Tagesarchiv für den 6. Februar 2012

Son unter Druck – wer kommt für Rincon?

6. Februar 2012

Viel Pech an diesem Montag. Für mich, für meinen Interview-Partner – für den Blog. Ein Unfall kam mir (uns) dazwischen, deswegen fällt das geplante Interview nun aus. So etwas gibt es. Ich wünsche der beteiligten Familie auf diesem Wege alles Gute; schnelle und beste Erholung – und das mit dem Interview wird dann irgendwann nachgeholt.

Pech gab es ja auch schon am Wochenende für einen HSV-Spieler: Heung Min Son. Pech in dreifacher Hinsicht, denn: In der Woche vor dem Bayern-Spiel hatte der Südkoreaner um eine Unterredung mit Trainer Thorsten Fink und Sportchef Frank Arnesen gebeten. Weil die Einsatzzeiten zuletzt nicht mehr stimmten? Vielleicht war auch das ein Grund. Son wollte auch einmal über seine Perspektiven sprechen – und das wurde auch eifrig getan. Was der HSV-Trainer danach über diese Unterredung sagte, darüber habe ich in der vergangenen Woche schon berichtet. Auf jeden Fall hat sich der 19-jährige Stürmer mit einer solchen Aussprache auch selbst ein wenig unter Druck gesetzt. Und dann das . . .

Besser wäre es sicher gewesen, wenn Son den Ribery-Eckstoß in der 71. Minute souverän per Kopf geklärt hätte, aber es kam anders. Und besser wäre es zudem gewesen, wenn Son die riesige Torchance, als er allein vor Nationaltorhüter Manuel Neuer auftauchte, genutzt zum 2:1 für den HSV genutzt hätte. War aber – leider – nichts. Und im Rückblick auf das Gespräch mit Fink und Arnesen sitzt nun der Trainer am längeren Hebel. Das saß Thorsten Fink allerdings vorher auch schon, denn die zuletzt gezeigten Leistungen des talentierten Angreifers waren gewiss nicht so, dass er Stammspieler (ein Begriff, den Fink nicht kennt – oder ablehnt) hätte sein müssen. Nun aber wird sich Heung Min Son erst einmal wieder in Geduld üben müssen. Völlig berechtigt, auch wenn er bei der Einwechslung und dem Sekunden danach ausgeführten Bayern-Eckstoß viel, nein, gleich sehr viel Pech entwickelt hatte.

Pech hat ja auch der HSV, wenn ich so an den kommenden Sonntag (Anstoß 17.30 Uhr) und das Spiel beim 1. FC Köln denke. Weil Tomas Rincon wegen seiner fünften Gelben Karte ausfallen wird. Schade, schade, denn „Popeye“ Rincon war gerade so gut in Form. Gut? Überragend! Eine solche gute Serie hatte der Südamerikaner überhaupt noch nicht beim HSV. Und wer kommt für ihn? Für dieses eine Spiel? Robert Tesche? Oder eine ganz andere Variante: Jacopo Sala zurück, Ivo Ilicevic rechts? Könnte man mal machen . . . Obwohl dass ganz sicher eine (zu?) offensiv ausgerichtete Aufstellung wäre. In einem so wichtigen Auswärtsspiel.

Köln, das muss ich zugeben, hat mir beim 1:0-Sieg in Kaiserslautern gefallen, fast sogar imponiert. Wie die Mannschaft 90 Minuten gekämpft hat, wie sie lief, wie alle Spieler unheimlich engagiert bei der Sache waren – Hut ab. Das war so, wie es sein muss (wenn ein Klub um das Überleben in der Bundesliga spielt). Mir hat vor allen Dingen der „Altmeister“ McKenna gefallen. Die Kölner Allzweckwaffe hat einen riesigen Dickschädel, mit dem er Kopfballtore machen kann, schon viele Kopfballtore auch gemacht hat. Besonders bei Standards, und da war der HSV zuletzt ja auch einige Male (nicht unbedingt gegen die Bayern) etwas anfällig. McKenna hat aber auch – in Abwesenheit von Lukas Podolski – die FC-Mannschaft geführt, hat sie motiviert und mitgerissen.

Darauf wird der HSV reagieren müssen. Mit einer ebenso engagierten Leistung. Und dass die „jungen Finken“ das auch können, das haben sie ja zuletzt gegen die Bayern eindrucksvoll gezeigt. Hoffentlich war das keine Eintagsfliege. Aber dafür wird allein schon Thorsten Fink sorgen. Und Spielertypen wie Heiko Westermann, Dennis Aogo und David Jarolim, die es allen Mitspielern eindrucksvoll vorleben, die in jedem Spiel Gas geben und motiviert sind. Vielleicht wirkt das ja immer mehr ansteckend. Wobei ich auch immer noch an den Satz von Aogo denken muss, den er nach dem Bayern-Spiel von sich gab: „Es ist wichtig zu kapieren, was wir imstande sind zu leisten.“ Wenn das erst einmal alle kapiert haben, dann geht es nur noch bergauf – mit dem HSV.
Und eventuell reißt ja auch ein anderer HSV-Profi seine Kollegen mit: Paolo Guerrero. Der Stürmer, der im Moment in Top-Verfassung ist, sagte im NDR-Sportclub nun: „Wenn ich trainiere, dann schaue ich auch auf meine Mitspieler. Die sind 19 und ich 28. Ich bin einfach älter und sicher ein Vorbild für diese jungen Spieler, das muss ich zeigen und korrekt werden.“ Welch schöne Selbsterkenntnis.

So, nun noch ein paar Dinge am Rande, die mir heute im Laufe des (Pech-)Tags unter die Finger gekommen sind. Zum Beispiel:

Wenn’s ums Geld geht . . . – das lasse ich mal unkommentiert:
Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) meldete heute:

Der Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow vom Fußball-Bundesliga-Klub HSV hat für die nächste Jahresbilanz erneut rote Zahlen angekündigt. „Es sieht so aus, dass wir wieder zum Ende des laufenden Geschäftsjahres mit einem Minus abschließen werden. Das ist geschuldet der schlechten Tabellensituation in der Hinrunde, und das ist geschuldet der Tatsache, dass wir ein neues Trainerteam engagiert und ein altes Team ausgezahlt haben. Dazu kommt ein Minus von Fernseheinnahmen“, sagte Jarchow dem Radiosender NDR 90,3.

Auch bei den Zuschauer-Einnahmen muss der HSV ein Minus einplanen. Bislang kamen in dieser Saison im Schnitt rund 51 000 Zuschauer ins Stadion, das sind 2000 weniger als kalkuliert. Bereits im Geschäftsjahr 2010/2011 mussten die Hamburger einen Gesamtverlust in Höhe von 4,8 Millionen Euro verbuchen. Für den Fall, dass der HSV erneut das internationale Geschäft verpasst, kündigte Jarchow an, „den Etat für die Profis leicht absenken“ zu müssen.

Und dann gab es noch diese Meldung, die den einen oder anderen HSV-Fan ja auch einmal betreffen könnte:


Die Spielvereinigung Greuther Fürth hat eine vom DFB-Sportgericht verhängte Geldstrafe von 10 000 Euro gleich an einen Fan weitergeleitet. Wie der Verein am Montag mitteilte, sei die Person, die beim Spiel gegen den Lokalrivalen 1. FC Nürnberg Leuchtkugeln auf den Platz geschossen hatte, einwandfrei identifiziert worden. „Wir werden den Täter mit allen juristischen Mitteln in Haftung nehmen und wie angekündigt die Strafe in vollem Umfang an den Täter weiterleiten“, hieß es in einer GF-Presseerklärung. Dieses Modell sei richtungsweisend – für alle zukünftigen Zwischenfälle dieser Art.

So, und zum Schluss möchte ich eine Mal an mich veröffentlichen. Falls einer von euch schon einmal ähnliche Probleme hatte (oder demnächst vor einem ähnlichen Problem stehen sollte), dann erkennt er sich vielleicht wieder. Und eventuell liest ja auch jemand vom HSV mit – und es werden Konsequenzen gezogen? Hier die Mail:


Moin Dieter,
ich habe – aus der Not heraus – erstmals die Ticketbörse des HSV in Anspruch genommen, um meine drei Dauerkarten für das Spiel gegen Bayern zu verkaufen. Ich muss sagen, dass diese Ticketbörse für den Kartenbesitzer echter Nepp ist. Man bekommt nur 1/17 des Dauerkartenwertes gutgeschrieben, verkauft werden die Karten aber zum Angebotspreis/Toppzuschlag (= 94,00€) + 10% Vorverkaufsgebühr. Das Spiel wurde als TOPPSPIEL eingestuft!

Warum erwartet man nur vom Fan, dass er diesen Zuschlag bezahlt?
Warum vergütet der HSV dem Fan umgekehrt nicht auch diesen Zuschlag? Meiner Meinung nach sollte der Fan, der für ein Jahr im Voraus zahlt, in solchen Situationen genau so partizipieren und auch profitieren, wie es der HSV tut.

Der HSV verdient doppelt an der Karte und verlangt dann auch noch eine zusätzliche Gebühr vom Käufer. Mir soll bitte keiner erzählen, dass es aus organisatorischen Gründen nicht anders möglich ist! Wir leben im Zeitalter des Computers. So, wie man die Spiele klassifiziert und entsprechende Verkaufspreise im Programm hinterlegt, kann man diese Vorbesetzung auch für den Fall eines “Rückkaufs” hinterlegen.

Diese Ticketbörse ist eine tolle Idee. Allerdings fühle ich mich echt über den Tisch gezogen.
Sollte der HSV wirklich im Sinne der Fans handeln wollen, hätte er die Karten für €94,00 veräußern sollen, vom Käufer und Verkäufer je 10 % Gebühren kassieren und gut.
Wäre das nicht einmal ein Thema, auf welches man die Herren des Vorstandes ansprechen könnte, sogar sollte?
Oder habe ich da ein falsches Verständnis?

So, das war es heute. Leider etwas anders, als ich es geplant hatte, aber manchmal kommt es eben anders als man denkt . . . Sorry.

PS: Morgen ist tatsächlich nur einmal Training, und zwar um 15 Uhr im Volkspark. Die für um 10 Uhr noch angesetzte (beim HSV im Internet) Einheit entfällt.

19.12 Uhr