Tagesarchiv für den 28. Januar 2012

2:1 in Berlin – der HSV auf Platz elf

28. Januar 2012

Der HSV kann ja doch gewinnen! 2:1 bei Hertha BSC, der erste Dreier des Jahres, gegenüber der Hinserie wurden jetzt schon zwei Punkte mehr eingesammelt – die „jungen Finken“ kletterten durch diesen Erfolg auf den elften Tabellenplatz, schoben sich damit auch an den lange Zeit schwachen Berlinern vorbei. Kompliment. Lange Zeit hatte der HSV das Geschehen in Berlin fest in der Hand, die Frage nach dem Sieger schien schon mit der 2:0-Halbzeitführung des HSV frühzeitig geklärt. In der Schlussphase aber drängten die BSC-Spieler mit Macht auf den Ausgleich, da hatte der HSV dann auch das nötige Glück auf seiner Seite. Aber auch das ist zulässig, und auch das wird auch in Zukunft noch einige Male eine große Rolle dabei spielen, ob der HSV letztlich doch den angepeilten sicheren Mittelfeldplatz wird einnehmen können. Im Moment hat er ich, jetzt ist erst einmal eine Woche ein kräftiges Durchatmen angesagt – bevor es dann gegen den FC Bayern geht. Aber: alles wird gut.

„Gegner wie Hertha BSC oder wie der 1. FC Köln, daran können wir uns messen, gegen die müssen wir gewinnen.“ Hatte Trainer Thorsten Fink nach der 1:5-Klatsche gesagt. Der Mann könnte Hellseher werden. Wobei Hertha BSC ja gar kein Gegner war. Die Berliner waren ja gegenüber dem Hinspiel im Volkspark nicht wiederzuerkennen. So harmlos war in dieser Saison noch keine andere Mannschaft in einem Spiel gegen den HSV. Nun kann ich Markus Babbel viel besser verstehen, warum er dort seinen Koffer packte . . . Diese Hertha muss ganz stark aufpassen, dass sie nicht gleich wieder absteigt, diese Truppe spielte ja wie eine Bubi-Mannschaft. So wie der HSV gegen Dortmund.

Wobei der HSV diesmal – endlich – wieder einmal brannte, so richtig heiß war. Eben gegen einen Gegner, gegen den man gewinnen muss – um es mit Fink zu sagen. Da wurde hinter jedem Ball hergelaufen, ja sogar gesprintet, auch Mladen Petric machte mit und griff schon weit in der Berliner Hälfte den Ballführenden an. Da war schon Biss drin, diese Mannschaft wollte sich rehabilitieren, und das tat sie dann auch in souveräner Manier. Dazu ein dickes Kompliment, das muss erwähnt werden, denn nach dem 1:5 ist dieses Team auch von vielen Seiten auseinandergenommen worden – auch von mir. „Hier regiert der HSV“, skandierten die 5000 mitgereisten Hamburger Fans während des Spiels, auch dazu ein Kompliment, die HSV-Anhänger hatten in Berliner (im Stadion) alles mit ihrer Lautstärke im Griff.

Thorsten Fink hatte, wie angekündigt, umgekrempelt. Endlich David Jarolim gebracht, dazu erstmalig von Beginn an Jacopo Sala. Den kannte ein halbes Jahr lang ja niemand in Hamburg, und ich will mal kurz aus dem Nähkästchen plaudern. In dieser Woche sprach ich mit einem Kollegen von mir, es ging um diesen Sala. Der Kollege gab zu: „Den hatte ich gar nicht auf dem Zettel, der war in meinen Augen nur ein Mitläufer. Im Trainingslager aber, da blühte der richtig auf – der kommt noch, ganz sicher.“ Und ich sagte dazu: „Frank Arnesen hat ohne viel Geld richtig gute Leute geholt – wenn Jacopo Sala keiner gewesen wäre, dann hätte ihn der Sportchef doch gar nicht erst verpflichtet. Nein, nein, Arnesen hat schon ein gutes Auge, auch in Sachen Sala.“

Im Gegensatz zum Dortmund-Spiel, als die rechte Seite mit Dennis Diekmeier und Zhi Gin Lam kein Bein vor das andere brachte, dominierte rechts diesmal in den ersten 45 Minuten wie in einem Heimspiel. Sala und Diekmeier, haben sich da zwei Leute gesucht und gefunden? Auf jeden Fall schön zu sehen, dass Fink nun eine weitere Alternative hat. Die beiden Tore zur 2:0-Halbzeitführung fielen dann auch – natürlich – über rechts. Diekmeier setzte sich gegen Kobiashvili durch, passte zur Mitte, wo Paolo Guerrero zunächst verpasste, aber Marcell Jansen, der hinter dem Peruaner stand, hatte aufgepasst und schoss aus fünf Metern ein – 0:1 (24.).

Auch die Flanke zum zweiten Hamburger Tor kam von Diekmeier. Diesmal verfehlte Jansen in der Mitte, doch Petric schlich sich (in höchstem Tempo!) an den schlafenden Berliner vorbei und köpfte aus fünf Metern ein – in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit.

Diesen ersten Durchgang hatte der HSV immer bestimmt. Bei den Berliner durfte der ehemalige Hamburger Tunay Torun zwar von Beginn an ran, aber er bekam kein Bein auf den Boden. Torun war kaum einmal zu sehen, schoss einmal aus der Ferne auf den HSV-Kasten, das war es aber auch schon. Ansonsten war der Türke ein Totalausfall, wurde folgerichtig auch nach diesem schwachen Auftritt zur Pause ausgewechselt. Vom neuen BSC-Trainer Michael Skibbe, der gegen den HSV kaum gewinnen kann (14 Duelle, nur zwei Sieg für Skibbe). Der Trainerwechsel jedenfalls scheint für Berlin ohne jede Wirkung zu verpuffen.

Ich habe im ersten Durchgang oft auf das Sechser-Duo Tomas Rincon/David Jarolim geachtet. Es hieß ja so lange, dass diese beiden Spielertypen nicht gemeinsam auf der Doppel-Sechs spielen könnten. Wieso allerdings? Das bleibt mir schleierhaft. Beide ergänzten sich sehr gut, und sie setzten frühzeitig Zeichen, wirkten giftig und aggressiv. Durch ihre Präsenz im Mittelfeld, und in Sachen Zweikampfführung. Weder Rincon noch Jarolim ließen sich die Butter vom Brot nehmen, sie hielten dagegen, und sie gingen auch selbst kräftig zur Sache. Motto: „Wenn du was willst von mir, dann zeige ich dir mal was . . .“ „Jaro“ war unheimlich viel unterwegs, und er eroberte unheimlich viele Bälle. Das ist seine Stärke, und er hat allen – auch seinen härtesten Kritikern – bewiesen, dass er es immer noch drauf hat. Ich bin mir auch sicher, dass Thorsten Fink das ebenso sieht.

Natürlich kam Berlin in der zweiten Halbzeit mit Macht, wer hätte etwas anderes erwartet? Aber was kam dabei herum – außer einer kleinen Feldüberlegenheit? Klare Chancen gab es nicht für die Hertha – bis zur Schlussoffensive. Die größte Möglichkeit in der 58. Minute, als Lustenberger aus fünf Metern hätte eindrücken können, doch aus dem Hintergrund kam – na wer? Jarolim! Und schlug den Ball aus der Gefahrenzone.

Bitter nur, dass der HSV gegen Ende des Spiels so stark nachließ. Da fiel nicht nur das 1:2, da hätte Lasogga auch noch den Ausgleich markieren können, fast müssen, aber Drobny hielt riesig (84.). Der HSV wackelte bedenklich, aber zum Glück für Hamburg fiel er nicht. Obwohl: Drei, vier Minuten länger, dann wäre vielleicht doch noch etwas (Negatives) passiert, es hing zum Schluss am seidenen Faden.

Zur Einzelkritik:
Jaroslav Drobny zeigte sich jederzeit auf der Höhe, musste nur einmal (bei Toruns Schuss) nachfassen, hielt ansonsten souverän – und super gegen Lasogga (84.). Diekmeier wartete in Berlin vielleicht mit seiner besten Partie für den HSV auf – endlich einmal, möchte ich hinzufügen. Er kann es doch, er hat ein so großes Talent, jetzt hatte er offensichtlich auch mal den Mut, seine Flankenläufe durchzuziehen. Jeffrey Bruma war wie immer: Eigentlich ganz okay, aber eben keine 100 Prozent. Ich habe mitgezählt: Von zehn Rückpässen in Halbzeit eins auf Drobny kamen fünf von Bruma. Und beim 1:2 von Lasogga stand der Niederländer schlecht, sodass er im Luftduell folgerichtig den Kürzeren ziehen musste. Wäre Bruma eng am Mann gewesen, wäre das nicht passiert.

Heiko Westermann kämpfte vorbildlich wie immer, stand in fast allen Szenen richtig – eine engagierte und sehr gute Partie vom Kapitän. Gut auch Dennis Aogo auf der linken Seite, der in der Defensive besser postiert war (als zuletzt gegen Dortmund), und der auch nach vorne viele Szenen hatte.

Die Doppel-Sechser sind bereits erwähnt, obwohl ich noch ergänzen möchte, dass beide, Rincon wie Jarolim, gegen Ende der Partie Schwierigkeiten hatten, Ordnung in die Defensive und in das Spiel zu bringen. Da hatten beide doch ihre Köpfe oftmals sehr wiet unten – was die gute Gesamtnote des Duos aber nicht schmälern soll – das war für beide eine satte Zwei.

Rechts gefiel mir Sala recht gut, auch wenn er natürlich noch zulegen kann – und auch wird. Aber für den Anfang war das absolut okay. Links tauchte mir Jansen einige Male zu oft und zu lange ab, aber er war beim 0:1 zur Stelle, und er schlug auch einige (nicht viele, aber immerhin) gute Flanken zur Mitte. Auf jeden Fall auch von ihm eine klare Leistungssteigerung gegenüber Dortmund.

Mladen Petric lief viel (so lange er Kraft hatte), zeigte sich auch im Zusammenspiel mit Guerrero willig – das war eine solide Vorstellung des Kroaten, der im zweiten Durchgang aber immer weniger zu sehen war. Guerrero gefällt mir seit vielen Spielen immer bestens, so auch diesmal. Er hat es da vorne ja nicht leicht, aber wie er sich einsetzt, wie er dagegen hält, wie er um seine Chancen kämpft – das hat Klasse. Wie schön, dass der HSV ihn hat.

Drei Auswechslungen gab es beim HSV:
Kacar für Petric (85.), Son für Sala (90.) und Rajkovic für Jansen (90.).

17.42 Uhr