Tagesarchiv für den 11. Februar 2012

Kacar wird für Rincon kommen

11. Februar 2012

Immer mit der Ruhe . . . In Hektik verfällt der HSV vor der Auswärtshürde Köln auf jeden Fall gewiss nicht. Gaaaanz langsam betraten die Spieler heute den Trainingsrasen, die ersten kamen um 13.10 aus der Kabine, die letzten fünf Minuten später. Dann wurde hier und dort ein wenig „herumgedaddelt“, bevor es ernsthaft losging: Zirkeltraining, in dem es mehr oder weniger um kurze Antritte ging. Es folgte das obligatorische „Sechs-gegen-zwei-Spiel“, und zwar auf drei Stationen, danach folgten noch einmal kurze Antritte, bevor es dann ein Abschlussspielchen gab. Ein kleiner Kick, der wenig aufschlussreich war für die Kiebitze, denn die Aufstellung für den Sonntag war daraus nicht zu entschlüsseln. Zum Abschluss der Einheit wurde dann noch – nach Flanken – auf das Tor geschossen. Bei nur minus einem Grad, aber es gefühlt doch eher minus sieben, minus acht.

Im Trainingsspielchen fielen insgesamt sechs Tore. Die Folge dieser Treffer: 1:0 David Jarolim, 1:1 Paolo Guerrero, 2:1 Gojko Kacar, 3:1 Heung Min Son, 4:1 Marcell Jansen, 4:2 Mladen Petric. Nach dem 3:1 übrigens verlor Jaroslav Drobny völlig die Fassung. Der Tscheche, der sonst die Ruhe selbst ist, dem scheinbar nichts auf die Nerven geht, der drosch den Ball wütend über den Zaun in Richtung Volkspark. Zu dieser Aktion gab es dann auch den einen oder anderen Fluch zu vernehmen – na bitte, es geht doch!

In den letzten zehn, 15 Minuten blieb Drobny dann ohne Gegentor – weil der Keeper großartig hielt. So schnappte er sich den Ball, als Son allein vor ihm aufkreuzte und scheinbar nur noch einschießen musste. Was zur Folge hatte, dass Drobny neues Selbstvertrauen tankte, dass Son aber seinen Kopf hängen ließ. Bis dahin hatte mir der Südkoreaner eigentlich sehr gut gefallen, er wirkte quirlig, willig, entschlossener als sonst. Alle diejenige, die sich nach dem Bayern-Spiel noch Sorgen um die Psyche des jungen Sturm-Talents gemacht haben, denen sei gesagt: alles kein Problem. Son ist wieder da, hat diese beiden Rückschläge offenbar (locker) weggesteckt. Ich hätte jedenfalls keine Bedenken, sollte Trainer Thorsten Fink seinen Nachwuchsangreifer morgen in Köln von der Bank ins Spiel kommen lassen. Geht Son in Müngersdorf so unternehmungslustig wie heute zur Sache, dann werden die Kölner sicher das eine oder andere Problem mit ihm haben.

Zwei kleine Dinge am Rande dieses Spielchens: Vor dem „Anpfiff“ klatschten sich „Freund und Feind“ mit Michael Mancienne ab. Wieso, weshalb, warum? Geburtstag? Hatte er am 8. Januar? Aber was sonst? Kurzzeitig kam mir der Verdacht auf: Es wird ja noch der elfte Mann gesucht – der Ersatz für den gesperrten Tomas Rincon (trainierte heute ebenso mit wie Romeo Castelen mit). Sollte am Ende Mancienne der lachende Dritte im Bunde sein? Weil sich Robert Tesche und Gojko Kacar in dieser Woche (und nicht nur in dieser Woche) nicht wirklich für die Startformation empfohlen haben? Mancienne in der Viererkette, Heiko Westermann als Mann, der sich für das Team aufopfert und neben „Jaro“ auf die Sechs geht? Diese Gedanken verwarf ich aber noch während des Trainings, denn um einen (gesperrten) Mann zu ersetzen wird Fink nicht die halbe Mannschaft umkrempeln. Kurios aber: In der einen Viererkette spielten heute drei „Stammkräfte“ und ein „Überraschungs-Gast“. Dennis Aogo, links, in der Mitte neben Westermann Slobodan Rajkovic, rechts dann der „Neue“: Per Ciljan Skjelbred. Keine Angst, das wird natürlich nicht passieren, der Norweger war nur ein Stück des Ablenkungsmanövers des Trainers.

Zurück zu der einen verwaisten Sechs. Wir standen heute am Rande und fragten uns gegenseitig: „Wen würdest du spielen lassen?“ Gute Frage. Da mich weder Tesche noch Kacar in dieser Saison überzeugt haben, dann doch eher keiner dieser beiden Profis. Aber einen anderen Ersatz habe ich auch nicht. Jacopo Sala? Ich weiß nicht, ob der junge Italiener mit dieser Defensivrolle nicht doch ein wenig überfordert wäre. Und Skjelbred auch nicht – und nicht dort deswegen nicht, weil er ein eher offensiver Typ ist, sondern auch deshalb, weil er ja zuletzt wegen der Schienbeinverletzung einige Trainingseinheiten versäumt hatte. Und Mancienne? Diese Sechser-Position ist bestimmt nichts für ihn. Er muss sich in einen Gegenspieler verbeißen, mit dem Auge die Räume zulaufen, für den Nebenmann einspringen, helfen. Und auch verschieben. Damit hat er keinerlei Erfahrung, er ist nun einmal Innenverteidiger.

Bleiben also doch nur Tesche und Kacar. Mir ist allerdings rätselhaft, wieso sich diese beiden Spieler nicht eindeutiger aufgedrängt haben. Sie haben in dieser Saison beide von Beginn an so viele Chancen erhalten, erst von Michael Oenning (besonders Tesche), dann auch von Fink. Gedankt aber hat es keiner von beiden den Trainern. Es gab nicht einen einzigen überragenden oder auch nur überzeigenden Auftritt von ihnen. Was mich richtig fassungslos macht, denn: Wenn der Trainer schon so hinter mir steht, dann gehe ich doch selbstbewusst zur Sache, dann will ich ihm und mir beweisen, dass ich in diese Mannschaft gehöre. Statt dessen aber gab es meistens nur blutleere Auftritte, in denen keiner von beiden Spielern über eine Mitläufer-Rolle hinauskam.

Dabei hätten sowohl Kacar auch als Tesche ein besonderes Vorbild neben sich: David Jarolim. Wie sich der „Altmeister“ wieder aus der Versenkung ganz nach oben geholt hat, das ist einfach nur bewundernswert. „Jaro“ hat die richtige Einstellung, er beißt, er will, er läuft und kämpft und hilft – überall.

Es wird in Köln, so sieht es derzeit aus, wohl auf den Einsatz von Gojko Kacar hinauslaufen. Die größere Erfahrung spricht für den Serben. Und vielleicht schafft es ja Thorsten Fink diesmal, dem „Problem-Sechser“ so etwas wie Leidenschaft, Wille und Engagement mit auf den Weg ins Spiel zu geben. Ein Einzel-Gespräch (unter vier Augen) könnte da eventuell doch ein kleines Wunder bewirken. Und irgendwie musst doch auch einem Gojko Kacar mal in die Spur zu helfen sein, schließlich ist der Mann serbischer Nationalspieler, und so etwas wird man ja auch nicht nur dadurch, dass man mal für Hertha BSC gespielt – und ein Traumtor gegen den HSV geschossen hat. Ich kann nur für Kacar und vor allen Dingen für den HSV (und die Mannschaft) hoffen, dass sich Kacar diesmal vornimmt, alles zu zeigen – vor allen Dingen viel, viel Leben. Und wenn er sich nicht gleich wieder von seinem ersten Fehlpass verunsichern und aus der Bahn werfen lässt, dann muss das doch auch mal etwas werden.

Einige Dinge am Rande: Heute hat die „ewige 23“ Geburtstag, Rafael van der Vaart – herzlichen Glückwunsch.

Romeo Castelen mischte von der ersten bis zur letzten Minute im Training so mit. Als sei er nie verletzt gewesen. Traurig, traurig, dass er nun bald Hamburg verlassen muss – und sicher vor einer ganz ungewissen Zukunft stehen wird. Fußballerisch auf jeden Fall. Er ist so ein feiner Mensch, schon deswegen ist es höchst bedauerlich, dass es ein solches Karriere-Ende für ihn geben wird.

Tolgay Arslan war heute der einzige Spieler, der kurzfristig – und voller Schmerzen – am Boden lag. Einige Sekunden krümmte er sich auf dem kalten Rasen, einige Sekunden humpelte er – aber dann ging es auch weiter mit ihm.

Die morgige Partie wird von Schiedsrichter Florian Meyer (Burgdorf) geleitet – das finde ich gut. Meyer ist einer der besten Unparteiischen in Deutschland, und von dieser Sorte hatte der HSV in dieser Saison noch nicht allzu viele Ansetzungen – außer zuletzt Wolfgang Stark (BVB) und Knut Kircher gegen den FC Bayern. Ansonsten gab es in Spielen mit Hamburger Beteiligung auch oft einen 23. Mann, der sich erst noch einen Namen in der Liga machen muss.

Ganz zum Schluss sei noch an den 25. Juni 1960 erinnert – 3:2 gegen den 1. FC Köln. Damals ein ganz, ganz großer Tag in der HSV-Vereinsgeschichte, diese deutsche Meisterschaft (in Frankfurt errungen). Vielleicht ist das ja auch Ansporn für den einen oder anderen HSV-Profi von heute, an diese gute alte Zeit anzuknüpfen – mit einem Sieg gegen den FC. Auf ein 3:2 bestehe ich dabei nicht unbedingt.

So wird der HSV am Sonntag um 17.30 Uhr in Köln auflaufen:
Drobny; Diekmeier, Westermann, Rajkovic, Aogo; Jarolim, Kacar; Sala, Petric, Jansen; Guerrero.

17.06 Uhr