Tagesarchiv für den 20. Februar 2012

HSV-B verliert gegen Kopenhagen 2:3

20. Februar 2012

Das Werder-Spiel gehört der Vergangenheit an, dieses 1:3 ist abgehakt: „Das muss doch ganz schnell gehen, denn das nächste Spiel steht ja bereits am Freitag auf dem Plan. Deswegen können wir uns mit der Niederlage doch nicht mehr so lange beschäftigen. Wir haben das per Video aufgearbeitet, und nun blicken wir der Partie gegen Mönchengladbach entgegen“, sagte Thorsten Fink am Mittag. Stunden später gab es aber zunächst das Testspiel gegen den FC Kopenhagen. Das heißt: Die Spieler, die gegen Werder spielten, die gingen auf einen 45-Minuten-Lauf im Volkspark (Fink: „Ein guter Lauf ist gesund“), zuvor wurde von allen im Kraftraum gearbeitet. Bis auf Mladen Petric, der einen Bluterguss im Oberschenkel hat und deshalb pausierte. Und die Reservisten durften dafür dann gegen die Dänen ran, verloren diese Partie aber mit 2:3.

Die B-Elf begann mit Neuhaus, Skjelbred, Bruma, Mancienne Sternberg; Tesche, Kacar; Son, Ilicevic; Arslan; Berg.
Kopenhagen ging in der 13. Minute in Führung. Vorausgegangen war ein kapitaler „Bock“ von Torwart Sven Neuhaus, der Jeffrey Bruma den Ball zentral 22 Meter vor dem Tor zu spielte, obwohl drei Dänen um den Niederländer herum standen. Prompt passierte das, was auch passieren musste – Bruma verlor die Kugel, einmal hielt Neuhaus noch, dann traf Pape Diouf.

Der HSV tat sich schwer, ins Spiel zu kommen, die Dänen waren in den ersten 25 Minuten besser, aber dann. Die erste Hamburger Chance hatte Ivo Ilicevic, der halbrechts allein auf das Tor zu, doch Torwart Christensen konnte abwehren. Vielleicht wäre ein kurzer Querpass zum mitgelaufenen Son angebrachter gewesen, als es allein zu versuchen – aber vorher hatte es eine solche Szene schon einmal umgekehrt gegeben, als Son eigensinnig schoss.

Dann ging es Schlag auf Schlag. Nach einem Ilicevic-Freistoß (halbrechts, 30 Meter) kam Bruma frei zum Kopfball, traf die Kugel aber nicht richtig, sodass Christensen halten konnte (29.). Bei der folgenden Ecke kam Michael Mancienne zum Kopfball, wieder gehalten. Und 60 Sekunden später hieß es dann 1:1. Eckstoß Tolgay Arslan, Kopfball Gojko Kacar (war vor Christensen am Ball), der Ausgleich.

Marcus Berg hatte – nach einem sehr guten Pass von Robert Tesche – in der 36. Minute das 2:1 auf dem linken Fuß, schoss aber zu hoch; Eckstoß, weil Christensen noch eine Hand dran hatte. Der Ball hätte aber ohnehin nicht den Weg ins Tor gefunden. Kurz vor der Pause vergab Son nach einem sehenswerten Doppelpass mit Berg das 2:1, allein vor dem FCK-Tor blieb wieder Christensen der Sieger (42.). Zu lässig verschenkt.

Aus der Pause kamen wieder die Dänen etwas besser, aber die erste große Tormöglichkeit hatte der HSV: Ilicevic schickte Arslan, der umkurvte Torwart Christensen, traf aber nur das Außennetz. Trotz allem gab es großen (und verdienten) Beifall der (von mir geschätzt) 300 Zuschauern (54.).

In der 61. Minute gab es zwei Auswechslungen beim HSV: Kacar und Ilicevic, es kamen Zhi Gin Lam und Muhamed Besic. Letzterer ging auf die rechte Außenposition der Viererkette, die nach dem Seitenwechsel Tesche eingenommen hatte – Skjelbred ging dafür auf die Sechs. Letzter Wechsel beim HSV in der 79. Minute: Kevin Ingreso kam für Sternberg.

Für Besic begann das Spiel bravourös, denn auf Zuspiel von Janek Sternberg kurvte Besic fünf Meter vor dem FCK-Strafraum von rechts zur Mitte (wie weiland Helmut Rahn), es folgte ein Linksschuss – der in den Winkel flog. Um es mit Oskar Klose (eine ehemaliger und großer Radio-Reporter) zu sagen: „Das war ja ein Ball, den Christensen in seiner Gefährlichkeit ein wenig unterschätzt hatte . . .“ Der Keeper griff, griff und griff, so als wolle er Schmetterlinge fangen – Tor. Trotz allem: ein sehr schönes Tor.

2:1 für den HSV in der 64. Minute, doch vier Minuten später stand es auch schon 2:2. Kopenhagens Nordstrand (heißt tatsächlich so) hatte knallhart getroffen.

Auffällig beim HSV: Tolgay Arslan, der sich zeigen wollte (und es auch tat), dann auch Michale Mancienne, der kaum einen Fehler beging. Dazu hatten Gojko Kacar und Ivo Ilicevic einige gute Szenen mehr als andere Kollegen. Ab und an blitzte auch bei Heung Min Son etwas auf, aber er kann trotz allem mehr.

Sven Neuhaus im Tor sah nicht immer souverän aus, aber eines muss auch noch hinzu gefügt werden: mit dem Fuß ist er manchmal zu lässig. Wenn er seinen gedeckten Vorderleuten den Ball in die Füße spielte, brachte er sie mitunter arg in Bedrängnis. Muss ja nicht sein . . . Am 2:3 in der 81. Minute, wiederum von Nordstrand erzielt, war Neuhaus allerdings schuld- und machtlos.

Für Schiedsrichter-Fans sei am Rande gesagt: Das Spiel wurde von Harm Osmers geleitet. Der junge Mann ist nicht verwandt oder verschwägert mit dem früheren Bremer Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers (erinnert Euch an das Helmer-Phantom-Tor bei Bayern gegen Nürnberg), Harm Osmers trägt rein zufällig diesen Namen – und kommt aus Hannover.

Zurück zur ersten Mannschaft und damit zur Bundesliga-Saison.

Der HSV auf dem Weg zur grauen Maus? Viele haben anscheinend Angst davor, dass der HSV nur noch „austrudeln“ lässt . . . Weil es weder groß nach oben noch groß nach unten geht. Thorasten Fink aber sieht das etwas anders: „Ich sehe das anders, denn nach unten geht ja immer was. Wenn man nun verliert, dann steht man zu Hause gleich wieder unter Druck. Wir haben auch vor dem Bremen-Spiel schon gesagt, dass wir unten noch nicht ganz raus sind. Wir haben uns mal etwas Luft verschafft, aber wir wollen unter die Top Ten, und da sind wir noch nicht. Von daher haben wir noch große Ziele in den nächsten Wochen, ich auf jeden Fall mit der Mannschaft, denn sie hat das Potenzial, um noch weiter nach oben zu kommen.“

Dann rudert Thorsten Fink noch ein wenig zurück: „Das darf auch nicht so falsch rüberkommen, wenn ich mal sage, dass wir noch nicht reif für Europa sind. Ich sage mal, dass meine Mannschaft dazu nicht zu schlecht ist, nur müssen wir alles noch weiter einspielen. Solche Ziele anzupeilen geht nur, wenn man eingespielt ist, wenn man sicher ist, wenn man auch dann, wenn man zurück liegt, seine spielerische Linie durchzieht. Da braucht man gefestigte Leute, und das geht auch nur, wenn man lange mit den Leuten gearbeitet hat – oder es kann. Die Leute müssen vertrauen in das System haben, und das geht nicht innerhalb von ein paar Wochen. Die Mannschaft hat aber schon das Potenzial, höher zu spielen als jetzt. Es gibt aber immer wieder Kleinigkeiten zu verbessern, und daran werden wir arbeiten.“

Das beste Beispiel für Fink ist der kommende Bundesliga-Gegner. Borussia Mönchengladbach spielte in der vergangenen Saison gegen den Abstieg, steht nun aber vor dem Einzug in die Champions League. Fink: „Daran sieht man, dass sich alles erst entwickeln muss.“ Und: „Die Gladbacher spielen schnell, spielen immer schnell nach vorne, sind konterstark, können aber auch vorne das Spiel machen. Sie können defensiv gut spielen, die Spieler passen alle sehr gut zueinander, das Team hat einen guten Charakter. Und das reicht dann schon oft aus, vorne mit zu spielen, denn andere Mannschaften, die man vorne erwartet haben, schwächeln eben das eine oder andere Mal.“

Dass der HSV aber in Mönchengladbach „etwas holen“ kann oder auch wird, damit ist im Moment ja wohl nicht zu rechnen, denn erstens Ist die Borussia vom Kaliber her mit Dortmund, Bayern und auch ein wenig mit Bremen anzusiedeln, außerdem hat der Tabellenzweite derzeit ja einen sensationellen Lauf. Trotzdem denkt Thorsten Fink ein wenig anders über die kommende Partie: „Wir haben in Gladbach nichts zu verlieren, können da befreit aufspielen – wer rechnet schon damit, dass wir dort gewinnen? Das aber könnte unser Vorteil sein, wir können dort frech aufspielen, und wer weiß, was dann für uns dabei herausspringt? Wir haben ja, nur weil wir nun ein Spiel verloren haben, nicht unser Selbstvertrauen eingebüßt. Wir hatten davor doch dreimal super gespielt und schon Konstanz gehabt – das war ja schon ganz gut.“

16.59 Uhr