Tagesarchiv für den 27. Dezember 2011

Halbzeit-Bilanz Teil drei

27. Dezember 2011

Teil drei der Bilanz – das wird eventuell ja brisant. Deswegen möchte ich vorher ganz schnell noch einmal weihnachtlich werden. Oft wurde ich heute gefragt, wie das Fest denn für mich war. Na ja, ruhig, besinnlich, familiär. Und irgendwie auch ein wenig nervig – habe ich geantwortet. Wie nervig? Ja, nervig deswegen, weil ich einen besonderen Kampf zu bestehen hatte. Heiligabend. Ich sehe auf dem Balkon noch einmal auf den angebratenen, dort für den nächsten Tag geparkten Puter. Es ist dunkel, ich lasse die Tür weit auf, kümmere mich auch nicht um das Fliegengitter, das sonst vor der Tür still seine Pflicht erfüllt. Was soll am Heiligabend denn noch durch die Luft schwirren – und dann zu uns rein wollen? Gegen Mitternacht ging es dann ins Bett, ein wenig Fernsehen an zum Berieseln – und da: plötzlich eine Mücke auf dem Bildschirm. Nicht von innen, sondern von außen. Also in unserem Schlafzimmer. Der Auftakt zu einer unruhigen Nacht.

„Lass die Mücke doch, die stechen jetzt nicht mehr“, sagte Frau M. zu mir. Ich zu ihr: „Wissen das auch die Mücken? Das höre ich schon seit dem Herbst – von allen möglichen Leuten: „Keine Angst, du kannst das Fenster ruhig geöffnet haben, wenn die Mücken kommen – die stechen jetzt nicht mehr . . .“ Toll. Und sie haben dann immer doch noch gestochen. Als diese Heiligabend-Mücke auf dem Bildschirm saß, das versuchte ich sie zu – töten. Sie flog weg. Zweimal. Und dann kam sie nicht wieder. Ich stehe also auf, Vollbeleuchtung. Sie ist nicht zu finden. Frau M. hat die Augen dicht, aber die Mücke ist weg. Frechheit. Ich weiß genau, dass ich sie nicht erwischt habe, aber sie ist weg. Ich sehe in jeden Winkel, jede Ecke, an die Lampen – null Mücke. Licht aus, Fernsehen aus – gute Nacht. Vorsichtshalber lege ich mich auf die rechte Seite, weil sich mein rechtes Ohr schon seit geraumer Zeit von 100 Prozent verabschiedet hat. Mit links will ich nun hören, ob die Mücke einen neuen Anlauf nimmt. Und sie nimmt. Ich hatte nichts anderes erwartet. Skandal. Um nicht am Körper gestochen zu werden, verkrieche ich mich total unter der Decke. Und schwitze wie in der Sauna. Dann dieses so unangenehme Surren dieser unangenehmen Mücke. Dieses feine und gemeine, so hohe und unangenehme Sirren – oder was ist es? Blöd auf jeden Fall. Ich schlage mit der Hand und in absoluter Dunkelheit nach dem Mistviech. Treffe natürlich nicht. Und mehrfach wiederholt sich dieses Schauspiel, das niemand sieht. Zum Glück. Es ist drei Uhr geworden, vier Uhr geworden – und später. Ich bekomme diese Mücke nicht zu fassen. Irgendwann schlafe ich dann ein. In der Hoffnung, nicht gestochen zu werden. Frau M. hatte ja gesagt, die stechen jetzt nicht mehr. Und viele andere Menschen gaben mir diesen Rat ja ebenfalls. Das muss diese Mücke gehört haben. Sie hat mich nicht gestochen. Und als ich morgen in die Küche kam, da lag die (oder eine) Mücke tot am kalten und gefliesten Boden. Wahrscheinlich war es Selbstmord. Weil sie es gemerkt hatte, dass sie unerwünscht ist (in meinem Leben).

Übrigens: Als ich diese Geschichte am Montag im Kreise der Familie erzählte, da sagte mein Ältester (einer der Moderatoren), der Andre: „Ich habe kürzlich im NDR-Radio die Rubrik ‚Stimmts?’ gehört. Da wurde meines Wissens gesagt, dass es nicht stimmt, dass die Mücken jetzt, oder im Herbst, nicht mehr stechen. Die stechen schon doch noch.“ Aha. Ich finde, allgemein gesagt, dass es eine so komische Zeit geworden ist. Erderwärmung heißt das wohl. Früher war mehr Lametta, zu Weihnachten. Und heute? Da fliegen Mücken durch die Schlafzimmer. Das ist doch einfach nur fies. Und es entsetzt mich immer noch.

So, Ende dieser nachweihnachtlichen Geschichte. Tut mir Leid, wenn sich jemand gelangweilt fühlt.
Wie ich überhaupt darauf gekommen bin, eine solche Geschichte überhaupt hier zu schreiben? Von jener Mücke, aus der man keinen Elefanten machen sollte. Deswegen.
Weil uns ja demnächst ein eventuell höchst brisanter 15. Januar bevorsteht. Da könnte dann schnell aus einer Mücke ein Elefant gemacht werden. Obwohl es ja zurzeit im HSV – oberflächlich betrachtet – ganz schön ruhig zu sein scheint. Jedenfalls ruhiger, als es der Tabellenstand – oder die Abstiegsgefahr – eigentlich zulassen dürfte. Aber in Hamburg ist eben Ruhe. Vielfach höre ich schon, dass wohl noch nie ein verein aus der Liga abgestiegen ist, bei dem so viel Ruhe und Verständnis und Sachlichkeit und Harmonie herrschte.

Auf den ersten Blick mag es ja auch zutreffen, aber ich habe auch schon gehört, dass am 15. Januar sehr wohl aus einer kleinen Mücke ganz schnell ein Elefant werden könnte. Mal abwarten, wie dieser Tag dann verläuft. Gespannt bin ich jetzt schon mal – riesig sogar.

Wobei ich dann bei den Zeugnissen wäre, die ich noch – wie gestern angekündigt – vergeben möchte. An die sportlich verantwortlichen, auch an die Männer, die an der Spitze des Vereins stehen. Und bevor sich hier schon der eine oder andere User aufregt: Es ist meine ureigenen Meinung, die soll und muss keiner mit mir teilen, sie soll mir auch keiner nehmen (wollen). Ich möchte damit keinerlei Politik betreiben, auch deswegen gibt es für dieses Jahr auch keine Noten mehr für das alte Vorstands-Paar. Das, was da gut oder auch schlechter gelaufen ist, kann ich ohnehin nicht mehr zunichte machen, es ist mir relativ egal, was da passiert ist – damit wird sich dann auch ganz sicher der 15. Januar genügend und ausreichend beschäftigen.

Diesbezüglich hatte ich heute am Nachmittag auch einen Termin – es sollte, so hatte ich es geplant, ein Interview werden. Aber daraus wurde nichts, ich erhielt eine Interview-Absage. Zu brisant sein ein solches Interview im Vorfeld dieser Jahreshauptversammlung, meine vermeintlicher Interview-Partner wolle nicht noch zusätzlich Öl ins Feuer kippen. Dafür hatte ich dann auch Verständnis, aber ich stehe letztlich ohne Interview da. Und das hätte – meiner Meinung nach – sehr gut zu den Zeugnissen der „hohen Herren“ gepasst. Aber gut, ich kann das auch ganz allein. . .

Um einmal mit dem 15. März zu beginnen. Da übernahm Carl-Edgar Jarchow den HSV-Vorsitz, er „übernahm“ Oliver Scheel und brachte (nein, eigentlich brachte er ihn nicht mit, er wurde ihm zur Seite gestellt) Joachim Hilke mit. Zuerst, so meine Beobachtungen, gab es einige Eingewöhnungs-Probleme, aber die legten sich relativ schnell. Die eben genannten Probleme waren, rückwirkend betrachtet, ja auch völlig normal, denn Jarchow zum Beispiel hatte ja noch nie einen Verein geführt, geschweige denn einen Bundesliga-Klub, der ja ein großes Unternehmen darstellt. Das aber hat der neue Vorsitzende nach und nach glänzend hinbekommen. Für mich ist Carl-Edgar Jarchow schon lange kein Übergangs-Chef mehr, sondern der Klub-Boss, der den Verein sehr gut im Griff hat. Deswegen gibt es für ihn auch
Note zwei.

Joachim Hilke ist dazu ein großartiger „Kronprinz“. Er ist der zweite Mann im HSV, und er muss nicht erst von mir gelobt werden, sondern das tun andere (Insider) schon seit Monaten. Hilke macht einen hervorragenden Job, er tut dem HSV einfach nur gut, auch deshalb, weil er trotz seines großen Erfolgs kein Aufheben um seine Person macht, sondern still und unaufgeregt vor sich hin arbeitet. Da haben sich offenbar zwei gesucht und gefunden, Jarchow und Hilke passen unglaublich gut zusammen, ich denke, dass dem HSV kaum etwas Besseres hätte passieren können. Deswegen auch für Hilke
Note zwei.

Oliver Scheel ist die Nummer drei. Schon vorher gewesen. Jetzt aber erfüllt er sie mit mehr Leben, als vorher. Aus Gründen, über die ich hier nicht mehr schreiben möchte. Da ich mich nicht als Wahlkampfhelfer aufspielen will, denn auch in dieser Beziehung könnte der 15. Januar ja durchaus höchst brisant werden, ergreife ich jetzt nicht Partei für Scheel. In meinen Augen aber hat er durchaus einiges für den HSV getan, und wenn es nur das war, nach außen Ruhe auszustrahlen. Fest steht, dass die drei Herren, Jarchow, Hilke, Scheel, sehr gut, harmonisch und vertrauensvoll zusammengearbeitet haben, so wie es vorher eben nicht der Fall gewesen ist. Und genau auf dies, eine solche Zusammenarbeit habe ich gewartet, gehofft – weil das dem Verein einfach nur gut tun kann. Und das meine Meinung ich auch als HSV-Mitglied.
Aber wie sagte erst kürzlich ein etwas größerer Fan-Vertreter? „Das sehen einige so, und andere eben so. Und noch andere sehen es etwas anders.“ Bei so vielen Mitgliedern bleibt so etwas gar nicht aus.
Kurz noch zu Oliver Scheel, sie fehlt noch, die
Note drei.

Zum Aufsichtsrat. Auch nur ganz kurz. Ich habe das Gefühl, dass es um die Räte in jüngster Zeit etwas ruhiger geworden ist. Was bis zum 15. Januar nicht unbedingt so bleiben wird. Schöne wäre es ja, aber irgendein Störfeuer wird es garantiert noch geben, alles andere wäre dann ja auch doch viel zu ruhig – für den HSV. Die Ruhe in den letzten Wochen tat trotz allem gut. Auch wenn es innerhalb des Aufsichtsrates natürlich nicht immer so einträchtig und harmonisch zuging. Da gibt es unter den zwölf Räten schon einige, die sich mit Argwohn (und etwas Neid?) begegnen. Leider, leider. Auf den Tag aber, an dem sie alle, alle zwölf, an einem Strang ziehen werden und nur zum Wohle des HSV arbeiten, auf den werden wir noch lange warten können. Und ich mit über 60 werde wohl darüber hinwegsterben, ich werde diesen tag nicht mehr erleben. Was eigentlich sehr, sehr schade ist, denn es sollte in einem solchen Gremium doch nur, nicht nur in erster Linie, sondern ausschließlich zum Wohle des HSV gearbeitet werden. Aber hier stehen seit Gründung des Aufsichtsrates immer wieder viele persönliche Interessen („Wie komme ich weg? Wie sehe ich aus? Bin ich auch wichtig genug? Nimmt man vor allem mich in der Stadt auch wahr?) an erster Stelle – und erst dann kommt der HSV.
Wie gesagt, keine Sorge, das wird sich nie ändern. Es sei denn, der Aufsichtsrat wird endlich einmal verkleinert. Aber auch das liegt nicht in meinen Händen.

Abschließend zu den Räten möchte ich noch kurz AR-Chef Ernst-Otto Rieckhoff beurteilen. Der Mann übernahm im Januar 2011, als höchste Not angesagt war. Und er hat, bis auf die turbulente Anfangsphase, einen guten Job gemacht. Er hat vor allem (und in erster Linie er) schnell, blitzschnell sogar für Ruhe im Klub gesorgt. Alles rechnete doch damit, dass nun das Chaos im und rund um den HSV herrschen würde, doch nichts da. Rieckhoff, der sehr wohl (das vergesse ich nicht) vorher auch schon im Aufsichtsrat saß und dabei die Kontrolle über den alten Vorstand hatte, hat, und ich weiß, wovon ich schreibe, Tag und Nacht gearbeitet, um den HSV wieder das richtige Gleis zu stellen. Und es ist ihm gelungen. Sportpolitisch gesehen, nicht sportlich. Ob er dabei nun den einen oder anderen Fehler gemacht hat, ist für mich nicht so wichtig. Wie gesagt, für mich, das gilt nur für mich, niemand muss sich da angesprochen fühlen. Keiner aber kann bestreiten, dass zurzeit Ruhe herrscht im Verein, und das ist auch Rieckhoffs Verdienst. Deswegen gibt es für ihn
Note drei.

Zu den Trainern dieses Jahres.

Mit Armin Veh ging es 2011 weiter, obwohl hinter den Kulissen schon das Ende des Trainers beschlossen war. Und es war tatsächlich so. Erst in letzter Sekunde – und im Hinblick auf die bevorstehende Jahreshauptversammlung – wurde dieser Beschluss wieder gekippt. Es gibt genügend Eingeweihte, die diesen Vorgang bestätigen könnten, es eines Tages auch sicherlich tun werden. Veh sollte seines Amtes entbunden werden, weil er der damaligen Führung zu oft vom „Aufhören“ vorgeschwärmt hatte. Er durfte, wie gesagt, bleiben – allerdings nicht bis zum Saisonende. Mit dem Debakel in und von München war das Fass zum Überlaufen gebracht worden.
Ich habe Armin Veh hier immer verteidigt, weil ich der Meinung war, dass mit dieser Mannschaft, so wie sie damals zusammengestellt war, jeder Trainer seine Schwierigkeiten bekommen hätte. Jeder. Dazu stehe ich immer noch. Heute glaube ich aber auch, dass einiges unter seiner Führung hätte besser laufen können, deswegen gibt es von mir die
Note vier.

Veh-Nachfolger Michael Oenning war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Er war Co-Trainer, er wurde von vielen Fans gefordert (erinnert sich eigentlich noch jeder an die eigene Forderung?), weil er ein Typ wie Jürgen Klopp und Thomas Tuchel sei, und er wurde letztlich genommen, weil er eine sehr billige Lösung war. Er hatte Vertrag. Ohnehin stand nur der jetzige Kölner Coach Solbakken zur Diskussion, aber der wäre teurer gewesen, und er hätte gewissen Sprachschwierigkeiten gehabt, die sich der HSV nicht antun wollte.

Zu Oenning sei gesagt, dass er noch in er vorherigen Saison (nach dem Aus von Veh) die Zügel anzog. Er hatte ausgemacht, dass diese Mannschaft zu wenig drauf hatte. Und als Co-Trainer hatte er sich wohl gegenüber seinem Chef nicht so durchsetzen können, wie es im Sinne des Klubs vonnöten gewesen wäre. Es war völlig richtig, dass Oenning die Zügel anzog, aber für mein Empfinden ließ er diese Zügel mit Beginn der Saison wieder schleifen. Obwohl, das sei noch einmal gesagt, er im Zillertaler Trainingslager richtig gut arbeiten ließ. Das war noch okay. Danach aber schlich sich wieder der graue HSV-Alltag ein, alles war so wie immer beim HSV . . . Keine Schärfe, keine Härte, kein rechter Wille, besser zu sein, mehr dafür zu tun. Wie gesagt, alles wie immer. Was hinzukam: Nach den (gefühlten) Klatschen in Dortmund und München ergab sich Oenning dem Schicksal, dass er beim kleinen HSV Trainer war. „Die spielen in einer anderen Liga“, hieß es vom HSV-Coach. Was etliche Spieler ihm auch übelnahmen. Zumal es solche unterwürfigen Töne auch schon vor den Spielen gegeben hatte. Ich erinnere mich an einen Freitag (vor der Auswärtspartie), als mir ein Spieler sagte: „Warum fahren wir da überhaupt noch hin? Der Trainer hat doch bereits festgestellt, dass wir zu schwach sind . . .“
Und genau so spielte der HSV dann auch meistens. Für Michael Oenning gibt es
Note fünf.

Nachfolger wurde und ist Thorsten Fink. „Ich bin einer wie Klopp“, hat er bei seiner Vorstellung gesagt. Nicht die HSV-Fans (wie bei Oenning) haben es gesagt, nein, der neue Trainer selbst. Alle Achtung, habe ich bei mir gedacht, der Mann hat aber Mut. Als ich eines Tages in die Redaktion gekommen bin, lag auf meinem Schreibtisch ein Artikel eines Schweizer Zeitung. Da ging es um Fink. Die Überschrift lautete: „Fink: Ich bin selbstbewusst, und das ist nicht verboten“.
Stimmt. Vielleicht ist es im Falle HSV sogar hilfreich, denn eine so selbstbewussten Trainer gab es hier seit Jahren nicht mehr. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern. Ein Ausnahme-Trainer wie Ernst Happel war zwar auch selbstbewusst, aber er ließ es doch ein wenig anders „raus“. Egal, Fink hat für die (kleine) Wende gesorgt, und ich vertraue ihm weiter. Irgendwie glaube ich ja auch, dass der HSV noch einen „richtig guten Spieler“ aus dem Hut zaubert, und dann wird es schon noch laufen. Nicht ganz nach oben, aber immerhin weg von den Abstiegsrängen. Hoffe ich auf jeden Fall. Denn darüber muss sich jeder HSV-Anhänger im Klaren sein – der Start in die Rückrunde wird sehr, sehr hart und könnte auch den einen oder anderen Rückschlag mit sich bringen. Doch auch dann ist Thorsten Fink gefragt. Für ihn gebe ich
Note drei.

Die vielen, vielen Co-Trainer des HSV bewerte ich nicht. Zu viele. Es sind mir einfach zu viele. Ob das alles so sein muss, das ist die Frage. Ernst Happel hatte seinen Aleksandar Ristic, Felix Magath hatte lange gar keinen – heute gibt es immer gleich ein ganzes Rudel. Wer soll das eigentlich auch in den kommenden Jahren bezahlen können, wenn das Geld immer knapper wird – und die Abfindungen nicht weniger werden? Das ist, in dieser Beziehung, schon eine komische Zeit. Aber kein Verein hat aus gehabtem Schaden jemals gelernt. Ich wüsste es jedenfalls nicht. Alle machen immer weiter. Geht ein Trainer, gehen ungefähr acht mit. Und müssen natürlich auch abgefunden werden. Natürlich.

Zum Schluss noch der Sportchef. Frank Arnesen war für viele, nicht nur für mich, aber auch für mich, vor der Saison der Hoffnungsträger Nummer eins. Und dann „schleppte“ er (fast) nur Chelsea-Spieler an, die keiner kannte. Schnell wurde aus dem Hoffnungsträger ein, krass gesagt, „Versager“. Arnesen wurde milde belächelt, gelegentlich auch recht hart kritisiert. Und nicht wenige sprachen ihm seine fußballerischen Kenntnisse total ab. Heute wissen wir alle, dass das nicht richtig war. Ich kenne genügend Fans, die sich innerlich bei ihm entschuldigt haben. Arnesen hatte kaum Geld, aber er hat mit viel Auge eingekauft. Junge Leute, die niemand drauf hatte, von denen er aber überzeugt war, dass sie es hier bringen. Und sie bringen es. Kompliment, Herr Arnesen, ich kann mich nur wiederholen, Kompliment. Sie haben sich sogar, als es eng wurde, ganz eng wurde, als Trainer zur Verfügung gestellt. Wenn das schiefgegangen wäre, dann wären Sie in Hamburg erledigt gewesen, ganz klar. Aber Sie gingen dieses Risiko ein. Großartig. Sie kümmern sich in diesem Klub um sehr, sehr viel, Sie sprechen oft und mit vielen Spielern, Sie sind für alles, alle und jeden da, Sie blicken auch oft nach Ochsenzoll – und das ist toll! Deswegen gibt es für Sie von mir die
Note eins.

Und das ist, ich weiß es wohl, die beste Note des Zwischenzeugnisses. Es würde mich tierisch freuen, wenn ich diese glatte Eins auch im Sommer noch an den Sportchef vergeben könnte.

So, es ist spät und auch wieder recht lang geworden. Falls Ihr (oder Du) nun meckern wollte, erinnert Euch an die Anfangsgeschichte. Macht aus einer kleinen Mücke keinen Elefanten . . . In diesem Sinne wünsche ich allen „Matz-abbern“ einen wunderschönen Feierabend.

19.44 Uhr