Tagesarchiv für den 25. Januar 2012

12:0 gegen Rugenbergen – und Jarolim hofft wieder **MIT Adler***

25. Januar 2012

++++Weil es hier gewünscht wird, zwei, drei Worte zu Adler. Es ist definitiv noch nichts fix, der HSV hat lediglich Interesse an dem Bayer-Keeper. Sein Berater will sich eigentlich gar nicht zitieren lassen, dementiert aber über Agentur eine Einigung mit dem HSV deutlich. Ebenso wie alle HSV-Verantwortlichen, mit denen ich heute gesprochen habe. Insofern ist Adler ein Thema – allerdings heute nur deshalb neu, weil die SportBild ein paar nicht wirklich neue Infos neu aufgesetzt hat.++++++

Er war schon fast weg. Die Freigabe vom HSV in der Tasche sortierte der Aussortierte in der Winterpause seine Angebote – und ist plötzlich wieder mittendrin. „Es gibt Anzeichen dafür, dass ich spiele“, freut sich David Jarolim, der am Sonnabend bei Hertha BSC zum ersten Mal seit September 2011 wieder in der Startelf stehen soll. „Damit hatte ich vorher nicht gerechnet“, sagt Jarolim, „aber es ist ein schönes Gefühl, mal wieder gebraucht zu werden. Aber schon allein die Hoffnung, dass man mal wieder wichtig ist, ist für mich ein riesiger Schritt.“

Als dienstältester HSV-Profi (seit 2003 im Team) soll der Tscheche dem beim 1:5 gegen Dortmund zuletzt stark verunsichert wirkenden Mittelfeld neuen Halt geben. Neben Tomas Rincon im zentralen Mittelfeld. Eine Konstellation, die es vor Jahren unter Bruno Labbadia schon gab – und die damals funktionierte. „Dass wir es können, haben wir gezeigt. Aber der Trainer entscheidet“, sagt Jarolim, wohlwissend, dass es seine letzten Monate für den HSV sind. Am Saisonende läuft sein Vertrag aus, der HSV will nicht verlängern. „Es ging vom Verein aus. Der neue Trainer hat mir gesagt, dass er von Beginn an auf die jungen Leute setzen will. Das war für mich schwer, vor allem natürlich, weil ich hier eigentlich einen ganz guten Stand hatte. Ich hatte mir das alles anders vorgestellt – aber es ist wie es ist. Und ich komme damit klar. Ich habe versucht, mir die Enttäuschung nicht anmerken zu lassen und weiter hart gearbeitet. Und ich werde da sein, wenn ich gebraucht werde, ich will diesem Verein noch helfen, nach dem 1:5 wieder Selbstvertrauen zu tanken. Denn so darf es natürlich nicht weitergehen.“

Wie es für ihn persönlich weitergeht, weiß der 32-Jährige dennoch schon ziemlich genau. „Ich will noch zwei Jahre auf hohem Niveau Gas geben.“ Anschließend steigt er ins Trainergeschäft ein. Und das voraussichtlich beim HSV, mit dem es dafür bereits eine Vorvereinbarung gibt. „Ich würde gern später Trainer machen“, sagt Jaro, „aber dafür muss ich erst ausprobieren, ob es was für mich ist, ob ich es kann. Denn eine lange Karriere garantiert nicht auch gleich, dass man ein guter Trainer wird. Deshalb werde ich mich selbst testen.“ Das sei am besten, indem er Jugendteams zu Beginn trainiere. „So ist es geplant.“

Einen Plan hat Jaro auch für das Spiel bei Hertha. Oder besser: er hat einen Traum. Den vom Tor. Von einem Tor, wie man es jedem Fußballer ab der B-Jugend zutraut, nur ihm nicht. „Das sagt man so“, lacht Jaro, auf seine bekannte Fernschussschwäche (das ist nicht böse gemeint, ich schreib’s nur, weil Jaro da durchaus selbst über sich lachen kann) angesprochen, „aber aus der Entfernung treffen aber in der Bundesliga auch nicht alle.“ Zur Erinnerung: Nach einer unglücklichen Rettungsaktion des Hertha-Ersatz-Ersatzkeepers Sascha Burchert bekam Jaro den Ball rund 35 Meter vor dem Gastgebertor vor die Füße, zog ab und traf. „Ich vergesse meine Tore eh selten, weil es ja nicht sooo viele sind. Aber das Tor merkt man sich besonders. Zumal Zé Roberto anschließend aus 44 Metern traf.

Ob sich Jaro noch an den damaligen Tabellenplatz erinnert? „Nein“, sagt Jaro, „nur, dass wir 3:1 gewonnen haben, Mladen sich in dem Spiel noch schwerer verletzt hat und wir anschließend ne ziemliche Durststrecke hatten.“ Fürwahr. Sieben Spiele in Folge konnte der HSV nicht gewinnen und fiel nach einem der besten Saisonstarts vom ersten Tabellenplatz (nach Hertha) auf den fünften Rang zurück. Ein Trend, der sich seither leider fortsetzte und mit der Verpflichtung Thorsten Finks gestoppt werden sollte. Das mit durchschnittlichem Erfolg. Auch wenn Kämpfer Tomas Rincon das etwas anders sieht. „Ich habe mir die ersten 30 Minuten des Dortmund-Spiels noch mal angeguckt und muss sagen, dass Dortmund gar nicht so überragend war“, überraschte mich der stets selbstkritische, ehrgeizige, „hätten wir das 1:1 gemacht, wäre es vielleicht alles anders gekommen.“

Mmmh…..vielleicht also…., okay. Einem ehrlichen Arbeiter wie Rincon verzeiht man auch mal ein wenige fehlende Selbstkritik. Zumal dann, wenn er es gut meint. Oder einfach nur sagt, weil er angefressen ist. Auf jeden Fall aber ist bei Rincon zu spüren, dass er mächtig viel Wut im Bauch hat, die sich gegen Hertha entladen dürfte. Wie viele Gelbe er schon hat? „Drei“, kommt es von Rincon wie aus der Pistole geschossen, „und die letzte Karte ist ewig her.“ Wird also Zeit? „Wartet es ab!“

Aua.

Das dachte ich auch, als Heung Min Son gegen den SV Rugenbergen in der 11. Minute völlig freistehend vor Dennis Schultz kläglich vergab. „Sonni trifft im Moment einfach nicht das Tor“, hatte uns Trainer Thorsten Fink gestern erklärt, als wir fragten, weshalb zunächst Tesche und nicht der Südkoreaner gegen Dortmund auflief. Worte, die ebenso ehrlich waren wie sie Druck erzeugen können auf einen Spieler, der genau damit seine Probleme zu haben scheint.

Aber gut, auch Son muss lernen, mit solch einem Druck klarzukommen. So, wie in der 18. Minute gegen den Oberligisten. Nachdem Jansen bereits in der 8. Minute das 1:0 erzielen konnte, war der Südkoreaner wieder der, den wir aus den verschiedenen Vorbereitungen kennen. Einen schönen Steilpass verwertete er höchst gekonnt mit einem Schlenzer ins rechte, obere Toreck. Ein schöner Treffer, der ihm gut tat. Keine drei Minuten später schickte er Jansen mit einem perfekten Außenristpass steil – doch der vergab.

Es hatte schon etwas von Juventus Turin in der Imtech-Arena. Denn sie war leer. Jeder der rund 250 Zuschauer war einzeln zu hören, Stimmung machte nur eine kleine Gruppe sehr junger SVR-Fans. Und die applaudierten auch fair, als Michael Mancienne nach einem Aogo-Eckball sehenswert mit der Hacke das 3:0 besorgte und Son in der 31. Minute Arslan freispielte, der frei vor Schutz selbigen tunnelte – 4:0. Und die „Son-Show“ ging weiter. Gegen völlig überforderte Rugenbergener erzielte der von Fink zuvor in die Pflicht genommene Südkoreaner nach Behrens’ 5:0 (Lupfer nach Pass von Arslan) per Foulelfmeter zunächst das 6:0, um in der 40. Minute mit einem wunderschönen Lupfer aus 17 Metern das 7:0 zu besorgen. „Sonni muss auch mal zum richtigen Zeitpunkt ein Tor machen“, hatte uns Fink gestern gesagt – und sein Stürmer hat gehört. Drei Tore, ein Assist – das war okay. Obgleich auch diese Treffer nicht ausreichen dürften, um Mladen Petric oder Paolo Guerrero zu verdrängen. Wohl aber, um beim nächsten Mal den Vorzug vor Tesche zu erhalten…

Ein Oberligist, bei dem Torwart Dennis Schultz glänzen konnte, als Aufbaugegner. Vor allem für Son. Und deshalb ließ Fink seinen Youngster auch auf dem Platz, als er Guerrero und Petric zur zweiten Halbzeit brachte. Son spielte links, Guerrero als einzige echte Spitze, Petric kurz dahinter. Und es dauerte bis zum nächsten Tor. Allerdings war es wieder Son, der vorbereitete, Guerrero musste nur noch einschieben – 8:0. Und jetzt ging es Schlag auf Schlag. Petric nach schönem Lupfer-Doppelpass mit Guerrero zum 9:0 (69.) und wieder Son auf Petric – 10:0 (70.). Nochmal Petric und Rincon schraubten das Ergebnis auf 12:0 hoch. Das wars…

HSV: Drobny (46. Mickel) – Behrens (Bergmann), Mancienne, Rajkovic, Aogo (46. Ingreso) – Lam (46. Sala), Kacar (46. Jarolim), Tesche (46. Rincon), Jansen (Petric), Arslan (46. Guerrero), Son.
Tore: 1:0 Jansen (8.), 2:0, 6:0, 7:0 Son (18., 36., 40.), 3:0 Mancienne (27.), 4:0 Arslan, 5:0 Behrens (34.), 8:0 Guerrero (66.), 9:0, 10:0, 11:0, Petric (69., 70., 89.), 12:0 Rincon (90., FE.).

Das war es für heute. Son hat (wenn auch wieder nur gegen einen unterklassigen Gegner) seine Torgefahr wiederentdeckt und Guerreros Heimtorserie hat gehalten – sehr viel mehr war dieser Test leider nicht wert. Wobei der Fairness halber erwähnt werden muss, dass der mir persönlich sehr sympathische SVR gerade erst mit der Vorbereitung begonnen hat und dieses Spiel erst sehr kurzfristig angesetzt wurde. Ansonsten hätten sich die sympathischen Bönningstedter sicher etwas tapferer geschlagen… Frei nach Rincons Worten: „Die ersten sieben Minuten waren gar nicht so schlecht…“

In diesem Sinne, meine Hände sind eingefroren. Bis morgen,

Scholle (20.16 Uhr)

P.S.: Der HSV hat für 300.000 Euro den dänischen U19-Nationalspieler Christian Norgaard verpflichtet. Der 17-jährige offensive Mittelfeldspieler wechselt von Lyngby BK in die Hansestadt und unterschreibt bei den Rothosen zunächst einen Jugendfördervertrag für die Nachwuchsmannschaften. Norgaard kam in den vergangenen Jahren bei der U16 (1 Einsatz), U17 (21 Einsätze/3 Tore) und aktuell bei der U19 Nationalmannschaft (5 Einsätze) Dänemarks zum Einsatz und debütierte am 20. November 2011 bei der ersten Mannschaft von Lyngby BK in der Superligaen. Der 1,85 Meter große Rechtsfuß wird zunächst bei der U23 des HSV mitmachen.

So, das war Scholle. Bitte gestattet mir (Dieter) aber, hier noch eine ganz, ganz traurige Meldung zu veröffentlichen:

Drei Stunden nach dem Dortmund-Spiel ist Remo gestorben. Remo, der ein italienisches Restaurant in Eppendorf hatte, der einer der größten HSV-Fans aller Zeiten war, bei dem wir mit dem HSV oft Weihnachten gefeiert haben, bei dem sich viele, viele HSVer stets unheimlich wohl gefühlt haben.
Ich habe kurz vor dem Anpfiff noch mit Remo gesprochen – er stand rauchend vor der Bus-Einfahrt der Arena. Ich hatte keine Zeit, weil ich die Gewinner-Karten übergeben musste (der Gewinner wartete draußen) – und Remo sagte zu mir: “Das ist typisch, das ist richtig typisch für dich – du hast nie Zeit, du denkst immer nur an Arbeit . . .”
Nein, lieber Remo, jetzt denke ich an Dich, und ich bin unendlich traurig, dass ich keine Zeit mehr für Dich hatte. Du warst ein prima Kerl, ein großartiger Mensch, ein Super-HSVer. Ich werde stets ehrenvoll an Dich denken – danke, dass ich Dich kennen lernen durfte. Und alles Gute für Dich dort oben, ich weiß, dass Du dem HSV weiterhin verbunden bist, und dass Du ihm kräftig die Daumen drücken wirst.
Dieter