Tagesarchiv für den 6. Januar 2012

3:1 gegen Lokeren – ein gelungener Auftakt ins neue Jahr

6. Januar 2012

Der erste Test – der erste Sieg. Bei herrlichem Sommerwetter und 21 Grad im Schatten wurde der belgische Erstligist KSC Lokeren mit 3:1 besiegt. Ein Test, den Trainer Thorsten Fink ganz ins Zeichen der Automatismen, des Pass- und Stellungsspiels gestellt hatte. „Auch wenn das Ergebnis nicht vorrangig ist, man gewinnt schon gern. Und das haben wir heute gut gemacht. Wir haben das umgesetzt, was wir trainiert haben und beide Halbzeiten dominiert.“

Es war ein gelungener Auftakt. Auch wenn man in den Belgiern kaum mehr als einen besseren Sparringspartner bekam, bewegte sich der HSV trotz der anstrengenden Einheiten sehr gut. Besonders auffällig in der ersten Halbzeit war Jacopo Sala, der sein erstes Spiel für die HSV-Profis absolvierte Zumindest glaube ich das, war mir aber nicht ganz sicher, ob er nicht schon auf Sylt im Sommer einmal dabei war. Aber egal wie, der Italiener spielte nicht auf seiner angestammten Position im Angriff, sondern neben David Jarolim auf der Doppel-Sechs. Und das im Stile eines Spielmachers. „Jacopo war lange verletzt und muss sich jetzt zeigen. Und das war heut ordentlich. Aber wir wussten ja, dass er ein richtig guter Fußballer ist. Frank ist je kein Blinder“, so Fink über Sala, der nicht nur bissig in den Zweikämpfen war. Der Italiener war auch immer wieder erster Anspielpunkt für die Abwehr. Er schleppte die Bälle weniger sondern suchte den Weg nach vorn. Dort fand er immer wieder Ilicevic, Diekmeier (bereitete über rechts drei Riesenchancen für Son vor, der jeweils überweg schoss) oder auch Mladen Petric, der als Kapitän auflief. Eine Beförderung, die dem Kroaten gut tat. Denn Petric war es, der in der 39. Minute das Warten der rund 200 Zuschauer beendete, indem er aus 18 Metern einfach mal abzog. Und auch wenn dieser Schuss sicherlich haltbar war, war er nichts weniger als die verdiente Führung gegen Belgier, die sich einzig auf Konter verließen. Logische Konsequenz: Petric traf in der 42. Minute nach einem Abwehrfehler der Begier mit einem schicken Lupfer sogar zum verdienten 2:0.

Allerdings, die Konter setzte Lokeren zweimal richtig gut. „Wir müssen noch daran arbeiten, unsere einfachen Fehler abzustellen. Dadurch hjaben wir die Belgier immer wieder ins Spiel geholt, obwohl sie nichts dafür getan haben“, kritisierte Fink. Und so war es allein Tom Mickels Riensenreflexen zu verdanken, dass Lokeren nicht zu einem Tor kam, als der KSC-Stürmer Hamdi Harbaoui in der 26. Minute 20 Meter lang allein auf ihn zu und Mickel nahm mit seiner ersten Parade dem Belgier den Ball vom Fuß, um im Nachsetzen selbigen unter sich zu begraben. Eine Szene, die auch auf der HSV-Bank für eine Menge Beifall sorgte. Klar wurde aber nicht allein durch dies Szene, dass der HSV noch viel Arbeit vor sich hat. Denn auch wenn die heutigen Aufstellungen – weder erste (Mickel – Diekmeier, Bruma, Rajkovic, Sternberg – Lam, Jarolim, Sala, Ilicevic – Son, Petric) noch zweite Halbzeit (Neuhaus – Bergmann, Mancienne, Westermann, Aogo – Tesche, Rincon – Töre (74. Lam), Ingreso, Jansen – Guerrero) – in irgendeinem Punkt- oder sonstigem Pflichtspiel so zustandekommen dürften, defensiv war die Mannschaft anfällig bei Kontern. Vor allem über die linke Seite, auf der der junge Janek Sternberg immer wieder Probleme hatte, kamen die Belgier zu oft durch.

Dennoch, es blieb dabei – insgesamt war die Angelegenheit mehr als deutlich. In der zweiten Halbzeit sogar noch deutlicher als schon in der ersten Hälfte. Insbesondere das Trio Töre/Guerrero/Jansen wirbelte die Belgioer komplett durcheinander. Logische Folge waren Chancen am Fließband, die Jansen mit per Kopfball (52.) zum 3:0 nutzte. Dass die Belgier durch ihren gefährlichsten Mann, Hamdi Harbaoui, zum Anschlusstreffer kamen, war ein Schönheitsfehler, den Trainer Thorsten Fink bei seiner Video-Analyse als gutes Beispiel für noch vorherrschende Abstimmungsprobleme nutzen kann.

Insofern war alles dabei. Sogar ein kurzer Schreckmoment, als Töre sich das Knie verdrehte und sofort signalisierte, ausgewechselt werden zu wollen. „Was Schlimmes, Gökhan?“, fragte Fink vor der Tribüne aus und bekam die kurze Antwort: „Nee.“ Töre will schon am Sonnabend wieder mittrainieren. Insofern blieb es dabei: Das war ein gelungener Auftakt.

In diesem Sinne, bis morgen
Scholle (18 Uhr)

Drobny spricht wieder – und hat allen Grund zur Freude

6. Januar 2012

Er ist der begehrteste Gesprächspartner – und er verneint weiterhin jegliche Interviewwünsche. Zu sehr haben Jaroslav Drobny die kritischen Töne zum Saisonbeginn getroffen, als er wiederholt patzte. Inzwischen hat sich Drobny gefangen und avanciert zum Punktegranten, geändert hat sich an seiner Meinung dennoch nichts. Außer über den Mediendirektor Jörn Wolf beantwortet der von den Fans zum zweitbesten Spieler der Hinrunde gewählte Keeper keine Fragen. Nur gut, dass er wenigstens das macht. Ansonsten würden wir von ihm gar nichts hören. Das Interview vor dem ersten Testspiel 2012, worüber ich Euch nach Schlusspfiff möglichst kompakt berichten werde:

Jaroslav, wie trainiert es sich unter der Sonne Spaniens?
Drobny: Es macht Spaß. Nicht nur wegen der Sonne. Bei der letzten Vorbereitung in Österreich war ich verletzt und konnte kaum mit der Mannschaft trainieren. Es ist immer ein gutes Gefühl, mit den Jungs zusammen zu sein.
In der Mannschaft bist du beliebt, gibst auch mal den Spaßvogel. Und die Fans haben dich nach Gökhan Töre zum Spieler der Hinrunde gewählt.
Drobny: Gut, dass die Abstimmung am Ende der Hinrunde war (lacht). Es ist natürlich schön, wenn ich so einen Rückhalt bekomme. Ein großes Dankeschön dafür. Als die Fans im Stadion meinen Namen gerufen haben, hat mir das noch mehr Sicherheit gegeben.
Wie hast du dich nach dem Tief zu Saisonbeginn wieder zur Topform zurück gekämpft?
Drobny: Ich habe einfach weitergemacht. Ein Fehler kann immer passieren. Die eines Torwarts kosten nur meistens gleich Punkte, das ist bitter. Ich glaube, ich wollte einfach zu viel. Es hat mir geholfen, dass es keine bösen Worte aus dem Verein und der Mannschaft gab. Alle haben mich unterstützt.
Danach hast du der Mannschaft durch deine Paraden auch viele Punkte gerettet.
Drobny: Das ist mein Job. Ganz nüchtern. Gerade bei einer jungen Mannschaft, die sich noch finden muss, ist es wichtig, dass der Torwart funktioniert. Ich muss Fehler ausbügeln.
Wie weit kann es noch nach vorn gehen in dieser Saison?
Drobny: Gucken wir mal. Wir wollen etwas erreichen. Aber ich bin nicht der Typ, der große Ansagen macht. Das bringt mich nicht weiter und uns keine Punkte.
Hältst du dich deswegen auch öffentlich so zurück? Es gibt selten Interviews von dir zu lesen.
Drobny: Ich sage dann etwas, wenn ich etwas zu sagen habe. Mit dem Rest langweile ich die Leute nur. Zu Saisonbeginn brauchte ich ein bisschen Ruhe. Als es dann besser lief, wollte ich mich auch nicht hinstellen und gleich den Lautsprecher machen.
Niemand weiß, dass du eine zeit lang auch sehr traurig warst…
Drobny: Das ist richtig. Durch einen Flugzeugabsturz habe ich einen meiner besten Freunde verloren. Jan Marek. Er war Mitglied der russischen Eishockeymannschaft Jaroslavl, deren Maschine abgestürzt ist. Es war eine grausame Situation, der absolute Horror.
Jetzt gibt es für dich aber wieder Grund zur Freude. Wie man hört, bahnt sich Nachwuchs an im Hause Drobny.
Drobny: Stimmt. Im März kommt unser zweites Kind. Dann gibt es wieder schlaflose Nächte.
Junge oder Mädchen?
Drobny: Wie hat Mehmet Scholl gesagt? Hauptsache, sie ist gesund…

Bis später,
Scholle (15.10)