Monatsarchiv für Februar 2012

Ein besonderes T-Shirt für Jubilar Jarolim

29. Februar 2012

Gökhan Töre köpfte das Siegtor! Nein, das ist keine Wunschvorstellung für Sonnabend, der Deutsch-Türke traf heute im Vormittagstraining und sorgte so für den „Sieg der Roten“. Für die Truppe, die die roten Trainingshemdchen trug. War das ein Jubel. Wobei die Stimmung heute im Volkspark ohnehin sehr gut und ausgelassen war. Was sicher auch am Trainingsprogramm lag. Erst „Fünf-gegen-zwei-Spielchen“, dann Flanken von links und von rechts, in der Mitte wurde dann verwandelt (auch mit Nachschuss, dem zweiten Ball), es folgten auf kleinem Spielfeld Flanken von links und rechts, die zu Kopfballduellen lockten, denn es spielten Rot gegen Grün – und in diesem Duell schoss David Jarolim nicht nur das erste Tor, sondern gleichzeitig ein Traumtor. Der Bal sauste in den oberen rechten Winkel, sodass sich die Trainingskiebitze in den Armen lagen, jubelten und vor Freude sagten: „Mensch, der Jaro, ein solches Tor müsste er Sonnabend mal schießen . . .“ Ja, und zum Abschluss gab es ein neueres Spiel: Beide Team standen sich in etwa zehn Metern auf der jeweiligen Torlinie gegenüber, die Torhüter standen neben dem einen Gehäuse und warfen die Bälle zur Mitte, wo immer einer köpfen musste. Die Kugel musste entweder mit dem Fuß, dem Körper oder dem Kopf abgewehrt werden. Das war unterhaltsam, war spannend und lustig – so etwas schweißt zusammen.

Und es gab einige Erkenntnisse (für mich): Heung Min Son sollte dringend mal eine Kur am Kopfballpendel absolvieren, denn sein Kopfballspiel ist verbesserungsfähig. Mladen Petric und Marcell Jansen trafen mit dem Fuß am besten, Michael Mancienne versuchte sich mit einem spektakulären Fallrückzieher ohne Eckgelenkssprengung, der Ball stieg aber in den Himmel über dem Volkspark und gefährdete kurzfristig den Luftverkehr. Noch höher allerdings schossen Jansen und Son die Kugel, an beide Profis ging der heutige Hoch-und-weit-Preis“.

Den meisten Applaus des Tages von den Kollegen erntete Torwart Sven Neuhaus, der mit einer spektakulären Parade gegen Tolgay Arslan rettete – und der Schütze des 1:1 gegen Mönchengladbach ging diesmal früher in die Kabine, weil er schon beim Spiel am Freitag einen Schlag auf den Oberschenkel bekommen hatte, gestern nochmals zwei auf dieselbe Stelle – und heute einen. Deswegen das frühe Ende, ist aber nur eine reine Vorsichtsmaßnahme gewesen. Vorher hatte sich Arslan noch mit Trainer Thorsten Fink und Heung Min Son in einem extra anberaumten Liegestütz-Wettbewerb gemessen. Da hatte der Deutsch-Türke für mich gewonnen – Fink absolvierte die letzten Liegestütze (von 30, 40?) nur noch in Obama-Manier. Wer es kürzlich im Fernsehen gesehen hatte: Die Frau von US-Präsident Obama hatte in einer Talkshow die Moderatorin herausgefordert, beide machten Liegestütze, Michelle Obama konnte länger – machte zum Schluss aber auch nur noch „halbe Sachen“. So sah das bei Thorsten Fink zum Schluss auch (ein wenig) aus. . .

Apropos halbe Sachen: Wenn ich mir heute so mal den Marcus Berg angesehen habe, wie er sich so im Training gibt und bewegt, dann habe ich nicht so wirklich die Hoffnung, dass der Schwede in dieser Saison noch einmal ganz groß herauskommt. Da fehlt noch viel, fast hätte ich gesagt, da fehlt noch alles. Keine Traute in Zweikämpfe zu gehen, da fehlt Temperament und gewiss auch ein Stück weit (wer hat das einst noch immer gesagt?) Engagement. Das sollte mich wundern, wenn dass noch bis zum Sommer etwas wird. Aber vielleicht fühlt sich Marcus Berg ja auch jetzt ein wenig herausgefordert, oder Thorsten Fink fordert (und weckt) den Stürmer auf die eine oder andere Art und Weise. Vielleicht.

Einer, der in diesen Wochen voll wach ist, ist ja David Jarolim. Der Tscheche ist seit dem 28. Januar wieder für den HSV „tätig“, durfte erstmals beim Auswärtssieg in Berlin gegen die Hertha ran und ist seit dieser Zeit nicht mehr aus der Mannschaft wegzudenken. Wer hätte das gedacht? Ich! Und viele andere HSV-Fans natürlich auch. Führt „Jaro“ diesen HSV jetzt auch zum Erfolg gegen den VfB Stuttgart (Sonnabend, 15.30 Uhr im Volkspark)? „Unsere Heimspiel-Bilanz ist nicht gut, das wissen wir, aber wir hatten ja jetzt in der Rückrunde auch einige ganz spezielle Gegner, die nicht leicht zu spielen waren. Klar, wir können gegen jeden gewinnen, es hat nicht immer geklappt, deswegen wird es Zeit, jetzt mit Heimsiegen zu beginnen“, sagt Jarolim und ergänzt: „Wir müssen nur konzentriert spielen und an die Leistungen anknüpfen, die wir zuletzt gezeigt haben – Bremen einmal ausgenommen.“

„Jaro“ stand immer auf der Seite des damaligen HSV-Trainers Bruno Labbadia, nun gibt es ein Wiedersehen. Für den HSV-Profi, der auf seiner Abschiedstournee (vom HSV) ist, kein Grund, von seiner damaligen Meinung abzuweichen: „Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu Labbadia, er liefert meiner Meinung nach gute Arbeit beim VfB Stuttgart ab. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen, ich würde nie etwas Schlechtes über ihn sagen.“

Das zeichnet den Dauerläufer ja aus. Er hat nie etwas Schlechtes über einen Trainer geschweige denn über den HSV gesagt. Er hat stets vorbildlich gearbeitet, und wenn er dann doch nicht gespielt hat, dann hat er sich (leicht enttäuscht) gefügt. Wie jetzt auch. Er spielt zwar, weiß aber, dass er am Saisonende Hamburg verlassen wird, verlassen muss. „Ich sage es jede Woche, aber es stimmt: Ich genieße diese Zeit, es macht mir Spaß und bereitet mir Freude, dass ich wieder spielen darf, dieses Gefühl möchte ich bis zum Sommer immer haben. Und dann schauen wir mal, was kommt.“ Beim HSV haben Heiko Westermann, Dennis Aogo und auch David Jarolim jeweils vier Gelbe Karten auf ihrem Konto. Bremst eine solche Belastung? Jarolim: „Darüber denke ich während des Spiels nicht nach, wenn es erforderlich ist, muss man ein taktisches Foul machen. Und dann ist es passiert. Bitter wäre es nur, wenn man wegen einer unnötigen Sache Gelb kassieren würde, aber das liegt eben bei mir, mein Temperament zu zügeln. Aber das gelingt eben nicht immer – das ist Fußball.“

Elf Bundesliga-Spiele hat der HSV in dieser Saison noch „auf dem Zettel“. Elf „Gelegenheiten“ sich die fünfte Gelbe abzuholen. Ein Mopo-Kollege fragte den Tschechen, ob er sich vorstellen könne, bis zum Saisonende kein Gelb mehr zu erhalten? Gegenfrage von „Jaro“: „Gibt es auch Wunder?“ Nach dem anschließenden Gelächter sagte der HSV-Profi noch schmunzelnd: „Man kann es versuchen, aber es wird schwer . . .“ Eher würde „Jaro“ wohl mal ein Tor erzielen. 14 hat er bislang auf seinem Konto – bei über 300 Bundesliga-Einsätzen. In dieser Saison traf „Jaro“ noch nicht. Er trägt es mit Gelassenheit: „Wenn wir gewinnen, dann ist es mir egal, wer die Tore schießt.“ Sein 250. Bundesliga-Spiel für den HSV könnte David Jarolim am übernächsten Wochenende absolvieren, beim Auswärtsspiel auf Schalke. Zu diesem Ereignis bringt der HSV ein besonderes T-Shirt heraus: „250 Mal Jaro“. Diese Ausgabe ist auf 250 Stück limitiert – und bereits vergriffen! Der HSV wäre klug beraten, noch viele Stücke mehr davon aufzulegen, denn dieses „Ding“ würde weggehen wie warme Semmeln.

„250 ist eine Super-Zahl, 250 Spiele für einen Verein, das macht mich schon stolz. In der langen HSV-Geschichte gab es nicht so viele Spieler, die auf eine solche Zahl für den HSV gekommen sind. Und wenn man dazu noch alle anderen Spiele rechnen würde, dann wäre die Zahl natürlich noch ungleich höher.“ Zum Vergleich ein paar Namen: Manfred Kaltz brachte es auf 581 Spiele, Thomas von Heesen auf 368, Ditmar Jakobs auf 323, Peter Nogly 320, Felix Magath 306, Caspar Memering auf 303. In der Rangliste des HSV nimmt „Jaro“ schon jetzt den 13. Rang ein, zwischen Rudi Kargus (254) und Gert „Charly“ Dörfel (246).

Und vielleicht wird diese Zahl noch gesteigert. „650 Spiele schaffst du noch“, sagte HSV-Medien-Direktor Jörn Wolf aus dem Hintergrund. Antwort „Jaro:“ „Die Frage ist, wo?“ Bis Mai, so der Mittelfeldrenner, möchte er gerne wissen, wie es sportlich mit ihm weitergeht, bei welchem neuen Klub er dann landen wird. Das wird aber alles von seinem Berater dezent im Hintergrund geregelt. Gäbe es dann aber nicht doch eine kleine Chance, dass David Jarolim bleibt? Er sagt: „Der HSV ist nicht zu mir gekommen, ob sie überlegen, mit mir doch zu verlängern, es wurde auch nichts angedeutet. Deswegen werde ich mir alles das, was kommt, anhören, das ist klar – aber am liebsten würde ich natürlich hier bleiben wollen. Aber ich rechne damit nicht mehr.“

Schade.

So, drei administrative Dinge noch:

Ich habe heute mit dem HSV-Museums-Chef Dirk Mansen telefoniert, er zeugte sich erfreut über die Dinge, die wir ins Laufen gebracht haben (Tassen. Becher, Autogramme). Wir werden uns am Montag treffen, dann alles Weitere besprechen. So lange bitte ich noch jene “Matz-abber”, die uns Dinge für das Museum angeboten haben, zu warten. Ich werde mich dann melden, wie es weitergehen wird. Ich hoffe, dass das okay ist für euch.

Und die zweite Sache:
Ich traf am Montag ja DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus und stellte ihm die Frage nach den vielen Sonntagsspielen des HSV (acht diese Saison). Der frühere Nationalspieler stöhnte auf und sagte: “Ein Spielplan für die Bundesliga zu erstellen, das ist fast schon eine Doktorarbeit. Weil es nicht nur die reinen Spiele zu bedenken gibt, sondern viel, viel mehr. Die Polizei mischt sich ein, weil es in den jeweiligen Städten Versammlungen, Konzerte oder Ausstellungen gibt, die betreut werden müssen – dann gibt es keine weiteren Möglichkeiten, Polizisten zu den Spielen zu entsenden.” Zudem müssen auch die An- und Ab-Reisewege der Fans bedacht werden, damit es unterwegs keine Treffen (und eventuell Schlägereien) mit anderen Fan-Gruppen geben kann, und, und und. “Es ist gewiss keine Schikane, dass der HSV so oft sonntags spielt, wir überlegen dabei hin und her und sind dabei in viele Zwänge gesteckt, die der Fan gar nicht alles sehen und ermessen kann”, sagt Holger Hieronymus.

Die dritte Geschichte:
Gefragt wurde ich ja auch, was der HSV machen würde, wenn er “Pyro-Techniker” mit dem Abbrennen von Bengalos erwischen würde. Das kann ich generell beantworten: Es könnte ein Stadionverbot geben, aber die härtere Variante ist, dass es eine Anzeige wegen Körperverletzung gibt. Zudem würden Geldstrafen, die der HSV von den verschiedenen Gerichtsbarkeiten erhalten könnte, an den jeweiligen Täter weitergegeben. Sollte sich also jeder “Fan” überlegen, was ihm am besten täte . . .

PS: Morgen ist erst um 15 Uhr Training im Volkspark, Achtung die Einheit wurde von zehn Uhr nach hinten verlegt.

PSS: Aufgrund eines Programmierfehlers in der Anzeige der Werbung wurden einige von euch gestern und heute arg strapaziert. Das Problem ist mittlerweile behoben und wir bitten um Entschuldigung.

16.55 Uhr

Dirk Mansen
Hieronymus

Ruhe im Umfeld – aber im Training knallt es

28. Februar 2012

Ich weiß, dass hier ob der Trainingsberichte zweierlei Meinungen vorherrschen. Zum einen haben diese selten bis nie etwas über die darauf folgende Leistung in der Bundesliga ausgesagt. Das ist Fakt. Deshalb freue ich mich immer über gute letzte Trainingseinheiten, bewerte sie aber äußerst vorsichtig. Andererseits wird hier verständlicherweise großen Wert darauf gelegt, möglichst viel über das sportliche Geschehen unter der Woche zu erfahren. Und dem möchte ich heute aus einem bestimmten Anlass nachkommen. Denn, und das ist nicht mehr aber auch nicht weniger als eine Zustandsbeschreibung für heute, im Training ist richtig Dampf drin.

Auffällig viele Spieler waren heute im Training, trotz Länderspielwoche – was nicht zwingend für die Kaderqualität spricht, aber eben auch nicht zwingend gegen sie sprechen muss. Denn immerhin hat der HSV mit seinem Umbruch im Sommer genau davon Abstand genommen, teute arrivierte Spieler verkauft oder abgegeben und sich den jungen Talenten verschrieben, die irgendwann zu Nationalspielern reifen sollen. Wie beispielsweise Jacopo Sala, der von der italienischen U21 kurzfristig ausgeladen worden war und dementsprechend heute voll mittrainierte. Und das mit mächtig Adrenalin im Blut. Denn im Abschlussspiel auf vier kleine Tore war es der Italiener, der seinen Gegenspieler per Notbremse am Torschuss hinderte. Pikant: Sala trat ausgerechnet Ivo Ilicevic von hinten um. Jenen Mannschaftskameraden, der ihn am Sonnabend beim Heimspiel gegen Stuttgart ersetzen soll. Ein paar italienische Flüche hinterhergeschickt entwickelte sich nach dieser Szene ein hitziges Duell. „Ich war am Anfang nur sauer, weil der Tritt von hinten kam“, erklärte Ilicevic anschließend, „ich hatte anfangs gar nicht mitbekommen, wer das war. Oder besser gesagt: ich habe den Zusammenhang mit Sonnabend nicht hergestellt.“ Daran glaube er auch nicht. Stattdessen gab es nach Trainingsende ein faires, wenn auch nur sehr kurzes, gezwungen wirkendes Shakehands. „Sowas gehört im Training einfach mal dazu“, so Ilicevic, „da lässt man sich dann mal von den Emotionen treiben. Aber am Ende ist alles wieder gut.“

Zumindest für ihn. Denn er wird am Sonnabend spielen. Ob er überrascht war, dass sich Trainer Thorsten Fink schon am Montag auf den Wechsel von Sala zu ihm festlegte? „Nicht wirklich überrascht. Ich habe immer Kontakt mit dem Trainer gehabt. Er hat sehr viel mit mir gesprochen und mir immer ein Feedback gegeben, was er von mir erwartet.“ So sei es ein wenig leichter gewesen, die Reservistenphase zu überstehen. „Er macht das schon richtig gut“, lobt Ilicevic Fink, „gerade mit denen, die nicht berücksichtigt sind, spricht er viel und gibt ihnen das Gefühl, wichtig zu sein.“ Selbst er, der bei seinem Wechsel nach Hamburg mit allem gerechnet hatte, nur nicht mit so wenig Einsatzzeiten, sei irgendwann damit klar gekommen. „Es war aber nicht leicht. Gerade nachdem ich nach dem Berlin-Spiel eigentlich durchgehend schmerzfrei trainieren konnte, war es schwer auszuhalten. Allerdings musste ich auch realistisch bleiben und konnte sehen, dass die Mannschaft gut gespielt hat. Da war es auch für den Trainer nicht leicht, etwas zu verändern.“ Deshalb habe er auf seine Chance mehr oder weniger geduldig gewartet und freue sich umso mehr auf das Spiel am Sonnabend gegen Stuttgart.

Und für diese Partie hat sich Ilicevic eine Menge vorgenommen. Er will seine Schwächen bearbeiten („Ich muss defensiv noch deutlich besser werden, dort mehr Laufwege annehmen“) und vor allem seine Stärken zeigen. Und dabei legt er die eigene Messlatte mächtig hoch. Was sein persönliches Ziel sei? „Viel spielen und gut spielen“, so die normale Antwort, der er dann aber doch ambitionierte Ziele hinzufügt: „Mein Anspruch ist, dass ich in jedem Spiel treffe oder einen Assist mache. Am liebsten beides“, so der 25-Jährige, der noch immer darauf hofft, im Sommer für sein Heimatland Kroatien bei der EM aufzulaufen. „Es war schon sehr überraschend für mich, dass ich diese Woche beim Länderspiel in Kroatien gegen Schweden nicht dabei bin. Und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mir deshalb im Hinblick auf die EM keine Gedanken machen würde.“ Dennoch, er habe sein Glück jetzt endlich wieder selbst in der Hand: „Ich habe jetzt mit dem HSV noch elf Endspiele. Und ich weiß, wenn ich hier Fuß fasse und der Mannschaft mit guten Leistungen helfe, dann sieht es gut aus. Für den HSV zum einen, für mich und die EM-Teilnahme auf der anderen Seite.“ Und trotz aller Rückschläge (Ilicevic: „Es ist schon eine kleine Seuchensaison“) blickt der dribbelstarke Offensivmann optimistisch nach vorn: „Ich setze auf das große Happy-End.“ Was noch für den HSV zu holen ist? „Wenn wir von Spiel zu Spiel schauen, ist nach oben noch alles möglich. Wir müssen geduldig sein, dann ist nichts unmöglich. Aber auch nur dann…“

Klingt logisch. Und gut. Allerdings, und das weiß auch Ilicevic, muss der HSV dafür schnell seine Heimbilanz von bislang erst elf Punkten (auswärts haben sie 16 geholt) deutlich verbessern. Trainer Fink plant gegen Stuttgart den noch offensiveren Gang, und die Mannschaft setzt auf die momentane Form: „Dazu die Zuschauer im Rücken, die uns noch den einen oder anderen Prozent mehr herauskitzeln – das muss gut werden. Wir wollen endlich wieder eine Macht im eigenen Stadion werden“, fordert Ilicevic – und spricht dem allergrößten Teil der HSV-Fans wohl aus der Seele.

Heute mal nichts Neues gibt es rund um das Thema René Adler. Der Keeper hatte am Montag im Universitätsklinikum Eppendorf seinen Medizincheck absolviert und soweit alles bestanden. Aktuell stehen nur noch die Blutuntersuchungen aus, die in München ausgewertet werden. Die Aufsichtsratssitzung, die für Mittwoch unter Vorbehalt angesetzt worden war, ist verschoben. Ich habe dazu heute mit dem Chefkontrolleur Otto Rieckhoff gesprochen, der die ganze Angelegenheit etwas entspannter angeht, als es im gestrigen Blog offenbar rübergekommen ist. „Bisher gibt es keine Aktivitäten“, so Rieckhoff, der mir erklärte, dass zunächst der Vorstand dem Aufsichtsrat bitten muss, zur Abstimmung eines bevorstehenden Transfers zusammenzukommen. Das ist bisher nicht geschehen. Auch, weil Rieckhoff den verständlichen Wunsch äußerte, bei der entscheidenden Sitzung Arnesen dabei haben zu wollen – der allerdings kehrt erst am Freitag nach Hamburg zurück.

Wobei der gesamte Adler-Transfer eher entspannt angegangen werden kann. Immerhin hat der HSV mit Jaroslav Drobny einen guten Keeper im Kasten unter Vertrag. Zudem sind sich der HSV und Adler einig und auch die Kontrolleure, die den Deal noch scheitern lassen könnten, sind grundsätzlich überzeugt. Zumal sich, und dieses Bild scheint sich hier im Blog fälschlich festgesetzt zu haben, die Aufsichtsräte nicht in sportliche Entscheidungen einmischen wollen. Vielmehr geht es nur darum, über das Gesamtpaket ausführlich informiert zu werden und die eine oder andere Frage beantwortet zu bekommen. Es geht eben darum, ihrem Amt nachzukommen und als Kontrolleure zu kontrollieren. Das ist ihr Job. Insofern sollten wir in diesem Fall fair bleiben.

Warum auch Vorwürfe machen, es ist momentan alles im Rahmen. Der HSV entwickelt sich mit jungen Leuten immer besser und verjüngt sich bei den bisherigen Zugängen weiter. Adler und auch Maximilian Beister kommen nahezu sicher zur neuen Saison. Wenn es Arnesen jetzt noch schafft, einen kreativen Mittelfeldspieler nach Hamburg zu holen, wäre ein großer Schritt getan. Allerdings, und dabei bleibe ich, der HSV hat im zentral-defensiven Mittelfeld ein größeres Problem. Mit Rincon und Jarolim stehen momentan nur zwei geeignete Spieler bereit, wobei der Vertrag des Letztgenannten aus verschiedenen und durchaus nachvollziehbaren Gründen wohl nicht über den Sommer hinaus verlängert wird. Insofern bräuchte der HSV hier aktuell drei Neue, sofern er jede Position doppelt besetzt haben will. Aber okay, noch ist ein wenig Zeit. Und Kacar und Tesche wären nicht die Ersten, die uns in dieser Saison positiv überraschen…

In diesem Sinne, alles wird – zumindest langsam – besser. Ruhig ist es nur im Umfeld – die Mannschaft gibt mächtig Gas. Und das ist gut so. Bis morgen! Da wird übrigens um 10 Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

Ilicevic soll gegen Stuttgart Sala ersetzen ****ERGÄNZUNG: Adler war bereits heute zum Medizincheck im UKE****

27. Februar 2012

***ERGÄNZUNG: HSV-Trainer Thorsten Fink wollte sich heute uns gegenüber nicht äußern, als er um 14 Uhr auf Rene Adler angesprochen wurde. Bis es vermeldbare Neuigkeiten gibt, schweige er, so der Trainer. Was Fink verschwieg: Parallel zu seinem Interview absolvierte Adler im Universitätsklinikum Eppendorf seinen Medizincheck. Dieser beinhaltet auch Blutuntersuchungen. Und da die Ergebnisse dieser Proben frühestens heute ausgewertet sein werden, gilt der aufwendige, mehrstündige Medizincheck bislang noch nicht als bestanden.

Dabei ist alles vorbereitet. Zumindest fast alles. Für Mittwochabend wurde intern bereits eine Aufsichtsratssitzung anberaumt, in der zunächst nur über den Transfer von Adler gesprochen werden soll. Einige Aufsichtsräte sind ob der langen Verletztenakte Adlers vorsichtig geworden und fühlen sich bislang von Sportchef Frank Arnesen nur unzureichend über den bevorstehenden Millionentransfer informiert. Problem hierbei: Frank Arnesen ist von heute bis voraussichtlich Donnerstag unterwegs, will sich am Mittwochabend in Malaga das Länderspiel Spaniens gegen Venezuela ansehen. Für eine endgültige Entscheidung müsste Arnesen demnach telefonisch zugeschaltet werden (ob das den Kontrolleuren reicht, wage ich zu bezweifeln) oder gar früher nach Hamburg zurückreisen. Wohl auch deshalb hieß es von HSV-Seiten heute, dass nicht vor Ende der Woche mit der finalen Unterschrift Adlers gerechnet wird.****

Plötzlich war er wieder da. Und kaum einer bekam es anfänglich mit. Denn Jacopo Sala sollte eigentlich heute Abend für die U21 Italiens in Cannes gegen Frankreich sein Länderspielcomeback feiern, wurde jedoch in letzter Sekunde von seinem Nationaltrainer Ciro Ferrara ausgeladen und war überraschend schnell wieder zurück in Hamburg. Für HSV-Trainer Thorsten Fink kam die neue Situation sogar etwas zu schnell. Denn während der HSV-Trainer in unserer Presserunde gegen 14 Uhr noch verkündete, dass er für das Wochenende mit Ivo Ilicevic statt Jacopo Sala in der Startelf plane, weil dieser beim Länderspiel zu viel Kraft lassen könnte, twitterte Sala lustig via Internet, dass er bereits wieder in Hamburg sei und zum Training fahren würde.

Dennoch, Fink wäre nicht er selbst, würde er zu seiner Entscheidung plötzlich nicht mehr stehen. Und deshalb bestätigte seine Ankündigung auch in dem Moment als er erfuhr, dass Sala in Hamburg bleiben und die ganze Woche über mit der Mannschaft trainieren würde. Zumal die Entscheidung im wesentlichen einen sportlichen Hintergrund hat: Fink will im Heimspiel gegen den ehemaligen HSV-Trainer Bruno Labbadia offensiver auftreten als zuletzt, um endlich auch in der eigenen Arena so zu überzeugen wie zuletzt zumeist auswärts. „Unsere Heimspiele waren bislang nicht überzeugend“, gibt Fink zu, „aber da müssen wir hinkommen. Nur mit einem Sieg gegen Stuttgart ist der Punktgewinn in Mönchengladbach auch wirklich was wert.“ Was genau? „Das sehen wir dann. Zumindest aber sind es dann vier Punkte aus zwei Spielen, die uns wieder etwas mehr nach oben als nach unten blicken lassen würden.“

Dennoch, und auch das betonte Fink, der Wechsel vom defensivstärkeren Sala zum Offensivspieler Ilicevic sei nicht mit einem unkontrollierten Angriffsfußball verbunden. „Jacopo arbeitet defensiv sehr gut, hat dort Vorteile und ordentliche Leistungen gezeigt. Daran muss sich auch Ivo messen lassen. Aber von Ivo erwarte ich mir mehr Ideen nach vorn, einen offensiveren Auftritt unserer Mannschaft. Und das brauchen wir gegen Stuttgart, gerade auch in einem Heimspiel“, so Fink, der den zuletzt kaum berücksichtigen kroatischen Nationalspieler für dessen Verhalten ausdrücklich lobt: „Damit honoriere ich auch, dass Ivo immer ruhig geblieben ist und im Training gute Leistungen gezeigt hat.“

Und das stimmt. Ilicevic wirkte nie so, als würde er maulen. Im Gegenteil, von Einheit zu Einheit wirkte der 25-Jährige aggressiver und entschlossener, sich seine Startelfposition zurück zu holen. „Ich habe keine Wahl“, hatte Ilicevic zuletzt gesagt, „ich kann mich nur über gute Trainingsleistungen aufdrängen. Und das versuche ich. Mit allen erlaubten Mitteln.“ Dass er dabei wegen einer vermeintlichen Fehlentscheidung des Trainerteams bei einem Abschlussspiel im Training den Ball mit voller Wucht gen Aushilfsschiedsrichter feuerte – nicht mehr und nicht weniger ein Zeichen für den quasi überbordenden Ehrgeiz des Rechtsfußes.

Denn für Ilicevic wäre es erst die dritte Startelfnominierung seit seinem Wechsel aus Kaiserslautern nach Hamburg vor sechs Monaten. Zunächst warf ihn die Vier-Spiele-Sperre, die er aus Kaiserslautern mitgebracht hatte, aus dem Rennen. Und anschließend musste der dribbelstarke Offensivmann wegen verschiedener Muskelverletzung immer wieder passen. So auch nach seiner guten Wintervorbereitung. Pünktlich zum Rückrundenauftakt plagten Ilicevic Wadenprobleme. Der Kroate musste gegen Dortmund passen und Sala nutzte seine Chance. „So ist Fußball“, sagte Ilicevic, der mit seiner Reservistenrolle deutlich mehr zu kämpfen hatte, als er zugeben mochte, damals. „Ich werde meine Chance kriegen“ hatte der Rechtsfuß zuletzt vor dem Auswärtsspiel in Mönchengladbach gesagt – jetzt soll es soweit sein. Allerdings erhält der Kroate eine Chance mit Auflagen vom Trainer: „Ivo soll offensiv entscheidend sein, muss aber auch defensiv arbeiten.“ Zudem soll der 25-Jährige seinen Mannschaftskollegen Dennis Aogo unterstützen, der zuletzt alle Standards ausführen musste. Und das erledigte der Linksfuß mehr schlecht denn recht. „Ich werde Ivo im Training testen“, so Fink, „vielleicht kann er auch bei Standards eine Option sein.“

Allerdings wollte es sich Fink nicht nehmen lassen, den letzten aktuellen deutschen Nationalspieler ausdrücklich zu loben. Man merkt dem HSV-Trainer immer wieder an, dass er großen Wert auf mündige Spieler setzt. Zumindest auf die, die ihren Worten in seinen Augen auch Taten folgen lassen. „Dennis ist der zweite Mann auf links hinter Philipp Lahm – das ist schon mal nicht schlecht. Und er hat keine großen Schwankungen. Es gibt Spieler, die überragen heute und versagen morgen. Dennis schafft es, seinen Level auf einem schönen Niveau zu halten. Das gefällt mir und lässt ihn immer mehr unter der Rubrik ‚Führungsspieler’ laufen.“

Am Sonnabend gegen Stuttgart trifft Aogo auf einen der vielleicht formstärksten Offensivspieler aktuell: Martin Harnik. Der Österreicher, der beim SC Vier- und Marschlande in der Jugend brillierte und dem HSV vor der Nase von Werder Bremen weggeschnappt wurde, erzielte in den letzten vier Spielen sieben Treffer. Insgesamt bringt es der 24-Jährige bereits auf 13 Treffer und sechs Torvorbereitungen. Dennoch ist Fink nicht bange. Im Gegenteil: „Dennis hat am Freitag in Mönchengladbach sehr, sehr gut gegen Marco Reus ausgesehen. Und der ist im Moment wohl das Beste, was es in Deutschland auf der Position gibt. Harnik ist ein ähnlicher Spielertyp, seine Laufwege gleichen denen von Reus. Deshalb wird Dennis das schon lösen.“

Fink versteht es, seine Spieler für sich zu gewinnen. Mit der Ilicevic-Beförderung setzt der HSV-Coach seinen erfolgreichen Weg, auch die nicht berücksichtigten Spieler bei Laune zu halten, fort. Zuletzt hatte er david Jarolim, Heung Min Son und auch Slobodan Rajkovic über Monate bei Laune halten müssen, nachdem dieser wegen seiner harten Roten Karte gegen Kaiserslautern den Stammplatz an Jeffrey Bruma verloren hatte. Heute wiederum muss er den Niederländer bei Laune halten, weil sich Rajkovic festgespielt hat. Oder etwa nicht? „In der Innenverteidigung kann auch noch was passieren“, sagt Fink. Immerhin habe Rajkovic in dieser Woche ein Kurzturnier mit seiner serbischen Nationalmannschaft zu spielen und er wüsste noch nicht, wie fit sein Verteidiger zurückkäme. Dafür wolle er das machen, was er mit am besten beherrscht: „Ich werde mit dem Spieler reden und dann entscheiden.“ verrät der HSV-Trainer. Das würde er gerade mit denen machen müssen, die „gerade nicht spielen“.

Dazu zählt aus zweierlei Gründen Jaroslav Drobny nicht. Zum einen spielt der Tscheche, zum anderen sieht Fink bei dem viel diskutierten Torwart dafür keine Bedarf. Und das, obwohl heute noch mal bestätigt wurde, dass der Adler-Transfer über die Bühne gehen wird – einen ordentlichen Medizincheck vorausgesetzt. „Jaroslav bringt seine Leistung. Er macht auf mich nicht den Anschein, besondere Gespräche zu brauchen. Ich bin voll zufrieden mit ihm.“ Und obwohl auch Fink den Adler-Transfer einplant, wollte er sich heute noch nicht äußern. „Ich weiß, dass er ein sehr guter Torwart ist, die Nummer zwei in der Nationalelf war. Mehr kann ich nicht dazu sagen. Das mache ich, wenn der Spieler tatsächlich zu uns wechseln sollte.“

Voraussichtlich sollte auch das schnell gehen können, da der Medizincheck Adlers für Mittwoch angesetzt wurde.

Eine Rückkehr ins Mannschaftstraining feierte heute Gökhan Töre. Gut sechs Wochen nach seiner Knie-Operation absolvierte er den Waldlauf mit der Mannschaft und soll auch am Dienstag und für den Rest der Woche mit der Mannschaft trainieren. Allerdings noch ein wenig eingeschränkt. „Gökhan werde ich immer wieder mal rausnehmen, wir bauen ihn behutsam auf. Er ist halt ein sensibles, wertvolles Rennpferd“, scherzte Fink, der sich immer mehr über die Auftritte seiner jungen Talente freuen darf. Nach Töre, Rajkovic, Sala, Lam, mit Abstrichen Mancienne und zuletzt Tolgay Arslan hat er gleich sechs junge Akteure am Start. Dazu gesellen sich noch der etwas bundesligaerfahrenere Heung Min Son und ab Sommer Maximilian Beister. Da ist sich Fink sicher: „Der Junge spielt ab Sommer bei uns, basta. Wie ich das verstanden habe, ziehen sich die Verhandlungen auch nicht, sondern die Verlängerung ist nur noch Formsache.“ Bis 2016 soll der an Düsseldorf verliehene Offensivmann unterschreiben – und das möglichst bald.

In diesem Sinne, der HSV geht seinen Weg unbeirrt weiter. Hin zu jungen Spielern. Und das macht er immer besser, wie ich finde.

Bis morgen!
Scholle

Und zum Schluss noch ein paar ausgewählte Beiträge von Euch, die sehr lesenwert sind. Viel Spaß all denjenigen, die sie noch nicht kennen.

Von Erhard Werthwein:

Hallo Dieter,
bin seit 55 Jahren HSVer. (Jahrgang 1946). Ich wurde durch ein Heftchen zum HSVer. Mein Bruder bekam diese Heftchen(so eine Art Stadionzeitung) und ich las diese. Die waren so faszinierend geschrieben, dass man nicht mehr davon los kam bis zum letzten Buchstaben. Habe mal bei einer Museumsführung danach gefragt, aber leider wusste man nichts davon.
Da war ein Artikel über ³Uns Uwe¹s² Vater Erwin zu lesen, wie er mit gebrochenem Fuß das Spiel zu Ende spielte. Vielleicht weiß Uwe oder die „Alte Garde“ noch von diesen Heften.
Auch das wäre interessant für’s Museum. Vielleicht auch Horst N. vom heutigen Blog. Vielleicht hat noch jemand so ‘nen alten Schinken auf’m Dachboden.
Wäre schön, wenn ich mal im Museum drin stöbern könnte. Ich kann leider nicht zu jedem Heimspiel in HH sein, wohne zwischen Stuttgart und Karlsruhe und sehe daher nur 1-2 Heimspiele p. Saison. Wie jetzt zum Spiel gegen meine Landsleute werde ich live dabei sein. Möchte mich für deine fachlich korrekte Blogs ganz herzlich bedanken. Man merkt ganz einfach, dass du schon aktiver Fußballer warst, das Spiel als
aktiver und nicht nur als „Fan und normaler Zuschauer“ das Spiel anschaust.

Von „altona“:

Dieter: Ich begrüße ganz außerordentlich, in welchem Stil hier im Blogüber Jaro und Drobny von Dir (und Scholle) berichtet wird. Seien wir doch ehrlich. Bei Jaro, Drobny und auch Petric stehen die Zeichen auf
Trennung. Wenn wir dafür Granit Xhaka (bitte Herr Kühne, schauen Sie sich doch noch einmal einige Basel-DVDs an, die Scouting-Abteilung ist sicher behilflich) , Rene Adler und Maxi Beister (zurück-) bekommen, kann ich gut damit leben. Allerdings haben Drobny und Jaro fast immer ihre Leistung gebracht, Petric einige wichtige, entscheidende Tore gemacht. Deswegen finde ich es super,wenn diese Spieler (sollten sie denn den Verein tatsächlich verlassen), bis dahin mit Anstand behandelt werden. Wir wollen ja nicht werden wie die Plastik-Clubs aus Leverkusen und Hoffenheim. Gott bewahre. Die Insider-Informationen über den sich anbahnenden Adler-Transfer sollen jaaus Leverkusen gekommen sein? Was machen denn einige Aufsichtsräte in Leverkusen? Gab es dort eine Werksbesichtigung mit anschließendem Champagner-Abend ?

Von slobocop:

troche, pit, torun, ben-hatira, elia kriegen auch in ihren neuen vereinen
nichts bis gar nichts gebacken, seitdem man sie abgegeben hat. dazu kommen die ausgemusterten alten herren ruud, joris, rost und zé, bei denen der lack nun endgültig ab ist. frank arnesen hat also alles richtig gemacht. wenn man diesen weg im sommer konsequent weiterverfolgt, muss man sich auch von petric, jansen, aogo, kacar, berg und tesche trennen. auch bei diesen spielern wartet man seit jahren darauf, dass endlich mal der knoten platzt. da dies aber faktisch unter diversen trainern nicht passiert ist, kann es wohl nur an den spielern selber liegen. sie sind halt einfach nur mittelmaß, auch wenn sie in unzähligen interviews immer wieder das gegenteil suggerieren wollen. mit jarolim und der ankündigung petric nicht mehr kohle zahlen zu wollen, hat man schon die ersten signale gesetzt. dazu die wahrscheinliche modernisierung auf der torwartposition. jetzt nur nicht nachlassen und den eingeschlagenen weg konsequent zu ende gehen. arslan, bruma, sala, diekmeier, son, lam, besic, töre, mancienne, skjelbred, rajkovic, rincon, ilicevic, beister, dazu adler, guerrero und westermann (wenn er seine klöpse endlich abstellt, er kann es ja) als erfahrene hört sich doch gar nicht mal schlecht an. es fehlen ein guter lv, ein spielstarker sechser (besser wären zwei) und ein laufstarker und schneller stürmer. mit den gehaltseinsparungen und kühne als sponsor sollte das ohne weiteres möglich sein. den rest macht dann thorsten fink. mit brauchbarem spielermaterial kann der mann garantiert einiges ausrichten.

Gänsehaut bei der Halbzeitansprache

26. Februar 2012

Lieber Bob (in Anlehnung an Deinen ersten Kommentar zu meinem gestrigen Artikel),
natürlich auch liebe “Matz-abber”,
der folgende Absatz aber ist vor allem für und an Bob:
Wenn ein Verteidiger auf der Torlinie angeschossen wird, dann darf der da erstens stehen, und zweitens gehört auch ein Verteidiger zum Spiel (des HSV). Und ferner darf auch ein (so guter) Torwart wie Jaroslav Drobny den einen oder anderen Ball halten, denn dafür wird er erstens bezahlt, zweitens ist das seine einzige Aufgabe – abgesehen davon, dass er den Ball nach einem Aus wieder ins Spiel zu bringen hat. An meiner Spielanalyse, so glaube ich, hätte das aber nichts geändert – und ich habe inzwischen auch von einigen Kollegen, die in Mönchengladbach waren, Zuspruch erhalten. Aber wie gesagt, jeder darf und jeder soll natürlich auch seine eigene Meinung haben – und verbreiten. Davon lebt „Matz ab“.

So, ganz normal weiter:
Wo ich gerade bei Drobny war: Der Tscheche hat mir imponiert. Steht mit einer Bärenruhe unerschütterlich zwischen den Pfosten, sagt nicht einen Ton – und hält riesig. Wohl wissend, dass er im Sommer von Rene Adler abgelöst wird. Das hat echte Klasse, „Drobo“, und das dokumentiert eine einwandfreie profihafte Einstellung. Wie bei Landsmann David Jarolim ebenfalls feststellbar.

Natürlich hat Drobny nicht allzu viel zu tun gehabt, am vergangenen Freitag, aber es waren bei den wenigen Sachen doch Dinge dabei, die ein Torwart nicht unbedingt halten muss. Und dazu hatte der HSV-Keeper ja auch in der Woche noch „Knie“. Nein, nein, das war in meinen Augen eine glatte Eins, Herr Drobny!

Ich hätte es darüber hinaus ja auch professioneller vom HSV gefunden, wenn der Adler-Transfer noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen wäre. Im Interesse des sportlichen Erfolgs. Und: Was ist, wenn Drobny auf einmal wieder einmal daneben greifen würde? Würde man ihm da nicht unterstellen, in Gedanken schon Abschied vom HSV genommen zu haben? Mir ist es rätselhaft, warum solche Transfers immer und immer wieder auf den „Markt“ gelangen. Kann man nicht einfach mit Adler im Stillen einig sein, den Vertrag unterschreiben und weiterhin Stillschweigen vereinbaren?
Nein, ganz klar, man kann nicht. Ich bin (auch in dieser Beziehung) wohl ein ewiger Träumer. Schade ist es trotzdem. Auch um Drobny, der uns allen wohl eindrucksvoll gezeigt hat, welch ein guter Torwart er ist. Trotz der Formkrise zu Beginn der Saison.

Sportchef Frank Arnesen zu diesem speziellen Drobny-Thema: „In Sachen Rene Adler haben wir am Mittwoch eine Entscheidung. Und zu Jaroslav Drobny: Wir sind mit ihm im Gespräch. Grundsätzlich ist es aber auch so, dass wenn ein neuer Spieler kommt, dass das Ansporn für unsere Spieler sein muss. Und Jaroslav hat gezeigt, dass er diese Situation angenommen hat, er hat in Gladbach hervorragend gehalten, hatte viele hervorragende Szenen – er ist als Torwart besser als gut.“

Thorsten Fink hat zum selben Thema folgende Meinung: „Zu Rene Adler sage ich weiterhin nichts. Und zu Jaroslav Drobny kann ich nur sagen, dass er hervorragend gehalten hat. Er ist mental richtig stark, hat sich von den Diskussionen nicht beeinflussen lassen – er ist einfach ein guter Typ.“ Stimmt genau.

„Drobo“ und „Jaro“ – ein einfach nur gutes Gespann. Denn auch Jarolim hat in Mönchengladbach wieder eine Klassepartie abgeliefert. So dass ich am Wochenende quasi angebettelt wurde (von einem Mann, der sowohl den HSV als auch St. Pauli im Herzen hat – so etwas gibt es tatsächlich!): „Didi, du musst einfach dafür sorgen, dass Jaro noch ein weiteres Jahr beim HSV spielt, der ist so stark wie nie.“

Zu diesem Thema wollte ich eigentlich eine Mail an mich erst später veröffentlichen, aber jetzt passt sie gerade so gut, deswegen nun los:


Lieber Herr Matz,
ich habe Sie in oftmals im Blog wegen Ihrer Lobhudelei für David Jarolim kritisiert.
Ich möchte mich hierfür auf diesem Wege bei Ihnen entschuldigen.
Siehe nachst. Blogbeitrag.
Mit freundlichen Grüßen Reinhard H. aus Lengede.

„Reinhard 1954“ sagt:
25. Februar 2012 um 17:39
Dobry den (Guten Tag) Herr Jarolim.

Die Leistung die Sie gestern gezeigt haben, kann man nur als phänomenal bzw. grandios bezeichnen. Ich entschuldige mich hier abermals, für die vielen vielen kritischen Statements meinerseits Ihnen gegenüber. Sie sind im Moment ein ganz ganz wichtiger Baustein im HSV-Gebilde. Kein Spieler beim HSV identifiziert sich so mit dem HSV und trägt die Raute so tief im Herzen wie Sie. Sie und Rincon waren gestern die entscheidenden Männer beim HSV. Wenn statt Jarolim und Rincon gestern Kacar und Tesche gespielt hätten, hätten wir wahrscheinlich verloren.

Schade dass der Linienrichter die Abseitsstellung der Gladbacher beim 1:0 nicht erkannt hat. Die Mannschaft des HSV hat gestern eine engagierte und bemerkenswerte Leistung abgeliefert und damit die richtige Antwort auf die Pleite gegen Werder gegeben.

Endlich hat Fink gestern mal das antiquierte Spiel mit zwei Spitzen aufgegeben und stattdessen mit dem sehr guten Arslan hinter Guerrero gespielt. Jansen hat gestern leider wieder eine eher unterdurchschnittliche Leistung geboten. Mit Jansen ist einfach kein schnelles Konterspiel möglich. Warum spielt statt Jansen nicht Ilicevic von Anfang an? Über eines habe ich mich geärgert. Der HSV bekam in der zweiten Halbzeit mittig vor dem Tor einen Freistoß aus ca. 16,5 Metern. Arslan wollte diesen Freistoß ausführen. Arslan hat übrigens in Aachen reihenweise Freistöße direkt verwandelt. Aber Aogo nahm Arslan den Ball weg und drosch diesen wie meistens unplatziert in die Mauer. Warum darf Aogo immer wieder Standards ausführen?

Die Stimmung im Block war wie immer super. Ich habe nette Fans vom HSV-Fanclub aus Köln kennen gelernt.
Hoffentlich darf Arslan gegen Stuttgart wieder statt Petric spielen.

So, das war „Reinhard 1954“. Ich bin ganz sicher, dass David Jarolim das lesen wird, denn er liest hier regelmäßig mit – ich hoffe dass „Jaro“ nicht nachtragend ist. Bin mir eigentlich sogar sicher, dass er es nicht ist.

David Jarolim sagte nach dem 1:1 in Gladbach: „Nach dem Verlauf der ersten Halbzeit ist das 1:1 ein gutes Ergebnis. Wir standen schon im ersten Durchgang ganz gut, haben aber versäumt, nach vorne zu spielen, das haben wir in der zweiten Halbzeit viel besser gemacht, da war unser Spiel richtig lebendig. Deswegen haben wir den Punkt verdient. Das Gegentor war ärgerlich, denn erstens war das kein Freistoß gegen Heiko Westermann, und zweitens stand Hanke im Abseits. Aber so ist Fußball, damit muss man klar kommen. Die Leistung in der zweiten Halbzeit war ein gutes Signal, denn in Mönchengladbach haben nicht viele Mannschaften einen Punkt geholt.“ Dann lobt „Jaro“ auch noch den „Neuzugang“: „Tolgay Arslan ist ins Team gekommen, weil Mladen Petric verletzt war. Er kam ins Team, schießt das Tor – das ist wunderbar für ihn und für uns. Er hat gut trainiert, gut gearbeitet, das zahlt sich jetzt aus.“ Dann verriet Jarolim noch ein kleines Fitness-Geheimnis: „Tolgay hat mit mir zusammen noch ein zusätzliches Programm absolviert, das Nikola Vidovic leitet, und zwar zusätzlich zu dem normalen Trainingspensum.“

Ja, wie Arslan schon sagte: „Von nichts kommt nichts.“ Er hat es begriffen. Kompliment. Und solche schönen (Tor-)Momente wie die in Gladbach entschädigen dann ja auch optimal für diese Schinderei. Vorbildlich!

Paolo Guerrero hatte auch ein Lob für seinen neuen „Hintermann“ parat: „Tolgay Arslan hatte ich diese Tor verdient, er war unheimlich viel unterwegs, wir haben versucht, uns gegenseitig zu unterstützen – und in der Pause haben wir uns geschworen, dass wir diese Ding noch drehen wollen. Leider ist es uns nicht ganz gelungen.“ Immerhin aber nicht verloren. Und Guerrero leistete ja auch die Vorarbeit zu diesem 1:1, indem er den schwachen Dante übersprang – gut gemacht, Paolo!

Und was war eigentlich beim 1:0 los? Marcell Jansen zeigte auf jeden Fall ein schlechtes Abwehrverhalten, indem er nur seine Brust an den Rücken von Hanke drückte. Auch deswegen sagte Hanke danke. Aber es war, da beißt die Maus ja trotzdem keinen Faden ab, abseits! Ich habe aber keine Lust, auf meinen „Lieblingsschiedsrichter“ G. Perl einzudreschen, denn er ist in einer solchen Szene auf seinen Mann an der Linie angewiesen. Dass Perl zuvor aus dem Nichts einen unberechtigten Freistoß für die Borussia pfeift – das passiert auch anderen Unparteiischen. Insgesamt hat der Mann aus München diesmal eines seiner besseren Spiele gepfiffen – denke ich.

Dass Thorsten Fink dennoch zur Pause auf „180“ war, ist schon okay – bei einem solchen Spielverlauf. „So habe ich den Trainer noch nie erlebt“, sagte Frank Arnesen und fügte hinzu: „Er war total aufgeregt, dieser Freistoß, dieses Tor und auch die Tatsache, dass wir zu wenig nach vorne gemacht haben, hatte ihn sauer werden lassen.“ Ich fand es ja auch deshalb gut, dass Fink beim Halbzeitgang in die Kabinen kurz Kontakt zu Perl aufgenommen hatte – man muss sich ja nicht alles gefallen lassen.

Zurück zu Arnesen, der zum Spielausgang sagte „Ich habe hier die Spiele gegen Wolfsburg und gegen die Bayern gesehen, beide Mannschaften wurden von den Borussen aus dem Stadion gefegt. Das zeigt, wie schwer es ist, hier etwas mitzunehmen. Wir aber hatten es verdient, denn wir haben hier gut gespielt, wir haben sie in der zweiten Halbzeit mit unserem Spiel überrumpelt.“

Zu Tolgay Arslan befand der Sportchef: „Er hatte eine schwierige Phase, ähnlich wie Jacopo Sala, beide waren durch ihre Verletzungen völlig aus der Spur. Jetzt ist er aber physisch stark, er spielt clever, hat gute Bewegungen und hat auch Ruhe am Ball – aber er hat noch Luft nach oben. Er hat unglaublich viel Selbstvertrauen, er ist ein Talent, wir glauben daran, dass er uns in Zukunft helfen kann – deswegen haben wir ihn auch nicht noch einmal verliehen. Er hat eine Zukunft bei uns.“ Der so Gelobte sagte: „Ich verdanke dieses Comeback Nikola Vidovic und Markus Günther, die sehr viel mit mir gearbeitet haben, sie haben mich in diese Verfassung gebracht, dass ich nun wieder spielen kann. Ich hätte vielleicht noch ein Tor mehr schießen können, aber auch so ist es ein überragendes Gefühl.“

Dann sagte Tolgay Arslan auch noch: „Ich bin endlich angekommen beim HSV, ich will eine große Zukunft haben bei diesem Verein. Ich bin ein Arbeiter, der viele Extraschichten macht, um an seinen Defiziten arbeitet – und ich freue mich, dass es voran geht. Ich bedanke mich beim Trainer, denn nicht jeder hat den Mut, einen Spieler, der sieben Monate verletzt war, ins kalte Wasser zu werfen.“ Und Arslan zeigte zudem, dass er ein Teamplayer ist, denn er sprach über den Mann, für den er in die Mannschaft gekommen war: „Es ist kein Problem für mich, mich hinter Mladen Petric anzustellen, Petric ist ein überragender Stürmer, er ist ein Vorbild von mir, ich kann unheimlich viel von ihm lernen – aber vielleicht findet der Trainer ja trotzdem eine Position für mich im Team.“

Dann verteilte Tolgay Arslan auch noch ein besonderes Lob an den Coach: „Bei seiner Halbzeitansprache hatte ich eine Gänsehaut, er hat uns enorm gepusht. Er hat uns erinnert, was wir eigentlich drauf haben – und dann wollten wir einfach nur noch raus und Vollgas geben.“ Ist voll gelungen.

Übrigens erklärte Thorsten Fink noch, warum Arslan und nicht Petric gespielt hat: „Mladen war nicht bei 100 Prozent. Das gehört zu meinem Arbeitsstil dazu, dass ich nur Spielern vertraue, die 100 Prozent haben – 80 Prozent reichen nicht. Aber nächste Woche wird Petric wieder dabei sein, das ist klar, auf Spieler seiner Qualität wollen wir nicht verzichten. Arslan ist belohnt worden, er hat keine Angst – aber natürlich muss er sich wieder hinter Petric anstellen.“

So, kurz möchte ich noch auf meinen Abendblatt-Artikel (Freitag) kommen, in dem es um die Nachspielzeit generell geht. Es gab ein großes Echo darauf. Dabei hatte ich noch lange nicht alles zu diesem Thema gesagt (Platzgründe).
Es geht darum, dass pro Spielerwechsel 30 Sekunden nachgespielt werden sollten – nachgespielt müssen, wenn ich das Sagen hätte. Auch dann, wenn das Spiel entschieden ist (oder es so scheint). Erstens zählt am Ende vielleicht jedes Tor, zweitens muss man jedem Spieler (Freund oder Feind) die Gelegenheit geben, sich noch eine farbige Karte „einzufangen“. Schließlich fehlte diese Zeit ja schon während der 90 Minuten, die zuvor gespielt werden sollten.

Mir haben zu diesem Thema „Nachspielzeit“ auch zwei Schiedsrichter unabhängig voneinander „gestanden“, dass sie froh sind, wenn sie das „Ding“ nach exakt 90 Minuten abpfeifen können, denn in der Nachspielzeit passieren oft Dinge, die ein zuvor souverän geleitetes Spiel auf den Kopf stellen können. Auch ein Argument . . .

In England aber sind beispielsweise vier bis sechs Minuten Nachspielzeit an der Tagesordnung – warum nicht auch in der Bundesliga?

Und noch ein Argument dafür, dass es eine solche 30-Sekunden-Nachspieleit pro Spieler geben sollte: Radio- und TV-Stationen könnten sich so besser auf die jeweilige Zeit, die drauf gelegt wird, einstellen. Wie jeder Fan im Stadion auch – und vor allem jeder Trainer. Denn oft wird draußen ja genörgelt, weil zu wenig oder zu lange nachgespielt wird. Könnte man alles umgehen – wenn sich der DFB oder die DFL irgendwann einmal bekehren ließen.

Zuletzt noch einmal zu den Randgeschichten.

Der Aufruf, ob ein „Matz-abber“ noch irgendwelche Sachen für das HSV-Museum hätte (ist übrigens mit dem Museums-Chef Dirk Mansen nicht abgesprochen – ich hoffe dennoch, dass er sich freuen wird), hat schon zwei tolle Dinge zu Tage gefördert.

Einmal dies hier:


Moin Herr Matz,

als Hamburger Jung (Jahrgang 1938) kam ich 1952 zum ersten Spiel meines HSV zum Rothenbaum. Den Gegner kann ich nicht mehr erinnern, aber die Bombenstimmung hinter dem Tor zur Rothenbaumchaussee.
Meine Eltern wussten nichts von meinem “Ausflug” zum HSV. denn Geld für die Bahnfahrt war ja nicht vorhanden.

Meine beiden Freunde und ich lösten uns damals eine Bahnsteigkarte (ich glaube sie kostete 10 Pfenning), mit der man kostenpflichtig den Bahnsteig betreten durfte und fuhren – natürlich rechtswidrig – zum Dammtor Bahnhof. Eine Eintrittskarte hatten wir natürlich auch nicht. Wir erbettelten uns den Einlass – der uns durch einen Ordner gelang, indem er uns zwischen die HSV-Mannschaft schubste, die von Klubheim über die Straße zum Platz kam. Ein Erlebnis, das ich erst sehr viel später verinnerlichte.

Die Rückfahrt sollte wieder auf Bahnsteigkarte erfolgen – aber bereits auf dem Dammtorbahnhof wurden wir durch die Bahnpolizei aus der S-Bahn herausgeholt und zur Bahnpolizeistation Hamburg-Hauptbahnhof gebracht und hier zur Zahlung von je 2,00 Mark Strafe “verurteilt”, die eine nette Nachbarin für mich damals in bar bei der Bahnpolizei bezahlte, da meine Eltern ja nichts davon wissen durften. Aber nun Schluss…

Ich könnte noch einige Erlebnisse berichten, speziell auch von meiner Autogrammsammellei, der eigentliche Grund meines Schreibens.
In den Jahren 1954/55 kam neben meiner Fußballleidenschaft das Autogramme sammeln hinzu. Hiervon existieren noch 3 kleine Bücher mit zahlreichen Autogrammen der HSV-Spieler, der Nationalmannschaft, vieler anderer Vereine, Richard Hofmann (Dresdner SC, Helmut Schön, Herbert Zimmermann usw. Alle Namen aufzuzählen wäre zuviel.

Da mein Sohn und meine Enkel zu den Bücher keine Beziehung haben, meine Frage: wären sie etwas für das HSV-Museum? Ich beziehe mich hierbei auf den heutigen Matz-Blog.
Ich würde Ihnen die Bücher gern zur Durchsicht überlassen. Wenn ja, geben Sie diese bitte weiter – wenn nein einfach an mich zurück.

Mit freundlichen Grüßen!
Horst N.

Zudem schickte uns der “Matz-abber” “Tim” zwei Fotos von einem HSV-Becher mit Autogrammen aus den 90er-Jahren, ich habe die Unterschriften von Uwe Jähnig, Andre Breitenreiter, Yordan Letchkov, Sven Kmetsch, Holger Hiemann, Karsten Bäron und, und, und erkannt. Hatte einen solchen Becher zuvor aber auch noch nie gesehen. Ein tolles Stück. Ich werde mit Dirk Mansen sprechen.

Dann gab es noch einen Brief aus der Ferne:


Lieber Dieter, lieber Scholle,

eventuell mag Euch entgangen sein, was für eine verrückte Karriere unser früherer Publikumsliebling Besart Berisha derzeit hinlegt! Er avanciert mehr und mehr zum Superstar der Australischen A-League, spielt bei Brisbane Roar. Das ist natürlich kein hohes Level, sein Teamkollege Broich war vor kurzem Spieler des Jahres, aber es passt zum verrückten Werdegang des Ex-Hamburgers, ihr erinnert Euch sicher, muss ich ja nicht zusammenfassen.
Lg. Oliver.

Und auch das gab es noch:

Moin, moin Herr Matz, diesmal aus Shanghai . . .
Die Mail das HSV’ers aus Hong Kong von gestern hat mich animiert diese Zeilen zu senden, denn wir beide leben in der gleichen Zeitzone und zumindest ich mache ‚Kopfstände’ den HSV zu sehen und zu verfolgen, denn in China habe ich leider Probleme Spiele ‚live’ zu sehen, der Fan in Hong Kong hat es da sicherlich etwas leichter….genauer gesagt, es war meine Frau, die der Meinung war ich könnte nichts falsch machen, wenn ich diese Mail auf den Weg bringe…. Hat sie vielleicht erneut Recht…?

Ist es Ihnen möglich, mich mit dem HSV’er in Hong Kong in Verbindung zu bringen? Da ich häufig in Hong Kong bin würde ich gerne bei einer der nächsten Reisen die Gelegenheit haben, mich mit einem ‚Gleichgesonnenen’, einer ‚Raute’ zu treffen, um Bekanntschaft zu machen….auch ich habe lebendige Erinnerungen an Besuche im ‚Volkspark’ Stadion und Spiele des HSV u.a. vs. Santos mit Pele etc…
Ich höre gerne und sende beste Grüsse aus einer der Partnerstädte Hamburg’s…….SHANGHAI-J

Ich bin sicher, ganz sicher sogar, dass unser „Matz-abber“ aus Hong Kong diese Zeilen lesen wird (weil er alles liest) – und er wird sich bei mir melden. Dann werde ich ihm die Mail-Adresse geben – und es werden sich hoffentlich zwei weitere HSV-Freunde in der Fremde zusammenfinden.
Was ich übrigens ganz, ganz toll finde. Es haben sich ja hier (bei Matz ab) schon so viele Freunde (fürs Leben?) gefunden – das macht echt viel, viel Spaß. Auch ich gehöre ja dazu, denn ich habe durch diesen Blog auch schon sehr, sehr viele liebenswerte Menschen kennen gelernt, die Freunde für mein Leben bleiben werden. Weiter so!

So, das war es heute wieder einmal – in kurzen Zügen. Nein, nein, ist wieder ein wenig lang geworden, aber ich hoffe, Ihr verzeiht mir. Lasst den Sonntag noch schön ausklingen – immer mit der guten HSV-Leistung vom Freitag im Hinterkopf.

PS: Morgen, Montag, wird um 15 Uhr im Volkspark geübt.

17.05 Uhr

Arslan der Gewinner von Gladbach

25. Februar 2012

Altersmilde? Oder schlicht keine Ahnung (mehr) vom Fußball? Ich frage mich in diesen Tagen tatsächlich, ob es mit dem fortgeschrittenen Alter zusammenhängt, denn: Einige – oder viele – von Euch haben am Freitag ein schlechtes Spiel des HSV in Mönchengladbach gesehen, auch ein schlechtes Spiel der Borussia. Ich aber nicht. Wieso? Ich war auch schon mit der ersten Halbzeit zufrieden, mit der vielen hier nicht einverstanden waren, mit der auch Trainer Thorsten Fink und Sportchef Frank Arnesen nicht so zufrieden waren. Fink hatte ausgemacht: „Im ersten Durchgang waren wir viel zu passiv, wie können viel mehr – und das haben wir in Halbzeit zwei gezeigt.“ Arnesen befand: „Ich bin stolz auf die zweite Halbzeit von uns.“ Und Kapitän Heiko Westermann sagte: „In Halbzeit eins waren wir zu behäbig, dann aber ganz stark, da wäre sogar ein Sieg für uns verdient gewesen.“

Ich aber war schon mit dem ersten Durchgang zufrieden – und will das auch erklären. Die Gladbacher haben in dieser Saison einen unglaublichen Lauf, sie haben daheim und in der Fremde schon so viele Mannschaften vor sich her gespielt, sie haben so manchen Gegner aus dem Stadion geschossen. Davor hatte ich große, große Angst. Aber dem HSV passierte das nicht. Weil der Ball klug gehalten wurde, weil die Räume klug eng gemacht worden sind, weil früh attackiert wurde, weil viel, viel gelaufen wurde, weil alle mit Leidenschaft und dem nötigen Willen bei der Sache waren – weil ganz einfach die Handschrift von Trainer Thorsten Fink zu erkennen war. Natürlich hatte der HSV wieder viel Rückpässe auf Torwart Jaroslav Drobny im Repertoire, aber – und das ist das Wunderbare an diesem Freitag gewesen: Auch die Gladbacher Überflieger spielten immer wieder zu Torwart Ter Stegen zurück. Ich glaube sogar, dass die Borussen in diesen 90 Minuten so oft zurückgespielt haben, wie in der gesamten Saison nicht. Und das ist doch ein dickes Kompliment an den HSV.

Dieser HSV war – nach der 1:3-Niederlage gegen Werder – nicht nach Mönchengladbach gefahren, um den Spitzenklub schwindelig zu spielen. Es ging nur darum, die Borussen nicht zu ihrem Spiel finden zu lassen, und dieses Konzept ist großartig aufgegangen. Dass die „Fohlen“ dennoch die eine oder andere Chance hatten, ist gar nicht zu vermeiden, aber es waren doch nur wenige. Glück hat auf Dauer nur der Tüchtige, und der HSV war an diesem Abend tüchtig. Sehr tüchtig sogar. Auch wenn im ersten Durchgang kaum einmal nach vorne gespielt wurde. Gut Ding will Weile haben. Und Wunder dauern eben auch beim HSV etwas länger. Ich hatte nie geglaubt, dass der HSV diese jungen Himmelsstürmer so gut im Griff haben würde. Aber das hatten sie. Wo war Reus? Und wie schlecht war Hanke – trotz seines Abseitstors? Und – auch wenn es in diesem Zusammenhang unwichtig ist – ich habe mich während des Spiels immer wieder gefragt, ob die Bayern, der große FC Bayern, inzwischen auch altersmilde geworden ist, denn: Wie kann ein Uli Hoeneß tatsächlich an einen Dante denken? Dann könnte er auch Heiko Westermann, Jeffrey Bruma oder Slobodan Rajkovic angreifen, ich war von Dante ebenso enttäuscht wie von Hanke und Reus. Aber das lag doch vor allem am HSV, weil der diese Spieler super beschattete. Man spielt immer nur so gut, wie es der Gegner zulässt, und dieser gute HSV (der in meinen Augen besser war als beim 1:0-Sieg in Köln) ließ eben nicht viel zu.

Wobei ich niemanden, der dem HSV ein schwaches Spiel attestierte, auf meine Seite ziehen will. Jeder soll und darf seine eigene Meinung haben, selbstverständlich, aber ich habe eben auch meine. Und die teile ich Euch mit. Jeder darf natürlich anderer Meinung sein, denn – auch das ist Fußball.

Der HSV blieb mit diesem 1:1 auswärts unter Thorsten Fink weiter ungeschlagen (und ist auch seit dem 10. September 2011 auswärts unbesiegt!). Das ist doch etwas. Ich habe es eben schon geschrieben, ich muss mich aber ausdrücklich auch wiederholen: Ich erkenne eine Handschrift des Trainers. Die Mannschaft spielt immer mehr (natürlich gibt es auch Ausnahmen) das, was der Coach sehen will, was er seinen Spielern mit auf den Rasen gegeben hat. Und das möchte ich ausdrücklich auch einmal loben, Kompliment Herr Fink! Sie haben schon viel aus dem einstigen Abstiegskandidaten HSV gemacht. Und wie toll sah denn am Freitag und am frühen Sonnabend Tabellenplatz acht schon aus!? Super. Herzlichen Glückwunsch, denn ich gehöre zu jenen Pessimisten, die damit gerechnet haben, dass es diese Saison nicht nur ganz eng werden könnte, sondern dass es auch eventuell mal nach unten gehen könnte. Die Situation war schon prekär, und das ist sie jetzt nicht mehr. Weil sich der HSV unter Fink „berappelt“ hat. Oder, Frank Arnesen brachte es in Mönchengladbach auf den Punkt: „Wir haben heute bewiesen, dass wir auswärts mit allen mithalten können.”
Stimmt, Herr Arnesen, stimmt ganz genau. Und eben das hatte ich, das gebe ich zu, vor diesem Spiel (und im Rückblick auf Bremen) in Mönchengladbach stark bezweifelt.

Ohne jeden Zweifel gab es an diesem späten Freitag einen überraschenden Gewinner im HSV-Team: Tolgay Arslan. Der junge Bursche hatte in der Woche gegen Kopenhagen schon sehr schön aufgezogen, und diesmal mischte er wie ein „Alter“ mit. Sehr gut anzusehen. Da kommt einer. Und: Arslan ist nach Jacopo Sala der zweite überraschende (und überzeugende) “Neuzugang” während dieser Saison – ungeahnte Möglichkeiten für Thorsten Fink . . .
Ich hatte das ja schon in der Woche bereits geschrieben (Dienstag), Tolgay Arslan ist bei und mit dem Leihgeschäft in Aachen gereift, er ist klar im Kopf, er weiß nun wie der Hase zu laufen hat – und er richtet sich auch danach. Wie gesagt, er ist der Gewinner.
Und Mladen Petric? Ist er deswegen der Verlierer? Sicher nicht. Aber er wird die Zeichen erkennen. Thorsten Fink hatte in Mönchengladbach gesagt: „Mladen ist leicht angeschlagen, hätte spielen können, wenn Not am Mann gewesen wäre, aber er ist nicht hundertprozentig fit.“ Deswegen Arslan. Und es würde mich nicht wundern, wenn der Deutsch-Türke auch am Sonnabend gegen den VfB Stuttgart in der HSV-Startformation stehen würde. Was nicht automatisch zu bedeuten hätte, dass Petric nicht . . . Aber der Kroate wird eben nur dann spielen, wenn er auch wirklich topfit ist. Und, das ist meine Meinung dazu: Der HSV wäre klug beraten, weiter auf Mladen Petric zu bauen, denn niemand ist vor dem gegnerischen Tor so kaltschnäuzig wie Petric. Seine Treffer werden wir alle noch dringend benötigen – und dann auch entsprechend bejubeln. Was aber dann am Saisonende sein wird, das vermag ich heute noch nicht zu prognostizieren – ich tippe jedoch, dass es eher auf eine Trennung hinauslaufen wird.

So, zum Abschluss dieses spannenden Bundesliga-Sonnabends möchte ich mich auf diesem Wege noch für die vielen Zuschriften bedanken, die ich deshalb erhielt, weil ich von (m)einem Vorspiel vor HSV – Mönchengladbach im Jahre 1965 berichtet hatte. Eine Mail möchte ich exemplarisch herausstellen, sie kam aus dem fernen Ausland. Los geht es – im O-Ton:


Moin Herr Matz.

Ganz wehmuetig wurde mir zumute, als ich (bedingt durch den 7-stuendigen Zeitunterschied, der uns trennt – Hong Kong-Hamburg – ) heute morgen im Blog Ihre Zeilen zu Ihrem ersten Spiel im Volkspark – mit der BU-Jungmann – las. Ich werde den Nachmittag nie wieder vergessen, denn fuer mich war es als 12-jaehriger Buttje das allererste mal, dass ich im Volksparkstadion war. Ich kann mich auch noch gut an das Vorspiel erinnern (sorry, aber wir waren so ungeduldig und wollten, dass das Spiel gegen Gladbach nun endlich los gehen sollte). Mein Kumpel und ich hatten uns auch fuerchterlich HSV-Fan maessig aufgetakelt, mit Fussball-Bildern und HSV Wimpel verzierte Pappmelone auf dem Kopf und ausgeruestet ner Militaertroete aus dem 1. Weltkrieg, die ich auf dem Dachboden meines Grossonkels gefunden hatte.

Wir waren sehr aufgeregt, war es doch das erste Mal, dass wir bei einem Bundesligaspiel live dabei sein durften. Natuerlich in der Westkurve fuer ein paar Mark. Ploetzlich tauchten zwei schon ziemlich angesaeuselte Gladbach-Fans vor uns auf, die sich wohl die falsche Karte gekauft hatten, denn die Gegner
waren ja eigentlich im “Osten”. Die beiden hatten sich ein Plakat aus Pappe gebastelt, mit 3 Tigern drauf (aus der damaligen Esso-Werbung “Pack den Tiger in den Tank”). Unter jedem Tiger stand ein Name, naemlich: Rupp, Netzer und Heynckes. Und dann groehlten die beiden auch immer wieder lauthals: “Rupp, Netzer und Heynckes gehoeren in die Nationalmannschaft!!!” Wir Butjes hatten keine Angst vor den Grossen und fingen an sie zu veraeppeln: “Ihr geht hier heute mit ner 5:0-Packung nach Hause, pass man auf!” Und das war vorm Spiel… Tja, und so kam es dann ja auch. Und mein Kumpel und ich waren maechtig stolz. Die mittlerweile sehr besaeuselten Rupp-Netzer-Heynckes Fans taten uns beinah ein bisschen leid, war doch unsere etwas provokative Voraussage tatsaechlich eingetroffen. Aber immerhin hatten die beiden ja recht behalten: Rupp, Netzer und Heynckes gehoerten dann ja bald zur Nationalmannschaft und waren da nicht mehr wegzudenken.

Ich schreibe Ihnen diese Zeilen aus meiner seit 32 Jahren “neuen” Heimat Hong Kong, wo es mich im zarten Alter von 27 hinverschlagen hat. Bin nach wie vor bei jedem HSV Spiel so aufgeregt wie damals, ob vor dem Fernseher in Hong Kong oder bei Hamburg Besuchen im Volkspark. Und Ihr Blog gehoert jeden Morgen zur Pflichtlektuere, auch wenn ich eher selten (als “hongkichris” – aber noch nicht neu registriert) mal selbst den einen oder anderen kleinen Beitrag geschrieben habe.

Nun wuensche ich mir, dass Sie und Scholle naechste Woche in kurzen Hosen auf dem Dach des Axel Springer Hauses stehen werden, einen Tip (schon gar nicht so einen wie im September 1965) moechte ich aber heute nicht abgeben…

Viele Gruesse aus dem nasskalten Hong Kong

Vielen Dank nach Hong Kong (und an alle anderen User, die mir schrieben) für diese Zeilen aus der Ferne; und ein wunder Punkt ist dabei (für mich) ja die „Kurze-Hosen-Geschichte“ auf dem Dach. Dazu habe ich heuet noch eine Mail bekommen, aus der Schweiz. In Bern wohnt seit Jahrzehnten der frühere St.-Pauli-Kapitän Rolf Höfert, und der ist von Beginn an ein ganz treuer Matz-ab-Fan und –Mitleser. Rolf Höfert ist mein Jahrgang, er spielte in der Jugend bei Paloma, wir also immer gegeneinander, kennen uns also um die 50 Jahre – und der gute Rolf schrieb mir heute: „Moin, mein Dieter, 1:1 in Mönchengladbach ist wie ein Sieg für den HSV, also erwarte ich dich und Scholle in dieser Woche in kurzen Hosen . . .“
Mal sehen.

Noch eine andere Kleinigkeit am Rande:
Am Freitag waren Frau M. und ich bei unserem Matz-ab-Moderator Andre (mein Sohn) zum Kaffeetrinken. Und dabei bemerkten wir, dass aus einem nostalgischen HSV-Becher getrunken wurde – auf dem das gemalte Volksparkstadion zu sehen ist. „Würdest du die für das Museum spenden?“, so fragte ich, und Andre nickte. Spontan rief ich bei Museums-Direktor Dirk Mansen an, fragte ihn, ob er eine solche Tasse bereits habe, er verneinte – und nun wird das gut oder bestens erhaltene Stück in der kommenden Woche in Museum wandern.

Von mir sind bereits zwei Dinge dort zu sehen: Das WM-Endspiel-Trikot von Felix Magath aus dem Jahr 1986 (dem Argentinien-Spiel), das mir der gute Felix einst schenkte, und ein ganz kleines Teil: HSV-Streichhölzer vom HSV-Restaurant Lindenhof in Norderstedt. Und noch ein Teil ging von mir ins Museum: Ein Freund meines Sohnes (Markus F.) brachte mir aus Brasilien einen ganz besonderen Becher mit. Auf dem ist die Mannschaft von Gremio Porto Alegre zu sehen. Und? Was ist das Besondere daran? Man erkennt es erst nach dem vierten oder fünften Hinsehen: der Kapitän der Brasilianer hält einen HSV-Wimpel in der Hand! Das Foto wurde am 11. Dezember 1983 vor dem Weltpokal-Finale aufgenommen, der HSV verlor damals mit 1:2 nach Verlängerung.

Bei der Gelegenheit, das schlug mir Andre vor, stelle ich mal die Frage: Wer von Euch hat ähnliche Stücke aus der ruhmreichen HSV-Vergangenheit (und würde sie dem Museum auch eventuell zur Verfügung stellen – ich würde es vermitteln).

So, nun wünsche ich allen Matz-abbern und Ihren Lieben noch ein schönes Wochenende – ohne zu zittern, wie schön dass der HSV schon gespielt hat (und in Mönchengldabach nicht mehr verlieren kann) . . .

16.52 Uhr

Arslan trifft – ein hochverdienter Punkt in Mönchengladbach

24. Februar 2012

Es bleibt bei der positiven Auswärtsbilanz: der HSV ist auch nach dem Auftritt bei der Überraschungsmannschaft der Saison, Borussia Mönchengladbach, seit September 2011 ungeschlagen. Tolgay Arslan besorgte mit seinem Tor in der 56. Minute den für den HSV hochverdienten Auswärtspunkt, wobei der Gastgeber durch Hanke in der 45. Minute mit einem irregulären Treffer in Führung gegangen war. „Erste Halbzeit haben wir zu wenig nach vorne gespielt“, analysierte Frank Arnesen, der sich besonders mit der zweiten Halbzeit zufrieden zeigte: „Da haben wir gezeigt, was wir können. Das war eine sehr gute zweite Halbzeit von uns und ein absolut verdienter Punkt.“ Auch Fink sah das so: „Die erste Hälfte waren wir zu passiv – in der zweiten Halbzeit dann aber so, wie ich es mir vorgestellt habe. Die Jungs haben sich zusammengerissen und verdient einen Punkt geholt. 1:1 in Gladbach ist ein gutes Ergebnis für uns.“

Überraschend ohne Mladen Petric ging es im Borussia Park los. Für den angeschlagenen Kroaten (Fink: „Er hätte zur Not spielen können, ist aber nicht bei 100 Prozent“), der einen Bluterguss im Oberschenkel hat, lief Tolgay Arslan auf. Der wiederum war beim Test gegen Kopenhagen am Montag noch der beste Mann. „Er hat super Trainingsleistungen gezeigt, dazu gut gespielt“, argumentierte Fink vor Spielbeginn, „er hat sich die Nominierung einfach verdient.“ Und das stellte Arslan in der 12. Minute erstmals unter Beweis. Nachdem der HSV bis dahin mehr Ballbesitz aber genauso keine Chance hatte wie die Gastgeber, setzte der Youngster einfach mal zum Schuss an. Der war auch scharf – allerdings zu unplatziert und so für Gladbachs herausragenden Keeper Ter Stegen kein Problem.

Der HSV begann gut. Gewohnt aggressiv und früh störend übernahm die Mannschaft mit Anpfiff das Kommando. Das wiederum war nicht wirklich verwunderlich, schließlich ist das Gladbacher Spiel vornehmlich auf Konter ausgelegt. Die Mannschaft von Trainer Lucien Favre wartet auf Fehler des Gegners und schaltet blitzschnell um. Wie in der 20. Minute, als de Camargo von Hanke frei gespielt wird, seinen Querpass aber zu ungenau ansetzt. Schon hier hätte es so gefährlich werden können wie bei der anschließenden Ecke. Da passten Jacopo Sala und Paolo Guerrero nicht auf und Gladbachs Brouwers nahm den an Freund und Feind gen zweiten Pfosten fliegenden Ball direkt – Dennis Diekmeier rettete auf der Linie. Es erinnerte ein wenig an das Nordderby, wo der HSV am Ball war, der Gegner aber die großen Chancen hatte. In der 28. Minute musste dann Drobny gegen den plötzlich völlig frei vor ihm auftauchenden de Camargo mit einer Fußabwehr retten. Die zweite Hundertprozentige für die Gladbacher, die ansonsten dem HSV den Ball überließen und sicher standen. Arslan? Nach 15 Minuten abgetaucht.

Dennoch, es war in den ersten 45 Minuten sicherlich kein besonders interessantes Spiel, was auch an der Ideenlosigkeit der Hamburger lag. „Wir haben zu viel verteidigt, zu selten konstruktiv nach vorn gespielt. Uns fehlte die Torgefahr“, so Fink anschließend.

Es war allerdings auch kein schlechtes Spiel. Einziges Manko: die Spieleröffnung des HSV. Der HSV hatte Probleme, über Rajkovic und Westermann hinten rauszukommen. Auch, weil es im Mittelfeld und im Angriff bis auf Tomas Rincon zu selten Abnehmer gab. Zu oft wurde der Rückpass auf Drobny gewählt, der den Ball lang rausschlug und damit nicht wenige Ballverluste produzierte. Die bittere Konsequenz: Gladbach ging sogar in Führung. Das allerdings aus klarer Abseitsposition. Arango zirkelte einen Freistoß aus 40 Metern zentral und ungefährlich in den Sechzehner. Hier hatte Jansen seinen Gegenspieler Mike Hanke ins Abseits gestellt – was eigentlich gut war. Allerdings übersah der Linienrichter diese klar und mehr als deutlich erkennbare Abseitsposition und der Gladbacher traf per Kopf zum 1:0. „Abseits“, befand selbst Gladbachs 2. Vorsitzender Bonhof in der Halbzeitanalyse. Wobei, ganz ehrlich, auch nach dem nicht gesehenen Abseits hätte Jansen den Gegentreffer verhindern können und müssen. Aber statt Hanke effektiv zu stören, stand der Linksfuß relativ teilnahmslos hinter dem Gladbacher.

Und die zweite Hälfte begann so, wie die erste geendet hatte: mit bösen Hamburgern. Auf dem Weg in die Kabine hatten sich Fink und sein Assistent Patrick Rahmen das Schiri-Gespann um Günter Perl aus Pullach vorgenommen und sie ob der bitteren Fehlentscheidung zum 0:1 aufgefordert, konzentrierter zu agieren. Selbiges taten seine Mannen mit Anpfiff der zweiten Halbzeit. „Der Trainer hat die richtigen Worte gefunden“, so Arslan, der in der 46. Minute dann gleich die Riesenchance hatte. Von Guerrero freigespielt, zielte er aus 16 Metern nur knapp zu hoch, machte das aber zehn Minuten später besser. Wieder bereitete Guerrero vor, diesmal mit einem gewonnenen Kopfballduell nach einer Ecke gegen den Bayern-Wunschspieler Dante. Guerreros Kopfball landet direkt vor den Füßen Arslans, der aus sieben Metern flach unten rechts einnetzt. Das 1:1. Das absolut verdiente 1:1.

Ein Treffer, der dem stärker werdenden HSV sichtbar Auftrieb gab. Es wurde weiterhin gepresst, und das zumeist effektiv. Lediglich der letzte Pass, die letzte Flanke (Aogo hatte immer wieder gute Möglichkeiten zu flanken) Gladbach wackelte, der HSV baute seine Ballbesitzquote aus, und brachte sich wenn nur selbst in Gefahr. So geschehen in der 75. Minute, wo zunächst ein zu kurzer Rückpass (Drobny rettete per Befreiungsschlag) und anschließend eine schlechte Fußabwehr (jeweils Rajkovic) für Gefahr sorgten. In der 90. Minute dann sogar noch zwei Riesenchancen für die Gladbacher. Zuerst scheiterte Nordveidt mit dem Fuß, anschließend Arango nach einem Eckball per Kopf. Allerdings, und da waren sich anschließend wohl alle einig, ein Gladbach-Sieg wäre zu viel des Guten gewesen. Der Punkt für den HSV war hochverdient.

Auffällig gut war heute ausgerechnet der, auf den die meisten Augen gerichtet waren: Jaroslav Drobny. Der Tscheche war sicher auf der Linie, in der Luft und rettete mit zwei starken Paraden. Er beendete damit jegliche Diskussion, er könne durch das Bekanntwerden der Adler-Verpflichtung nervös werden. Das Gegenteil war der Fall, Drobny agierte so sicher wie zuletzt so oft. Wie fast alle ebenfalls gut: Tolgay Arslan. Der Junge nahm sich seine Auszeiten, war aber der mit Abstand torgefährlichste Hamburger. „Er hat das gemacht, was wir erhofft haben: er hat getroffen“, lobte Fink. „Er hat seine Sache gut gemacht.“ Und er dürfte nach seiner ewig scheinenden Verletzungspause weitere Chancen in der Startelf erhalten.

In diesem Sinne, ich bin zufrieden. Auch, wenn sicherlich mehr drin war und mein Tipp auf einen 2:1-Sieg des HSV knapp verfehlt wurde.

Bis morgen,
Scholle

Adler kommt – und Fink plant den Punkteraubzug mit Drobny

23. Februar 2012

Es waren zwar nur drei Kamerateams vor Ort, aber die hielten allesamt auf Jaroslav Drobny, als der langsam nebst Gojko Kacar gen Trainingsplatz trottet. Denn inzwischen ist klar, dass Rene Adler zum HSV wechseln wird. „Spätestens Mitte nächster Woche wird es eine Entscheidung geben“, sagte Frank Arnesen heute und fügte hinzu: „Und ich bin sehr positiv, dass es klappt.“ Das wiederum würde für den heute von den Kameras eingefangenen Drobny bedeuten, dass er seine Rolle als Nummer eins höchstwahrscheinlich einbüßen würde. Ob er das schon weiß? „Wir reden miteinander“, versichert Arnesen, „und wir werden auch weiter reden. Es ist kein Problem. Zumal, Konkurrenz tut ja auch gut.“ Allerdings, und da wollte auch der dänische HSV-Sportchef auch niemanden täuschen, „wenn es klappt, werden wir mir Drobo natürlich reden. Unsere Priorität ist immer der respektvolle Umgang mit unseren Spielern.“

Und während Drobny in Hamburg bei der 70-Minuten-Einheit auf dem Platz stand, trainierte Adler in Leverkusen nach seiner Verletzung wieder auf dem Platz mit der Mannschaft. Letzte vertragliche Details seien noch zu klären, eine grundsätzliche Einigung ist aber bereits getroffen. Für vier Jahre soll der ehemalige Nationaltorwart an die Elbe wechseln. Was mit Drobny geschieht? Offen. Wobei heute durchsickerte, dass es eine durchaus überraschende Entscheidung bei Drobny geben könne. Da wird von einem Vereinswechsel bis zum freiwilligen Karriereende des Tschechen alles spekuliert. Deshalb lassen wir das hier mal aus.

Zumal ich mir sicher bin, dass der HSV die ganze Personalie gern noch ein wenig unter dem Deckel gehalten hätte. Und so sehr Fink und Co. auch bemüht sind, Drobny eine völlig unbelastete Gemütslage zuzuschreiben, sie wissen, dass erneute Patzer des Keepers eine Diskussion auslösen könnten. Ist Drobny dem Druck gewachsen? War es nötig, diese Personalie so früh zu veröffentlichen? „Das kann man dann ja immer sagen“, versucht Arnesen, ein wenig Brisanz aus der Sache zu nehmen, „aber letztlich ist das eine völlig normale Vereinsentscheidung. Sowas gehört im Profifußball dazu. Und Jaro geht fantastisch damit um. Er ist sehr professionell.“

Das ist auch Adler. Ich habe heute mal mit Jörg Butt gesprochen, der damals den Karrierestart des jungen Adler live miterlebt hat. Und obwohl ihm der damalige Youngster unerwartet vor die Nase gesetzt wurde, findet Jörg nur gute Worte für den bevorstehenden Zugang des HSV. „Ich will mich nicht ausgiebig über ihn äußern“, sagt Butt zunächst, kann sich dann aber doch nicht ganz zurückhalten: „Rene hatte als junger Torwart schon ein außergewöhnlich großes Talent. Das hatte ich so noch nie gesehen. Er sollte damals bei Bayer mein Nachfolger werden, verletzte sich dann aber unglücklich. Daraufhin hatte der Verein Bedenken und gab mir noch mal einen neuen Einjahresvertrag.“ Dennoch, ein Platzverweis in der Bundesliga eröffnete Adler die große Chance – und er nutzte sie, legte eine steile Karriere hin bis zur Nummer eins im deutschen Kasten. „Rene hat alles, was ein Torwart braucht“, lobt Butt, „er ist ein außergewöhnlich befähigter Torwart.“ Und einer, der demnächst nach Hamburg wechselt. Zu dem Verein, bei dem auch Butt spielte. „Ein gesunder, fitter Adler könnte dem HSV ganz sicher helfen“, versichert Butt.

Einzig die Frage, ob das frühe Bekanntwerden dieses Transfers zu großen Druck auf Drobny ausüben könnte, bleibt abzuwarten. Normal gesehen, müsste Drobny dem standhalten. Und daran glaube ich tatsächlich, dafür ist der Tscheche ansonsten zu cool und kümmert sich ’nen feuchten Dreck um das, was andere sagen, denken und machen. Siehe den Umgang mit der Öffentlichkeit. Und auch beim HSV glauben alle an ihre Nummer eins. Die Spieler, der Sportchef – und der Trainer? Wie Fink das sieht? Kein Kommentar. Der Trainer wollte sich nicht zu dem Thema äußern, bevor es vertraglich fixiert ist.

Verständlich. Ebenso wie die Tatsache, dass der HSV-Trainer Jeffrey Bruma wieder nominierte. Für den zuletzt formschwachen Niederländer blieb Per Skjelbred in Hamburg. Der Norweger habe zwar gut trainiert, allerdings sei auswärts ein Defensivspieler mehr die bessere Lösung, sagte Fink nach dem Training, das für ein Abschlusstraining erstaunlich kurzweilig war. Zunächst wurde mit verschiedenen Bällen Handball gespielt. Wobei Zweikämpfe in aller Form erlaubt waren – und das führte zu zeitweise harten (aber nie gesundheitsgefährdende) Tacklings. Immer mittendrin: David Jarolim. Der Tscheche hat seine Rückenprobleme auskuriert und wird am Freitag im Borussia-Park in der Startelf stehen. „Ein bisschen Schmerz muss schon sein“, scherzte der eigentlich schon aussortierte Mittelfeldspieler vor dem Training, „dann weiß man, dass man noch lebt.“

Nicht viel wusste Jacopo Sala. „Mönchengladbach ist der Gegner“, so der italienische Youngster, „viel mehr weiß ich nicht. Ich weiß nicht mal, wo Gladbach liegt.“ Soweit, so gut. Oder eben auch nicht. Denn als er uns dann offenbarte, dass er auch nicht wüsste, ob die U21-Nationalelf, für die er auflaufen soll, für die Olympischen Spiele qualifiziert sei, musste ich schon schlucken. Sind die Profis tatsächlich so abgestumpft, dass sie sich mit ihrem Job nur noch soweit befassen, wie es sie höchstpersönlich betrifft? Einer meiner HSV-Reporter-Kollegen hatte dazu eine These, die ich nicht ausschließen will. Er glaubt, unter den Spielern gebe es nicht einen Profi, der sich so viel mit der Bundesliga beschäftigt, wie wir Journalisten und ein großer Teil der deutschen Fußballfans. Wobei das kein landesspezifisches Phänomen sei, also auch für die anderen Fußballnationen gelten würde. Und ich muss sagen, diese These ist nicht ganz von der Hand zu weisen.

Aber was soll’s, sie sollen gut Fußball spielen. Dafür werden sie bezahlt. Und das macht Sala. Auch wenn er in unserer Runde heute irgendwie genervt wirkte, im Abschlusstraining war er wieder voll da. Dass ihm mit Ivo Ilicevic und auch dem voraussichtlich am Montag wieder ins Mannschaftstraining einsteigenden Gökhan Töre zwei schwere Kaliber den Platz auf der rechten Außenbahn streitig machen wollen – für ihn kein Problem. „Ich kann es eh nicht ändern. Das sind beides richtig gute Jungs, die auf den Platz gehören. Aber ich gebe alles, ich will da auch nicht weg.“ Im gegenteil, Sala würde sich sogar wünschen, einmal zusammen mit seinem Freund aus Chelsea-Zeiten Töre im Mittelfeld zusammenzuspielen. „Wir kennen uns, mögen uns und wissen, was der andere macht. Das könnte passen.“

Sala wirkt auf den Fußball angesprochen erstaunlich klar. Er beansprucht keinen Status, er sieht sich selbst noch am Anfang, in der Bringschuld. Dass er sich ansonsten nicht intensiver mit seinem Arbeitsumfeld auseinandersetzt – es ist nunmal so. Heute muss man sich einfach davon lösen, dass es noch Idealisten unter den Kickern gibt. Eine Begleiterscheinung der steigenden Löhne im Millionenbusiness. Und bis wir uns wieder über derartige Dinge Gedanken machen sollten, müssen erst einmal Punkte her. Damit beende ich hier eine selbst inszenierte Diskussion, die mich deprimiert.

Fink plant den Punkteraubzug mit der Startelf der Vorwoche:
Drobny – Diekmeier, Westermann, Rajkovic, Aogo – Rincon, Jarolim – Sala, Jansen – Petric, Guerrero.
Weiter im Kader stehen Neuhaus (Tor), Arslan, Bruma, Ilicevic, Kacar, Mancienne, Son, Tesche. Gelbsperre droht: Aogo, Mancienne, Westermann (je vier Gelbe).
Die Borussia könnte mit folgender Elf auflaufen: ter Stegen – Jantschke, Brouwers, Dante, Daems – Nordtveit, Neustädter – Reus, Arango – Hanke, de Camargo. Gelbsperre droht: Jantschke, Nordtveit (jeweils vier Gelbe Karten).

Klingt nach einem spannenden Spiel. Zumal ich mir sicher bin, dass die Mannschaft auswärts geduldiger und defensiv wieder disziplinierter auftreten wird als zuletzt gegen Werder. Da hatte man als Zuschauer das Gefühl, die Mannschaft wolle sich zerreißen, möglichst schnell entscheidende Treffer landen. Umso schmerzlicher war für uns das 0:1 nach der gefühlt ersten Ballstafette der Gäste – und für die Spieler war es ein Schock. Als das 0:2 fiel, schien alles vorbei, trotzdem kam die Mannschaft in der zweiten Hälfte noch mal auf. Dieser Einsatz, den Fink anschließend als eigentlich gut lobte und lediglich die individuellen Fehlern anprangerte, gepaart mit der Ruhe und Abgeklärtheit des Spiels in Köln und wir dürfen uns ernsthafte Hoffnungen machen. Auch wenn das bedeuten würde, dass Dieter und ich im nächsten Video unsere hässlichen Stumpen auf dem Axel-Springer-Dach entblößen müssen…

In diesem Sinne, auf ein gutes Spiel in Mönchengladbach. Ich freue mich auf die Partie.

Bis morgen,
Scholle (19.31 Uhr)

Mönchengladbach – das neue Vorbild

22. Februar 2012

„Wenn Jaro noch irgendwelche Probleme hat, spielt Gojko“, hatte Trainer Thorsten Fink vor dem Nachmittagstraining angekündigt. Ansonsten gab es keine großen Befürchtungen, dass ein Spieler passen müsste. Zumindest nicht, bis Jaroslav Drobny nach zehn Minuten Training wortlos den Platz verließ und gen Kabine stapfte. „I don’t talk to the press“, waren die einzigen Worte des grummelig schauenden Keepers bei dessen Abgang. Nun war es nichts Neues, dass er nicht mit uns Pressleuten sprechen will – aber ein wenig bange wurde mir dann trotzdem. Schließlich hatte ich am Montag das Testspiel gegen Kopenhagen gesehen und dabei feststellen müssen, dass der momentane Ersatztorwart Sven Neuhaus (Tom Mickel fehlt wegen Hand-OP) sicher noch kein annähernd adäquater Ersatz wäre. Und plötzlich rückt er in die Startelf. Ausgerechnet beim Top-Spiel in Mönchengladbach? Oha…

Aber, um fair zu bleiben, Neuhaus kann kein adäquater Ersatz sein. Wie auch? Dem Ersatzkeeper fehlt es bei gerade drei Einsätzen für die U23 an Spielpraxis – ganz klar. Und eben genau so deutlich zu sehen. Denn Neuhaus ließ Bälle fallen, spielte Fehlpässe und brachte seine Teamkameraden mit kurzen Abwürfen und Abschlägen immer wieder in Bedrängnis. „Sven wird auf jeden Fall auf der Bank sitzen“, stellte sich Trainer Thorsten Fink nach dem Training demonstrativ hinter Neuhaus und gab damit Entwarnung. „Dass Drobo so früh reingeht, war mit dem Torwarttrainer abgesprochen. Er wird in Gladbach spielen können.“ Trotz Kniereizung.

Klar ist aber auch, dass der HSV auf der Torwartposition Nachholbedarf hat. Eine gute Nummer eins und zwei Ersatzleute, die ihre Bundesligatauglichkeit nur bedingt (Mickel) oder gar nicht (Neuhaus) unter Beweis stellen konnten. Es herrscht ein Bedarf, der mit Leverkusens aussortiertem Torwart Rene Adler gedeckt werden könnte. Dass der ehemalige Nationalkeeper beim HSV hoch im Kurs steht, ist seit Monaten bekannt. Heute hieß es dann bei meinen zumeist sehr gut informierten Kollegen von der „Bild“, dass es plötzlich ganz schnell gehen könnte. Ich setzte nach und versuchte mein Glück beim HSV. Zunächst hieß es nur, es gebe nichts Neues. Auch im Aufsichtsrat war niemand beunruhigt, niemand in Alarmbereitschaft. Allerdings müssen die Kontrolleure auch erst acht Stunden vor einer möglichen Unterschrift informiert werden. Dennoch wurde mir gesagt, dass die Geschichte eher aus dem Leverkusener Raum lanciert sei. Allerdings, und das sagte niemand geringeres als der Sportchef Frank Arnesen meinem Kollegen Kai Schiller, könnte es tatsächlich schnell gehen. „Innerhalb der nächsten Woche kann es eine Entscheidung geben – innerhalb der nächsten Wochen wird es eine Entscheidung geben.“ So oder so.

Ich kann nur hoffen, dass sich Drobny von dieser Diskussion nicht beeinflussen lässt. Bislang konnte mich der Tscheche nach einer kurzen Schwächephase zu Saisonbeginn komplett überzeugen. Mehr noch, ich finde, Drobny ist zusammen mit Heiko Westermann der vielleicht konstanteste Spieler beim HSV. Selbst mit seiner Konsequenz, nicht mit uns Presseleuten zu sprechen, komme ich irgendwie klar. Er ist vielleicht etwas sensibler als sein Kollegen und diesem Fall nicht besonders professionell – aber menschlich ist seine Reaktion für mich nachvollziehbar. Immerhin hat Drobny am Anfang mächtig Kritik einstecken müssen. Teilweise wurde ihm sogar die Bundesligatauglichkeit abgesprochen. Dass er sich von den selben Leuten nicht feiern lassen will – absolut okay. Er weiß nur zu gut, dass es auch mal wieder schlechter werden kann.

Aber damit darf er sich noch Zeit lassen. Zumindest so lange, bis der HSV adäquaten Ersatz hat. Ob das ein Rene Adler ist? Wenn der 27-Jährige wieder richtig gesund wird und fit ist, bestimmt. Das hat Adler sowohl in Leverkusen als auch in der Nationalmannschaft bewiesen. Aber braucht der HSV neben Drobny eine zweite Nummer eins? Oder wird gar ohne Drobny geplant? Immerhin steht es so gut wie fest, dass zur neuen Serie mindestens ein junger deutscher und talentierter Keeper verpflichtet wird. Wenn nicht Adler, stünde zudem mit Kaiserslauterns Kevin Trapp ein zweiter Kandidat bereit, mit dem der HSV schon gesprochen hat. Und auch der hätte den Anspruch, wie bei seinem alten Klub als Nummer eins zu spielen.

Aber okay, zurück zur Hoffnung. Zu der Hoffnung, dass Drobny weiterhin so cool und unberührt mit der Diskussion um seine Person umgeht wie bisher. Denn nach einem etwas schwächeren Spiel gegen Bremen soll in Mönchengladbach wieder die Null stehen. Ausgerechnet bei dem Klub, über dessen gnadenlose Effektivität im Angriff derzeit bundesweit lobend gesprochen wird. Dennoch glaubt Fink an die von ihm immer wieder geforderte Dominanz seiner Mannschaft auch in Gladbach – und warnt zugleich: „Die Gladbacher haben eine Mannschaft, die sicherlich nicht unbedingt viel Ballbesitz hat, dafür aber enorm gefährlich ist bei Kontern. Sie stehen sehr kompakt und schalten blitzschnell um.“ Gut für den HSV: Mit Patrick Herrmann fällt ein wichtiger Baustein der Gladbacher Offensive aus. Für den 21-Jährigen rückt Shootingstar Marco Reus auf die rechte Seite. „Aber sie werden deswegen nicht ihr System umstellen“, warnt Fink, „sie haben spielerisch alle Facetten parat.“

Dennoch geht Fink auch in Gladbach von mehr Ballbesitz für seine Mannschaft aus. Wie zuletzt fast immer. Mit dem Unterschied, dass sich die Mannschaft diesmal nicht auskontern lassen will wie gegen Bremen. „Wir haben schlecht umgeschaltet“, sagt Abwehrchef Heiko Westermann, der heute nicht für das Länderspiel gegen Frankreich nominiert wurde. Ob er enttäuscht ist? „Natürlich ist man ein wenig enttäuscht“, so Westermann, der sich in der vergangenen Woche mit dem Bundestrainer unterhalten hatte. Dabei hatte ihm Joachim „Jogi“ Löw eröffnet, dass er sich durchaus noch berechtigt Hoffnungen auf eine Nominierung für die EM im Sommer machen dürfe. „Mir stehen die Türen offen, es liegt an mir“, so Westermann heute sichtlich enttäuscht. Auch er dürfte wissen, dass sich seine Chancen mit der Nichtnominierung auch nicht verbessert haben dürften.

Das wiederum kann der sympathische Mannschaftskapitän selbst am besten ändern. Mit weiterhin guten Leistungen. So ein Klops wie der Zusammenprall mit Slobodan Rajkovic wird ihm sicher nicht noch mal passieren. Drei Minuten habe es gedauert, da sei der Lapsus besprochen gewesen, sagte uns Westermann heute. „Wir haben einfach nicht miteinander gesprochen“, so Westermann, der auch in Gladbach mit Rajkovic die Innenverteidigung bilden wird, wie Fink verriet. Der Trainer plant insgesamt keine Umstellungen. „Die Mannschaft hat in den letzten Wochen nicht schlecht gespielt“, so Fink. „Wir müssen nur die individuellen Fehler abstellen und uns besser positionieren.“ Er würde genau die Ruhe bewahren, die Gladbach zum heutigen Erfolg geführt habe: „Wenn man die Entwicklung von Mönchengladbach sieht, zeigt das, dass es sich lohnt, wenn man ruhig bleibt. Wenn man die Mannschaft hat, die mitzieht, kann man was erreichen.“ Und genau eine solche Mannschaft habe er.

Dabei ist Mönchengladbach tatsächlich und ähnlich wie Borussia Dortmund ein sehr gutes Beispiel für den HSV. Denn auch die Gladbacher waren vor dem letzten Trainerwechsel Tabellenletzter. Das allerdings in einer vergleichsweise aussichtslosen Position. „Mich wundert der sensationelle Saisonverlauf der Gladbacher nicht wirklich“, hatte mit Ex-HSV-Coach Armin Veh vor kurzem gesagt. Und er hatte es auch gleich argumentiert. „Gladbach war, wenn man nur die Rückrunde gewertet hätte, Siebter – Tendenz steigend. Sie haben in der Rückrunde ganz stark gespielt und ihren Weg vom abgeschlagenen Tabellenletzten einfach konsequent und konstant fortgesetzt. Bis heute.“

Stimmt. Sollte dem HSV eine Fortsetzung der eigenen Auswärtsserie – seit dem fünften Spieltag in der Liga ohne Niederlage – gelingen, würde sich Fink seinem erklärten Ziel, den Top Ten, deutlich nähern. Und sollte er darüber hinaus sogar am Ende den siebten Tabellenplatz schaffen, wen stört es? Dann würde der HSV aller Wahrscheinlichkeit nach international dabei sein und hätte genau den Startplatz der Borussen. Und was daraus in der kommenden Serie werden könnte, haben Lucien Favre und Co. ja demonstriert.

In diesem Sinne, Träumen bleibt erlaubt – realistisch sein ist aber nach zuletzt immer wieder geplatzten Träumen angesagter. Deshalb zählt erst einmal nur das Spiel bei der Borussia. Und die drei Punkte dort. Mit Drobny -und ohne Adler. Mit weiterhin 14 fehlenden Punkten, um den Abstieg sicher zu vermeiden. Und mit David Jarolim, der wegen seiner Rückenprobleme bislang zwar passen musste, heute aber problemlos mittrainieren konnte. „Wenn nichts Schlimmeres passiert, kann ich spielen“, sagte der Tscheche heute und bietet seinem Trainer somit die Möglichkeit, seine Mannschaft zwei Spielen in Folge identisch aufzustellen. Das hatten wir auch lange nicht mehr. Mal sehen, was es bringt…

Bis morgen!

Scholle (18.53 Uhr)

Arslan: “Von nichts kommt nichts”

21. Februar 2012

Bevor ich zum heutigen HSV-Tag komme:
Hiermit entschuldige ich mich für die Falschmeldung mit den in Benzin getränkten Fahnen, die zwei HSV-Fans vor dem Werder-Spiel in der Arena versteckt haben sollten. Das stimmt nicht. Ein netter Kollege hatte dies von der Polizei aufgeschnappt, wir sollten – auch ich – gegen Nennung seiner Redaktion darüber berichten, ich hielt mich nicht daran – und stehe nun dumm da. Zumal es auch am Montag noch über die Agentur verbreitet worden war. Deshalb nahm ich das als verbrieft an – sorry, mein Fehler, es tut mir ehrlich leid. Diese beiden Fahnen sollen nicht mit Benzin in Berührung gekommen sein, sondern mit Verdünner. Genau das stank und löste den „Benzin-Alarm“ aus. Da ich nicht dabei war, habe ich dem Kollegen und der Agentur vertraut, das war mein Fehler – Entschuldigung. Und ich hoffe, dass diese Entschuldigung ausreichen wird, sie ist ehrlich gemeint.

Zum Sportlichen. Ungemütlich war es auch an diesem Dienstag im Volkspark, denn Schnee, Regen, Kälte und der pfiffige Wind sorgten für ein wenig „widrige Verhältnisse“ beim Vormittagstraining. Noch immer ohne Gökhan Töre – leider. Und ich gebe zu, dass ich nach einer Stunde die Nase voll von diesem neuerlichen Winter hatte. Auch deshalb, um Tolgay Arslan im Stadion nicht zu verpassen. Der Mittelfeldspieler stand uns heute zur Verfügung – und ich muss sagen, dass er auf mich einen richtig tollen Eindruck gemacht hat. Vor zwei Jahren war der aus Dortmund zum HSV gekommene Profi noch ein wenig verschlossen, aber heute saß ein junger, selbstbewusster Mann vor uns. Das hat mir gewaltig imponiert. Und auch deshalb glaube ich, dass wir alle von Arslan noch in dieser Saison einige gute Sachen sehen und hören werden.

Am Montag, im Testspiel gegen Kopenhagen (2:3), war der 21-Jährige der beste Mann auf dem Platz, schon bei seinem Kurz-Einsatz gegen Werder Bremen kassierte er viel Lob. Es läuft gut für ihn – endlich. Ein halbes Jahr lag Arslan auf Eis, nach einem üblen Tritt des Wolfsburgers Dejagah. „Jetzt bin ich nur froh, dass ich wieder spielen kann, ich habe mich über die 90 Minuten gegen Kopenhagen gefreut, da war es auch egal, wie dieses Spiel endete. Ich habe fast keine Schmerzen mehr gespürt“, sagt Arslan. Fast? Wieso fast? Tolgay Arslan: „Na ja, ein bisschen spüre ich immer noch, das wird wohl auch noch einige Zeit dauern – und ein bisschen spielt auch der Kopf dabei ein Rolle. Wenn man so lange verletzt war wie ich, dann ist das nicht so schnell abgehakt.“

Der HSV ist um eine Vertragsverlängerung mit seinem Talent bemüht, und eigentlich sollte diesem Bemühen nichts entgegenstehen: „Ich habe gut gearbeitet, komme gut rüber, zolle dem Verein auch Respekt – deswegen will man wohl mit mir verlängern. Und ich fühle mich jetzt viel weiter als noch vor zwei Jahren, da war ich noch nicht so weit wie jetzt, ich fühle mich wohl in der Mannschaft, bin auch angekommen und fühle mich akzeptiert, ich bin glücklich beim HSV – klar ist es mein Wunsch, hier zu verlängern.“

Blickt er im Zorn zurück auf Dejagah, der ihm ja ein halbes Jahr als Profi-Fußballer „weggetreten“ hat? Tolgay Arslan: „Ich denke nichts Schlechtes über ihn. Das ist halt passiert, so ist Fußball. Kann sein, dass es unnötig war, aber ich habe es abgehakt. Ich gucke jetzt nur noch nach vorne und stehe darüber.“ Zu Saisonbeginn hatte der HSV Arslan aus Aachen zurück nach Hamburg geholt, beim Zweitliga-Klub Alemannia hätten sie ihn gerne behalten, sie weinen ihm heute noch Tränen nach. Wäre er auch gerne in Aachen geblieben? Er sagt: „Daran denke ich nicht mehr. Wenn ich fít gewesen wäre, dann hätte ich sicherlich auch beim HSV meine Einsätze gehabt, denn ich bin ja gut in die Saison gekommen. Arslan hat die Ernsthaftigkeit des Profi-Lebens längst erkannt, er bedient sich eines Mental-Trainers und eines Fitnesscoaches. Der HSV-Spieler hat auch während der Sommerpause jeden Tag für sich (mit dem Fitnesscoach aus seiner Heimatstadt Paderborn) trainiert. Auch das imponiert mir gewaltig – der Mann hat es erkannt, dass man einiges und viel tun muss, um oben dran zu bleiben. Hut ab! Vornehmlich wurde an der Schnelligkeit und an der Spritzigkeit gearbeitet. Wenn doch viele, viele junge Profis mehr erkennen würden, dass sie auch selbst viel für sich tun können – statt sich nur und ausschließlich auf das Training im eigenen Verein zu verlassen.

Jetzt hofft Tolgay Arslan darauf, dass der HSV eine Siegsserie starten kann, um sich „endgültig von unten abzusetzen“, und für sich hofft er darauf, dass er Schritt für Schritt in die Mannschaft kommt: „Ich hoffe, dass ich in Mönchengladbach zum Kader gehören werde – und danke dem Trainer jetzt schon mal für das Vertrauen, das er mir geschenkt hat. Das ist für mich ganz wichtig, dass man das Vertrauen hat, dass man ein positives Signal vom Trainer bekommt, und das bekomme ich hier. Er ist in einer noch jungen Karriere der beste Trainer, den ich hatte, ich sehe, dass er mich voranbringen kann, und ich kann vielleicht auch bald die Mannschaft voranbringen. Mein Ziel ist es, auf Dauer Stammspieler zu werden – klar, sonst wäre ich nicht zum HSV zurückgekommen.“

Und auf welcher Position sieht er sich in der Mannschaft? Er sagt: „Ich bin da ganz flexibel, aber meine Lieblingsposition wäre hinter der Spitze zu spielen. Aber ich kann auch außen spielen, und ich bin ja auch zuletzt auf der Sechs ins Team gekommen – das war auch ganz okay.“ Ganz klar, Arslan ist reifer geworden, selbstbewusster – und er weiß, was von ihm verlangt wird, er weiß aber auch genau, was er will: „Ich hoffe, dass ich hier eines Tages eine große Rolle spielen werde, dass ich dann auch Führungsqualitäten habe, aber das geht nur über harte Arbeit. Und so muss ich auch weitermachen – von nichts kommt nichts.“ Und er ist ehrgeizig: „Ich bin ein Typ mit Emotionen, ich kann nicht verlieren. Ich will jedes Spiel gewinnen, egal ob im Training oder auf Playstation. Ich will gewinnen, und dafür gebe ich immer alles. Man kann sich auf dem Platz auch mal beleidigen, aber das muss nach dem Spiel vergessen sein – die Hauptsache sind die drei Punkte. Ich hasse es, zu verlieren.“

Das geht wohl vielen HSV-Profis – und nicht nur ihnen – so. Aber was wird es am Freitag geben, wenn der HSV in Mönchengladbach auf die Borussia trifft? Eine Hamburger Niederlage wäre wohl normal. Das sieht der ehemalige Gladbacher Marcell Jansen ähnlich: „Die Borussia hat einen sensationellen Lauf. Was auch an Trainer Lucien Favre liegt, dessen Konzept und Vorstellungen vom Fußball großartig und auch sensationell von der Mannschaft umgesetzt werden.“ Dann erklärt Jansen: „Fußball ist ja ein relativ einfacher Sport: Wenn alle im Team mit zurück arbeiten, wenn alle versuchen, den Erfolg der Mannschaft in den Vordergrund zu stellen, dann wir man auch Erfolg haben. Das hat Dortmund in den letzten Jahren hervorragend vorgemacht, dass hat Gladbach mit dieser Mannschaft, die im vergangenen Jahr fast abgestiegen wäre, nun ebenfalls super übernommen. So muss man Fußball spielen, um Erfolg zu haben, und dann braucht man natürlich auch etwas Glück dazu – und das hat Gladbach jetzt, hat es sich auch hart erarbeitet.“

Wobei Jansen auch noch hinzufügt: „Für mich ist es heute noch unbegreiflich, es auch immer sein wird, das ist die Tatsache, dass die Borussia 2011 nicht abgestiegen ist. Das ist Wahnsinn. Es war doch schon vorbei, die Mannschaft war abgeschlagen Tabellenletzter und für mich eigentlich schon abgestiegen. Und es ist für mich ein Kunstwerk, das der Trainer dann geschaffen hat, dass er mit diesem Team nicht abgestiegen ist. Das ist eine hervorragende Arbeit des Trainers, die jetzt mit der Spitzenposition belohnt wird.“

Zur Verletztenlage des HSV: David Jarolim hat „Rücken“, hat heute das Training ziemlich früh abgebrochen. Der Tscheche aber soll morgen schon wieder (um 15 Uhr im Volkspark) mit der Mannschaft am Start sein. Ebenso wie Jaroslav Drobny, der heute wegen kleinerer Knie-Beschwerden pausierte. Deshalb wurden heute zwei Nachwuchstorhüter von Torwarttrainer Ronny Teuber hart rangenommen: Florian Stritzel (18) und Tino Dehmelt (20). Der zurzeit zweite Mann, Sven Neuhaus, lief (wegen des Testspiels am Vortag gegen Kopenhagen) mit der gesamten B-Vertretung aus, ging nach 35 Minuten in die Kabine. Apropos: Neuhaus sah gegen die Dänen nicht besonders gut aus, müsste aber zwischen die Pfosten, falls Drobny einmal ausfallen sollte – weil Tom Mickel ja bekanntlich noch viele Wochen ausfallen wird. Was mich gerade beschleicht: Möge der Fußball-Gott verhindern, dass Drobny einmal nicht spielen kann, denn Neuhaus fehlt sämtliche Spielpraxis, es müsste in meinen Augen schon ein Wunder geschehen, wenn er – im Notfall – zwischen die Pfosten müsste – und trotz allem geht alles gut. Kann (dann) eigentlich nicht – nach dieser unsicheren Vorstellung gegen Kopenhagen.

Und noch einmal Kopenhagen: Marcus Berg mischte ja wieder mit, war aber von Bestform noch meilenweit entfernt. Und wird es wohl auch noch in den nächsten Tagen (und Wochen?) bleiben. Da fehlt zu viel, der Schwede meidet das körperliche Spiel, geht den ganz harten Zweikämpfen aus dem Weg – er wird noch tüchtig trainieren müssen, um ganz den Anschluss an die Kollegen zu schaffen.

Und noch ein Thema bewegt ja in diesen Tagen (viele Fans – auch hier): Dennis Aogo und die Standards. Ich gebe ja zu, dass der Nationalspieler zuletzt keinen besonders glücklichen Fuß bei seinen Schüssen und Flanken hatte, aber muss ein HSV-Fan dann einen HSV-Spieler, der noch dazu aktueller Nationalspieler ist (!) wirklich so hart kritisieren? Mir tut es weh, wenn ich so manchen Beitrag hier lese, dass hat nämlich kein HSV-Spieler (von einem HSV-Fan) verdient. Thorsten Fink wird schon wissen, was er in Sachen Standards unternehmen muss, damit es wieder besser wird. Deshalb bitte ich um Vertrauen, dass der Trainer diese Sache auch anpacken wird. Wenn ich meinen Senf noch kurz dazu geben darf: Ich finde es immer wieder befremdlich, wenn sich zwei oder drei Spieler „streiten“, bevor der Freistoß ausgeführt wird. Das verunsichert jeden Schützen, er wird dadurch nur noch zusätzlich unter Druck gesetzt. Deshalb sollte es – in den meisten Fällen – klare Ansagen geben, wer von wo aus welcher Position schießen sollte. Alles andere – so empfinde ich das – ist amateurhaft.

Wobei ich kurz bei mir gelandet bin (Verzeihung!), denn am 18. September 1965 durfte ich zum ersten Mal im Volksparkstadion spielen. Punktspiel der Jungmannen von BU gegen den HSV. Das Hauptspiel sahen später 49 000 Zuschauer, es ging gegen – na, wen? Klar, Mönchengladbach. Die Borussia war Aufsteiger damals, mit Spielern wie Berti Vogts, Herbert Laumen, Jupp Heynckes, Bernd Rupp, „Amigo“ Elfert und Günter Netzer. Der HSV gewann nach Toren von Bernd Dörfel, Manfred Pohlschmidt, Peter Wulf, Uwe Seeler und Holger Dieckmann mit 5:0. Diesmal würde mir schon ein 1:0-Sieg des HSV genügen . . .
Übrigens verloren wir damals mit BU 2:4 – und ich traf dabei gleich zweimal. Einmal ins eigene Tor, dann verwandelte ich einen Elfmeter. Für alle diejenigen, die sich nun mit „freuen“ (wegen des Eigentores): Wir wurden mit BU am Saisonende in der ersten Hamburger Klasse (mit HSV, St. Pauli, Altona 93, Concordia, Paloma, und, und, und) dennoch Staffelmeister. Auch weil wir den HSV im Rückspiel (in Ochsenzoll) 3:2 besiegen konnten – unter den Augen von Uwe Seeler. Das aber nur am Rande.

18.25 Uhr

Nächste Einträge »

In eigener Sache
Pfeil
0  00 : 00 : 00
Tage  Std.  Min.  Sek.