Tagesarchiv für den 1. Januar 2012

Die besten Wünsche zum Jahr 2012

1. Januar 2012

Willkommen im neuen Jahr, alles Gute für Euch, Glück, Erfolg und vor allem beste Gesundheit. Und ganz speziell wünsche ich Euch, dass sich der HSV 2012 wieder von seiner besten Seite zeigt. Am Dienstag geht es ja wieder mit dem Training los, am Mittwoch fliegt die Mannschaft ins Trainingslager nach Marbella, dann erfolgt der Feinschliff erstmals unter der Regie von Thorsten Fink. Ich kann es, das gebe ich zu, kaum erwarten, den „neuen“ HSV dann am 22. Januar im Heimspiel gegen Meister Borussia Dortmund zu sehen, irgendwie erwarte ich schon ein bisschen mehr – als zuletzt. Aber mal abwarten, wie sich das dann alles entwickelt.

Ohne Fußball geht es ja auch im neuen Jahr nicht, während ich das schreibe, sehe ich mir Sunderland gegen Manchester City an. Der englische Spitzenreiter mit einem ganz starken Kapitän namens Vincent Kompany. Der Bursche hat sich schon gemacht. Kann aber auch nicht verhindern, dass es nach einer Stunde immer noch 0:0 heißt. Nigel de Jong spielt auch mit, hat sich in der siebten Minute bereits Gelb abgeholt –Blutgrätsche. Was mir auffällt: Schon in der Vorwoche taten sich die Spitzenklubs sehr schwer, das setzte ich auch diesmal fort, denn ManU verlor daheim gegen den Tabellenletzten Blackburn 2:3. Und Chelsea verlor zu Hause gegen Aston Villa 1:3. Hat sich mal gelohnt, dieser Ausflug, denn die englische Liga gilt ja bei vielen Experten als die beste der Welt. Aber mich erinnerte das ein wenig an Italien von früher. Und an Riegel-Rudi. Was in England von den „Kleinen“ gemauert (und dann gekontert) wird, das ist sagenhaft. Da stehen zehn Spieler im und am eigenen Strafraum – und es ist schon kurios zu sehen, dass die „Großen“ keine Lücken finden. Das ist wirklich einfallslos, dieses Gekicke, irgendwie hat England nachgelassen. Oder es ist nur eine schlechte Momentaufnahme. Übrigens hat Rafael van der Vaart für Tottenham getroffen, per Seitfallzieher (abgefälscht) zum 1:0 gegen Swansea, Endstand 1:1.

Zum HSV. Am 1. Januar. Da denke ich – wahrscheinlich geht es Euch ebenso – unwillkürlich an die Rückrunde und ganz allgemein an die Zukunft der Raute. Natürlich habe ich Hoffnungen und Wünsche. Der Klub will ja künftig verstärkt auf den eigenen Nachwuchs setzen, weil die Summen, die neue Spieler kosten, bald nicht mehr zu bezahlen sein werden. Deswegen hoffe ich, dass vor allem das Team um Frank Arnesen den Nachwuchsbereich so auf die Beine stellen kann, dass dieses Rezept dann auch funktioniert. Natürlich hat der HSV im Moment eine sehr junge Mannschaft, aber ich wünschte mir schon, dass da mehr Spieler dabei wären, die – wie zum Beispiel Heung Min So und Zhi Gin Lam – aus der eigenen Jugendarbeit kämen. Immerhin aber hat sich das gegenüber der Zeit vor ungefähr zehn, 15 Jahren schon verbessert. Aber es kann eben auch noch viel besser werden, es muss sogar besser werden, wenn der HSV mit diesem Konzept überleben und auch wieder nach oben kommen will.

Dann würde ich mir schon wünschen, wenn die Verantwortlichen das wahr machen würden, was sei vor Beginn der Saison schon verkündeten, nämlich die Zusammenarbeit mit den „Ehemaligen“ intensivieren und verbessern. Manfred Kaltz ist ein solcher Name. Als ich ihn in der Anfangszeit dieser Saison traf, da war er frohen Mutes, dass er in irgendeiner Form „eingebunden“ wird in die HSV-Arbeit. Ist aber bei der Hoffnung geblieben.

Ferner würde ich mir wünschen, dass Uwe Seeler stärker Gehör im Klub findet, und dass mit einem Mann wie Horst Hrubesch, der immerhin schon seit Jahren als DFB-Trainer fast alle deutschen Talente kennen gelernt hat, den aber bis zu dieser Saison niemand einmal um einen Rat (oder um einen Spieler-Tipp) gefragt hat. Jedenfalls kein Hamburger. Was ich für wenig professionell halte – aus HSV-Sicht.

Für das Klub-Leben ganz allgemein würde ich mir wieder mehr miteinander als gegeneinander wünschen, schon allein im Hinblick auf die Jahreshauptversammlung am 15. Januar. Dass es da nicht eskaliert oder auf die Spitze getrieben wird, denn im Moment hat der HSV doch ganz andere Sorgen – sportliche nämlich.

Ganz nebenbei: In der 93. Minute schießt Sunderland das 1:0 gegen Manchester City. Welch ein englisches Wochenende. . .

Zurück zum HSV. Ich wünsche dem Romeo Castelen, dass er es in diesem Jahr schafft, in der Anfangsformation zu stehen. Ich weiß, ein sehr frommer Wunsch, aber ihm würde ich es so sehr gönnen. Und freuen würde ich mich, wenn David Jarolim doch noch in Hamburg bleiben würde, könnte, dürfte. Dass er auf der Abschussliste steht, das soll auch den Hintergrund haben, dass sich der HSV von einem Spieler trennen möchte, der zu den besser verdienenden Profis gehört. Und Geld ist, das wissen wir schon lange, knapp im Klub. Und wenn „Jaro“ dann doch gehen muss (wird), dann fände ich es schon schön, wenn er nach seiner Spielerkarriere wieder zurück zum HSV kommen könnte, um seine Erfahrung an die jungen Spieler zu vererben.

Ich würde mir auch wünschen (und mich freuen, wenn es gelänge), dass der Vertrag mit Gökhan Töre schon jetzt verlängert werden könnte. Ich weiß, so denken nicht alle in Hamburg (Eiche Nogly zum Beispiel), aber für mich ist dieser junge Mann ein riesiges Juwel, den würde ich noch sehr gerne ganz lange in Hamburg sehen wollen. Aber daran wird ja auch schon intensiv gearbeitet – ich drücke Frank Arnesen die Daumen.

Zum Fußball ganz allgemein habe ich mir auch während dieser Winterpause meine Gedanken gemacht. Und, da ich schon ein paar Tage länger auf dieser Welt bin, auch mal verglichen. Fußball damals, Fußball heute. Da hat sich doch sehr, sehr viel verändert.

Das beginnt schon vor dem Spiel – auch das ist oft sehr gut im Fernsehen zu sehen. Bevor die Mannschaften auf den Rasen kommen, begrüßen sich die meisten Spieler schon per Handschlag. Dann die Seitenwahl. Schieds- und Linienrichter bekommen von den Kapitänen die Hände geschüttelt, die Kapitäne begrüßen sich jetzt auch für die Fans im Stadion noch einmal per Handschlag – dann segelt die Münze durch die Luft. Ball oder Seite? Unmittelbar danach geben sich die Herren alle noch einmal die Hände. Absolut hygienisch, zumal dann, wenn sich die Spieler vorher mit Salben ihre Muskeln eingerieben haben . . . Das ist schon alles sensationell. Irgendwann macht aber, so denke ich, mal ein Kapitän schlapp und scheidet schon vor dem Anpfiff wegen des „Dauerschüttelns“ mit einem „Tennisarm“ aus. Wetten, dass . . ?

Was mir auch aufgefallen ist: Beim Anstoß steht oft schon der Spieler, der den Ball nach dem Anstoß in Empfang nimmt, in der gegnerischen Hälfte. Früher haben die Schiedsrichter darauf geachtet, heute nicht mehr. Zudem wird der Anstoß selbst oft falsch ausgeführt – oder ist da etwas an mir vorbeigegangen? Es hieß doch einst, dass der Ball nach vorne gespielt werden muss – das geschieht oftmals nicht mehr, er wird nur quer gespielt. Wie zum Beispiel in der Enjoy-Werbung mit Jürgen Klopp. Hat wohl Schule gemacht.

Kurios ist ja auch jene Anstoßzeremonie, wenn die Mannschaft den Ball immer nur zurückspielt – bis hin zum Torwart. Und der muss die Kugel dann mit einem weiten Schlag möglichst in die gegnerische Hälfte befördern – unkontrolliert. Die Frage, die ich mir stelle: können das die Feldspieler nicht auch? Und sollte diese Frage nicht auch ein Trainer stellen, nämlich an seine Mannschaft?

Früher, ist ja ganz auffällig, wurden ja auch noch falsche Einwürfe (ein Bein in der Luft, Ball mit einer Hand geworfen, und, und, und) abgepfiffen, heute erst, wenn ein Spieler mit der Kugel mit beiden Beinen abhebt wie ein Frosch . . .

Aber das ist ja auch wohl egal, es geht ja in erster Linie um Fußball. Obwohl: Wenn ich teilweise sehe, wie ein Spieler nach dem Schiedsrichter-Pfiff den Ball in die Hände nimmt, um dann mit ihm einige Meter weg zu laufen, dann finde ich das höchst unfair. Der Ball wird dann meistens im hohen Bogen zum „Tatort“ geworfen, Motto: „Jede Sekunde Verzögerung zählt.“ Ich frage mich, warum ein Spieler den Ball überhaupt in die Hände nimmt? Soll er die Kugel doch liegen lassen – so wie beim Handball. Da muss der Ball dort liegengelassen werden, wo das Foul geschah, ansonsten gibt es (wohl) schnell mal eine Zeitstrafe. Im Fußball würde ich dafür Gelb verteilen – und statt dessen auf Gelbe Karten nach dem Torjubel (Sprint zur Fan-Kurve, Trikot über den Kopf ziehen) verzichten. Aber das werden die alten Herren der Fifa wohl kaum für mich ändern, ich weiß, ich weiß.

Dafür sollten sich die Herren – auch die Schiedsrichter – mal überlegen, wie es mit der Nachspielzeit ist. In der Schlussphase dieser Hinserie habe ich einige Live-Spiele im Fernsehen erlebt, die auf die Sekunde pünktlich abgepfiffen wurden – sowohl die erste als auch die zweite Spielhälfte. Und dann erinnere ich mich immer gerne an den 19. Mai 2001. An diesem Tag wurde in Hamburg der Meister der Herzen gekürt – und zwar im fernen Gelsenkirchen. Weil der FC Bayern in der 94. Spielminute im Volkspark noch zum 1:1 gegen den HSV gekommen war. Schiedsrichter Dr. Markus Merk hatte, weil es (wie er später sagte) insgesamt sechs Auswechslungen in der zweiten Halbzeit gegeben hatte. Diese Ein- und Auswechslungen hätten für die lange Nachspielzeit geführt.

Hamburg war es egal, wer Meister wurde – Bayern oder Schalke. Aber in den folgenden Jahren habe ich sehr wohl beobachtet, dass es Spiele mit sechs Ein- und Auswechslungen gab, die pünktlich (oder fast pünktlich) abgepfiffen worden sind. Und da frage ich mich schon: was denn nun? Die Schiedsrichter sprechen immer davon, dass es kein „Fingerspitzengefühl“ im Fußball zu geben hat. Das mag ja sein, aber ist es Mitleid? Oder was ist es, wenn einmal so (lange) verlängert wird, oder einfach – piepe-schnurz-egal – pünktlich abgepfiffen wird? Deshalb mein Vorschlag: Jeder wüsste, ob Spieler, Trainer, Fans und Schiedsrichter: Gibt es sechs Einwechslungen, wird pro Spieler um eine halbe Minute verlängert. Sechs Mal eine halbe Minute, das wären drei Minuten insgesamt. Und dazu käme dann noch die eine oder andere Verzögerung, wenn es die dann gegeben hätte. Auf jeden fall wüssten alle Beteiligten: Hat es hier soundso viele Auswechslungen gegeben, wird soundso lange nachgespielt – und Ende. Dann entscheidet nicht mehr der Zufall, auch nicht das Fingerspitzengefühl, auch nicht die Willkür eines Schiedsrichters. Wäre meines Erachtens mal nachdenkenswert.

Was mir auch ein- und auffiel: Hand hoch – bevor der Eckballschütze schießt. Sehen wir ja immer wieder. Gab es früher nie. Nie! Aber warum heute? Warum hebt der ausführende Eckballschütze den Arm? Achtung, jetzt schieße ich! Oder: Dieser Ball fliegt besonders hoch zur Mitte? Oder ist es auch nur eine Warnung für tieffliegende Vögel? Oder, wie früher bei Mehdi Mahdavikia, eine Entwarnung für Maulwürfe, weil dieser Ball ausnahmsweise nicht flach zur Mitte gedroschen wird? Ich habe noch kein Tor gesehen, dass nach einem Eckstoß erzielt wurde, als der Spieler die Hand anhob. So nach dem Motto: Denen haben wir es aber mal (an-)gezeigt, und trotzdem haben die nichts gemerkt.

Früher hieß es ja auch von so manchem Spieler (und Trainer): „Hätte er den Ball doch nur einfach auf die Tribüne geballert, dann wäre dieses letzte Tor nicht mehr gefallen.“ So hieß es übrigens auch am 19. Mai 2001 als, als es den HSV-Rückpass auf Torwart Matthias Schober gegeben hatte: „Hätte der doch den Ball nur einfach auf die Tribüne gedroschen.“ In diesem Fall hätte es wohl geholfen, ansonsten aber wohl kaum noch, denn heute liegen so viele Bälle draußen bei den Balljungs, so dass es immer gleich weiter geht, ohne darauf zu achten, ob sich da noch eine Kugel auf der Tribüne befindet.

Und was auch weiterhin zunimmt: spucken. Ich kann mich wirklich nicht erinnern, dass früher so viel gespuckt wird. Ich gehe seit 1959 zum HSV, ich habe Horst Schnoor, Jochen Meinke, Jürgen Werner, Horst Dehn, Uwe Seeler und auch Gert Dörfel nie spucken gesehen. Weil es damals nicht vom Fernsehen entlarvt wurde? Ich glaube nicht. Es war damals einfach nur nicht „angesagt“. Heute rotzen sie alle naselang auf den Rasen und merken nicht, wie ekelhaft es ist. Ist wahrscheinlich auch egal, müssen sich ja Freund und Feind drin herumwälzen . . .

Und noch eines ist mir aufgefallen. Wie oft haben wir von Spielern und Trainern schon folgende Floskel gehört: „Kein Spieler verletzt einen anderen mit Absicht, da gibt es einen Ehrendkodex.“ Natürlich. Der Fall „Jones gegen Reus“ zeigt es doch eindrucksvoll. Niemand will einen anderen absichtlich verletzen. Wer glaubt, dass das ein Einzelfall ist, der glaubt auch daran, dass sechs Ein- und Auswechslungen drei Minuten Nachspielzeit bedeuten – und zwar in jedem Fall.

Was mir, und damit bin ich dann auch am Ende, positiv aufgefallen ist: Bei den Spielen der Dortmunder geht BVB-Trainer Jürgen Klopp meistens sofort auf den Rasen. Einige Mal hat er das schon gemacht, um dem Schiedsrichter-Gespann seine Meinung zu geigen, das ist natürlich nicht gut. Und es ist auch gar nicht gemeint. Vielmehr ist zu beobachten, dass „Kloppo“ nicht nur seinen Spielern die Hände drückt (oder ihnen einen Klaps auf die Schultern gibt), sondern auch den Spielern des Gegners. Das sollte in der Tat Schule machen, denn das halte ich für nachahmenswert – weil es eine schöne sportliche Geste ist. Klopp macht es auch dann, wenn sein Team nicht gewonnen hat. Und er macht es schon seit vielen, vielen Jahren. Erstmalig habe ich es beim Zweitliga-Spiel Mainz 05 gegen St. Pauli beobachten können – und war schon damals fasziniert davon. Für mich heißt das dann: „Jungs, alles in Ordnung, egal was war, wir geben uns die Hand und bleiben Freunde . . .“ Toll. Oder bin ich einfach nur ein unverbesserlicher Romantiker?

Egal, das war es für heute – mal ein etwas anderer „Matz-ab“-Beitrag, aber es ist ja auch ein etwas anderer, außergewöhnlicher Tag, dieser 1. Januar 2012. Dieser Tag soll der Aufbruch zu wieder besseren HSV-Zeiten stehen. Soll. Bleibt nur zu hoffen, dass er das auch sein wird.

19.03 Uhr