von Hanke frei gespielt wird, seinen Querpass aber zu ungenau ansetzt. Schon hier hätte es so gefährlich werden können wie bei der anschließenden Ecke. Da passten Jacopo Sala und Paolo Guerrero nicht auf und Gladbachs Brouwers nahm den an Freund und Feind gen zweiten Pfosten fliegenden Ball direkt – Dennis Diekmeier rettete auf der Linie. Es erinnerte ein wenig an das Nordderby, wo der HSV am Ball war, der Gegner aber die großen Chancen hatte. In der 28. Minute musste dann Drobny gegen den plötzlich völlig frei vor ihm auftauchenden de Camargo mit einer Fußabwehr retten. Die zweite Hundertprozentige für die Gladbacher, die ansonsten dem HSV den Ball überließen und sicher standen. Arslan? Nach 15 Minuten abgetaucht.

Dennoch, es war in den ersten 45 Minuten sicherlich kein besonders interessantes Spiel, was auch an der Ideenlosigkeit der Hamburger lag. „Wir haben zu viel verteidigt, zu selten konstruktiv nach vorn gespielt. Uns fehlte die Torgefahr“, so Fink anschließend.

Es war allerdings auch kein schlechtes Spiel. Einziges Manko: die Spieleröffnung des HSV. Der HSV hatte Probleme, über Rajkovic und Westermann hinten rauszukommen. Auch, weil es im Mittelfeld und im Angriff bis auf Tomas Rincon zu selten Abnehmer gab. Zu oft wurde der Rückpass auf Drobny gewählt, der den Ball lang rausschlug und damit nicht wenige Ballverluste produzierte. Die bittere Konsequenz: Gladbach ging sogar in Führung. Das allerdings aus klarer Abseitsposition. Arango zirkelte einen Freistoß aus 40 Metern zentral und ungefährlich in den Sechzehner. Hier hatte Jansen seinen Gegenspieler Mike Hanke ins Abseits gestellt – was eigentlich gut war. Allerdings übersah der Linienrichter diese klar und mehr als deutlich erkennbare Abseitsposition und der Gladbacher traf per Kopf zum 1:0. „Abseits“, befand selbst Gladbachs 2. Vorsitzender Bonhof in der Halbzeitanalyse. Wobei, ganz ehrlich, auch nach dem nicht gesehenen Abseits hätte Jansen den Gegentreffer verhindern können und müssen. Aber statt Hanke effektiv zu stören, stand der Linksfuß relativ teilnahmslos hinter dem Gladbacher.

Und die zweite Hälfte begann so, wie die erste geendet hatte: mit bösen Hamburgern. Auf dem Weg in die Kabine hatten sich Fink und sein Assistent Patrick Rahmen das Schiri-Gespann um Günter Perl aus Pullach vorgenommen und sie ob der bitteren Fehlentscheidung zum 0:1 aufgefordert, konzentrierter zu agieren. Selbiges taten seine Mannen mit Anpfiff der zweiten Halbzeit. „Der Trainer hat die richtigen Worte gefunden“, so Arslan, der in der 46. Minute dann gleich die Riesenchance hatte. Von Guerrero freigespielt, zielte er aus 16 Metern nur knapp zu hoch, machte das aber zehn Minuten später besser. Wieder bereitete Guerrero vor, diesmal mit einem gewonnenen Kopfballduell nach einer Ecke gegen den Bayern-Wunschspieler Dante. Guerreros Kopfball landet direkt vor den Füßen Arslans, der aus sieben Metern flach unten rechts einnetzt. Das 1:1. Das absolut verdiente 1:1.

Ein Treffer, der dem stärker werdenden HSV sichtbar Auftrieb gab. Es wurde weiterhin gepresst, und das zumeist effektiv. Lediglich der letzte Pass, die letzte Flanke (Aogo hatte immer wieder gute Möglichkeiten zu flanken) Gladbach wackelte, der HSV baute seine Ballbesitzquote aus, und brachte sich wenn nur selbst in Gefahr. So geschehen in der 75. Minute, wo zunächst ein zu kurzer Rückpass (Drobny rettete per Befreiungsschlag) und anschließend eine schlechte Fußabwehr (jeweils Rajkovic) für Gefahr sorgten. In der 90. Minute dann sogar noch zwei Riesenchancen für die Gladbacher. Zuerst scheiterte Nordveidt mit dem Fuß, anschließend Arango nach einem Eckball per Kopf. Allerdings, und da waren sich anschließend wohl alle einig, ein Gladbach-Sieg wäre zu viel des Guten gewesen. Der Punkt für den HSV war hochverdient.

Auffällig gut war heute ausgerechnet der, auf den die meisten Augen gerichtet waren: Jaroslav Drobny. Der Tscheche war sicher auf der Linie, in der Luft und rettete mit zwei starken Paraden. Er beendete damit jegliche Diskussion, er könne durch das Bekanntwerden der Adler-Verpflichtung nervös werden. Das Gegenteil war der Fall, Drobny agierte so sicher wie zuletzt so oft. Wie fast alle ebenfalls gut: Tolgay Arslan. Der Junge nahm sich seine Auszeiten, war aber der mit Abstand torgefährlichste Hamburger. „Er hat das gemacht, was wir erhofft haben: er hat getroffen“, lobte Fink. „Er hat seine Sache gut gemacht.“ Und er dürfte nach seiner ewig scheinenden Verletzungspause weitere Chancen in der Startelf erhalten.

In diesem Sinne, ich bin zufrieden. Auch, wenn sicherlich mehr drin war und mein Tipp auf einen 2:1-Sieg des HSV knapp verfehlt wurde.

Bis morgen,
Scholle