Tagesarchiv für den 5. Januar 2012

Das Personalkarussell nimmt Fahrt auf – und Töre will bleiben

5. Januar 2012

Und schon geht es los. Wie gestern angekündigt, dreht sich das Personalkarussell beim HSV bereits. Es nimmt auch immer mehr an Fahrt auf. Und damit meine ich nicht den erwarteten Abgang von David Jarolim (der Berater hat vom HSV Prokura erhalten, einen Wechsel einzutüten), der auch aus Saudi-Arabien ein Angebot vorliegen haben soll, sondern potenzielle Zugänge. Und ich kann Euch sagen: Granit Xhaka kommt. Genau genommen am Montag mit dem FC Basel nach Marbella. Und passenderweise trainieren die Schweizer parallel auf einer Trainingsanlage mit dem HSV. Die Frage, die sich stellt, ist nur: bleibt er auch beim HSV?

Ich sage, ja. Wenn nicht im Winter, dann spätestens im Sommer 2012. Zumal, nachdem sich die Gespräche mit Kühne in letzter Zeit gehäuft haben und seitens des HSV offen darüber gesprochen wird, dass der milliardenschwere Logistikunternehmer durchaus ein Ansprechpartner für teurere Transfers ist. Eben genau dann, wenn einer wie Xhaka zu holen ist. Sieben Millionen Euro soll der Mittelfeldspieler vom Ex-Klub Thorsten Finks kosten. Ein Betrag, den der HSV momentan aus eigenen Mitteln nicht stemmen könnte, den er aber angeblich geboten haben soll. Von daher werden die Verantwortlichen auf fremde Hilfe setzen, wie Arnesen („Das wäre der nächste Schritt“) ja schon angekündigt hat. Ob er es auch bereits getan hat? Der Sportchef lächelt, zögert, und sagt: „Ich kommentiere nie Dinge, die noch nicht fix sind. So auch diesmal nicht.“ Dennoch wollte er nicht dementieren, dass der HSV bereits ein offizielles Angebot für seinen Wunschspieler abgegeben hat. „Ich sage nicht, dass wir das nicht gemacht haben“, so der Däne – wieder mit einem Lächeln, das mehr vermuten lässt. Zumal er nachlegte: „Wenn der Spieler verpflichtet ist, erzähle ich Euch die ganze Geschichte.“ Hoffentlich schon bald…

Denn Xhaka eilt ein sehr guter Ruf voraus. Arnesen hatte den 19-Jährigen bereits als 16-Jährigen auf dem Zettel. Damals war Arnesen zwar noch für den FC Chelsea auf der Suche – aber trotzdem begeistert von dem Schweizer: „Ich kenne ihn schon sehr lange, habe ihn schon gesehen, als er U17-Weltmeister wurde“, so Arnesen heute, bevor er sich über die Zitate Xhakas freute. Der hatte in der Schweiz im „Blick“ gesagt (Quelle: www. blick.ch/sport/fussball/xhaka-hsv-ist-ein-toller-klub-191196): „Hamburg ist ein toller Klub und die Bundesliga mein Traum. Es ist natürlich schön, wenn dort ein Trainer ist, der mich kennt und so offen darüber redet, dass er mich gerne haben möchte.“ Dennoch wollte der Linksfuß einen sofortigen Wechsel nicht bestätigen, im Gegenteil: er verneinte eine derartige Absicht deutlich: „Mein Plan ist es, mindestens bis Sommer beim FCB zu bleiben. Ich weiß, was ich hier habe. Außerdem haben wir mit dem Champions-League-Achtelfinal gegen Bayern zwei absolute Traumspiele, in denen wir meiner Meinung nach auch eine Chance aufs Weiterkommen haben.“

Ganz ausschließen will er einen Wechsel aber dann auch wieder nicht: „Wenn der HSV ein Angebot macht, das für den FCB passt, müssen wir uns zusammensetzen.“ Das Angebot ist abgegeben wie FCB-Vizepräsident Bernhard Heusler bestätigte – allein es passt den FCB-Verantwortlichen (noch) nicht. „Wir haben nicht die Absicht, Granit abzugeben“, so Heusler. Und ganz ehrlich, ich glaube, das ist nicht mehr als das übliche Geschachere, um für den abgebenden Klub eine möglichst hohe Ablösesumme herauszuholen.

Fink selbst hielt sich heute bedeckt, angesprochen auf seinen ehemaligen (und hoffentlich Bald-wieder-)Spieler. Einzig die Verwunderung Xhakas („Ich wusste gar nicht, dass er so auf mich steht“) verwunderte ihn: „Er hat bei mir als 17-Jähriger gespielt – schon daran sollte er erkennen, dass ich ihn gut finde.“ Fortsetzung folgt – da bin ich mir sicher.

Abgeschlossen sollte dafür das Kapitel „Angebote für Töre“ sein. Zumindest, was die fremden Angebote betrifft. Denn Töre sprach Klartext – vor Wochen mit Galatasaray Istanbul, heute mit uns: „Das kommt für mich nicht in Frage“, so der Linksfuß, „ich fühle mich wohl beim HSV, will in Hamburg bleiben und denke nicht an einen Wechsel. Ich glaube auch, dass da jetzt von Seiten der Türken Ruhe einkehrt. Wir haben alles abgesagt und Klartext gesprochen.“ Klingt gut. Spätestens als Töre beteuerte „und das gilt auch über den Sommer hinaus“ war es auch dem Letzten klar. Denn Töre klang ehrlich und vor allem so, als hätte er höchstselbst diese Entscheidung getroffen – nicht irgendein Berater.

Und geht es nach Frank Arnesen, ist das auch die beste Entscheidung, die Töre treffen konnte. „Gökhan ist schnell durchgestartet und hat sehr gute Spiele gemacht. Aber er weiß, dass er noch lange nicht alles abgerufen hat und dafür bei uns die Zeit bekommt.“

Worte, die Töre bestätigte. Dem 19-Jährigen haben zudem die Vertragsverlängerungsgspräche mit dem HSV sehr gut gefallen. „Ich sehe das alles sehr positiv und will eine lange Zukunft beim HSV haben. Ich habe hier ein gutes Gefühl, dass man auf mich setzt. Es ist alles gut, weshalb also sollte ich nicht verlängern?“ Soll er doch. Und wird er wohl – wenn sich nichts Großes mehr ändert.

Geändert hatte sich in den letzten Wochen bei Töre zumindest auf dem Platz einiges. Denn der Deutsch-Türke ist auffällig geworden. Zum einen wählten ihn die eigenen Fans zum Spieler der Hinrunde („Ein großes Kompliment für mich. Das tut der Seele gut, aber ich ruhe mich nicht darauf aus“), zum anderen erkannten die Gegner sein Potenzial. „Inzwischen habe ich fast immer zwei Gegenspieler und der Dritte wartet dahinter schon im Raum. Aber das ist kein Problem für mich, ich mache mein Ding.“ Und das macht er gut, wie auch Fink bestätigt, bevor er in typischer Trainermanier das Anforderungsprofil an seinen Youngster verschärfte: „Gökhan muss noch effektiver werden. Ich erwarte einfach noch mehr Vorlagen und Tore von ihm und dass er stabiler wird. Er muss den nächsten Schritt machen.“
Allerdings, und das schob Fink nach, habe sein „Riesentalent“ dafür noch etwas Zeit. „Gökhan hat schnell einen riesigen Schritt gemacht – und der nächste kann dauern. Er ist ja auch noch verdammt jung.“ Jung und ambitioniert. Töre selbstbewusst: „Wir sind alle gut drauf, sind heiß. Und wir wollen gegen Dortmund direkt zuschlagen.“ Welche Rolle bei allem der Trainer Thorsten Fink für ihn spielt? Eine entscheidende, wie Töre versichert: „Der Trainer geht vorweg. Er gibt uns Selbstvertrauen – und das ist gerade für junge Spieler wichtig, weil man dann keine Angst hat, Fehler zu machen.“

So soll es sein.

In diesem Sinne, bis morgen.

Scholle (19 Uhr)

P.S.: Morgen spielt der HSV um 16 Uhr gegen den belgischen Erstligisten Sporting Lokeren auf der Trainingsanlage in Marbella. „Testspiele sind für mich nur für Laufwege und Automatismen wichtig“, so Fink, der gegen Lokeren noch munter mischen und wechseln will. „Erst das Spiel gegen Arminia Bielefeld (am Sonnabend nach dem Trainingslager) wird die Generalprobe.“