Tagesarchiv für den 17. Januar 2012

Fink: “Dass der BVB mich wegschickte, tat weh”

17. Januar 2012

Es gibt Tage, da fehlt die Motivation. So einen habe ich heute gehabt. Ich habe mir die Kommentare zum letzten Blog von Anfang bis Ende durchgelesen. Und ich ziehe hier einfach mal virtuell den Hut. Und das insbesondere vor denen, die sich hier trotz vorliegender Fakten eine virtuelle Welt zusammenbauen. Eine Welt, in der alles gut ist, in der Kritik am eigenen Verein Hochverrat gleicht und schlechte Nachrichten mit Todesstrafe sanktioniert werden. Da werden alte Geschichten immer wieder neu herangezogen und teilweise falsch zitiert.

Aber gut, wem erzähle ich das… Kommen wir lieber schnell wieder zurück zum Fußball. Den verstehen wir alle. Zwar auch immer wieder unterschiedlich, aber so soll es ja auch sein.

Drei Jahre in der Jugend, zwei Jahre bei den Amateuren – für Thorsten Fink ist die Begegnung am Sonntag mit Borussia Dortmund eine Reise in die eigene Vergangenheit. Der HSV-Trainer, der in Dortmund aufgewachsen war und dort Profi werden wollte, freut sich besonders auf den Rückrundenstart. „Der BVB war mein Verein, dort wollte ich Profi werden“, so Fink, der den Sprung von den Amateuren zu den Profis jedoch verpasste und stattdessen zu Wattenscheid 09 wechselte. „Ich war schon sauer, als ich gehen musste“ erinnert sich Fink, den der damalige BVB-Trainer Ottmar Hitzfeld jedoch kurze Zeit später wieder zurückholen wollte. Der Transfer scheiterte jedoch an der Ablöseforderung Wattenscheids, die Fink für 50000 Euro verpflichtet hatten, ihn aber nicht unter zwei Millionen Euro wieder abgeben wollte. Fink sieht es heute gelassen, seiner Karriere tat der gescheiterte Wechsel eh kein Abbruch. „Am Ende bin ich dann beim FC Bayern gelandet.“

Und trotz allen Ärgers freut sich Fink auf seinen BVB. „Wer in Dortmund aufwächst, der muss Fußballfan werden“, erinnert sich der HSV-Trainer, der sich bei seinem Amtsantritt in Hamburg vom Typus her noch mit seinem BVB-Kollegen Jürgen Klopp verglichen hatte. „Ich schätze seinen Umgang mit den Spielern“, lobt Fink die lockere Art Klopps, dem er allerdings gleich eine Kampfansage folgen lässt: „Wir haben gegen Dortmund die Chance, mit einem Sieg genau die Euphorie zu entfachen, die wir für die Rückrunde brauchen werden. Deshalb werden wir unser Spiel durchziehen – und das Spiel gewinnen.“

Obgleich das gegen Finks Jugendverein schwer wird. Immerhin gelten die Schwarz-Gelben als das lauffreudigste Team der Liga. Ganz im Gegensatz zum HSV. „Dortmund ist zweifellos eine sehr fleißige Mannschaft“, lobt Fink und verteidigt seine eigene Mannschaft: „Wichtig ist aber, richtig zu laufen.“ Und das machen beide. Sagt Fink. „Wir müssen rennen, Leidenschaft zeigen und das Publikum mitnehmen. Nur so können wir Dortmund schlagen. Denn der BVB ist besonders gefährlich, weil er sowohl das Spiel selbst machen kann als auch sehr gut kontern.“ Deshalb, so der HSV-Coach, sei er besonders froh, den Meister bereits zum Rückrundenauftakt zu haben. „Gegen die Topteams der Liga spiele ich immer gern zum Auftakt, weil auch die zu dem Zeitpunkt noch nicht genau wissen können, wie weit sie sind.“

Sein eigenes Team jedenfalls scheint gewappnet. Die letzten Einheiten in dieser Woche werden vermehrt für das Einstudieren des eigenen Defensivverhaltens genutzt. Wobei sowohl Westermann als auch Bruma im Trainingslager durch Stockfehler aufgefallen waren. Ausgerechnet die beiden nahezu konkurrenzlosen Innenverteidiger aber scheinen sich gefangen zu haben und präsentieren sich im Training robust, zweikampfstark und passsicher. „Wir müssen zusehen, nicht zu hohes Risiko zu gehen“, sagt Westermann, der die Einheiten und Testspiele im Trainingslager zum Probieren genutzt hat. „So wie in den Testspielen dürfen und werden wir gegen Dortmund ganz sicher nicht auftreten“, weiß Westermann und Fink stimmt zu: „Gerade der Test gegen Bielefeld hat mich noch mal zum Nachdenken gebracht. Das war zu wenig.“ Aber zum Glück nicht mehr und nicht weniger als die Generalprobe. Und die darf bekanntlich verpatzt werden.

Alles andere als schlecht ist derzeit Dennis Diekmeier drauf. Der Rechtsverteidiger zählte schon in Marbella zu den auffälligeren Spielern, seine Offensivaktionen begeisterten. „Dennis ist auf einem sehr, sehr guten Weg“, lobt Fink, „seine Flanken kommen hervorragend.“ Zwar hat Diekmeier noch immer Defizite in der Defensive, allerdings überwiegen derzeit seine guten Offensivaktionen. „Schon in der Hinrunde haben viele Mannschaften besonders auf ihn geachtet und versucht, ihn zuzustellen.“ Und das dürfte gegen Dortmund ähnlich sein.

Nicht aufpassen muss der BVB auf Slobodan Rajkovic, der mit Sicherheit nicht von Beginn an auflaufen wird, sollte sich niemand mehr verletzen. Zumal der Serbe zuletzt eher durch hängengelassene Schultern auffiel. „Nein, es ist alles okay. Ich will halt spielen“, so die kurze Erklärung des Linksfußes, der sich nach einem guten Start beim HSV durch die Rote Karte gegen Kaiserslautern aus der Startelf verabschiedete. Ob sich Fink Sorgen mache? „Nein. Slobodan hat länger den Kopf hängen lassen und ist jetzt wieder auf dem Weg nach oben. Ich hatte in den letzten Tests das Gefühl, dass er wieder da ist.“

Das gilt auch für Per Skjelbred. Der Norweger konnte heute zwar wieder mittrainieren, allerdings nur unter Schmerzen, da er sich noch immer mit den Folgen einer Schienbeinprellung herumplagt. Nicht dabei war heute Mladen Petric. „Wir wollen bei ihm kein unnötiges Risiko gehen“, so Trainer Thorsten Fink, „deshalb haben wir ihn vorsichtshalber etwas rausgenommen.“ Doch schon am Mittwoch soll der Kroate wieder einsteigen. Fink: „Ich sehe da keine Probleme für das Spiel gegen Dortmund am Sonntag.“

Klingt gut. Wie fast alles in dieser kurzen Vorbereitung. Was das letztlich wert ist, zeigt allerdings erst die Partie am Sonntag.

Morgen wird um zehn Uhr an der Arena trainiert. Und für diejenigen, mit denen ich da nicht persönlich sprechen kann und die den ersten Absatz persönlich nehmen: so war er nicht gemeint. Aber auch ich muss eben mal etwas loswerden.

In diesem Sinne: Alles wird gut!
Scholle (19.22 Uhr)