Tagesarchiv für den 4. Januar 2012

Arnesens Gespräche mit Kühne lassen hoffen

4. Januar 2012

Angekommen in der Sonne! Statt Dauerregen und Temperaturen um die fünf Grad nun als Sonne, blauer Himmel und 16 Grad. Tendenz: steigend. Womit ich zwar hauptsächlich die hiesigen Temperaturen meine, allerdings auch die Stimmung der HSV-Beteiligten durchaus treffend beschreibe. Die Spieler freuen sich über die Abwechslung einer neuen Trainingsumgebung – trotz des Wissens, dass auf sie acht harte Tage warten. Denn die Ziele beim HSV haben sich in der Zeit meines Kurzurlaubes konkretisiert: es geht nicht mehr allein gegen den Abstieg. Nein, es geht um Europa. Das hatte zwar Dennis Aogo schon vor ein paar Wochen erstmals öffentlich gesagt – allerdings bekamen die zunächst kritisch beäugten Worte des Linksverteidigers erst durch die Wiederholung von Trainer Thorsten Fink größere Bedeutung. Denn der Coach selbst sprach davon, nicht im Mittelmaß stecken bleiben zu wollen sondern durchaus nach oben zu schielen.

Mutig, mutig, dachte ich zunächst. Aber es war nur meine erste Reaktion. Doch dem ersten Impuls folgte ganz schnell der zweite, in dem ich diese Worte als eher logisch empfand. Schließlich verfolgt Fink die erkennbare Strategie, den Spielern Mut zu machen und nach jedem kleinen Erfolg den nächsten Schritt, also das nächste Etappenziel, auszugeben. In diesem Fall den internationalen Wettbewerb. „Das finde ich sehr gut“, sagte uns Sportchef Frank Arnesen heute auf dem Dach einer der Luxussuiten des etwas in die Jahre gekommenen Fünf-Sterne-Hotels „Guadalpin Banus“ in Marbella. Und der Däne, braungebrannt und erholt vom Urlaub in Südafrika, legte sogar noch nach. „Dennis Aogo hatte damit angefangen, der Trainer setzt es fort. Und das ist für mich ein sehr gutes Zeichen, weil es von großem Ehrgeiz und Selbstvertrauen zeugt. Denn, und das wissen wir auch, solche Sätze üben auch Druck auf uns aus. Druck, den wir bestehen werden.“ Was ihn so zuversichtlich macht? „Die ersten sechs Spiele“, so die zunächst etwas überraschend klingende Antwort. „Da habe ich immer gesagt und auch daran geglaubt, dass wir besser sind als der eine Punkt, den wir geholt haben.“ Und wie wir alle wissen, erfüllte sich diese Prognose. Arnesen: „Wir dürfen heute sagen, dass wir besser sind.“ Weshalb also nicht die jetzt formulierten neuen Ziele? Ich hätte ganz sicher nichts dagegen, wenn Arnesen auch diesmal richtig liegt. Ebenso wenig Ihr, da bin ich mir sicher…

Unsicher bin ich mir, wie lange es hier personell noch so ruhig bleibt, wie Arnesen es heute ankündigte. „Stand jetzt passiert gar nichts und ich kann mit dem Trainer die wichtige Vorbereitung zusammen gestalten“, so Arnesen, der sich dennoch für den Fall der Fälle eine spontane Abreise offen hält. Diese allerdings wirklich nur dann, wenn noch etwas dazukommen würde. Beispielsweise – und auch wünschenswert – wenn ein kreativer Mittelfeldspieler gefunden würde, der auch finanzierbar ist. Der Sportchef: „Wir haben immer gesagt, dass wir so einen suchen. Aber wir haben auch klar gesagt, dass wir nur dann jemanden holen, wenn er eine Qualität hat, die uns fehlt. Er muss uns sofort verstärken.“
Deshalb meine „Skepsis“ bezüglich der personellen Ruhe. Das klingt zwar negativ, wäre aber eine positive Unruhe und würde mich nur freuen, deshalb die Anführungsstriche. Ich glaube auch, dass der HSV alles versucht, um noch mal auf dem Transfermarkt tätig zu werden. Dafür wird intensiv um neue Geldquellen gekämpft. Anders als bei Teilen der Konkurrenz. „Bayern und Wolfsburg sind weit weg. Einem Felix Magath kann ich nur gratulieren, dass er solche Möglichkeiten hat. Ich kenne das ja noch aus meiner zeit in England. Aber danach müssten wir schon die Nummer drei in Deutschland sein.“ Das wiederum ist man im Moment nicht – die Gründe dafür sind ebenso bekannt wie hier umstritten. Ganz im Gegenteil zur aktuellen Priorität: Neue Geldquellen erschließen.

Wege dahin gibt es. Das wird zum einen sicherlich über mögliche Gehaltseinsparungen bei Spielern, die wie David Jarolim noch im Winter wechseln oder wie bei Jacopo Sala und Daniel Nagy verliehen werden könnten, geschehen. Aber vor allem bemühen sich die HSV-Verantwortlichen wieder intensiv um Klaus-Michael Kühne. Der Investor, der dem HSV im Sommer 2010 mit 12,5 Millionen Euro eine erste Geldspritze verpasste, ist wieder in guten Gesprächen mit dem HSV.

„Wieder“, weil davon nicht immer auszugehen war, denn der Logistikunternehmer (Kühne&Nagel) war seinerzeit nicht glücklich über die Form seiner Investition, die anfangs nur das Ziel einer Verpflichtung Rafael van der Vaarts hatte. Dennoch ließ er sich überreden und zeichnete Anteile an Spielern (Jansen, Aogo, Guerrero). Dennoch, statt der ursprünglich angedachten 15 Millionen Euro gab Kühne dem HSV nur 12,5. Die 2,5 Millionen Euro, für die ihm der damalige Vorstand um Klubboss Bernd Hoffmann für eine Beteiligung an dem Transfer (besser: einem möglichen Verkauf) von Gojko Kacar anbot, verweigerte Kühne.

Seither galt das Verhältnis zwischen dem HSV und Kühne als angespannt. Zumindest aus Sicht des Investors, der seine ursprünglichen Absichten nicht umgesetzt sah und anfing, an seinem Engament zu zweifeln. Zudem sah sich der bekennende HSV-Fan öffentlich heftiger Kritik von Vereinsgruppierungen (ich erinnere an die außerordentliche Mitgliederversammlung im Stadion) ausgesetzt. „Es sind damals Dinge passiert, die negativ waren, über die ich mich aber nicht näher äußern möchte“, sagt Arnesen. Stattdessen wendet er sich der Gegenwart zu und bemüht sich selbst um ein gutes Verhältnis zu dem finanziell wahrscheinlich potentesten HSV-Fan. Er sei damals nicht direkt dabei gewesen und kenne nur die Version Kühnes. Allerdings, und das machte Arnesen heute ebenso wie Klubboss Carl Edgar Jarchow vor ein paar Tagen im Abendblatt-Interview deutlich, ist das alles Schnee von gestern und der HSV hat seine Brücken neu aufgebaut (oder eben nur geflickt…). „Wir hatten ein sehr nettes Gespräch“, so der HSV-Sportchef über das Treffen mit Kühne. „Herr Kühne ist ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann, der Unfassbares erreicht hat. Das muss man anerkennen und respektieren. Und er ist ein riesiger HSV-Fan, das spürt man. Einer, der dem Verein geholfen hat. Dafür müssen wir ihm als HSV sehr dankbar sein.“ Zudem dürfte es an gemeinsamen Themen zwischen Arnesen und Kühne, der für den HSV unbedingt einen Kreativen fürs Mittelfeld hatte holen wollen, nicht gemangelt haben. Beide bemängeln immer wieder das Fehlen eines kreativen, zentralen Mittelfeldmannes. „Das stimmt“, lacht Arnesen, „aber er hat keine Namen genannt. Dafür sind wir verantwortlich. Wir sind zu 100 Prozent die Entscheidungsträger, das weiß Herr Kühne auch. Und er respektiert das auch. Ganz klar.“ Dennoch ist es alles andere als ausgeschlossen, dass Arnesen noch mal bei dem Milliardär vorstellig wird, sollte der geeignete Mittelfeldspieler zu einem Wechsel nach Hamburg bereit sein. Oder? Arnesen: „Das wäre der nächste Schritt.“
Klingt, als käme da noch etwas auf uns zu.
Vom ersten Training im „Marbella Football-Club“ gibt es nichts Außergewöhnliches zu berichten. Es wurde eine kurze Aufwärmeinheit absolviert und anschließend wurde Passspiel geübt. Eben das, worauf Fink hier in Spanien am meisten Wert legen wird. Und dabei fiel einer immer durch besonders gefährlich geschlagene Flanken auf. So sehr sogar, dass er von dem Teamkameraden dafür gelobt wurde. Die Rede ist von Dennis Bergmann, dem Youngster, der ob seiner guten Leistungen in der U23 als Belohnung mit nach Marbella reisen durfte und zumindest heute zu einem der glücklichsten Spieler zählen dürfte.

Ganz im Gegenteil zu David Jarolim. Der Tscheche bereitet sich zwar bislang ganz normal mit der Mannschaft vor. Das allerdings in dem Wissen, dass er unmittelbar vor einem Wechsel steht. Auch Arnesen ließ mehr als deutlich durchblicken, dass es Interessenten für den dienstältesten HSV-Profi gibt, der bei Fink nicht über die Rolle des Reservisten hinauskommt. Und auch Jaro selbst wollte das nicht verleugnen – allerdings auch nicht näher darauf eingehen, wohin es ihn ziehen könnte. „Momentan ist alles offen, was soll ich da sagen“, so die Antwort des ehemaligen Kapitäns. Eine Antwort, die traurig klang und die so gar nicht in das Gesamtbild des ersten Trainingstages in Marbella passen wollte…

Dennoch, so traurig der mögliche Abgang eines derart verdienten Spielers auch ist, der HSV ist weiter auf dem guten Weg, auf den er sich seit der Amtsübernahme Finks wähnt. „Und die Mannschaft wird noch besser“, frohlockt Arnesen, „weil der Trainer endlich eine komplette Vorbereitung mit der Mannschaft hat. Er kann jetzt analysieren und gezielt trainieren. Das wird der jungen Mannschaft in seiner Entwicklung einen weiteren Schub geben.“
Hoffen wir es.
In diesem Sinne, bis morgen! Dann solle auch Tomas Roncon und Paolo Guerrero mit dabei sein, die (allerdings korrekt mit dem Trainer abgesprochen) dirket aus ihren Südamerika-Urlauben erst am heutigen Anbend einflogen.

Scholle (19.35 Uhr)

P.S.: Natürlich möchte auch ich Euch noch mal persönlich alles Liebe fpr das Jahr 2012 wünschen un d mich im Umkehrschluss für Eure netten Wünsche bedanken. Auf ein bessers 2012!