Tagesarchiv für den 9. Januar 2012

***AKTUALISIERT: Töre wird Donnerstag operiert**** Ilicevic plant den großen Sprung – Sala zumindest seinen ersten kleinen

9. Januar 2012

Und außen wird es immer leerer. Klingt bescheuert – ist aber so. Zumindest für den Moment. Denn Gökhan Töre, bei dem sich der erste Verdacht auf Einriss des Meniskus bestätigt hat, wird bereits am Donnerstag in Köln operiert. Der Deutsch-Türke soll anschließend nach zwei Wochen ins Reha-Training einsteigen und wird dem HSV für voraussichtlich sechs bis acht Wochen fehlen. Und nach Töre sind heute auch Zhi Gin Lam, Ivo Ilicevic und Marcell Jansen ausgefallen. „Es sind aber keine gravierenden Dinge, fast nur Prellungen“, so Trainer Thorsten Fink, der hofft, alle drei morgen schon wieder im Training und entsprechend abends beim Spiel gegen Ado Den Haag einsetzen zu können.

Und wenigstens Ilicevic dürfte nach seinem Pferdekuss aus dem intensiven Brügge-Spiel am Sonntag keine weiteren Probleme haben. Zumindest geht er selbst davon aus: „Ich habe einen ordentlichen Schlag abbekommen und konnte kaum noch richtig auftreten. Aber es ist schon besser – und es wird sicherlich bis morgen noch deutlich besser sein“, so der Außenspieler, der im Trainingslager seinen persönlichen Neustart beim HSV feiert. „Ich hatte am Anfang die lange Sperre, habe kurz gespielt und war wieder verletzt. Das war nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Deshalb bin ich froh, jetzt hier alles mitmachen zu können.“ Obgleich er heute nur locker laufen konnte.

Viel verpasst hat er eh nicht, denn die Mannschaft hatte nur eine Einheit am Vormittag und bekam den Nachmittag frei. Obwohl dem Trainer in den beiden ersten Tests einige taktische Dinge noch nicht gefallen haben. Und die zeigte er am Abend nach dem Abendbrot der Mannschaft per Videoanalyse.

Dennoch zeigt sich Fink zufrieden. Mit den Rahmenbedingungen (gutes Wetter, gutes Hotel, sensationell gepflegte Trainingsplätze) allemal. Aber auch sportlich zielen Finks Gedanken immer konkreter auf den 22. Januar ab. Viele offene Personalien hat er eh nicht mehr. Durch die Töre-Verletzung, bei der Fink von einem Meniskuseinriss und entsprechenden sechs bis acht Wochen Pause ausgeht, scheinen die Außenbahnen mit Jansen und Ilicevic gesetzt. Es sei denn, Tolgay Arslan startet durch. Gegen Brügge erhielt er für seine knapp 25 Minuten Einsatz ein Extralob von Thorsten Fink: „Er hat es schon in Aachen gezeigt, und hat jetzt hier bei uns die Chance. Und bislang macht er seine Sache wirklich gut.“

Ebenso wie ein zart wirkender, aber robust auftretender Italiener: Jacopo Sala. Als ich den Sommerzugang vom FC Chelsea am Dienstag in der Lobby traf, fragte ich ihn, was er dazu sagt, dass der HSV sich ein Leihgeschäft vorstellen könnte. Er antwortete mir unmissverständlich klar: „Ich will nicht weg. Im Gegenteil, ich weiß, dass ich hier meine Chance bekomme und die werde ich nutzen.“ In den beiden bisherigen Testspielen kann man das wirklich so sagen. Denn Sala ist bissig, arbeitet im defensiven Mittelfeld als Ballschlepper, der auch mal das Spiel schnell macht. Und der ist variabel einsetzbar. Als Stürmer gekommen, spielte der 20-Jährige bislang ausschließlich im Mittelfeld. Und er mag das. „Mir ist egal, wo ich spiele. Aber wenn ich gefragt würde, würde ich sagen: rechts offensiv.“ Auf der Töre-Position? „Auch.“ Also profitiert er eventuell vom Ausfall seines besten Kumpels? „Vielleicht“, so Sala, der aber unbedingt klarstellen will, „dass ich mich nicht freue über diese Situation. Gökhan ist mein bester Freund und war in der Hinrunde extrem wichtig für die Mannschaft. Er hatte großen Anteil an unseren Siegen. Sein Ausfall macht mich traurig“. Dennoch sei und bliebe es schließlich Profifußball und er wolle sich jetzt beweisen.

Denn darauf musste Sala lange genug warten. In der Sommervorbereitung gleich zu Beginn ausgefallen, kam er nach zwei Monaten zurück, um kaum zwei Tage später wieder auszufallen. „Was für eine Sche… habe ich nur gedacht. Das war wirklich hart für mich, weil ich mich so gar nicht zeigen konnte.“ Anders als jetzt. Im ersten Test gegen Lokeren wirkte Sala so, als wolle er gleich in den ersten Minuten alles nachholen, was er bislang nicht zeigen konnte. Auf der Doppelsechs ackerte er defensiv und kurbelte zugleich die Offensive an. Und gegen Brügge erzielte der Italiener, der mit 15 Jahren bereits zum FC Chelsea gewechselt war, den Siegtreffer. Seinen ersten in einem Profispiel für den HSV. „Das Ding tut richtig gut“, freut sich Sala, der auch dem Trainer positiv aufgefallen ist. Fink bringt den Italiener schon in einem Satz mit Arslan unter – den er nach eigener Aussage am liebsten nicht ausleihen möchte. Ob das nach den zwei guten Spielen auch schon für Sala gilt? „Er muss sich gedulden, vielleicht bekommt er seine Chancen. Aber er muss wissen – und er weiß das auch, da bin ich mir ganz sicher -, dass die anderen auch gut sind. Er hat große Konkurrenz. Sollte er am Ende unzufrieden sein, werden wir reden.“ Dass Sala das bereits ist, stört Fink nicht. „Solange es produktive Unzufriedenheit ist, ist mir das nur recht. Er soll unzufrieden sein, wenn er sich dadurch noch mehr aufdrängt, als er es eh schon macht.“

Lobende Worte für Sala, der in der Hinrunde Zweifel an sich hatte, sogar die Bundesliga unterschätzt hatte, wie er zugibt. „Ich dachte am Anfang, dass es leichter würde.“ Womit er die Qualität der Bundesliga meint, aber auch seinen persönlichen Werdegang bisher einschließt. „Ich brauchte viel Zuspruch, den ich von meiner Familie und Freunden immer wieder bekommen habe. Und sie hatten Recht, es gibt meine Chance. Jetzt! Deshalb habe ich auch keine Pause gemacht, mich über Weihnachten fit gehalten, um jetzt voll durchzustarten.“ Wie ernst er es meint, unterstreicht, dass er am Wochenende seinen Berater im Hotel traf, um mit ihm über seine nähere Zukunft zu sprechen. „Ich habe ihm aber auch gesagt, dass ich unbedingt bleiben will. Hamburg ist ein großer Klub und eine tolle Chance für mich. Ich will meine Chance jetzt nutzen.“

Wogegen ganz sicher niemand etwas haben dürfte.

Gleiches gilt für Ilicevic, der sich nicht ganz neu beweisen muss, aber immerhin selbst den persönlichen Neuanfang ausgelobt hat. „Die Vorbereitung ist sehr wichtig für mich. Es ist wichtig, endlich gesund zu sein, alles mitzumachen und fit zu werden. Bisher konnte ich nie durchziehen, die Hinrunde war alles andere als optimal für mich. Aber jetzt will ich voll angreifen.“ Zum einen wegen seiner Chance auf eine Nominierung für die kroatische Nationalmannschaft bei der EM im Juni in der Ukraine und Polen. Aber vor allem, um mit dem HSV neue Ziele zu verfolgen. „Für die EM, von der ich schon als Kind geträumt habe, ist eine gute Rückrunde besonders wichtig. Es wird das spannendste halbe Jahr meiner Karriere.“ Zumal er die Chance auf schnelle Erfolge als sehr groß ist. „Wir hätten sowohl am Anfang als auch in den letzten Spielchen noch ein paar Pünktchen mehr rausholen können. Deshalb greifen wir in der Rückrunde sofort an. Wir holen das jetzt nach. Denn die Mannschaft hat eine enorme Qualität.“ Auch über die Saison hinaus, glaubt Ilicevic. „Unser Vorteil ist, dass wir viele junge Leute in der Mannschaft haben. Wir können über einen längeren Zeitraum zusammenspielen, hier kann richtig was wachsen.“ Wohin? Ilicevic: „Alles ist möglich. Deshalb bin ich hergekommen.“ Und ganz nebenbei: wer für Ilicevic die Favoriten bei der EM sind? „Ganz klar Spanien und Deutschland. Die beiden Teams sind derzeit die besten.“ Richtig so, Ivo!!!

Ilicevic ist glücklich. Trotz Pferdekusses strotzt der Kroate vor Optimismus. Was man von Gojko Kacar nicht sagen kann. Nicht nur, dass der Serbe von zu Hause aus mit ansehen musste, wie seine Landsleute die EM verpassten. Nein, der defensive Mittelfeldspieler, dem immer wieder nachgesagt wird, er sei nicht zu 100 Prozent fit, muss wieder pausieren. Diesmal wegen einer schmerzhaften Prellung auf dem Spann. „Der Fuß ist richtig blau angelaufen“, erklärt Trainer Thorsten Fink, „Gojko hat eine höllische Schwellung auf dem Spann und hat selbstredend bei jedem Pass Probleme.“ Und wer jetzt hier der Meinung ist, Kacar als zu weich zu betiteln, der lasse sich Folgendes sagen: Kacar hatte die Prellung schon zu Beginn des Trainingslagers und hat dennoch die ersten vier Tage durchgezogen. Er musste sich nach jeder Einheit neu behandeln lassen, wurde intensiv gepflegt, allerdings musste er jetzt kapitulieren.

Und das liegt dem Serben überhaupt nicht. Vor einigen Wochen hatte ich mit ihm über seine lange Verletztenzeiten gesprochen und den Vorwurf, er würde nie richtig fit. Und Kacar, der sich 2011 lange mit Knöchelproblemen herumplagte, hat extrem ehrlich geantwortet. „Ich muss zugeben, dass ich immer wieder Probleme hatte, weil ich aus den verschiedensten Gründen Vorbereitungen verpasst habe. Mal war es wegen Olympia, mal wegen einer EM, dann wegen eines sich lang hinziehenden Wechsels und leider auch wegen Verletzungen. Das ist sch.., aber ich kann es nicht ändern. Ich mache jetzt schon sehr viel zusätzlich, um meinen körperlichen Top-Zustand zu erreichen.“ Dazu sollte, und darauf hatte er sich besonders gefreut, auch die jetzige Vorbereitung dienen.

In diesem Sinne, drücken wir Gojko und Gökhan (sollte es heute Abend noch eine genauere Diagnose geben, werde ich diesen Blog aktualisieren!!) die Daumen, damit sie möglichst schnell wieder zurückkommen.

Bis später,
Scholle (19.05 Uhr)

Eigentlich wollte ich das Thema hier aussparen. Aber nachdem ich gehört und gelesen habe, wie sich der FC St. Pauli zu den Krawallen in der Alsterdorfer Sporthalle geäußert hat, muss ich doch etwas sagen. Ich kann absolut nicht nachvollziehen, dass der FC jetzt auf die Polizisten losgeht. Schon angesichts der Anzahl von schwerwiegenden Verfehlungen der letzten Wochen wäre etwas mehr Demut angebracht. Vor allem gegenüber denen, die nach meiner Auskunft eine noch deutlich schlimmere Eskalation der Gewalt in der Halle vermieden haben. Anstatt neue Gräben aufzumachen, wäre eine effektive Zusammenarbeit mit der Polizei zur lückenlosen Aufklärung das Mindeste, was der FC anbieten sollte.