Monatsarchiv für Dezember 2011

Und noch’n Gedicht

24. Dezember 2011

So, vielleicht noch gerade rechtzeitig kommt das Gedicht, das ja mehr ein Schüttelreim (wie passend, dieses Wort – zu diesem HSV-Jahr!) ist. Vor allen Dingen im Abendblatt ist es das, wo die Verse ja mächtig durchgeschüttelt wurden.
Ich weiß aus alter Tradition, dass in Familien von ganz “harten” HSV-Fans schon auf diese Verse gewartet wurde, denn dort ist es Sitte, dass die kleinen Knaben diese Reime unterm Tannenbaum vorlesen (müssen!?).
Ich wünsche allen viel Spaß dabei. Und bitte immer dran denken: Nicht alles ist so tierisch ernst gemeint, es darf ruhig auch ein wenig geschmunzelt werden.

Allen Matz-abbern wünsche ich schnell und nochmals wunderschöne Festtage, lasst es ruhig angehen – genießt die stille Zeit. Und auch nochmals vielen Dank für Eure Treue und Mitarbeit, das ist einfach nur toll zu wissen, dass es so viele nette Menschen hier gibt.
Danke.

 

Und nun die Reime – Ihr werdet ein wenig Zeit brauchen:

Du lieber guter Weihnachtsmann,

wahrscheinlich nerv ich dann und wann,

doch es ist ja gute Sitte,

dass ich Dich zum Feste bitte

dass Du was tust, Du weißt genau,

was Gutes für den HSV.

 

Du hast es schwer, das ist schon klar,

mit uns’rem Klub (das Jahr für Jahr),

im Volkspark herrscht das Mittelmaß,

wer hat an diesem Spiel noch Spaß?

 

Das ist nichts mehr für Ästheten,

oftmals hilft da nur noch beten,

deshalb musst Du alles geben,

mag es Dir auch widerstreben,

versuch es noch ein letztes Mal,

auch wenn Du sagst: „Das ist ’ne Qual.“

 

Ich bitte Dich, hilf dem Verein,

und sag nicht einfach nur brüsk: „Nein.“

Ich weiß, dass Du verzweifelt bist,

dass Du schon lange schimpfst: „So’n Mist!“

 

Du fragst Dich auch, was das noch soll,

und guckst dabei sehr sorgenvoll,

denn meine Wünsche, ist schon klar,

die werden mehr von Jahr zu Jahr,

Du tust, was man nur machen kann,

doch kommt der Klub kein’ Schritt voran,

und das ist schon seit Jahren so,

das macht letztendlich keinen froh.

 

Auch Du find’s kein’ Gefallen dran,

wenn man nicht richtig kicken kann,

Du liebst den Fußball von Real,

auch Barcelona – kolossal,

doch Hamburgs Fußball, der stagniert,

– es ist schon so – man resigniert.

 

Denn selbstverständlich hast Du recht,

sie spiel’n ja auch schon lange schlecht,

sie machen Fehler noch zu Hauf,

doch bitte gebe noch nicht auf;

der Umbruch ist das Zauberwort,

setz ihn ab jetzt behutsam fort.

 

Wir war’n einst die Macht im Norden,

und sind jetzt so klein geworden,

Du aber, Du ganz alleine,

stell uns wieder auf die Beine,

der HSV, ganz zweifelsfrei,

gehört doch nicht in Liga zwei.

 

Sieh Dir nun meine Wünsche an,

und streng Dich bitte nochmals an,

hauch uns’rer Mannschaft Leben ein,

da unten krebsen kann’s nicht sein,

gib dieser Truppe Mumm und Kraft,

dass sie’s ins Mittelfeld bald schafft,

möglichst noch vor Werder Bremen,

niemand wird’s Dir übelnehmen,

lass uns auch mal Dortmund schlagen

– und vielleicht die Bayern jagen?

 

Gib uns’rem Vorstand kluge Tipps,

tritt jedem Mitglied auf den Schlips,

das streiten will, das Ärger macht,

verhind’re jede Niedertracht.

 

Denn ihr Süppchen kochen viele,

viele haben falsche Ziele,

sorg endlich mal für Einigkeit,

es gab zu oft viel Neid und Streit,

lass uns an einem Strange zieh’n,

und gib ’ne Menge Disziplin,

sag jedem Mann und jeder Frau,

hier zählt nur eins – der HSV.

 

Und dazu bitt ich noch formell,

für jeden Spieler ganz speziell,

stärk dem Drobny seinen Rücken,

er soll weiter Bälle pflücken,

die ihm um die Ohren fliegen,

lass ihn keine Krise kriegen,

er war zuletzt ganz groß, ein Held,

er trägt die Brust zu recht geschwellt,

nur dass er zurzeit nicht mehr spricht,

das passt nicht recht, das steht ihm nicht.

 

Halt Tom Mickel bei der Stange,

denn er wartet nun schon lange,

Ersatzmann sein, das ist sein Part,

nur auf der Bank sein, das ist hart,

doch gibt es um ihn kein Tumult,

er kennt wohl keine Ungeduld.

 

Diekmeier – hinten rechte Bahn,

dem gib doch bitte einen Plan,

wie er die Gegner stoppen kann,

er rennt zu oft nach vorn, der Mann,

gib ihm auch defensiv den Blick,

das wär für ein zu Null ganz schick.

 

Dem Jeffrey Bruma schärfe ein,

er soll stets bei der Sache sein,

er ist ja stark, er ist ja gut,

doch oft macht er im Übermut,

den einen Fehler noch zu viel –

mach ihn doch einfach nur stabil.

 

Bei Westermann hast Du’s geschafft,

er strotzt jetzt doch nur so vor Kraft,

Du hast ihn wieder aufgebaut,

wer hat ihm das noch zugetraut?

Er wurde hier oft ausgebuht,

das tut ’nem Spieler selten gut,

doch steckte er das alles weg,

als wär es von den Fans ein Gag

– Herr Westermann, mein Kompliment,

das ist ein tolles Happy End!

 

Aogo Dennis – Jogis Mann,

zeigt bei der Nati was er kann,

beim HSV da könnt er mehr,

da spielt er noch zu oft leger,

er soll wollen, noch mehr beißen,

soll die Fans vom Hocker reißen,

gib ihm den Tipp, wie das gelingt,

weil das ihn weit nach vorne bringt.

 

Thomas Rincon, den lass ackern,

der soll kämpfen, rennen, rackern,

er soll grätschen und auch kratzen,

und nicht ganz so oft mehr patzen,

er ist gut schon für sein Alter,

doch (noch lang) kein Spielgestalter,

Schuster – bleib bei deinen Leisten,

das hilft uns’rem Team am meisten.

 

Dem Robert Tesche Fußball-Gott,

den reiß doch bitte aus dem Trott,

er braucht viel Feuer – mach ihn heiß,

er wirkt oft wie ein Klotz aus Eis,

gib ihm ein Schuss mehr Temp’rament,

dann spielt er bald auch effizient.

 

Gojko Kacar mach auch Beine,

lass ihn endlich von der Leine,

er wirkt auf mich oft sehr gehemmt,

und läuft im Spiel oft rum wie fremd,

er spielt oft zu brav und bieder,

gib ihm doch sein Können wieder . . .

 

Dem Gökhan Töre mach nur Mut,

der Bursche, der ist richtig gut,

lass ihn flanken, lass ihn schnibbeln,

er soll auch vor Lust viel dribbeln,

und dann lass ihn Kraft noch tanken,

dann wird keine Leistung schwanken,

er ist dann fit und quietsch-fidel,

und bleibt das größte Klub-Juwel.

 

Führ Marcell Jansen doch zurück,

zeig ihm den Weg zurück zum Glück,

er war in Deutschland ein Talent,

das man höchst selten mal so kennt,

er spielte bei den Bayern vor,

er schoss und flankte – volles Rohr,

er konnt rauf und runter toben,

war auch hier schon mal ganz oben,

doch nun wirkt er wie Flasche leer,

stell ihn doch bitte wieder her.

 

Ilicevic, den heiß willkommen,

er ist noch nicht angekommen,

erst lang verletzt, dann noch nicht fit,

so kam er bislang nicht in Tritt,

mach ihn doch bitte ganz geschwind,

zu einem echten Wirbelwind,

der allen Gegnern – ganz gezielt,

viel Knoten in die Beine spielt.

 

Dem Herrn Mancienne hilf aus dem Tal,

schenk ihm doch Muskeln hart wie Stahl,

dann hat er’s künftig nicht mehr schwer,

denn so gibts keine Zerrung mehr,

er kann sprinten wie ein Hase,

führt die Gegner an der Nase,

so kämpft er sich dann wieder ran,

und wird ganz schnell für Fink ein Mann.

 

Den Rajkovic, den mach nicht zahm,

denn sonst wird er ja unwirksam,

die Rote Karte – abgehakt,

er hat ’nen Tritt zu viel gewagt,

doch brauchen wir den „harten Hund“,

sonst hat der Gegner keinen Grund,

auch einmal zurückzuziehen,

– die soll’n schon vor Angst mal fliehen.

 

Dem Dauerrenner Jarolim,

schenk noch zum Fest ein neues Team,

er hat’s noch drauf, steht voll im Saft,

er läuft und spielt noch fabelhaft,

er ist noch immer richtig heiß

– zu schade für ein Abstellgleis,

bring ihn noch einmal groß heraus –

dann kriegst Du auch von mir Applaus.

 

Ein Mann mit viel Vergangenheit,

den mach für’s neue Jahr bereit,

Per Skjelbred – der hätt’s wirklich drauf,

der ist für mich kein Fehleinkauf,

der Mann braucht nur Betätigung,

bring ihn nun ziemlich schnell in Schwung,

er muss nur mehr Tempo machen,

dann lässt er es hier schön krachen,

der Mann hat Spielwitz und Ideen,

und wird vielleicht noch eine Zehn.

 

Heung Min Son, den lass nun reifen,

der muss jetzt ganz schnell begreifen,

dass Fußball nicht nur Spielchen ist,

da ist viel Ernst, auch sehr viel List,

da gibt es Härte – und Gefahr,

und auch mal Spaß, das ist ganz klar,

doch all das gibt’s nur wohl dosiert,

wenn das der Son ganz schnell kapiert,

dann wird er wirklich noch ganz groß –

drum Weihnachtsmann, dann nun mal los.

 

Ein Fallrückzieher Marke Seeler,

macht den Spieler stets fideler,

der Fallrückzieher Marcus Berg,

ist für die Schulter Teufelswerk,

drum baue, lieber Weihnachtsmann,

den Schweden auf, dass er’s bald kann,

Uwe soll ihm Technik lehren,

soll das Landen ihm erklären,

dann bleibt das Schlüsselbein auch ganz,

„uns Uwe“ staunt: „Mein Gott, er kann’s.“

 

Mladen Petric – lass ihn bleiben,

er soll nun bald unterschreiben,

er passt zu uns, er passt hierher,

was ist daran denn noch so schwer?

Gib Mladen nun ein klares „ja“,

dann bleibt er noch so manches Jahr,

was Fans und ihn zugleich erfreut,

mach es nicht morgen – mach’s noch heut’.

 

Halt Guerrero auch bei Laune,

ich geb zu, dass ich nur staune

– er blüht jetzt im Dezember auf,

und war noch niemals besser drauf,

er wirkt voll fit, hoch motiviert,

und gar nicht mehr so kompliziert,

so kann es – nicht übertreiben –

ruhig noch zehn Jahre bleiben.

 

Führ Castelen nochmals heran,

er ist bewundernswert, der Mann,

ihm geht es schon so lang nicht gut,

und trotzdem steckt er voller Mut,

gib ihm die Kraft, heil ihm das Knie,

das wär die beste Therapie.

 

Denk auch an den Kindergarten,

die Talente, die noch warten,

bau Zhi Gin Lam behutsam auf,

schenk Besic wieder mal ’nen Lauf,

mach Arslan nun auch bald gesund,

bei ihm läuft’s schon so lang nicht rund,

auf Sala, der von Chelsea kam,

mach auch ein wenig aufmerksam,

förder die Cardoso-Knaben,

die wir für die Zukunft haben.

 

Und danke dem Frank Arnesen,

von dem bin ich jetzt echt ein Fan,

weil der so gute Sachen macht,

was er gekauft – die wahre Pracht,

er kaufte nur mit Auge ein,

und erntete, das war gemein,

von den „Experten“ Hohn und Spott,

angeblich holte er nur „Schrott“

– trotz der Sprüche, all den miesen,

ist das Gegenteil bewiesen,

der Arnesen, der ist ein Held,

drum schenk ihm künftig auch mal Geld,

dass er tatsächlich „kaufen“ kann –

das bringt uns dann noch mehr voran.

 

Zum guten Schluss – kommt Thorsten Fink,

dem schenke noch ein dickes Ding,

’nen Spieler Marke van der Vaart,

zum neuen Jahr – das wär ein Start,

gib ihm auch reichlich Energie,

er führt hier engagiert Regie,

das hat bislang sehr gut getan,

er packt hier an mit viel Elan,

und dann noch dieses Bayern-Gen

– schon viele uns bald feiern seh’n,

drum schenk ihm stets ’ne gute Hand,

und in der Stadt ’nen guten Stand,

dass er den Klub nach oben führt,

wenn Du das schaffst – ich wär gerührt.

 

Ich dank Dir nun ganz allgemein,

und hau jetzt schnell und tüchtig rein,

es wird noch eng, die Zeit wird knapp,

und mach nicht zwischendurch mal schlapp,

ich bitte Dich um Dein Bemüh’n

ich weiß, manch Wunsch ist schon sehr kühn,

doch denke dran, es geht allein,

um Hamburgs besten Sport-Verein,

Du kannst jetzt helfen – ganz genau,

es grüßt ein Fan vom HSV.

11.21 Uhr

Schöne Weihnachten für alle “Matz-abber”

23. Dezember 2011

Liebe Matz-abber,

zunächst einmal möchte ich mich ganz, ganz herzlich für die vielen Weihnachtsgrüße, die mich (und Frau M.) erreicht haben, bedanken. Das ist wieder einmal überwältigend. Und es zeigt mir erneut, wie viele großartige Menschen hier doch versammelt sind. Danke, danke, danke. Auch ich wünsche Euch und Euren Lieben wunderschöne, besinnliche Festtage – und darüber hinaus alles nur erdenklich Gute für 2012. Vor allem wünsche ich jedem beste Gesundheit, das ist wirklich das höchste Gut, die Familie M. hat in diesem nun ablaufenden Jahr kennen gelernt wie es ist, nicht in bester Verfassung zu sein.

Ich wünsche allen auch viel Glück und Erfolg, und ich denke bei dem Wort Glück einen Menschen, der in diesem Herbst wohl der glücklichste Mensch der Welt war: Hermann Rieger. Nehmt ihn Euch zum Vorbild, denn er hat so viel Leid erfahren, und trotzdem ist er zufrieden, oftmals – schon geschildert – auch sehr, sehr glücklich. Wie er gestrahlt hat, wie er vor Freude geweint hat, wie er sich rundherum wohl gefühlt hat, als er zum „Hamburger des Jahres“ gekürt wurde, das war einfach nur fantastisch, das war überragend, das war weltklasse und wird mir unvergessen bleiben. Eine solche Glückseligkeit, wie sie „uns Hermann“ gezeigt hat, das wünsche ich jedem von Euch. Und der Kult-Masseur hat es ja nicht nur gezeigt, sondern auch gesagt. Als ihm der Erste Bürgermeister der Stadt, Olaf Scholz, gratulierte, da brachte Hermann nur folgenden Satz heraus: „Herr Bürgermeister, ich bin so glücklich.“

Ich werde mich für jeden und über jeden freuen, der das in 2012 auch von sich sagen kann.

Zum Blog. Es weihnachtet sehr. Schon sehr sogar. Und der HSV ist im Kurz-Urlaub. Ich möchte die Gelegenheit ergreifen, mich bei Euch für die Treue, die Ihr „Matz-ab“ gegenüber gezeigt habt, und für die emsige Mitarbeit. Natürlich gab es auch unerfreuliche Dinge, aber die spielen nur eine unwesentliche Nebenrolle, deshalb erwähne ich die auch gar nicht groß. Überwiegend sind die Beiträge positiv – und sie sind es vor allen Dingen geworden. Positiv geworden. Dank des neuen Moderatoren-Team, bei dem ich mich an dieser Stelle ganz, ganz herzlich bedanken möchte. Ihr seid auf dem richtigen Weg, wir sind auf dem richtigen Weg. Das höre ich überall, das wird mir von vielen Matz-abbern geschrieben. Und jeder, der sich davon überzeugen möchte, der ist herzlich eingeladen, die Beiträge wieder einmal zu lesen.

Ich bin wirklich sehr erfreut, wie sachlich die Kommentare wieder sind, und wie lesenswert, denn sie beschäftigen sich in der Mehrzahl wieder mit dem, was uns hier einst zusammengebracht hat: mit dem HSV, mit der Liebe zur Raute, mit dem Fußball ganz allgemein. Dafür danke ich jedem, der dabei mitgemacht hat. Es gibt wieder – auch für mich – so viele erfreuliche Beiträge, die inhaltsreich sind, die vor Sachkenntnis strotzen, die teilweise auch – ganz sicher – in Zeitungen veröffentlicht werden könnten. Das sollte auch jene Matz-abber animieren, die hier einst ganz hervorragend mitgeschrieben haben, sich aber aufgrund des Klima-Wandels verabschieden mussten, verabschieden wollten. Jetzt sind wir, nochmals Dank dem Moderatoren-Team, wieder auf einem guten, vernünftigen Weg. Hoffen wir, dass wir das 2012 auch fortsetzen können.

Bei der Gelegenheit möchte ich für alle, die eine niedliche und nette Weihnachtsgeschichte lesen möchten, auf den 24. Dezember 2009 – hier im Blog – verweisen. Da hat „Nebraska63“ um 12.48 Uhr eine großartige Geschichte seiner Jugend veröffentlicht, die allen immer wieder wärmstens empfohlen ist. Für mich immer noch ein Highlight der Matz-ab-Geschichte.

Und wo ich gerade dabei bin: Auch in diesen Tagen gab es einige Beiträge, die ich gerne hier reinstellen möchte, weil sie sich sehr gut mit der jetzigen Situation unseres Klubs auseinandersetzen, weil sie auch vielfach genau ins Schwarze treffen. Und da ja bekanntlich nicht alle alles lesen, seien diese Beiträge einmal auf diese Art hervorgehoben. Sie in Original-Fassungen, ich habe kein Wort verändert (mein Hase!), ich habe auch nichts korrigiert. Aber seht selbst:

Trapper Doc Seitenberg:

Ich biete mal einen andere Sichtweise an:
Zunächst ist festzustellen, dass der Weg der vergangenen Jahre, eine Mannschaft gespickt mit teuren Altstars, nicht den sportlichen Erfolg gebracht
hat, den wir uns alle erhofft hatten. Halbfinals hin oder her – man hätte das internationale Geschäft erreichen müssen und hat zweimal versagt. Auch
ist, auch wenn man publikumswirksame Stars wie Zé Roberto und van Nistelrooy verpflichten konnte, über Jahre versäumt worden die eklatanten
Schwachstellen des Kader durch zielgerichtete Verpflichtungen auszumerzen. Die von mir mehrfach hier beklagte Disbalance des Kaders, die Abhängigkeit
von den Launen eines Zé Robertos, dazu mit Elia, Trochowski und Demel mindestens drei Spieler, bei denen Anspruch und Wirklichkeit beständig
auseinanderklafften. Der Weg, der einstmals von Beiersdorfer durchaus erfolgreich beschritten worden war (Holland-Connection, De Jong, vdV), wurde
nach dessen Angang ins Konzeptlose verwässert, bzw. verlassen.

Davor lagen bekanntlich lange Jahre der Tristesse, in denen Spieler wie u.a. Hertzsch, Gründel, Spörl, Ivanauskas und Albertz stellvertretend für den
HSV standen. Man erinnert sich mit Grausen. Die Zeiten überdauerndes Merkmal des HSV war auch stets, dass Talente praktisch keine Chance hatten. Und
die damaligen Trainer waren meistens ähnlich bieder wie ihre Kader (z.B. Möhlmann, Jara etc. pp).

Nun hat der HSV wieder einen Sportdirektor, der den Namen auch verdient. Mag er auch nicht alles richtig machen (wer macht das schon?), so kann man
ihm ausreichend Kompetenz zutrauen den vorhandenen Kader zielgerichtet weiterzuentwickeln, als auch innerhalb des Vereins (Stichwort: Nachwuchs) ein
einheitliches und schlüssiges Konzept zu implementieren, welches zukünftig eine tatsächliche Durchlässigkeit aus den Nachwuchsabteilungen hinein in
die Profimannschaft ermöglicht. Wir haben zudem (wieder) einen Trainer, der nicht nur kommunikationsstark ist, sondern augenscheinlich eine
tatsächliche Spielidee verfolgt (Veh, aber auch Oenning würden vermutlich noch heute danach suchen).
Und wir haben eine Mannschaft, die auf vielen Positionen noch so jung ist, dass eine endgültige Aussage über ihr tatsächliches maximales
Leistungsvermögen noch kaum möglich ist (Ich ignoriere in diesem Zusammenhang die Clowns hier, die meinen nach 15 Min. einen Spieler einschätzen zu
können.). Am Ende dieser Saison werden die aus anderen Ligen gekommenen Spieler in der BULI angekommen sein. Am Ende dieser Saison werden aus
Nachwuchsspielern, die vorher bei unterklassigen Vereinen spielten, Stammspieler der BULI geworden sein. Andere werden sich von Lückenbüßern (Rincon,
evtl. Kacar) zu unumstrittenen Stammspielern entwickelt haben. Über wieder andere (Arslan, Skjelbret) ist m.E. derzeit noch kaum eine Aussage möglich.
Möglicherweise schlummern hier noch stille Reserven im Hinblick auf das Leistungsvermögen der Mannschaft.
Und nicht vergessen solte man auch die ganz jungen Talente, die derzeit etwas hintenan stehen, wie Lam und Son (und andere). Wer an denen rummeckert,
der sollte sich mal fragen wann der HSV überhaupt mal eigene Talente nach oben gebracht hat.

Natürlich wird man auch diesen Kader zielgerichtet verstärken müssen, will man höhere Ziele anpeilen. Natürlich wird der ein oder andere die
Erwartungen nicht erfüllen können. Aber während man bei Trochowski nach sieben(?) Jahren(!) immer noch händeringend nach einer geeigneten Position
suchte, bzw. auf den endgültigen Durchbruch als unumstrittener Stammspieler wartete, kann man bei unseren Talenten mit guten Gründen noch optimistisch
sein.

Nein, die derzeitige Phase ist vielleicht eine der vielversprechensten und spannensten Phasen des HSV seit den goldenen 80ern. Viel bislang
unausgeschöpftes Potenzial, noch zu wenig Ertrag. Sicher scheint mir, sollten Arnesen und Fink den eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen (können),
dass wir spätesten in der übernächsten Saison wirklichen BULI-Spitzenfußball in Hamburg sehen werden. Bis dahin sind leider nur die Preise beim HSV
spitze. Insofern verwundert es nicht, dass mancher nicht bereit ist für eine Mannschaft in der Entwicklung (vulgo: mittelmäßig) Top-Preise zu
bezahlen. Der HSV wäre gut beraten die Eintrittspreise dem anzupassen, was die Mannschaft derzeit verständlicherweise leisten kann. Oder anders
gesagt: wer Spitzenpreise noch aus der Zeit der arrivierten Stars nimmt, der darf nicht mit einer Mannschaft auflaufen, der noch der große Glanz fehlt
und die immer mal wieder auch ein wenig enttäuscht. Jedenfalls darf er dann nicht mit der Geduld und Nachsicht rechnen, die bei dieser Mannschaft
derzeit noch erforderlich ist.

“Peschino”:

Kurzfristig gesehen: der von allen beobachtete Aufschwung hat gestottert.
Unsere Erwartungen sind wieder zu hoch gewesen und wurden prompt
enttäuscht. Diese Mannschaft ist z.Zt. nur so gut wie ihr jeweiliger
Gegner, nicht besser. Ich werde mich also wieder dazu zwingen Geduld zu
haben.
.
An den Strohhalm “DFB-Pokal” wage ich mich nicht zu klammern. Ich
verspreche mir auch keine Wunderdinge von der Winterpause, nur das, was
man erwarten darf: weiter professionelle Arbeit an Spielordnung und
Automatismen, Fitness für volle 90 Min usw. Eine zarte Hoffnung für die
Rückrunde erlaube ich mir aber bei unserer letzten Millionen-Investition
Illicevic, die in der Hinrunde kaum zur Geltung kommen konnte, noch sehr
verspielt ist, uns aber noch weiter helfen wird.
.
Mittelfristig gesehen, also in die nächste Saison geblickt, muss eine
Qualitätssteigerung kommen! Durch Weiterentwicklung im Team, vor allem
aber durch gezielte Zu- und Abgänge. Diese Veränderungen werden “hinter
verschlossenen Türen” während der kommenden Rückrunde eingefädelt. Das
wird für mich der Lakmus-Test für den SpoDi und seinen Mitarbeiterstab,
und nicht einzelne Spiele jetzt!
.
Langfristig gesehen? Ja, was ist im Fussballgeschäft noch langfrisitg?
Unser SpoDi und der Trainer haben Verträge bis 2014. So lange hat beim HSV
schon lange keiner mehr kontinuierlich gearbeitet und den Preis zahlen wir
heute.

“Bubi Hönig”:

Das Fußballjahr 2011 geht langsam zu Ende – zum Glück. . .
Ansonsten war beim HSV blankes Chaos und man wusste
oft nicht mehr, auf was, oder wen man hoffen soll. Daran gemessen gefällt
mir der jetzige Zustand gut, man kann sich zurücklehnen und darauf setzen,
dass die Entscheider das Richtige tun werden, bzw. das die Maßnahmen sich
im Nachhinein als richtig erweisen werden. Mit dieser Gewißheit kann man
dann hier auch die Leute etwas gelasener lesen, die sowieso alles besser
wissen…

“Billy Bremner”:

„Man kann die Sache so und so und so und so drehen. Man kann sich das Spiel
bis zu einem gewissen Grad auch schönschwätzen, aber unbestritten dürfte
sein, dass diese Truppe wirklich nur ein Abbild des Gesamtvereins bietet
und unteres Mittelmaß repräsentiert und keinen echten Leader von
Effenberg-oder-sonstwie-Format hat. Da muss mal jemand den Kollegen die
Trantütigkeit ab- und Kaltschnäuzigkeit angewöhnen. Es kann nicht angehen,
dass der HSV seit 24 Jahren einfach keine Big Points macht und eine
klägliche Chancenverwertung immer mit Pech entschuldigt….”

„HSV Bayer”:

…bei jedem Spiel wird beim ersten Fehlpass angefangen zu pesten. Letzte
Saison wurde auf die alten Säcke eingedroschen und ein Umbruch gefordert.
Der geht ja von heute auf morgen, soviel ist klar. Diese Saison wird auf
junge Spieler eingedroschen…

„piependreier”:

…Auch wenn der HSV eine junge Mannschaft auf gebaut hat und die noch in
der Entwicklung steht, in der Mannschaft weht jetzt ein anderer Wind als
zum Beginn der Saison. Diese Jungens wollen etwas schaffen und spielen
gerne für den HSV. In der Hinrunde wurden Spiele unglücklich verloren bzw.
endeten Remis…

„Wicht”:

…Meiner Meinung nach sieht man deutlich die Handschrift und den positiven
Führungsstil von Fink. Er wird uns wieder nach oben bringen. Fink hat
Klasse und die Mannschaft wird das über kurze Zeit auch umsetzen, daran
glaube ich….

„Eiche Nogly”:

…Mit einem Klapprad gewinnst Du halt keine Etappe bei der Tour de France
wenn 8 Konkurrenten ein Rennrad zur Verfügung haben. Nur wenn die mal einen
Defekt haben, langt es in einer Etappe auch mal für ein besseres Ergebnis.
In der Gesamtwertung wird es halt hinteres Mittelfeld….

„HSVDONALD22B”:

Resümierend ist zu sagen, dass wir Alle gefordert sind,weiterhin Geduld
aufzubringen mit dieser HSV-Gesamtsituation.
Wie von verschiedenen Blogteilnehmern beschrieben sind wir z. Zt. von der
Ausstattung (sprich: Qualität der Mannschaft, insbesonder das zentrale
Mittelfeld) her nur unteres Mittelmaß. Aus dieser Ausstattung hat TF so
ziemlich das Beste gemacht, was derzeit möglich ist: Stabilisierung und
Schadensverminderung.
Mehr ist einfach mometan nicht drin. Und das wird für die Rückrunde noch
anhalten. Wenn wir dann am Ende zwischen Platz 12 + 15 landen, dann ist das
absolut ok.
Die sportliche Leitung muss sich schon jetzt strategisch damit
beschäftigen, wie aus dieser Stabilisierung eine schrittweise
Weiterentwicklung Richtung EL-Quali in 2012/2013 entsteht. Alle höher
fliegenden Gedanken der HSV-Fans, getragen von Frust und Ungeduld sind imho
realitätsfern.

„W.A.”:

… Trotzdem würde ich auf Zukäufe in der Winterpause verzichten:
1. Der HSV hat in den zurückliegenden Jahren damit keine guten Erfahrungen
gemacht
2. Wer garantiert, dass Neuzugänge wirklich einschlagen…

„Randnotiz“:

Ein sehr sehr anstrengendes HSV-Fußballjahr ist zu Ende. Gottseidank! Es
hat mich sehr sehr viele Nerven gekostet. Bis auf den Umschwung unter ThoFi
gab es absolut nichts was wirklich Spaß gemacht hat.
.
An dieses HSV-Jahr werde ich im Großen und Ganzen mit Grausen zurückdenken.
Das war nichts bis gar nichts. Das muss man so deutlich sagen. Dieser Blog
hat sich diesem Grauen nahtlos angepasst und immer noch einen oben drauf
gesetzt. Anstatt sich hier Trost und Zuspruch in schweren Stunden zu holen,
sah man sich hier derben Entgleisungen ausgesetzt. Das war wahrlich kein
Spaß.
.
Aber es gab und gibt ja auch die vielen vielen besonnenen Fans/User, die
trotz all der Miseren den Mut, die Hoffnung nicht verloren haben. Das
tat/tut gut.
.
Und FA und ThoFi werden uns 2012 wieder mit attraktiven und auch
erfolgreichen Fußball in bessere Zeiten führen. Davon bin ich überzeugt,
daran will ich einfach glauben.
.
Dieter und Scholle, ihr beiden habt einen tollen Job gemacht. Jeder kann
sich vorstellen, wie schwer es ist sich täglich zu einem neuen Blog
aufzuraffen, wenn man weiß dass man Ende wieder einige über die Strenge
schlagen und üble Anfeindungen folgen.
.
Auch ich war nicht immer mit euren Blogs einverstanden, aber immer
zufrieden, dass ihr beide uns täglich über den HSV informiert und sogar mit
dem einen oder anderen Extra-Blog mit Eilmeldungen gefüttert habt.
.
WELTKLASSE!
.
Ich wünsche euch allen ein paar schöne Tage im Kreise euerer Familien
und/oder Freunden. Ein paar fußballfreie Tage sind ja immer sehr willkommen
bei den Familienmitgliedern. Also meine Frau freut sich schon. 😉
.
Sie weiß nicht , dass in England durchgeweihnachtet wird. Naja wird sie
noch früh genug gewahr. Sky sei Dank :)

So, das waren „meine“ Auszüge, die mir das Moderatoren-Team ans Herz gelegt hat. Danke dafür. Und explizit auch ein herzliches Dankeschön an „Scholle“, mein Kollege Marcus Scholz, der mich hier stets vertritt, der mich vor allen Dingen sehr lange an einem Stück vertreten hat (und es auch wieder tun muss, denn ich habe noch viel Rest-Urlaub, Scholle!), und der, das höre ich immer wieder, sehr gute Arbeit geleistet hat. Danke Scholle!

Und: Wer nun noch auf das traditionelle Weihnachtsgedicht wartet, der muss sich ein wenig gedulden – es ist fertig, schon im Kasten, aber es kommt morgen, an Heiligabend. Habt bis dahin eine schöne Zeit voller Vorfreude auf das Fest, habt einen schönen Feierabend – und überhaupt, alles Gute für Euch.

15.33 Uhr

Diesem HSV fehlt die Führung – auf dem Platz

22. Dezember 2011

Carl Edgar Jarchow ist kein Mann der lauten Worte. Nie gewesen. Und auch einen Tag nach der unnötigen Pokalpleite in Stuttgart und mit dem Wissen, dass man im Viertelfinale zu Hause auf den FC Bayern getroffen wäre, wusste der Vorstandsvorsitzende des HSV Haltung zu bewahren. Dabei dürften dem HSV im Viertelfinale gegen den FC Bayern neben den 1,125 Millionen Euro Garantiesumme auch noch TV-Gelder für eine Live-Übertragung (rund 500000), die Einnahmen eines ausverkauften Stadions (der Gewinn wäre zwischen HSV und Bayern geteilt worden) und die zusätzlichen Werbeeinnahmen entgehen. Insgesamt ein Paket, das vom HSV auf gute 3,5 Millionen Euro geschätzt wird. „Natürlich ist das sehr ärgerlich“, so Jarchow in einem ruhigen Ton, „aber uns ging es in Stuttgart nicht nur um das Finanzielle. In erster Linie ginge es uns um den sportlichen Erfolg, um die Möglichkeit auf einen internationalen Wettbewerb. Und natürlich um die Weiterentwicklung der Mannschaft, die sich ihrer Leistung nicht schämen muss. Im Gegenteil, sie darf sich über die vergebenen Chancen ärgern, sollte aber auch im Gegenzug wertschätzen, dass sie sich bei einem Europa-League-Anwärter überhaupt erst so viele Chancen erspielt hat.“ Der versöhnliche Versuch, eine Niederlage zu analysieren, die mir zwischenzeitlich zu schöngeredet wurde. Denn der VfB hatte dem HSV bis auf zwei, drei Konter nicht viel entgegenzusetzen, ohne dass der HSV daraus Kapital schlug. Im Gegenteil, in der HSV-Defensive – diesmal insbesondere bedingt durch die schwachen Sechser sowie die defensiv wackeligen Außen – stimmt es noch nicht. Und wenn dann im Angriff noch derartig fahrlässig mit Hundertprozentigen umgegangen wird und/oder ein gegnerischer Torwart einen herausragenden Tag hat wie eben gestern, gehen Spiel verloren. “Natürlich müssen wir daran arbeiten”, so Trainer Thorsten Fink, “aber wir müssen eben auch nach vorn blicken. Und dafür nehmen wir jetzt das Positive mit in die Winterpause und werden anschließend an den negativen Dingen intensiv arbeiten. Denn eines muss klar sein: wir sind auf dem absolut richtigen Weg. Aber wir lernen eben noch.”

Worte, die Jarchow in ähnlicher Form schon direkt nach Schlusspfiff der niedergeschlagen in der Kabine sitzenden Mannschaft gesagt hatte. Und Worte, die die Profis trotz der riesigen Enttäuschung versuchten, in den Vordergrund zu schieben. Allein, es gelang nicht allen. Dennis Aogo beispielsweise mochte sich zunächst nicht mit dem Auftreten anfreunden. „Ich habe schon in der Kabine gesagt, dass es nicht sein kann, dass wir immer wieder davon sprechen, wir ‚hätten ja’ gewinnen können. Wir haben es schließlich wieder nicht und sind raus“, so der Linksverteidiger, der für das Ausscheiden auch fehlende Führung innerhalb der Mannschaft verantwortlich macht. „Ich werde hier jetzt nicht groß loslegen, aber ich bin richtig sauer über ein paar Sachen, die einfach nicht gehen. Da gab es gegen Stuttgart und auch vorher schon Situationen, die uns nicht passieren dürfen, wo wir nicht präsent genug sind. Ich selbst nehme mich da absolut in die Verantwortung – allerdings auch noch einige andere. Uns fehlt noch immer die direkte Abstimmung. Da müssen wir uns dringend verbessern.“ Und ohne, dass es ausgesprochen wird, scheint klar, wer damit gemeint ist. Denn bis auf Heiko Westermann scheint sich derzeit niemand auf dem Platz für eine Kursvorgabe während der Spiele verantwortlich zu fühlen.

Ein Problem, dass Trainer Thorsten Fink schon bei seinem Amtsantritt anprangerte. „Es ist bei uns viel zu ruhig“, so Fink damals, „aber daran werden wir konsequent arbeiten. Das muss sich verbessern, wenn wir hier Erfolg haben wollen.“ Worte, die Fink noch nicht vollständig mit Leben füllen konnte. Aber auch Worte, die er in der Wintervorbereitung umsetzen will. Im Trainingslager in Marbella (4. bis 12. Januar) sowie in den Tagen bis zum Rückrundenstart gegen Borussia Dortmund (Sonntag, 22. Januar, 15.30 Uhr) sollen neben der Kommunikation aber noch etliche andere Baustellen behoben werden. Welche, darüber konnte ich mit Fink etwas ausführlicher sprechen. Das Interview:

Herr Fink, können Sie sich unbeschwert auf Weihnachten freuen?
Thorsten Fink: Ganz klar, ja. Ich werde die Tage nutzen, um mal den Kopf frei zu kriegen und durchzuatmen. In der zweiten Saisonhälfte haben wir noch eine Menge Arbeit vor uns.

Torabschlüsse beispielsweise…
Fink: Auch die. Aber wir haben in Stuttgart eine Leistung gebracht, auf die die Mannschaft und ich stolz sein können. Wir haben uns nicht versteckt und mussten auch nicht aus dem Stadion schleichen. Ich mache der Mannschaft in Sachen Willen und spielerischer Leistung keinen Vorwurf. Wir haben einen großen Fight gesehen, waren sogar die bessere Mannschaft. Wer so viele Chancen herausspielt, der hat spielerische Klasse. Und dennoch lernen wir eben noch. Denn wir haben mal wieder Torchancen nicht genutzt, wie es eigentlich nicht sein kann.

Hat der HSV offensiv ein Problem? Der beste Torschütze bringt es auf vier Treffer in der Bundesliga.
Fink: Nein. Mladen und Paolo sind zwei Stürmer, die eigentlich durch Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor glänzen. Das hat diesmal nicht geklappt, wird aber in der Rückrunde wiederkommen. Viel mehr denke ich daran, dass wir uns durch zwei individuelle Fehler zwei Tore gefangen haben, die uns jeweils sofort und vollkommen aus dem Konzept gebracht haben. Daran sieht man, dass wir zwar auf einem guten Weg sind, aber eben auch ganz sicher noch eine Menge lernen müssen. Und das werden wir in der Wintervorbereitung forcieren.

Ihre Serie von neun unbesiegten Pflichtspielen in Folge ist gerissen. Wie sehr ärgern Sie sich auch angesichts des Spielverlaufs darüber?
Fink: Ich für mich und meine Serie gar nicht. Die ist mir egal. Aber für uns wäre ein Weiterkommen wichtig gewesen.

Finanziell?
Fink: Auch. Aber es geht dabei auch um Ziele, um unsere Ziele. Und eines davon haben wir nicht erreicht. Dennoch geht es weiter. Und ich werde mich ganz sicher nicht mit einem 13. Platz in der Bundesligatabelle zufriedengeben. Ich will mindestens unter die ersten Zehn. Und dafür müssen wir unserer Nachlässigkeit den Kampf ansagen. Es wird ein Kampf gegen die liegengelassenen Punkte der Hinrunde. Unsere Punkteausbeute in den letzten Spielen hat uns doch gezeigt, dass wir 48 Punkte erreichen können. Und am Ende der Saison werden sie mir alle Recht geben. Deshalb ist das mein nächstes Ziel.

Sie wirken sehr gefasst, trotz der vermeidbaren Niederlage.
Fink: Klar. Ich kann doch jetzt nicht rumjammern und mich verkriechen. Die Mannschaft braucht jemanden, der vorangeht. Und das übernehme ich gern.

Dennis Aogo hat gesagt, die Kommunikation auf dem Platz sei zwingend zu verbessern. Es würde dort Führung fehlen.

Fink: Natürlich muss die Mannschaft noch mehr reden, daran werden wir weiter arbeiten. Wenn ich sehe, dass niemand in der Szene mit Paolo und dem Schiedsrichter dazwischen geht, kann ich das nicht verstehen. Paolo hat sich gut im Griff und schießt einmal etwas über das Ziel hinaus, ohne dass einer der anderen Spieler auf dem Platz dazwischen geht und ihn vor sich selbst schützt. Zum Glück kriegt Paolo nur Gelb und beruhigt sich dann von selbst. Dabei stehen etliche Nationalspieler auf dem Platz, da darf so etwas nicht vorkommen. Wir müssen einfach lernen, uns im richtigen Moment noch mehr zu pushen, uns auf dem Platz noch mehr zu coachen.

Haben Sie auch Fehler gemacht?
Fink: Ich muss die Mannschaft sicherlich noch besser kennenlernen. Ein Tomas Rincon beispielsweise hatte im Pokal müde Beine. Da hat man gesehen, dass er im Sommer keine Pause hatte. Und obwohl der in den letzten acht Wochen vor Kraft strotzte und geackert hat, hätte ich ihn vielleicht gegen Augsburg früher auswechseln müssen. Das hätte ich merken müssen.

Wie sieht Ihr Halbjahres-, oder besser: Ihr Vierteljahres-Fazit aus?
Fink: Sehr positiv. Wir entwickeln uns spielerisch, wir werden langsam aber stetig besser. Und wir haben jetzt ein paar Wochen, in denen wir Automatismen studieren können und müssen. Es wird einiges passieren. Zum Beispiel werden wir in der Wintervorbereitung auf einigen Positionen die Karten neu mischen.

Insbesondere auf der Sechs? Rincon hat Sie zwar überzeugt, aber der Platz neben ihm scheint noch immer vakant.
Fink: Ich werde nicht auf einzelne Namen und Position eingehen, das wäre falsch. Ich traue dieser Mannschaft in der Konstellation noch einiges mehr zu. Zähle ich nur die wirklich verschenkten Punkte dazu, könnten wir sogar in der Nähe der internationalen Plätze stehen. Auch wenn natürlich klar ist: wenn wir nächstes Jahr in den Uefa-Cup und in zwei, drei Jahren in die Champions League wollen, müssen wir sicher noch was machen.

Auch jetzt schon im Winter?

Fink: Ich werde nichts komplett ausschließen, dafür ist der Fußball zu schnelllebig. Aber Stand jetzt planen wir keine Neuen.

Dafür aber die Rückkehr von Maximilian Beister, der sich ernsthaft mit dem Gedanken herumschlagen soll, zu Borussia Dortmund zu wechseln.
Fink: Maxi werde ich noch mal sprechen, bevor ich am 23. In den Urlaub gehe. Er steht immerhin noch bei uns unter Vertrag, deshalb darf ich das. Ich werde ihm noch mal klar machen, was wir planen, welche Philosophie und Ziele wir haben, und wie seine persönlichen Perspektiven bei uns sind. Denn eines ist klar: Maxi steht bei uns unter Vertrag und wir wollen ihn nicht gehen lassen. Das weiß er.

Hat die Mannschaft Ihre Pläne für die freie Zeit bekommen?
Fink: Klar. Jeder hat sein Pulsmesser, seinen individuellen Trainingsplan und eine Kilogrammgrenze bekommen. Aber ich bin mir sicher, dass die Jungs von sich aus an sich arbeiten.

Können Sie im Urlaub, Sie fliegen über Weihnachten nach Dubai, überhaupt loslassen, oder verfolgt Sie die Saisonplanung überall hin?
Fink: Sie verfolgt mich. Aber ich bin ein Frühaufsteher und werde genug Zeit haben, mich um den HSV zu kümmern, ohne meine Familie in irgendeiner Form zu kurz kommen zu lassen. Denn die habe ich jetzt seit zehn Wochen kaum gesehen. Sie verdient meine Aufmerksamkeit.

Es gibt noch eine ganze Menge zu verbessern. Das wissen alle. Und das ist ein guter Anfang. Auch wenn es intensiv erst am 3. Januar losgeht, darf man auf weitere Verbesserungen hoffen. Sogar personeller Art. Denn trotz des Ausscheidens und den verpassten Millionen sollen sich die Aufsichtsräte in Alarmbereitschaft halten. Das hat der frisch zum fünften und sechsten Mal zum Großvater gekrönte Sportchef Frank Arnesen seinen Kontrolleuren mit in die Winterpause gegeben.

In diesem Sinne, wir dürfen gespannt sein. Ich verabschiede mich bis Neujahr in den Urlaub und möchte die Gelegenheit nutzen, Euch allen auf diesem Wege noch mal für die vielen konstruktiven, ehrlichen, bösen und netten Beiträge zu danken. Es war ein lehrreiches Jahr – für den HSV, für die Verantwortlichen, für Euch und für mich. Und ich habe das Gefühl, dass wir alle ein Stück schlauer geworden sind. Auf jeden Fall aber kann ich sagen, dass dieser Blog lebt. Dank Euch sogar mehr denn je. Danke dafür!

Ich wünsche Euch allen schöne, erholsame Weihnachtstage mit Euren Liebsten. Genießt die fußballfreie Zeit und kommt gut ins neue, hoffentlich von neuen HSV-Erfolgen und einem Europameistertitel für unsere Nationalmannschaft geprägte Jahr!

Euer Scholle

1:2 – am VfB-Keeper gescheitert

21. Dezember 2011

Das war Pech. Viel Pech. Der HSV hat es nicht geschafft, im DFB-Pokal zu überwintern. In Stuttgart gab es eine unverdiente 1:2-Niederlage, die aus Hamburger Sicht völlig unnötig war. Die Schwaben hatten zwei Chancen und machten zwei Treffer, der HSV dagegen vergab vornehmlich im zweiten Durchgang beste Möglichkeiten, hätte eigentlich zu einem klaren Sieg kommen müssen. So aber ist Fußball, er hat mitunter total ungerecht sein – wie in diesem Falle. Das war ein ganz bitterer Abend für Fußball-Hamburg, und dennoch ist es Realität. Das Achtelfinale war Schluss, weil der VfB-Keeper zu gut war. Und nun kann sich der HSV voll und ganz auf das Unternehmen Abstiegskampf konzentrieren – und das wird noch hart und lange und nervenaufreibend genug. Hoffen wir, dass es der HSV 2012 besser macht, die spielerische Vorlage dazu hat er an diesem Abend am Neckar gegeben, keine Frage. Trotz dieser Niederlage, das ist mein Resümee, sollte dieser Pokal-Abend jedem HSV-Fan wieder Mut machen, dass es schon bald wieder besser läuft.

Der HSV begann im Ländle im Stile einer Heimmannschaft. Und das ist meistens sehr gefährlich. Für den HSV. Je mehr Chancen es nämlich vorne gibt, je sorgloser wird hinten operiert. Und was kommt letztlich bei einem optisch überlegen geführten Spiel heraus? Richtig, die Führung des Gegners. So geschehen in der 23. Minute. Da befand sich der gesamte HSV wieder einmal in der Vorwärtsbewegung, was sonst? Der Fehlpass von Spielmacher Tomas Rincon riss dann alle aus dem Tiefschlaf. Ich schreibe bewusst „Spielmacher“, denn das ist der Südamerikaner im Finkschen System ja geworden. Der Ball landete in den Reihen der Schwaben, Molinaro spielte den Ball in die Spitze, wo die HSV-Defensive ungeordnet (und überrascht) war. Jeffrey Bruma stand ungünstig, grätschte am Ball vorbei – freie Bahn für Cacau, der keine Mühe hatte, Jaroslav Drobny zu überwinden. Bis dahin hatte der HSV alles, wirklich alles und jeden im Griff gehabt, aber so baut man einen Gegner eben wieder auf.

Die Frage, die ich mir nach diesem 0:1 gestellt habe ist die: Kann der HSV nicht defensiv? Kann er nicht einmal in erster Linie hinten sicher stehen, die Räume eng machen, um dann, bei passender Gelegenheit, zuzuschlagen? Per Konter? Per Konter geht wohl nicht so richtig, denn Paolo Guerrero ist gewiss kein Konter-Spieler, und Ivo Ilicevic könnte es vielleicht, spielt ja aber nicht als Spitze neben Guerrero, sondern eher hinter ihm. Und über die Flügel kam an schnellen Vorstößen kaum etwas. Was nicht heißen soll, dass von dort gar nichts kam, es gab schon Flanken, vornehmlich von links (Dennis Aogo, Marcell Jansen), doch die fanden in der Mitte keine Abnehmer. Oder landeten in der Mehrzahl bei einem Spieler im roten Trikot – einem Stuttgarter. Von rechts wurde es einmal gefährlich, doch die Flanke von Dennis Diekmeier lenkte Torwart Ulreich noch ab, so dass es trotz vielversprechender Situation kein Hamburger Tor gab.

Noch einmal zurück zu „Spielmacher“ Rincon. Wer gesehen hat, wie er den Ball auf die rechte Außenbahn „powern“ wollte, wie er im Stile eines Regisseurs den Ball mit der Innenseite anschnitt, der muss zu der Feststellung kommen: Das ist doch gar nicht Rincons Spiel. Achtet einmal drauf: „Spielmacher“ Rincon verteilt auf der (hinteren) Sechs die Bälle nach links und nach rechts – und zurück. Aber das, was ihn einst stark gemacht hat, das zeigt er fast gar nicht mehr. Nämlich die Attacke. Er kann einen Gegenspieler „totmachen“, er kann ihn nach allen Regeln der Kunst bekämpfen, beackern, aus dem Spie nehmen – aber das macht er jetzt nicht mehr. Nun „spielt“ er Fußball (bis vielleicht auf die hart umkämpfte Schlussphase des Spiels). Und beraubt sich damit seiner größten Stärke. Schade.

Die Einzelkritik:
Jaroslav Drobny hielt das, was er halten musste. Das war nicht viel. Am 0:1 war er absolut schuldlos. Dennis Diekmeier hatte auf seiner rechten Außenbahn einen schweren Stand, denn er hatte es, weil Abwehrspieler Molinaro oft nach vorne kam, oft mit zwei Stuttgartern zu tun. Dennoch hat sich Diekmeier nicht schlecht „verkauft“, weil er diesmal durchaus auch Akzente nach vorne setzen konnte. Bei Jeffrey Bruma wechselt mir noch zu oft Licht und Schatten. Er macht ja insgesamt kein schlechtes Spiel, aber er muss es lernen, konzentriert zu bleiben, auch wenn es gerade den Anschein hat, dass der HSV alles im Griff zu haben scheint. Bruma ist ja ohne Zweifel ein riesiges Talent, aber er ist eben auch noch jung. Und je eher er lernt, stets konzentriert von den Haar- bis in die Fußspitzen zu bleiben, je eher wird er ein richtig Großer. Er hat alle Veranlagungen dazu.

Heiko Westermann in der Innenverteidigung solide, er versuchte nicht nur viele Lücken zu stopfen, sondern auch, seine Kollegen gelegentlich zu wecken, auch besser zu stellen. So muss ein Abwehrchef agieren, das macht der Nationalspieler inzwischen sehr gut. Links setzte Dennis Aogo seinen Aufwärtstrend, den er gegen Augsburg unter Beweis stellte, fort, er wirkt souveräner, stellt sich nun auch der Verantwortung, die er ja zweifellos als aktueller deutscher Nationalspieler auch hat.

Die beiden „Sechser“ sind bei mir längst Risikofaktoren. Weil Rincon, wie schon geschrieben, nur noch „spielen“ statt auf- und abräumen will, und weil Gojko Kacar weit, meilenweit von seiner Bestform entfernt ist. Ich habe auch heute ganz besonders auf ihn geachtet, mir ist auch diesmal wieder aufgefallen, dass seine Körpersprache nicht stimmt. Misslingt ihm etwas, lässt er schnell den Kopf hängen. Ist er vorne und verliert den Ball, schaltet er eher behäbig um, trabt zurück, anstatt im Sprint seine Position einzunehmen. Nein, diese beiden Sechser sind ein Problem für Fink. Kacar wurde in der 68. Minute vom Rasen genommen, für ihn kam Robert Tesche.

Und die Außen? Ebenfalls. Gökhan Töre ist 19 Jahre jung, da ist es völlig normal, dass er nicht immer 100 Prozent spielt. Im Moment ist er höchstens bei 70. Er macht viele gute Dinge, aber eben auch einige schlechte. Und er macht vor allem im Moment keine überragenden Sachen. Sachen, die ihn einst ins Rampenlicht der Bundesliga gebracht haben. Dribblings, die Raum schaffen, die den Gegner vor Probleme stellen. Und die ihn als einen der wertvollsten Jungs-Stars er Liga werden ließen. Aber, wie gesagt, völlig normal, dass es in seinem Alter Hoch und Tiefs gibt, freuen wir uns, dass wir ein solches Juwel in den Reihen des HSV haben.

Links versuchte, durfte sich versuchen, Marcell Jansen, für Druck zu sorgen. Vergeblich. Der ehemalige Nationalspieler trat nur einmal effektiv in Erscheinung, als er nach Diekmeiers Flanke köpfte, aber Ulreich den Aufsetzer meisterte (11.). Ansonsten tauchte Jansen aber fast total ab. Das ist mir insgesamt zu viel Alibi-Fußball. Auch von ihm erwarte ich eigentlich, dass er sich voll reinhängt, körperlich zeigt, dass er will – aber er versucht mir zu viel, körperlos über die 90 Minuten zu kommen. Diesmal ging es für ihn nur bis zur Hälfte, dann kam Mladen Petric für ihn. Natürlich, der HSV musste beim 0:1-Halbzeitstand ja etwas für die Offensiv tun, Thorsten Fink tat es.

Das war Unterstützung für Ivo Ilicevic, der vor allem eine gute erste Halbzeit spielte. Das war erfreulich. Dennoch sage ich: Der Wirbelwind kann noch so viel mehr. Aber, immerhin, er stellte unter Beweis, dass er es kann, von ihm werden wir noch gute Sachen sehen – in der Rückrunde.

Paolo Guerrero diesmal nicht ganz so überzeugend wie zuletzt, obwohl er den 1:1-Ausgleich (ein Eigentor) vorbereitetet. War er zu oft allein in vorderster Front? Wahrscheinlich. Aber er übertrieb auch ein wenig das Einzelspiel. Und leider vergab er in der 75. Minute, als es drauf ankam, eine (fast) Hundertprozentige, als er freistehend an Keeper Ulreich scheiterte. Bitter, bitter.

Aber eine solche gute Möglichkeit vergab auch Maden Petric, der nach seiner Einwechslung für viel Betrieb in der VfB-Deckung sorgte. In der 79. Minute schien ein Petric-Tor fällig, doch den Hechtkopfball des Stürmers (nach Guerrero-Flanke) hielt der Teufelskerl im Stuttgarter Tor- Wie? Ich habe keine Ahnung, eigentlich war dieser Kopfball unhaltbar.

Zu diesem Zeitpunkt stand es schon lange 2:1 für die Schwaben, denn erneut wurde die HSV-Defensive ausgekontert, ganz leicht überspielt. Diesmal versäumte es Töre, auf den nach vorne geeilten Molinaro zu achten. Flanke, Tor – Cacau (62.). Es war die einzige Chance, die der VfB im zweiten Durchgang hatte. Wobei ich nach dem 1:0 gar keine weitere Möglichkeit für Stuttgart gesehen habe . . .

Der HSV aber vergab noch eine „Hundertprozentige“. Der in der 69. Minute eingewechselte Tesche kreuzte 60 Sekunden später allein vor dem VfB-Tor auf, doch Ulreich hielt den zu schwach geschossenen Ball.

Hier wäre mehr drin gewesen für den HSV, ganz eindeutig. Die Fink-Elf hat vor allem in Halbzeit zwei ein starkes Spiel gemacht, hat wieder einmal gezeigt, dass es auswärts etwas besser klappt als im Volkspark, aber auch diesmal reichte es nicht zum Sieg. Am Stuttgarter Torwart gescheitert. Nur daran. Und vielleicht auch etwas an den eigenen Unzulänglichkeiten, aus klarsten Möglichkeiten auch Tore zu machen. Das muss 2012 besser werden, denn es steht viel mehr auf dem Spiel, als der DFB-Pokal.

22.31 Uhr

Finks Gespür für den VfB Stuttgart – und Trubel um Beister

20. Dezember 2011

„Ich würde mich zur Verfügung stellen.“ Sagte er und verschwand in der Kabine. Und er tauchte nicht mehr auf. Zumindest nicht auf dem Trainingsplatz. Mit der Erklärung, David Jarolim habe noch immer Magen-Darm-Probleme, erklärte uns Trainer Thorsten Fink heute, weshalb der Tscheche nicht mittrainieren konnte und voraussichtlich auch gar nicht erst mit nach Stuttgart reisen wird. „Ansonsten kommen alle mit, weil es das letzte Spiel ist und wir noch mal zusammen sein wollten“, sagte Fink unmittelbar bevor es per Flieger nach Stuttgart ging. Dort steht heute Abend noch ein gemeinsames Essen an, ehe es nach einem kurzen Aufwärmen am Morgen am Abend in die Mercedes-Benz-Arena zum Pokal-Achtelfinale beim VfB Stuttgart geht.

Mit im 20-Spieler-Tross dabei sein werden auch Jacopo Sala und Michael Mancienne, die als erste Streichkandidaten für den 18-Mann-Kader fürs Spiel gelten. Zumal Jeffrey Bruma wieder fit ist. „Ich hatte leichte Oberschenkel-Probleme“, sagte der Niederländer, der im Training das komplette Programm absolvierte und keinerlei Probleme hatte. „Ich spiele, wenn ich keine Probleme haben sollte“, so Bruma, der an die Mercedes-Benz-Arena eine besondere Erinnerung hat. Immerhin erzielte er dort im September seinen ersten Bundesligatreffer bei ersten Bundesligasieg des HSV in dieser Saison. „Das war schon etwas Besonderes für mich, so etwas vergesse ich wahrscheinlich nie“, sagte Bruma, der in Stuttgart auf einen geschwächten Gegner hofft. „Stuttgart hat seit ein paar Wochen Probleme“, so Bruma, der in den Entwicklungen der beiden Teams ein Plus für den HSV sieht: „Zuletzt haben sie gegen Wolfsburg verloren. Ihre Kurve geht leicht nach unten, unsere leicht nach oben. Das spricht zwar für uns, ebenso wie die Tatsache, dass ganz sicher nicht Favorit sind beim VfB. Das ist besser.“

Ebenso wie die Stimmung innerhalb der Mannschaft. Die war heute im Training so gut, dass sich ein älterer Herr vor mir lautstark Sorgen machte, die Mannschaft könnte sich zu früh in ihrer Winterpause wähnen. Immer wieder flachsten sich die Spieler, wenn einer ihrer Kollegen bei den Schussübungen das Ziel weit verfehlte. Allerdings, und ich glaube, das beruhigte auch den Herren vor mir, im Abschlussspiel war wieder Zug drin. Zwar ließ Trainer Thorsten Fink Jacopo Sala hinten rechts und Heung Min Son im Angriff der vermeintlichen A-Elf spielen, allerdings schien sich die restliche Startelf so darzustellen, wie es zu erwarten war. Sowohl vom Engagement het wie von der Besetzung. Drobny hinter der Viererkette mit Diekmeier statt Sala, Bruma, Westermann und Aogo. Davor spielte Rincon mit – Robert Tesche statt Gojko Kacar. Mit einer vermeintlich leicht nachvollziehbaren Erklärung, denn Tesche war es, der sich beim 2:1-Sieg in Stuttgart vor drei Monaten neben Bruma als Torschütze eintrug. Einer der Psycho-Tricks von „Psycho-Fink“ (was bitte ist an dieser scherzhaften Bezeichnung, die auch als solche gekennzeichnet ist, anstößig?)? Immerhin hatte der zuletzt immer wieder betont: „Fußball entscheidet sich zu einem nicht unwesentlichen Teil auch im Kopf.“

Dabei profitiert Tesche davon, dass sich David Jarolim heute abmeldete. Er hätte eigentlich spielen sollen, sagte Fink am Montag. Er hätte mit seiner Erfahrung helfen können, hätte beginnen sollen“, so Fink. Und obwohl Jarolim heute vor dem Abschlusstraining noch selbst betont hatte, sich für das DFB-Pokal-Achtelfinale zur Verfügung stellen zu wollen, ist er nicht im Kader. „Er hat noch immer Magen-Darm-Probleme und ist nicht fit“, so Fink, der deshalb auf die Dienste des Tschechen im Abschlusstraining verzichtete.

Ist das der leise Abschied des dienstältesten HSV-Profis? Er könnte es zumindest werden. Obgleich ich es absolut nicht hoffe, da Jaro mehr verdient hätte. Allerdings: Zuletzt hatte Jarolim vom Verein einen ablösefreien Vereinswechsel im Winter in Aussicht gestellt bekommen, sollte er sich dazu entscheiden. Und es hatten sich mit Augsburg und Nürnberg bereits zwei Bundesligisten um die Dienste des defensiven Mittelfeldspielers bemüht.

Bemüht hatte sich der HSV zuletzt um eine Vertragsverlängerung des Offensivtalentes Maximilian Beister. Der Linksfuß, der noch bis Saisonende an Fortuna Düsseldorf ausgeliehen ist, sollte nach den Wünschen von Trainer Thorsten Fink und Sportchef Frank Arnesen nach dieser Saison nach Hamburg zurückkehren und vorher seinen Vertrag bis 2016 verlängern. Und obwohl sich Fink und Beister für diesen Donnerstag zum Gespräch verabredet haben, wird in Düsseldorf gemunkelt, dass sich Beister bereits mit Borussia Dortmund über einen Wechsel einig sei. Dort soll er spätestens 2013 zum FC Bayern München wechselnden Mario Götze ersetzen. Zumal mit einem Abgang von Rechtsaußen Jakub „Kuba“ Blaszczykowski gerechnet wird.

Vereinsintern hatte Arnesen den Aufsichtsräten bei seinem letzten Treffen bereits davon berichtet, dass es sehr schwer würde, ob der Konkurrenz von Borussia Dortmund den Vertrag mit Beister zu verlängern. Es wird sogar berichtet, Jürgen Klopp habe sich mit Beister unmittelbar vor dem Pokal-Duell der Düsseldorfer und Dortmunder am Montagabend getroffen. „Ich mag nicht glauben, dass sich ein Trainer mit Blick auf so ein Spiel mit einem Spieler von uns trifft. Das widerspräche jeder Ethik im Fußball“, sagte Düsseldorf-Macher Wolf Werner, nachdem er ebenfalls von dem Gerücht erfahren hatte. Auch Beister-Berater Carsten Kühn stellte klar: „So ein Treffen gab es nicht, das wäre auch ganz schwach und weder Maxis, noch meine Art. Maxi wird sich jetzt allein auf das letzte Spiel konzentrieren und anschließend etwas Zeit für sich haben, um über verschiedene Dinge nachzudenken.“ Obgleich es vorher am Donnerstag noch ein Treffen mit Fink geben wird.

Auch Klopp selbst dementierte ein Treffen umgehend, gab aber zu: „Der Maximilian ist ein großartiges Talent. Wir sind ja nicht blind und er spielt ja nicht in China. Es ist normales Thema, dass wir uns mit einem solchen Spieler beschäftigen”. Dennoch, da Beister beim HSV noch einen Vertrag habe, seien die Chancen auf eine Verpflichtung gering. Klopp: „Wir wissen, dass wir da praktisch keine Chancen haben, ihn zu verpflichten.“ Wohl nicht mehr als eine taktische Aussage, denn auch Klopp weiß, dass der BVB ganz schnell wieder groß im Geschäft ist, wenn Beister die Vertragsverlängerung beim HSV ablehnt. Denn dann hätten Arnesen und Co. nur noch im kommenden Winter die Chance auf eine Ablösesumme für den in Lüneburg groß gewordenen Fußballprofi. „Es gibt Interessenten und ich habe gesagt, dass der BVB ein interessanter Verein für jeden Fußballer ist“, sagt Kühne, der ein wenig Tempo aus der Geschichte nimmt: „Maxi braucht jetzt Zeit. Er ist jung und muss sich über sehr viele Dinge klar werden. Daher können alle sicher sein, dass es in diesem Jahr keine Entscheidung mehr geben wird.“

Und auch wenn es bei Beister noch nicht so hoffnungsvolle Aussichten gibt, wie sie sich Arnesen erhofft, hat der Däne allen Grund zur Freude. Denn: Die Zwillinge sind da. Arnesens Tochter Britt brachte in Eindhoven die Enkelkinder fünf und sechs des Sportchefs zur Welt. Kaj und Jesper wurden Montagnacht um 23.50 Uhr in Eindhoven geboren und wiegen 2800 und 3200 Gramm. Und das Wichtigste: sie sind bei gesund.

Herzlichen Glückwunsch Britt, Frank und der gesamten Familie Arnesen!

Bleibt nur zu hoffen, dass Arnesen auch in Stuttgart etwas geschenkt bekommt – und zwar einen Sieg im DFB-Pokal-Achtelfinale. „Damit würde sich mein vielleicht zweitgrößter Weihnachtswunsch erfüllen“, so Arnesen vergangene Woche. Und die Mannschaft ist gewillt, ihrem Chef diesen Wunsch zu verwirklichen. Womit ich noch mal auf das Thema Stimmung komme. Denn die ist, das wissen wir seit Wochen, deutlich besser geworden. Heute verdeutlichte Marcell Jansen noch einmal, wie wichtig der Trainerwechsel war. „Damals hatten wir ein sehr emotionales Spiel in Stuttgart, das wir gewinnen konnten. Es war ein enorm wichtiger Moment, nachdem wir zuvor kaum noch daran geglaubt hatten. Seitdem hat sich in Sachen Stimmung innerhalb der Mannschaft richtig was getan. Das war davor nicht so prickelnd und jeder kann sich vorstellen, was passiert wäre, wenn sich nichts verändert hätte. Der Sieg in Stuttgart und die damit verbundenen Veränderungen waren unser Wendepunkt.“

Jansen selbst wird in Stuttgart spielen können. Und trotz der überaus großen Wahrscheinlichkeit, dass Jansen aufläuft, wollte sich Fink heute noch nicht hundertprozentig auf einen Einsatz des Linksfußes von Beginn an festlegen. Ob er gegen Augsburg wirklich angeschlagen war oder eher geschont wurde? „Es war eine Mischung aus beidem. Ich bin Anfang letzter Woche körperlich einmal richtig runtergefahren. Da hat der Trainer ein sehr gutes Gespür gehabt.“ Hoffentlich gilt das auch für die Startelf in Stuttgart, die identisch mit der aus dem Mainz-Spiel sein dürfte: Drobny – Diekmeier, Bruma, Westermann, Aogo – Töre, Rincon, Tesche, Jansen – Ilicevic, Guerrero.

In diesem Sinne, bis morgen! Dann meldet sich Dieter, weil ich für den Printbereich in Stuttgart live dabei sein darf. Ich melde mich Donnerstag wieder – hoffentlich mit einem erfolgreichen Jahresabschluss im Gepäck…

Scholle (18.43 Uhr)

“Psycho-Fink” wird zum neuen Happel

19. Dezember 2011

Da waren wir kurzzeitig mal verwirrt. Okay, das sind wir häufiger werdet Ihr jetzt sagen – war ja auch eine ziemlich steile Vorlage. Aber diesmal war es unverschuldet. Denn auf die Frage, wo denn Jeffrey Bruma sei, erhielten wir von Physio-Coach Niokola Vidovic die Antwort, er sei abgeflogen. Nur wohin? Auch das wollten wir wissen und fragten wiederholt nach. Ohne konkretere Auskunft des Kroaten zu bekommen. Er sagte, er wüsste nur, dass Bruma am Dienstag wieder da sei und mit nach Stuttgart fahren können. Und anstatt uns aufzuklären, machte Torwarttrainer Ronny Teuber auf Geheimnis. Logische Folge: Sofort legten mein Bild-Kollege Kai-Uwe Hesse und ich los, telefonierten, schauten in Brumas Twitter-Mitteilungen nach und warteten auf Trainer Thorsten Fink.

Das dann allerdings mit dem erhofften Erfolg. Und das im doppelten Sinn. Denn Bruma war nirgendwo hingeflogen, sondern hatte sich ob leichter Oberschenkelprobleme lediglich einen Tag geschont und im Kraftraum fit gehalten. Der Innenverteidiger soll am Dienstag schon wieder ganz normal ins Training einsteigen. Zudem ist er vor der Abschlusseinheit bei uns in der Runde und kann selbst noch mal erzählen, was los war…

Aber okay, auch wenn wir da in die Irre geführt wurden, sauer bin ich selbstverständlich nicht. Im Gegenteil. Ich bin erleichtert, dass der Niederländer, der zuletzt stark aufspielte, auch in Stuttgart dabei sein kann. Denn die Aufgabe bei den Schwaben wird sauschwer. Die haben sich nach einem furiosen Saisonstart zuletzt zwar in Schwierigkeiten gebracht, doch noch gibt es eine Chance, die Abwärtsspirale im laufenden Jahr zu stoppen: Mit einem Sieg im Pokal gegen den HSV. „Wir haben uns in diese Ausgangslage gebracht. Der Pokal ist nun eine sehr wichtige Sache für uns.“ Wieder mit dabei ist Cristian Molinaro, der in der Liga zuletzt gesperrt war. „Problem“ für den HSV: dadurch kann Arthur Boka auf die rechte Seite rücken und die zuletzt größte Schwachstelle des VfB stopfen.
Für Fink ist das allerdings kein Problem. Sagt er und konzentriert sich nur auf seine Mannschaft. Zwar wird es am Dienstag vor dem Abschlusstraining noch eine längere Videoanalyse geben, allerdings müsse sich sein Team nur an die jüngere Vergangenheit erinnern. Da gab es am 23. September in Stuttgart einen 2:1-Erfolg. Den ersten dieser Bundesliga-Saison. „Wir haben unser letztes Spiel da gewonnen und wissen, dass wir das können. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass das noch immer in den Köpfen der Spieler ist – und zwar nicht nur bei unseren Spielern.“

Ein kleiner Psycho-Trick von Fink, der seine Mannschaft gut vorbereitet sieht. „Wir haben eine grundsätzlich positive Tendenz, ohne, dass wir uns deshalb in den Armen liegen müssen. Wir können in der Bundesliga noch nicht anfangen, die Europa-League als Ziel auszugeben“, so Fink vs. Den zarten Träumereien von Dennis Aogo, „aber es sind im Pokal auch nur noch vier Spiele, um dieses Ziel doch noch zu verwirklichen. Dabei sind wir in Stuttgart sicher nicht der Favorit – aber wir wissen, dass wir überraschen können.“ Und eine solche Überraschung könne seinen Spielern eine Dynamik verleihen, deren Ende nicht abzusehen sei. Fink optimistisch: „Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass wir gewinnen..“ Immerhin haben er (inklusive Basel er sogar seit 17 Partien) und seine Mannen seit neun Spielen nicht mehr verloren. Bleibt diese Serie bestehen, würde es der HSV wenigstens ins Elfmeterschießen schaffen. „Und dafür haben wir mit Jaroslav Drobny einen Torwart, der alles hält.“

In Sachen Bundesliga gibt Fink sich etwas ruhiger. Die Europa League könne noch nicht das Ziel sein, die Meisterschaft („Wir haben hier keinen Maradona oder Schweinsteiger, um an sowas denken zu können“) noch weniger. „Mein Ziel ist ein gesicherter Mittelfeldplatz, ich will unter die Top Ten.“ Würde er weiterhin 1,5 Punkte pro Spiel machen, wären es am Ende rund 45 Punkte n- genau so viele wie in der vergangenen Saison. Damals wurde der HSV Achter. Enttäuschend ob der großen Namen. Diesmal wäre es anders, diesmal wären letztlich alle zufrieden. Vor allem Fink: „Immerhin hat man vor acht Wochen, als ich herkam, dieser Mannschaft noch die Bundesligatauglichkeit abgesprochen.“ Nur noch ein Zauberer sollte den HSV retten können. Das hatte kein geringerer als Franz Beckenbauer gesagt – und sich inzwischen darauf festgelegt, dass Fink eben jener Zauberer sein müsse.

Alles andere als Zauber erwartet hingegen VfB-Sportchef Fredi Bobic. Der fordert gegen den HSV altbekannte Tugenden: „Ich erwarte, dass die Spieler über die volle Spieldauer Willen, Leidenschaft und Engagement zeigen.“. Tugenden, die David Jarolim verkörpert – allerdings nicht auf den Platz bringen wird, denn heute fehlte der Tscheche ob einer Magen-Darm-Grippe. „Das ist sehr schade“, so Fink, „denn eigentlich wollte ich David Jarolim spielen lassen.“ Worte, die mich an Slobodan Rajkovic erinnern. Der Serbe hatte sich vor dem Mainz-Spiel nach vier Wochen Sperre mit Rückenproblemen kurzfristig abgemeldet – und hätte damals laut Fink ebenso überraschend spielen sollen wie diesmal Jarolim. Ein Schelm, wer…. aber egal, lassen wir das. Bringt ja auch nichts.

Stattdessen setzt Fink auf alte Kräfte, will nicht zu viel umstellen. Und er will wieder auf Marcell Jansen setzen. Der nach leichten Adduktorenproblemen zuletzt geschonte Linksfuß ersetzt auf der linken Außenbahn Ivo Ilicevic, der seinerseits Mladen Petric als zweite Spitze ersetzen könnte. Denn der Kroate leidet unter leichten Kniebeschwerden, blieb heute nur im Trainingstrakt zur Pflege, soll aber beim Abschlusstraining ebenso wie in Stuttgart dabei sein können. Nur nicht in der Startelf. „Mladen ist im Moment noch nicht richtig fit und muss das zweite Spiel in vier Tagen absolvieren.“ Was genau das bedeutet? Fink: „Dass Mladen vielleicht erst mal auf der Bank sitzt. Sollte es zum Elfmeterschießen kommen, könnte er zum Ende hin noch sehr wichtig werden.“ Zumal Petric als sicherster Elferschütze des HSV gilt und Penaltys nicht geübt werden. „Ich halte nichts davon, die zu üben“, so Fink, der die hohe Kunst des sicher verwandelten Elfmeters im psychischen Bereich sieht. „Meine Erfahrung ist, dass hierbei das Selbstvertrauen entscheidet. Und im Moment haben unsere Jungs Selbstvertrauen.“ Und eben Drobny.

Noch nicht haben die HSV-Verantwortlichen Maximilian Beister. Die Leihgabe an Fortuna Düsseldorf ist weiter heiß umworben. Aber der HSV ist dran. Ganz nah sogar. Noch am Donnerstag will sich Fink mit dem Wunschspieler treffen, um ihn von einer Vertragsverlängerung beim HSV zu überzeigen. „Wir hatten schon gute Gespräche und wollten uns beide jetzt noch auf den Saisonendspurt konzentrieren.“ Der ist am Dienstag für die Düsseldorfer gegen Dortmund und am Mittwoch für den HSV nach der Partie gegen Stuttgart beendet. „Deshalb setzen wir uns schnell noch mal miteinander hin, damit ich ihm unsere Fußball-Philosophie und vor allem seine sportliche Perspektive aufzeigen kann. Denn sportlich überzeugt bin ich von ihm, das weiß er.“

Das ist Fink irgendwie von allen, mit denen er zusammenarbeitet. Vor allem von seinen Spielern. Und während er betont, wie sehr er von seinem aktuellen Mittelfeld überzeugt ist, stellt er noch mal hervor: „Stand jetzt werden wir im Winter keinen Neuen holen. Es sei denn, Messi will plötzlich zu uns und ist finanzierbar. Nein, wir sind mit der Qualität der Mannschaft zufrieden. Der Kern stimmt, deshalb werden wir die Mannschaft nur punktuell sinnvoll verbessern und nicht auf Masse gehen. Mir geht es darum, die Mannschaft spielerisch zu verbessern, wobei schon die Vorbereitung helfen wird. Und ich möchte hier etwas entwickeln. Und zwar in aller dafür nötigen Ruhe.“ Immerhin hätte auch Borussia Dortmund – noch immer das Paradebeispiel für den erfolgreichen Umbruch von alt auf jung – zwei, drei Jahre dafür gebraucht. Fink: „Langfristig erfolgreich zu sein, kann man nicht von heute auf morgen erzwingen.“

Recht hat unser „Psycho-Fink“, der sich auf die Spuren eines legendär erfolgreichen HSV-Trainers macht: auf die von Ernst Happel. Auch der Österreicher hatte in den 80ern immer wieder betont, keinen Sinn darin zu sehen, auswärts taktisch großartig anders aufzutreten als daheim. Auch Happel forderte von seinen (zweifellos herausragenden Weltklasse-)Fußballern damals Dominanz auf dem Platz – auch auf fremdem Geläuf. „Das wollen wir auch in Stuttgart. Wir werden dort genauso auftreten, wie zu Hause. Das ist uns in Mainz nicht so gut gelungen, dafür gegen Augsburg wieder. Und auch wenn der VfB fußballerisch sicher so gut ist, dass er uns immer wieder mal unter Druck setzen wird und wir kontern, verändert sich unsere Taktik nicht.“ Denn, wie gesagt, so hat der HSV unter Fink noch keines seiner bislang neun Pflichtspiele verloren. Hoffen wir darauf, dass diese Serie anhält…

In diesem Sinne, morgen melde ich mich mit (Über-)Flieger Bruma und Marcell Jansen sowie mit letzten Erkenntnissen aus dem Abschlusstraining wieder.

Bis morgen,
Scholle (18.42 Uhr)

Fink: “Wir haben richtig guten Fußball gespielt”

18. Dezember 2011

Grottenkick, Durchschnitts-Spiel oder sehr gute 90 Minuten? Was war HSV gegen den FC Augsburg tatsächlich? Für mich war es ein schlechtes Spiel. Für die beiden Trainer ein gutes. Darüber später mehr. Vielleicht war es für mich deswegen so furchtbar, weil der HSV diese Begegnung hätte unbedingt gewinnen müssen. Die Enttäuschung war groß, war sogar riesig. Nur 1:1 gegen den Abstiegskandidaten? Das heißt, wer ist hier der Abstiegskandidat gewesen? Beide! Denn wenn man sich mal die Heimbilanz des HSV auf der Zunge zergehen lässt, dann kann einem tatsächlich angst und bange werden:

gegen Nürnberg 2:0
Kaiserslautern 1:1
Köln 3:4
Hoffenheim 2:0
Schalke 1:2
Wolfsburg 1:1
Mönchengladbach 0:1
Hertha 2:2
Augsburg 1:1.

Zwei Heimsiege – und zwar gegen Klubs, die nicht unbedingt zur Creme der Liga zählen. Und keine Siege gegen jene Klubs, die sich stets eher nach unten orientieren, gegen die eigentlich gewonnen werden muss, wenn man die Klasse halten will. Da kann sich jeder leicht ausrechnen, welche Vereine in der Rückrunde nach Hamburg kommen. Und gegen die muss dann wohl gewonnen werden, um nicht abzusteigen. Aber wird gegen die auch tatsächlich gewonnen? Nach dem Kick gegen Augsburg bleiben da doch viele Zweifel.

Die Statistik des Spiels HSV gegen Augsburg spricht allerdings deutlich für Hamburg: 25:12 Torschüsse, 8:0 Eckstöße, 17:9 Flanken, 61:39 Ballkontakte, 53:47 Zweikämpfe. Die meisten Ballkontakte beider Klubs: Tomas Rincon 100, De Jong 53. Die Zweikampfstärksten: Heiko Westermann 78 Prozent, Verhaegh 67 Prozent.
Tore aber 1:1.
Nur die zählen.

Und deswegen bleibt nach diesem Unentschieden eine große Enttäuschung, ich kann mich nur wiederholen. Zumal Augsburg nicht gerade mit einer „Wundermannschaft“ angetreten ist – im Gegenteil. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, mit welcher Bundesliga-Erfahrung der Aufsteiger in diese Partie gegangen ist:

Das ist die FCA-Startformation:

Mohamed Amsif kam von Schalke 04, 0 Bundesliga-Spiele zu Saison-Beginn, jetzt 6.
Paul Verhaegh kam von Vitesse Arnheim, 0 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 9.
Gibril Sankoh kam vom FC Groningen, 0 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 10.
Marcel De Jong kam von Roda Kerkrade, 0 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 8.
Andrew Sinkala kam vom SC Paderborn, 37 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 44
Hajime Hosogai kam von Urawa Red Daimonds, 0 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 16.
Torsten Oehrl kam von Fortuna Düsseldorf, 1 Bundesliga-Spiel zu S-Beginn, jetzt 5.
Daniel Baier kam vom VfL Wolfsburg, 28 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 45.
Tobias Werner Carls Zeiss Jena, 0 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 13.
Lorenzo Davids kam vom NEC Nijmegen, 0 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 16.
Sascha Mölders kam vom FSV Frankfurt, 11 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 28.

Eingewechselt wurden dann noch:
Daniel Brinkmann kam von Alemannia Aachen, 0 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 12.
Dominik Reinhardt kam vom 1. FC Nürnberg, 93 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, 105.
Uwe Möhrle kam vom VfL Wolfsburg, 114 Bundesliga-Spiele zu S-Beginn, jetzt 123.

Diese Formation des FC Augsburg hatte also insgesamt 161 Bundesliga-Einsätze in den Stiefeln. Im Vergleich dazu beim HSV beispielsweise Jaroslav Drobny (135), Heiko Westermann (209), Paolo Guerrero (151) und Mladen Petric (112).

Wobei noch anzumerken ist: Gefehlt haben beim FC Augsburg in Hamburg immerhin neun Spieler, davon einige sehr erfahrene:
Jentzsch (253 BL-Spiele), Callsen-Bracker (62). Ndjeng (24), Kapllani (53), Rafael (105), de Roeck (7), Bellinghausen (31), Bah (1) und S. Langkamp 19).

So, und nun zu den Beurteilungen der Trainer.

Jos Luhukay (FCA) befand glücklich: „Wir haben heute läuferisch und kämpferisch alles abgerufen, dazu haben wir in mehreren Momenten auch ein Quäntchen Glück gehabt, und wir hatten einen fantastischen Torwart, der uns in den schwierigen Momenten auf den Beinen gehalten hat. Wir haben heute gegen eine Klasse-Mannschaft gespielt, die offensiv mit extrem viel Bewegung gespielt hat, die ein hohes Tempo gegangen ist. Der HSV hat nur vergessen, in den entscheidenden Momenten seine Möglichkeiten zu nutzen, das hat uns immer wieder zurück ins Spiel gebracht. Nach dem Ausgleich hatten wir noch eine hundertprozentige Torchance, wenn wir die nutzten, dann hätten wir das Spiel völlig auf den Kopf gestellt. Unter dem Strich bin ich als FCA-Trainer froh, dass meine Mannschaft heute die mentale Kraft hatte, hier einen Punkt zu erkämpfen. Ich wünsche Thorsten Fink und seinem HSV nach wie vor viel Glück in der Rückrunde.“

Thorsten Fink kommentierte das 1:1 wie folgt: „Ich kann eigentlich nur das wiederholen, was der Kollege bereits gesagt hat, ich kann mich dem nur anschließen, was er gesagt hat, ich kann mich damit identifizieren. Letztlich haben wir unsere Torchancen nicht genutzt. Bis auf die Chancenauswertung gibt es heute nichts zu meckern. Meine Mannschaft war sehr spielfreudig, hat viele Chancen herausgespielt, von daher war ich damit zufrieden. Natürlich sind wir nicht zufrieden, wenn wir unsere Heimspiele nicht gewinnen, das ist auch klar, aber mit der Leistung heute war ich zufrieden.“

Fink weiter: „Wir schauen weiter nach vorne, wir wollen im Pokal in Stuttgart einen weiteren positiven Schub mit in die Rückrunde nehmen, wir haben ja beim letzten Spiel in Stuttgart gezeigt, dass man da gewinnen kann. Insgesamt bin ich mit dem gesamten Verlauf der Saison, seit ich hier bin, sehr zufrieden, weil wir ja auch nach sechs Spielen erst einen Punkt hatten. Die Mannschaft hat das umgesetzt, was wir hier heute wollten, auch vom Spielerischen her, und das ist der Trainer auch immer besonders zufrieden, wenn die Mannschaft das umsetzt, was er vorgegeben hat. Ich denke, dass wenn wir so weiter spielen, dass wir dann auch unsere Heimspiele gewinnen werden, dass wir uns in der Tabelle weiter verbessern werden. Trotzdem werden wir keine anderen Ziele ausgeben, als einen gesicherten Mittelfeldsplatz, und wir sind auf dem besten Wege dorthin – weil wir auch diesmal einen Konkurrenten auf Abstand gehalten haben.“

Thorsten Fink ging dann später noch einmal ins Detail: „Heute haben wir richtig guten Fußball gespielt. Wir haben in den letzten zwei Spielen nicht so gut Fußball gespielt, haben auch im letzten Heimspiel nicht gut gespielt, aber 2:0 gewonnen, weil wir zwei von drei Chancen genutzt haben. Heute haben wir von den vielen Torchancen, die wir hatten nur eine genutzt, das ist alles. Die Mannschaft zeigt jedes Mal Charakter, hat sich viele Bälle erkämpft, hatte viel mehr Ballbesitz, hat auch heute spielerisch gezeigt, was sie kann – und das kann uns keiner mehr nehmen. Wir haben leider nur die Chancen nicht genutzt, aber deswegen müssen wir nicht so kritisch sein mit der Mannschaft. Beim letzten Mal war ich sehr kritisch, aber diesmal nicht. Und ich glaube, dass ich jemand bin, der sehr kritisch ist, wenn es mal nicht so läuft. Dann darf ich mir auch mal erlauben, nicht so kritisch zu sein. Weil ich denke, dass die Zuschauer, die gekommen sind, ein gutes Spiel gesehen haben. Wir haben den Gegner hinten rein gedrängt, wir haben uns auch viele Möglichkeiten sehr gut herausgespielt – jetzt müssen wir sehen, dass wir das mitnehmen, dass wir das in der Vorbereitung noch verbessern.“

Der HSV-Coach befand auch noch: „Wir sind weiter ungeschlagen geblieben, auch wenn es heute gegen eine Mannschaft von unten ging. Aber Augsburg hatte in der letzten Woche Mönchengladbach geschlagen, darf man auch nicht vergessen, und Gladbach spielt im Moment hervorragenden Fußball, ist zurzeit sehr gut drauf. Und von daher haben wir gegen eine Mannschaft gespielt, die unangenehm zu spielen ist, und das hat meine Mannschaft hervorragend gelöst. Aber man wird eben nicht immer im Fußball belohnt. Aber auf Dauer wird man dann schon belohnt.“

Zur sportlichen Gesamtlage sprach Fink noch: „Was wir jetzt geschafft habe ist das, dass wir vom Abstiegsplatz weggekommen sind. Und das nach diesem schlechten Start. Natürlich kann es in den nächsten zwei Jahren nicht der Anspruch sein, dort zu stehen wo wir jetzt stehen, das weiß ich auch, ich will immer weiter höher kommen, und das werden wir auch erreichen. Nur kontinuierlich, mit gezielter Arbeit, alles ein wenig mehr automatisieren. Und wir arbeiten sehr hart, wir arbeiten sehr gut, die Mannschaft ist sehr lernwillig. Wenn ich dann sehe, mit wie vielen Punkten wir angefangen haben, als ich hier die Arbeit aufnahm, und wenn ich sehe, wie viele Punkte wir heute haben, dann hätten sie alle eingeschlagen und gesagt: ‚Jawoll, Herr Fink, wir sind zufrieden damit.’ Wir wollen uns aber stets verbessern. Und hätten ja auch durchaus noch mehr Punkte haben können – siehe Hannover.“

Thorsten Fink fügt noch hinzu: „Wir sehen jetzt keinen Anlass, diese Mannschaft irgendwie noch schnell zu verstärken. Was nicht heißt, dass wir es jetzt nicht machen. Wir werden uns abschließend noch besprechen. Kann sich ja immer mal etwas ergeben. Wenn zum Beispiel ein Cristiano Ronaldo sich anbieten würde und nichts kostet, können wir nicht sagen: Dich nehmen wir nicht, Junge. Es ist immer was möglich im Fußball, aber eigentlich haben wir es jetzt nicht vor. Zur neuen Saison dann werden wir uns natürlich noch verstärken.“

So, das waren die Empfindungen des HSV-Trainers Thorsten Fink. Ich werde – nach diesen Ausführungen – das Wort „Grottenkick“ zwar zurücknehmen, aber trotz allem bleibt es für mich ein schlechtes Spiel des HSV. Nicht weil ich trotzig bin, sondern weil es gegen diesen dezimierten und limitierten Gegner ganz einfach einen Heimsieg geben muss. Muss. Wenn Fink ein gutes spielerisches Match von seinen Mannen gesehen haben will, dann fehlte mir dann doch die kämpferische Komponente. Und auch ein wenig die Lust, der Spaß, die Leidenschaft, das Herz. Und ich finde auch nach wie vor, dass das Nachrücken nicht so klappt, wie es eigentlich sein sollte, sein müsste. Dadurch hängen die beiden Stürmer, erst Mladen Petric, dann Paolo Guerrero, zu oft allein da vorne herum. Hinzu komm, dass es über die Flügel hapert, denn bei Gökhan Töre läuft es im Moment nicht so hervorragend, wie noch vor Wochen, und Ivo Ilicevic verlässt zu oft seine Position. Der Ex-Lauterer läuft überall und nirgends herum, würde er aber auf seinem Platz (für die Mitspieler zu finden) sein, fände er sicherlich wesentlich besser ins Spiel.

Und noch eines hat mir missfallen – wieder einmal. Die Freistöße. Wie fahrlässig geht der HSV bloß damit um. Ihr könnt es beobachten: Pfeift der Schiedsrichter einen Freistoß in Strafraumnähe für den HSV, läuft die Hälfte der Hamburger Mannschaft zum Punkt. Das ist fast schon lächerlich, wie beim Jugend-Fußball (aber E-Jugend!). Ich will schießen! Ich will schießen! Ich will aber auch schießen. Nein, ich will schießen. Und: Du schießt ganz sicher nicht.
Derjenige, der sich dann mannhaft durchgesetzt hat, der ist von diesem Kamp so mitgenommen (und unkonzentriert), dass er den Ball garantiert in die Wolken oder in die Mauer haut. Unfassbar ist das.

Meine Hoffnungen ruhen aber auch in diesem Fall auf Thorsten Fink. Ich war kürzlich dabei, als der Trainer ein Spielchen unterbrach, weil er eine gewisse OIrdnung beim Einwurf (!) haben wollte. Motto, so Fink: “Wir werfen den Ball immer zum Gegner. Aber wenn sich einer blitzschnell von seinem gegenspieler lösen würde, dann gäbe es eine komfortable Situation von zwei gegen einen. Der, der sich gelöst hat, muss den ball nur zu dem Einwerfenden zurückspielen.” Klingt logisch. Wurde dann auch (im Training) gemacht. So muss sich das dann eigentlich auch mit den Freistößen lösen lassen. Fink sagt vor dem Spiel an, wer zu schießen hat, dann muss nicht später darum gekämpft werden. Kostet doch alles Kraft und Konzentration. Was man dann bei der Ausführung prompt auch sehen kann. Aber: Viele Spiele im heutigen Fußball sind so eng, dass sie gerade durch Freistöße (oder allgemein Standards) entschieden werden können.
Noch verschenkt der HSV in dieser Hinsicht zu viel.

Aber vielleicht wird es ja am Mittwoch alles besser – oder vieles. Und es gibt einen Sieg, wenn nicht unbedingt alle HSV-Fans damit rechnen (können). Im Pokal beim VfB Stuttgart fällt Marcus Berg auf jeden Fall aus, er brach sich am Sonnabend das Schlüsselbein. Dafür ist Marcell Jansen wieder fit, der wegen Leistenbeschwerden gegen Augsburg fehlte – und wohl auch, wie Thorsten Fink verriet, „aus taktischen Gründen“. Die gegen Augsburg ausgewechselten Mladen Petric und Gojko Kacar werden, davon geht der Coach aus, werden im Ländle mit von der Partie sein können, es liegen keine Verletzungen vor.

Ja, und dann war da noch
eine Aussage der besonderen Art. Nicht zum HSV, sondern mal eben in den freien deutschen Fußball-Raum gesprochen. Darauf muss Mann erst einmal kommen:

„Es gibt ein paar Journalisten, die offenbar mein Gesicht nicht mehr sehen können. Das ist nach einer langen Zeit an der DFB-Spitze wohl normal. Dann gehe ich lieber, solange es nur ein paar sind.“

Das hat Dr. Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, in einem Interview der „Welt“ gesagt.

Ich hätte da mal einen Rat an den Noch-Präsidenten. Er sollte sich besser auch mal im eigenen Stall umhören. Wenn dann diese Menschen, die er befragt, die Manns genug sind, um ihm die Wahrheit ins Gesicht zu sagen, dann würde er nicht mehr (nur) von Journalisten sprechen . . .
DFB und DFL warten auf die Wachablösung, warten auf Wolfgang Niersbach, der wieder Grund in den größten Sport-Verband der Welt bringen soll – und bringen wird.

16.29 Uhr

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