Tagesarchiv für den 13. Januar 2012

Ein heißes Wochenende steht bevor – und alle hoffen auf Ruhe

13. Januar 2012

Ernst-Otto Rieckhoff hat gesprochen – und ihr konntet es lesen. Und um die Sonntagsveranstaltung (die Mitgliederversammlung beginnt um 11 Uhr im CCH, Saal 1) hier ausreichend zu behandeln, habe ich mich um die zwei Kandidaten für die Position des Vorstandes für Mitgliederbelange bemüht. Beide sollten die Möglichkeit haben, sich hier unter gleichen Bedingungen präsentieren zu können. Vorher aber, und damit wird hoffentlich meine persönliche Gewichtung der Top-Themen beim HSV klar, geht es weiter um unsere Fußballprofis, die morgen bei Arminia Bielefeld zu ihrem letzten Testspiel vor Rückrundenbeginn antreten. Und das im Übrigen komplett umsonst, soll heißen: der HSV verzichtet auf seine Antrittsgage und spendet diese der Arminia, die sich seit Jahren mit finanziellen Problemen herumschlägt. Eine feine Sache…

„Es ist schade, dass dieser Verein solche Probleme hat“, sagt Heiko Westermann, der bis 2007 als Mannschaftskapitän für Arminia Bielefeld auflief und sich sehr gern an die Zeit zurückerinnert. „Wir hatten immer 20000 und mehr Zuschauer in einem richtigen Fußballstadion auf der Alm. Und wir haben trotz Außenseiterrolle immer schon drei, vier Spieltage vor Schluss die Klasse gesichert.“ Das allerdings klappte nach seinem Weggang nicht mehr. „Dann sind sie abgestiegen – mit Robert Tesche“, scherzt Westermann, der den Test bei seinem Ex-Klub sehr ernst nimmt. „Ich glaube, dass die als Drittligateam eine ordentliche Truppe haben, dass die guten Fußball spielen.“

Immerhin ein Kaliber, das dem HSV helfen kann, letzte Feinjustierungen unter möglichst wettkampfnahen Voraussetzungen vorzunehmen, die vordinglich im Defensivverhalten liegen. Denn heute konnten bei den grausamen Wetterbedingungen (ohne den Wind ginge es ja noch…) keine Standards geübt werden, weil dabei zu viel gestanden würde und die Erkältungsgefahr zu groß wäre. Und zum Glück ist den Spieler bereits bewusst, was sie noch falsch machen. Westermann: „Wir müssen noch besser gestaffelt stehen, um nicht mehr so anfällig bei Kontern zu sein. Und im Sechzehner müssen wir konsequenter beim Mann bleiben. Denn sonst fehlt uns die Absicherung – aber das sollten wir in den nächsten Tagen noch reinbekommen.“

Dabei ist insbesondere das Sprechen miteinander auf dem Platz gefragt. Bis auf Aogo, Westermann und vereinzelt Drobny macht auf dem Platz sonst niemand Ansagen. „Wir müssen uns gegenseitig mehr coachen“, fordert der Kapitän und nennt ein Beispiel: „Wenn ein Außenverteidiger nach vorn geht, muss er abgesichert werden. Meistens vom offensiveren Mittelfeldspieler auf der Seite. Und dafür müssen sie miteinander sprechen. Besser als zuletzt, weil wir ansonsten ein zu hohes Risiko gehen.“

Einfach. Und logisch. Ebenso wie die Rechnung von Klubboss Carl Edgar Jarchow. „Wir brauchen die Punkte gegen die Großen zum Rückrundenbeginn. Und ich bin optimistisch, dass wir es schaffen und dann möglichst schnell in den einstelligen Tabellenbereich klettern. Die Mannschaft wirkt gefestigt und hat eine gute Ausgangslage“, so Jarchow, dem Westermann zumindest beim letzten Satz widersprechen wollte. „Unsere Ausgangslage ist nicht gut – aber wir wollen sie besser machen. Und dafür zählt nichts anderes als ein Sieg gegen Dortmund. Dann dürften wir auch oben noch mal angreifen. Und das ist schwer – aber dabei ist nichts unmöglich.“

Allerdings scheint ausgeschlossen, dass der HSV im Winter noch einen Neuen bekommt. Zumindest würde das nicht der zuletzt so oft beschriebene Basel-Spieler Granit Xhaka sein. Jarchow eindeutig: „Der Spieler ist der Wunschspieler des Trainers, das ist bekannt. Aber sie können sich sicher sein, dass ein Transfer im Januar nicht passieren wird.“ Weniger sicher ist derweil die Zukunft von Mladen Petric. Der Kroate soll im März in Verhandlungen mit dem Verein treten, aber bis dahin werden dem Angreifer etliche Anfragen anderer Klubs vorliegen. So, wie jetzt von FC Sevilla. Die Spanier, die momentan nicht allzu glücklich über die sportliche Rolle Piotr Trochowskis sind, sollen sich bereits bei Petric-Berater Volker Struth, den ich heute Abend leider nicht erreichen konnte, informiert haben. Aber sicher ist, es werden nicht die letzten Interessenten bleiben. Dennoch, bis da etwas konkretes vorliegt, verweisen alle Beteiligten beharrlich auf den März, in dem die ersten Verhandlungsrunden stattfinden sollen. „Wir haben nie Zweifel daran gelassen, ihn halten zu wollen“, sagt Jarchow, „und wir sind in einem guten Austausch. Da dürfte keine unnötige Unruhe entstehen.“

Zumal der Verein in Westermanns Augen diesbezüglich gerade auf einem sehr guten Weg ist. Auch ein Grund, weshalb der Kapitän der Mitgliederversammlung am Sonntag etwas kritischer gegenübersteht. „Ich kann nur sagen, dass neue Grabenkämpfe jetzt nicht helfen. Wir haben ein sehr gutes Klima inner- und außerhalb aller Gremien im Verein und sollten die jetzt angefangene gute Arbeit so auch fortsetzen. Für alle ist es doch das höchste Gut, dass wir wieder nach oben kommen – und das schaffen wir nur mit Ruhe.“

Wahre Worte, an die ich mich hier halten werde und die ich als Alibi dafür nutze, meine Beiträge zur MV am Sonntag so sachlich wie es nur geht zu halten und mir jede Wertung (selbst zu den 18 (!) Anträgen auf Änderung der Satzung) verbiete. Stattdessen wollte ich Euch hier zum einen die TOP-Liste zeigen…

Tagesordnung
1. Eröffnung und Begrüßung der Mitglieder
2. Feststellung der ordnungsgemäßen Einberufung und Beschlussfähigkeit
3. Gedenken an die Verstorbenen
4. Ehrungen
5. Feststellung der Anwesenheit
6. Genehmigung der Protokolle der ordentlichen Mitgliederversammlung vom 09.01.2011 sowie der Informationsversammlung vom 22.05.2011
7. Bericht des Aufsichtsrates (siehe hierzu vorigen Blog) und Aussprache
8. Bericht des Vorstandes und Aussprache
9. Bericht der Organe der Gesellschaften, an denen der Verein beteiligt ist
10. Bericht der Rechnungsprüfer und Aussprache
11. Entlastung des Aufsichtsrates
12. Entlastung des Vorstandes
13. Entlastung der Rechnungsprüfer
14. Berichte der weiteren Organe und Aussprache
15. Weitere Entlastungen
16. Wahl des Vorstandsmitglieds für die Belange der Mitglieder
17. Bericht des Satzungsausschusses
18. Antrag auf Änderung der Satzung durch den Vorstand des Hamburger SV, Anlage 1
19. Antrag auf Änderung der Satzung durch Ingo Thiel, Anlage 2
20. Antrag auf Änderung der Satzung durch Hans-Ulrich Klüver, Anlage 3
21. Antrag auf Änderungen der Satzung durch Dr. Andreas Peters, Anlage 4
22. Antrag auf Änderung der Satzung durch Reimund Slany und Klaus Manal, Anlage 5
23. Antrag auf Änderung der Satzung durch Tobias Lemke, Anlage 6
24. Antrag auf Änderungen der Satzung durch Claus Runge, Anlage 7 – 12
25. Antrag auf Änderung der Satzung durch Horst Becker, Anlage 13
26. Antrag auf Änderung der Satzung durch Jens Gercken, Anlage 14
27. Antrag auf Änderung der Satzung durch den Vorstand HSV Ochsenzoll-Norderstedt e.V., Anlage 15
28. Antrag auf Änderung der Satzung durch Ralf Bednarek, Anlage 16
29. Antrag auf Änderung der Satzung durch Marco Hepe, Anlage 17, a.) + b.) 30. Antrag auf Änderung der Satzung durch Jan Talleur, Anlage 18
31. Antrag auf Änderung der Satzung durch Gabriele Czarnetzki, Anlage 19
32. Antrag auf Änderung der Satzung durch Mike Schwerdtfeger, Anlage 20
33. Antrag durch Dieter Grzesik, Anlage 21, a.) + b.)
34. Antrag durch Marco Hepe, Anlage 22
35. Verschiedenes

…und zum anderen wollte ich Euch die beiden Kandidaten vorstellen, indem ich sowohl dem Amtsinhaber Oliver Scheel als auch dem neuen zweiten Kandidaten Christian „Büdi“ Blunck jeweils vier Fragen stelle. Blunck hat mich erst jetzt (18.16 Uhr) zurückrufen können, daher die späte Veröffentlichung dieses Blogs, den ich der Fairness halber unbedingt mit beiden Kandidaten haben wollte.

Zunächst Oliver Scheel:

Was erwarten Sie von der Mitgliederversammlung, Herr Scheel?
Oliver Scheel: „Ich erwarte wie immer eine hohe Teilnehmerzahl sowie eine lebhafte und faire Mitgliederversammlung wie in den letzten Jahren.“

Es gibt für ihren Posten mit Büdi Blunck einen namhaften Gegenkandidaten.
Scheel: Dass es diesmal neben mir noch einen Bewerber für den Posten des Vorstandes gibt, empfinde ich als gut, weil die Mitglieder so die Wahl haben. Dass ich dennoch unbedingt eine zweite Amtszeit meinen Posten bekleiden würde, ist selbstredend. Ich habe einige Dinge auf den Weg gebracht, die ich noch abschließen möchte. Zudem würde ich mich zu gern um die Feier zum 125-jährigen Jubiläum des HSV am 29. September kümmern.

Sie haben viel auf den Weg gebracht, sagen Sie. Ihre Kritiker sagen, es sei zu wenig bekannt.
Scheel: Ich werde mich jetzt nicht selbst feiern, aber ich kann mit großer Zufriedenheit behaupten, dass wir auf der Anlage Ochsenzoll mit der Errichtung von Kunstrasenplätzen für die Fußballer und die Hockey-Abteilung die Bedingungen deutlich verbessert haben. Ebenso durch die Errichtung des neuen Klubhauses. Die Anlage ist für die Zukunft gerüstet.

Apropos, was sind Ihre Zukunftsvisionen? Welches Projekt wollen Sie unbedingt umsetzen?
Scheel: Wie Sie wissen, liegen mir die Fans, insbesondere die jungen Fans sehr am Herzen. Daher freue ich mich, dass wir aus bislang 1300 Stehplätzen zukünftig 3000 machen wollen, indem wir Block 22c und Nord A dazunehmen. Dadurch entstehen noch mehr Stehplätze zu erschwinglichen Preisen. Die Umsetzung dieses Projektes liegt mir sehr am Herzen.“

Und dann noch Christian „Büdi“ Blunck:

Herr Blunck, was hat Sie zu Ihrer Kandidatur veranlasst?
Christian Blunck: Ich bin seit Jahrzehnten HSV-Fan und habe den Wunsch, hier etwas zu bewegen. Auch, weil ich glaube, dass der HSV auf dieser Position in dem nachvollziehbaren Umbruch auch sportliche Kompetenz braucht. Und die bringe ich mit.

Ihre Kandidatur hat also weniger den Hintergrund, dass Sie mit der Arbeit des bisherigen Vorstandes für Mitgliederbelange, Oliver Scheel, unzufrieden sind?
Blunck: Richtig. Ich trete hier nicht gegen Oliver Scheel an, sondern für den HSV.

Was erwarten Sie vom Sonntag?
Blunck: Eine konstruktive, faire Auseinandersetzung mit möglichst vielen Vereinsmitgliedern. Ich habe Oliver Scheel jetzt einige Male getroffen und muss sagen, dass wir einen sehr angenehmen, fairen Umgang miteinander haben. Wir beide wollen das Beste für den Verein – und das in unterschiedlichen Ausrichtungen. Ich glaube jedenfalls, dass der Vorstand nicht nur für die Fans und Supporters da ist, sondern als Bindeglied zwischen den Mitgliedern zum Vorstand agieren sollte.

Was sind Ihre Anliegen, wo wollen Sie etwas bewegen, etwas verändern, und verbessern?

Blunck: Ein ganz wichtiger Baustein ist der Amateursport. Da gibt es sehr viele Möglichkeiten, im Leistungs- und Jugendsport etwas zu machen, noch mehr herauszuholen.

In diesem Sinne, anbei noch die Kaderliste und voraussichtliche Aufstellung für das Spiel am Sonnabend in Bielefeld, von dem Euch Dieter vor Ort berichten wird. Die voraussichtliche Aufstellung: Drobny – Diekmeier, Bruma, Westermann, Aogo – Ilicevic, Tesche, Rincon, Jansen – Petric, Guerrero. Zudem im Kader: Mickel, Arslan, Jarolim, Kacar, Sala, Mancienne, Rajkovic, Lam, Son. Per Skjelbred laboriert weiter an seiner Schienbeinprellung, die er im Trainingslager nicht ordentlich (oder besser: gar nicht) auskuriert hat.

Bis morgen,

Scholle (18.58 Uhr)

P.S.: Anbei noch ein kleiner Hinweis für Musikliebhaber. Die neue CD „Du wirst uns siegen seh’n“ von Hamburgs Fußball-Band „ABSCHLACH!“ steht ab heute in den Plattenläden! 15 Songs rund um Hamburg und den HSV, in denen unter anderen Steffen Henssler als prominenter Gastsänger mitgewirkt hat. Ich selbst habe die CD noch nicht gehört, aber vielleicht kann mir ja einer von Euch, der sie kennt, davon berichten…

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