Tagesarchiv für den 2. Januar 2012

Endlich: Dienstag rollt der Ball im Volkspark

2. Januar 2012

Morgen ist sie vorbei, die Zeit ohne den HSV. Um 15 Uhr stehen die Helden wieder an der Arena auf dem Trainingsplatz. Endlich! Um mit dem Aktuellen zu beginnen: David Jarolim soll nach Auskunft des HSV mit von der Partie sein, auch wenn fast stündlich „etwas passieren“ könnte. Ein Vereinswechsel zum Beispiel. Auch sollen ja noch einige Nachwuchstalente ausgeliehen werden, doch noch ist nichts passiert. Romeo Castelen wird am Mittwoch nicht im Flieger sitzen, wenn es ins Trainingslager nach Marbella geht, dafür ein junger Spieler: Dennis Bergmann von der U 19, ein Mittelfeldspieler. Und auch ein „Neuer“ ist an Bord: Tolgay Arslan. Der Mittelfeldspieler lag nun ein halbes Jahr auf Eis, weil er im Vorbereitungsspiel gegen Wolfsburg umgetreten worden war, nun aber ist Arslan zurück. Er hat über Weihnachten und den Jahreswechsel eisern trainiert, fängt also in Spanien nicht ganz bei Null an.

Im Moment, gebe ich zu, sitze ich in der Redaktion und sehe fern. Sport 1, das Altherren-Turnier in Oldenburg. Gerade hat Hannover 96 gegen Werder Bremen 2:3 verloren. Bei 96 spielten Martin Groth und Andre Breitenreiter mit, bei Werder Frank Ordenewitz und kleines, dickes Ailton. Er schoss den Siegtreffer. Kurz bevor er ins Dschungelcamp geht. Dazu gab es ja aus Euren Reihen einen kleinen Schmunzel-Beitrag von „hekto“:
„Danke für den Blog nett zu lesen.
Aber dieses Ehemaligen aus den Untiefen raus holen, mag ich nicht.
Wenn denn einer dieser Ehemaligen was drauf hat und wirklich was reißen
könnte, wäre er eben kein Ehemaliger mit nichts außer großen Worten, der im
Augenblick nach ein wenig Anerkennung sucht. Für solche Problemfälle haben
wir ja das Dschungelcamp, oder die bald stattfindende Staffel ehemaliger
Fußballgott sucht Frau. Lets Dance oder so etwas.“

Dschungelcamp war das Stichwort. Ailton hat ja immer noch sein bestes Kampfgewicht, so wie er einst in Hamburg antrat: 177 Kilo. Ich freue mich schon darauf, wenn er Ameisen, Kröten und Kakerlaken essen wird und muss. Und wenn er das macht, dann wünsche ich ihm stets noch eine Extra-Portion an Kamel-Hoden und Lurch-Augen. Er sollte dabei immer an den Fehlschuss gegen Werder Bremen denken (müssen), als das Bremer Tor leer war, er die Kugel aber voll in die Hamburger Dschungel-Nacht drosch – der Frosch. Er hatte ja einst sein ganzes Geld auf die hohe Kante gelegt, aber von da muss die ganze Kohle runter gefallen sein – ins Nichts. Und nun? Er ist alt und braucht neues Geld. Hoffentlich schluckt er deshalb richtig viele Kröten . . .

Nun gut, das war ein kleiner Abstecher ins Dschungelcamp. Er sei mir verziehen.

Wobei ich, passend zu Silvester, noch schnell einige Dinge loswerden möchte, die ich mir vorher schon parat gelegt hatte. Motto: Aus dem Nähkästchen geplaudert. Lustige Sachen – und nicht ganz so lustige.

Vor viele, vielen Jahren, als die Journalisten noch in den Innenraum des Volksparkstadions durften, gab es vor einem Bundesliga-Kick bei schönstem Sonnenschein ein Vorspiel. Es prallten die Frauen-Mannschaften von Hamburg und Berlin aufeinander. Ich trat gerade an die Torauslinie, als es einen Eckstoß für Hamburg vor der Ostkurve gab. Kurz bevor die Hamburgerin den Ball zur Mitte bringen wollte, ertönte ein Pfiff des Schiedsrichters. Ich würde diese Geschichte nicht schreiben, wenn dieser Mann noch pfeifen würde, aber so . . .

Peter Hülsing (Altona 93) blies in seine Pfeife, hob den linken Arm zum Zeichen des „Stopps“ und sagte der Hamburger Schützin: „Mooooooment mal, noch nicht schießen – erst muss ich mal meinen Freud Dieter begrüßen.“ Er tat, wie angekündigt, gab mir kurz die Hand, begrüßte mich nett – und pfiff dann an: „So, bitte!”

Dann war da noch Gert „Charly“ Dörfel, mit dem ich bei HH1 2006 eine WM-Sendung machen durfte. Beim Schminken verriet „Charly“: „Ich habe eine Wette laufen, ich muss in dieser Sendung das Wort Darmspiegelung unterbringen.“ Machte er, indem er über die Nationalmannschaft herzog, die gerade in Hamburg China mit 1:0 aus dem Stadion gefegt hatte. Dörfel: „Die Flanken, die die Jungs da schlagen, die bringe ich heute noch aus dem Stand – und sogar nach einer Darmspiegelung . . .“ Wette gewonnen.

Dann gab es noch eine traurige Geschichte. Länderspiel in Teheran, das war am 9. Oktober 2004: Die deutschen Journalisten waren in einem anderen Hotel untergebracht, als das DFB-Team. Als ich eincheckte, öffnete sich die Fahrstuhltür (eine von acht) – und vor mir stand Mehdi Mahdavikia. Ausgerechnet er. Welch ein Zufall. Wir fielen uns in die Arme, quatschten noch eine Weile und erfuhr dabei, dass die iranische Nationalmannschaft in diesem Hotel logierte. Ich hatte in der Heimat kurz vor dem Abflug noch eine ganz besondere Bitte mitgenommen: Eine (mir unbekannte) Frau rief mich an und bat mich, ein Mahdavikia-Trikot für ihren an Krebs erkrankten kleinen Sohn, der Mehdi-Fan war, zu erbetteln. Ich fragte Mehdi, er sagte sofort zu – und versprach mir das Trikot bei seiner Rückkehr nach Hamburg. Als ich aber wieder in der Redaktion saß, erhielt ich abermals einen Anruf dieser Frau – ihr Sohn war gestorben. Mehdi und ich waren total betroffen und traurig.

Nochmals zu dieser Iran-Reise. Es war schon etwas Ungewöhnliches und Außergewöhnliches. Nie vorher und nie nachher habe ich erlebt, wie eine deutsche Nationalmannschaft im Ausland so begeistert gefeiert wurde. Und wir Journalisten hatten einen Abend eine Einladung vom persischen Presse-Verband (wo es trotz Alkoholverbots Alkohol bis zum Abwinken gab). Ich war aber nicht mit, weil ich im Nati-Hotel, zehn Kilometer entfernt, eine Verabredung mit meinem Freund Peter (ein Freund der Nationalmannschaft, FdN) hatte. Ich lag deshalb noch eine Stunde in der Badewanne, ging dann runter ins Foyer – per Fahrstuhl. Als ich raus kam, sprach mich ein etwa 1,90 Meter großer Mann, der im schwarzen Ledermantel an mich herantrat, an – perfekt Deutsch sprechend: „Sie sind doch deutscher Journalist, oder?“ Ich: „Ja“. Er: „Was machen Sie denn noch hier, Sie sind doch alle eingeladen.“ Meine Antwort: „Ich habe eine Verabredung.“ Er: „Wo?“ Ich: „Im deutschen Mannschaftshotel.“ Er: „Mit wem?“ Ich: „Mit einem deutschen Fan.“ Er: „Aha. Ich werde Ihnen ein Taxi besorgen.“
Das tat er dann, obwohl so viele Taxis vor dem Hotel standen, ich hätte selbst eines finden können. Er gab dem Fahrer aber die Anweisung, wohin er mich zu fahren hätte: inds deutsche Mannschaftshotel.
Das war eine etwas mulmige Geschichte . . . Aber alles ging glatt. Und: Im Mannschaftshotel wurde ich schon erwartet und in Empfang genommen, ich konnte keinen einzigen unbeobachteten Schritt machen. Das war für mich eine völlig neue Erfahrung im Fußball.

So, zurück nun zum ganz normalen Fußball. Und zum HSV. Da hatte es ja heute die Kai-Schiller-Geschichte über Bernd Hoffmann im Hamburger Abendblatt gegeben. Hat einigen Wirbel ausgelöst – wie erwartet. Dazu nahm, auch erwartet, der Aufsichtsrats-Boss Ernst-Otto Rieckhoff Stellung. Er schrieb, für diejenigen, die es noch nicht kennen (oder nicht erhalten):

„Liebe Mitglieder,
im Vorfeld der Mitgliederversammlung am 15.1. hatte ich mir vorgenommen, nicht mehr detailliert öffentlich Stellung zu beziehen, weil Sie einen Anspruch haben und ich es für mehr als richtig empfinde, Sie aus erster Hand in dem mündlichen Bericht des Aufsichtsrats über aktuelle Themen zuerst zu informieren.
Bei diesem Vorsatz bleibe ich, auch wenn damit zu rechnen ist, dass nach einem heute erschienenen Artikel im Hamburger Abendblatt mit weiterer Berichterstattung zum Thema Aufarbeitung in Sachen der Ära unserer ehemaligen Vorstände Katja Kraus und Bernd Hoffmann zu rechnen ist.

Der Aufsichtsrat hat die Aufarbeitung nach einer juristischen Bewertung abschließend beraten, er hat Beschlüsse zum weiteren Vorgehen und zur Kommunikation in der Mitgliederversammlung getroffen. Darüber werden wir Ihnen mit der gebotenen Ausführlichkeit in der Mitgliederversammlung Bericht erstatten. Das wird auf sachliche und unaufgeregte Weise geschehen. Wenn gezielt eine emotionale Aufladung im Vorwege erzeugt werden soll, verurteile ich das. Dadurch werden zu einer Unzeit Prioritäten verschoben.

Natürlich werden wir wie beschlossen die Aufklärung unserer Mitglieder betreiben. Aber danach haben wir volle Konzentration auf die wirklich aktuellen Themen des Vereins zu lenken. Der Vorstand hat in hervorragender Weise die Führung unseres Vereins in der Hand, er ist zusammen mit dem Trainerstab voll fokussiert auf die Umsetzung unserer neuen, sehr Erfolg versprechenden Philosophie, die dem gesamten Verein nützlich sein wird. Der Aufsichtrat unterstützt einhellig den eingeschlagenen Weg.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie am 15. Januar zur Mitgliederversammlung recht zahlreich erscheinen.“

Otto Rieckhoff
Vorsitzender des Aufsichtsrats

Es könnte vielleicht doch ein wenig brisanter zugehen, als ich noch vor Tagen gedacht habe . . .

Und: Ich hatte bereits vor Wochen prophezeit, dass irgendwann auch Einzelheiten der Hoffmann-Ära ans Tageslicht kommen werden. Nun ist der Anfang gemacht.

Um noch ein kleines Mal sportlich zu werden:

Der HSV bereitet sich mit vier Testspielen während des Winter-Trainingslagers in Marbella (Spanien – 4. bis 12. Januar) auf die Rückrunde vor. Die Gegner der Hanseaten heißen SC Lokeren (6. Januar), FC Brügge mit Trainer Christoph Daum (beide Belgien, 8. Januar), ADO Den Haag (Niederlande, 10. Januar) und zum Abschluss UD Marbella (11. Januar). Bevor die Mannschaft von Trainer Thorsten Fink am 22. Januar zum Auftakt der Rückrunde den deutschen Meister Borussia Dortmund empfängt, steht noch ein letzter Test gegen Arminia Bielefeld (14. Januar) auf dem Programm.
Sorry, es ist heute etwas “dünner” geworden, aber das ist die Ruhe vor dem großen Sturm (in die Rückrunde).
Dann bis morgen, Training um 15 Uhr. Den Bericht wird es am Abend geben, am Mittwoch übernimmt dann „Scholle“, der für „Matz ab“ mit ins Trainingslager gehen wird. Er hat es sich verdient, schließlich hat er kürzlich zwei Monate am Stück gearbeitet. Und ich habe, weil es bei uns daheim eine außergewöhnliche Situation gegeben hatte (Krankheit), noch fast den gesamten Urlaub von 2011, so dass der nun auch noch genommen werden muss.

18.51 Uhr