Tagesarchiv für den 12. Februar 2012

1:0 in Köln – Guerrero lässt den HSV jubeln

12. Februar 2012

1:0 in Köln! Es geht bergauf mit dem HSV, der zweite Auswärtssieg im Jahre 2012 lässt die Mannschaft vorn Trainer Thorsten Fink wieder einmal kräftig auf- und durchatmen. Paolo Guerrero sorgte in der 88. Minute für diesen so wichtigen Erfolg, beim Schlusspfiff lag sich „ganz Hamburg“ in den Armen und jubelte. Das war schon mal ein Vorgeschmack auf den Karneval. Der HSV klettert und klettert – und das ist auch gut so. Diesmal geht es zwar „nur“ auf Platz zehn, aber bis zu Platz sechs sind es nur noch fünf fehlende Punkte. „Wir sind noch lange nicht am Ziel, erst einmal müssen wir 40 Punkte erreichen, dann sehen wir weiter“, befand Thorsten Fink ganz sachlich und kühl. Er wird weiterhin mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben.

Die Seitenwahl gewann Heiko Westermann, Köln hatte Anstoß. Und wie die HSV-Spieler dann die Jagd auf den Ball eröffneten, das war sehenswert. Weil damit die Hamburger Entschlossenheit dokumentiert wurde. Die Mannschaft, diesmal ganz in Rot, war heiß, und sie entwickelte im Kölner Stadion ein bemerkenswertes Spiel: es lief wie im Volkspark. Das war (fast) ein Heimspiel. In den ersten acht Minuten gab es bereits drei vielversprechende Tormöglichkeiten. Zweimal hatte Mladen Petric das 1:0 auf dem Fuß, einmal Marcell Jansen mit einem Querschuss von der linken Strafraumkante.

Das war – natürlich – ein anderes Spiel als zuletzt gegen die Bayern. Diesmal schlichen sich wieder etliche Quer- und Rückpässe in das HSV-Spiel mit ein. Logisch, denn Köln stand mit zehn Mann in der eigenen Hälfte und ließ Hamburg kommen – nur FC-Stürmer Novakovic stand in der HSV-Hälfte, wenn auch meistens nur im Anstoßkreis. Das war schon herzlich wenig, was die Heimmannschaft da abzuliefern verstand, auch wenn sicherlich gesagt werden muss, dass ein Lukas Podolski („In Köln ist viel versprochen worden und wenig gehalten“) gefehlt hat.

Die linke Seite nahm beim HSV diesmal (und einmal mehr) Fahrt auf, während die rechte ein wenig schwächelte. Dennis Diekmeier kam in Halbzeit eins nicht einmal bis zur Grundlinie durch, musste seine Vorstöße regelmäßig abbrechen. Auch deswegen, weil jetzt der Robben- und Ribery-Effekt auch auf den HSV umgelegt wird: Diekmeier wird gedoppelt. Er wird immer von zwei Mann erwartet, und deswegen wird es schwer. Zumal Jacopo Sala in den meisten Szenen ziemlich unauffällig agierte.

Auf links trugen Dennis Aogo und Marcell Jansen einige gefährliche Angriffe nach vorn, nur die Flanken waren zum Abschluss oft ein wenig ungenau. Schade. Vom Ansatz her war das schon sehr vielversprechend – und ein Pluspunkt im HSV-Spiel.

Köln hatte eigentlich nie eine gute und selbst erspielte Möglichkeit. Der FC war dann nur hin und wieder gefährlich, wenn der HSV sich selbst in Gefahr gebracht hatte. Meistens war der Kapitän der Initiator, denn Westermann spielte einige Male höchst riskant in die Mitte (meistens zu David Jarolim, der Kopf und Kragen riskieren musste, um die Situation zu retten!) und beschwor so Gefahr vor dem eigenen Tor hervor. Höhepunkt dieser Geschichte in der 20. Minute, in der schließlich Novakovic aus 17 Metern zum Schuss kam, der aber abgeblockt wurde – Eckstoß.

Auffällig sonst in Halbzeit eins: Ellenbogenschläge. Vornehmlich von den Kölnern. Ein kleines Wunder, dass alles heil blieb und kein Blut floss. Geromel traf einmal Paolo Guerrero höchst übel, das hätte der gute Florian Meyer (in seinem 270. Bundesliga-Spiel!) eigentlich sehen und pfeifen müssen. Immerhin: der Schiedsrichter ermahnte den Kölner Spielführer.

Die Einzelkritik:

Jaroslav Drobny wieder ohne Fehl und Tadel, allerdings hatte er gleich zu Beginn des Spiels einen kleinen fußballerischen Aussetzer, als er einen Kölner Steilpass zu ungenau traf – der Ball flog nicht weit weg, landete im Seitenaus.

Dennis Diekmeier interpretierte seinen Part sehr, sehr offensiv, das ging in Köln nun gut, aber auch gegen stärkere Gegner? Oft stand der HSV-Abwehrmann zwischen dem FC-Strafraum und der Mittellinie, als der Gegenangriff schon lief. Ein für mich zu großes Risiko.

Heiko Westermann, diesmal der Weltmeister des gepflegten und auch ungepflegten Rückpasses, spielt seit Wochen und Monaten in Bestform, diesmal zeigte er eine weniger gute Leistung, er wirkte teilweise unsicher, stand, so hatte ich das Gefühl, ein wenig neben sich, war nicht so richtig gut und voll drin in diesem Spiel. Lag es vielleicht daran, dass er oft auch auf der rechten Seite (Diekmeiers) aushelfen musste? Mitunter wirkte die HSV-Abwehr wie eine Dreierkette auf mich, rechts Westermann (der sich in Durchgang zwei steigerte), links Aogo, in der Mitte Rajkovic.

Letzterer bot wieder eine engagierte Leistung, räumte alles ab, was abzuräumen war, das war wieder eine ansprechende Partie – so ist er eine Bank dahinten. Auch wenn Rajkovic ganz sicher nicht fehlerfrei über die 90 Minuten kam.

Übrigens: Innenverteidiger. Ich hatte im Vorbericht ja über Michael Mancienne geschrieben, dass er nur Innenverteidiger kann – und nicht auf der Sechs. Ich weiß sehr wohl, dass Mancienne schon im defensiven Mittefeld gespielt hat (in Englands U-Mannschaften), aber was bedeutet das schon? Ein Marcus Berg hat bei der U-21-Europameisterschaft auch Tor um Tor für Schweden erzielt . . . Bundesliga ist ein ganz anderer Schnack. Und ich weiß nicht, ob Trainer Thorsten Fink in der jetzigen (schwierigen) Lage ein solches Experiment wagen sollte. Das darf gern jeder für sich beantworten.

Links hinten war Dennis Aogo sicherlich nicht so oft zu finden, auch er enorm offensiv – was mir gefiel. An Aogo, der die beste HSV-Chance in Halbzeit zwei hatte (83., Rensing hielt den Seitfallzieher aus fünf Metern) scheiden sich ja hin und wieder die Geister, weil der Nationalspieler nach hinten einige Wünsche offen lässt, aber für mich war seine Vorstellung absolut in Ordnung – eine glatte Drei.

Zu den beiden Sechsern. David Jarolim bot wieder eine großartige Leistung, er leistete sich in Halbzeit eins nur einen Fehlpass, ansonsten war er immer anspielbereit, verteidigte den Ball oft ganz hervorragend und clever. Ein dicker Pluspunkt des HSV.

Gojko Kacar fand diesmal gut in diese Partie, die ersten Balleroberungen und gewonnenen Zweikämpfe gaben ihm Selbstvertrauen. Er bot bis zu seiner Verletzung (69.) eine absolut solide und zufriedenstellende Leistung, darauf wird er aufbauen können. Auch wenn nun natürlich Tomas Rincon wieder in das Team zurückkehren wird. Diesmal kam Robert Tesche für Kacar, und der „Zehner“ spielte ganz okay mit.

Rechts offensiv hatte Jacopo Sala durchaus gute Szenen, aber er tauchte auch phasenweise völlig weg. Fest steht, dass der Italiener ein großes Talent ist, was er auch in einigen Szenen unterstrich, aber einige Male wirkte er auch ein wenig unbedarft und naiv auf mich. Das wird er lernen (müssen), dass Profi-Fußballer auch viel mit Cleverness (und Abgebrühtheit) zu tun hat – aber er ist ja noch jung.

Links vorne zeigte Marcell Jansen für mich eine ansteigende Form, der ehemalige Nationalspieler war viel unterwegs, brachte auch viele gefährliche Bälle zur Mitte, schoss auch einige Male – das konnte sich sehen lassen. Weiter so, Herr Jansen, dann klappst vielleicht auch noch mal mit dem Herrn Löw. Note zwei für Jansen.

Mladen Petric war in der Anfangsphase kaum zu sehen – was ihm sicherlich auch auffiel. Deswegen war darum bemüht, das zu ändern – und er kam nach und nach. Trotz allem, er darf noch mehr machen. Obwohl ein Mladen Petric auch immer gleich einige gegnerische Abwehrspieler bindet, wenn er im oder kurz vor dem Strafraum auftaucht. Und: Petric bewies ein gutes Auge beim Zuspiel zum 1:0 von Guerrero, und Petric hatte auch im eigenen Strafraum wieder einige gute (und klärende) Kopfballszenen. Da denken wir doch noch alle an das Bayern-Spiel zurück, oder?

Kommen wir zum Schmuckstück des HSV: Paolo Guerrero. In der Spitze rieb sich der Peruaner einmal mehr total auf, ließ sich niemals entmutigen, auch wenn er es oft mit zwei, drei oder vier Gegenspielern zu tun hatte. Guerrero ist ein großer Kämpfer und ein blendender Fußballer – und diesmal traf er sogar in der Fremde. Sein erstes Auswärtstor, nach Vorarbeit von Tesche und Petric, bescherte dem HSV den vierten Auswärtssieg der Saison – und Tabellenplatz zehn.
Es geht bergauf.

19.31 Uhr