Tagesarchiv für den 24. Januar 2012

Fink: “Hertha wird ein Gradmesser für uns”

24. Januar 2012

„Herr Matz, können Sie nicht mal schreiben, dass die HSV-Profis die Fans grüßen könnten und sollten, wenn sie auf den Trainingsplatz gehen? Dennis Aogo macht es doch auch, und ein Heiko Westermann ebenfalls. Warum machen das nicht alle?“ Okay, habe ich hiermit gemacht. Übrigens, das habe ich heute auch beobachtet, Trainer Thorsten Fink grüßt auch. Generell aber denke ich, dass wir (alle) im Moment ganz andere Sorgen haben – oder haben müssten. Wir alle haben dieses 1:5 noch zu verarbeiten, zu verdauen, zu verkraften. Und ich bin damit immer noch nicht durch. Die Spieler und die Trainer aber sollten schon weiter sein. Sie müssten dieses Debakel abgehakt haben, um konzentriert in Richtung Berlin zu marschieren. Der Coach hat gestern schon intensiv mit der Mannschaft gesprochen, hat auch Einzelgespräche geführt, und so ging es auch heute noch weiter.

Dabei hat Thorsten Fink herausgefunden, warum die Mannschaft, sein Team, keinen Mumm hatte gegen Dortmund: „Wir wollten zu viel. Jeder dachte daran, dass wir zuvor neun Spiele unbesiegt waren, und dass man deswegen auch gegen den Meister bestehen kann. Jeder dachte, dass man den BVB in Bedrängnis bringen könne, dass man gegen die Dortmunder großartig aufspielen könne. Damit hat sich die Mannschaft dann zu sehr unter Druck gesetzt, jeder hat viel zu viel von sich erwartet.“ Thorsten Fink dann weiter: „Als dann aber gleich zu Beginn die ersten Fehlpässe gespielt worden sind, waren alle guten Vorsätze schnell dahin, war das Selbstvertrauen auch schon verschwunden. Wir müssen lernen daraus. Wir haben gesehen, dass Dortmund eine andere Kategorie ist, wir müssen uns messen mit Gegner wie Berlin oder auch Köln, die Spiele gegen diese Gegner müssen wir gewinnen, da müssen wir zeigen, was wir können.“

Gegen Dortmund langte dieses Können eben nicht. Und das ganz eindrucksvoll. Fink: „Wir haben gelernt, was wir eigentlich können. Dass wir mit einem solchen Gegner nicht mitspielen können, dass wir uns alles hart erarbeiten müssen, dass wir fighten müssen, das wir uns spielerisch nicht alles erarbeiten können. Wichtig ist für mich nur, dass wir solche Spiele nicht wiederholen. Wir dürfen nicht wieder mit einer zu großen Erwartungshaltung in ein solches Spiel gehen, so etwas sollten wir in dieser Saison nicht haben.“ Weil der Abstand zu den Spitzenmannschaften der Bundesliga groß, vielleicht sogar sehr, sehr groß geworden ist. In der vergangenen Saison gab es zwar auch schon diesen Abstand, aber immerhin schaffte es der HSV, den auf dem Weg zum Titel marschierenden BVB fast zum Stolpern zu bringen (1:1). Diesmal aber war der Klassenunterschied einfach zu gravierend. Das ist die Realität.

Im Übrigen stellte Thorsten Fink fest: „Ich habe nie vom Uefa-Cup gesprochen, das ist vielleicht ein Ziel in zwei, drei Jahren. In dieser Saison heißt mein Auftrag, nicht abzusteigen, und deswegen streben wir einen Mittelfeldplatz an. Und das kann die Mannschaft, denn da stehen wir mit einigen Mannschaften auf Augenhöhe – nur mit der Spitze eben im Moment nicht.“ Mit Uefa-Cup ist natürlich die Europa League gemeint.

Um schnell noch das heutige Training abzuhandeln – und ich werde auch garantiert nicht davon berichten, wie „toll die Stimmung schon wieder“ war. Es begann mit einem ganz kurzen Einlaufen, es folgte ein Zirkeltraining, dann ein langes, über ein halbe Stunde andauerndes „Vier-gegen-vier-Spiel“ mit Anspielstationen am Rande, und zum Abschluss ein sehr intensives Spielchen auf vier Ein-Meter-Tore. Da war dann Leben in der Bude, wurde es laut, ging es tüchtig zur Sache. Aus Wurt über ein Gegentore drosch erst Marcell Jansen den Ball in die Botanik, anschließend auch noch Heiko Westermann. Ein gutes Zeichen: Mann kann sich auch schon wieder über Fehler im Training ärgern – über Fehler der Mitspieler natürlich (nur).

Gefehlt hat heute Dennis Diekmeier, der zwar da war, aber auch schnell wieder ins Auto stieg und sich auf den Heimweg machte. Der Trainer sagte als Grund: „Migräne.“ Aus dem Pressebüro hieß es: „Leichter grippaler Infekt.“ Ebenfalls gefehlt hat Ivo Ilicevic, der eventuell morgen wieder einsteigen könnte. Das wäre wohl auch der allerletzte Zeitpunkt, um für den Sonnabend in Berlin noch eine (kleine) Rolle spielen zu können, ansonsten dürfte er erneut zum Zusehen verdammt sein. Ausfallen wird auf jeden Fall Per Ciljan Skjelbred, der immer noch Schmerzen (und Flüssigkeit im Bein) nach einer Schienbeinprellung hat. „Was für ihn besonders schade ist, denn er hatte zuletzt viele sehr gute Szenen, hatte sich in die engere Wahl gekämpft – eine dumme Sache für ihn“, sagte Thorsten Fink über den Norweger. Für mich isst das trotz dieser langwierigen Verletzung positiv, denn immerhin scheint Skjelbred, der bislang noch gar nicht angekommen war in Hamburg, ja doch noch zu kommen. Schön wäre es auf jeden Fall. Zumal sich meine Hoffnungen damit auch bestätigen würden, denn ich hatte schon während der Winterpause geschrieben, dass ich noch einiges von ihm erwarte. Vielleicht sogar in der zentralen Rolle hinter der Spitze (den Spitzen?).

„Wir müssen jetzt in Berlin gewinnen“, sagt Thorsten Fink voller Optimismus. Er blickt voraus, hat dieses leidige 1:5 schon abgehakt, auf jeden Fall schon verdrängt. Der Coach denkt sicherlich auch schon an das nächste Heimspiel – gegen den FC Bayern. Da ist es nämlich wieder, das harte Startprogramm aus dem Sommer 2011. Fink: „Natürlich wissen wir, dass schwere Spiele auf uns warten, es wiederholt sich ja jetzt. Wer aber hat denn schon erwartet, dass wir aus den ersten drei Spielen des Jahres neun Punkte holen würden? Am Ende müssen wir unser Ziel erreichen, und das ist ein gesicherter Mittelfeldplatz, auch ein Nicht-Abstiegsplatz. Aber auf dem werden wir dann auch stehen.“

Über den kommenden Gegner befindet Fink: „Das wird schwer genug. Für beide. Auch Hertha steht mit dem Rücken zur Wand, die Berliner müssen dieses Heimspiel gewinnen. Wenn sie nicht gewinnen, dann wird es auch für sie schwierig, denn sie sind ja nur einen Punkt vor uns. Deswegen stehen beide Mannschaften unter Druck.“ Und der Trainer fügt noch ergänzend an: „Für uns ist Hertha ein Gradmesser.“ Auch deswegen setzt Fink wieder auf Spieler, die hundertprozentig fit sind: „Wir brauchen läuferisch gute Spieler. Und dann muss ich sagen, dass ich mich schon auf dieses Spiel freue, auch wenn wir zum Start jetzt schon mal so hoch verloren haben.“

Thorsten Fink will in Sachen Aufstellung diese Woche abwarten, sich die Trainingsleistungen eines jeden Spielers ganz genau anschauen: „Es gibt ja Spieler, die aus dem Training nichts mitnehmen, aber es gibt auch Spieler, die sagen, dass sie es allen jetzt erst recht zeigen wollen – und solche Spieler brauche ich jetzt, die werden dann auch spielen.“

Wobei die Kollegen beim Thema waren: David Jarolim. Warum hat der Tscheche zuletzt keine Rolle mehr gespielt, obwohl Robert Tesche und Gojko Kacar bislang kaum überzeugen konnten, meistens sogar keinerlei Akzente setzen konnten. Ich hatte dazu Frank Arnesen gefragt, denn es gibt ja das Gerücht, dass der HSV Jarolim von der Gehaltsliste haben will, weil er noch zu den besser verdienenden HSV-Profis gehört – und im Mittelfeld eben leichter ersetzbar ist, als zum Beispiel ein Stürmer. Arnesen aber wies das von sich: „Das stimmt nicht. Nicht wir wollen Jarolim loswerden, er kam ja zu uns. Er will mehr spielen, und wenn ein so verdienter Spieler dann weg will, dann bin ich dafür, dass man ihm auch keine Steine in den Weg legt.“

Mag ja auch sein, dass David Jarolim den Wunsch zuerst geäußert hat, den HSV verlassen zu wollen – aber warum denn? Weil er nicht mehr zum Zuge kam. Das, obwohl Tesche und Kacar keine Bäume ausrissen. Und das kann ja auch Trick 17 sein. Wie schafft es ein Profi-Klub, einen Spieler los zu werden? Indem man den betreffenden Spieler an den Rand drängt, ihn nicht mehr spielen lässt. Dann wird er sich schon von allein nach einem neuen Arbeitgeber umsehen – oder seinen Berater damit beauftragen.

Noch aber ist Jarolim beim HSV. Und ich denke, er wird es auch auf jeden Fall bis zum Sommer sein. Zu diesem Thema befand Thorsten Fink: „Wenn ich Jarolim nicht mehr beim HSV gewollt hätte, wäre er schon längst weg. Das möchte ich mal zuerst sagen. Dann hätte ich ihm gesagt, dass er bitte gehen möge. Ich glaube aber, dass wir ihn in dieser Saison noch gebrauchen können, gerade im Abstiegskampf – wenn einer dieses Wort gebrauchen will. Ich sage, dass es einen Abstiegskampf ja meistens erst zum Schluss einer Saison gibt – wir sind im Moment mit unten drin. Aber damit können wir David Jarolim sehr gut gebrauchen, er hat eine große Erfahrung vorzuweisen, er ist sehr, sehr fleißig, er ist ein Vorbild-Profi – Hut ab. Auch wie er die Sache verarbeitet hat, dass er zuletzt nicht gespielt hat, das ist schon sehr professionell. Er ist für Sonnabend durchaus eine Alternative, aber es kommt auch darauf an, wie er in dieser Woche trainiert.“

Dass der Trainer im vergangenen Jahr nicht mehr auf den Tschechen gebaut hatte, das erklärte er wie folgt: „Ich hatte zu Beginn meiner Zeit beim HSV einer Elf die Chance gegeben, und diese Elf hat in acht Spielen nicht verloren. Warum sollte ich da also großartig wechseln? Die beiden Spieler, die im Mittelfeld gespielt haben, Gojko Kacar und Robert Tesche, die haben mich am Anfang beeindruckt. Und mein Bauchgefühl war richtig, denn mit ihnen haben wir ja auch eine gute Serie gestartet.“ Und ist es denkbar, dass es im Mittelfeld auch einmal das Paar Jarolim/Tomas Rincon gibt? Fink: „Warum nicht? In der Situation kann man das auch machen. Es kommt immer darauf an, was wir brauchen. Wenn wir in einem Spiel defensiver stehen wollen, wenn wir defensiv gut organisiert sein wollen, dann kann das durchaus passieren. Wir wissen aber auch, dass Kacar und Tesche im Offensivbereich größere Qualitäten haben – es kommt eben auf die Mischung an. Eine Alternative wären Rincon/Jarolim aber auf jeden Fall.“

Und noch eine Alternative wird es (mehr) geben: Jacopo Sala. Der Italiener hat sich in den letzten Wochen in den Vordergrund gespielt, und auch er kann darauf hoffen, in Berlin in der Anfangsformation zu stehen. Für Zhi Gin Lam? Auch für Gojko Kacar könnte es eng werden für das Wochenende. Zu sehr hat der Mittelfeldspieler bislang enttäuscht. Fink: „Er hatte kein Vorbereitungsspiel mitgemacht, aber er hatte in der Woche vor dem Dortmund-Spiel sehr gut trainiert, deswegen habe ich ihn aufgestellt.“ Der gute Eindruck hatte ganz offensichtlich getäuscht. Und Fink wird nach diesem Debakel vom Sonntag etwas ändern müssen, ganz klar.

Aber vielleicht spielt sich ja auch morgen noch ein ganz anderer Spieler in den Vordergrund. Die Test-Partie gegen Energie Cottbus ist abgesagt worden, es steht aber dennoch ein Testspiel auf dem Programm. In der Arena wird um 18 Uhr gegen den SV Rugenbergen gespielt, und dabei sollen alle HSV-Profis zum Einsatz kommen. Zuschauer sind zugelassen, es wird ein Block (wahrscheinlich im Norden) geöffnet. Unabhängig aber davon wird auch bereits morgens um 10 Uhr im Volkspark trainiert. Diese Woche geht ohne Trainingspause über die Bühne.

Ganz kurz noch in eigener Sache:
Es werden zwar keine Fäkal-Wörter benutzt, aber es wird dennoch ein ziemlich schlimmer Ton hier angeschlagen – nach einem 1:5 liegen die Nerven offenbar bei einigen ganz schön blank. Ich möchte trotz allem daran appellieren, im Umgang mit anderen Usern menschlich zu bleiben – es geht doch nur um den HSV, um den Fußball. Jeder hat seine eigene Meinung, die sollte sich auch niemand nehmen lassen – deswegen vernichtet Euch nicht gegenseitig.
Bei der Gelegenheit: Trotz der inzwischen eingeführten Moderation (die sehr gut funktioniert! Danke!) wird es die Registrierung bei Matz ab geben – das ist sicher, es wird nicht mehr lange dauern – ich sage mal, bis spätestens Ende Februar, es ist alles auf den Weg gebracht. Deswegen bitte ich alle “Alteingessenen” (wie zum Beispiel Eva, auch Randnotiz, Eiche Nogly und andere), noch ein wenig durchzuhalten. Bitte gebt nicht auf, lasst Euch nicht von denen, die alle und alles schlecht machen (weil sie auch sonst negativ durch das Leben gehen), entmutigen.
Vielen Dank an alle Matz-abber, dass sie sich hier jeden Tag mutig in den Blog stürzen, es kommen bald schon bessere Zeiten. Bei uns, für uns – und mit dem HSV.
Einen guten Abend für Euch und Eure Lieben.

19.44 Uhr