Monatsarchiv für Januar 2012

Fink: “Wir hissen keine weiße Fahne”

31. Januar 2012

Im Westen der Arena liegt schon ein etwa 20 Meter breiter Rasenstreifen – über die gesamte Länge des Spielfeldes. Bald soll hier überall Rasen liegen, aber die Frage, die sich viele stellen, ist die: wächst das Grün auch bei minus neun Grad noch rechtzeitig bis zum Sonnabend um 18.30 Uhr, wenn die Partie gegen den FC Bayern angestoßen werden soll, noch an? „Das werden wir sehen“, sagt HSV-Trainer Thorsten Fink ganz gelassen und fügt hinzu: „Der Rasen war zu schlecht, der musste einfach ausgewechselt werden.“ Nun gut, wir werden es in der Tat alle erleben, ob da anwächst, was auch zusammengehört. Und wenn nicht? „Dann müssen ja ohnehin beide Mannschaften damit zurechtkommen“, sagt Fink. Er ist ja ein klarer Verfechter eines schönen Rasens, damit auch vernünftiger Fußball gespielt werden kann. Ob es aber gut war, dieses Wagnis noch so kurzfristig einzugehen – abwarten. Zur Not muss auf dem geheizten Trainingsplatz gespielt werden . . . Nein, natürlich ein Scherz. Weil der HSV da heute am Nachmittag ein kleines Trainingsspielchen gegen die eigene U 23 gewagt hat. Mit jenen Spielern, die in Berlin am Sonnabend nicht zum Zuge gekommen sind. Der Ausgang dieser HSV-gegen-HSV-Partie stand jetzt noch nicht fest.
Am Ende des Berichtes folgt die Ergänzung.

Für alle, die auf Nachrichten des HSV im Fernsehen lauern, für diese Fans hat Sport 1 heute etwas. Thorsten Fink ist im Audi Star Talk. In der Sport-Personality-Show hat sich der HSV-Cheftrainer im Gespräch mit Moderator Klaus Gronewald zu vielen Themenkomplexen geäußert. Die Sendung wird heute, Dienstag, um 21 Uhr auf Sport 1 ausgestrahlt.

Thorsten Fink über das Duell gegen den FC Bayern – Teil eins:
„Wir werden weder die weiße Fahne hissen noch schon vorher das Handtuch werfen. Wir fighten um unsere Punkte. Wir geben richtig Gas! Das ist das Einzige, was ich von meiner Mannschaft sehen will. Wir müssen kratzen, kämpfen und beißen. Das sind zwar die alten Sprüche von früher, aber das ist nun einmal so. Wir können im Moment spielerisch mit Bayern nicht mithalten. Aber wir können es schaffen, Bayern zu schlagen. Wir geben uns nie geschlagen! Gladbach hat gegen Bayern zu Hause auch gewonnen. Auch wenn Gladbach natürlich ein bisschen besser ist als wir. Aber ich glaube, dass unsere Mannschaft immer eine Chance hat!”

Thorsten Fink über das Duell gegen den FC Bayern – Teil zwei:
„In Berlin hat meine Mannschaft gezeigt, wie man gewinnen kann – auch wie man gegen den FC Bayern München gewinnen kann! Nämlich mit Disziplin, Einstellung und wenn man die Zweikämpfe gewinnt. Natürlich wissen wir, dass wir mit der Hinspiel-Leistung (0:5) und mit der letzten Leistung gegen Dortmund keine Chance haben. Aber meine Mannschaft hat gezeigt, dass sie den Schalter schnell wieder umlegen kann und auch das Selbstvertrauen hat. Das 1:5 gegen den BVB hat sie vielleicht beeindruckt, aber im letzten Spiel gegen Berlin haben sie gezeigt, dass sie einfach da und charakterstark sind. “

Thorsten Fink über die Zukunftsaussichten des HSV:
„Ich glaube, dass das Potenzial hier in Hamburg, in diesem Klub und in dieser Stadt steckt. Ich meine, wenn man sieht, wie viele Zuschauer da sind, was alles dahinter steckt. Das ist eigentlich schon ein Verein – Größe FC Bayern München. Aber natürlich sind wir aktuell noch weit, weit weg von den Bayern. Wir haben aber diese Träume, da einmal wieder hin zu kommen. Alles ist möglich! Auch Borussia Dortmund stand vor vier Jahren nicht da, wo sie heute stehen.“

Thorsten Fink über seine Zukunft beim HSV:
„Ich stelle mir einen Nationaltrainer immer so vor: Älter und schon alles als Klubtrainer erreicht – erst dann wird man Nationaltrainer. Aber schaun mer mal! Ich habe noch – hoffe ich – viele lange Jahre hier beim HSV.“

Thorsten Fink über das angebliche Interesse des FCB an Xherdan Shaqiri:
„Er ist halt ein frecher Hund, war schon mit 17 Jahren bei einer Weltmeisterschaft. Er ist frech, spielstark und dribbelstark! Er weiß, wo man hinlaufen muss. Er hat eine Figur wie Bixente Lizarazu. Wenn er dorthin (FC Bayern) gehen würde, ist das jemand, der Publikumsliebling werden kann. Allein schon von seiner Figur her. Er ist ganz klein und sieht aus wie ein Ninja Hero Turtle. Sehr sympathischer Junge, sehr offen!“

War ja auch mal beim HSV im Gespräch – jedenfalls hier bei Matz ab. Aber der gute Mann dürfte inzwischen für Hamburger Verhältnisse unbezahlbar geworden sein. Zumal Thorsten Fink auch in dieser Sport1-Sendung zweimal darauf hinwies, dass der HSV kaum Geld hat (für neue Spieler). Aber wenn Fink erst einmal die Bilanzen richtig lesen kann, wird er wohl vom Gegenteil überzeugt sein . . .

Fink ist ja inzwischen ein begehrter Partner der Medien, fast überall taucht der HSV-Trainer auf. Obwohl Medien-Direktor Jörn Wolf sagt: „Ich lehne pro Tag um die 50 Interview-Wünsche für Thorsten Fink ab . . .“ Die 50 ist natürlich übertrieben, aber es sollen schon unheimlich viele sein. Der Coach, der kürzlich ein sehr gutes Interview mit dem DFL-Bundesliga-Magazin hatte, der heute auch mit der „Süddeutschen“ und dem „Kicker“ sprach, aber erträgt es mit Gelassenheit: „Das gehört zu meinem Job, ich denke mal, dass es meine Aufgabe ist, den Verein nach außen hin zu vertreten. Ich fühle mich nicht damit überfordert. Und wenn ich mal eine Pause bräuchte, so werde ich mich mit Jörn Wolf schon in Verbindung setzen.“

Der ehemalige Bayern-Spieler Fink trifft nun auf „seine“ Bayern. Und da ist, ganz normal, das Interesse der Medien natürlich ein wenig größer, als vor zum Beispiel einem Spiel gegen den MSV Duisburg. Fink aber ist noch die Ruhe selbst: „Noch bin ich ganz relaxt. Wir haben heute erst einmal mit der Mannschaft das Berlin-Spiel aufgearbeitet. Was können wir besser machen, warum wir zum Schluss noch das 2:2 hätten bekommen können – obwohl das ungerecht gewesen wäre, denn wir haben 80 Minuten lang das Spiel kontrolliert und waren da die bessere Mannschaft.“

Zum Spiel am Sonnabend befand Fink: „Das ist natürlich immer ein besonderes Spiel, HSV gegen Bayern, das ist ein Klassiker. Ich werde aber nun vom HSV bezahlt, möchte auch noch lange in Hamburg bleiben, von daher sehe ich zu, dass wir mit dem HSV dem FC Bayern ein Bein stellen können. Das ist auch klar. Und ich weiß, dass es beim FC Bayern noch nicht so richtig rund läuft, wie sich die Herren das dort vorstellen, der FC Bayern spielt noch nicht hundertprozentig so, wie er es eigentlich könnte – und deswegen werden wir das im Auge haben. Wir wollen uns besser präsentieren, als gegen Borussia Dortmund, wollen gleich aggressiv ins Spiel gehen.“

Apropos Dortmund. Fink bemängelte rückblickend: „Die Dortmunder kommen hier nach Hamburg, und man hatte das Gefühl, dass es für sie um alles ging. Dabei sollte es doch so sein, dass es für uns um alles ging. Das hätte man sehen müssen, aber man sah es nicht.“ Fink weiter: „Wir sind gegen die Bayern Außenseiter, aber man gewinnt als Außenseiter gegen einen großen Verein nur, wenn man auch Zweikämpfe gewinnt. Das habe ich gegen Dortmund nicht gesehen. Und so geht es nicht. Wir können nicht mit einem so starken Gegner locker mitspielen, wir müssen uns alles hart erarbeiten. Das haben wir in der Hinrunde auch schon gezeigt. Wir haben uns da die Siege erkämpft. Das waren keine tollen Siege, sondern das war Kampf. Und das müssen wir auch in Zukunft machen. Wichtig ist, dass wir hinten sicher stehen.“ Und das war in Berlin lange Zeit der Fall. Für Thorsten Fink sind übrigens Dortmund und die Bayern die Meisterschafts-Favoriten, Schalke und Mönchengladbach sieht er am Ende nicht vorn.

Über den FC Bayern generell befindet der HSV-Trainer: „Der Klub hat auf der ganzen Welt seine Fans, er ist trotz seiner Größe stets familiär geblieben, hat ein gewisses Flair, und das wird eisern gepflegt. Das ist wichtig. Und das haben wir im Moment auch, denke ich. Wir sind ein großer Klub, haben zwar im Moment nicht die sportlichen Erfolge, aber wir wollen in Zukunft da wieder hinkommen. Das muss auf jeden Fall unser Ziel sein. Und da sind wir auf dem richtigen Wege. Aber jeder Schritt, wenn man etwas Vernünftiges aufbauen will, geht langsam. Wenn man von null auf 100 gehen will, dann geht man meistens auch so wieder ab. Schön langsam aufbauen, das sollte das Ziel sein.“

Auch das Thema Standards wurde heute noch in der Kabine angesprochen. Fink: „Wir haben in der 89. Minute einen Freistoß vorne, den muss man ja nicht in den Strafraum der Berliner hauen, um so einen Konter einzufangen. Den kann man auch quer spielen, dann bleibt man im Ballbesitz. Aber das sind so Kleinigkeiten, die wir noch besser machen müssen. Mit dem Einsatz meiner Mannschaft aber war ich zufrieden, so stelle ich mir das vor: Räume eng machen, konzentriert bei der Sache sein, diszipliniert spielen –und das haben wir in Berlin schon gut gemacht.“

Noch kurz zu den Standards des HSV. Während des Trainings erhielt ich einen Anruf eines „Matz-abbers“, und da wurde mir gesagt, dass der HSV mit seinen Standards und den daraufhin erzielten Toren in der Bundesliga-Statistik an erster Stelle rangieren soll. Toll. Wenn dem so ist, ist es mir eigentlich egal. Denn bei noch besserer Ausnutzung der Standards wäre der HSV wohl auf lange Zeit uneinholbar. Ich bin ja nicht der einzige Hamburger, der Tomaten auf den Augen hat (um es einmal scherzhaft zu sagen), ich sehe doch, was ich sehe – und da sehe ich ganz klar noch deutliche Verbesserungsmöglichkeiten. Statistik hin, Statistik her.

So, wie es jetzt aussieht, wird jene Mannschaft gegen den FC Bayern auflaufen, die auch gegen Hertha BSC gewann. „Es gibt wenig Grund, jetzt etwas zu ändern“, sagt Fink.
Zur Verletzten-Lage: Zhi Gin Lam hat einen kleinen Muskelfaserriss in der Wade, muss noch pausieren, Markus Berg soll nach seinem Schlüsselbeinbruch am Montag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen, und Per Ciljan Skjelbred könnte nach seiner schweren Schienbeinprellung bereits morgen wieder dabei sein. Es geht also bergauf.

Zum Trainings-Programm am Vormittag: Warmlaufen, Passen in gewissen Spielzügen, dann zum Abschluss zwei Stationen mit dem inzwischen schon bekannten „Vier-gegen-vier-Spiel“ – mit jeweils zwei Spielern am Rande, die auf ein Zuspiel warten müssen. Das war er schon, der Vormittag.

Am Nachmittag dann ein Novum: Um 15 Uhr trainierte die „Hertha-Mannschaft“ unter sich, und um 16 Uhr beginnt gleich das Trainingsspielchen Reservisten gegen U 23.

Kurz noch zu Heung Min Son, mit dem es am Montag ein intensives Gespräch (mit Trainer und Sportchef) gab. Thorsten Fink sagt über den Koreaner: „Es gibt kaum einen 19-jährigen Spieler in der Bundesliga, der so weit ist wie Son. Es gibt Götze, aber auch Özil hat zwei Jahre gebraucht, um nach oben zu kommen, Son hat eine große Zukunft bei uns, Er hat alle Qualitäten, aber er darf nicht vergessen, dass bei ihm zu Beginn seiner Zeit beim HSV alles geklappt hat. Er war noch viel jünger, er war unbekümmert, er hat nicht nachgedacht während eines Spiels – nun denkt er aber nach. Im Moment sehe ich aber unsere Situation, und in der muss ich auf Erfahrung setzen. Son wird sich bei uns durchsetzen, weiterentwickeln – wir haben mit ihm einen Spieler mit großem Potenzial, mit großer Zukunft, aber er muss wissen, dass man mit 19 nicht jedes Spiel machen kann. Und das weiß er auch.“

So, zwei kleine Dinge noch:
Heute um 21 Uhr Sport1 Thorsten Fink sehen, morgen ist um 15 Uhr Training im Volkspark.

Nun werde ich zum Training gehen, werde mir auch das Trainingsspielchen ansehen – und es hier hinterher noch ergänzend reinstellen.

So, nun noch das Spielchen. Nachdem meine Hände wieder aufgetaut sind (trotz aller Handschuhe waren sie kurzfristig eingefroren) und meine Ohren wieder dran sind (waren wegen der Kälte kurzzeitig abgefallen) kann ich von einem 4:1-Sieg der B-Mannschaft über die U 23 berichten. Die meisten Spieler waren mit langen Hosen angetreten (darüber aber die kurzen), es war ein kurzweiliger Kick. Heung Min Son (2), Tolgay Arslan und Slobodan Rajkovic schossen die Tore für die Profis, den Ehrentreffer markierte Sören Bertram.
Fragt mich bitte nicht, wer dabei geglänzt hat – ich war kurzzeitig mit zwei Matz-abbern in einem Kiosk, um einen heißen Kakao zu trinken (es wurden zwei Tees darauf – mangels Kakao-Masse). Das musste sein, um nicht zu erfrieren.

Bei der U 23 mischte erstmalig der 17-jährige Däne Christian Norgaard mit. Eher unauffällig. In meinen Augen, aber ich habe ja auch nicht alles gesehen. Deswegen sprach ich nach dem Spiel noch mit Co-Trainer Richard Golz (U 23). Der ehemalige HSV-Keeper befand über den Neuzugang: “Er hat gut gespielt, zeigte ein gutes Spielverständnis und ging gute Laufwege. Mehr konnte niemand von ihm erwarten, denn er hatte ja erst am Vormittag erstmalig bei uns trainiert. Und er hatte vorher schon lange kein Training und kein Spiel mehr gehabt. Alles war gut.” Und, Richard, alle heil geblieben? Golz – und dafür liebe ich ihn wirklich, in seiner bekannten trockenen Art: “Alle diejenigen, die mal angeschlagen am Boden liegen geblieben waren, sind auch wieder aufgestanden. Bis auf die, die erfroren sind . . .” Herrlich, “Richie”, einfach herrlich.

Bei den Profis lagen erst einmal Heung Min Son am Boden und musste behandelte werden, später lag auch Ivo Ilicevic auf Höhe Mittellinie draußen – aber sie kamen alle wieder, niemand ist erfroren.
Auch ich nicht.
Einen schönen Abend noch auf Sport 1.
Aktualisiert um 19.04 Uhr

Standards machen den Unterschied in der Liga

30. Januar 2012

„Der nächste Gegner ist immer der schwerste.“ Hat einst der legendäre Bundes-Sepp gesagt, der Herr Herberger. Als hätte er an das nächste Spiel des HSV gedacht, und damit an den Klub, der einmal mehr seine Visitenkarten im Volkspark abgeben wird: Bayern München. Wobei man streiten könnte, ob nun Borussia Dortmund, der FC Schalke 04 oder Borussia Mönchengladbach (fast hätte ich jetzt auch noch Rot-Weiß Oberhausen mit Mario Basler geschrieben – weiß gar nicht wieso?) nicht doch noch ein wenig stärker als die Münchner wären. Für mich jedoch sind die Bayern immer noch bärenstark – und weiterhin auch mein Meisterschafts-Favorit Nummer eins. Aber man hat ja schon Pferde vor der Apotheke . . .

Im Fußball ist ja alles möglich, obwohl HSV-Trainer Thorsten Fink (und auch so manch anderer Experte) ja kürzlich mehrfach betont hatte, dass sich der HSV mit Hertha BSC und Köln messen könne, aber nicht mit solchen Kalibern wie Bayern und Dortmund und Co. An diesem nun zurückliegenden Wochenende aber hat ein Klub in Spanien schon bewiesen, dass man die Flinte nie zu früh ins Korn werfen sollte. Der arg abgerutschte FC Villarreal ertrotzte von der Über-Mannschaft des FC Barcelona ein nie erwartetes 0:0 – das so manchen Tipper entsetzt haben dürfte. Aber was beweist dieses 0:0 wieder einmal? Im Fußball ist tatsächlich alles möglich. Und so doll war das 2:0 der Bayern gegen den VfL Wolfsburg ja nun auch wieder nicht.

Wobei ich, warum auch immer, beim HSV bin. Sicher war die Leistung beim 2:1 in Berlin nicht überragend, aber sie war immerhin so gut, dass es mal wieder einen Sieg gab – nach den beiden 2:1-Erfolgen in Freiburg und Stuttgart der dritte Dreier in der Fremde. Was mich immer noch beschäftigt: Standards. Wie gefährlich die des Gegners sind, wie ungefährlich die des HSV dagegen. Das begann in diesem Jahr ja auch schon beim Dortmund-Spiel: Jeder Eckstoß, jeder Freistoß des Meisters brachte Gefahr vor dem HSV-Tor. Und zwar nicht nur Gefahr, es wurde stets brandgefährlich. Die Fragen, die sich daraus ergeben: Hat der HSV kaum noch gute Kopfballspieler, die sich im eigenen Strafraum auch durchsetzen können? Sind die HSV-Spieler im Schnitt zu klein – und die gegnerischen Angreifer zu groß? Und hat der HSV zu wenige Spieler, die einen Freistoß mit dem nötigen Ballgefühl vor das gegnerische Tor schlagen können?

„Scholle“ sagt mir gerade, dass Dennis Aogo, Mladen Petric und Heung Min Son fast nach jedem Training noch Freistöße üben. Die direkten. Das ist ja auch gut so. Wo aber sollen die als Vorlagen gedachten Freistöße hin? Ganz sicher nicht, wie zuletzt in Berlin vielfach gesehen, auf den ersten gegnerischen Abwehrspieler. Und deswegen muss daran verstärkt gearbeitet werden. Und was machen die zu kleinen Spieler beim HSV? Langt ein Heiko Westermann als starker Kopfballspieler nicht aus? Fest steht, und darüber sprachen wir vor dem Spiel in Berlin schon in der Redaktion: Mit David Jarolim, der neu in die Mannschaft kam, und Tomas Rincon gibt es schon mal zwei kleinere „Sechser“. Robert Tesche ist größer, galt unter Trainer Michael Oenning auch als kleines „Kopfballungeheuer“. Das aber nie in Erscheinung trat. Weder vorne noch hinten. Und ich erinnere mich an eine Szene aus dem Dortmund-Spiel, in dem es bei einem Eckstoß für den HSV folgende Szene gab: Absicherer nach hinten waren Rincon und – der kopfballstarke Tesche. Den ich natürlich im BVB-Strafraum erwartet hatte.

Zurück zu den Spielern mit Gefühl. Dennis Aogo ist offenbar ein solcher. Von seinem Freistoßtor in Trier werden sie beim HSV noch in Jahrzehnten sprechen . . . Und in Berlin fiel mir auf, dass Aogo auch einen Eckstoß von der rechten Seite (!) vor das Hertha-Tor beförderte. Da dachte ich schon an den FC Bayern. Wieso? Da schießt – nicht selten – auch der Innenverteidiger Holger Badstuber als Linksfuß den Eckball von rechts. Obwohl er Nationalspieler in der Mitte des Strafraums auch dazu geeignet wäre, den Ball einzuköpfen. Da Badstuber auch schon bei FCB-Trainer van Gaal Eckstöße von rechts zur Mitte brachte, müssen sich die Herren Trainer ja wohl etwas bei diesen Varianten denken. Also auch Thorsten Fink mit Dennis Aogo.

Nun müssten nur noch jene Freistöße „generalstabsmäßig“ geplant und geübt werden, die als Flanken vor das Tor des Gegners segeln sollen. Aber das ist offenbar viel, viel schwerer, als es aussieht. Die meisten Standards des HSV verhungern unterwegs. Oder sie werden als „Rohrkrepierer“ Vorlagen zu Kontern des Gegners – wie in Berlin.

Wieso kann das heute kaum noch ein Spieler? Wieso gibt es kaum noch gefährliche Freistoßschützen – wobei nicht die direkten Freistöße gemeint sind. Einer, der einst unheimlich viel Gefühl im Fuß hatte, war HSV-Flügelflitzer Gert „Charly“ Dörfel. Jede Flanke eine „Brandbombe“ – mit Garantie. Und „Charly“ weiß, wovon er spricht, wenn er über das Flanken an sich redet. Ich erinnere mich an das Jahr 2005. Da gab es im Vorfeld der WM in Deutschland (2006) eine Sendereihe von „HH1“, in der auch Dörfel und ich einmal zu Wort kamen. Beim Betreten des Schminkraumes sagte Dörfel in die Runde: „Bitte nicht böse sein, aber ich muss nachher, während der Sendung, das Wort Darmspiegelung nennen. Dann gewinne ich nämlich eine Wette.“

Tags zuvor hatte Deutschland in Hamburg gegen China gewonnen, mit 1:0 wurden die Chinesen geradezu aus dem Volkspark gefegt. Und „Charly“ ließ sich dann auch zu der Aussage hinreißen: „Wenn ich sehe, wie unsere Nationalspieler von heute flanken können, wie sie es vielmehr nicht können, dann wird mir übel. Das bekomme ich heute als halbkranker Mann noch besser hin, selbst wenn ich kurz vor einem Spiel noch eine Darmspiegelung gehabt hätte . . .“

Zurück zur Sachlichkeit.
Ich sprach heute auch noch mit einem anderen „Flankengott“. Dem „Flankengott“ überhaupt: Manfred „Manni“ Kaltz. Wir erinnern uns: jede Flanke ein Tor. Flanke Kaltz, Kopfball Hrubesch – Tor für den HSV. Oder für Deutschland. „Manni“ lobte zunächst einmal Dennis Diekmeier: „Das war sehr gut, was er in Berlin gemacht hat. Und jetzt dürfte er wissen, wie es geht. Er muss versuchen, zehn Mal pro Spiel zu flanken, dann gibt es auch zwei bis drei Tore.“ Gegen Hertha klappte das – aber auch gegen die Bayern? Kaltz: „Er muss auch öfter mal ohne Ball nach vorne kommen, und dann müssen ihn seine Mitspieler auch bedienen, den Ball in den Lauf legen – und er flankt. Das kann auch gegen den FC Bayern klappen, warum denn nicht?“

Manfred Kaltz hat es schon in frühester Jugend immer wieder geübt. Flanke um Flanke. Und natürlich auch als Profi: „Ich habe es immer geübt, und dann hat es sich gut entwickelt. Irgendwann hatte ich es dann drauf, später war es perfekt – und mein Markenzeichen.“ Und trotz allem habe ich es bis zuletzt immer wieder trainiert. Man arbeitet an seinen Stärken, und man arbeitet daran, die Schwächen abzustellen. Alles ganz normal.“ Kaltz hat auch Standards beim HSV getreten. Mit viiiiiiiieeeeeelll Gefühl. Er sagt: „Wir haben das variiert. Mal kurz auf den ersten Pfosten, wo der Ball dann verlängert wurde, mal mittel und mal lang. Die Stürmer wussten genau, wie die Bälle kommen.“

Heute aber habe ich das Gefühl, dass die Profis schon deshalb froh sind, wenn der Ball halbwegs sauber zur Mitte kommt. Von kurz, mittel oder lang ist da nichts zu erkennen. Manfred Kaltz aber sagt unbeirrt: „Man kann es trainieren.“

Bei der Gelegenheit: Hat der HSV am Sonnabend eine Chance, gegen den FC Bayern auch nur ein Pünktchen zu holen? Manfred Kaltz: „Außer Dortmund und Mönchengladbach spielt doch kaum eine Mannschaft in der Bundesliga so richtig konstant gut. Ich halte beide Klubs für besser als die Bayern, die spielen mir zu statisch. Von Gladbach bin ich im Moment richtig begeistert. Die spielen perfekt nach vorne – und zwar gehen da die Pässe zu 80 Prozent nach vorne. Sensationell gut ist das. Aber natürlich wird es am Sonnabend ganz schwer für den HSV, denn München spielt um den Titel, darf sich eigentlich keinen Ausrutscher mehr erlauben – aber ausgeschlossen ist nichts.“

Der Sieg von Berlin dürfte das Selbstvertrauen der HSV-Cracks gesteigert haben. Und auch die Fans dürften aufgeatmet haben. Uwe Seeler zum Beispiel ging es so. Der Ehrenspielführer sagte zum Dreier gegen die Hertha („uns Uwe“ ist BSC-Ehrenmitglied): „Diese drei Punkte sind Gold für uns wert, dieser Sieg war lebensnotwendig. Aber wir haben zum Schluss ja auch alle kräftig zittern dürfen. Ich war froh, als abgepfiffen worden war.“ Das Mittelstürmer-Idol sagt aber auch: „Erreicht ist noch nichts, denn nun kommen mit Bayern München und Werder ja noch weitere Brocken, und die anderen Gegner wie Köln und Stuttgart sind ja auch nicht so einfach . . .“

Die Frage zu den Standards des HSV musste ich natürlich auch noch stellen. Uwe Seeler: „Da haben wir noch Probleme, das ist offensichtlich – und das macht dann auch den Unterschied in der Liga aus.“ Wie haben Sie das früher gemacht, Herr Seeler, viel geübt? Er sagt: „Das darf man nicht mehr vergleichen, der Fußball von heute ist ein ganz anderer geworden.“ Das ehrt ihn, dass er so etwas sagt. Geflankt wurde damals aber auch schon, und das sah oftmals sehr, sehr gut aus. Wie gekonnt auf jeden Fall.

Und, Herr Seeler, was macht Ihr HSV gegen die Bayern?
Seeler: „Thorsten Fink kennt den FC Bayern ja ganz genau, er weiß genau, wo sie gefährlich sind, wo sie vielleicht anfällig wären – und er weiß, dass seine Mannschaft geschlossen dagegen halten muss, dass auch jeder Spieler 100 Prozent bringen muss.“

Ein Erfolg, auch wenn es nur ein Teilerfolg wäre (ein Unentschieden), würde noch zusätzlich für einen Aufschwung und für noch mehr Ruhe im Verein sorgen. Uwe Seeler hat die neue Ruhe im HSV, die bei der Jahreshauptversammlung öffentlich wurde, mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen: „Wir brauchten Ruhe, denn alles andere kann der Verein nicht mehr gebrauchen. Alle sollten sich in dieser Situation auf das Wesentliche konzentrieren, damit wir wieder Anschluss nach oben gewinnen. Das wird schwer genug, das allein aber zählt jetzt, nichts anderes.“

Morgen, Dienstag, wird im Volkspark um 10 und um 15 Uhr trainiert. Vielleicht ja auch Standards.

18.01 Uhr

Jarolim und Sala die Gewinner von Berlin

29. Januar 2012

In der Schlussphase hielt es ihn nicht mehr auf der Ersatzbank. HSV-Sportchef Frank Arnesen sah eine Sturm-Welle nach der anderen rollte gegen das Tor der Hamburger, der Ausgleich war eine Frage von Minuten – deshalb verließ Frank Arnesen seinen Sitz am Spielfeldrand, ging nervös auf und ab. Das sah der „Vierte Mann“, der beschied: „Setzen Sie sich wieder hin!“ Arnesen aber gehorchte nicht. Im Gegenteil, er antwortete: „Nein, ich setze mich nicht hin – setzen Sie sich da doch hin.“ Ein reines Nervenspiel, dieser Abstiegskampf in Berlin, den der HSV zum Glück mit 2:1 gegen den Aufsteiger Hertha BSC für sich entscheiden konnte. Zum Schluss glücklich, aber lange Zeit hatte es – völlig verdient – nach einem Hamburger Sieg ausgesehen, denn mindestens eine Stunde lang war der HSV eindeutig Chef im Ring gewesen. Dass es in der Endphase noch einmal so spannend werden würde, hätte wohl kaum einer für möglich gehalten, aber der HSV baute eine absolut schwache Hertha plötzlich wieder auf. Weil die Linie verloren ging, weil es viel zu viele Abspielfehler gab, weil die Kraft und die Konzentration nachließen, und weil es zudem unzählige Standards für die Berliner gab. Trainer Thorsten Fink wird, davon bin ich überzeugt, besonders die Schlussphase in Berlin ganz genau analysieren, damit sich ein solcher Abfall nicht so schnell wiederholt.

Unmittelbar nach dem Spiel allerdings hatte Thorsten Fink zu einer umfassenden Analyse verständlicherweise noch keine Lust. Der Coach lobte erst einmal seine Mannen: „Ich bin sehr zufrieden mit dem Spiel, gerade nach diesem 1:5 gegen Dortmund war die Reaktion der Mannschaft sehr gut. Viele Kritiker hatten ja nach dem 1:5 an uns gezweifelt, vieles infrage gestellt, aber wir haben darauf die richtige Antwort gegeben, die Mannschaft hat Charakter bewiesen.“ Dann ging Fink auch noch ins Detail: „Bis zur 80. Minute haben wir gut gestanden, wenig zugelassen, da habe ich ganz ruhig auf der Bank gesessen, da hatte ich nicht das Gefühl, dass da etwas anbrennen könnte. Hinten war das ganz hervorragend, nach vorne haben wir immer wieder Spitzen gesetzt – so habe ich mir das vorgestellt. Ich dachte, da passiert gar nichts mehr.“ Aber er irrte, der Trainer. Der ebenfalls am Rande litt: „Wir hätten uns fast noch um den verdienten Lohn gebracht. Es ist zwar normal, dass wir noch nicht befreit aufspielen können, wir sind noch nicht im gesicherten Mittelfeld, wir stecken noch unten mit drin – das merkt man dann, das setzt sich auch in den Köpfen der Spieler fest. Wir haben keine Super-Leistung geboten, aber wir haben ordentlich gespielt. Und wir haben bewiesen, dass wir keinen Knacks von der Dortmund-Niederlage bekommen haben.“

Auf jeden Fall. Die Reaktion der Mannschaft war klasse. Sie hatte von Beginn an Biss, sie wollte, sie war mit dem Anstoß voll da – zeigte wieder Leben. Genauso wie am Anfang der Fink-Ära, als sich in Hamburg fast alle wunderten, dass diese (in der Oenning-Ära) eigentlich total leblose Mannschaft doch ganz anders kann. Dass Fink zu diesem richtungsweisenden Kick im Olympiastadion einen „alten Mann“ wieder ausgegraben hatte, war vielleicht (ich sage bestimmt) Spiel entscheidend. David Jarolim hatte es zuvor in 90 Minuten allen gezeigt – allen. Hoffe ich auf jeden Fall. Seinem Trainer und vielen mehr hatte es der Tscheche auf jeden Fall eindrucksvoll bewiesen, was er noch drauf hat. Und auch mit Jarolim verbindet Thorsten Fink den steilen Sturz gegen Spielende: „Die Mannschaft hatte gar nicht mitbekommen, dass Jarolim einige Zeit draußen behandelt werden musste. Bis dahin hatte er für die Absicherung gesorgt, vielleicht hatten einige nicht gesehen, dass er draußen lag – deswegen gab es diese Unruhe in unserem Team. Und Unordnung. Da haben wir den Faden verloren, da hatten wir vielleicht auch Angst vor dem Gewinnen.“

Jarolim hatte gegen Ende des Spiels einen Wadenkrampf bekommen. So etwas hatte er noch nie! Der Dauerläufer. Was ich großartig fand, und da geht mein Dank an einen (eigentlich immer ganz frechen Berliner) Hertha-Spieler: Patrick Ebert, mit dem sich „Jaro“ über 90 Minuten viele harte und unerbittliche Duelle geliefert hatte, half dem HSV-Mittelfeldrenner bei dessen Krämpfen und leistete erste Hilfe. Großartig, Herr Ebert, so muss es unter Sportsleuten sein – Sie haben mindestens einen gut bei mir!
Jarolim selbst konnte sich den Krampf (oder die Krämpfe) gar nicht erklären, versuchte es aber dann doch: „Ich weiß nicht, wie das passieren kann, ich habe alles wie immer gemacht; viel getrunken, viel Magnesium gegessen – es muss wohl daran gelegen haben, dass ich lange kein Wettkampfspiel mehr bestritten habe.“ Und: „Natürlich habe ich immer gehofft, dass ich noch einige Spiele für den HSV bestreiten darf, und nun bin ich zunächst einmal sehr glücklich, dass ich wieder dabei gewesen bin.“

Über sein mentales Befinden vor dem Anpfiff sagte „Jaro“: „Es ist natürlich ein ganz anderes Gefühl, zu spielen und zu gewinnen, das hat mir sehr gefehlt. Ich habe nicht gewusst, wie es wird, weil ich diese Situation ja nicht kenne, aber es war recht einfach für mich wieder ins Team zu finden, weil wir in der Abwehr sehr gut organisiert waren. Ich habe immer hart gearbeitet, ich wusste immer, dass mich nichts überraschen könnte, aber dennoch war es eine komische Situation. Bis zum Sommer bleibe ich nun definitiv, ein Wechsel in dieser Transferperiode kommt nicht mehr infrage.“

Und was kam in dieser Beziehung vom Trainer? Thorsten Fink lobte nach dem Comeback des Spieltages: „Jaro hat das sehr gut gemacht, er war sehr lautstark, hat seinen Nebenleuten geholfen, ich bin sehr zufrieden mit seiner Leistung.“ Zum Fast-Vereinswechsel von David Jarolim sagte der Trainer: „Ich habe nie gesagt, dass er weg soll. Ich habe nur gesagt, dass wir ihm keine Steine in den Weg legen werden, wenn er den HSV verlassen will. Jetzt aber lassen wir ihn nicht mehr gehen.“ Auf die Frage eines tschechischen Kollegen, ob Jarolim nun einen Stammplatz hätte, antwortete der HSV-Coach: „Es gibt keine Stammplätze bei uns aber wenn ein Spieler eine gute Leistung zeigt, warum sollte ich ihn dann wieder aus der Mannschaft nehmen?“

Ein dickes Lob für „Jaro“ gab es auch vom Sportchef: „Wir sind letztlich froh, dass er beim HSV geblieben ist, einen Spieler mit einer Erfahrung kann man immer im Kader gebrauchen. Jetzt lassen wir ihn nicht mehr gehen.“

Teamkollege Mladen Petric befand zu Jarolim: „Man kennt ihn ja, er ist unheimlich fleißig. Er trainiert an jedem Tag so, als wenn es der letzte wäre, und das zahlt sich bei ihm immer wieder aus. Er hat der Mannschaft Stabilität verliehen, und das hat ihn so wichtig gemacht.“

Aber dieses Berlin-Spiel hat nicht nur die Jarolim-Geschichte geschrieben. Auf Hamburger Seite gab es noch eine beachtliche Personalie: Jacopo Sala. Der 20-jährige Italiener spielte bei seinem Debüt nicht nur mit, sondern hatte viele gute Szenen und gehörte zu den besten Hamburgern an diesem 28. Januar 2012. Thorsten Fink über diesen „Neuzugang“: „So gut hatte ich ihn eigentlich gar nicht erwartet. Er hat gezeigt, dass wir mit ihm einen guten Einkauf getätigt haben. In der Vorbereitung hat er schon einen hervorragenden Eindruck im Training gemacht, er arbeitet auch defensiv mit, geht weite Wege, behauptet sich stark am Ball, ist sehr ballsicher, behauptet sich auch im Kampf Mann gegen Mann, und er war überhaupt nicht nervös, obwohl es sein erstes Spiel von Anfang an war.“

Jacopo Sala, dessen Eltern extra aus Bergamo gekommen waren, um das erste Bundesliga-Spiel ihres Sohnes von Beginn an zu sehen, war nach dem Spiel (natürlich) überglücklich: „Es ist gut gelaufen für mich. Vor allem deshalb, weil ich ja seit sechs, sieben Monaten nicht mehr über 90 Minuten Fußball gespielt hatte – aber die Kollegen haben mir sehr geholfen. Ich bin sehr selbstbewusst aufgetreten, warum auch nicht, ohne Selbstvertrauen geht es nicht, man muss an sich glauben, ohne dem geht es nicht.“ Sala weiter: „Ich hoffe, dass das jetzt der Startschuss für mich war, auf diese Chance habe ich lange hin gearbeitet, auch um Weihnachten herum, zu Hause in Bergamo. Nach der Hinrunde, in der ich nur verletzt war, war es schwierig für mich, den Kopf oben zu behalten, aber meine Familie und meine Freunde haben mir dabei geholfen, die Situation zu bewältigen.“

Frank Arnesen befand über seine „Entdeckung“: „Ich habe lange Zeit nicht mehr über ihn gesprochen, weil er uns ja verletzt fehlte – aber ich wusste ja, was er kann. Es lag an ihm, das zu beweisen, und das ist ihm gelungen. Jacopo hat ja in Berlin zum ersten Mal ein Spiel im Herrenbereich bestritten, denn wir haben ihn ja aus der Jugend des FC Chelsea geholt. Aber er war sehr gut, er trat so locker und selbstbewusst auf, hat auch taktisch ganz hervorragend gespielt – das war wirklich ein hervorragender Einstand. Bislang war er nicht zu bewerten, aber in Berlin hat er gezeigt, warum ihn der HSV geholt hat, und das er großes Talent hat.“

Zum ersten Dreier in diesem Jahr sagte Frank Arnesen: „Dieser Sieg in Berlin ist so wichtig für uns. Es ist zwar nur ein Sieg, aber er ist viel mehr wert als ein Sieg. Weil die Mannschaft nach dem Dortmund-Spiel eine Reaktion gezeigt hat, auf die wir gewartet haben. Und weil wir nun schon nach zwei Spielen in der Rückrunde mehr Punkte haben, als in der Hinrunde nach sechs Spielen. Und ich freue mich auch für Thorsten Fink. Es war sein zehntes Bundesliga-Spiel als HSV-Trainer, er hat davon nur eines verloren – das zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Wege sind.“

Aber nun kommen die Bayern. Am Sonnabend, Anstoß 18.30 Uhr im Volkspark. Kein ganz so leichtes Spiel. Zumal ja alle unisono sagen: „Mit Mannschaften wie Dortmund und Bayern kann sich der HSV nicht messen . . .“ Muss er aber.

Fink: „Wenn wir so gut stehen, wie in Berlin bis zur 80. Minute, dann haben wir eine Chance. Wir sind natürlich klarer Außenseiter, aber wir schauen dennoch mal, ob wir den Bayern nicht ein Bein stellen können . . .“
Nur was muss in diesem Spiel dann besser als in Berlin gemacht werden? Jarolim wusste es: „Alles.“ Um dann detailliert zu werden: „Da muss jeder über seine Grenzen gehen. Es geht nur über den Kampf, das habe ich auch vor dem Berlin-Spiel schon gesagt. Mit jedem gewonnenen Zweikampf gewinnt man auch an Selbstvertrauen.“

Gut wäre es aber auch, wenn der HSV – vornehmlich Dennis Aogo – bis zum Sonnabend noch den einen oder anderen Freistoß üben würde. Die Standards in Berlin waren überwiegend nicht nur schlecht – so mancher Freistoß leitete dazu auch Herthas Konterspiel ein. Und das muss ja nun wirklich nicht ein. Also: üben, üben, üben. Und nochmals üben. Wenn es sein muss, sogar außerhalb der normalen Trainingszeiten. Aber das muss ganz einfach besser werden.

Und auch im Abwehrverhalten sollte sich der HSV noch verbessern. Es wurden den Berlinern viel zu viele Freistöße „geschenkt“, weil es Fouls gab, die nicht nötig gewesen wären. Lieber statt einmal zu viel grätschen einen Schritt mehr (ab-)laufen.
Aber ansonsten weiter so.

Wobei in dieser Hinsicht auch Thorsten Fink noch einen netten Spruch auf Lager hatte: „Er hatte zwei Tage Infekt – und hatte jetzt zwei Torvorlagen. Das nächste Mal soll er sich drei Tage Infekt nehmen . . .“ Der HSV-Trainer über Verteidiger Dennis Diekmeier, der beide HSV-Tore in Berlin vorbereitet hatte.

PS: An diesem Montag ist trainingsfrei.

17.19 Uhr (gerade hat Mainz 3:1 gegen Freiburg gewonnen)

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