Monatsarchiv für Januar 2012

Fink: “Wir hissen keine weiße Fahne”

31. Januar 2012

Im Westen der Arena liegt schon ein etwa 20 Meter breiter Rasenstreifen – über die gesamte Länge des Spielfeldes. Bald soll hier überall Rasen liegen, aber die Frage, die sich viele stellen, ist die: wächst das Grün auch bei minus neun Grad noch rechtzeitig bis zum Sonnabend um 18.30 Uhr, wenn die Partie gegen den FC Bayern angestoßen werden soll, noch an? „Das werden wir sehen“, sagt HSV-Trainer Thorsten Fink ganz gelassen und fügt hinzu: „Der Rasen war zu schlecht, der musste einfach ausgewechselt werden.“ Nun gut, wir werden es in der Tat alle erleben, ob da anwächst, was auch zusammengehört. Und wenn nicht? „Dann müssen ja ohnehin beide Mannschaften damit zurechtkommen“, sagt Fink. Er ist ja ein klarer Verfechter eines schönen Rasens, damit auch vernünftiger Fußball gespielt werden kann. Ob es aber gut war, dieses Wagnis noch so kurzfristig einzugehen – abwarten. Zur Not muss auf dem geheizten Trainingsplatz gespielt werden . . . Nein, natürlich ein Scherz. Weil der HSV da heute am Nachmittag ein kleines Trainingsspielchen gegen die eigene U 23 gewagt hat. Mit jenen Spielern, die in Berlin am Sonnabend nicht zum Zuge gekommen sind. Der Ausgang dieser HSV-gegen-HSV-Partie stand jetzt noch nicht fest.
Am Ende des Berichtes folgt die Ergänzung.

Für alle, die auf Nachrichten des HSV im Fernsehen lauern, für diese Fans hat Sport 1 heute etwas. Thorsten Fink ist im Audi Star Talk. In der Sport-Personality-Show hat sich der HSV-Cheftrainer im Gespräch mit Moderator Klaus Gronewald zu vielen Themenkomplexen geäußert. Die Sendung wird heute, Dienstag, um 21 Uhr auf Sport 1 ausgestrahlt.

Thorsten Fink über das Duell gegen den FC Bayern – Teil eins:
„Wir werden weder die weiße Fahne hissen noch schon vorher das Handtuch werfen. Wir fighten um unsere Punkte. Wir geben richtig Gas! Das ist das Einzige, was ich von meiner Mannschaft sehen will. Wir müssen kratzen, kämpfen und beißen. Das sind zwar die alten Sprüche von früher, aber das ist nun einmal so. Wir können im Moment spielerisch mit Bayern nicht mithalten. Aber wir können es schaffen, Bayern zu schlagen. Wir geben uns nie geschlagen! Gladbach hat gegen Bayern zu Hause auch gewonnen. Auch wenn Gladbach natürlich ein bisschen besser ist als wir. Aber ich glaube, dass unsere Mannschaft immer eine Chance hat!”

Thorsten Fink über das Duell gegen den FC Bayern – Teil zwei:
„In Berlin hat meine Mannschaft gezeigt, wie man gewinnen kann – auch wie man gegen den FC Bayern München gewinnen kann! Nämlich mit Disziplin, Einstellung und wenn man die Zweikämpfe gewinnt. Natürlich wissen wir, dass wir mit der Hinspiel-Leistung (0:5) und mit der letzten Leistung gegen Dortmund keine Chance haben. Aber meine Mannschaft hat gezeigt, dass sie den Schalter schnell wieder umlegen kann und auch das Selbstvertrauen hat. Das 1:5 gegen den BVB hat sie vielleicht beeindruckt, aber im letzten Spiel gegen Berlin haben sie gezeigt, dass sie einfach da und charakterstark sind. “

Thorsten Fink über die Zukunftsaussichten des HSV:
„Ich glaube, dass das Potenzial hier in Hamburg, in diesem Klub und in dieser Stadt steckt. Ich meine, wenn man sieht, wie viele Zuschauer da sind, was alles dahinter steckt. Das ist eigentlich schon ein Verein – Größe FC Bayern München. Aber natürlich sind wir aktuell noch weit, weit weg von den Bayern. Wir haben aber diese Träume, da einmal wieder hin zu kommen. Alles ist möglich! Auch Borussia Dortmund stand vor vier Jahren nicht da, wo sie heute stehen.“

Thorsten Fink über seine Zukunft beim HSV:
„Ich stelle mir einen Nationaltrainer immer so vor: Älter und schon alles als Klubtrainer erreicht – erst dann wird man Nationaltrainer. Aber schaun mer mal! Ich habe noch – hoffe ich – viele lange Jahre hier beim HSV.“

Thorsten Fink über das angebliche Interesse des FCB an Xherdan Shaqiri:
„Er ist halt ein frecher Hund, war schon mit 17 Jahren bei einer Weltmeisterschaft. Er ist frech, spielstark und dribbelstark! Er weiß, wo man hinlaufen muss. Er hat eine Figur wie Bixente Lizarazu. Wenn er dorthin (FC Bayern) gehen würde, ist das jemand, der Publikumsliebling werden kann. Allein schon von seiner Figur her. Er ist ganz klein und sieht aus wie ein Ninja Hero Turtle. Sehr sympathischer Junge, sehr offen!“

War ja auch mal beim HSV im Gespräch – jedenfalls hier bei Matz ab. Aber der gute Mann dürfte inzwischen für Hamburger Verhältnisse unbezahlbar geworden sein. Zumal Thorsten Fink auch in dieser Sport1-Sendung zweimal darauf hinwies, dass der HSV kaum Geld hat (für neue Spieler). Aber wenn Fink erst einmal die Bilanzen richtig lesen kann, wird er wohl vom Gegenteil überzeugt sein . . .

Fink ist ja inzwischen ein begehrter Partner der Medien, fast überall taucht der HSV-Trainer auf. Obwohl Medien-Direktor Jörn Wolf sagt: „Ich lehne pro Tag um die 50 Interview-Wünsche für Thorsten Fink ab . . .“ Die 50 ist natürlich übertrieben, aber es sollen schon unheimlich viele sein. Der Coach, der kürzlich ein sehr gutes Interview mit dem DFL-Bundesliga-Magazin hatte, der heute auch mit der „Süddeutschen“ und dem „Kicker“ sprach, aber erträgt es mit Gelassenheit: „Das gehört zu meinem Job, ich denke mal, dass es meine Aufgabe ist, den Verein nach außen hin zu vertreten. Ich fühle mich nicht damit überfordert. Und wenn ich mal eine Pause bräuchte, so werde ich mich mit Jörn Wolf schon in Verbindung setzen.“

Der ehemalige Bayern-Spieler Fink trifft nun auf „seine“ Bayern. Und da ist, ganz normal, das Interesse der Medien natürlich ein wenig größer, als vor zum Beispiel einem Spiel gegen den MSV Duisburg. Fink aber ist noch die Ruhe selbst: „Noch bin ich ganz relaxt. Wir haben heute erst einmal mit der Mannschaft das Berlin-Spiel aufgearbeitet. Was können wir besser machen, warum wir zum Schluss noch das 2:2 hätten bekommen können – obwohl das ungerecht gewesen wäre, denn wir haben 80 Minuten lang das Spiel kontrolliert und waren da die bessere Mannschaft.“

Zum Spiel am Sonnabend befand Fink: „Das ist natürlich immer ein besonderes Spiel, HSV gegen Bayern, das ist ein Klassiker. Ich werde aber nun vom HSV bezahlt, möchte auch noch lange in Hamburg bleiben, von daher sehe ich zu, dass wir mit dem HSV dem FC Bayern ein Bein stellen können. Das ist auch klar. Und ich weiß, dass es beim FC Bayern noch nicht so richtig rund läuft, wie sich die Herren das dort vorstellen, der FC Bayern spielt noch nicht hundertprozentig so, wie er es eigentlich könnte – und deswegen werden wir das im Auge haben. Wir wollen uns besser präsentieren, als gegen Borussia Dortmund, wollen gleich aggressiv ins Spiel gehen.“

Apropos Dortmund. Fink bemängelte rückblickend: „Die Dortmunder kommen hier nach Hamburg, und man hatte das Gefühl, dass es für sie um alles ging. Dabei sollte es doch so sein, dass es für uns um alles ging. Das hätte man sehen müssen, aber man sah es nicht.“ Fink weiter: „Wir sind gegen die Bayern Außenseiter, aber man gewinnt als Außenseiter gegen einen großen Verein nur, wenn man auch Zweikämpfe gewinnt. Das habe ich gegen Dortmund nicht gesehen. Und so geht es nicht. Wir können nicht mit einem so starken Gegner locker mitspielen, wir müssen uns alles hart erarbeiten. Das haben wir in der Hinrunde auch schon gezeigt. Wir haben uns da die Siege erkämpft. Das waren keine tollen Siege, sondern das war Kampf. Und das müssen wir auch in Zukunft machen. Wichtig ist, dass wir hinten sicher stehen.“ Und das war in Berlin lange Zeit der Fall. Für Thorsten Fink sind übrigens Dortmund und die Bayern die Meisterschafts-Favoriten, Schalke und Mönchengladbach sieht er am Ende nicht vorn.

Über den FC Bayern generell befindet der HSV-Trainer: „Der Klub hat auf der ganzen Welt seine Fans, er ist trotz seiner Größe stets familiär geblieben, hat ein gewisses Flair, und das wird eisern gepflegt. Das ist wichtig. Und das haben wir im Moment auch, denke ich. Wir sind ein großer Klub, haben zwar im Moment nicht die sportlichen Erfolge, aber wir wollen in Zukunft da wieder hinkommen. Das muss auf jeden Fall unser Ziel sein. Und da sind wir auf dem richtigen Wege. Aber jeder Schritt, wenn man etwas Vernünftiges aufbauen will, geht langsam. Wenn man von null auf 100 gehen will, dann geht man meistens auch so wieder ab. Schön langsam aufbauen, das sollte das Ziel sein.“

Auch das Thema Standards wurde heute noch in der Kabine angesprochen. Fink: „Wir haben in der 89. Minute einen Freistoß vorne, den muss man ja nicht in den Strafraum der Berliner hauen, um so einen Konter einzufangen. Den kann man auch quer spielen, dann bleibt man im Ballbesitz. Aber das sind so Kleinigkeiten, die wir noch besser machen müssen. Mit dem Einsatz meiner Mannschaft aber war ich zufrieden, so stelle ich mir das vor: Räume eng machen, konzentriert bei der Sache sein, diszipliniert spielen –und das haben wir in Berlin schon gut gemacht.“

Noch kurz zu den Standards des HSV. Während des Trainings erhielt ich einen Anruf eines „Matz-abbers“, und da wurde mir gesagt, dass der HSV mit seinen Standards und den daraufhin erzielten Toren in der Bundesliga-Statistik an erster Stelle rangieren soll. Toll. Wenn dem so ist, ist es mir eigentlich egal. Denn bei noch besserer Ausnutzung der Standards wäre der HSV wohl auf lange Zeit uneinholbar. Ich bin ja nicht der einzige Hamburger, der Tomaten auf den Augen hat (um es einmal scherzhaft zu sagen), ich sehe doch, was ich sehe – und da sehe ich ganz klar noch deutliche Verbesserungsmöglichkeiten. Statistik hin, Statistik her.

So, wie es jetzt aussieht, wird jene Mannschaft gegen den FC Bayern auflaufen, die auch gegen Hertha BSC gewann. „Es gibt wenig Grund, jetzt etwas zu ändern“, sagt Fink.
Zur Verletzten-Lage: Zhi Gin Lam hat einen kleinen Muskelfaserriss in der Wade, muss noch pausieren, Markus Berg soll nach seinem Schlüsselbeinbruch am Montag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen, und Per Ciljan Skjelbred könnte nach seiner schweren Schienbeinprellung bereits morgen wieder dabei sein. Es geht also bergauf.

Zum Trainings-Programm am Vormittag: Warmlaufen, Passen in gewissen Spielzügen, dann zum Abschluss zwei Stationen mit dem inzwischen schon bekannten „Vier-gegen-vier-Spiel“ – mit jeweils zwei Spielern am Rande, die auf ein Zuspiel warten müssen. Das war er schon, der Vormittag.

Am Nachmittag dann ein Novum: Um 15 Uhr trainierte die „Hertha-Mannschaft“ unter sich, und um 16 Uhr beginnt gleich das Trainingsspielchen Reservisten gegen U 23.

Kurz noch zu Heung Min Son, mit dem es am Montag ein intensives Gespräch (mit Trainer und Sportchef) gab. Thorsten Fink sagt über den Koreaner: „Es gibt kaum einen 19-jährigen Spieler in der Bundesliga, der so weit ist wie Son. Es gibt Götze, aber auch Özil hat zwei Jahre gebraucht, um nach oben zu kommen, Son hat eine große Zukunft bei uns, Er hat alle Qualitäten, aber er darf nicht vergessen, dass bei ihm zu Beginn seiner Zeit beim HSV alles geklappt hat. Er war noch viel jünger, er war unbekümmert, er hat nicht nachgedacht während eines Spiels – nun denkt er aber nach. Im Moment sehe ich aber unsere Situation, und in der muss ich auf Erfahrung setzen. Son wird sich bei uns durchsetzen, weiterentwickeln – wir haben mit ihm einen Spieler mit großem Potenzial, mit großer Zukunft, aber er muss wissen, dass man mit 19 nicht jedes Spiel machen kann. Und das weiß er auch.“

So, zwei kleine Dinge noch:
Heute um 21 Uhr Sport1 Thorsten Fink sehen, morgen ist um 15 Uhr Training im Volkspark.

Nun werde ich zum Training gehen, werde mir auch das Trainingsspielchen ansehen – und es hier hinterher noch ergänzend reinstellen.

So, nun noch das Spielchen. Nachdem meine Hände wieder aufgetaut sind (trotz aller Handschuhe waren sie kurzfristig eingefroren) und meine Ohren wieder dran sind (waren wegen der Kälte kurzzeitig abgefallen) kann ich von einem 4:1-Sieg der B-Mannschaft über die U 23 berichten. Die meisten Spieler waren mit langen Hosen angetreten (darüber aber die kurzen), es war ein kurzweiliger Kick. Heung Min Son (2), Tolgay Arslan und Slobodan Rajkovic schossen die Tore für die Profis, den Ehrentreffer markierte Sören Bertram.
Fragt mich bitte nicht, wer dabei geglänzt hat – ich war kurzzeitig mit zwei Matz-abbern in einem Kiosk, um einen heißen Kakao zu trinken (es wurden zwei Tees darauf – mangels Kakao-Masse). Das musste sein, um nicht zu erfrieren.

Bei der U 23 mischte erstmalig der 17-jährige Däne Christian Norgaard mit. Eher unauffällig. In meinen Augen, aber ich habe ja auch nicht alles gesehen. Deswegen sprach ich nach dem Spiel noch mit Co-Trainer Richard Golz (U 23). Der ehemalige HSV-Keeper befand über den Neuzugang: “Er hat gut gespielt, zeigte ein gutes Spielverständnis und ging gute Laufwege. Mehr konnte niemand von ihm erwarten, denn er hatte ja erst am Vormittag erstmalig bei uns trainiert. Und er hatte vorher schon lange kein Training und kein Spiel mehr gehabt. Alles war gut.” Und, Richard, alle heil geblieben? Golz – und dafür liebe ich ihn wirklich, in seiner bekannten trockenen Art: “Alle diejenigen, die mal angeschlagen am Boden liegen geblieben waren, sind auch wieder aufgestanden. Bis auf die, die erfroren sind . . .” Herrlich, “Richie”, einfach herrlich.

Bei den Profis lagen erst einmal Heung Min Son am Boden und musste behandelte werden, später lag auch Ivo Ilicevic auf Höhe Mittellinie draußen – aber sie kamen alle wieder, niemand ist erfroren.
Auch ich nicht.
Einen schönen Abend noch auf Sport 1.
Aktualisiert um 19.04 Uhr

Standards machen den Unterschied in der Liga

30. Januar 2012

„Der nächste Gegner ist immer der schwerste.“ Hat einst der legendäre Bundes-Sepp gesagt, der Herr Herberger. Als hätte er an das nächste Spiel des HSV gedacht, und damit an den Klub, der einmal mehr seine Visitenkarten im Volkspark abgeben wird: Bayern München. Wobei man streiten könnte, ob nun Borussia Dortmund, der FC Schalke 04 oder Borussia Mönchengladbach (fast hätte ich jetzt auch noch Rot-Weiß Oberhausen mit Mario Basler geschrieben – weiß gar nicht wieso?) nicht doch noch ein wenig stärker als die Münchner wären. Für mich jedoch sind die Bayern immer noch bärenstark – und weiterhin auch mein Meisterschafts-Favorit Nummer eins. Aber man hat ja schon Pferde vor der Apotheke . . .

Im Fußball ist ja alles möglich, obwohl HSV-Trainer Thorsten Fink (und auch so manch anderer Experte) ja kürzlich mehrfach betont hatte, dass sich der HSV mit Hertha BSC und Köln messen könne, aber nicht mit solchen Kalibern wie Bayern und Dortmund und Co. An diesem nun zurückliegenden Wochenende aber hat ein Klub in Spanien schon bewiesen, dass man die Flinte nie zu früh ins Korn werfen sollte. Der arg abgerutschte FC Villarreal ertrotzte von der Über-Mannschaft des FC Barcelona ein nie erwartetes 0:0 – das so manchen Tipper entsetzt haben dürfte. Aber was beweist dieses 0:0 wieder einmal? Im Fußball ist tatsächlich alles möglich. Und so doll war das 2:0 der Bayern gegen den VfL Wolfsburg ja nun auch wieder nicht.

Wobei ich, warum auch immer, beim HSV bin. Sicher war die Leistung beim 2:1 in Berlin nicht überragend, aber sie war immerhin so gut, dass es mal wieder einen Sieg gab – nach den beiden 2:1-Erfolgen in Freiburg und Stuttgart der dritte Dreier in der Fremde. Was mich immer noch beschäftigt: Standards. Wie gefährlich die des Gegners sind, wie ungefährlich die des HSV dagegen. Das begann in diesem Jahr ja auch schon beim Dortmund-Spiel: Jeder Eckstoß, jeder Freistoß des Meisters brachte Gefahr vor dem HSV-Tor. Und zwar nicht nur Gefahr, es wurde stets brandgefährlich. Die Fragen, die sich daraus ergeben: Hat der HSV kaum noch gute Kopfballspieler, die sich im eigenen Strafraum auch durchsetzen können? Sind die HSV-Spieler im Schnitt zu klein – und die gegnerischen Angreifer zu groß? Und hat der HSV zu wenige Spieler, die einen Freistoß mit dem nötigen Ballgefühl vor das gegnerische Tor schlagen können?

„Scholle“ sagt mir gerade, dass Dennis Aogo, Mladen Petric und Heung Min Son fast nach jedem Training noch Freistöße üben. Die direkten. Das ist ja auch gut so. Wo aber sollen die als Vorlagen gedachten Freistöße hin? Ganz sicher nicht, wie zuletzt in Berlin vielfach gesehen, auf den ersten gegnerischen Abwehrspieler. Und deswegen muss daran verstärkt gearbeitet werden. Und was machen die zu kleinen Spieler beim HSV? Langt ein Heiko Westermann als starker Kopfballspieler nicht aus? Fest steht, und darüber sprachen wir vor dem Spiel in Berlin schon in der Redaktion: Mit David Jarolim, der neu in die Mannschaft kam, und Tomas Rincon gibt es schon mal zwei kleinere „Sechser“. Robert Tesche ist größer, galt unter Trainer Michael Oenning auch als kleines „Kopfballungeheuer“. Das aber nie in Erscheinung trat. Weder vorne noch hinten. Und ich erinnere mich an eine Szene aus dem Dortmund-Spiel, in dem es bei einem Eckstoß für den HSV folgende Szene gab: Absicherer nach hinten waren Rincon und – der kopfballstarke Tesche. Den ich natürlich im BVB-Strafraum erwartet hatte.

Zurück zu den Spielern mit Gefühl. Dennis Aogo ist offenbar ein solcher. Von seinem Freistoßtor in Trier werden sie beim HSV noch in Jahrzehnten sprechen . . . Und in Berlin fiel mir auf, dass Aogo auch einen Eckstoß von der rechten Seite (!) vor das Hertha-Tor beförderte. Da dachte ich schon an den FC Bayern. Wieso? Da schießt – nicht selten – auch der Innenverteidiger Holger Badstuber als Linksfuß den Eckball von rechts. Obwohl er Nationalspieler in der Mitte des Strafraums auch dazu geeignet wäre, den Ball einzuköpfen. Da Badstuber auch schon bei FCB-Trainer van Gaal Eckstöße von rechts zur Mitte brachte, müssen sich die Herren Trainer ja wohl etwas bei diesen Varianten denken. Also auch Thorsten Fink mit Dennis Aogo.

Nun müssten nur noch jene Freistöße „generalstabsmäßig“ geplant und geübt werden, die als Flanken vor das Tor des Gegners segeln sollen. Aber das ist offenbar viel, viel schwerer, als es aussieht. Die meisten Standards des HSV verhungern unterwegs. Oder sie werden als „Rohrkrepierer“ Vorlagen zu Kontern des Gegners – wie in Berlin.

Wieso kann das heute kaum noch ein Spieler? Wieso gibt es kaum noch gefährliche Freistoßschützen – wobei nicht die direkten Freistöße gemeint sind. Einer, der einst unheimlich viel Gefühl im Fuß hatte, war HSV-Flügelflitzer Gert „Charly“ Dörfel. Jede Flanke eine „Brandbombe“ – mit Garantie. Und „Charly“ weiß, wovon er spricht, wenn er über das Flanken an sich redet. Ich erinnere mich an das Jahr 2005. Da gab es im Vorfeld der WM in Deutschland (2006) eine Sendereihe von „HH1“, in der auch Dörfel und ich einmal zu Wort kamen. Beim Betreten des Schminkraumes sagte Dörfel in die Runde: „Bitte nicht böse sein, aber ich muss nachher, während der Sendung, das Wort Darmspiegelung nennen. Dann gewinne ich nämlich eine Wette.“

Tags zuvor hatte Deutschland in Hamburg gegen China gewonnen, mit 1:0 wurden die Chinesen geradezu aus dem Volkspark gefegt. Und „Charly“ ließ sich dann auch zu der Aussage hinreißen: „Wenn ich sehe, wie unsere Nationalspieler von heute flanken können, wie sie es vielmehr nicht können, dann wird mir übel. Das bekomme ich heute als halbkranker Mann noch besser hin, selbst wenn ich kurz vor einem Spiel noch eine Darmspiegelung gehabt hätte . . .“

Zurück zur Sachlichkeit.
Ich sprach heute auch noch mit einem anderen „Flankengott“. Dem „Flankengott“ überhaupt: Manfred „Manni“ Kaltz. Wir erinnern uns: jede Flanke ein Tor. Flanke Kaltz, Kopfball Hrubesch – Tor für den HSV. Oder für Deutschland. „Manni“ lobte zunächst einmal Dennis Diekmeier: „Das war sehr gut, was er in Berlin gemacht hat. Und jetzt dürfte er wissen, wie es geht. Er muss versuchen, zehn Mal pro Spiel zu flanken, dann gibt es auch zwei bis drei Tore.“ Gegen Hertha klappte das – aber auch gegen die Bayern? Kaltz: „Er muss auch öfter mal ohne Ball nach vorne kommen, und dann müssen ihn seine Mitspieler auch bedienen, den Ball in den Lauf legen – und er flankt. Das kann auch gegen den FC Bayern klappen, warum denn nicht?“

Manfred Kaltz hat es schon in frühester Jugend immer wieder geübt. Flanke um Flanke. Und natürlich auch als Profi: „Ich habe es immer geübt, und dann hat es sich gut entwickelt. Irgendwann hatte ich es dann drauf, später war es perfekt – und mein Markenzeichen.“ Und trotz allem habe ich es bis zuletzt immer wieder trainiert. Man arbeitet an seinen Stärken, und man arbeitet daran, die Schwächen abzustellen. Alles ganz normal.“ Kaltz hat auch Standards beim HSV getreten. Mit viiiiiiiieeeeeelll Gefühl. Er sagt: „Wir haben das variiert. Mal kurz auf den ersten Pfosten, wo der Ball dann verlängert wurde, mal mittel und mal lang. Die Stürmer wussten genau, wie die Bälle kommen.“

Heute aber habe ich das Gefühl, dass die Profis schon deshalb froh sind, wenn der Ball halbwegs sauber zur Mitte kommt. Von kurz, mittel oder lang ist da nichts zu erkennen. Manfred Kaltz aber sagt unbeirrt: „Man kann es trainieren.“

Bei der Gelegenheit: Hat der HSV am Sonnabend eine Chance, gegen den FC Bayern auch nur ein Pünktchen zu holen? Manfred Kaltz: „Außer Dortmund und Mönchengladbach spielt doch kaum eine Mannschaft in der Bundesliga so richtig konstant gut. Ich halte beide Klubs für besser als die Bayern, die spielen mir zu statisch. Von Gladbach bin ich im Moment richtig begeistert. Die spielen perfekt nach vorne – und zwar gehen da die Pässe zu 80 Prozent nach vorne. Sensationell gut ist das. Aber natürlich wird es am Sonnabend ganz schwer für den HSV, denn München spielt um den Titel, darf sich eigentlich keinen Ausrutscher mehr erlauben – aber ausgeschlossen ist nichts.“

Der Sieg von Berlin dürfte das Selbstvertrauen der HSV-Cracks gesteigert haben. Und auch die Fans dürften aufgeatmet haben. Uwe Seeler zum Beispiel ging es so. Der Ehrenspielführer sagte zum Dreier gegen die Hertha („uns Uwe“ ist BSC-Ehrenmitglied): „Diese drei Punkte sind Gold für uns wert, dieser Sieg war lebensnotwendig. Aber wir haben zum Schluss ja auch alle kräftig zittern dürfen. Ich war froh, als abgepfiffen worden war.“ Das Mittelstürmer-Idol sagt aber auch: „Erreicht ist noch nichts, denn nun kommen mit Bayern München und Werder ja noch weitere Brocken, und die anderen Gegner wie Köln und Stuttgart sind ja auch nicht so einfach . . .“

Die Frage zu den Standards des HSV musste ich natürlich auch noch stellen. Uwe Seeler: „Da haben wir noch Probleme, das ist offensichtlich – und das macht dann auch den Unterschied in der Liga aus.“ Wie haben Sie das früher gemacht, Herr Seeler, viel geübt? Er sagt: „Das darf man nicht mehr vergleichen, der Fußball von heute ist ein ganz anderer geworden.“ Das ehrt ihn, dass er so etwas sagt. Geflankt wurde damals aber auch schon, und das sah oftmals sehr, sehr gut aus. Wie gekonnt auf jeden Fall.

Und, Herr Seeler, was macht Ihr HSV gegen die Bayern?
Seeler: „Thorsten Fink kennt den FC Bayern ja ganz genau, er weiß genau, wo sie gefährlich sind, wo sie vielleicht anfällig wären – und er weiß, dass seine Mannschaft geschlossen dagegen halten muss, dass auch jeder Spieler 100 Prozent bringen muss.“

Ein Erfolg, auch wenn es nur ein Teilerfolg wäre (ein Unentschieden), würde noch zusätzlich für einen Aufschwung und für noch mehr Ruhe im Verein sorgen. Uwe Seeler hat die neue Ruhe im HSV, die bei der Jahreshauptversammlung öffentlich wurde, mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen: „Wir brauchten Ruhe, denn alles andere kann der Verein nicht mehr gebrauchen. Alle sollten sich in dieser Situation auf das Wesentliche konzentrieren, damit wir wieder Anschluss nach oben gewinnen. Das wird schwer genug, das allein aber zählt jetzt, nichts anderes.“

Morgen, Dienstag, wird im Volkspark um 10 und um 15 Uhr trainiert. Vielleicht ja auch Standards.

18.01 Uhr

Jarolim und Sala die Gewinner von Berlin

29. Januar 2012

In der Schlussphase hielt es ihn nicht mehr auf der Ersatzbank. HSV-Sportchef Frank Arnesen sah eine Sturm-Welle nach der anderen rollte gegen das Tor der Hamburger, der Ausgleich war eine Frage von Minuten – deshalb verließ Frank Arnesen seinen Sitz am Spielfeldrand, ging nervös auf und ab. Das sah der „Vierte Mann“, der beschied: „Setzen Sie sich wieder hin!“ Arnesen aber gehorchte nicht. Im Gegenteil, er antwortete: „Nein, ich setze mich nicht hin – setzen Sie sich da doch hin.“ Ein reines Nervenspiel, dieser Abstiegskampf in Berlin, den der HSV zum Glück mit 2:1 gegen den Aufsteiger Hertha BSC für sich entscheiden konnte. Zum Schluss glücklich, aber lange Zeit hatte es – völlig verdient – nach einem Hamburger Sieg ausgesehen, denn mindestens eine Stunde lang war der HSV eindeutig Chef im Ring gewesen. Dass es in der Endphase noch einmal so spannend werden würde, hätte wohl kaum einer für möglich gehalten, aber der HSV baute eine absolut schwache Hertha plötzlich wieder auf. Weil die Linie verloren ging, weil es viel zu viele Abspielfehler gab, weil die Kraft und die Konzentration nachließen, und weil es zudem unzählige Standards für die Berliner gab. Trainer Thorsten Fink wird, davon bin ich überzeugt, besonders die Schlussphase in Berlin ganz genau analysieren, damit sich ein solcher Abfall nicht so schnell wiederholt.

Unmittelbar nach dem Spiel allerdings hatte Thorsten Fink zu einer umfassenden Analyse verständlicherweise noch keine Lust. Der Coach lobte erst einmal seine Mannen: „Ich bin sehr zufrieden mit dem Spiel, gerade nach diesem 1:5 gegen Dortmund war die Reaktion der Mannschaft sehr gut. Viele Kritiker hatten ja nach dem 1:5 an uns gezweifelt, vieles infrage gestellt, aber wir haben darauf die richtige Antwort gegeben, die Mannschaft hat Charakter bewiesen.“ Dann ging Fink auch noch ins Detail: „Bis zur 80. Minute haben wir gut gestanden, wenig zugelassen, da habe ich ganz ruhig auf der Bank gesessen, da hatte ich nicht das Gefühl, dass da etwas anbrennen könnte. Hinten war das ganz hervorragend, nach vorne haben wir immer wieder Spitzen gesetzt – so habe ich mir das vorgestellt. Ich dachte, da passiert gar nichts mehr.“ Aber er irrte, der Trainer. Der ebenfalls am Rande litt: „Wir hätten uns fast noch um den verdienten Lohn gebracht. Es ist zwar normal, dass wir noch nicht befreit aufspielen können, wir sind noch nicht im gesicherten Mittelfeld, wir stecken noch unten mit drin – das merkt man dann, das setzt sich auch in den Köpfen der Spieler fest. Wir haben keine Super-Leistung geboten, aber wir haben ordentlich gespielt. Und wir haben bewiesen, dass wir keinen Knacks von der Dortmund-Niederlage bekommen haben.“

Auf jeden Fall. Die Reaktion der Mannschaft war klasse. Sie hatte von Beginn an Biss, sie wollte, sie war mit dem Anstoß voll da – zeigte wieder Leben. Genauso wie am Anfang der Fink-Ära, als sich in Hamburg fast alle wunderten, dass diese (in der Oenning-Ära) eigentlich total leblose Mannschaft doch ganz anders kann. Dass Fink zu diesem richtungsweisenden Kick im Olympiastadion einen „alten Mann“ wieder ausgegraben hatte, war vielleicht (ich sage bestimmt) Spiel entscheidend. David Jarolim hatte es zuvor in 90 Minuten allen gezeigt – allen. Hoffe ich auf jeden Fall. Seinem Trainer und vielen mehr hatte es der Tscheche auf jeden Fall eindrucksvoll bewiesen, was er noch drauf hat. Und auch mit Jarolim verbindet Thorsten Fink den steilen Sturz gegen Spielende: „Die Mannschaft hatte gar nicht mitbekommen, dass Jarolim einige Zeit draußen behandelt werden musste. Bis dahin hatte er für die Absicherung gesorgt, vielleicht hatten einige nicht gesehen, dass er draußen lag – deswegen gab es diese Unruhe in unserem Team. Und Unordnung. Da haben wir den Faden verloren, da hatten wir vielleicht auch Angst vor dem Gewinnen.“

Jarolim hatte gegen Ende des Spiels einen Wadenkrampf bekommen. So etwas hatte er noch nie! Der Dauerläufer. Was ich großartig fand, und da geht mein Dank an einen (eigentlich immer ganz frechen Berliner) Hertha-Spieler: Patrick Ebert, mit dem sich „Jaro“ über 90 Minuten viele harte und unerbittliche Duelle geliefert hatte, half dem HSV-Mittelfeldrenner bei dessen Krämpfen und leistete erste Hilfe. Großartig, Herr Ebert, so muss es unter Sportsleuten sein – Sie haben mindestens einen gut bei mir!
Jarolim selbst konnte sich den Krampf (oder die Krämpfe) gar nicht erklären, versuchte es aber dann doch: „Ich weiß nicht, wie das passieren kann, ich habe alles wie immer gemacht; viel getrunken, viel Magnesium gegessen – es muss wohl daran gelegen haben, dass ich lange kein Wettkampfspiel mehr bestritten habe.“ Und: „Natürlich habe ich immer gehofft, dass ich noch einige Spiele für den HSV bestreiten darf, und nun bin ich zunächst einmal sehr glücklich, dass ich wieder dabei gewesen bin.“

Über sein mentales Befinden vor dem Anpfiff sagte „Jaro“: „Es ist natürlich ein ganz anderes Gefühl, zu spielen und zu gewinnen, das hat mir sehr gefehlt. Ich habe nicht gewusst, wie es wird, weil ich diese Situation ja nicht kenne, aber es war recht einfach für mich wieder ins Team zu finden, weil wir in der Abwehr sehr gut organisiert waren. Ich habe immer hart gearbeitet, ich wusste immer, dass mich nichts überraschen könnte, aber dennoch war es eine komische Situation. Bis zum Sommer bleibe ich nun definitiv, ein Wechsel in dieser Transferperiode kommt nicht mehr infrage.“

Und was kam in dieser Beziehung vom Trainer? Thorsten Fink lobte nach dem Comeback des Spieltages: „Jaro hat das sehr gut gemacht, er war sehr lautstark, hat seinen Nebenleuten geholfen, ich bin sehr zufrieden mit seiner Leistung.“ Zum Fast-Vereinswechsel von David Jarolim sagte der Trainer: „Ich habe nie gesagt, dass er weg soll. Ich habe nur gesagt, dass wir ihm keine Steine in den Weg legen werden, wenn er den HSV verlassen will. Jetzt aber lassen wir ihn nicht mehr gehen.“ Auf die Frage eines tschechischen Kollegen, ob Jarolim nun einen Stammplatz hätte, antwortete der HSV-Coach: „Es gibt keine Stammplätze bei uns aber wenn ein Spieler eine gute Leistung zeigt, warum sollte ich ihn dann wieder aus der Mannschaft nehmen?“

Ein dickes Lob für „Jaro“ gab es auch vom Sportchef: „Wir sind letztlich froh, dass er beim HSV geblieben ist, einen Spieler mit einer Erfahrung kann man immer im Kader gebrauchen. Jetzt lassen wir ihn nicht mehr gehen.“

Teamkollege Mladen Petric befand zu Jarolim: „Man kennt ihn ja, er ist unheimlich fleißig. Er trainiert an jedem Tag so, als wenn es der letzte wäre, und das zahlt sich bei ihm immer wieder aus. Er hat der Mannschaft Stabilität verliehen, und das hat ihn so wichtig gemacht.“

Aber dieses Berlin-Spiel hat nicht nur die Jarolim-Geschichte geschrieben. Auf Hamburger Seite gab es noch eine beachtliche Personalie: Jacopo Sala. Der 20-jährige Italiener spielte bei seinem Debüt nicht nur mit, sondern hatte viele gute Szenen und gehörte zu den besten Hamburgern an diesem 28. Januar 2012. Thorsten Fink über diesen „Neuzugang“: „So gut hatte ich ihn eigentlich gar nicht erwartet. Er hat gezeigt, dass wir mit ihm einen guten Einkauf getätigt haben. In der Vorbereitung hat er schon einen hervorragenden Eindruck im Training gemacht, er arbeitet auch defensiv mit, geht weite Wege, behauptet sich stark am Ball, ist sehr ballsicher, behauptet sich auch im Kampf Mann gegen Mann, und er war überhaupt nicht nervös, obwohl es sein erstes Spiel von Anfang an war.“

Jacopo Sala, dessen Eltern extra aus Bergamo gekommen waren, um das erste Bundesliga-Spiel ihres Sohnes von Beginn an zu sehen, war nach dem Spiel (natürlich) überglücklich: „Es ist gut gelaufen für mich. Vor allem deshalb, weil ich ja seit sechs, sieben Monaten nicht mehr über 90 Minuten Fußball gespielt hatte – aber die Kollegen haben mir sehr geholfen. Ich bin sehr selbstbewusst aufgetreten, warum auch nicht, ohne Selbstvertrauen geht es nicht, man muss an sich glauben, ohne dem geht es nicht.“ Sala weiter: „Ich hoffe, dass das jetzt der Startschuss für mich war, auf diese Chance habe ich lange hin gearbeitet, auch um Weihnachten herum, zu Hause in Bergamo. Nach der Hinrunde, in der ich nur verletzt war, war es schwierig für mich, den Kopf oben zu behalten, aber meine Familie und meine Freunde haben mir dabei geholfen, die Situation zu bewältigen.“

Frank Arnesen befand über seine „Entdeckung“: „Ich habe lange Zeit nicht mehr über ihn gesprochen, weil er uns ja verletzt fehlte – aber ich wusste ja, was er kann. Es lag an ihm, das zu beweisen, und das ist ihm gelungen. Jacopo hat ja in Berlin zum ersten Mal ein Spiel im Herrenbereich bestritten, denn wir haben ihn ja aus der Jugend des FC Chelsea geholt. Aber er war sehr gut, er trat so locker und selbstbewusst auf, hat auch taktisch ganz hervorragend gespielt – das war wirklich ein hervorragender Einstand. Bislang war er nicht zu bewerten, aber in Berlin hat er gezeigt, warum ihn der HSV geholt hat, und das er großes Talent hat.“

Zum ersten Dreier in diesem Jahr sagte Frank Arnesen: „Dieser Sieg in Berlin ist so wichtig für uns. Es ist zwar nur ein Sieg, aber er ist viel mehr wert als ein Sieg. Weil die Mannschaft nach dem Dortmund-Spiel eine Reaktion gezeigt hat, auf die wir gewartet haben. Und weil wir nun schon nach zwei Spielen in der Rückrunde mehr Punkte haben, als in der Hinrunde nach sechs Spielen. Und ich freue mich auch für Thorsten Fink. Es war sein zehntes Bundesliga-Spiel als HSV-Trainer, er hat davon nur eines verloren – das zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Wege sind.“

Aber nun kommen die Bayern. Am Sonnabend, Anstoß 18.30 Uhr im Volkspark. Kein ganz so leichtes Spiel. Zumal ja alle unisono sagen: „Mit Mannschaften wie Dortmund und Bayern kann sich der HSV nicht messen . . .“ Muss er aber.

Fink: „Wenn wir so gut stehen, wie in Berlin bis zur 80. Minute, dann haben wir eine Chance. Wir sind natürlich klarer Außenseiter, aber wir schauen dennoch mal, ob wir den Bayern nicht ein Bein stellen können . . .“
Nur was muss in diesem Spiel dann besser als in Berlin gemacht werden? Jarolim wusste es: „Alles.“ Um dann detailliert zu werden: „Da muss jeder über seine Grenzen gehen. Es geht nur über den Kampf, das habe ich auch vor dem Berlin-Spiel schon gesagt. Mit jedem gewonnenen Zweikampf gewinnt man auch an Selbstvertrauen.“

Gut wäre es aber auch, wenn der HSV – vornehmlich Dennis Aogo – bis zum Sonnabend noch den einen oder anderen Freistoß üben würde. Die Standards in Berlin waren überwiegend nicht nur schlecht – so mancher Freistoß leitete dazu auch Herthas Konterspiel ein. Und das muss ja nun wirklich nicht ein. Also: üben, üben, üben. Und nochmals üben. Wenn es sein muss, sogar außerhalb der normalen Trainingszeiten. Aber das muss ganz einfach besser werden.

Und auch im Abwehrverhalten sollte sich der HSV noch verbessern. Es wurden den Berlinern viel zu viele Freistöße „geschenkt“, weil es Fouls gab, die nicht nötig gewesen wären. Lieber statt einmal zu viel grätschen einen Schritt mehr (ab-)laufen.
Aber ansonsten weiter so.

Wobei in dieser Hinsicht auch Thorsten Fink noch einen netten Spruch auf Lager hatte: „Er hatte zwei Tage Infekt – und hatte jetzt zwei Torvorlagen. Das nächste Mal soll er sich drei Tage Infekt nehmen . . .“ Der HSV-Trainer über Verteidiger Dennis Diekmeier, der beide HSV-Tore in Berlin vorbereitet hatte.

PS: An diesem Montag ist trainingsfrei.

17.19 Uhr (gerade hat Mainz 3:1 gegen Freiburg gewonnen)

2:1 in Berlin – der HSV auf Platz elf

28. Januar 2012

Der HSV kann ja doch gewinnen! 2:1 bei Hertha BSC, der erste Dreier des Jahres, gegenüber der Hinserie wurden jetzt schon zwei Punkte mehr eingesammelt – die „jungen Finken“ kletterten durch diesen Erfolg auf den elften Tabellenplatz, schoben sich damit auch an den lange Zeit schwachen Berlinern vorbei. Kompliment. Lange Zeit hatte der HSV das Geschehen in Berlin fest in der Hand, die Frage nach dem Sieger schien schon mit der 2:0-Halbzeitführung des HSV frühzeitig geklärt. In der Schlussphase aber drängten die BSC-Spieler mit Macht auf den Ausgleich, da hatte der HSV dann auch das nötige Glück auf seiner Seite. Aber auch das ist zulässig, und auch das wird auch in Zukunft noch einige Male eine große Rolle dabei spielen, ob der HSV letztlich doch den angepeilten sicheren Mittelfeldplatz wird einnehmen können. Im Moment hat er ich, jetzt ist erst einmal eine Woche ein kräftiges Durchatmen angesagt – bevor es dann gegen den FC Bayern geht. Aber: alles wird gut.

„Gegner wie Hertha BSC oder wie der 1. FC Köln, daran können wir uns messen, gegen die müssen wir gewinnen.“ Hatte Trainer Thorsten Fink nach der 1:5-Klatsche gesagt. Der Mann könnte Hellseher werden. Wobei Hertha BSC ja gar kein Gegner war. Die Berliner waren ja gegenüber dem Hinspiel im Volkspark nicht wiederzuerkennen. So harmlos war in dieser Saison noch keine andere Mannschaft in einem Spiel gegen den HSV. Nun kann ich Markus Babbel viel besser verstehen, warum er dort seinen Koffer packte . . . Diese Hertha muss ganz stark aufpassen, dass sie nicht gleich wieder absteigt, diese Truppe spielte ja wie eine Bubi-Mannschaft. So wie der HSV gegen Dortmund.

Wobei der HSV diesmal – endlich – wieder einmal brannte, so richtig heiß war. Eben gegen einen Gegner, gegen den man gewinnen muss – um es mit Fink zu sagen. Da wurde hinter jedem Ball hergelaufen, ja sogar gesprintet, auch Mladen Petric machte mit und griff schon weit in der Berliner Hälfte den Ballführenden an. Da war schon Biss drin, diese Mannschaft wollte sich rehabilitieren, und das tat sie dann auch in souveräner Manier. Dazu ein dickes Kompliment, das muss erwähnt werden, denn nach dem 1:5 ist dieses Team auch von vielen Seiten auseinandergenommen worden – auch von mir. „Hier regiert der HSV“, skandierten die 5000 mitgereisten Hamburger Fans während des Spiels, auch dazu ein Kompliment, die HSV-Anhänger hatten in Berliner (im Stadion) alles mit ihrer Lautstärke im Griff.

Thorsten Fink hatte, wie angekündigt, umgekrempelt. Endlich David Jarolim gebracht, dazu erstmalig von Beginn an Jacopo Sala. Den kannte ein halbes Jahr lang ja niemand in Hamburg, und ich will mal kurz aus dem Nähkästchen plaudern. In dieser Woche sprach ich mit einem Kollegen von mir, es ging um diesen Sala. Der Kollege gab zu: „Den hatte ich gar nicht auf dem Zettel, der war in meinen Augen nur ein Mitläufer. Im Trainingslager aber, da blühte der richtig auf – der kommt noch, ganz sicher.“ Und ich sagte dazu: „Frank Arnesen hat ohne viel Geld richtig gute Leute geholt – wenn Jacopo Sala keiner gewesen wäre, dann hätte ihn der Sportchef doch gar nicht erst verpflichtet. Nein, nein, Arnesen hat schon ein gutes Auge, auch in Sachen Sala.“

Im Gegensatz zum Dortmund-Spiel, als die rechte Seite mit Dennis Diekmeier und Zhi Gin Lam kein Bein vor das andere brachte, dominierte rechts diesmal in den ersten 45 Minuten wie in einem Heimspiel. Sala und Diekmeier, haben sich da zwei Leute gesucht und gefunden? Auf jeden Fall schön zu sehen, dass Fink nun eine weitere Alternative hat. Die beiden Tore zur 2:0-Halbzeitführung fielen dann auch – natürlich – über rechts. Diekmeier setzte sich gegen Kobiashvili durch, passte zur Mitte, wo Paolo Guerrero zunächst verpasste, aber Marcell Jansen, der hinter dem Peruaner stand, hatte aufgepasst und schoss aus fünf Metern ein – 0:1 (24.).

Auch die Flanke zum zweiten Hamburger Tor kam von Diekmeier. Diesmal verfehlte Jansen in der Mitte, doch Petric schlich sich (in höchstem Tempo!) an den schlafenden Berliner vorbei und köpfte aus fünf Metern ein – in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit.

Diesen ersten Durchgang hatte der HSV immer bestimmt. Bei den Berliner durfte der ehemalige Hamburger Tunay Torun zwar von Beginn an ran, aber er bekam kein Bein auf den Boden. Torun war kaum einmal zu sehen, schoss einmal aus der Ferne auf den HSV-Kasten, das war es aber auch schon. Ansonsten war der Türke ein Totalausfall, wurde folgerichtig auch nach diesem schwachen Auftritt zur Pause ausgewechselt. Vom neuen BSC-Trainer Michael Skibbe, der gegen den HSV kaum gewinnen kann (14 Duelle, nur zwei Sieg für Skibbe). Der Trainerwechsel jedenfalls scheint für Berlin ohne jede Wirkung zu verpuffen.

Ich habe im ersten Durchgang oft auf das Sechser-Duo Tomas Rincon/David Jarolim geachtet. Es hieß ja so lange, dass diese beiden Spielertypen nicht gemeinsam auf der Doppel-Sechs spielen könnten. Wieso allerdings? Das bleibt mir schleierhaft. Beide ergänzten sich sehr gut, und sie setzten frühzeitig Zeichen, wirkten giftig und aggressiv. Durch ihre Präsenz im Mittelfeld, und in Sachen Zweikampfführung. Weder Rincon noch Jarolim ließen sich die Butter vom Brot nehmen, sie hielten dagegen, und sie gingen auch selbst kräftig zur Sache. Motto: „Wenn du was willst von mir, dann zeige ich dir mal was . . .“ „Jaro“ war unheimlich viel unterwegs, und er eroberte unheimlich viele Bälle. Das ist seine Stärke, und er hat allen – auch seinen härtesten Kritikern – bewiesen, dass er es immer noch drauf hat. Ich bin mir auch sicher, dass Thorsten Fink das ebenso sieht.

Natürlich kam Berlin in der zweiten Halbzeit mit Macht, wer hätte etwas anderes erwartet? Aber was kam dabei herum – außer einer kleinen Feldüberlegenheit? Klare Chancen gab es nicht für die Hertha – bis zur Schlussoffensive. Die größte Möglichkeit in der 58. Minute, als Lustenberger aus fünf Metern hätte eindrücken können, doch aus dem Hintergrund kam – na wer? Jarolim! Und schlug den Ball aus der Gefahrenzone.

Bitter nur, dass der HSV gegen Ende des Spiels so stark nachließ. Da fiel nicht nur das 1:2, da hätte Lasogga auch noch den Ausgleich markieren können, fast müssen, aber Drobny hielt riesig (84.). Der HSV wackelte bedenklich, aber zum Glück für Hamburg fiel er nicht. Obwohl: Drei, vier Minuten länger, dann wäre vielleicht doch noch etwas (Negatives) passiert, es hing zum Schluss am seidenen Faden.

Zur Einzelkritik:
Jaroslav Drobny zeigte sich jederzeit auf der Höhe, musste nur einmal (bei Toruns Schuss) nachfassen, hielt ansonsten souverän – und super gegen Lasogga (84.). Diekmeier wartete in Berlin vielleicht mit seiner besten Partie für den HSV auf – endlich einmal, möchte ich hinzufügen. Er kann es doch, er hat ein so großes Talent, jetzt hatte er offensichtlich auch mal den Mut, seine Flankenläufe durchzuziehen. Jeffrey Bruma war wie immer: Eigentlich ganz okay, aber eben keine 100 Prozent. Ich habe mitgezählt: Von zehn Rückpässen in Halbzeit eins auf Drobny kamen fünf von Bruma. Und beim 1:2 von Lasogga stand der Niederländer schlecht, sodass er im Luftduell folgerichtig den Kürzeren ziehen musste. Wäre Bruma eng am Mann gewesen, wäre das nicht passiert.

Heiko Westermann kämpfte vorbildlich wie immer, stand in fast allen Szenen richtig – eine engagierte und sehr gute Partie vom Kapitän. Gut auch Dennis Aogo auf der linken Seite, der in der Defensive besser postiert war (als zuletzt gegen Dortmund), und der auch nach vorne viele Szenen hatte.

Die Doppel-Sechser sind bereits erwähnt, obwohl ich noch ergänzen möchte, dass beide, Rincon wie Jarolim, gegen Ende der Partie Schwierigkeiten hatten, Ordnung in die Defensive und in das Spiel zu bringen. Da hatten beide doch ihre Köpfe oftmals sehr wiet unten – was die gute Gesamtnote des Duos aber nicht schmälern soll – das war für beide eine satte Zwei.

Rechts gefiel mir Sala recht gut, auch wenn er natürlich noch zulegen kann – und auch wird. Aber für den Anfang war das absolut okay. Links tauchte mir Jansen einige Male zu oft und zu lange ab, aber er war beim 0:1 zur Stelle, und er schlug auch einige (nicht viele, aber immerhin) gute Flanken zur Mitte. Auf jeden Fall auch von ihm eine klare Leistungssteigerung gegenüber Dortmund.

Mladen Petric lief viel (so lange er Kraft hatte), zeigte sich auch im Zusammenspiel mit Guerrero willig – das war eine solide Vorstellung des Kroaten, der im zweiten Durchgang aber immer weniger zu sehen war. Guerrero gefällt mir seit vielen Spielen immer bestens, so auch diesmal. Er hat es da vorne ja nicht leicht, aber wie er sich einsetzt, wie er dagegen hält, wie er um seine Chancen kämpft – das hat Klasse. Wie schön, dass der HSV ihn hat.

Drei Auswechslungen gab es beim HSV:
Kacar für Petric (85.), Son für Sala (90.) und Rajkovic für Jansen (90.).

17.42 Uhr

Wiedergutmachung in Berlin mit Salas Premiere?

27. Januar 2012

Der Rasen sah echt übel aus. Die kurzen Sprints hatten mit nahezu jedem Fußaufkommen ein kleines Loch ins matte, verblasste „Grün“ gerissen, und diese schwarzen Löcher verteilten sich mit zunehmender Zeit über das gesamte Spielfeld in der Imtech-Arena. Ergebnis: Der Rasenchef sollte sich übers Wochenende nichts vornehmen. Denn so kann der HSV nicht in acht Tagen gegen den FC Bayern antreten. Zumindest nicht, ohne den Ärger der Gäste heraufbeschwören zu wollen. Deshalb beschloss die Klubführung jetzt auch, den Rasen unmittelbar vor dem Spiel gegen den deutschen Rekordmeister auszutauschen.

Wobei: warum eigentlich?

Sollen die Bayern doch meckern. Zumal es sicher auch schon schlechetere Unterböden gegeben hat und der HSV so vielleicht einen kleinen Vorteil hätte. „Ich hatte erst gehört, dass der Rasen nach dem Spiel ausgetauscht wird. Das war okay. Und ich frage mich, warum wir ihn jetzt doch unmittelbar vor dem Spiel austauschen“, sagt Dennis Aogo und fügt hinzu: „Ich liebe frischen Rasen. Aber nicht direkt vor dem Bayern-Spiel.“ Womit der Linksverteidiger darauf anspricht, dass dem technisch orientierten Passspiel der Münchener ein tadelloser Unterboden zugute käme. „Es wäre für sie sicher kein Nachteil“, umschreibt Aogo.

Allerdings, und darauf lenkte Aogo sofort das Thema, zuvor geht es nach Berlin. Am morgigen Sonnabend soll es Wiedergutmachung für den verpatzten Rückrundenauftakt geben. „Wir werden anders auftreten als gegen Dortmund“, spricht Aogo eine Selbstverständlichkeit aus, und wird genauer: „Wir werden nicht noch mal so ängstlich auftreten wie zu Beginn gegen Dortmund. Gegen den BVB – und ich weiß wie doof das nach einem 1:5 klingt – hätten wir wesentlich mehr herausholen können, wenn wir nicht im Kollektiv so ängstlich gespielt hätten. Die Niederlage lag ja nicht allein an den super Dortmundern.“ Sondern? „An uns. Aber wir haben das Spiel intern analysiert. Wir haben zwei, drei Tage daran zu knabbern gehabt – aber von da an nur noch auf Hertha geschaut. Und das behalte ich auch so bei.“

Volle Kraft voraus. Und das mit neuem Personal. Zumindest mit drei Neuen. David Jarolim rückt für Gojko Kacar ins Team. Was besonders bitter für den Serben sein dürfte, immerhin geht es gegen seinen letzten Klub. „Gojko ist schlecht drauf nach solchen Spielen wie gegen Dortmund“, sagt Milan Kacar, der Berater, Onkel und beste Freund von Gojko, „aber nur so lange, bis es weitergeht. Er denkt viel über sich und seine Fehler nach, um sie zu verbessern. Gegen Berlin ist er mit Sicherheit noch heißer als sonst.“ Allerdings wird er sich gedulden müssen, zunächst wohl nur auf der Bank Platz nehmen.

Ein herber Rückschlag für den introvertierten Serben, dem man immer wieder nachsagt, er sei nie 100 Prozent fit. Auch, weil er verletzungsanfällig sei und immer wieder Vorbereitungen verpassen würde. Milan Kacar setzt sich für seinen Neffen ein: „Er ist grundsätzlich gut drauf. Er hat sich zwar über die fehlende Vorbereitung geärgert. Und das mit der Vorbereitung ist schon eine Seuche. Entweder er verletzt sich im jeweils letzten Spiel vor den Sommer- und Winterpausen oder er hat Turniere wie damals die Olympischen Spiele, die U-21-EM oder die WM. Hier in Hamburg aber geht’s ihm gut. Er fühlt sich fit. Der Vorwurf ist Quatsch, er ist nicht unaustrainiert. Das ist ein Märchen, das sich nur erzählt wird.“

Dennoch reicht es nicht für Berlin. Dort wird er von David Jarolim ersetzt, während Mladen Petric im Angriff wieder neben (oder leicht versetzt hinter) Paolo Guerrero auflaufen wird. Und während es in der Defensive keine Überraschung geben dürfte, nachdem Jeffrey Bruma wieder voll mittrainieren konnte, galt es als ziemlich sicher, dass Ivo Ilicevic nach seinen ausgestandenen Wadenproblemen („Ich hatte eine hartnäckige Verhärtung“) die Position auf der rechten Außenbahn von Zhi Gin Lam übernehmen würde. „Ich bin bereit“, sagte uns der Kroate heute noch vor dem Abschlusstraining, „ich fühle mich gut. Ich habe dann zwar erst drei Einheiten wieder voll mitmachen können, aber ich bin bereit.“ Auch als Joker? „Ich weiß nicht, was der Trainer plant, ob ich von beginn an spiele oder reinkomme. Aber ich fühle mich gut und will helfen.“

Das könnte der Kroate ganz sicher, sollte er seine heutige Trainingsleistung wiederholen. Beim Abschlussspiel wirbelte, kämpfte und grätschte (!) der quirlige Offensivmann und war der mit Absatnd auffälligste Akteur. „Wir müssen in Berlin fighten, es wird ein echtes Kampfspiel“, prophezeit Ilicevic und scheint gewappnet. Auch wenn er selbst lieber über technische Finessen zum Erfolg kommt, kämpfen kann er offensichtlich auch.

Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass der erhöhte Einsatzwille Ilicevics heute einen anderen Grund hatte. Denn anstatt wie von allen erwartet in der A-Elf zu spielen, musste er in der B-Elf ran. Denn Trainer Thorsten Fink hatte für die rechte Mittelfeldposition Überraschendes parat. Genauer gesagt, einen Italiener, der vor der Wintervorbereitung als Verleihspieler quasi feststand: Jacopo Sala. Mit Mütze und dick eingepackt versuchte der schmächtige Rechtsfuß, die rechte Seite der A-Elf mit Leben zu füllen. Es gelang ihm auch – allerdings lange nicht so eindrucksvoll wie seinem größten Konkurrenten im Kampf um die Startelf bei Hertha. Und sollte Fink, da lege ich mich fest, wirklich nach den letzten Eindrücken gehen, dürfte es keine zwei Meinungen geben: dann muss Ilicevic beginnen.

Aber okay, wer weiß, wie Sala auftreten würde? Im Trainingslager in Marbella wusste Sala so zu gefallen, dass sich Fink und Sportchef Frank Arnesen schnell einig waren, den Italiener nicht zu verleihen. „Er hat mich überzeugt“, sagte Fink. Allerdings weiß der Coach auch noch nicht, was er von seinem Sommerzugang in der Bundesliga erwarten kann. Das wiederum ist einer der großen Vorteile, die Sala gegenüber seinen Konkurrenten hat, die bislang mehr oder weniger gut aufgetreten sind: Er hat noch nicht enttäuscht.

In diesem Sinne, Trainingsleistungen als Maßstab zu nehmen, verbieten sich beim HSV 2011/2012 eigentlich. Dennoch habe ich die Hoffnung, dass die Mannschaft die Aggressivität aus der heutigen Abschlusseinheit (selbst Rincon musste nach mehreren harten Zweikämpfen mit Schmerzen kurz pausieren) bis ins Berliner Olympiastadion rüberrettet. Sollte das gelingen, dürften wir morgen endlich wieder Spaß beim Zugucken haben.

Auf die drei Punkte in Berlin, ob mit Sala oder Ilicevic – egal wie! Und wie sagte Aogo heute? „Das Dortmund-Spiel haben wir analysiert – und die Art und Weise war nicht okay. Das wissen wir. Deshalb wird in Berlin alles anders.“

Ich bitte drum. Und ich glaube: Wir alle bitten darum.

Bis morgen,
Scholle (18.15 Uhr)

So könnte der HSV spielen: Drobny – Diekmeier, Westermann, Bruma, Aogo – Sala (Ilicevic), Jarolim, Rincon, Jansen – Petric, Guerrero.
P.S.: Slobodan Rajkovic ist der letzte Zugang, der sein Einstandslied noch nicht gesungen hat. „Er wird seine Strafe bekommen“, sagte Aogo, der auch bei Ilicevic die Parkkralle besorgt hatte. Aogo: „Dass es noch nicht so weit war lag allein daran, dass es nach dem Dortmund-Spiel wichtigere Dinge gab.“

Nicht rumheulen, einfach gewinnen. Egal wie…

26. Januar 2012

Wie fast immer in schwierigen Phasen, ist der Fußballprofi an sich gut beraten, sich an seine Stärken zu erinnern. „Deshalb verplempere ich auch keine Zeit damit, lange zurückzublicken“, sagt Mladen Petric, angesprochen auf das 1:5-Debakel vom vergangenen Wochenende gegen Dortmund. Vielmehr will der Kroate nur noch nach vorn blicken, auf das Spiel bei Hertha BSC am Sonnabend. Abstiegskampf? Auch bei dem Wort mag Petric nicht direkt antworten. Im Gegenteil, er lehnt das Wort ab. Noch. „Ich mag noch nicht über Abstiegskamp sprechen“, so der Torjäger, „aber wir können uns darauf einigen, dass es in Berlin ein Kellerduell ist“ Auch das Folgeprogramm mit Bayern, Köln und Werder bereitet Petric keine größeren Sorgen. „Uns ist nicht Angst und Bange. In Berlin haben wir eine gute Chance. Und danach gegen Bayern? Das wird sehr schwer, klar. Aber ich bin mir sicher, dass wir uns nicht zweimal in so kurzer Zeit einen solchen Ausrutscher erlauben.“


Kurioserweise soll dabei sogar der 12:0-Sieg gegen den Oberligisten Rugenbergen helfen. „Wir waren alle froh, dass wir im Stadion und nicht auswärts gespielt haben. Und es hat uns gut getan, wir konnten einige Dinge ausprobieren. Das Spiel war zumindest hilfreich.“ Hilfreich, um die Auftaktniederlage vergessen zu machen. Zumal das spätestens jetzt auch Zeit wird. Ich habe die Jungs immer wieder beobachtet. Sie waren zwei, drei Tage niedergeschlagen“, sagt Trainer Thorsten Fink, „aber die Mannschaft hat das gut verdaut. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Mannschaft ihr Selbstvertrauen verloren hat.“ Trotz der für Fink primären Erkenntnis aus dem BVB-Spiel, „dass wir die Messlatte nicht zu hoch hängen dürfen. Es ist sicher alles andere als optimal, gleich zum Auftakt so zu verlieren, aber ich bin jetzt auch schon ein paar Jahre dabei, war vorher auch selbst lange Spieler. Und hier ist keiner verunsichert. Alle waren niedergeschlagen – und haben jetzt den nötigen Willen für Berlin.“

Zudem haben sie die körperlichen Voraussetzungen. Diekmeier hat seine Grippe auskuriert, Petric („Es war nur eine Prellung auf einer Stelle, wo ich vorher einen Faserriss hatte, deshalb die zwei tage Pause“) hat seine Wadenprobleme ebenso ausgestanden wie sein kroatischer Landsmann Ivo Ilicevic, der heute im Mannschaftstraining in der Imtech-Arena einen sehr guten Eindruck hinterließ. Dennoch lässt Fink offen, ober in Berlin auf beide „kroatischen Waden“ setzen will: „Er hat dann auch nur heute und morgen trainiert, vielleicht ist das zu wenig.“ Dennoch deutet vieles darauf hin, dass Fink seinen letzten Zugang bei der Hertha von Beginn an bringt, dafür Zhi Gin Lam zunächst auf die Bank setzt.

Die kroatische Hoffnung – Petric und Ilicevic wieder dabei. Und es geht nach Berlin. An den Ort, an dem der HSV das letzte Mal eine Spitzenposition inne hatte. Jetzt ist es allerdings ein Duell vom 14. (HSV) beim 13. der Bundesligatabelle. Und beide Teams stehen unter Druck. So sieht es zumindest Fink: „Der Samstag wird zeigen, welches Team damit besser umgehen kann.“ Immerhin müsse die Hertha anschließend auswärts antreten, während der HSV zu Hause das Schwergewicht FC Bayern empfängt. Fink weiter: „Beide spielen gegen den Abstieg. Das wird für beide sehr schwer, das baut Druck auf.“ Dass er dennoch optimistisch ist, liegt daran, dass seine Mannschaft die Niederlage gut verdaut habe. Und, das fügt der HSV-Trainer hinzu: „Hertha ist eine Mannschaft, mit der wir mithalten können“.

So ist es. So sieht es derzeit aus. Kein „wir müssen gewinnen“ und keine Träumerei von internationalen Startplätzen – die Ansprüche reduzieren sich, Klassenerhalt ist das primäre Ziel. Es gilt, erst einmal die Basis herzustellen. Eben so, wie es der Fußballer auf dem Platz auch machen sollte. Sicherheit wiedergewinnen über Kampf und Leidenschaft. „Wenn das stimmt, sind wir einen großen Schritt weiter“, sagt Tomas Rincon, dessen Partner im zentralen Mittelfeld höchstwahrscheinlich David Jarolim (Fink: „Jaro hat gute Chancen zu spielen“) sein wird.

Fraglich ist der Einsatz von Jeffrey Bruma. Mit klarer Tendenz zum Positiven: „Jeff hatte leichte Adduktorenprobleme“, so Fink, „bei ihm werden wir am Freitag genau hinschauen.“ Allerdings schien es, als sei Brumas heutige Pause eher eine Vorsichtsmaßnahme denn Notwendigkeit. Ebenso wie bei Slobodan Rajkovic, der abseits des Mannschaftstrainings mit Markus Günther Balltraining absolvierte, ohne dabei irgendwelche Bewegungen vermeiden zu müssen. Zudem legte sich Fink heute überraschend genau fest, wann Marcus Berg nach seinem Schlüsselbeinbruch wieder mit der Mannschaft trainieren werde: „Am 4. Februar soll er wieder einsteigen.“

Ein wenig genervt wirkte Fink, als er auf Rene Adler angesprochen wurde, der angeblich schon (das entspricht nicht unseren Informationen) unterschrieben haben soll. Er dementierte einen solchen Vorgang sogar indirekt, indem er sagte: „Ich beschäftige mich mit der Torwartfrage nicht, unser ist gut. Wir sind zufrieden und haben da im Moment keinen Handlungsbedarf.“ Wobei der Zusatz „im Moment“ natürlich das offen lässt, was in Hamburg seit Monaten bekannt ist: Adler soll kommen. Denn auch wenn es aktuell nichts wirklich Neues gibt, ist bekannt, dass sich der HSV um die Dienste des Bayer-Keepers bemüht hat. Bedenklich stimmt mich dabei, dass der sich bereits seit Juli 2011 im Reha-Training befindet und bemüht ist, Patellasehnenprobleme auszukurieren. Und das ist nur eine von erstaunlich vielen Verletzungspausen des gerade erst 27-Jährigen.

Schon deshalb – trotz des überdurchschnittlichen und für mich völlig unumstrittenen Talentes von Adler – halte ich eine solche Diskussion für momentan absolut unnötig. Drobny hält gut, er ist momentan trotz der schwächeren Abschläge gegen Dortmund noch immer einer der konstanten Spieler. Warum also das Risiko eingehen, ihn zu verunsichern? „Es ist immer ein ganz schmaler Grat, wenn man während der Saison neue Spieler verpflichten will“, hatte uns (meinem geschätzten Kollegen Kai Schiller und mir) Sportchef Frank Arnesen im Trainingslager erzählt, „auf der einen Seite will man seine vorhandenen Spieler stützen, weil man sie ja braucht. Auf der anderen Seite muss man natürlich zusehen, sich auf etwaigen Schwachstellen oder eben bei besonderen Angeboten auch mit Veränderungen zu beschäftigen“.

Vorausgegangen war die Frage, ob Arnesen, der sich selbst Ehrlichkeit als eine seiner wichtigsten Tugenden anheftet, doch auch mal eine Lüge aus taktischen Gründen für angebracht hielte. Was zum Beispiel, und das haben wir damals wirklich genau so gefragt, wenn Drobny als momentaner Garant für Sicherheit im Tor bei Arnesen nachfragt, was an dem Gerücht um Adler dran sei? Würde Arnesen lügen, um Drobny nicht zu verunsichern? Oder würde er die Wahrheit sagen? „Ich müsste das machen, was für den Verein am besten ist. Und das ist der Erfolg im nächsten Spiel.“ Allerdings würde er auch nicht ausschließen, mit Spielern sehr ehrlich zu reden und ihnen zu sagen, dass man sich auf deren Position umschaue. Und das „gerade dann, wenn es um die Zukunft des jeweiligen Spielers geht. Auch der Spieler braucht die faire Chance, sich zu orientieren. Wie am Beispiel David Jarolim zu erkennen“, so Arnesen, „Jaro ist ein Musterprofi und eine ganz wichtige Person für den Verein. Trotzdem haben der Trainer und ich schonungslos offen und ehrlich mit ihm gesprochen. Weil der Respekt es verlangt.“

Allerdings auch, weil ein sportlicher Ausfall Jarolims personell leichter aufzufangen wäre als ein Ausfall von Drobny.

Aber okay, warum heulen? Dafür ist es letztlich auch Profifußball, indem die meisten Bundesligaspieler auch entsprechend gut honoriert werden. Und wenn Drobny eh kein Problem damit hat – so what? Gerade der schweigende Tscheche dürfte sich vor der Rückkehr zu seinem Ex-Klub andere Gedanken machen…

Deshalb machen wir es ihm am besten gleich, lasst uns nur darüber nachdenken, wie wir in Berlin gewinnen. Das müssen wir, egal wie. Und egal mit wem. Denn eines dürfte Drobny ebenso wie einem Jarolim, einem Mladen Petric oder einem Heung Min Son klar sein: Sie alle sind ersetzbar – der Verein aber bleibt. Die Spieler sind bei Barcelona wie bei jedem anderen Fußballklub auf dieser Welt, der seine Spieler fürs Fußballspielen entlohnt, dem Verein untergeordnet. Und das heißt für unsere HSV-Profis, dass sie jetzt mehr denn je in der Pflicht sind, sich sportlich topmotiviert zu präsentieren. Ob über sie diskutiert wird oder nicht.

Bis morgen,

Scholle

12:0 gegen Rugenbergen – und Jarolim hofft wieder **MIT Adler***

25. Januar 2012

++++Weil es hier gewünscht wird, zwei, drei Worte zu Adler. Es ist definitiv noch nichts fix, der HSV hat lediglich Interesse an dem Bayer-Keeper. Sein Berater will sich eigentlich gar nicht zitieren lassen, dementiert aber über Agentur eine Einigung mit dem HSV deutlich. Ebenso wie alle HSV-Verantwortlichen, mit denen ich heute gesprochen habe. Insofern ist Adler ein Thema – allerdings heute nur deshalb neu, weil die SportBild ein paar nicht wirklich neue Infos neu aufgesetzt hat.++++++

Er war schon fast weg. Die Freigabe vom HSV in der Tasche sortierte der Aussortierte in der Winterpause seine Angebote – und ist plötzlich wieder mittendrin. „Es gibt Anzeichen dafür, dass ich spiele“, freut sich David Jarolim, der am Sonnabend bei Hertha BSC zum ersten Mal seit September 2011 wieder in der Startelf stehen soll. „Damit hatte ich vorher nicht gerechnet“, sagt Jarolim, „aber es ist ein schönes Gefühl, mal wieder gebraucht zu werden. Aber schon allein die Hoffnung, dass man mal wieder wichtig ist, ist für mich ein riesiger Schritt.“

Als dienstältester HSV-Profi (seit 2003 im Team) soll der Tscheche dem beim 1:5 gegen Dortmund zuletzt stark verunsichert wirkenden Mittelfeld neuen Halt geben. Neben Tomas Rincon im zentralen Mittelfeld. Eine Konstellation, die es vor Jahren unter Bruno Labbadia schon gab – und die damals funktionierte. „Dass wir es können, haben wir gezeigt. Aber der Trainer entscheidet“, sagt Jarolim, wohlwissend, dass es seine letzten Monate für den HSV sind. Am Saisonende läuft sein Vertrag aus, der HSV will nicht verlängern. „Es ging vom Verein aus. Der neue Trainer hat mir gesagt, dass er von Beginn an auf die jungen Leute setzen will. Das war für mich schwer, vor allem natürlich, weil ich hier eigentlich einen ganz guten Stand hatte. Ich hatte mir das alles anders vorgestellt – aber es ist wie es ist. Und ich komme damit klar. Ich habe versucht, mir die Enttäuschung nicht anmerken zu lassen und weiter hart gearbeitet. Und ich werde da sein, wenn ich gebraucht werde, ich will diesem Verein noch helfen, nach dem 1:5 wieder Selbstvertrauen zu tanken. Denn so darf es natürlich nicht weitergehen.“

Wie es für ihn persönlich weitergeht, weiß der 32-Jährige dennoch schon ziemlich genau. „Ich will noch zwei Jahre auf hohem Niveau Gas geben.“ Anschließend steigt er ins Trainergeschäft ein. Und das voraussichtlich beim HSV, mit dem es dafür bereits eine Vorvereinbarung gibt. „Ich würde gern später Trainer machen“, sagt Jaro, „aber dafür muss ich erst ausprobieren, ob es was für mich ist, ob ich es kann. Denn eine lange Karriere garantiert nicht auch gleich, dass man ein guter Trainer wird. Deshalb werde ich mich selbst testen.“ Das sei am besten, indem er Jugendteams zu Beginn trainiere. „So ist es geplant.“

Einen Plan hat Jaro auch für das Spiel bei Hertha. Oder besser: er hat einen Traum. Den vom Tor. Von einem Tor, wie man es jedem Fußballer ab der B-Jugend zutraut, nur ihm nicht. „Das sagt man so“, lacht Jaro, auf seine bekannte Fernschussschwäche (das ist nicht böse gemeint, ich schreib’s nur, weil Jaro da durchaus selbst über sich lachen kann) angesprochen, „aber aus der Entfernung treffen aber in der Bundesliga auch nicht alle.“ Zur Erinnerung: Nach einer unglücklichen Rettungsaktion des Hertha-Ersatz-Ersatzkeepers Sascha Burchert bekam Jaro den Ball rund 35 Meter vor dem Gastgebertor vor die Füße, zog ab und traf. „Ich vergesse meine Tore eh selten, weil es ja nicht sooo viele sind. Aber das Tor merkt man sich besonders. Zumal Zé Roberto anschließend aus 44 Metern traf.

Ob sich Jaro noch an den damaligen Tabellenplatz erinnert? „Nein“, sagt Jaro, „nur, dass wir 3:1 gewonnen haben, Mladen sich in dem Spiel noch schwerer verletzt hat und wir anschließend ne ziemliche Durststrecke hatten.“ Fürwahr. Sieben Spiele in Folge konnte der HSV nicht gewinnen und fiel nach einem der besten Saisonstarts vom ersten Tabellenplatz (nach Hertha) auf den fünften Rang zurück. Ein Trend, der sich seither leider fortsetzte und mit der Verpflichtung Thorsten Finks gestoppt werden sollte. Das mit durchschnittlichem Erfolg. Auch wenn Kämpfer Tomas Rincon das etwas anders sieht. „Ich habe mir die ersten 30 Minuten des Dortmund-Spiels noch mal angeguckt und muss sagen, dass Dortmund gar nicht so überragend war“, überraschte mich der stets selbstkritische, ehrgeizige, „hätten wir das 1:1 gemacht, wäre es vielleicht alles anders gekommen.“

Mmmh…..vielleicht also…., okay. Einem ehrlichen Arbeiter wie Rincon verzeiht man auch mal ein wenige fehlende Selbstkritik. Zumal dann, wenn er es gut meint. Oder einfach nur sagt, weil er angefressen ist. Auf jeden Fall aber ist bei Rincon zu spüren, dass er mächtig viel Wut im Bauch hat, die sich gegen Hertha entladen dürfte. Wie viele Gelbe er schon hat? „Drei“, kommt es von Rincon wie aus der Pistole geschossen, „und die letzte Karte ist ewig her.“ Wird also Zeit? „Wartet es ab!“

Aua.

Das dachte ich auch, als Heung Min Son gegen den SV Rugenbergen in der 11. Minute völlig freistehend vor Dennis Schultz kläglich vergab. „Sonni trifft im Moment einfach nicht das Tor“, hatte uns Trainer Thorsten Fink gestern erklärt, als wir fragten, weshalb zunächst Tesche und nicht der Südkoreaner gegen Dortmund auflief. Worte, die ebenso ehrlich waren wie sie Druck erzeugen können auf einen Spieler, der genau damit seine Probleme zu haben scheint.

Aber gut, auch Son muss lernen, mit solch einem Druck klarzukommen. So, wie in der 18. Minute gegen den Oberligisten. Nachdem Jansen bereits in der 8. Minute das 1:0 erzielen konnte, war der Südkoreaner wieder der, den wir aus den verschiedenen Vorbereitungen kennen. Einen schönen Steilpass verwertete er höchst gekonnt mit einem Schlenzer ins rechte, obere Toreck. Ein schöner Treffer, der ihm gut tat. Keine drei Minuten später schickte er Jansen mit einem perfekten Außenristpass steil – doch der vergab.

Es hatte schon etwas von Juventus Turin in der Imtech-Arena. Denn sie war leer. Jeder der rund 250 Zuschauer war einzeln zu hören, Stimmung machte nur eine kleine Gruppe sehr junger SVR-Fans. Und die applaudierten auch fair, als Michael Mancienne nach einem Aogo-Eckball sehenswert mit der Hacke das 3:0 besorgte und Son in der 31. Minute Arslan freispielte, der frei vor Schutz selbigen tunnelte – 4:0. Und die „Son-Show“ ging weiter. Gegen völlig überforderte Rugenbergener erzielte der von Fink zuvor in die Pflicht genommene Südkoreaner nach Behrens’ 5:0 (Lupfer nach Pass von Arslan) per Foulelfmeter zunächst das 6:0, um in der 40. Minute mit einem wunderschönen Lupfer aus 17 Metern das 7:0 zu besorgen. „Sonni muss auch mal zum richtigen Zeitpunkt ein Tor machen“, hatte uns Fink gestern gesagt – und sein Stürmer hat gehört. Drei Tore, ein Assist – das war okay. Obgleich auch diese Treffer nicht ausreichen dürften, um Mladen Petric oder Paolo Guerrero zu verdrängen. Wohl aber, um beim nächsten Mal den Vorzug vor Tesche zu erhalten…

Ein Oberligist, bei dem Torwart Dennis Schultz glänzen konnte, als Aufbaugegner. Vor allem für Son. Und deshalb ließ Fink seinen Youngster auch auf dem Platz, als er Guerrero und Petric zur zweiten Halbzeit brachte. Son spielte links, Guerrero als einzige echte Spitze, Petric kurz dahinter. Und es dauerte bis zum nächsten Tor. Allerdings war es wieder Son, der vorbereitete, Guerrero musste nur noch einschieben – 8:0. Und jetzt ging es Schlag auf Schlag. Petric nach schönem Lupfer-Doppelpass mit Guerrero zum 9:0 (69.) und wieder Son auf Petric – 10:0 (70.). Nochmal Petric und Rincon schraubten das Ergebnis auf 12:0 hoch. Das wars…

HSV: Drobny (46. Mickel) – Behrens (Bergmann), Mancienne, Rajkovic, Aogo (46. Ingreso) – Lam (46. Sala), Kacar (46. Jarolim), Tesche (46. Rincon), Jansen (Petric), Arslan (46. Guerrero), Son.
Tore: 1:0 Jansen (8.), 2:0, 6:0, 7:0 Son (18., 36., 40.), 3:0 Mancienne (27.), 4:0 Arslan, 5:0 Behrens (34.), 8:0 Guerrero (66.), 9:0, 10:0, 11:0, Petric (69., 70., 89.), 12:0 Rincon (90., FE.).

Das war es für heute. Son hat (wenn auch wieder nur gegen einen unterklassigen Gegner) seine Torgefahr wiederentdeckt und Guerreros Heimtorserie hat gehalten – sehr viel mehr war dieser Test leider nicht wert. Wobei der Fairness halber erwähnt werden muss, dass der mir persönlich sehr sympathische SVR gerade erst mit der Vorbereitung begonnen hat und dieses Spiel erst sehr kurzfristig angesetzt wurde. Ansonsten hätten sich die sympathischen Bönningstedter sicher etwas tapferer geschlagen… Frei nach Rincons Worten: „Die ersten sieben Minuten waren gar nicht so schlecht…“

In diesem Sinne, meine Hände sind eingefroren. Bis morgen,

Scholle (20.16 Uhr)

P.S.: Der HSV hat für 300.000 Euro den dänischen U19-Nationalspieler Christian Norgaard verpflichtet. Der 17-jährige offensive Mittelfeldspieler wechselt von Lyngby BK in die Hansestadt und unterschreibt bei den Rothosen zunächst einen Jugendfördervertrag für die Nachwuchsmannschaften. Norgaard kam in den vergangenen Jahren bei der U16 (1 Einsatz), U17 (21 Einsätze/3 Tore) und aktuell bei der U19 Nationalmannschaft (5 Einsätze) Dänemarks zum Einsatz und debütierte am 20. November 2011 bei der ersten Mannschaft von Lyngby BK in der Superligaen. Der 1,85 Meter große Rechtsfuß wird zunächst bei der U23 des HSV mitmachen.

So, das war Scholle. Bitte gestattet mir (Dieter) aber, hier noch eine ganz, ganz traurige Meldung zu veröffentlichen:

Drei Stunden nach dem Dortmund-Spiel ist Remo gestorben. Remo, der ein italienisches Restaurant in Eppendorf hatte, der einer der größten HSV-Fans aller Zeiten war, bei dem wir mit dem HSV oft Weihnachten gefeiert haben, bei dem sich viele, viele HSVer stets unheimlich wohl gefühlt haben.
Ich habe kurz vor dem Anpfiff noch mit Remo gesprochen – er stand rauchend vor der Bus-Einfahrt der Arena. Ich hatte keine Zeit, weil ich die Gewinner-Karten übergeben musste (der Gewinner wartete draußen) – und Remo sagte zu mir: “Das ist typisch, das ist richtig typisch für dich – du hast nie Zeit, du denkst immer nur an Arbeit . . .”
Nein, lieber Remo, jetzt denke ich an Dich, und ich bin unendlich traurig, dass ich keine Zeit mehr für Dich hatte. Du warst ein prima Kerl, ein großartiger Mensch, ein Super-HSVer. Ich werde stets ehrenvoll an Dich denken – danke, dass ich Dich kennen lernen durfte. Und alles Gute für Dich dort oben, ich weiß, dass Du dem HSV weiterhin verbunden bist, und dass Du ihm kräftig die Daumen drücken wirst.
Dieter

Fink: “Hertha wird ein Gradmesser für uns”

24. Januar 2012

„Herr Matz, können Sie nicht mal schreiben, dass die HSV-Profis die Fans grüßen könnten und sollten, wenn sie auf den Trainingsplatz gehen? Dennis Aogo macht es doch auch, und ein Heiko Westermann ebenfalls. Warum machen das nicht alle?“ Okay, habe ich hiermit gemacht. Übrigens, das habe ich heute auch beobachtet, Trainer Thorsten Fink grüßt auch. Generell aber denke ich, dass wir (alle) im Moment ganz andere Sorgen haben – oder haben müssten. Wir alle haben dieses 1:5 noch zu verarbeiten, zu verdauen, zu verkraften. Und ich bin damit immer noch nicht durch. Die Spieler und die Trainer aber sollten schon weiter sein. Sie müssten dieses Debakel abgehakt haben, um konzentriert in Richtung Berlin zu marschieren. Der Coach hat gestern schon intensiv mit der Mannschaft gesprochen, hat auch Einzelgespräche geführt, und so ging es auch heute noch weiter.

Dabei hat Thorsten Fink herausgefunden, warum die Mannschaft, sein Team, keinen Mumm hatte gegen Dortmund: „Wir wollten zu viel. Jeder dachte daran, dass wir zuvor neun Spiele unbesiegt waren, und dass man deswegen auch gegen den Meister bestehen kann. Jeder dachte, dass man den BVB in Bedrängnis bringen könne, dass man gegen die Dortmunder großartig aufspielen könne. Damit hat sich die Mannschaft dann zu sehr unter Druck gesetzt, jeder hat viel zu viel von sich erwartet.“ Thorsten Fink dann weiter: „Als dann aber gleich zu Beginn die ersten Fehlpässe gespielt worden sind, waren alle guten Vorsätze schnell dahin, war das Selbstvertrauen auch schon verschwunden. Wir müssen lernen daraus. Wir haben gesehen, dass Dortmund eine andere Kategorie ist, wir müssen uns messen mit Gegner wie Berlin oder auch Köln, die Spiele gegen diese Gegner müssen wir gewinnen, da müssen wir zeigen, was wir können.“

Gegen Dortmund langte dieses Können eben nicht. Und das ganz eindrucksvoll. Fink: „Wir haben gelernt, was wir eigentlich können. Dass wir mit einem solchen Gegner nicht mitspielen können, dass wir uns alles hart erarbeiten müssen, dass wir fighten müssen, das wir uns spielerisch nicht alles erarbeiten können. Wichtig ist für mich nur, dass wir solche Spiele nicht wiederholen. Wir dürfen nicht wieder mit einer zu großen Erwartungshaltung in ein solches Spiel gehen, so etwas sollten wir in dieser Saison nicht haben.“ Weil der Abstand zu den Spitzenmannschaften der Bundesliga groß, vielleicht sogar sehr, sehr groß geworden ist. In der vergangenen Saison gab es zwar auch schon diesen Abstand, aber immerhin schaffte es der HSV, den auf dem Weg zum Titel marschierenden BVB fast zum Stolpern zu bringen (1:1). Diesmal aber war der Klassenunterschied einfach zu gravierend. Das ist die Realität.

Im Übrigen stellte Thorsten Fink fest: „Ich habe nie vom Uefa-Cup gesprochen, das ist vielleicht ein Ziel in zwei, drei Jahren. In dieser Saison heißt mein Auftrag, nicht abzusteigen, und deswegen streben wir einen Mittelfeldplatz an. Und das kann die Mannschaft, denn da stehen wir mit einigen Mannschaften auf Augenhöhe – nur mit der Spitze eben im Moment nicht.“ Mit Uefa-Cup ist natürlich die Europa League gemeint.

Um schnell noch das heutige Training abzuhandeln – und ich werde auch garantiert nicht davon berichten, wie „toll die Stimmung schon wieder“ war. Es begann mit einem ganz kurzen Einlaufen, es folgte ein Zirkeltraining, dann ein langes, über ein halbe Stunde andauerndes „Vier-gegen-vier-Spiel“ mit Anspielstationen am Rande, und zum Abschluss ein sehr intensives Spielchen auf vier Ein-Meter-Tore. Da war dann Leben in der Bude, wurde es laut, ging es tüchtig zur Sache. Aus Wurt über ein Gegentore drosch erst Marcell Jansen den Ball in die Botanik, anschließend auch noch Heiko Westermann. Ein gutes Zeichen: Mann kann sich auch schon wieder über Fehler im Training ärgern – über Fehler der Mitspieler natürlich (nur).

Gefehlt hat heute Dennis Diekmeier, der zwar da war, aber auch schnell wieder ins Auto stieg und sich auf den Heimweg machte. Der Trainer sagte als Grund: „Migräne.“ Aus dem Pressebüro hieß es: „Leichter grippaler Infekt.“ Ebenfalls gefehlt hat Ivo Ilicevic, der eventuell morgen wieder einsteigen könnte. Das wäre wohl auch der allerletzte Zeitpunkt, um für den Sonnabend in Berlin noch eine (kleine) Rolle spielen zu können, ansonsten dürfte er erneut zum Zusehen verdammt sein. Ausfallen wird auf jeden Fall Per Ciljan Skjelbred, der immer noch Schmerzen (und Flüssigkeit im Bein) nach einer Schienbeinprellung hat. „Was für ihn besonders schade ist, denn er hatte zuletzt viele sehr gute Szenen, hatte sich in die engere Wahl gekämpft – eine dumme Sache für ihn“, sagte Thorsten Fink über den Norweger. Für mich isst das trotz dieser langwierigen Verletzung positiv, denn immerhin scheint Skjelbred, der bislang noch gar nicht angekommen war in Hamburg, ja doch noch zu kommen. Schön wäre es auf jeden Fall. Zumal sich meine Hoffnungen damit auch bestätigen würden, denn ich hatte schon während der Winterpause geschrieben, dass ich noch einiges von ihm erwarte. Vielleicht sogar in der zentralen Rolle hinter der Spitze (den Spitzen?).

„Wir müssen jetzt in Berlin gewinnen“, sagt Thorsten Fink voller Optimismus. Er blickt voraus, hat dieses leidige 1:5 schon abgehakt, auf jeden Fall schon verdrängt. Der Coach denkt sicherlich auch schon an das nächste Heimspiel – gegen den FC Bayern. Da ist es nämlich wieder, das harte Startprogramm aus dem Sommer 2011. Fink: „Natürlich wissen wir, dass schwere Spiele auf uns warten, es wiederholt sich ja jetzt. Wer aber hat denn schon erwartet, dass wir aus den ersten drei Spielen des Jahres neun Punkte holen würden? Am Ende müssen wir unser Ziel erreichen, und das ist ein gesicherter Mittelfeldplatz, auch ein Nicht-Abstiegsplatz. Aber auf dem werden wir dann auch stehen.“

Über den kommenden Gegner befindet Fink: „Das wird schwer genug. Für beide. Auch Hertha steht mit dem Rücken zur Wand, die Berliner müssen dieses Heimspiel gewinnen. Wenn sie nicht gewinnen, dann wird es auch für sie schwierig, denn sie sind ja nur einen Punkt vor uns. Deswegen stehen beide Mannschaften unter Druck.“ Und der Trainer fügt noch ergänzend an: „Für uns ist Hertha ein Gradmesser.“ Auch deswegen setzt Fink wieder auf Spieler, die hundertprozentig fit sind: „Wir brauchen läuferisch gute Spieler. Und dann muss ich sagen, dass ich mich schon auf dieses Spiel freue, auch wenn wir zum Start jetzt schon mal so hoch verloren haben.“

Thorsten Fink will in Sachen Aufstellung diese Woche abwarten, sich die Trainingsleistungen eines jeden Spielers ganz genau anschauen: „Es gibt ja Spieler, die aus dem Training nichts mitnehmen, aber es gibt auch Spieler, die sagen, dass sie es allen jetzt erst recht zeigen wollen – und solche Spieler brauche ich jetzt, die werden dann auch spielen.“

Wobei die Kollegen beim Thema waren: David Jarolim. Warum hat der Tscheche zuletzt keine Rolle mehr gespielt, obwohl Robert Tesche und Gojko Kacar bislang kaum überzeugen konnten, meistens sogar keinerlei Akzente setzen konnten. Ich hatte dazu Frank Arnesen gefragt, denn es gibt ja das Gerücht, dass der HSV Jarolim von der Gehaltsliste haben will, weil er noch zu den besser verdienenden HSV-Profis gehört – und im Mittelfeld eben leichter ersetzbar ist, als zum Beispiel ein Stürmer. Arnesen aber wies das von sich: „Das stimmt nicht. Nicht wir wollen Jarolim loswerden, er kam ja zu uns. Er will mehr spielen, und wenn ein so verdienter Spieler dann weg will, dann bin ich dafür, dass man ihm auch keine Steine in den Weg legt.“

Mag ja auch sein, dass David Jarolim den Wunsch zuerst geäußert hat, den HSV verlassen zu wollen – aber warum denn? Weil er nicht mehr zum Zuge kam. Das, obwohl Tesche und Kacar keine Bäume ausrissen. Und das kann ja auch Trick 17 sein. Wie schafft es ein Profi-Klub, einen Spieler los zu werden? Indem man den betreffenden Spieler an den Rand drängt, ihn nicht mehr spielen lässt. Dann wird er sich schon von allein nach einem neuen Arbeitgeber umsehen – oder seinen Berater damit beauftragen.

Noch aber ist Jarolim beim HSV. Und ich denke, er wird es auch auf jeden Fall bis zum Sommer sein. Zu diesem Thema befand Thorsten Fink: „Wenn ich Jarolim nicht mehr beim HSV gewollt hätte, wäre er schon längst weg. Das möchte ich mal zuerst sagen. Dann hätte ich ihm gesagt, dass er bitte gehen möge. Ich glaube aber, dass wir ihn in dieser Saison noch gebrauchen können, gerade im Abstiegskampf – wenn einer dieses Wort gebrauchen will. Ich sage, dass es einen Abstiegskampf ja meistens erst zum Schluss einer Saison gibt – wir sind im Moment mit unten drin. Aber damit können wir David Jarolim sehr gut gebrauchen, er hat eine große Erfahrung vorzuweisen, er ist sehr, sehr fleißig, er ist ein Vorbild-Profi – Hut ab. Auch wie er die Sache verarbeitet hat, dass er zuletzt nicht gespielt hat, das ist schon sehr professionell. Er ist für Sonnabend durchaus eine Alternative, aber es kommt auch darauf an, wie er in dieser Woche trainiert.“

Dass der Trainer im vergangenen Jahr nicht mehr auf den Tschechen gebaut hatte, das erklärte er wie folgt: „Ich hatte zu Beginn meiner Zeit beim HSV einer Elf die Chance gegeben, und diese Elf hat in acht Spielen nicht verloren. Warum sollte ich da also großartig wechseln? Die beiden Spieler, die im Mittelfeld gespielt haben, Gojko Kacar und Robert Tesche, die haben mich am Anfang beeindruckt. Und mein Bauchgefühl war richtig, denn mit ihnen haben wir ja auch eine gute Serie gestartet.“ Und ist es denkbar, dass es im Mittelfeld auch einmal das Paar Jarolim/Tomas Rincon gibt? Fink: „Warum nicht? In der Situation kann man das auch machen. Es kommt immer darauf an, was wir brauchen. Wenn wir in einem Spiel defensiver stehen wollen, wenn wir defensiv gut organisiert sein wollen, dann kann das durchaus passieren. Wir wissen aber auch, dass Kacar und Tesche im Offensivbereich größere Qualitäten haben – es kommt eben auf die Mischung an. Eine Alternative wären Rincon/Jarolim aber auf jeden Fall.“

Und noch eine Alternative wird es (mehr) geben: Jacopo Sala. Der Italiener hat sich in den letzten Wochen in den Vordergrund gespielt, und auch er kann darauf hoffen, in Berlin in der Anfangsformation zu stehen. Für Zhi Gin Lam? Auch für Gojko Kacar könnte es eng werden für das Wochenende. Zu sehr hat der Mittelfeldspieler bislang enttäuscht. Fink: „Er hatte kein Vorbereitungsspiel mitgemacht, aber er hatte in der Woche vor dem Dortmund-Spiel sehr gut trainiert, deswegen habe ich ihn aufgestellt.“ Der gute Eindruck hatte ganz offensichtlich getäuscht. Und Fink wird nach diesem Debakel vom Sonntag etwas ändern müssen, ganz klar.

Aber vielleicht spielt sich ja auch morgen noch ein ganz anderer Spieler in den Vordergrund. Die Test-Partie gegen Energie Cottbus ist abgesagt worden, es steht aber dennoch ein Testspiel auf dem Programm. In der Arena wird um 18 Uhr gegen den SV Rugenbergen gespielt, und dabei sollen alle HSV-Profis zum Einsatz kommen. Zuschauer sind zugelassen, es wird ein Block (wahrscheinlich im Norden) geöffnet. Unabhängig aber davon wird auch bereits morgens um 10 Uhr im Volkspark trainiert. Diese Woche geht ohne Trainingspause über die Bühne.

Ganz kurz noch in eigener Sache:
Es werden zwar keine Fäkal-Wörter benutzt, aber es wird dennoch ein ziemlich schlimmer Ton hier angeschlagen – nach einem 1:5 liegen die Nerven offenbar bei einigen ganz schön blank. Ich möchte trotz allem daran appellieren, im Umgang mit anderen Usern menschlich zu bleiben – es geht doch nur um den HSV, um den Fußball. Jeder hat seine eigene Meinung, die sollte sich auch niemand nehmen lassen – deswegen vernichtet Euch nicht gegenseitig.
Bei der Gelegenheit: Trotz der inzwischen eingeführten Moderation (die sehr gut funktioniert! Danke!) wird es die Registrierung bei Matz ab geben – das ist sicher, es wird nicht mehr lange dauern – ich sage mal, bis spätestens Ende Februar, es ist alles auf den Weg gebracht. Deswegen bitte ich alle “Alteingessenen” (wie zum Beispiel Eva, auch Randnotiz, Eiche Nogly und andere), noch ein wenig durchzuhalten. Bitte gebt nicht auf, lasst Euch nicht von denen, die alle und alles schlecht machen (weil sie auch sonst negativ durch das Leben gehen), entmutigen.
Vielen Dank an alle Matz-abber, dass sie sich hier jeden Tag mutig in den Blog stürzen, es kommen bald schon bessere Zeiten. Bei uns, für uns – und mit dem HSV.
Einen guten Abend für Euch und Eure Lieben.

19.44 Uhr

Westermann: “Keiner wollte den Ball haben”

23. Januar 2012

Um 11 Uhr, auf die Minute genau, kamen die HSV-Profis aus der Kabine und trabten in Richtung Volkspark ab. Elf Spieler und Thorsten Fink, der Trainer als einziger Dauerläufer ohne Mütze. Das bei miesestem Hamburger Schietwetter. Nur die Harten komm’ in Garten . . . Es kam von oben runter, was runter wollte. Und die armen Kameramänner, habe ich so bei mir gedacht (im warmen Auto sitzend), die dieses Szenario einfangen mussten. Diese Jungs hatten heute den härtesten Job. Obwohl: Nach einer solchen 1:5-Katastrophe am Tag danach zum Training zu kommen, das wird auch nicht ganz so leicht gewesen sein. Dieses Debakel hat Spuren hinterlassen, da bin ich mir sicher. Obwohl vor dem Volkspark-Lauf auch eine gute Stunde in den Katakomben der Arena gesprochen wurde. Trainer, Mannschaft – Spieler untereinander. Damit wurde die Klatsche aufgearbeitet. Teil eins jedenfalls. Es werden wohl noch einige Gespräche, auch unter vier Augen, folgen. Folgen müssen. Nach nur einer Sitzung gleich zur Tagesordnung übergehen, das dürfte dann doch wohl entschieden zu wenig sein. Auch im Hinblick auf die nächste – schwere – Aufgabe, am Sonnabend in Berlin.

Um noch einmal zu meinen Gedanken zu kommen, die mich im Auto beschlichen, als die Spieler und der Trainer losliefen: Ich dachte so bei mir, wie gut es doch der VfL Wolfsburg und sein Trainer/Manager haben. Die greifen einfach nur mal so in die Schatulle von VW, und schon sind acht neue Spieler da. Acht neue Spieler deswegen, weil die Hinrunde nicht so ganz nach den Vorstellungen der VW-Herren (und von Felix Magath) gelaufen war. Und wenn dem so ist, dann muss eben kräftig eingekauft und nachgebessert werden. Wie schön wäre das, wenn so etwas auch in Hamburg gegeben wäre. Jedenfalls für zwei, drei neue Spieler. Aber in Hamburg brauchen sie ja auch keine neuen Spieler. Sagen alle beim HSV. Hat mir heute der Kapitän gesagt („Unsere Mannschaft ist gut genug, das reicht dicke aus, um in dieser Saison die Ziele zu erreichen“), hat heute auch der Sportchef bekräftigt: „Unser Kader ist gut, mit unserer Mannschaft, die gegen Dortmund verlor, waren wir zuvor neun Spiele in der Bundesliga unbesiegt. Und mit dieser Mannschaft haben wir über zwei Monate hervorragenden Fußball gespielt, haben auch in der Vorbereitung sehr gut gespielt.“

Wobei ich finde, dass man darüber auch geteilter Meinung sein könnte, aber was soll es? Ich habe im Auto auch noch an die Freitags-Partie Mönchengladbach gegen den FC Bayern gedacht. Warum? Weil mir einfiel, dass Fußball offenbar doch auch ein Laufspiel ist. Getragen von Herz, Leidenschaft, Engagement. Immer dann, wenn ein Bayern in der Gladbacher Hälfte am Ball war, dann waren auch zwei Borussen zur Stelle, um zu stören. Ich dachte heute so still vor mich hin: Selbst wenn die Münchner mit 14 Spielern gespielt hätten, dann hätten eben 28 Gladbacher dagegen gehalten. Weil sie wollten, weil sie Biss hatten, weil sie sich einig waren: gemeinsam sind wir stark. Und dann kann man bekanntlich auch Berge versetzen.

Der HSV aber war, so wurde es dem Team von Trainer und Sportchef bescheinigt, mutlos. Nur wieso? Das wusste keiner eine Antwort. Thorsten Fink will das in Einzelgesprächen ergründen. Und während er das noch vor hat, fragte ich mich (immer noch im Auto sitzend), wieso der HSV eigentlich nicht ein wenig Geld in die Hand nimmt, um noch die eine oder andere Verstärkung an Land zu ziehen. Wenn nicht jetzt, wann dann? Würden die Handballer singen. Aber sicherlich werden jetzt viele „Matz-abber“ eine Antwort parat haben. Natürlich. Steht ja schon hier oben. Die Mannschaft ist gut genug, der Kader ist gut genug.

Obwohl Heiko Westermann heute auch gesagt hat, dass Dortmund beim 5:1 „eine Klasse besser als der HSV“ war. Und der Spielführer sagte auch noch: „Wir haben zwei Klassen schlechter als sonst gespielt.“ Und er fügte hinzu: „Wir hatten keinen Arsch in der Hose, keiner wollte den Ball haben, einige haben den Ball erst gar nicht gefordert. Wir hatten keinen Mumm, wir haben über volle 90 Minuten einfach nur schlecht gespielt.“ Keinerlei Widerspruch.

Die Zahlen der Statistik des Dortmund-Spiels:
Zehn Torschüsse für den HSV, 22 für den BVB. 8:6 Ecken für den HSV, 18:6 Flanken für den HSV, 55 Prozent Ballkontakte, 43:57 Prozent Zweikämpfe, 19:9 Fouls. Jeffrey Bruma hatte mit drei Torschüssen die meisten beim HSV, Lewandowski beim BVB mit sechs. Dennis Aogo war mit sechs Torschussvorlagen der Beste beim HSV, Kuba mit sieben beim BVB. Die meisten Ballkontakte: Westermann 73, Schmelzer 68. Die besten Spieler in Sachen Zweikämpfen: Aogo 64 Prozent, Piszczek 78.

„Uns sind die Grenzen aufgezeigt worden. Dortmund war gedanklich schneller, die haben sich die Bälle auch immer genau in den Fuß gespielt. Und in Deutschland gibt es keine andere Mannschaft, die so schnell umschalten kann. Aber wir werden aus diesem Spiel lernen . . .“ Sagt der Kapitän. Und gibt zu: „Natürlich hatte ich einen Hals. Deswegen bin ich auch zum ersten Mal gleich in die Kabine gelaufen. Ich wollte nichts Falsches sagen.“ Sehr gut überlegt.

Um noch einmal nach vorne zu blicken: „Wir schauen jetzt nur auf Berlin, werden uns auf dieses Spiel konzentrieren, und ich denke ja auch, dass wir die bessere Mannschaft sind, wollen dort spielerisch überzeugen, mit dem nötigen Mumm auftreten. Es geht weiter. Es war ja das erste Spiel, das wir unter dem neuen Trainer so abgeliefert haben.“ Von Abstieg will Westermann nichts wissen, er nimmt das Wort gar nicht erst in den Mund: „Ich sehe keine Gefahr. So lange wir unsere Sachen umsetzen, so lange sehe ich keine Gefahr für uns.“

Zum Thema Verstärkungen nahm auch Frank Arnesen noch ganz kurz Stellung: „Ich habe keinen Plan, ich habe keinen Spieler.“ Gemeint war: Er hat keinen Plan, woher er einen neuen Spieler nehmen sollte („Es gab in diesem Winter so wenige Bewegungen wie noch nie auf dem Transfermarkt“). Arnesen sagte auch: „Man solle nie nie sagen, man weiß doch nicht, was noch passiert, aber im Moment ist es so, dass wir in der noch verbleibenden einen Woche keinen neuen Spieler holen werden.“

Arnesen verfällt nicht in Panik. Er bleibt seiner Linie treu. Und sagt: „Ich bleibe ganz ruhig. Das war ein Spiel, das wir verloren haben. Ich gucke nicht nach oben, gucke nicht nach unten – das nächste Spiel ist die Nummer eins für mich. Gegen Hertha müssen wir eine Reaktion der Mannschaft sehen. Wir bleiben aber auf jeden Fall alle ganz ruhig.“ Und zu seiner Aussage mit „dem guten HSV-Kader“ fügte er ergänzend an: „Ich sage nicht, dass wir damit Meister werden, auch nicht dass wir auf Platz zwei, drei oder vier kommen – das habe ich nicht gesagt. Ich habe gesagt, dass unser Kader genug ist, um in der Bundesliga zu spielen.“ Und um nicht abzusteigen?

Wir werden uns in Geduld üben müssen. Und auch in Nachsicht. Weil der Kader ja, wir wissen es alle, zu Saisonbeginn dramatisch umgebaut worden ist.

Übrigens: Am Mittwoch gibt es ein Testspiel gegen Zweitliga-Klub Energie Cottbus (18 Uhr, Wolfgang-Meyer-Patz).

Und noch ein Termin. Morgen in einer Woche wird Thorsten Fink beim AUDI Star Talk Gast von Sport 1 sein (21 Uhr).

So, wer jetzt nicht mehr lesen möchte: Es folgen noch einige ausgesuchte Beiträge von „Matz-abbern“. Es ist ja fix was los im Blog, es sind schon einige Alteingesessene abgetreten oder werden es noch tun – es tut mir Leid. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Es wird – ganz besonders nach einem solchen 1:5-Desaster natürlich besonders scharf geschossen, da braucht man starke Nerven. Ich kann schon verstehen, dass man irgendwann einmal die Nase voll hat, hoffe aber trotz allem auf ein Wiedersehen – irgendwann.

Wer aber glaubt, dass „Matz-ab“ am Ende ist, dem sei gesagt, dass die Zahlen immer noch zur absoluten Zufriedenheit des Verlags sind. Da gibt es keine großen Schwankungen nach unten, weil sich schon lange viele User nur darauf beschränken, „Scholles“ und meine Beiträge zu lesen, aber keine dieser absolut „harmlosen“ und anonymen User-Kommentare. Also, um es auf den Punkt zu bringen: „Matz ab“ ist nicht am Ende, das Gegenteil ist der Fall. Nicht nur in Hamburg sitzen HSV-Fans . . .

So, nun zu jenen Beiträgen, die heute ins Auge stachen:

Bopsi schrieb:
„Schaut doch einfach mal ins Gesicht eines Großkreutz oder eines Kacars.
Bei wem sieht man den Willen zu gewinnen?
Fink war doch auch völlig ratlos auf der Bank, auch er hat der Mannschaft
so eine (Minus)Leistung nicht zugetraut.
Es wird der Kurzauftritt von Sala hier von einigen lobend erwähnt. Aber was
soll der Kerl denn bei 0:3 noch ausrichten?
Wollen wir nun wirklich die Mannschaft der Zukunft entwickeln, oder weiter
hoffen, dass Kacar, Tesche beim HSV endlich Bundesliganiveau erreichen?
Macht es Sinn mit Petric und Guerrero aufzulaufen, oder neben einen der
beiden z.B. Arslan zu stellen, der sich den Hintern aufreißt?
Skjelbred war Arnesens Mittelfeld-Stratege, so wurde er angekündigt, bei
Fink steht er nicht einmal im Kader.
Schluss mit Tesche und/oder Kacar, Skjelbred soll jetzt endlich ran,
schlechter ist er sicher nicht, ob besser, muß er jetzt beweisen.“

Mark Ihde schrieb:
„Der HSV hatte seit Jahren keinen Sportdirektor.
Vor 10 Monaten wurden Vorstand und Trainer entlassen.
Der nötige Neuaufbau wurde vom neuen Vorstand beschlossen und als erste
Massnahme ein vollkommen ungeeigneten Trainer beauftragt.
Wertvolle Zeit (Rückrunde und Saisonvorbereitung) wurden verschenkt und
eine verunsicherte Rumpfmannschaft taumelte durch die Hinrunde.
Sehr spät ersetzte der neue Sportdirektor den emotionslosen “Theoretiker”
durch einen erwiesenen “Zauberer” (frei nach Beckenbauer).
Fink gab der Mannschaft das bisschen Selbstvertrauen um die verbleibenden 8
BL Spiele gegen Durchschnittsmannschaften nicht zu verlieren.
Dann kommt der aktuelle BL Meister, der zudem seit dem 6. Spieltag kein
Spiel mehr verloren hat. Mit wunderschönem Pressing, wie zu besten
Happelzeiten, erdrückt eine, seit 2 Jahren eingespielte, Topmannschaft den
unterdurchschnittlichen HSV.
Bei jeder Ballannahme des BVB weiss der Spieler schon im voraus wo der Ball
hinzugehen hat – einfach genial …
Hattet ihr wirklich geglaubt, dass Fink ein “Zauberer” ist?
Hattet ihr vergessen, dass man ohne Sportdirektor keine BL Mannschaft
entwickeln kann?
Habt ihr das Pfeifen im Walde (EL Plätze) ernstgenommen?
Fazit:
Eine ganz normale Niederlage.
Die logische Konsequenz aller Verfehlungen der letzten 2 Jahre und nicht
das Unvermögen eines jungen und talentierten Trainers. Fink ist zwar kein
Zauberer, aber er wird den HSV vor dem Abstieg retten – und darum geht es.
Wer das nicht erkennt, ist ein netter Schreibling, aber kein
Fussballspieler.“

Und: Hier mal ein langer Kommentar von „patte“ ungekürzt:
„Hallo, ich schreibe nicht allzu oft, ich versuche aber hier immer so gut es geht mitzulesen.
Was bei über 600 Kommentaren wie heute nicht immer ganz leicht ist.
Natürlich kann man unterschiedliche Meinungen haben. Das ist sogar sehr von Vorteil, denn nur durch den regen Austausch über Meinungen kann man Synergieeffekte erzielen. Man muss allerdings darauf achten, dass man nicht zu starke Reibungsverluste hat.
Daher finde ich es eher positiv, dass man sich hier so rege austauscht.
Allerdings kommt man auch dabei selten an Fakten vorbei.
Fakt 1 ist, wir haben einen Sportdirektor. Das ist Frank Arnesen. Und der Mann hat im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten (die auch gleich Fakt 2 sind), Spieler gekauft und geliehen.
Fakt 2 ist, der HSV hat kein Festgeldkonto mit Millionen Beträgen. Die Handlungsfähigkeit quer durch den Verein ist stark eingeschränkt. Wir haben kein VW, wir haben kein SAP oder Bayer. Zum Glück hatten wir aber auch nie Teldafax.
Im Rahmen des Fairplays der UEFA bin ich allerdings auch gespannt, wie dann das Transfergebaren einen VfL Wolfsburg bewertet wird. Ausgaben, Ausgaben, Ausgaben…
Nun gut, zurück zum Thema. Der HSV hat einen Sportdirektor und kein Geld.
Der Sportdirektor hat meines Ermessens nach, und jetzt kommen wir in den Bereich Meinung, das bestmögliche versucht aus der Situation zu machen.
Allerdings hatten wir mehr Baustellen, als er kitten konnte. Und die Baustellen haben wir immer noch.
Jetzt kommt Fakt 3. Der Trainer, das ist Thorsten Fink. Die Fakten 1-3 werden sich übrigens bis Saisonende wohl kaum ändern lassen. Hierzu wieder meine Meinung…zu Fakt 1 und 3 ist das gut, Fakt 2 wäre anders natürlich besser.
Thorsten Fink hat gewisses Spielermaterial vorgefunden. Teilweise im Rohzustand.
Son, Töre, Sala, Skjelbred, Tesche, Kacar.
Fink ist jetzt seit gut vier Monaten unser Trainer. Zu Beginn der Saison, keine Ordnung, kein Spielaufbau, keine Taktik. Und gestern war es eine Doublette des Hinrundenspiels, mit Ausnahme gesteigerter Kaltschnäuzigkeit der Dortmunder.
Hier sehe ich leider gar keine Entwicklung.
Angesichts dass uns die Fakten 1-3 alle aber bis zum Saisonende begleiten werden, macht es meiner Meinung nach, wenig Sinn auf diese Fakten einzudreschen.
Außer dass man sich etwas Luft verschafft hat.
Ich halte den Kader durchaus für Erstligareif, aber auch ich sehe das Problem im Spielaufbau. Gestern waren die Außen lange gut zugestellt, und wir in der Mitte hoffnungslos überfordert. Einfach Doppelpässe haben uns aussehen lassen wie Kreisligisten. Einfach Ballverluste noch viel mehr (Kacar, Rincon).
Ich befürchte die Mannschaft hat sich gestern selber zu sehr unter Druck gesetzt, aber die Handlungsschnelligkeit ist denen völlig abgegangen.
Wir werden in der Saison an dem Kader nichts mehr ändern können. Damit wird man sich abfinden müssen, und das ist vielleicht auch gar nicht so schlecht.
Holt man jetzt für viel Geld einen Spieler, der dann aufgrund der Gesamtsituation aus welchen Gründen auch immer sich nicht zurecht findet, ist er zu Beginn der neuen Saison gleich wieder verbrannt. Für viel Geld.
So was ist auch schon in Wolfsburg passiert, das wollen wir doch hier nicht auch erleben.
Insofern denke ich, dass uns nichts übrig bleibt, als den Referenzen, die die Verantwortlichen durchaus vorzuweisen haben, zu vertrauen und unsere Mannschaft zu unterstützen, dass sie aus dem Loch da rauskommen.
Ich habe das Spiel in der Kneipe live gesehen, in der einen Ecke saßen johlend einige Dortmund Fans und mir ist es wirklich schwer gefallen, nicht ein Glas in die Ecke zu schmeißen.
Aber wir dürfen uns nicht gegenseitig hier die Hölle heiß machen und wir müssen die Verantwortlichen stützen. Wir können es uns auch einfach überhaupt nicht leisten (Geld, Image etc.) und schon wieder einen Trainer vor die Tür setzen. Wer das ernsthaft will, ist sich der Konsequenzen für künftige Verpflichtungen nicht bewusst.
Ich hoffe, dass wir gg. Berlin drei Punkte holen und vielleicht wieder etwas Ruhe einkehrt.“

PS: Morgen ist um 15 Uhr Training im Volkspark.

19.37 Uhr

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