Monatsarchiv für Januar 2012

Ein unfassbares 1:5-Debakel gegen den BVB

22. Januar 2012

Das war eine Lehrstunde. Nach dem gelungenen Trainingslager. Und ein völlig verpatzer Start des HSV in die Rückrunde. Dortmund war drei Nummern zu groß. Der Abstiegskampf hat uns wieder. Oder – der Abstiegskampf geht weiter. Wer etwas anderes erwartet hatte, der sieht sich hoffentlich nach diesem Kick auf dem Boden der Realität. Das war wie Bubis gegen Männer, wie Knaben gegen Erwachsene – das war gar nichts. Die vernichtende 1:5-Niederlage gegen Dortmund fiel eigentlich noch relativ knapp aus, denn der Unterschied zwischen Meister und Lehrling war riesig. Zufällig hörte ich, was Sky-Reporter Fritz von Turn und Taxis nach dem 0:2 von Lewandowski für seine Zuseher über den HSV befand: „Das ist Regionalliga . . .“
Wenn überhaupt.
Freunde, das Leben ist hart, und so wird es auch in den nächsten Wochen. Machen wir uns nichts vor, der Umbruch fordert seinen Tribut, der HSV ist Mittelmaß oder noch darunter, es dürfte noch ganz, ganz eng werden. Natürlich kann man gegen den Meister verlieren – aber doch nicht so! Wo war die Qualität, von der Trainer Thorsten Fink so oft und so gerne spricht? Angsthasen-Fußball war das.

Schon nach dreieinhalb Minuten hätte Dortmund 3:0 führen können. Bender, Lewandowski und Subotic hatten die Führung auf dem Fuß (oder auf dem Kopf). Das war erschreckend. Und glich einer Vorführung. Der HSV wirkte total hilflos und überfordert, Rückpässe auf Torwart Drobny über 30 Meter waren keine Seltenheit. Wer will einen solchen Fußball sehen? Obwohl ich sogar Verständnis hatte. Der HSV musste irgendwie versuchen, Ruhe in dieses Spiel zu bekommen, denn mitspielen mit dem Meister, das ging vom Anstoß an nicht gut, nein, es ging sogar gar nicht. Die Dortmunder attackierten jeden ballführenden Hamburger sofort, und die so verunsicherten (wieso eigentlich= Nach der Vorbereitung) HSV-Profis retteten sich dann zu 90 Prozent mit Quer- und Rückpässen. Unfassbar.

Vor dem 0:1 verhinderte noch einmal Heiko Westermann das eigentlich längst überfällige erste BVB-Tor, indem er Lewandowski per Grätsche noch am Einschuss hinderte (12.). Aber das war nur ein kurzer Zeitaufschub. In der 16. Minute war es dann so weit. Vier Hamburger gegen fünf Dortmunder (wo waren die anderen Hanseaten gerade?), die Jungs in Gelb spielten Jo-jo, Großkreutz traf mühelos an Jaroslav Drobny vorbei. Der HSV-Keeper war zuvor nicht ganz unschuldig an diesem Gegentor, denn er hatte den Ball nur schlecht nach vorne und in die Reihen der Dortmunder gespielt .

Wahnsinn.

Auch deshalb, weil Paolo Guerrero im Gegenzug das 1:1 hätte machen müssen. Der Peruaner köpfte nach Aogos Maßflanke aus fünf Metern – genau sich an, der Ball trudelte harmlos ins Aus. Und Sekunden danach noch einmal Guerrero, der in einen Flachschuss von Robert Tesche rutschte, die Kugel aber knapp verfehlte. Auch das hätte das 1:1 sein können.

Das zweite Tor des Nachmittags fiel dann auf der Gegenseite. Eigentlich erwartet. Aber wie es fiel?! Lewandowski zog spielerisch an der auf einer Höhe stehenden HSV-Defensive vorbei und schoss ohne Mühe ein. Das war wie im Wintersport, wie in Kitzbühel. Da wurden heute ja auch jede Menge Slalomstangen umkurvt, und eine solche stehende Rolle spielte (nicht nur in dieser Situation) die HSV-Abwehr. Kümmerlich. Der letzte Mann (in dieser Szene) war Dennis Aogo, und der konnte auch nicht mehr entscheidend eingreifen – er grätschte ins Leere (38.).

Der HSV war schon da nur in der Statisten-Rolle. Auf der Tribüne wurde vielfach gerätselt (und auch kritisiert!), dass statt Heung Min Son nun doch Robert Tesche aufgelaufen war. Ich muss sagen, dass ich dafür absolutes Verständnis hatte. Für m ich hat Thorsten Fink genau die richtige Maßnahme getroffen, denn der BVB hat bekanntlich zwei unheimlich offensive Innenverteidiger (mit Hummels und Subotic), und auf die sollte Tesche ein Auge werfen. Son hätte das garantiert nicht gekonnt. Zumal er ja in dieser Saison bislang noch keine überzeugenden Einsätze gehabt hat. Und die Personalie Tesche/Son hat sicherlich keine spielentscheidende Auswirkung gehabt. Es lag nicht an Tesche, dass der HSV unterging. Das lag an allen. Wohl aber auch an Tesche. Mir tat dabei der auf der Bank sitzende David Jarolim Leid, aber dieses leidige Thema will ich gar nicht mehr vertiefen, das sollen die HSV-Verantwortlichen mit sich im stillen Kämmerlein ausmachen.

Was auffällig war, das war die hoffnungslose Unterlegenheit im Kopfballspiel. Jeder Eckstoß und jeder Freistoß, der hoch in den Hamburger Strafraum segelte, war ein gefundenes Fressen für die Dortmunder. Ein Wunder, dass dadurch keine weiteren Gegentore gefallen sind, ein echtes Wunder. Westermann, der sonst noch ein kopfballstarker Spieler ist, schaffte es nicht, Subotic in der Luft entscheidend zu stören. Und auch alle anderen Hamburger versuchten sich nur als körperloser Begleitschutz, das war der schönste Escort-Service. Die Pfiffe während der Partie, das Pfeifkonzert zur Halbzeit waren deswegen nicht nur verständlich, das alles war auch völlig berechtigt.

Mladen Petric kam zum zweiten Durchgang für Gojko Kacar, aber was sollte der Kroate noch retten? Er rettete nichts mehr. Das 0:3 war dann das Ende. Eckstoß für den HSV (58.), Jeffrey Bruma verdaddelte den Ball am Sechszehner der Dortmunder, es lief ein mustergültiger Konter – Kuba schoss aus 15 Metern flach ins lange Eck. So geht Fußball. Und so einfach geht Fußball. Wenn man die Qualität hat.

Lichtblicke beim HSV?
Sicherlich Jaroslav Drobny, der noch hielt, was zu halten war. Beim 0:1 aber leider auch beteiligt. Dennis Diekmeier viel unterwegs, aber es kam null dabei herum. Auf jeden Fall viel zu wenig. Jeffrey Bruma wie immer – eigentlich ganz solide, aber er hat eben noch immer wieder seine jugendlichen Aussetzer. Kapitän Heiko Westermann. Versuchte alles, ging aber restlos mit seinem Dampfer unter. Links hatte Dennis Aogo nach vorne viele sehr gute Szenen, jawohl, sehr gute Szenen, aber nach hinten war er dann doch nicht ganz so stark. Aber er versuchte es immerhin immer wieder . . .

Tomas Rincon engagiert, lauffreudig, aber in der meisten Zeit spielerisch zu weit von Bestform entfernt. Und völlig von der Rolle war Gojko Kacar. Mein Gott, was hat Hamburg aus dem Serben gemacht? Der Mittelfeldspieler ist ja nicht mal mehr ein Schatten von dem, was er einst mal gespielt hat. Ich behaupte mal, der gute Mann ist nicht austrainiert. Und, bitte, bitte, liebe HSV-Verantwortliche, schaut Euch einmal Videos an, auf denen Kacar zu sehen ist, als er einst aus Berlin kam. Das muss, nein, das ist ein himmelweiter Unterschied. Kacar läuft, nein, er bewegt sich wie ein Alt-Herren-Fußballer. Erschütternd. Was haben sie hier nur aus ihm gemacht? Bitte, bitte, Herr Fink, schicken Sie Kacar noch einmal in ein separates Trainingslager, ohne Ball, nur mit Laufschuhen – und dann holen Sie ihn Ende Februar wieder nach Hamburg zurück.

Zhi Gin Lam nehme ich von der Einzelkritik aus, er hat es sicherlich versucht, aber mehr geht eben nicht, wenn man als junger Dachs in einer solchen Mannschaft mitmachen muss. Marcell Jansen? Den ehemaligen Nationalspieler erspare ich mir auch – unfassbar, wie ein solcher Leistungsabfall geht. Ich jedenfalls kann mir das nicht erklären. Nur eines: Mit Kacar reif für die Insel – ab ins Trainingslager. Robert Tesche? Das ging gar nicht. Ohne Worte. Armer David Jarolim. Oh, wollte ich ja eigentlich nicht mehr . . .

Und vorne? Paolo Guerrero war für mich ncoh der Beste, der wehrte sich 90 Minuten lang, Und schoss, nachdem Kuba (Elfmeter) und Lewandowski auf 5:0 erhöht hatten (76., 83.), wenigstens den Ehrentreffer (86.). Da kam Freude auf. Was ich ganz positiv fand: Jacopo Sala gab sein Bundesliga-Debüt, er kam in der 65. Minute für Jansen.

„Und ihr wollt deutscher Meister sein“, sangen und skandierten die HSV-Fans ganz zum Schluss. Galgenhumor. Die Dortmunder verzichten auf die Antwort: „Zweite Liga, Hamburg ist dabei.“ Sie sangen nur „Auswärtssieg“. Und das war ja auch einer. So schön kann (Auswärts-)Fußball sein. Aber daran darf sich in Hamburg keiner mehr klammern, jetzt muss gezittert werden. Aber ganz kräftig. Sonnabend schon in Berlin. Wenn es zur Hertha geht. Auswärtssieg?

17.26 Uhr

Petric ist dabei – auf der Bank

21. Januar 2012

Frank Arnesen und Thorsten Fink saßen gestern (Freitag) gemeinsam in Mönchengladbach auf der Tribüne, um erstens die Bayern unter die Lupe zu nehmen, und zweitens natürlich auch die Borussen. Das gehört natürlich dazu. Aber dann heute: Abschlusstraining im Volkspark. Die Mannschaft kommt, nachdem sie wohl noch den Worten ihres Trainers lauschen musste, um 16.20 Uhr aus der Kabine. Und Thorsten Fink kommt eine Viertelstunde später, als seine drei Assistenten Frank Heinemann, Nikola Vidovic und Patrick Rahmen bereits die Übungen leiteten. Kurz darauf, und darauf will ich eigentlich hinaus: Frank Arnesen. Der Sportchef blieb während der gesamten Trainingseinheit auf dem Rasen, sah dem Treiben zu. Das bei diesem fürchterlichen Wetter! Hochachtung, Herr Arnesen. Dass ein HSV-Sportchef mal so beharrlich dem Training zusah, dass war vor einer langen, langen Zeit einmal – im Sommer.

Zum Sportlichen: Mladen Petric hat mittrainiert – und der Kroate wird auch im Kader für das morgige Spiel gegen Meister Dortmund sein. Das ist doch mal etwas Erfreuliches. Obwohl Petric zunächst wohl nur auf der Bank sitzen wird, davon gehe ich ganz fest aus. Ausfallen wird Ivo Ilicevic, der vor Trainingsbeginn mit seinem Auto das Gelände der Arena verließ. Und fehlen wird natürlich auch Gökhan Töre. Er wird vor allen Dingen mir fehlen, denn – auch darüber sprachen wir während des Trainings heute – Töre ist ja ein höchst seltener Fußballer. Von seiner Sorte gibt es nicht mehr so viele. In der Bundesliga Robben, Ribery, Götze – und dann? Ich meine Dribbler, die mit ihren mutigen Alleingängen Platz für die Nebenleute schaffen. Nein, nein, Töre fehlt mir, obwohl alles Jammern ja nicht hilft, er wird ja noch viele Wochen fehlen. So ist es nun einmal.

„Wir haben Qualität im Kader.“ Das hat Thorsten Fink oft genug gesagt, seit er Trainer in Hamburg ist. Jetzt wird es sich wohl zum ersten Mal so richtig zeigen, ob das auch stimmt. Statt Ilicevic und Töre nun Zhi Gin Lam und Heung Min Son. Und das ausgerechnet gegen die Dortmunder. Die allerdings müssen nicht nur auf Mario Götze verzichten, sondern auch auf Torwart Roman Weidenfeller, der die Reise an die Elbe gar nicht erst mit antrat. Zwischen den Pfosten des BVB wird Mitch Langerak stehen.

Beim HSV sind Tolgay Arslan und Per Ciljan Skjelbred nicht im Kader. Was mich beim Norweger schon ein wenig überrascht, denn er ließ während des Trainings heute lange Zeit mit einem grünen Hemdchen umher. Natürlich weiß ich, dass das nicht immer etwas zu bedeuten hat, aber es hätte ja . . . Aber Skjelbred muss wahrscheinlich noch ein bisschen mehr zulegen, bevor er in die Bundesliga „passt“.

Kurz zum Trainingsprogramm: Es begann mit einem Kurzpass-Spiel, es folgte ein Handballspiel (mit Kopfballtoren als Abschluss), ein Spielchen mit einem Dreiecks-Ball (ähnlich einer Rugby-Pille – springt unberechenbar) und danach ein Spielchen mit einem riesigen Plastik-Ball (noch größer als ein Medizinball). Mit dem schoss Paolo Guerrero sogar ein Tor! Es schloss sich das beliebte Fünf-gegen-zwei-Spiel an (drei Stationen, auch Fink und Heinemann mischten mit), bevor der Kader getrennt wurde. Die Stürmer versuchten sich in Torschüssen, der „Rest“ spielte sieben gegen sechs auf ein Tor. Und dabei zeichnete sich folgende Aufstellung ab:
Drobny, Diekmeier, Bruma, Westermann, Aogo; Kacar, Rincon; Lam, Jansen; Son; Guerrero.

So, das war es in groben Zügen. Was mir noch einfällt: Tomas Rincon schoss heute (mal) ein Tor. Keines in einem Spielchen, nein, eines als das Tor völlig leer war. Aber er machte diesen Treffer schon irgendwie akrobatisch. Von einer (gedachten) Außenlinie mit dem rechten Außenrist ins Tor „geschnippelt“. Sah weltmeisterlich aus. Und ein „Nachbar“ von mir witzelte: „Und das ohne sich dabei den Fuß oder das Bein zu brechen . . .“ Könnte der „Zauberer“ morgen ja noch einmal versuchen.

Nun aber.

Wobei, einen habe ich doch noch:

Beim heutigen Training habe ich mit einigen Fans über den BILD-Report über die Bundesliga gesprochen. Gegen den ich absolut nichts habe. Als Max Merkel noch am werkeln war, habe ich das gerne gelesen. Nun aber, mit dem Welt-Menschen Mario Basler am Start, ist das ätzend. Und in Sachen HSV voll daneben.

Baslers Ausfälle gehen mir echt auf den Geist. Hier mal eine Probe – O-Ton Basler, er meint, wenn er Thorsten schreibt, seinen früheren Bayern-Kollegen Fink:
„ . . . Ich setze aber voll auf den Thorsten. Dem kann man schließlich auch jetzt schon gratulieren. Er will endlich diesen Jarolim vom Hof jagen. Genau, das ist dieser aufgepumpte Muskelprotz, der so sympathisch wie eine Grippewelle ist. Aber der Fink lässt ihm nun die Luft raus. Das würde in Hamburg übrigens einigen guttun.“

Dieser Mensch nimmt das Wort „sympathisch“ in den Mund. Sympathisch! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Basler schreibt von sympathisch. Das ist der absolute Ober-Hammer! Wer hat diesem Typen dieses Wort in den Mund gelegt? Basler und Sympathie – das passt so gut zusammen wie FC Bayern und Abstieg – um nur mal beim Fußball zu bleiben. Und was hat Basler gegen Muskelmänner? Er möchte wahrscheinlich lieber saufende Kettenraucher in der Liga sehen, aber diese Zeiten sind ja Gott sei Dank schon lange vorbei – und kehren zum Glück auch nie wieder zurück.

Übrigens: Was für ein feiner Mensch David Jarolim ist, das zeigte er erst am vergangenen Sonntag wieder einmal. Der Tscheche saß eingekesselt von einigen Teamkollegen mittig in einer Reihe im CCH, wo in den nächsten Minuten die Jahreshauptversammlung beginnen sollte. Da kam eine mir nicht unbekannte junge Dame und bat „Jaro“ darum, ein gemeinsames Foto machen zu dürfen. Basler hätte diese Bitte ganz sicher ignoriert, ich habe es genügend (bei der Nationalmannschaft) beobachten können. Jarolim aber lächelte – und quälte sich an allen vorbei raus aus der Sitzreihe und posierte für das gewünschte Foto.

Als Max Merkel diesen BILD-Report noch schrieb, da hatte das ja noch Niveau, da konnte man ja noch mal schmunzeln . . . Obwohl, dabei fällt mir ein: Ernst Happel, der große HSV-Trainer, der hatte in seinen letzten Jahren keinen Frieden mehr mit Merkel geschlossen. Happel hat es auch mir mal gesagt, dass er stocksauer auf seinen alten Spezi war, als der geschrieben hatte: „Der Ernstl sieht wie Beethoven in der Endphase aus . . .“ Darauf fuhr Happel so gar nicht ab, im Gegenteil, das hat er ihm nie verziehen. Und Happel war in diesem Fall wirklich nachtragend, da hat er nicht klein beigegeben. Aber das nur am Rande.

Basler, der den HSV vor dieser Saison auf Platz fünf getippt hatte (ja, da sieht man den echten Experten!), obwohl sich ganz Hamburg schon im Sommer mit der Abstiegszone vertraut gemacht hatte (wg. Umbruch), hatte schon damals auf David Jarolim herumgehackt. Muss dem großen Trainer vom Welt-Klub Rot-Weiß Oberhausen ganz offenbar Spaß machen. Oder er findet ganz einfach kein anderes Hamburger Thema mehr. Ich fragte damals „Jaro“ nach seinem Verhältnis zu Basler, und er sagte mir: „Das ist eigentlich gut gewesen.“ Und: „Ich verstehe das nicht, was will er damit bezwecken?“ Kein böses Wort aber von ihm über den „Vernichter“. Jarolim hätte zurückschießen können, aber nix da.

Zum Glück hatte ja schon vor einiger Zeit der „Poldi“ die absolute Wahrheit gesprochen, als er ebenfalls einige „nette Sätze“ über Basler formulierte. Lukas Podolski, den Basler ebenfalls öffentlich abgerammt hatte (Egal ob Kapitäns- oder Blindenbinde), schoss mit der gleichen Schärfe zurück – und das war auch gut so. Hat leider nur noch nicht gelangt. Kurios ist dabei: Basler versucht sich ja immer mal wieder als Trainer. Mit mäßigem Erfolg. Aber: Er ist Sportler, und die Sportler behaupten ja immer untereinander, dass man sich nicht absichtlich verletzen wolle. Und was ist das dann? Das ist genau so fies wie ein hinterhältiger Tritt (auf den verletzten Fuß, oder auf die Hand). Fairplay? Das war wohl mal. Vielleicht nimmt sich ja mal so mancher ein Beispiel jetzt am „Kicker“, der nach dem Drama um Babak Rafati nun ja auf die „Wahl“ des schlechtesten Schiedsrichters der Liga verzichtet . . . Wenn Menschen seelisch kaputt gemacht werden (sollen), dann passt das eigentlich nicht zu all den schönen und oftmals beschwichtigenden Worten. Mal drüber nachdenken.

Übrigens: Auch Thorsten Fink bekam sein Fett vom ehemaligen Bayern-Teamkollegen noch weg. Kann man nur hoffen, dass der Coach das nicht so leicht vergessen wird. Mann sieht sich ja immer zweimal im Leben.

Und viel wichtiger ist ja auch, ganz klar, die morgige Partie. Drückt die Daumen, es wird schwer. Wenn ich die Stimmung unter den Trainings-Kiebitzen so recht deute, so wäre die Mehrheit schon mit einem Punkt sehr zufrieden. Ich auch. Unter diesen Vorzeichen . . .

Allen „Matz-abbern“ und ihren Lieben ein schönes Wochenende – das Wetter klammern wir mal aus.

18.49 Uhr

Son und Lam ersetzen Ilicevic und Petric

20. Januar 2012

Meine Damen und Herren, was für ein Sch…Wetter. Nicht nur der Regen sondern auch ein Wind, der das Nass von allen Seiten kommen lässt. Und dazu Temperaturen, die gefühlt um den Gefrierpunkt herum lagen. Allerdings, und so soll es ja auch sein, wenigstens die Geschehnisse auf dem Platz erwärmten ein wenig. Und auch wenn es dafür eine gute halbe Stunde mit Aufwärmprogramm dauerte, dann wurde es interessant. Denn Fink machte, was er gestern angekündigt hatte: er organisierte die Defensivbewegung. Überraschenderweise, suchte er dabei die Flucht nach vorn und ließ sein potenzielles A-Team Pressing spielen.

Dabei legte er besonderen Wert auf die Abstimmung von Mittelfeld und Abwehr. Insbesondere das Wechselspiel der Außenverteidiger Dennis Aogo (mit Marcell Jansen) und Dennis Diekmeier (mit Zhi Gin Lam) wurde einstudiert. Immer wieder unterbrach Fink, um anhand von Spielsituationen auf Fehler und Lösungen hinzuweisen. „Es war klar, dass wir darauf einen Schwerpunkt legen mussten“, sagt Dennis Aogo, „und das haben wir gemacht. Dabei gab es keine Neuigkeiten, aber es wurde auf bestimmte Dinge hingewiesen. Auch mit Blick auf das Dortmund-Spiel. Und ich glaube, wir haben dadurch mehr Sicherheit gewinnen können und sind gut vorbereitet.“ Abwehrchef Heiko Westermann stimmt ein. „Es geht um die Abstimmung. Darum, dass wir ein Auge dafür haben, wann wir Pressing spielen müssen und wann nicht.“ Ob eine eher offensive Verteidigung gegen den Deutschen Meister das richtige Mittel ist? Westermann selbstbewusst: „Wir haben uns eher auf unser Spiel eingestellt.“

Zum einen schien die Zeit für lange, taktische Spielchen zu fehlen (das Wetter war eher nicht geeignet, um die Spieler lange stehen zu lassen), zum anderen setzt der HSV auf seine eigenen Stärken. Und die liegen ganz sicher vermehrt in der Offensive. So, wie es einst auch Dortmund praktizierte. Zumindest sieht Aogo in dem ersten Rückrundengegner eine Art Vorbild für den HSV. „Die Dortmunder haben zwei Jahre lang sehr mutig agiert, haben mit jungen Leuten ihr Spiel durchgezogen, was ihre Qualitäten unterstreicht. Sie haben alle Widerstände bezwungen. Und heute reden wir über die Spieler als großen Namen, die wir vor zwei Jahren noch nicht kannten.“ Deshalb sei es für den HSV in der momentanen Umbruchphase auch wichtig, weiter auf das eigene System zu setzen. Egal bei welchem Gegner. „Wir spielen gegen Dortmund wie gegen Bayern, Schalke oder auch Hertha, Freiburg und Augsburg. Und da kommt wieder Thorsten Fink ins Spiel, denn am wichtigsten ist, dass wir ein Konzept haben, wo jeder weiß, was zu tun ist. Das haben wir.“

Und das soll am Sonntag den Unterschied zur Hinrunde verdeutlichen. „Bei uns hat sich seither viel verändert“, sagt Aogo, „wir sind anders aufgestellt und wollen einen ganz anderen Fußball spielen.“ Und das dürften, so die HSV-Profis, auch die Dortmunder mitbekommen haben. Zumindest geht HSV-Kapitän Westermann nicht davon aus, dass Dortmund noch mal der übermächtige Gegner wie aus der Hinrunde sein wird. Frei (wenn auch leicht abgewandelt) nach dem Motto des hoch geschätzten Herrn Sepp Herberger sagt Westermann: „Das nächste ist das wichtigste Spiel. Wir können zu Hause den Deutschen Meister schlagen, dazu sind wir imstande.“ Und selbst für den Fall, dass es am Sonntag noch nicht klappt, ist sich Westermann sicher: „Wir werden über kurz oder lang erfolgreich sein, keine Frage. Die Frage ist halt nur, ob wir am Sonntag schon reif dafür sind.“

Nicht dabei helfen kann Ivo Ilicevic. „Ivo wird nicht spielen“, legte sich Fink schon heute vor dem Training fest. Der offensive Mittelfeldspieler plagt sich weiterhin mit einer Wadenverhärtung herum und konnte heute im Gegensatz zu Mladen Petric (zuvor auch Wadenprobleme) nicht mittrainieren. Dennoch soll Top-Torjäger Petric („Es fühlt sich deutlich besser an“), zumindest deutete Fink das heute so an, zunächst nur auf der Bank Platz nehmen. Im Training heute agierte Son hinter Guerrero im Angriff, während Zhi Gin Lam im rechten Mittelfeld vor Diekmeier auflief. Zwei Wechsel, die nominell schwer wiegen – die die Mannschaft aber verkraftet, wie Westermann glaubt: „Beide sind gut drauf und wissen, wie es funktioniert. Da ist keinem Angst und Bange, im Gegenteil: Ich glaube, man kann im Moment alle reinwerfen, weil alle unbedingt wollen und alle auf einem guten Level sind.“ Zudem würde sich gerade an solchen Situationen das zuletzt oft gelobte Mannschaftsbild beweisen können. Immer wieder hatten die Spieler und Trainer davon gesprochen, dass sich der Teamgeist deutlich verbessert habe. Jetzt müssen den Worten Taten folgen: „Bei Widerständen wird sich zeigen, ob wir füreinander laufen“, so Aogo, der darauf wetten würde: „Wir haben uns als Team gefunden. Wir sind eine Einheit.“

Und dabei sei es egal, welche Elf auf dem Platz steht. Gegen Dortmund wird Heung Min Son nach einer nicht auffälligen aber allemal ordentlichen Vorbereitung seine Chance bekommen. Westermann: „Er hat eine völlig natürliche, schlechte Phase hinter sich. Er wurde zu sehr hochgejubelt. Aber er ist im Moment gut drauf. Und egal wie er ein Tor macht – auch wenn er angeschossen würde und der Ball ins Tor kullert -, damit würde bei ihm der Knoten platzen. Dann löst sich was bei ihm.“ Womit Westermann die imaginäre Handbremse meint. Ob er eine solche vielleicht noch in Gesprächen mit Lam lösen müsste? „Nein“, sagt Westermann, „Lam macht einen super Eindruck. Bei ihm stimmt wie immer die Einstellung, der wird ganz sicher alles geben und uns helfen können.“

Helfen auf dem Weg nach Europa? Zuletzt wurde trotz nur drei Punkten Vorsprung bis zu einem Relegationsplatz vermehrt über die Möglichkeit gesprochen, doch noch mal die internationalen Ränge anzupeilen. „Darüber sollten wir jetzt nicht reden“, warnt Aogo, „nicht so kurzvor dem Spiel gegen den Deutschen Meister. Die Hinrunde hat gezeigt, wie es auch laufen kann.“ Sechs Spiele – ein Punkt. Das Szenario ist uns allen noch bewusst. Weshalb es diesmal nicht einen solchen Start geben wird? „Weil wir unseren Stiefel durchdrücken werden“, sagt Aogo, der ein sehr laufintensives Spiel gegen eine der lauffreudigsten Mannschaften der Liga setzt: „Es wird sehr intensiv. Gegen die werden wir nur mit einer sehr hohen Laufbereitschaft bestehen.“ Was wiederum den Wechsel von Petric zu Son noch sinnvoller macht…

Die Frage ist allerdings, ob Fink im defensiven Mittelfeld die richtige Wahl trifft. Im heutigen Training wartete der HSV-Coach zumindest mit einer kleinen Überraschung auf, denn neben dem gesetzten Tomas Rincon durfte heute Gojko Kacar im A-Team trainieren. Und das, obwohl der Serbe die Vorbereitung zu großen Teilen nicht mitmachen konnte. Eine schwere Fußprellung hatte den Mittelfeldspieler außer Gefecht gesetzt – und die ist auskuriert. „Ich habe zwar etwas Flüssigkeit auf dem Schienbein, aber das ist kein Problem“, so Kacar, der nicht wirklich überrascht schien, plötzlich in der A-Elf zu stehen. „Nein, warum? Ich hoffe immer, dass ich spiele, wenn ich fit bin. Und ich bin 100 Prozent fit.“ Was er im Training unterstrich. Beim Spiel auf verkürztem Feld mit Anspielpunkten auf den Auslinien musste er mit ansehen, wie sein A-Team gegen die vermeintliche Reserve verlor. Das wiederum passte Kacar nicht, woraufhin er seine Kollegen verbal „coachte“, wie es beim HSV heißt. Das allerdings in einer Lautstärke, die bis weit in den Volkspark zu hören sein durfte. Der 24-Jährige wirkte verbissener denn je, hatte zudem schon am Donnerstag eine sehr gute Einheit hingelegt. „Ich kann nicht verlieren“, so Kacar. Hoffen wir mal, dass er das auch am Sonntag nicht muss und sich David Jarolims Tipp bewahrheitet: Der Tscheche tippt nämlich ein 2:0 für den HSV.

Auch, weil der BVB neben Supertalent Mario Götze voraussichtlich auch auf Stammtorwart Roman „sympathisch-wie-alle-aus-der-Ehrmann-Schule“ Weidenfeller mit Rückenproblemen wohl verzichten muss. Für ihn rückt aller Wahrscheinlichkeit nach Ersatzkeeper Mitchell Langerak ins Tor. Der 23-jährige Australier hat bisher erst einmal – das beim 3:1-Sieg der Gelbschwarzen in München allerdings eindrucksvoll – in der Bundesliga das BVB-Tor gehütet. Und er konnte selbst erst am Donnerstag wieder ins Training einsteigen. „Seine Vorbereitung war suboptimal“, klagt BVB-Trainer Jürgen Klopp, der morgen noch mit Weidenfeller einen Belastungstest machen will, am heutigen Freitag. Der unerfahrene, wenig trainierte Langerak als Vorteil für den HSV? „Ich glaube nicht, dass wir darüber nachdenken sollten“, mahnt Aogo, „denn wir müssen eh erst unser Spiel durchbringen, um überhaupt in die Situation zu kommen, den Torwart in Verlegenheit zu bringen. Und das wird schwer genug.“ Dennoch, sollte das am Ende gelingen, wäre ein HSV-Sieg logisch. Sagt Aogo: „Die Mannschaft, die ihren Stiefel durchdrückt, gewinnt.“

Okay. Klingt logisch. Aber geredet wurde jetzt eh genug. Es wird Zeit, dass der Ball rollt.

In diesem Sinne, bis morgen! Dann übernimmt Blogvater Dieter wieder und ist – danke Mrs. Murphy! – dann auch der einzigste Schreiber. Ich melde mich erst am Anfang der Woche wieder bei Euch. Und das hoffentlich mit der Nachbetrachtung eines schönen und vielleicht ja tatsächlich euphorisierenden HSV-Sieges gegen den Deutschen Meister im Rücken.

Scholle (18.27 Uhr)

Klopp musste schon die erste Pleite hinnehmen

19. Januar 2012

Manchmal kann es gar keinen Spaß machen. Wie heute. Nieselregen, Kälte – und zu allem Überfluss auch noch zwei Ausfälle, die schwer wiegen können. So machte der Vormittag beim HSV keinen Spaß. Schuld daran ist die „kroatische Wade“ wie mein Kollege vom SID (Sportinformationsdienst) süffisant aber irgendwie passend anmerkte. Denn Mladen Petric und Ivo Ilicevic fehlten beide mit Wadenprobleme beim heutigen Vormittagstraining, das im Gegensatz zur Ankündigung auf der Homepage die einzige Einheit heute blieb. Vielleicht auch, um weiteren Verletzungen vorzubeugen.

Dabei ist allerdings noch lange nicht klar, dass die beiden kroatischen Offensivspieler auch wirklich ausfallen. „Ivo und Mladen sind beide angeschlagen“, sagt Trainer Thorsten Fink, „aber wir müssen abwarten, ob sie auch ausfallen. Dafür haben wir noch ein paar Tage Zeit.“ Klar sei allerdings, dass niemand eingesetzt würde, der nicht bei 100 Prozent ist. „Wenn es ein Risiko wäre, einen von ihnen einzusetzen, werden wir es nicht machen“, so Fink, „denn wir können es uns nicht erlauben, auf einen deshalb sechs Wochen lang verzichten zu müssen. Dafür haben wir auch einen zu guten Kader, als dass wir dieses Risiko gehen müssten.“

Erste Alternativen sind Zhi Gin Lam (für Ilicevic) und Heung Min Son (für Petric). Wobei Fink definitiv Lam als Ersatz für die rechte Seite bestätigte und bei Son noch ein Hintertürchen offen ließ: „Vielleicht würde ich mir da noch etwas einfallen lassen.“ Jacopo Sala etwa? Oder vielleicht sogar schon Tolgay Arslan, der im Laufe der Vorbereitung zentral hinter den Spitzen spielen durfte? Ich glaube eher nicht. Weder der eine noch der andere dürfte Son vorgezogen werden. Zumal Fink sagt: „Wenn ein Spieler ausfällt, sollte auch der die Chance bekommen, der dafür vorgesehen ist.“ Und das wäre im Falle Petric Son.

Der Südkoreaner zeigte sich in den letzten Tagen verbessert. Sein langes Hinrunden-Formtief („Das ist ganz normal, wenn ein so junger Mann so früh so hochgejubelt wird“) scheint der Offensivallrounder überwunden zu haben. „Son war in einem Loch und muss noch sehr viel lernen. Aber er machte auf mich zuletzt einen deutlich stabileren Eindruck“, lobt Fink und versucht seinem Talent noch etwas Sicherheit mit auf den Weg zu geben: „Er muss wissen, dass er auch mal ein schlechteres Spiel machen darf.“

Hauptsache nicht am Sonntag. Denn da wird der HSV 100 Prozent bringen müssen. Gegen den Deutschen Meister, der mit Mario Götze zwar auf einen enorm wichtigen Spieler verzichten muss, allerdings ausreichend Qualität im Kader hat, um trotzdem stark zu sein. Auf die Frage, ob der HSV mit dem BVB auf Augenhöhe sei, wusste Fink erst gar nichts zu antworten, zu perplex machte ihn die bloße Annahme der Fragenden. „Der BVB spielt um die Deutsche Meisterschaft – wir nicht. Wir sind nicht auf Augenhöhe mit den Dortmundern. Aber in einem einzigen Spiel kann alles passieren.“ Zumal – das wurde in den letzten Tagen immer wieder betont – auch der BVB zu diesem frühen Zeitpunkt der Rückrunde noch nicht wissen kann, wie weit die Mannschaft ist. Zudem hat der HSV aus der Hinrundenpleite, die mit 1:3 sogar noch schmeichelhaft war, noch etwas gutzumachen. „Das ist kein Vergleich. Die Mannschaft heute spielt anders als damals“, sagt Fink, „wir haben wieder Selbstvertrauen und jeder weiß, was er machen muss. Wir sind eine Einheit.“ Zu Letzterem zählt der HSV-Cheftrainer im Übrigen auch die Fans: „Wenn die weiter so mitgehen, ist alles möglich.“

Ein Hoffnungsträger dafür ist mit Sicherheit Paolo Guerrero. Der Peruaner ist topfit, hat die komplette Vorbereitung ohne Probleme mitmachen können – und er hat in den Testspielen ebenso viel Lob dafür bekommen, sich Chancen zu erarbeiten wie er Kritik ertragen musste, selbige zu oft vergeben zu haben. Jetzt allerdings, insbesondere heute im Training, ist Guerrero gut drauf – und er trifft. Selbst die Möglichkeit, am Sonntag gegen die Dortmunder als einzige Spitze ohne Petric neben sich auflaufen zu müssen, stört ihn nicht. „Mit Mladen und auch Ivo wäre es sicher besser, aber auch ohne einen neben mich komme ich klar. Ich kenne das schon. Und ich mag es, da vorne gegen die Großen kämpfen zu müssen“, sagt Guerrero, der hier ob seiner Art abseits des Platzes viel kritisiert wurde, der sich in meinen Augen aber schon lange deutlich besser entwickelt hat, als es viele seiner Kritiker ihm zugestehen.

Allein sportlich lässt sich – wie über jeden anderen auch – auch über Guerrero trefflich diskutieren. Viele hier mögen seine Art zu spielen nicht – ich schon. Guerrero schont sich nicht, er ist technisch einer der komplettesten Spieler beim HSV und clever. „Paolo hat etwas Besonderes“, lobte Fink im Trainingslager seinen Angreifer just in dem Moment, in dem er gerade eine Fülle von Chancen vergeben hatte (beim Sieg über Lokeren). Und Finks Ansicht wird in der Mannschaft geteilt. Zwar ist allen bekannt, dass der Rechtsfuß kein Quantenphysiker mehr wird, allerdings wird die freundliche, harmlose Art Guerreros ebenso geschätzt, wie sein kraftvolles Spiel. Denn Guerrero geht keinem Zweikampf aus dem Weg. Den Teil fehlende Grundschnelligkeit gleicht Guerrero aus, indem er zwischen Gegenspieler und Ball gern sich schiebt – ohne Rücksicht auf seine körperliche Unversehrtheit. „Eigentlich müsste er nach jedem Spiel zwei Tage frei bekommen, um all seine blauen Flecken und Prellungen auszukurieren“, hatte einst Dietmar Beiersdorfer gesagt – und ich finde, der ehemalige Sportchef hat Guerrero damit ganz gut beschrieben.

Aber egal wie, im Moment ist Guerrero fit und im Angriff die größte Hoffnung (sollte Petric ausfallen). Und Guerrero ist voller Tatendrang, hofft auf eine Fortsetzung seiner Serie: „Vor allem zählt der Sieg. Wir haben in der Rückrunde viel vor“, so Guerrero, der in den letzten vier Heimspielen jeweils einen Treffer beisteuern konnte – und das gegen Dortmund fortsetzen will, „wir sind gut drauf.“ Insbesondere die Vorbereitung in Marbella habe die Mannschaft enger zusammengeschweißt. „Wir haben uns besser kennengelernt, auch die Neuen und die Jungen. Die Stimmung in der Mannschaft ist sehr gut.“ Ein Indiz dafür: Weil Ilicevic sich geweigert hatte, vor der Mannschaft zum Einstand ein Lied zu singen, besorgten seine Kollegen eine Parkkralle und befestigten die an seinem Auto. Ergebnis: Ilicevic blieb nur die Wahl, zu singen oder mit dem Taxi nach Hause zu fahren. „Eine witzige Aktion von der Mannschaft“, freut sich Fink darüber, dass seine Mannschaft bei aller Fokussierung und Anspannung vor dem BVB-Spiel nicht verkrampft.

Dabei wirkte Fink heute selbst ein wenig angespannt. Der Trainer („Ich bin heiß“) betonte wieder die Bedeutung eines Sieges und dessen mögliche Auswirkung auf die gesamte Rückrunde. Und er mahnte, dass es auch in den letzten Tagen vor dem Rückrundenauftakt noch eine Menge Arbeit geben würde. Insbesondere in Sachen Defensivverhalten. Das hatte weder in der Hinrunde noch in der Vorbereitung bislang so gut funktioniert wie die Offensive. Das Ungleichgewicht aus Risiko gehen und Absichern ist noch nicht gefunden. Und deshalb wird Fink in den nächsten tagen vermehrt Videoanalysen mit den Spielern durchziehen – und er hofft darauf, mit seiner Startelf am Freitag und Sonnabend letzte Details einstudieren zu können. Was genau? Fink lacht, überlegt kurz und sagt: „Wir müssen eigentlich alles so machen wie bevor – nur eben etwas besser.“ Dann klappt es auch mit dem Sieg gegen Dortmund.

Gutes Omen: Dortmunds Trainer Jürgen Klopp musste schon vor dem Spiel die erste Niederlage einstecken. Nachdem sich Anwohner des Dortmunder Trainingsgeländes über die hohe Lärmbelästigung und das störende Flutlicht in den Abendstunden (Klopp trainierte vor Champions-League-Spielen gern bis spät abends) beschwert hatten, lenkte der BVB nun ein. Ab sofort wird immer spätestens um 20 Uhr das Flutlicht abgeschaltet und der Trainingsbetrieb eingestellt. Sehr zum Ärger von Klopp, der diesem Kompromiss bis zum Schluss nicht zustimmen wollte.

In diesem Sinne, hoffen wir mal, dass es nur die erste von zwei bitteren Niederlagen für den sympathischen Dortmund-Trainer in dieser Woche ist.

Bis morgen,

Scholle (19.16 Uhr)

P.S.: Training am Freitag ist um zehn Uhr an der Imtech-Arena.

“Dortmund kommt genau zum richtigen Zeitpunkt” – Zittern um Petric

18. Januar 2012

Es ging mächtig zur Sache. Damit meine ich nicht diesen Blog, sondern die Trainingseinheit heute auf dem Trainingsplatz neben der Imtech-Arena. Dem Anlass angemessen – Benno, alles Liebe zum Ehrentag – wurde das Abschlussspiel mit einer Intensität geführt, dass Trainer Thorsten Fink 20 Minuten vor Schluss lieber abbrach, nachdem David Jarolim und Tomas Rincon nach einem Zweikampf beide liegen blieben. Zuvor waren schon Jacopo Sala kurzfristig (kehrte nach einer kurzen Behandlung zurück) sowie Per Skjelbred (Schienbeinprellung) und leider auch wieder Mladen Petric ausgeschieden. „Mladen hatte wieder Probleme“, so Fink nach dem Training, „er hatte bei den Sprints kein gutes Gefühl.“ Wadenprobleme sind die offizielle Begründung – und es gilt als unsicher, ob der Kroate am Sonntag gegen Dortmund trotzdem dabei sein kann.

Zumal Fink betont hatte, am Sonntag zum Rückrundenauftakt nur auf Spieler setzen zu wollen, die zu 100 Prozent fit sind. Es müsse leidenschaftlich gekämpft, gerannt und gebissen werden, so Fink. Eben so, wie heute im Training, in dem der HSV-Trainer die A-Elf gegen die B-Elf spielen ließ, zwischendurch für die oben genannten Ausfälle selbst einsprang. Fink hatte nicht viel verändert, lediglich eine Position: David Jarolim spielte für die A-Elf, statt seiner war Rincon ohne Leibchen unterwegs. „Wir haben bunt gemischt“, so Finks Erklärung, die so nur bedingt zu halten ist. Immerhin war Jarolim der einzige Reservist in der vermeintlichen A-Elf. Ob sich Rincon auf den letzten Metern vor dem Rückrundenstart doch noch aus der Startelf katapultiert hat? „Nein“, so Fink klar, und der Venezolaner selbst ergänzte: „Ich hab das mit der B-Elf gar nicht mitbekommen. Ich glaube schon, dass ich spielen werde.“

Und das gegen nichts geringeres als Dortmunds Mittelfeld-Duo Shinji Kagawa und Deutschlands Top-Talent Mario Götze. Letztgenannten sieht Rincon auf dem Sprung nach ganz oben. Und er weiß, dass er allein gegen den deutschen Nationalspieler nichts ausrichten kann. „Wir müssen gegen solche Leute als Gruppe denken und spielen. Wenn wir gutes Pressing spielen können und sie in ihrer eigenen Hälfte unter Druck setzen, kann das klappen.“ Gibt man einem Götze jedoch etwas zu viel Raum, hat man es – speziell auf Rincons Sechserposition – sehr schwer. „Dann ist es sogar fast unmöglich“, so Rincon, der Götze eine Welt-Karriere wie Lionel Messi zutraut. „Wenn er weiter so hart arbeitet, klar im Kopf bleibt und geduldig ist, dann kann er es schaffen. Ganz sicher. Seine Art zu spielen gefällt mir.“

Und es gefällt Rincon, gegen solche Spieler zu spielen. Für die Venezolanische Nationalelf macht er gerade gegen die großen Mannschaften Südamerikas wie Argentinien und Brasilien regelmäßig seine besten Spiele. Auch in der Bundesliga üben Spiele gegen die vermeintlich Besten einen besonderen Reiz auf den Kämpfer aus. „So gute Spieler gefallen mir, weil du da immer hellwach sein musst, jede Pause ausgenutzt würde. Und ich versuche eh immer, ganz eng am Gegenspieler dran zu sein. Solche Kämpfe nehme ich gern an.“

Dass es ein solcher am Sonntag für Rincon wird, ist ziemlich klar. Dass es für die ganze Mannschaft ein harter Kampf wird ebenfalls. Zumal sich witterungsbedingt der Stadionrasen zu einem tiefen Geläuf entwickelt hat. „Wenn er wie erwartet matschig sein wird, wird es ein absolutes Kampfspiel“, sagt Marcell Jansen, der zum ersten Mal in seiner Zeit beim HSV eine komplette Vorbereitung mitmachen konnte und fitter denn je wirkt. „Die letzte Zeit war hervorragend für mich, es macht auch wieder richtig Spaß. Aber mehr als die Grundvoraussetzungen sind das nicht. Ab Sonntag interessiert sich eh niemand mehr dafür, ob wir eine gute oder schlechte Vorbereitung hatten.“

Fürwahr. Dann zählen nur die Punkte. Und das gegen eine Mannschaft, die dem FC Bayern bundesweit am ehesten Paroli bieten kann, da das laufstärkste Team inzwischen über alle fußballerischen Facetten verfügt. Wie Fink gestern sagte, beherrschen die Gelbschwarzen das Passspiel genauso gut wie das Spiel über Konter. „Dortmund konnte vor zwei Jahren kämpfen, dafür hatten sie eher wenig Fußballerisches“, lobt Jansen den ersten Rückrundengegner, „aber sie haben die letzten zwei Jahre genutzt, um sich fußballerisch zu perfektionieren. Es wird am Sonntag für uns um Kleinigkeiten gehen“, so Jansen, „da kann schon ein Standard entscheidend sein. Deshalb sind wir gewarnt.“

Die Dortmunder allerdings auch. Die hatten nach einem beeindrucken Saisonauftakt gegen den HSV eine kurze Schwächephase. „Das Gros der Mannschaft ist in einer sehr guten Verfassung aus der Pause gekommen. Es scheint runder zu laufen als vor der Hinrunde.“ Trotz eines missratenen Saisonstarts mit Rang 11 nach sechs Spieltagen und den dürftigen Auftritten auf internationaler Bühne habe seine Mannschaft die hohen Erwartungen erfüllt. „Mit Platz zwei, nur drei Punkte hinter den Bayern, habe ich nicht gerechnet“, kommentierte Klopp, der gegen den HSV mit einem Sieg noch näher zum FCB aufschließen will und weiß, dass es schwer wird: „Der HSV hat sich im Laufe der Hinrunde stabilisiert. Es wird ein ungleich schwereres Spiel in Hamburg.“ Weil der HSV neues Selbstvertrauen hat. Rincon stellvertretend: „Die Dortmunder wissen, dass es hier bei uns nicht mehr einfach ist. Wir sind seit neun Spielen ungeschlagen, haben eine gute Vorbereitung hinter uns – und wir glauben an uns. Ich glaube, dass das Spiel zum genau richtigen Zeitpunkt kommt, um sie zu schlagen.“

Das jedoch werden einige tausend Fans nicht live mitverfolgen. Aus Protest. „Kein Zwanni für nen Steher“ heißt die Protestaktion (www.kein-zwanni.de), die sich gegen die immer teurer werdenden Eintrittspreise in deutschen Fußballstadien wendet. Ein Protest, der bei den Spielern ankommt. „Das ist eine klare Botschaft an die Entscheidungsträger“, sagt Jansen, „die Fans verzichten sogar in brisanten Derbys auf ihre Stehplätze – und das soll schon was heißen.“ Auch dem linken Mittelfeldspieler ist aufgefallen, dass der deutsche Fußball immer mehr als Event denn als leidenschaftlicher Sport für Fans betrachtet wird. „Plötzlich gibt es Top-top-top-Zuschläge und die Tickets werden immer teurer – das gefällt mir nicht. Immerhin sind die Stehplätze zumeist die Stimmungsecken, die dem Fußball die besondere Atmosphäre verleihen. Und Fußball muss das emotionale Spiel bleiben, das es immer schon war. Das ist Leidenschaft, da gehen Fans hin und wissen nicht, ob ihre Mannschaft 5:0 gewinnt oder 0:5 verliert. Das ist kein Zirkus, wo man eine bestimmte Show erwarten darf. Und wenn sich Schüler irgendwann nicht mal mehr Stehplätze leisten können, dann wäre das sehr, sehr schade. Deshalb hoffe ich, dass die Verantwortlichen auf dieses Zeichen hören.“

Ich auch.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um 10 und um 15 Uhr an der Arena trainiert.

Scholle (18.52 Uhr)

Fink: “Dass der BVB mich wegschickte, tat weh”

17. Januar 2012

Es gibt Tage, da fehlt die Motivation. So einen habe ich heute gehabt. Ich habe mir die Kommentare zum letzten Blog von Anfang bis Ende durchgelesen. Und ich ziehe hier einfach mal virtuell den Hut. Und das insbesondere vor denen, die sich hier trotz vorliegender Fakten eine virtuelle Welt zusammenbauen. Eine Welt, in der alles gut ist, in der Kritik am eigenen Verein Hochverrat gleicht und schlechte Nachrichten mit Todesstrafe sanktioniert werden. Da werden alte Geschichten immer wieder neu herangezogen und teilweise falsch zitiert.

Aber gut, wem erzähle ich das… Kommen wir lieber schnell wieder zurück zum Fußball. Den verstehen wir alle. Zwar auch immer wieder unterschiedlich, aber so soll es ja auch sein.

Drei Jahre in der Jugend, zwei Jahre bei den Amateuren – für Thorsten Fink ist die Begegnung am Sonntag mit Borussia Dortmund eine Reise in die eigene Vergangenheit. Der HSV-Trainer, der in Dortmund aufgewachsen war und dort Profi werden wollte, freut sich besonders auf den Rückrundenstart. „Der BVB war mein Verein, dort wollte ich Profi werden“, so Fink, der den Sprung von den Amateuren zu den Profis jedoch verpasste und stattdessen zu Wattenscheid 09 wechselte. „Ich war schon sauer, als ich gehen musste“ erinnert sich Fink, den der damalige BVB-Trainer Ottmar Hitzfeld jedoch kurze Zeit später wieder zurückholen wollte. Der Transfer scheiterte jedoch an der Ablöseforderung Wattenscheids, die Fink für 50000 Euro verpflichtet hatten, ihn aber nicht unter zwei Millionen Euro wieder abgeben wollte. Fink sieht es heute gelassen, seiner Karriere tat der gescheiterte Wechsel eh kein Abbruch. „Am Ende bin ich dann beim FC Bayern gelandet.“

Und trotz allen Ärgers freut sich Fink auf seinen BVB. „Wer in Dortmund aufwächst, der muss Fußballfan werden“, erinnert sich der HSV-Trainer, der sich bei seinem Amtsantritt in Hamburg vom Typus her noch mit seinem BVB-Kollegen Jürgen Klopp verglichen hatte. „Ich schätze seinen Umgang mit den Spielern“, lobt Fink die lockere Art Klopps, dem er allerdings gleich eine Kampfansage folgen lässt: „Wir haben gegen Dortmund die Chance, mit einem Sieg genau die Euphorie zu entfachen, die wir für die Rückrunde brauchen werden. Deshalb werden wir unser Spiel durchziehen – und das Spiel gewinnen.“

Obgleich das gegen Finks Jugendverein schwer wird. Immerhin gelten die Schwarz-Gelben als das lauffreudigste Team der Liga. Ganz im Gegensatz zum HSV. „Dortmund ist zweifellos eine sehr fleißige Mannschaft“, lobt Fink und verteidigt seine eigene Mannschaft: „Wichtig ist aber, richtig zu laufen.“ Und das machen beide. Sagt Fink. „Wir müssen rennen, Leidenschaft zeigen und das Publikum mitnehmen. Nur so können wir Dortmund schlagen. Denn der BVB ist besonders gefährlich, weil er sowohl das Spiel selbst machen kann als auch sehr gut kontern.“ Deshalb, so der HSV-Coach, sei er besonders froh, den Meister bereits zum Rückrundenauftakt zu haben. „Gegen die Topteams der Liga spiele ich immer gern zum Auftakt, weil auch die zu dem Zeitpunkt noch nicht genau wissen können, wie weit sie sind.“

Sein eigenes Team jedenfalls scheint gewappnet. Die letzten Einheiten in dieser Woche werden vermehrt für das Einstudieren des eigenen Defensivverhaltens genutzt. Wobei sowohl Westermann als auch Bruma im Trainingslager durch Stockfehler aufgefallen waren. Ausgerechnet die beiden nahezu konkurrenzlosen Innenverteidiger aber scheinen sich gefangen zu haben und präsentieren sich im Training robust, zweikampfstark und passsicher. „Wir müssen zusehen, nicht zu hohes Risiko zu gehen“, sagt Westermann, der die Einheiten und Testspiele im Trainingslager zum Probieren genutzt hat. „So wie in den Testspielen dürfen und werden wir gegen Dortmund ganz sicher nicht auftreten“, weiß Westermann und Fink stimmt zu: „Gerade der Test gegen Bielefeld hat mich noch mal zum Nachdenken gebracht. Das war zu wenig.“ Aber zum Glück nicht mehr und nicht weniger als die Generalprobe. Und die darf bekanntlich verpatzt werden.

Alles andere als schlecht ist derzeit Dennis Diekmeier drauf. Der Rechtsverteidiger zählte schon in Marbella zu den auffälligeren Spielern, seine Offensivaktionen begeisterten. „Dennis ist auf einem sehr, sehr guten Weg“, lobt Fink, „seine Flanken kommen hervorragend.“ Zwar hat Diekmeier noch immer Defizite in der Defensive, allerdings überwiegen derzeit seine guten Offensivaktionen. „Schon in der Hinrunde haben viele Mannschaften besonders auf ihn geachtet und versucht, ihn zuzustellen.“ Und das dürfte gegen Dortmund ähnlich sein.

Nicht aufpassen muss der BVB auf Slobodan Rajkovic, der mit Sicherheit nicht von Beginn an auflaufen wird, sollte sich niemand mehr verletzen. Zumal der Serbe zuletzt eher durch hängengelassene Schultern auffiel. „Nein, es ist alles okay. Ich will halt spielen“, so die kurze Erklärung des Linksfußes, der sich nach einem guten Start beim HSV durch die Rote Karte gegen Kaiserslautern aus der Startelf verabschiedete. Ob sich Fink Sorgen mache? „Nein. Slobodan hat länger den Kopf hängen lassen und ist jetzt wieder auf dem Weg nach oben. Ich hatte in den letzten Tests das Gefühl, dass er wieder da ist.“

Das gilt auch für Per Skjelbred. Der Norweger konnte heute zwar wieder mittrainieren, allerdings nur unter Schmerzen, da er sich noch immer mit den Folgen einer Schienbeinprellung herumplagt. Nicht dabei war heute Mladen Petric. „Wir wollen bei ihm kein unnötiges Risiko gehen“, so Trainer Thorsten Fink, „deshalb haben wir ihn vorsichtshalber etwas rausgenommen.“ Doch schon am Mittwoch soll der Kroate wieder einsteigen. Fink: „Ich sehe da keine Probleme für das Spiel gegen Dortmund am Sonntag.“

Klingt gut. Wie fast alles in dieser kurzen Vorbereitung. Was das letztlich wert ist, zeigt allerdings erst die Partie am Sonntag.

Morgen wird um zehn Uhr an der Arena trainiert. Und für diejenigen, mit denen ich da nicht persönlich sprechen kann und die den ersten Absatz persönlich nehmen: so war er nicht gemeint. Aber auch ich muss eben mal etwas loswerden.

In diesem Sinne: Alles wird gut!
Scholle (19.22 Uhr)

Es kann wieder losgehen – der Fußball ist Trumpf

16. Januar 2012

Der erste berufliche Anruf heute Morgen brachte Seltsames mit sich. Da feierte sich am anderen Ende der Leitung jemand dafür, dass jetzt endlich belegt sei, dass Dieter und ich mit unseren Darstellungen der finanziellen Situation richtig lagen. Dass das wiederum nicht wirklich Anlass zur Freude ist, hatte der nette Herr leider kurzzeitig vergessen. Und das, obwohl er in meinen Augen einer der loyalsten und intensivsten HSV-Fans ist, den ich kennenlernen durfte.

Womit ich beim Thema bin: hier geht es mir nicht darum, ob Dieter oder ich Recht haben. Wir versuchen Euch seit Anbeginn des Blogs (ich erst etwas später) über Vorgänge im Verein zu informieren, Euch auf Missstände ebenso hinzuweisen wie auf freudige Ereignisse. Hier ging es auch nie gegen irgendjemanden, sondern immer um den HSV. Das gilt bei Spielerkritiken genauso wie bei Vorständen. Ob ich glaube, dass Bernd Hoffmann zur Versammlung kommt? Ob ich damit rechne, dass der ehemalige Vorstand nicht entlastet wird? Fragen, die ich vorher von interessierten Mitgliedern, Freunden und auch von einigen Bloggern gestellt bekam. Ich ließ sie unbeantwortet – zumindest fast. Weil sie für mich nicht mehr entscheidend sind. Solange nichts nachweisbar ist, sollte man schweigen. Denn am wichtigsten bei dieser Mitgliederversammlung war, dass die momentan ruhige, sachliche und vor allem auch einigermaßen erfolgreiche Arbeit nicht durch neu aufgenommene Schlammschlachten gefährdet wird.

Und das ist gelungen.

Zwar wurde von verschiedenen Seiten bissig nachgefragt, es wurde Kritik geübt und es wurden Verdächtigungen ausgesprochen, die den einen oder anderen in einem neuen, schlechteren Licht erscheinen lassen. Aber letztlich blieb es vergleichsweise ruhig. Auch dank des neuen Vorstandsbosses Carl Edgar Jarchow, wie Dieter mir berichtete. Dieter hat mich während der Veranstaltung auf dem Laufenden gehalten (ich konnte leider selbst nicht anwesend sein) und bat mich heute noch mal darum, Jarchow hier zu erwähnen, weil er in seiner Zusammenfassung zu schlecht weggekommen sei. Jarchow habe mit seiner ruhigen Art einen maßgeblichen Anteil am Gelingen der Veranstaltung gehabt. Das haben mir gleich mehrere Bekannte und Freunde erzählt. Auch Dieter, dessen Wunsch ich hiermit hoffentlich ausreichend erfüllt habe.

Und ich habe mich gefreut. Weniger über die eher alarmierende Bilanz denn darüber, wie gefasst beispielsweise ein so honoriger Mann wie Christian „Büdi“ Blunck mit seiner Wahlniederlage umgegangen ist. Und ich hoffe, das die ganzen aufgeschobenen Anträge auf Satzungsänderung im Mai ähnlich sachlich diskutiert werden, wie am Sonntag im CCH – nämlich im Sinne des HSV.

Dass sich dabei trefflich diskutieren lässt, was im Sinne des Vereines ist und was nicht – logisch. Gerade eine Thematik wie die um Investor Klaus Michael Kühne dürfte noch mal die Gemüter erhitzen. Dennoch scheint sich innerhalb des Vereines eine neue Gelassenheit im Umgang miteinander breit zu machen, die der Entwicklung der Mannschaft sehr zuträglich sein kann. Wie sehr beweist schon die Tatsache, dass sich die Spieler selbst derzeit über eine Harmonie im Klub freuen, die sie selbst „noch nie“ so beim HSV erlebt haben. Darüber und über den Rückrundenstart habe ich mit Dennis Aogo gesprochen. Das Interview:

Matz Ab: Dennis Aogo, diesmal hat es Sie nicht die 8,5 Stunden bei der Mitgliederversammlung gehalten…
Aogo: Weil ich diesmal auch keinen Freund da hatte, der für ein Amt kandidiert hat.

Wie empfinden Sie die Stimmung innerhalb des Vereins?
Aogo: Sie ist heute so, wie wir sie uns immer gewünscht haben, und wie ich es noch nicht erleben durfte, seitdem ich hier bin. Wir haben einen starken Trainer und einen Sportdirektor, die sehr gut zusammenarbeiten. Das allein ist schon ein riesengroßer Unterschied zu den vergangenen Jahren. So einen Austausch zwischen Mannschaft, Spieler und Sportchef beziehungsweise Präsidium hatten wir noch nie. Und der ist wichtig. Frank Arnesen ist da ein ganz besonders wichtiges Bindeglied. Dietmar Beiersdorfer war schon nah dran und hat das meiste mitbekommen. Aber Arnesen bietet genau das, was uns die letzten zwei Jahre gefehlt hat.

Der Trainer betont, dass er eine bestimmte Fußballphilosophie habe. Inwieweit hat die Mannschaft diese schon verinnerlichen können?
Aogo: Jeder einzelne weiß, was er zu tun hat. Es fehlen hier und da zwar noch Abstimmungen, und wir werden die letzte Woche vor dem Rückrundenstart sicherlich noch sehr intensiv nutzen, um unser Defensivverhalten zu verbessern, auch hier Automatismen zu entwickeln. Da machen wir noch zu viele Fehler. Chancen für den Gegner entstehen zumeist durch unsere Fehler, weil wir zu viel Risiko gehen. Wir dürfen nicht zu offensiv denken – und wenn das klappt, dann ist hier noch vieles für uns möglich.

Warum hat das zu Saisonbeginn nicht annähernd so geklappt? Was ist in der Rückrundenvorbereitung anders als zum Saisonbeginn?
Aogo: Es geht nicht nur um diese Saison, es geht auch nicht um einen Vergleich von Michael Oenning und Thorsten Fink. Genau genommen hatten wir in den letzten zwei Jahren das Problem, dass wir kein klares Konzept hatten. Wir wussten nie, ob wir auf Konter spielen, offensiv agieren oder sonstwie spielen. Es änderte sich immer wieder und wir hatten keine Chance, ein System zu verinnerlichen. Mir hat, seitdem ich hier bin, die Spielidee gefehlt. Michael hat das ja noch versucht, ihm sollte man da wirklich keinen Vorwurf machen.

Betrachtet man den zweiten Teil der Hinrunde und die Vorbereitung, scheinen Sie einer der Wortführer auf dem Platz zu sein.
Aogo: Auf jeden Fall versuche ich, diese Rolle einzufordern, weil ich die Idee gut verinnerlicht habe. Ich bin ein Gefühlsmensch und sage, was ich denke. Das ist auf dem Platz oft gut. Ansonsten kann es einem schon mal Probleme machen (lacht)…

Sie waren einer der ersten, der vom internationalen Wettbewerb als Ziel für diese Saison gesprochen hat. Inzwischen folgen Ihnen sogar der Trainer und der Sportchef…
Aogo: Und das ist doch auch gut so. Wir wissen, dass es ein weiter Weg ist und unsere Ausgangslage alles andere als rosig ist. Aber wir wissen auch, dass wir noch eine Menge Potenzial haben, das in der Hinrunde ungezeigt geblieben ist. Wir müssen etliche Punkte aufholen, die wir in der Hinrunde liegen gelassen haben – und damit dürfen wir nicht warten. Das müssen wir schon gegen die ersten Drei durchziehen. Mit Dortmund geht es los.

Neben Ihnen ist Ihr Zimmerpartner bei Auswärtstouren, Heiko Westermann, der zweite Spieler auf dem Platz, der die Trainervorgaben immer wieder lautstark einfordert. Und das, obwohl er selbst mit seiner Leistung lange nicht zufrieden sein durfte.
Aogo: Bei Heiko kann man nur den Hut ziehen. Er hat sich selbst aus seiner kleinen Krise herausgezogen und in meinen Augen dann noch eine sehr, sehr gute Hinrunde gespielt. Das ist alles andere als leicht. Respekt!

Und das hat ihn innerhalb der Mannschaft als Kapitän endgültig ankommen lassen?
Aogo: Auch. Heiko ist der perfekte Kapitän. Er ist neutral und offen für alle. Er hört den Jungen zu, gibt seine Erfahrung an sie weiter und ist für die Älteren ein guter Ansprechpartner. Ihn kann nichts mehr überraschen – und daran können sich andere hochziehen. Heiko marschiert einfach immer vorneweg und übernimmt Verantwortung. Mehr geht nicht.

Das kam nicht immer an. Letztes Jahr hat Westermann zum Mannschaftsabend eingeladen. Kamen damals wirklich nur vier Spieler?
Aogo: Es waren auf jeden Fall nur wenige. Zu wenige. Ich selbst war auch nicht da, weil ich mit der Nationalelf unterwegs war. Solche Abende mit am Ende nur vier Leuten waren leider keine Seltenheit. Aber das ist heute anders. Diese Mannschaft hat Teamgeist, wie ich ihn hier noch nie erlebt habe. Heute sind wir zu zehnt gemeinsam unterwegs, gehen gemeinsam in der Disco und Mannschaftsabende sind beliebt. Wir können wieder zusammen feiern, weil wir weniger Eitelkeiten in der Mannschaft haben. Dazu kommt, dass wir altersmäßig alle etwas näher zusammen liegen und daher auch noch mehr gemeinsame Interessen haben. Aber vor allem sind alle hungrig, alle sind heiß auf Erfolg. Und Fußball spielt wieder die ausschließliche Hauptrolle.

Das klingt so, wie ich glaube, es im Trainingslager beobachtet haben zu können. Diese Mannschaft ist vielleicht individuell nicht so hochkarätig besetzt, wie es nominell in den letzten Jahren der Fall war. Aber sie hat zumindest die Basis gelegt, das Maximum aus seinen Möglichkeiten herauszuholen. Wohin das führt ist natürlich offen – aber im Gegensatz zur Hinrunde dürfen wir uns diesmal auf den Beginn der Punktspiele freuen. Denn wir dürfen wieder berechtigt hoffen.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um zehn Uhr trainiert. Anschließend spricht der Trainer.

Bis morgen,
Scholle (19.19 Uhr)

Der HSV blickt nur noch nach vorne

15. Januar 2012

Friede, Freude, Eierkuchen – Hosianna HSV! Es lebe der Verein, es lebe die Demokratie, es lebe der neue Optimismus – und ein dreifaches Hoch auf die Zukunft der besten und größten Raute der Republik. Dazu viel, viel heiße Luft im CCH – vor allem im Vorfeld der Jahreshauptversammlung. Es blieb friedlich beim HSV, kein Hauch von Ohnsorg-Theater oder von Komödienstadl, es blieb größtenteils friedlich, so dass der Aufsichtsrats-Chef Ernst-Otto Rieckhoff, für den ich an diesem Tag die Note eins vergebe, zwischenzeitlich befand: „Das war bislang eine gute Diskussion, eine faire Diskussion, das hat mir sehr gut gefallen, genau so sollten wir alle im HSV miteinander umgehen.“ Ähnlich sah es Dr. Peter Krohn: „Natürlich gibt es unterschiedliche Meinungen und auch kritische Stimmen, es wäre ja auch unnormal, wenn nicht, aber alles blieb in einem fairen Rahmen, es herrschte eine gute Atmosphäre hier.“ Auch der ehemalige HSV-Präsident Ronald Wulff sah es so: „Ich hatte Schlimmes befürchtet, aber alles verlief ruhig und in den normalen Bahnen, ich bin sehr erleichtert und auch dankbar dafür.“


Und weil es eben alles sehr harmonisch abging, wurden – natürlich – auch die längst ausgeschiedenen ehemaligen Vorstandsmitglieder Bernd Hoffmann und Katja Kraus teilweise begeistert gefeiert. Und wenn sie nicht begeistert gefeiert wurden, dann gab es auf jeden Fall kräftigen Applaus. Beide waren nicht im Saale, aber sie werden es schon irgendwie erfahren. Auf jeden Fall blieb die große Abrechnung mit dem Duo aus, sodass nun wirklich und absolut und total nur noch in die Zukunft geblickt werden kann. Glückwunsch, HSV!

Auch ich werde nichts mehr zu Hoffmann/Kraus sagen, weil ich es schon lange Leid bin. Egal, was man dazu sagt, was ich dazu sage und schreibe, es gibt um die Ohren. Und deswegen bleibe ich ruhig. Kein Vorwurf mehr zu jener Summe, die Aufsichtsrats-Mitglied Manfred Ertel auf 1,7 Millionen Euro bezifferte – und nach denen im HSV bis zuletzt gefahndet wurde. Diese 1,7 Millionen sind mir, ich gebe es zu, schnurzpiepe-egal. Obwohl auch ich Mitglied des Hamburger Sport-vereins bin. Sie sind mir egal, es ist mir zudem egal, was da sonst noch alles gelaufen sein soll, gelaufen sein kann. Egal ist mir nur nicht, und das muss ich dann doch noch kurz schreiben: Wie Hoffmann/Kraus in ihren acht Jahren mit ihren Vorstandskollegen Christian Reichert (gab deswegen entnervt auf!), Dietmar Beiersdorfer und Oliver Scheel umgegangen sind, sie außen vor gelassen haben, sie teilweise mit Nichtachtung gestraft haben – das ist mir nicht egal. Und das wird mir auch in vielen Jahren nicht egal sein. Weil man so nicht mit Menschen umgeht.

Nun aber Schluss. Hoffmann/Kraus sind gefeiert worden, und das sind sie wahrscheinlich auch deshalb, weil der HSV eine gute, oftmals auch eine sehr, sehr gute Zeit unter diesen Führungskräften hatte. Das erkenne ich absolut an. Wäre auch blöd, wenn nicht, denn der sportliche Weg des HSV ging seit 2002 nach einer gewissen Durststrecke wieder nach oben – was allein schon an den Neuverpflichtungen in dieser Epoche abzulesen ist.

Friede, Freude, Eierkuchen. Der ehemalige HSV-Torwart Frank Rost war unter den Zuhörern – und wurde mit donnerndem Applaus begrüßt. Als Trainer Thorsten Fink den Saal betrat, gab es ebenfalls großen Applaus. Ebenso für die Mannschaft, die geschlossen anwesend war und ebenfalls gefeiert wurde. Beifall der 988 wahlberechtigten Mitglieder (die um 11.34 Uhr im Saal waren, später lag die Zahl bei 1200) gab es auch für den ehemaligen HSV-Präsidenten Dr. Peter Krohn, der eigentlich keine Rede halten wollte (es wäre wohl das ersten Mal gewesen!), dann aber von seiner Frau Doris ermutigt und angemeldet wurde (vielen Dank dafür!). Krohn stellte einige Fragen, aber er ermunterte alle Mitglieder auch, in Zukunft wieder und mehr „anspruchsvoller“ zu denken, denn: „Der HSV gehört nicht auf Platz 13 oder Platz zwölf, sondern wieder an die Spitze.“ Natürlich.

Großen Applaus erhielt auch Ernst-Otto Rieckhoff, der eine lange Rede für den Aufsichtsrat hielt (dessen Inhalt größtenteils vorher schon veröffentlicht worden war – ein guter und kluger Schachzug!). Der AR-Boss legte durchaus den Finger in die Wunde, ohne aber dabei zu übertreiben. Ich empfand diese (seine) Rede als angemessen und auch als äußerst wohltuend für den HSV und die Zukunft des Klubs – das war sehr gut!

HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow begann seine Rede mit einer Art Liebeserklärung an den Klub: „Ich bin seit über 20 Jahren Mitglied und gehe jeden Tag immer wieder sehr gerne zum HSV.“ Dann wurde es ernst: „Ich habe mich ausschließlich damit zu beschäftigen, was in Zukunft mit und beim HSV passiert, dass das nicht ganz ohne Vergangenheit geht, dürfte jedem klar sein, aber ich – und werde es auch weiterhin tun – es stets vermieden, in irgendeiner Weise zu beurteilen oder mich dazu zu äußern. Ich hoffe, dass das in Ihrem Sinne ist, ich werde auf jeden Fall weiterhin so verfahren.“

Dann sprach er einen durchaus kritischen Punkt an, den ich eingangs bereits erwähnte: „Es entspricht der Philosophie dieses Vorstands, dass wir diesen HSV als Team führen möchten. Mit einer klar geregelten Verantwortlichkeit für alle Bereiche.“
Das musste offenbar doch einmal (und noch einmal) gesagt werden.
Dann gab es eine Zahl. Jarchow: „Das ausgewiesene Ergebnis des vergangenen Wirtschafts-Jahres brachte uns ein Minus von leider 4,8 Millionen Euro, was nach vielen Jahren der positiven Ergebnisse erstmals ein negatives Ergebnis bedeutet.“

Zum „Hoffmann-Kraus-Komplex“ befand CEJ: „Es ging um die Überprüfungen des alten Vorstandes nicht um Schuldzuweisungen, sondern einzig und allein darum, uns einen Überblick zu verschaffen für den Status quo. Wir brauchten vor allen Dingen einen schnellen Überblick über den finanziellen Status quo. Und dann bekam ich eine Rechnung auf den Tisch, die ich unterschreiben sollte. Und da habe ich mir erlaubt zu sagen, dass ich mich erst erkundige, was dafür geleistet wurde, bevor ich das unterschreibe. Ich finde das nicht ungewöhnliche. Nachdem ich dann feststellte, dass die Grundlagen für die Bezahlung recht lückenhaft war. Und dann haben wir gebeten, dass wir entsprechende Unterlagen erhalten – das ist ganz in Ordnung. Das ist mittlerweile geschehen, der Vorgang ist abgeschlossen, mehr gib t es dazu nicht zu sagen.“

Carl-Edgar Jarchow weiter: „Ein anderer, viel entscheidender Punkt ist der, was wir finanziell vorgefunden haben. Und was wir dann für Maßnahmen im Hinblick auf die neue Saison tun müssen. Leider stand relativ schnell fest, dass wir nicht international spielen werden. Und leider stand zudem fest, dass wir in dieser Saison 14 Millionen aus Alt-Transfers zu zahlen haben werden. Zudem stand fest, dass ausgeliehene Spieler, ich nenne zwei Namen: Rozehnal und Berg, wieder auf unserer Gehaltsliste stehen werden. Leider Gottes war das Ergebnis Teil dieser Überlegungen und Annahmen, dass wir uns ernsthaft Sorgen machen mussten. Es ging in erster Linie um die Liquidität des Vereins in der kommenden, in der jetzt laufenden Saison. Es war dann meine Aufgabe, dem neuen Sportchef Frank Arnesen relativ deutlich und schnell klar zu machen, dass er nicht, wie wohl vorher avisiert, über einen gewissen Betrag zur Verfügung haben würde für Neuerwerbungen, sondern dass er, ganz im Gegenteil, Einsparungen wird vornehmen müssen. Somit mussten Spieler gehen, die noch Verträge mit uns hatten, und es mussten Spieler gehen, deren Verträge ausliefen, für die es keinerlei Transfererlöse mehr zu erzielen gab.“ Jarchow weiter: „All das hat dazu geführt, dass wir nicht nur eingespart, sondern auch die Philosophie verändert haben. Wir haben sehr stark auf junge Spieler gesetzt.“ Das Ziel, diese Saison mit einer schwarzen Null abzuschließen, das sieht Jarchow auch deshalb als gefährdet an.

Zur sportlichen Seite des Klubs befand der Boss: „Natürlich wollen wir wieder nach oben. Wir haben aber im Moment ein Jahr, in dem wir im Umbruch sind, ich kann das Wort selbst nicht mehr hören – aber ich hoffe, dass wir sehr schnell die Tabellensituation verbessern können, dass wir dann in einem gesicherten Tabellenumfeld landen werden, um dann in der neuen Saison mit voller Konzentration an neue Ziele heranzugehen. Mir ist völlig klar, dass wir in Hamburg nicht auf Dauer um Platz zehn oder zwölf spielen, das ist nicht das, was unsere Fans erwarten, was unser Umfeld erwartet, was auch ich erwarte. Aber wir brauchen schon etwas Realismus und auch etwas Zeit. Und wir dürfen nicht wieder versuchen, wie in der Vergangenheit geschehen, unsere Ziele mit Aufsehen erregenden Verpflichtungen und Spielern erreichen zu wollen, die ihren Zenit schon überschritten hatten. Das haben wir nicht geschafft, obwohl wir nicht erfolglos waren – aber mittelfristig wollen wir uns wieder in der Spitze etablieren und um dann auch mal wieder eine Meisterschaft oder einen Pokal in diese wunderschöne Stadt zu holen.“

Dann versprach Jarchow für den Vorstand: „Wir werden uns Ihr Vertrauen erarbeiten, und wir werden uns mit ganzer Kraft für diesen Verein einsetzen. Und wir werden uns auch weiterhin für den Universal-Sportverein bekennen.“

Da gab es dann ebenfalls viel Beifall. Der ungekrönte König aber des Tages war – und zwar ganz eindeutig – Frank Arnesen. Auch für ihn wieder die Note eins. Als der Sportchef am Mikrofon stehend im Beifallssturm badete, sagte er zu Beginn seines Vortrags: „Denke, ich setze mich nun wieder . . .“ Da hatte er dann auch die Lacher auf seiner Seite. Zumal er sich natürlich nicht setzte. Der Saal war ruhig und bestens gefüllt, weil auf die Worte des Dänen alle gewartet hatten . . . Das war schon beeindruckend. Zumal Arnesen zugab, zum ersten Mal auf einer solchen Veranstaltung zu reden: „Aber es ist schön, hier zu stehen, so viele Mitglieder zu sehen, die wollen, dass es ihrem Verein gut geht.“ Und: „Wir wollen doch alle das Beste für den HSV.“

Frank Arnesen über den neuen Vorstand: „Alle Entscheidungen, die im Vorstand getroffen werden, machen wir mit allen vier Männern, ganz klar, wir machen alles zusammen, wir arbeiten als Team. Und nach acht, neun Monaten kann ich sagen, dass wir als Team sehr gut zusammenarbeiten. Wir haben hier schon einiges aufgebaut.“ Der Däne sagte auch: „Carl Jarchow hat es gesagt, es gab eine schwere Situation zu bewältigen, als ich beim HSV begann. Als ich kam, hatte unsere Mannschaft ein Durchschnittsalter von 30 Jahren, heute heißt diese Zahl 24. Das ist natürlich ein Risiko, denn junge Spieler haben naturgemäß weniger Erfahrungen, machen deshalb Fehler, das ist überall so.“ Frank Arnesen: „Mit unseren neuen und jungen Spielern haben wir aber unsere Kosten auch stark reduziert.“

Über die Ziele des HSV befand Arnesen: „Ganz klar, ich bin nicht nach Hamburg gekommen, um Mittelmaß zu sein. Wir wollen Erfolg haben, wir wollen hart arbeiten, um Erfolg zu haben, und der HSV ist kein Verein, um Mittelmaß zu sein, der HSV ist ein Klub, dessen Ziel es sein muss, ständig bei Platz vier und sechs dabei zu sein. Und wir müssen alles tun, um so gut Fußball zu spielen, wir müssen dafür sorgen, dass wir jedes Jahr hier internationalen Fußball hier haben werden.“

Zum Scouting des HSV vertrat Frank Arnesen übrigens eine ganz pikante Note – im Moment in ganz Deutschland heiß diskutiert: „Wir suchen in erster Linie in unserer näheren Umgebung, und die Zielgruppe sind 12- bis 14-jährige deutsche Spieler, dann 16-jährige nationale Spieler, und von 18 Jahren an aufwärts weltweit Talente. Daran müssen wir sehr hart arbeiten, wir müssen die besten Spieler finden – um so auch die Kosten für neue Spieler für die Bundesliga-Mannschaft zu senken. Dafür brauchen wir viele und sehr gute Scouts.“ Arnesen auch noch: „Wenn wir alle eine Familie wären, wenn hier alle zusammenstehen würden, um unsere Ziele zu erreichen, das wäre fantastisch.“ Und: „Ich will alles tun, damit der Verein seine Ziele erreicht, ich will noch lange hier arbeiten, damit es bergauf geht, ich bin sehr gerne hier.“ Es folgte langanhaltender Applaus.

Den gab es auch um 15.54 Uhr, da nämlich war der Aufsichtsrat (mehrheitlich) entlastet. Eine Einzelentlastung, für die ein Antrag gestellt wurde, war zuvor abgelehnt worden. Wohl auch deshalb, weil AR-Mitglied Alexander Otto für den Rat und dessen Zusammenhalt verkündet hatte: „Wir sind auf einem guten Weg, ein gutes Team zu sein.“ Das ist doch schön zu vernehmen . . .

Übrigens: Auch der alte Vorstand wurde entlastet, der neue Vorstand wurde entlastet, und sogar der Ehrenrat wurde (alles mehrheitlich) entlastet.

Kurz noch eine andere Personalie: Horst Becker, der ehemalige Aufsichtsrats-Chef, wurde nach seinem freundschaftlichen Verhältnis zum ehemaligen Klub-Boss Bernd Hoffmann gefragt. Becker antwortete: „Selbstverständlich hat der Aufsichtsrats-Vorsitzende mehr Kontakt zu einem Vorstands-Vorsitzenden, da kann man aber auch Ernst-Otto Rieckhoff fragen, wie oft er sich mit Carl-Edgar Jarchow trifft und getroffen hat, um gewisse Dinge zu besprechen. Alles ganz normal. Ich kann nur sagen, für meine Tätigkeit, und ich bin vier Jahre AR-Chef gewesen und 16 Jahre im Aufsichtsrat, ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich habe sicher bei einigen Entscheidungen in der Vergangenheit auch Fehler gemacht, wie alle, aber diese Vorwürfe, die hier in den Raum gestellt wurden, kann ich so nicht stehenlassen.“

So, um noch schnell noch einmal auf das Testspiel in Bielefeld zu kommen: Auch Thorsten Fink war nicht gerade begeistert von der Vorstellung seiner Mannschaft, die – völlig unverdient – 1:0 bei dem Drittliga-Klub gewonnen hatte. „Wir haben schlecht gespielt, die Arminia dagegen hervorragend. Wir wollten hier natürlich viel besser spielen, aber die körperliche und geistige Frische hat mir gefehlt, auch die Konzentration. Da müssen wir noch einiges machen, wir haben noch Arbeit vor uns, das haben wir gesehen, aber wir haben ja in den Spielen während des Trainingslagers gezeigt, dass wir es besser können“, sagte der Trainer. Die Mannschaft trainiert erst am Dienstag wieder im Volkspark – und Fink sagt: „Jetzt können die Spieler in Ruhe abschalten und ausspannen, dann kommen sie auch mit einer neuen Frische in diese Woche zurück.“ Und: „Man darf nicht vergessen, dass wir über drei Stunden mit dem Bus hierher gefahren sind, und dann sofort gespielt. Das erklärt doch so manche Schwerfälligkeit.“

Da zurzeit die Wahl (bzw. die Vorstellung der Kandidaten) des Vorstandmitglieds für die Belange der Mitglieder andauert, sende ich diesen Beitrag schon einmal. Und ergänze dann später, wer es denn nun geworden ist: Christian “Büdi” Blunck oder Oliver Scheel.

17.19 Uhr
In dieser Woche soll noch an der Spritzigkeit der Spieler gearbeitet werden, und es sollen auch noch Standards geübt werden.

Zur Verletzten-Situation: Mladen Petric verspürte ein leichtes Ziehen in der Wade, deswegen ist er vorsichtshalber ausgewechselt. Und ich habe eine Personalie am Sonnabend vergessen: für Jeffrey Bruma kam in der 67. Minute Michael Mancienne.

So, die Wahl Scheel/Blunck ist um 18.32 Uhr entschieden. Oliver Scheel bleibt im Vorstand, er gewann mit 751 Stimmen gegen 273 (für Blunck), sechs Stimmen waren ungültig.

Bielefeld gegen Jaroslav Drobny 0:1

14. Januar 2012

So ungerecht kann Fußball sein. Da spielt Arminia Bielefeld vor 8215 Zuschauern zweitweise wie aus einem Guss, hat viele, viele beste Tormöglichkeiten gegen den großen HSV – und am Ende steht es 1:0 für Hamburg. Ein gutes Omen? Spielt der HSV am nächsten Sonntag ähnlich so auf wie diesmal und gewinnt ebenfalls 1:0, dann ist die Fußball-Welt rund um den Volkspark aber absolut in Ordnung. In Bielefeld aber war sie es nicht, diese Generalprobe klingt zwar vom Ergebnis her standesgemäß, die fußballerische Vorstellung aber der Hamburger „Finken“ war erschütternd. Gerecht wäre wohl ein 4:1 für die Arminia gewesen, aber wen stört das in Hamburg schon groß? Das ist eben Profi-Fußball, es zählt nur das Ergebnis.

Der arme Torsten Wohlert. Er saß hoch oben auf der Tribüne der SchücoArena und schrieb sich fast die Finger wund. Der ehemalige Erstliga-Profi (u.a. Duisburg, Dortmund) saß offenbar als Spion für Meister BVB und machte eifrig Notizen für Jürgen Klopp. Was Wohlert allerdings sah, das war herzlich wenig. Und dürfte dem guten „Kloppo“ kaum neue Erkenntnisse über den HSV gebracht haben, eher das Gegenteil dürfte der Fall gewesen sein. So lange die für Dortmund „gedachte“ Fink-Elf auf dem Rasen der früheren Alm stand, so lange passierte so gut (0der schlecht) wie nichts. Oder wenn, dann passierte es nur für die Arminia, immerhin Tabellenvierzehnter der Dritten Liga.

Solche Spiele sind noch nie etwas für Fußballfeinschmecker gewesen. Eine Woche vor dem Rückrundenstart will sich niemand mehr verletzten. Und so spielte der HSV dann auch. Sahen die ersten Minuten noch nach (Erstliga-)Fußball aus, so verflachten die Hamburger Darbietungen von der 15. Minute an immer mehr. Zurück, zurück, quer, quer – Drobny. So oder so ähnlich lief die Kugel in Westfalen. Am besten jedem Zweikampf aus dem Wege gehen. Bielefeld erwartete den HSV in der eigenen Hälfte, machte die Räume hinten erst einmal dicht. Wenn aber gekontert wurde, dann waren blitzschnell auch mal fünf, sechs Arminen vor dem HSV-Strafraum. Die ersten Tormöglichkeiten hatte zwar der HSV, als einmal Marcell Jansen und kurz darauf Paolo Guerrero das 1:0 auf den Füßen hatten, aber nach einer Viertelstunde: Bielefeld.

Geburtstagskind Dennis Aogo „schickte“ – ein Blackout – Bielefelds Stürmer Klos Richtung HSV-Tor, Jaroslav Drobny hielt. Heiko Westermann „bediente“ Klos, der hätte freie Bahn gehabt, doch das ausgestreckte Bein des HSV-Kapitäns verhinderte den Gang auf das HSV-Tor. Glück für Westermann: Schiedsrichter Siewer bedeutete: Ball gespielt. Fragte sich nur, wer? Westermann nicht.

Bielefeld hatte einige gute Möglichkeiten, die HSV-Defensive ließ sich viel zu leicht ausspielen. So auch in der 35. Minute, als Agyemang den quer gelegten Ball eigentlich nur noch mit dem „Ohrläppchen“ aus fünf Metern ins HSV-Tor hätte drücken können (sogar müssen), aber das Kunststück fertig brachte, über die Querlatte zu schießen. Immerhin: In der 38. Minute kam der HSV doch zu seinem ersten Eckstoß – verkürzte in dieser Statistik auf 1:3.

Wie gesagt, dieses Spielchen hatte nur Trainingscharakter, eine Einzelkritik verbietet sich von allein. Der HSV war anwesend, aber zeigte maximal 50 Prozent seines Könnens. Aber es ist ja auch wohl genug, wenn den am Hungertuch nagenden Bielefeldern etwas Kleingeld in die Kasse gespielt wird, da kann dann niemand mehr erwarten, dass dazu auch noch eine kostenlose Lehrstunde in Sachen Fußball erteilt wird. Alles hat schließlich seine Grenzen, auch die Hilfsbereitschaft unter Fußball-Profi-Klubs. . . Und was noch erschwerend (aus Hamburger Sicht) bei diesem müden Kick hinzukam: Es gab diesmal keine Übernachtung an Ort und Stelle, der HSV-Bus fuhr erst relativ kurzfristig vor die Arena. Es fehlte also die sonst übliche Vorbereitung bei einem Auswärtsspiel.

Bemerkenswert am Rande: Jeffrey Bruma legte in der 44. Minute einen Ball genau auf den Bielefelder Klos, und als der Niederländer seinen Fehler wieder ausbügeln wollte, da fegte er den Arminen an der Eckfahne (!) um – Gelb. Das war so überflüssig wie ein Kropf.

Die Freistöße (vorwiegend von Dennis Aogo getreten) verpuffte zu oft im Niemandsland, die Eckstöße (überwiegend von Ivo Ilicevic getreten) blieben allesamt harmlos – weil zu flach.

Keine Verletzten mit nach Hamburg gebracht? Abwarten. Paolo Guerrero lag in der 29. Minuten lange am Boden, hielt sich einen Knöchel, humpelte danach noch längere Zeit – spielte aber weiter.

Mladen Petric wurde einige Mal recht unsanft zu Boden befördert – und ging in der 56. Minute vom Platz. Für ihn kam Gojko Kacar, Robert Tesche spielte bis zu seiner Auswechslung (in der 67. Minute kam Heung Min Son für ihn) neben Guerrero ganz vorne.

HSV-Möglichkeiten im zweiten Durchgang? Bis zur 74. Minute null.
Und Bielefeld? Sechs Riesen. Einige „Hundertprozentige“. Klos frei vor Drobny – aus 16 Metern vorbei (52.). Schönfeld aus elf Metern vorbei (55.). Hille allein vor Drobny, der hält, Eckstoß (70.). 60 Sekunden später Heithölter aus 13 Metern an die Querlatte, Drobny wäre ohne Chance gewesen. Sekunden danach ein vierfacher HSV-Wechsel: David Jarolim bekam eine Chance, er kam für Tomas Rincon. Zhi Gin Lam für Ilicevic, Jacopo Sala für Jansen, Slobodan Rajkovic für Westermann.

Und dann der Höhepunkt des Spiels in der 73. Minute: Heilhölter gleich zweimal innerhalb von vier, fünf Sekunden frei vor Drobny, der hält zweimal wie ein Weltmeister. Da hieß es im Testspiel zwischen Arminia Bielefeld und HSV Drobny noch 0:0.
60 Sekunden später dann aber 0:1. Das ist Fußball. Freistoß von Aogo von der Rechtsaußen-Position, der Ball fällt aus einer Spielertraube fünf Meter vor dem Tor der Westfalen herunter – Kacar „trullert“ die Kugel über die Linie. Wenigstens ein Erfolgserlebnis für einen zuletzt arg gebeutelten Hamburger. Könnte Kacar mal wieder Auftrieb geben. Übrigens: Auch Togay Arslan kam noch (80.), er löste Guerrero ab. Damit hatten sich dann auch bis auf Torwart Tom Mickel alle Hamburger ein wenig die Glieder in Bielefeld ausgeschüttelt. Dortmund kann kommen.

Aber erst einmal die Jahreshauptversammlung an diesem Sonntag.

17.29 Uhr

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