Tagesarchiv für den 21. Januar 2012

Petric ist dabei – auf der Bank

21. Januar 2012

Frank Arnesen und Thorsten Fink saßen gestern (Freitag) gemeinsam in Mönchengladbach auf der Tribüne, um erstens die Bayern unter die Lupe zu nehmen, und zweitens natürlich auch die Borussen. Das gehört natürlich dazu. Aber dann heute: Abschlusstraining im Volkspark. Die Mannschaft kommt, nachdem sie wohl noch den Worten ihres Trainers lauschen musste, um 16.20 Uhr aus der Kabine. Und Thorsten Fink kommt eine Viertelstunde später, als seine drei Assistenten Frank Heinemann, Nikola Vidovic und Patrick Rahmen bereits die Übungen leiteten. Kurz darauf, und darauf will ich eigentlich hinaus: Frank Arnesen. Der Sportchef blieb während der gesamten Trainingseinheit auf dem Rasen, sah dem Treiben zu. Das bei diesem fürchterlichen Wetter! Hochachtung, Herr Arnesen. Dass ein HSV-Sportchef mal so beharrlich dem Training zusah, dass war vor einer langen, langen Zeit einmal – im Sommer.

Zum Sportlichen: Mladen Petric hat mittrainiert – und der Kroate wird auch im Kader für das morgige Spiel gegen Meister Dortmund sein. Das ist doch mal etwas Erfreuliches. Obwohl Petric zunächst wohl nur auf der Bank sitzen wird, davon gehe ich ganz fest aus. Ausfallen wird Ivo Ilicevic, der vor Trainingsbeginn mit seinem Auto das Gelände der Arena verließ. Und fehlen wird natürlich auch Gökhan Töre. Er wird vor allen Dingen mir fehlen, denn – auch darüber sprachen wir während des Trainings heute – Töre ist ja ein höchst seltener Fußballer. Von seiner Sorte gibt es nicht mehr so viele. In der Bundesliga Robben, Ribery, Götze – und dann? Ich meine Dribbler, die mit ihren mutigen Alleingängen Platz für die Nebenleute schaffen. Nein, nein, Töre fehlt mir, obwohl alles Jammern ja nicht hilft, er wird ja noch viele Wochen fehlen. So ist es nun einmal.

„Wir haben Qualität im Kader.“ Das hat Thorsten Fink oft genug gesagt, seit er Trainer in Hamburg ist. Jetzt wird es sich wohl zum ersten Mal so richtig zeigen, ob das auch stimmt. Statt Ilicevic und Töre nun Zhi Gin Lam und Heung Min Son. Und das ausgerechnet gegen die Dortmunder. Die allerdings müssen nicht nur auf Mario Götze verzichten, sondern auch auf Torwart Roman Weidenfeller, der die Reise an die Elbe gar nicht erst mit antrat. Zwischen den Pfosten des BVB wird Mitch Langerak stehen.

Beim HSV sind Tolgay Arslan und Per Ciljan Skjelbred nicht im Kader. Was mich beim Norweger schon ein wenig überrascht, denn er ließ während des Trainings heute lange Zeit mit einem grünen Hemdchen umher. Natürlich weiß ich, dass das nicht immer etwas zu bedeuten hat, aber es hätte ja . . . Aber Skjelbred muss wahrscheinlich noch ein bisschen mehr zulegen, bevor er in die Bundesliga „passt“.

Kurz zum Trainingsprogramm: Es begann mit einem Kurzpass-Spiel, es folgte ein Handballspiel (mit Kopfballtoren als Abschluss), ein Spielchen mit einem Dreiecks-Ball (ähnlich einer Rugby-Pille – springt unberechenbar) und danach ein Spielchen mit einem riesigen Plastik-Ball (noch größer als ein Medizinball). Mit dem schoss Paolo Guerrero sogar ein Tor! Es schloss sich das beliebte Fünf-gegen-zwei-Spiel an (drei Stationen, auch Fink und Heinemann mischten mit), bevor der Kader getrennt wurde. Die Stürmer versuchten sich in Torschüssen, der „Rest“ spielte sieben gegen sechs auf ein Tor. Und dabei zeichnete sich folgende Aufstellung ab:
Drobny, Diekmeier, Bruma, Westermann, Aogo; Kacar, Rincon; Lam, Jansen; Son; Guerrero.

So, das war es in groben Zügen. Was mir noch einfällt: Tomas Rincon schoss heute (mal) ein Tor. Keines in einem Spielchen, nein, eines als das Tor völlig leer war. Aber er machte diesen Treffer schon irgendwie akrobatisch. Von einer (gedachten) Außenlinie mit dem rechten Außenrist ins Tor „geschnippelt“. Sah weltmeisterlich aus. Und ein „Nachbar“ von mir witzelte: „Und das ohne sich dabei den Fuß oder das Bein zu brechen . . .“ Könnte der „Zauberer“ morgen ja noch einmal versuchen.

Nun aber.

Wobei, einen habe ich doch noch:

Beim heutigen Training habe ich mit einigen Fans über den BILD-Report über die Bundesliga gesprochen. Gegen den ich absolut nichts habe. Als Max Merkel noch am werkeln war, habe ich das gerne gelesen. Nun aber, mit dem Welt-Menschen Mario Basler am Start, ist das ätzend. Und in Sachen HSV voll daneben.

Baslers Ausfälle gehen mir echt auf den Geist. Hier mal eine Probe – O-Ton Basler, er meint, wenn er Thorsten schreibt, seinen früheren Bayern-Kollegen Fink:
„ . . . Ich setze aber voll auf den Thorsten. Dem kann man schließlich auch jetzt schon gratulieren. Er will endlich diesen Jarolim vom Hof jagen. Genau, das ist dieser aufgepumpte Muskelprotz, der so sympathisch wie eine Grippewelle ist. Aber der Fink lässt ihm nun die Luft raus. Das würde in Hamburg übrigens einigen guttun.“

Dieser Mensch nimmt das Wort „sympathisch“ in den Mund. Sympathisch! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Basler schreibt von sympathisch. Das ist der absolute Ober-Hammer! Wer hat diesem Typen dieses Wort in den Mund gelegt? Basler und Sympathie – das passt so gut zusammen wie FC Bayern und Abstieg – um nur mal beim Fußball zu bleiben. Und was hat Basler gegen Muskelmänner? Er möchte wahrscheinlich lieber saufende Kettenraucher in der Liga sehen, aber diese Zeiten sind ja Gott sei Dank schon lange vorbei – und kehren zum Glück auch nie wieder zurück.

Übrigens: Was für ein feiner Mensch David Jarolim ist, das zeigte er erst am vergangenen Sonntag wieder einmal. Der Tscheche saß eingekesselt von einigen Teamkollegen mittig in einer Reihe im CCH, wo in den nächsten Minuten die Jahreshauptversammlung beginnen sollte. Da kam eine mir nicht unbekannte junge Dame und bat „Jaro“ darum, ein gemeinsames Foto machen zu dürfen. Basler hätte diese Bitte ganz sicher ignoriert, ich habe es genügend (bei der Nationalmannschaft) beobachten können. Jarolim aber lächelte – und quälte sich an allen vorbei raus aus der Sitzreihe und posierte für das gewünschte Foto.

Als Max Merkel diesen BILD-Report noch schrieb, da hatte das ja noch Niveau, da konnte man ja noch mal schmunzeln . . . Obwohl, dabei fällt mir ein: Ernst Happel, der große HSV-Trainer, der hatte in seinen letzten Jahren keinen Frieden mehr mit Merkel geschlossen. Happel hat es auch mir mal gesagt, dass er stocksauer auf seinen alten Spezi war, als der geschrieben hatte: „Der Ernstl sieht wie Beethoven in der Endphase aus . . .“ Darauf fuhr Happel so gar nicht ab, im Gegenteil, das hat er ihm nie verziehen. Und Happel war in diesem Fall wirklich nachtragend, da hat er nicht klein beigegeben. Aber das nur am Rande.

Basler, der den HSV vor dieser Saison auf Platz fünf getippt hatte (ja, da sieht man den echten Experten!), obwohl sich ganz Hamburg schon im Sommer mit der Abstiegszone vertraut gemacht hatte (wg. Umbruch), hatte schon damals auf David Jarolim herumgehackt. Muss dem großen Trainer vom Welt-Klub Rot-Weiß Oberhausen ganz offenbar Spaß machen. Oder er findet ganz einfach kein anderes Hamburger Thema mehr. Ich fragte damals „Jaro“ nach seinem Verhältnis zu Basler, und er sagte mir: „Das ist eigentlich gut gewesen.“ Und: „Ich verstehe das nicht, was will er damit bezwecken?“ Kein böses Wort aber von ihm über den „Vernichter“. Jarolim hätte zurückschießen können, aber nix da.

Zum Glück hatte ja schon vor einiger Zeit der „Poldi“ die absolute Wahrheit gesprochen, als er ebenfalls einige „nette Sätze“ über Basler formulierte. Lukas Podolski, den Basler ebenfalls öffentlich abgerammt hatte (Egal ob Kapitäns- oder Blindenbinde), schoss mit der gleichen Schärfe zurück – und das war auch gut so. Hat leider nur noch nicht gelangt. Kurios ist dabei: Basler versucht sich ja immer mal wieder als Trainer. Mit mäßigem Erfolg. Aber: Er ist Sportler, und die Sportler behaupten ja immer untereinander, dass man sich nicht absichtlich verletzen wolle. Und was ist das dann? Das ist genau so fies wie ein hinterhältiger Tritt (auf den verletzten Fuß, oder auf die Hand). Fairplay? Das war wohl mal. Vielleicht nimmt sich ja mal so mancher ein Beispiel jetzt am „Kicker“, der nach dem Drama um Babak Rafati nun ja auf die „Wahl“ des schlechtesten Schiedsrichters der Liga verzichtet . . . Wenn Menschen seelisch kaputt gemacht werden (sollen), dann passt das eigentlich nicht zu all den schönen und oftmals beschwichtigenden Worten. Mal drüber nachdenken.

Übrigens: Auch Thorsten Fink bekam sein Fett vom ehemaligen Bayern-Teamkollegen noch weg. Kann man nur hoffen, dass der Coach das nicht so leicht vergessen wird. Mann sieht sich ja immer zweimal im Leben.

Und viel wichtiger ist ja auch, ganz klar, die morgige Partie. Drückt die Daumen, es wird schwer. Wenn ich die Stimmung unter den Trainings-Kiebitzen so recht deute, so wäre die Mehrheit schon mit einem Punkt sehr zufrieden. Ich auch. Unter diesen Vorzeichen . . .

Allen „Matz-abbern“ und ihren Lieben ein schönes Wochenende – das Wetter klammern wir mal aus.

18.49 Uhr