Tagesarchiv für den 14. Januar 2012

Bielefeld gegen Jaroslav Drobny 0:1

14. Januar 2012

So ungerecht kann Fußball sein. Da spielt Arminia Bielefeld vor 8215 Zuschauern zweitweise wie aus einem Guss, hat viele, viele beste Tormöglichkeiten gegen den großen HSV – und am Ende steht es 1:0 für Hamburg. Ein gutes Omen? Spielt der HSV am nächsten Sonntag ähnlich so auf wie diesmal und gewinnt ebenfalls 1:0, dann ist die Fußball-Welt rund um den Volkspark aber absolut in Ordnung. In Bielefeld aber war sie es nicht, diese Generalprobe klingt zwar vom Ergebnis her standesgemäß, die fußballerische Vorstellung aber der Hamburger „Finken“ war erschütternd. Gerecht wäre wohl ein 4:1 für die Arminia gewesen, aber wen stört das in Hamburg schon groß? Das ist eben Profi-Fußball, es zählt nur das Ergebnis.

Der arme Torsten Wohlert. Er saß hoch oben auf der Tribüne der SchücoArena und schrieb sich fast die Finger wund. Der ehemalige Erstliga-Profi (u.a. Duisburg, Dortmund) saß offenbar als Spion für Meister BVB und machte eifrig Notizen für Jürgen Klopp. Was Wohlert allerdings sah, das war herzlich wenig. Und dürfte dem guten „Kloppo“ kaum neue Erkenntnisse über den HSV gebracht haben, eher das Gegenteil dürfte der Fall gewesen sein. So lange die für Dortmund „gedachte“ Fink-Elf auf dem Rasen der früheren Alm stand, so lange passierte so gut (0der schlecht) wie nichts. Oder wenn, dann passierte es nur für die Arminia, immerhin Tabellenvierzehnter der Dritten Liga.

Solche Spiele sind noch nie etwas für Fußballfeinschmecker gewesen. Eine Woche vor dem Rückrundenstart will sich niemand mehr verletzten. Und so spielte der HSV dann auch. Sahen die ersten Minuten noch nach (Erstliga-)Fußball aus, so verflachten die Hamburger Darbietungen von der 15. Minute an immer mehr. Zurück, zurück, quer, quer – Drobny. So oder so ähnlich lief die Kugel in Westfalen. Am besten jedem Zweikampf aus dem Wege gehen. Bielefeld erwartete den HSV in der eigenen Hälfte, machte die Räume hinten erst einmal dicht. Wenn aber gekontert wurde, dann waren blitzschnell auch mal fünf, sechs Arminen vor dem HSV-Strafraum. Die ersten Tormöglichkeiten hatte zwar der HSV, als einmal Marcell Jansen und kurz darauf Paolo Guerrero das 1:0 auf den Füßen hatten, aber nach einer Viertelstunde: Bielefeld.

Geburtstagskind Dennis Aogo „schickte“ – ein Blackout – Bielefelds Stürmer Klos Richtung HSV-Tor, Jaroslav Drobny hielt. Heiko Westermann „bediente“ Klos, der hätte freie Bahn gehabt, doch das ausgestreckte Bein des HSV-Kapitäns verhinderte den Gang auf das HSV-Tor. Glück für Westermann: Schiedsrichter Siewer bedeutete: Ball gespielt. Fragte sich nur, wer? Westermann nicht.

Bielefeld hatte einige gute Möglichkeiten, die HSV-Defensive ließ sich viel zu leicht ausspielen. So auch in der 35. Minute, als Agyemang den quer gelegten Ball eigentlich nur noch mit dem „Ohrläppchen“ aus fünf Metern ins HSV-Tor hätte drücken können (sogar müssen), aber das Kunststück fertig brachte, über die Querlatte zu schießen. Immerhin: In der 38. Minute kam der HSV doch zu seinem ersten Eckstoß – verkürzte in dieser Statistik auf 1:3.

Wie gesagt, dieses Spielchen hatte nur Trainingscharakter, eine Einzelkritik verbietet sich von allein. Der HSV war anwesend, aber zeigte maximal 50 Prozent seines Könnens. Aber es ist ja auch wohl genug, wenn den am Hungertuch nagenden Bielefeldern etwas Kleingeld in die Kasse gespielt wird, da kann dann niemand mehr erwarten, dass dazu auch noch eine kostenlose Lehrstunde in Sachen Fußball erteilt wird. Alles hat schließlich seine Grenzen, auch die Hilfsbereitschaft unter Fußball-Profi-Klubs. . . Und was noch erschwerend (aus Hamburger Sicht) bei diesem müden Kick hinzukam: Es gab diesmal keine Übernachtung an Ort und Stelle, der HSV-Bus fuhr erst relativ kurzfristig vor die Arena. Es fehlte also die sonst übliche Vorbereitung bei einem Auswärtsspiel.

Bemerkenswert am Rande: Jeffrey Bruma legte in der 44. Minute einen Ball genau auf den Bielefelder Klos, und als der Niederländer seinen Fehler wieder ausbügeln wollte, da fegte er den Arminen an der Eckfahne (!) um – Gelb. Das war so überflüssig wie ein Kropf.

Die Freistöße (vorwiegend von Dennis Aogo getreten) verpuffte zu oft im Niemandsland, die Eckstöße (überwiegend von Ivo Ilicevic getreten) blieben allesamt harmlos – weil zu flach.

Keine Verletzten mit nach Hamburg gebracht? Abwarten. Paolo Guerrero lag in der 29. Minuten lange am Boden, hielt sich einen Knöchel, humpelte danach noch längere Zeit – spielte aber weiter.

Mladen Petric wurde einige Mal recht unsanft zu Boden befördert – und ging in der 56. Minute vom Platz. Für ihn kam Gojko Kacar, Robert Tesche spielte bis zu seiner Auswechslung (in der 67. Minute kam Heung Min Son für ihn) neben Guerrero ganz vorne.

HSV-Möglichkeiten im zweiten Durchgang? Bis zur 74. Minute null.
Und Bielefeld? Sechs Riesen. Einige „Hundertprozentige“. Klos frei vor Drobny – aus 16 Metern vorbei (52.). Schönfeld aus elf Metern vorbei (55.). Hille allein vor Drobny, der hält, Eckstoß (70.). 60 Sekunden später Heithölter aus 13 Metern an die Querlatte, Drobny wäre ohne Chance gewesen. Sekunden danach ein vierfacher HSV-Wechsel: David Jarolim bekam eine Chance, er kam für Tomas Rincon. Zhi Gin Lam für Ilicevic, Jacopo Sala für Jansen, Slobodan Rajkovic für Westermann.

Und dann der Höhepunkt des Spiels in der 73. Minute: Heilhölter gleich zweimal innerhalb von vier, fünf Sekunden frei vor Drobny, der hält zweimal wie ein Weltmeister. Da hieß es im Testspiel zwischen Arminia Bielefeld und HSV Drobny noch 0:0.
60 Sekunden später dann aber 0:1. Das ist Fußball. Freistoß von Aogo von der Rechtsaußen-Position, der Ball fällt aus einer Spielertraube fünf Meter vor dem Tor der Westfalen herunter – Kacar „trullert“ die Kugel über die Linie. Wenigstens ein Erfolgserlebnis für einen zuletzt arg gebeutelten Hamburger. Könnte Kacar mal wieder Auftrieb geben. Übrigens: Auch Togay Arslan kam noch (80.), er löste Guerrero ab. Damit hatten sich dann auch bis auf Torwart Tom Mickel alle Hamburger ein wenig die Glieder in Bielefeld ausgeschüttelt. Dortmund kann kommen.

Aber erst einmal die Jahreshauptversammlung an diesem Sonntag.

17.29 Uhr