Tagesarchiv für den 10. Januar 2012

2:1 – der HSV siegt auch im dritten Test 2012

10. Januar 2012

Und der HSV begann, wo er gegen Brügge aufgehört hatte: mit Powerfußball, Pressing und Torchancen. Schon in der ersten Minute konnte Tomas Rincon Dennis Aogo auf links freispielen, dessen Flanke Ivo Ilicevic per Kopf knapp vorbei. Und keine fünf Minuten später war es Paolo Guerrero, der einen Flachpass von Jansen aus 13 Metern rechts drüber (und vorbei) setzte. Auffällig aber bleib die Präsenz des HSV, der die Niederländer von der ersten Sekunde an unter Druck. Logische Folge: Viel Ballbesitz. Und Chancen. Zumindest anfänglich. Zwar hatte auch Wesley Verhoek per Kopf (11.) die Chance zur (unverdienten) Führung für ADO. Doch nur eine Minute später war es der HSV, der die größte Chance der ersten Hälfte vergab. Nach einem sensationellen Pass von Robert Tesche in den Sechzehner kam Marcell Jansen frei vor ADO-Keeper Gino Coutinho an den Ball, scheiterte allerdings. Gleiches galt für Guerrero (24.) und Ilicevic nach einem netten Freistoßtrick (33.).

Und obwohl es 45 Minuten lang eine ziemlich einseitige Partie war, muss sich der HSV den Vorwurf gefallen lassen, offensiv nicht konsequent und defensiv zu unkonzentriert agiert zu haben. Denn noch zwei Mal kamen die Holländer durch individuelle Fehler der Hamburger zu Kontern (29, 37., 40.), die durchaus auch hätten verwertet werden können. Bei aller Dominanz in Sachen Ballbesitz ließ die Mannschaft von Trainer Thorsten Fink defensiv zu viel zu und zeigte erneut erhebliche Schwächen bei (selbst verschuldeten) Kontern. Schwächen, die in der Bundesliga sicher konsequenter bestraft würde.

Egal wie, der HSV blieb zumindest aggressiv, spielte Pressing und kam auch zu Beginn der zweiten Halbzeit zu guten Gelegenheiten. Zielte Mladen Petric in der 47. Minute aus 18 Metern noch zu ungenau, kam sein Pass in der 51. Minute punktgenau auf Ivo Ilicevic, der sich über rechts durchsetzte und in der Mitte den frei durchlaufenden Guerrero fand. Der Peruaner hatte keine Mühe, zum 1:0 einzuschieben. Allerdings, auch nach dem Treffer blieb das alte Problem: Schwäche bei Kontern. Wie selbst verschuldet die sind, unterstrich am besten die größte Chance für ADO, als John Verhoek aus fünf Metern am sensationellen Reflex Drobnys scheiterte. Vorausgegangen waren gleich mehrere Fehlpässe von Bruma binnen weniger Sekunden. Der Niederländer, der beim 1:0 noch für seinen defensiv gewonnenen Zweikampf von Fink ein Extralob erhielt, erwies sich im Aufbauspiel als Sicherheitsrisiko. Leider galt für Abwehrchef Heiko Westermann heute Gleiche.

Zum Glück war Drobny hellwach und hielt die HSV-Führung fest. Und die Offensive bewies seine Klasse. In der 72. Minute spielte Petric den in den Sechzehner startenden und heute starken Ilicevic frei, der per Hackenablage Guerrero mustergültig bediente – das 2:0. Der zweite Treffer des Peruaners, gegen den 11. Der ersten holländischen Liga.

Der allerdings kam in der 79. Minute durch seinen besten Mann, das Sidney Sam-Double Tjaron Chery (den sollte der HSV auf dem Zettel behalten!), per Flachschuss aus 17 Metern zum Anschlusstreffer. Und obwohl Arslan in der letzten Minute die Chance zum 3:1 hatte, blieb es dabei. Der HSV siegte im dritten Test 2012 zum dritten Mal. Und hat bei aller Freude erneut genug Anschauungsmaterial zusammengespielt, was es noch zu verbessern gibt. Dennoch war HSV-Trainer Thorsten Fink zufrieden. „Ein schöner Sieg. Wir sind gut drauf.“

Und so haben sie gespielt: Drobny – Diekmeier (84. Bergmann), Bruma, Westermann (76. Rajkovic), Aogo – Ilicevic (80. Lam), Rincon (80. Skjelbred), Tesche, Jansen (80. Ingreso) – Petric (76. Arslan), Guerrero (76. Son).

Scholle (20.52 Uhr)

P.S.: Sollten Tippfehler da sein – entschuldigt sie. Wir mussten mit Schlusspfiff fertig sein….

Xhaka: Preistreiberei oder Überzeugung? Basel bestätigt seine Absage an den HSV

10. Januar 2012

Jetzt sind sie da. Am Montag um 21.34 Uhr im Mannschaftshotel Vincci Estrella del Mar angekommen, gab es heute die erste Einheit im Marbella Football Center, eben jenem Trainingszentrum, in dem auch der HSV sein Quartier aufgeschlagen hat. Und dieser wirbt bekanntlich offiziell um die Dienste des Baseler Top-Talentes Granit Xhaka. Auch deshalb passen die Baseler besonders auf, dass ihr Mittelfeldtalent nicht von seiner Vorbereitung abgelenkt wird. Am wenigsten von uns Hamburgern. Wobei das schon der Trainer übernommen haben soll. „Wir wissen, dass Thorsten Kontakt zu Xhaka aufgenommen hat“, so Basels Sportdirektor Georg Heitz betont unaufgeregt, „und die Bundesliga ist für jeden Spieler eine interessante Liga. Er hat ja selbst den Plan, irgendwann in einer größeren Liga zu spielen.“ Und obwohl der HSV sich ja noch immer nicht aller Abstiegssorgen entledigt habe, seien die Kontaktaufnahme und Xhakas Offenheit zu einem Wechsel nicht beunruhigend. Heitz: „Wir dürfen da nicht päpstlicher sein als der Papst.“ Vielmehr sei es ein ganz normaler Vorgang, wie auch Basels neuer Trainer Heiko Vogel sagt: „Als Trainer beschäftige ich mich doch immer zuerst mit den Spielern, die ich am besten einschätzen kann.“

Und dazu zählen ehemalige Spieler. Natürlich. Gerade die, mit denen man gerade eben noch, in Finks Fall bis Oktober 2011, zusammengearbeitet hat. Wie eng die Verbindung noch ist, zeigten nicht allein die zahlreichen Umarmungen von Finks Trainerteam mit den Baselern, sondern auch ein Foto auf dem Mannschaftsbus des FC Basel, wo die Mannschaft beim Sponsor „Europa Park“ in der Achterbahn sitzt. Die gesamte Mannschaft nacheinander aufgereiht. Und das mit ihrem Trainer in vorderster Front: Thorsten Fink.

Aber gut, Fink ist inzwischen in Hamburg und es dauert eben, solch eine Bedruckung abzunehmen. Zumal sie die Schweizer nicht stört. Im Gegenteil, schon heute Morgen traf sich Basels Sportchef Heitz mit Fink auf einen Kaffee. „Wir haben uns unterhalten. Allgemein und über Xhaka. Thorsten hat bestätigt, dass der HSV ihn grundsätzlich will. Lieber heute als morgen. Aber ich habe ihm auch gesagt, dass wir da auf die Wünsche der Hamburger keine Rücksicht nehmen können.“

Vor allem aber müssen es die Schweizer nicht. Finanziell schwebt man nach dem Einzug ins Champions-League-Achtelfinale gegen Bayern München auf Wolke sieben. „Wir haben finanziell überhaupt keinen Druck“, so Heitz, nachdem er auch sagte, es gebe in Sachen Ablösesumme für jeden Spieler des FC natürlich eine Grenze, kein Spieler sei also unverkäuflich.

Dennoch scheint Xhaka ein hartes Stück Arbeit für den HSV zu werden. „Für uns kommt ein Wechsel jetzt nicht in Frage. Wir haben das Angebot des HSV erst einmal abgelehnt. Zudem gibt es noch andere Vereine, die konkrete Angebote abgegeben haben.“ Dazu soll unter anderen der europäische Spitzenklub Manchester United zählen. Und Trainer Vogel ergänzt: „Ich plane mit Xhaka bis Saisonende. Und das ist erst im Mai, Juni. Dieses Geschachere ist nun mal part of the game, das lässt uns kühl bis zum Sommer. Denn bis dahin werden die Anfragen für ihn nicht weniger.“

Preistreiberei? Mit Sicherheit auch. Wobei ich glaube, dass bei den bislang kolportierten sieben Millionen Euro für den 19-Jährigen die Grenze definitiv erreicht ist. Mehr werden auch finanziell potentere Vereine als der HSV für ein Talent – denn das ist Xhaka bei aller Veranlagung noch immer – nicht bieten. „Wir wollen den Preis mit unseren Aussagen nicht hochtreiben, wir sind klar in unserer Entscheidung. Ich bin mir ganz sicher, dass wir das alles in aller Freundschaft klären werden“, so Heitz, der sehr wohl weiß, dass der Wechsel Xhakas an sich nicht mehr aufzuhalten ist. Ebenso wie der Trainer. Vogel: „Das kann sein. Es ist doch klar, dass ein Spieler seines Formates das Ziel hat, in eine vermeintlich stärkere Liga, wie sie die Bundesliga ist, zu wechseln.“ Die Frage sei eben nur, wann.

Und obwohl sich Xhaka heute nicht mit uns unterhalten durfte, anbei ein sehr langes, aber eben auch sehr gutes und interessante Interview. Das führte mein Schweizer Kollege Christoph Kieslich von der „Tages Woche“ vor zwei Tagen. (http://www.tageswoche.ch/de/2012_01/sport/268800/Granit-Xhaka-%C2%ABDie-Frage-ist-Wann-gehe-ich%C2%BB.htm). Den Part über Xhaka und den HSV habe ich Euch schon mal herauskopiert und ans Textende für alle diejenigen gestellt, die sich dafür interessieren. Ein kleiner Auszug:

Sie sagen, Sie möchten nicht unbedingt schon in diesem Winter wechseln. Würden Sie denn darauf bestehen, bis zum Sommer in Basel zu bleiben?
Granit Xhaka: Ich sage es mal so: Wenn es wirklich für alle stimmt, auch für meine Familie und das Umfeld, dann wären wir alle glücklich, würden wir alle davon profitieren. So wie ich Thorsten Fink verstanden habe, steht er auf mich, und wenn ich nach Hamburg wechsle, dann würde ich dort auch spielen.

Auf jeden Fall klingt alles so, als habe der HSV sehr gute Chancen auf seinen Wunschspieler. Und wenn er denn nach Hamburg kommen sollte, müsste man den Beteiligtem – allen voran Trainer Thorsten Fink, Sportchef Frank Arnesen aber auch Arnesen rechter Hand Lee Congerton – ein großes Kompliment aussprechen. Als Bundesliga-13. setzt man sich nicht immer gegen so namhafte Konkurrenz bei einem Spieler durch, der aktuell noch Champions League spielt.

Das Ganze zeigt vor allem: Der HSV arbeitet perspektivisch, setzt weiter auf gute, junge Spieler. „Dieser Vorgang zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, freut sich HSV-Kapitän Heiko Westermann, der sich in seiner Entscheidung, langfristig beim HSV zu unterschreiben mehr denn je bestätigt sieht. „Ich wollte eine klare Linie, eine Perspektive. Das hat eineinhalb Jahre nicht so gut funktioniert. Aber jetzt haben wir eine sehr gute Struktur. Ich weiß, dass wir langfristig Erfolg haben werden.“ Ob das schon in der Rückrunde umzusetzen ist? „Wenn wir gleich zu Beginn gegen Dortmund gewinnen, kann das eine Euphorie auslösen, denn die Stimmung in der Mannschaft ist top. Wo das letztlich hinführt, ist offen. Denn so richtig goldig ist unsere Ausgangsposition sicher nicht. Aber man merkt, dass wir eine echte Einheit sind. Und zwar auf wie neben dem Platz.“

Zudem habe die Mannschaft sportlich eine sehr gute Entwicklung genommen. Auch dank Trainer Thorsten Fink, der in den acht Tagen Marbella anstatt Kondition bolzen zu lassen auf technische und taktische Einheiten setzt. „Unser Passspiel wird besser, wir als Mannschaft treten geschlossen auf. Und zwar gegen den Ball genau so wie offensiv“, sagt Westermann, der bei allem Optimismus aber den Blick für die Realität nicht verloren hat: „Wir spielen erst seit einem halben Jahr zusammen, haben vor der Saison viele Wechsel verkraften müssen. Das war nicht leicht, aber das machen wir immer besser. Ich glaube einfach, dass wir auf allen Positionen aktuell und auch perspektivisch richtig gut besetzt sind.“

Dass eine gute Rückrunde mit dem HSV auch seine Chancen auf eine Teilnahme an der EM im Sommer verbessern würde, ist klar. „Ich habe mit Hansi Flick guten Kontakt, habe mit Jogi Löw vor dem Länderspiel gegen Holland länger gesprochen. Wenn ich mit dem HSV gute Spiele zeige, wir Erfolg haben, dann glaube ich daran, dass ich dabei sein werde.“ Allerdings, und das glaube ich Westermann sofort, sei das nicht das vordringlichste Thema für ihn.

Zumal die Entscheidung nicht bei ihm liegt, er sich eh nur anbieten kann – und zwar am besten mit guten Leistungen für den HSV. Als Abwehrchef und Mannschaftskapitän, der in der Mannschaft nach anfänglichen Schwierigkeiten inzwischen voll angekommen ist. Auf dem Platz dirigiert Westermann im Training wie in den Spielen, für den Trainer ist er der erste Ansprechpartner. Und das merkt er selbst. „Ich hatte eine schwere Phase, in der ich schlechte Spiele gezeigt habe. Aber da musste ich durch. Ich musste meinen Kopf mal in den Wind halten – und dadurch bin ich gereift. Inzwischen fühle ich mich superwohl und freue mich auf die nächsten Monate mit dem HSV. Denn wir vor, das zu zeigen, was wir zu Saisonbeginn verpasst haben. Schon gegen Dortmund.“

Klingt genau so, wie wir uns das alle erhoffen. Dennoch ein kurzer Themawechsel: Ich hatte mich gestern erstmals zum Thema Ausschreitungen beim Schweinske-Cup zu Wort gemeldet. Das hatte ich vorher vermieden, weil ich weder beim Turnier dabei war noch großartig mit den beteiligten Parteien sprechen konnte. Allerdings ist es in einem personalisierten Blog wie diesem durchaus zulässig, seine Meinung zu äußern. Und ich bin bei einem derart unüberschaubaren oder besser gesagt: bei einem derart facettenreichen Vorfall der Meinung, dass unsere Polizei das Mandat hat, die Aufklärungen zu leiten. Sollte sich dabei herausstellen, dass die Polizei Fehler gemacht hat, gilt es das zu nennen. Aber bis dahin sollten alle Beteiligten, von den Klubs (im Übrigen auch der HSV, von dem einige Hooligans großen Anteil an der Eskalation hatten) über die Veranstalter bis hin zu den Ermittlern bedingungslos zusammenarbeiten, um eine so bittere Niederlage gegen einen kleinen, gewaltbereiten Teil dummer Zuschauer (Fans sind das nicht) aufzuklären und in Zukunft zu vermeiden. Da hilft es nichts, wenn der FC St. Pauli sich hinstellt und die Polizei attackiert. Vielmehr wirkt das aktionistisch und unüberlegt. Zumal dann, wenn es für den grundsätzlich sympathischen Stadtteilklub der x-te Vorfall binnen kürzester Zeit war.

In diesem Sinne, alles wird gut. Und bis später. Dann mit einem kurzen Update vom Test gegen ADO Den Haag.

Scholle (18.15 Uhr)

Hier nun wie versprochen, die Passagen des „TagesWoche“-Interviews:

Wie steht es denn jetzt mit dem Hamburger SV? HSV-Sportdirektor Frank Arnesen hat anklingen lassen, dass ein Transfer wahrscheinlich erst im Sommer zustande kommt.
Granit Xhaka: Ich sage es mal so: Hamburg ist sicher keine schlechte Adresse, und die Bundesliga ist ein Traum von mir. Es ist schön zu wissen, dass ein so großer Club wie der HSV einen Typen wie mich haben möchte. Sie haben dem FCB etwas angeboten, aber mein Ziel ist es nicht, jetzt im Winter wegzugehen. Ich muss glücklich sein, der Verein muss glücklich sein, wenn ich weggehen würde. Und ich will mich ordentlich verabschieden.

Klingt so, dass es auch ganz schnell gehen könnte mit einem Transfer.
Ich höre mir solche Sachen an, mein Berater hört sie sich an, wir besprechen das, aber ich kann nicht ja und nicht nein sagen. Lassen wir uns überraschen.

Wie haben Sie denn vom Interesse des HSV erfahren?
Tja, wie hab’ ich davon erfahren? Der Trainer hat mich mal angerufen …

… der ehemalige FCB-Trainer Thorsten Fink?
Ja. Er hat mich gefragt, wie es läuft beim FCB, er hat mir gesagt, dass es Interesse vom Hamburger SV an mir gibt und dass er mich gerne zu sich holen würde. Das war eigentlich nur ein Telefonat, nach unserem letzten Spiel am 11. Dezember in Neuenburg.

Und, wie war Ihre Reaktion?
Ich habe ihm gesagt, dass ich erst mal in die Ferien gehe, und dass alles andere, das, was die beiden Vereine besprechen, über meinen Berater gehen soll. Ich wollte meine Ferien genießen und mich nicht im Kopf belasten. Ich weiß nicht, was sie mit dem Berater abgemacht haben, und der HSV ist ja jetzt direkt mit dem FCB in Kontakt. Das ist alles keine Überraschung mehr, denn man weiß ja jetzt, dass die Hamburger Interesse haben. Ich höre mir das gerne mal an.

Auf welchem Stand sind Ihre Gespräche mit dem FCB, mit Vizepräsident Bernhard Heusler oder Sportkoordinator Georg Heitz?
Eigentlich haben wir noch gar nicht darüber gesprochen. Vom Verein ist noch niemand auf mich zugekommen.
Sie sind im Moment also nur über Thorsten Fink und Ihren Berater informiert?
Genau, und aus den Zeitungen weiß ich, was angeboten wurde – ob das stimmt, ist wieder eine andere Frage.

Was kann man nun daraus schließen? Der FCB hat schon mal klar signalisiert, dass das HSV-Angebot von rund 8,5 Millionen Franken Ablöse keine Verhandlungsgrundlage für ihn ist.
Ich weiß es auch nicht. Ich habe auch nur von sieben Millionen Euro gelesen, die der HSV angeboten haben soll. Ich habe einen Vertrag bis 2015 und ich kann mir schon vorstellen, dass der FCB mehr möchte. Ich sehe es so: Erst mal muss der Verein zufrieden sein, und wenn der HSV eine entsprechende Summe bietet, dann kann ich mir vorstellen, dass der FCB auf mich zukommt, um das mit mir anzuschauen.

Sie sagen, Sie möchten nicht unbedingt schon in diesem Winter wechseln. Würden Sie denn darauf bestehen, bis zum Sommer in Basel zu bleiben?
Ich sage es mal so: Wenn es wirklich für alle stimmt, auch für meine Familie und das Umfeld, dann wären wir alle glücklich, würden wir alle davon profitieren. So wie ich Thorsten Fink verstanden habe, steht er auf mich, und wenn ich nach Hamburg wechsle, dann würde ich dort auch spielen.

Kommt denn außer Hamburg überhaupt noch irgendwas anderes in Frage?
Ich bin Fan der Bundesliga und der Premier League. Das sind meine Topligen, von denen ich mir wünsche, dass ich einmal dort spielen werde. Aber ich würde auch andere Ligen nicht ausschließen.

Was ist denn an den Spekulationen mit Manchester United und dem Interesse an Ihnen?
Davon weiß ich nichts, hab’s auch nur gelesen. Wenn England, dann denke ich, dass das was mit 23, 24 Jahren für mich wäre, dann, wenn ich körperlich und vom Tempo her für diese Liga parat wäre.

Sie denken also, der Sprung in die Bundesliga wäre einfacher für Sie?
Das kann ich nicht sagen. Ich finde aber, dass der englische Fußball nachgelassen hat. Nicht, weil wir gegen Manchester United gewonnen haben, sondern weil einige Mannschaften schwächer geworden sind, auch Chelsea oder Liverpool. Außer Manchester City, die haben mit einem Haufen Geld viele Spieler gekauft. Die Bundesliga ist sicher nicht schlechter als die Premier League, absolut nicht. Aber nach England sollte man erst gehen, wenn man sich bereit fühlt, wenn man die Perspektive hat, dort auch zu spielen. Ich wollte nicht nach Manchester oder sonstwohin wechseln und dann nicht spielen – da bleibe ich lieber hier.

In England wird herumgereicht, dass Sie eine Ausstiegsklausel im Vertrag hätten.
Sicher nicht. Das ist nicht korrekt.

Ihr Berater Andreas Gross gilt immerhin als Mann mit exzellenten Kontakten auf die Insel. Seit wann berät er Sie und welche Rolle spielt Ihr Vater noch bei der Zukunftsplanung?
Wir sind jetzt seit eineinhalb Jahre mit Andreas Gross zusammen, er hat schon die Vertragsverlängerung beim FCB begleitet. Mein Vater bespricht viel mit ihm, aber wenn es um Verträge geht, ist Andi zuständig.

HSV-Sportdirektor Frank Arnesen sagt, er hätte Sie schon vor Jahren auf dem Radar gehabt, als er noch beim FC Chelsea war. Gab’s denn tatsächlich schon einmal Kontakt mit London?
Das ist so, damals war noch Max Urscheler mein Berater, und er hat uns damals erzählt, dass Chelsea Interesse hat. Da war ich 16, 17 Jahre alt, aber für mich war das Ausland in diesem Alter überhaupt kein Thema. Für mich war klar: Wenn man sich nicht zuerst in der Schweiz durchsetzen kann, dann schafft man es nirgends. Ich konnte einen guten Weg machen bisher – im Gegensatz zu vielen Kollegen aus der U17-Nationalmannschaft, mit der ich Weltmeister geworden bin. Ich bin sehr froh, dass ich hier geblieben bin.

Welcher Rat ist Ihnen denn der Wichtigste?
Zuallererst der meiner Familie und vor allem der meines Vaters. Er hat selbst mal als Profi gespielt, im Ex-Jugoslawien. Er musste wegen einer Verletzung früh aufhören, aber er kennt das Business. Ich verlasse mich auf mein Bauchgefühl, und mein Vater gibt mir Tipps. Und er hat mir damals geraten, beim FCB zu bleiben.

Fühlen Sie sich denn heute schon parat dazu, die Sachen zu packen und zum Beispiel nach Hamburg zu gehen?
Ja, sicher, sonst würde ich mir keine Gedanken machen. Ich bin jetzt seit eineinhalb Jahren fast so etwas wie Stammspieler, ich habe meine Spiele gemacht, auch international, bin in der Nationalmannschaft. Wenn es so weiterläuft wie momentan, wäre ich bereit dazu, ins Ausland zu wechseln. Die Frage ist: wann? Das ist das Fragezeichen, das ich im Kopf habe, das wir alle ein bisschen im Kopf haben.

Können Sie sich im Augenblick überhaupt noch auf den FC Basel konzentrieren? Oder schläft man mit diesen Gedanken ein und wacht morgens damit wieder auf?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin der Typ, der das ganz schnell ausblenden kann. Solange ich beim FCB bin, gebe ich Gas und 120 Prozent. Dafür habe ich die Unterstützung meiner Eltern, meines Beraters. So lange ich hier bin, bin ich hier.

Am Montag fliegen Sie mit dem FC Basel nach Spanien ins Trainingslager – und werden auf den gleichen Plätzen wie der HSV trainieren. Werden Sie mit dem FCB nach zehn Tagen auch wieder heimkommen – oder nehmen Sie einen Flug früher nach Hamburg?
(Lacht) Das sind auch schon die Sprüche meine Mitspieler gewesen. Nein, ich werde auch mit dem FCB wieder zurückkommen. Das ist so. Ich werde so etwas sicher nicht im Trainingslager entscheiden. Das ist nicht der richtige Ort und Zeitpunkt. Wenn wirklich alles perfekt laufen würde, für mich und für den Verein, dann wäre es halt so, aber momentan – nein.

Hat sich denn außer Torsten Fink bei Ihnen schon jemand vom HSV gemeldet?
Bei mir persönlich nicht, aber ich glaube, bei meinem Berater.
Der weiß auch schon, was in einem Vertrag mit dem HSV drinstehen würde?
Ich habe ihn nicht danach gefragt.

In eigener Sache
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