Tagesarchiv für den 13. Februar 2012

Finks Erfolgsserie ist kein Zufall

13. Februar 2012

Setzte sich heute auf dem Weg in die Redaktion ein „Matz-abber“ in der U-Bahn zu mir und sagte mir, was ihm auf dem Herzen brannte: „Es lag alles nur am Trainer, da können die Leute reden wie sie wollen. Köln war für mich nur der letzte Beweis – es lag eindeutig nur am Trainer, dass der HSV so lange an letzter Stelle stand. Für mich ist Thorsten Fink der Glücksgriff schlechthin, er hat den HSV wieder zu neuem Leben erweckt.“ Ende des einseitigen Plausches.
Wenn wir uns alle mal erinnern wollen: Nach dem achten Spieltag hatte der HSV ganze vier Punkte auf dem Konto. Ein Sieg, ein Unentschieden, der Rest war übel und übelst. Unter der Regie von Michael Oenning, der nach dem Gladbach-Spiel gehen musste (sechster Spieltag), funktionierte so gut wie nichts. Fink übernahm am zehnten Spieltag – und hat seit dieser Zeit ein einziges Bundesliga-Spiel verloren (Ausnahme: die 1:5-Klatsche gegen den BVB). Elf Spiele blieb Fink mit dem HSV ungeschlagen, unter Fink gab es stolze 19 Punkte! Und: auswärts kassierte er nicht eine Niederlage! Die letzte Pleite in der Fremde gab es am 10. September – in Bremen. Jetzt schließt sich der Kreis. Zweimal hatte Pizarro getroffen – 0:2. Und nun kommt Werder nach Hamburg.

Zurück zu Thorsten Fink. Nein, das ist ganz sicher kein Zufall mehr. Ich ertappe mich in diesen Wochen und Tagen so häufig dabei, an eine Szene unmittelbar nach der Verpflichtung Thorsten Finks zu denken. Da saß auf dem Podium im Presseraum der Arena Mladen Petric, der ja bekanntlich noch beste Kontakte in die Schweiz hat. Der Torjäger plauderte aus dem Nähkästchen, verriet dabei, dass er mit einem Kollegen vom FC Basel gesprochen hätte, und der hätte ihm gesagt: „Jetzt bekommt ihr in Hamburg aber einen richtig guten Trainer . . .“ Stimmt. Volltreffer! Der Mann hat Ahnung – und hat auch noch Wort gehalten.

Und ich sage dazu auch: Wer jetzt noch über die vielleicht wenig attraktive Spielweise des HSV mosert, der sollte sich nun wirklich noch einmal – und nur – an den achten Spieltag erinnern: Platz 18. Tiefer ging es nicht mehr. Der HSV hatte die Laterne, war Tabellenschlusslicht. Schuld daran? Der Umbruch war es, der den HSV trudeln ließ, und der Trainer, der diese Mannschaft nicht so richtig ins Laufen bringen konnte.

Jetzt sieht der HSV endlich wieder Land! Aber trotz allem muss noch immer festgehalten werden, dass es in dieser Spielzeit erst einmal und weiterhin nur ums Überleben geht. Nicht um Schönspielerei. Und in der neuen Saison, da lasst mal den Fink (und Frank Arnesen) dann machen. Das wird schon. Denn diese Erfolgsserie des neuen HSV-Trainers ist ja wirklich kein Zufall – sondern Können. Finks Können.

Der Coach sagte zum 1:0-Erfolg in Köln noch: „Wir wollten unbedingt gewinnen. Wir haben gefightet bis zum Schluss. Wir wollen uns weiter nach oben kämpfen, nun sind wir zum ersten Mal in dieser Saison auf Platz zehn und haben jetzt acht Punkte Vorsprung auf einen Nichtabstiegsplatz.“
Und einige Mannschaften stehen nun hinter dem HSV, die vor Wochen und Monaten noch uneinholbar schienen. Gut gemacht, Jungs! „Wir haben das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben“, sagte HSV-Mittelfeldmann David Jarolim. Die 46 500 Zuschauer im RheinEnergieStadion hatten vor allen Dingen einen über weite Strecken harmlosen und viel zu defensiv eingestellten 1. FC Köln erlebt. Die Hausherren hatten in den ersten 45 Minuten weniger als 30 Prozent Ballbesitz – so wenig wie seit sieben Jahren bei einem Heimspiel nicht mehr. 30 Prozent Ballbesitz für die Heim-Elf – das spricht deutlich für den HSV – egal wie das Spiel auch immer aussah. Es geht um Punkte, nicht um Schönheit.

Übrigens: Am Tag danach gab es ein Unentschieden für den HSV. Und zwar für die B-Vertretung, die nur ein 2:2 gegen die eigene U 23, die Rodolfo Cardoso trainiert, erreichte. Die Torfolge: 1:0 Bertul Kocabas (5.), 1:1 Ivo Ilicevic (32.), 1:2 Heung Min Son (57.), 2:2 Jordan Brown (65.). Son schoss noch einmal an die Latte; insgesamt war die Zweite den Profis ebenbürtig – wenn nicht sogar leicht besser.

Noch ein kurzer Nachtrag zum Köln-Spiel: Gojko Kacar hatte ich ja eine Verletzung unterstellt, als er in der 69. Minute ausgewechselt worden ist (für ihn kam Robert Tesche). Die Verletzung gibt es tatsächlich, Kacar hat eine Beckenprellung erlitten, konnte heute aber das normale Programm (im Kraftraum) absolvieren, dürfte also auch am Mittwoch wieder im Mannschafts-Training stehen.

Zwei Dinge möchte ich noch aufklären.
Erstens hatte ich nach dem Bayern-Spiel behauptet (oder vermutet, das passt besser), dass Schiedsrichter Knut Kircher einen Fehler beging, als er einen verspäteten Freistoß für die Bayern gepfiffen hatte – der Ball aber schon im Seiten-Aus lag. Darüber sprach ich (hatte ich ja versprochen) mit DFL-Schiedsrichter-Boss Hellmut Krug, und der sagte mir: „Alles korrekt. So lange das Spiel noch nicht fortgesetzt worden ist, in diesem Falle wäre es der Einwurf gewesen, kann sich der Schiedsrichter noch anders entscheiden – wie in diesem Fall geschehen.“
Zweitens wurde vielfach gefragt, warum in Köln nicht Ivo Ilicevic eingewechselt wurde, sondern Robert Tesche (für Gojko Kacar)? Ich habe darüber nicht mit Thorsten Fink gesprochen, aber ich hätte es ebenso gemacht. Ilicevic ist Offensivspieler, Tesche sollte auf der Sechs spielen. Also kam er als Sechser. Völlig logisch. Jeder HSV-Fan kann ganz sicher, hundertprozentig sicher sein, dass Fink nichts, wirklich nichts gegen Ilicevic hat. Im Gegenteil, der Coach lobt ihn bei jeder Gelegenheit. Aber wenn ein Verteidiger ausfällt, dann wechsle ich als Trainer doch auch keinen Heung Min Son ein – nur weil die Fans auf den stehen. Ilicevic wird noch kommen, ganz groß heraus sogar – keine Panik.

Dann bekam ich noch Post vom HSV. Zu einem Beitrag der Vorwoche. Es ging um die Tauschbörse (Karten). Das wurde mir dazu geschrieben:

Sehr geehrter Herr Matz,

etwas überrascht war ich, als ich am vergangenen Montag den Leserbrief zum Thema HSV-Ticketbörse las zu dem ich gerne Stellung nehmen möchte.

Der HSV ist einer von vier Bundesligisten, der seinen Dauerkartenbesitzern die Möglichkeit gibt Ihren Stammplatz bei Verhinderung Dritten bequem online anzubieten, ohne die geliebte Dauerkarte aus der Hand zu geben.

Diese Möglichkeit besteht unabhängig davon, ob das Spiel ausverkauft ist oder nicht. Somit machen wir uns streng genommen sogar selber Konkurrenz, da erfahrungsgemäß die vermeintlich besseren Plätze im Besitz von Dauerkartenbesitzern sind.

Bei erfolgreichem Verkauf erhält der Verkäufer 1/17 des ursprünglichen DK-Wertes erstattet. In dem konkreten Fall waren dieses 42,70€, da es sich um einen Sitzplatz der Kategorie 1 handelte.

Der Verkaufspreis in der HSV-Ticketbörse beträgt jeweils der reguläre Ticketpreis als Einzelspielticket zuzüglich 10%-Aufschlag für die gesamte Abwicklung und als kleiner Aufschlag, damit unsere unverkauften Tickets immer noch ein kleinen Tick günstiger sind.

Im konkreten Fall zahlt der Dauerkartenbesitzer für seine Dauerkarte 726€ und erhält auf die gesamte Saison gerechnet einen Preisvorteil von rund 35% gegenüber dem kumulierten Wert von 17 Einzelspieltagstickets in der Kategorie 1. Dieser Rabatt ist in anderen Kategorien sogar bis zu 47%.

Somit verdient der HSV mit einem Verkauf eines Dauerkartenplatzes über die HSV-Ticketbörse nicht doppelt, sondern „erhalten“ wir lediglich einen Teil des Rabattes zurück, den wir dem Dauerkartenbesitzer zum Anfang der Saison gewährt haben. Dieses ist durchaus legitim, da auch der Dauerkartenbesitzer 1/17 seines ursprünglichen Kaufpreises erstattet bekommt, wodurch die HSV-Ticketbörse gerade bei ausverkauften Spielen eine Win-Win Situation für beide Seiten darstellt. Bei nicht –ausverkauften Spielen kann dieser Service hingegen zu unserem Nachteil sein, da wir auf unseren unverkauften Tickets „sitzenbleiben“ und nur einen Anteil vom Verkaufspreis erhalten.

Ich hoffe ich konnte Ihnen das Thema HSV-Ticketbörse etwas näher bringen und würde mich freuen, wenn viele Dauerkartenbesitzer und HSV-Fans diesen Service nutzen würden.

Sehr gerne stehe ich Ihnen gerne für weitere Rückfragen rund um das HSV Ticketing zur Verfügung.

Mit besten Grüßen

Kai Voerste

Zu einem ganz speziellen Thema gab es auch eine Anfrage an uns: Warum musste der HSV in Köln bereits sein achtes Sonntags-Spiel der Saison absolvieren (fragte auch „V-Twin-Skipper”)?
Gute Frage. Auch der HSV rätselt darüber – und findet keine Antwort. Ich habe spontan versucht, DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus anzurufen, aber ich konnte ihm nur auf die Box sprechen. Ich bleibe aber dran an diesem Thema.

Dann gab es noch einige Zuschriften, die jene „Matz-abber“ lesen sollten, die sonst keine Zuschriften lesen:

Von „Jogi_aus_RD“ kam:
… Was mir aufgefallen ist: Der HSV hat bis zum Ende versucht den Sieg
nach Hause zu holen und das hat sich ausgezahlt. So mag ich das und es
zeugt von einer anderen Einstellung der Spieler.
Die WOLLEN den Sieg bis zur 90ten Minute und so holt man die ganz
entscheidenden Punkte! …

„Ruediger“ schrieb:
… Es wächst hier etwas heran, diese zarte Pflanze dürfen wir alle nicht
zertreten.
Eine solche junge und hungrige Mannschaft habe ich seit mehr als 20 Jahren
nicht gesehen. Daher hoffe ich auf ein weiteres, sicherlich langsames aber
stetiges Wachstum nach oben.

 

Der „Schenefelder“ schickte folgenden Beitrag:
War das wieder spannend! Eigentlich müsste der HSV uns Fans eine Gruppenentspannungstherapie bezahlen.

Von „Carsten Bossen“ gab es:
Hier wird zuviel gemeckert. Wer hätte denn nach dem 6.Spieltag gedacht,
das wir heute 8 Punkte vor den Abstiegsrängen liegen. Einfach nur freuen
für unseren HSV das wir es geschafft haben!! Es wird hier was aufgebaut
und ich schaue sehr optimistisch in die Zukunft

Und dann gab es noch vom „Harzer“ eine besondere Entdeckung:

Tomas Rincon schrieb bei Twitter:
Goooooooollll !! Como se sufre viendolo por tv. NUR DER HSV. Komm Jungs
bring mal die 3 Punkte nach Hause :)”

Soll so viel heißen wie: „Tooooooooor!! Ich habe so sehr vorm Fernseher gelitten . . .“

Und dann gab es auch das noch:
Lutz Prenzel (Sulzbach am Main), ein Glücklicher des Matz-ab-Gewinnspiels, bedankt sich für das Tesche-Trikot. Per Brief. Ich danke auch. Für den netten und freundlichen Brief. Ist nicht alltäglich.

Zum Trainingsplan:
Am Dienstag ist frei, am Mittwoch wird um 10 und 15 Uhr im Volkspark geübt.

Und: Für das Werder-Spiel gibt es noch 4000 Rest-Karten.

Mehr habe ich aber jetzt auch nicht. Einen schönen Feierabend für alle „Matz-abber“ und ihre Lieben.

17.07 Uhr