Tagesarchiv für den 25. Dezember 2011

Halbzeit-Bilanz Teil eins

25. Dezember 2011

Auch dieses Weihnachtsfest kann uns ja nicht wirklich bremsen. Das ist wie mit dem HSV 2012; es geht weiter, weiter, weiter – nach oben. Darf man ja wohl mal träumen dürfen, so zum Fest. Ja, Tradition ist nicht nur das weihnachtliche Gedicht, dass, ich gebe zu, ein wenig zu lang geraten ist, sondern auch die Halbzeit-Bilanz. Wobei ich Euch nicht das restliche Fest vermiesen will, denn es ist ja wahrlich nicht viel Gutes zu berichten, aber watt mutt datt mutt.

Allein ein Blick auf die Heimspiel-Statistik in diesem Herbst lässt nur den Rückschluss zu, dass alles nicht nur viel besser werden kann, sondern auch alles viel besser werden muss. Muss! Das geht gar nicht anders, denn sonst könnte der Dino doch noch baden gehen, um es einmal salopp zu formulieren. Von neun Heimspielen wurden nur zwei gewonnen – das ist in der Tat ein Armutszeugnis. Leidglich gegen Hoffenheim und Nürnberg hieß es am Ende 2:0, sodass zweimal die Dreier im Volkspark blieben. Ansonsten – Ebbe. Gegen Hertha zwar 2:2 gespielt, aber gefühlt mindestens 2:5 verloren. Gegen Wolfsburg einen Punkt gemacht, obwohl der VfL nicht besser war und ähnliche Probleme hat, wie der HSV. Das gilt auch für die Heimpartie gegen den 1. FC Kaiserslautern. Ich kann mich noch genau erinnern, wie es (auch hier) vor diesen beiden Heimspielen mutig (und vollmundig) hieß: „Wenn wir diese beiden Heimspiele nicht gewinnen, dann können wir uns begraben lassen . . .“ Und? Noch leben wir. Obwohl es gegen Köln (ein ganz bitteres 3:4), gegen Schalke 04 (1:2) und gegen Borussia Mönchengladbach (zugegeben, ganz stark beim 1:0 in Hamburg!) Niederlagen gab, die sehr wehtaten. Und, seien wir ehrlich, auch das 1:1 gegen den Aufsteiger und Abstiegskandidaten FC Augsburg schmerzte sehr, der Schmerz hält bei mir bis heute an. Zumal für die Süddeutschen beinahe eine B-Mannschaft auf dem Rasen stand.

Nein, nein, hier muss alles besser werden. Im Volkspark vor allem. Denn auswärts hat der HSV – nach dem Trainerwechsel – in acht Spielen durchaus so mitgemischt dass man sagen kann, dass diese Mannschaft doch Potenzial nach oben hat. Natürlich gilt das nicht für die Auswärtsspiel in Dortmund (nur 1:3, da war eine höhere Pleite möglich) und München (0:5 – spricht für sich), auch nicht unbedingt für das Bremen-Spiel (2:0), aber für fast alle anderen Begegnungen. In Leverkusen (2:2) konnte gewonnen werden, in Hannover (1:1) musste eigentlich gewonnen werden, und zuletzt in Mainz (0:0) war beides möglich, Auswärtssieg und Niederlage. Gewonnen wurde lediglich in Freiburg (2:1) und in Stuttgart (2:1) – aber, dass verrät ein Blick auf die Tabelle, diese Erfolge waren überlebensnotwendig. Wo stünde der HSV sonst?
Und wer mitgezählt hat: Neun Heimpartien gab es – meistens gegen Gegner, die auch gegen den Abstieg kämpfen – und nur acht Spiele auswärts. Was soll uns das sagen? In der Rückrunde gibt es acht Heimspiele, neun auswärts. Eine gute oder eine eher schlechte Ausgangslage? Und es kommen „Kracher“ wie Dortmund, Bayern und Werder, dazu noch Leverkusen, Hannover, Mainz, Stuttgart und Freiburg.

Nun gut, es ist Winterpause, und am 4. Janar geht es nach Marbella – und dann kann Thorsten Fink damit beginnen, die Mannschaft so zu formen, wie sie ihm bislang nur vorschwebte. Der Coach hat ja immer wieder betont, dass der HSV Qualität hat, wenn er dann noch die passende Fitness besitzt, dann muss der (fast) grenzenlose Optimismus des Trainers ja tatsächlich Realität werden.

Aber, es gibt selbstverständlich noch viel, viel zu tun. Das hat uns die Hinrunde gelehrt. Im Teil eins der Bilanz werde ich die Defensive unter die Lupe nehmen. Generell gesagt, begann sie mit dem Start in diese Saison schlecht, hat sich aber – dank des Trainerwechsels – zum Guten hin gesteigert. Das sieht dann wie folgt aus, ich werde diesmal (anders als im Abendblatt üblich), Schulnoten vergeben.

Jaroslav Drobny begann katastrophal. Ich erinnere mich noch genau an diese Zeiten, denn mich riefen unendlich viele „Matz-abber“ an, oder sie schrieben mir, dass ich etwas gegen diesen Torwrat unternehmen müsse – mit ihm steigt der HSV ab. So hieß es immer wieder. Diese Damen und Herren werden sich erinnern, dass ich davon nichts wissen wollte. Ich habe immer darauf verwiesen, dass der Tscheche ein Jahr ohne jede Praxis war, das haben auch alle Torhüter stets bestätigt – es so war es letztlich auch. Drobny steigerte sich mit dem Lauf der Saison in eine großartige Form, ist ein echter Rückhalt geworden – so wie einst Frank Rost. Deswegen gibt es nun auch (insgesamt)
Note drei.

Dennis Diekmeier hängt für mich noch ein bisschen zwischen Baum und Borke. Er soll nach vorne ein „Weltmeister“ und ein Flankengott sein, das hat er noch nicht so recht unter Beweis gestellt. Nach hinten aber offenbart er, und darauf sollte eigentlich sein Hauptaugenmerk liegen, einige Schwächen (zu viel). Ich könnte mir vorstellen, dass das durch Einzeltraining in der Griff zu bekommen wäre, aber Einzeltraining hat hier beim HSV seit Jahrzehnten kein Trainer mehr gemacht. Ob Thorsten Fink . . ? Mal abwarten. Diekmeier erhält
Note vier.

Jeffrey Bruma hat die Veranlagung, ein international sehr, sehr guter Innenverteidiger zu werden. Er wird es meiner Meinung nach auch. Vorher aber muss er lernen, gewisse Leichtfertigkeiten abzustellen, und stets konzentriert zu bleiben. Beschränkt er sich darauf, seine Defensivaufgaben zu erledigen, und auch darauf, bei Standards vor des Gegners Tor für Gefahr zu sorgen, dann wird er bald eine große Stütze des Team sein. Wenn er dann noch da ist, denn er steht ja noch beim FC Chelsea unter Vertrag, und Bruma könnte schon im kommenden Sommer wieder nach London zurück (müssen). Für ihn gebe ich
Note drei.

Slobodan Rajkovic schlug auf Anhieb sehr gut ein in Hamburg, hatte nur das Pech, einmal Rot zu sehen. Diese Zwangspause hat ihn arg zurückgeworfen. Und sollte sich kein Innenverteidiger verletzten, so dürfte er wohl noch einige Spiele mehr nur zusehen. Es sei denn, Thorsten Fink stellte Heiko Westermann eine Position nach vorne. Vielleich wäre damit allen Beteiligten geholfen. Ich leide mit Rajkovic mit, denn er hat in den Spielen für den HSV überzeugt, deswegen
Note drei.

Heiko Westermann wurde zu Saisonbeginn von den eigenen Fans ausgepfiffen – in Hamburg. Bei jeder Ballberührung von ihm gab es ein Pfeifkonzert. Ein Novum, gerade für einen HSV-Kapitän. Andere hätten entnervt die Flinte ins Korn geworfen, er aber biss sich durch – und zurück. Großartig. Davor ziehe ich den Hut. Auch seine Kritiker wollen jetzt eines bestimmt nicht mehr, ihn aus der Mannschaft nehmen. Westermann ist seit Monaten stets einer der besten Hamburger Spieler, und er geht mit vorbildlichem Einsatz (so auch als Rechtsverteidiger!) voran. Deswegen gibt es für ihn auch
Note zwei.

Michael Mancienne kam nach Hamburg, so hieß es damals von den Verantwortlichen, um über die Zweite von Rodolfo Cardoso für die Bundesliga aufgebaut zu werden. Gut zu wissen für den HSV, dass es mit dem Engländer einen jungen Mann gibt, dem – wenn Not am Mann ist – man Verantwortung übertragen kann. Mancienne muss noch robuster (für die Bundesliga) werden, aber er hat ein gutes Auge, ist durchaus veranlagt, er dürfte noch kommen, für ihn gibt es
Note vier.

Bei Dennis Aogo scheiden sich viele Geister. Auch in seinem Falle gibt es einige Fans, die mit seinen Leistungen unzufrieden sind. Sie erwarten mehr von ihm, schließlich ist er aktueller deutscher Nationalspieler. Ich, das muss ich ganz klar sagen, bin nicht enttäuscht, aber ich erwarte eben auch mehr von ihm. Zu Saisonbeginn hat Aogo einige Fehler und auch einige Nachlässigkeiten gemacht, keine Frage, aber er hat sich (vor allem unter Fink) zuletzt deutlich gesteigert. Wobei er sein bestes Spiel seit Monaten wohl nicht für den HSV absolviert hat, sondern für Jogi Löw, nämlich beim 3:0-Sieg von Deutschland (immerhin in Hamburg) gegen die Niederlande. Ich bitte alle seine Kritiker, den Ball noch flach zu halten, Dennis Aogo hat einst (bei seiner Vertragsverlängerung) gesagt, dass er mithelfen will, eine große und gute HSV-Mannschaft mit aufzubauen. Das klingt doch hervorragend. Und ich habe ihn als einen jungen Mann kennen gelernt, der nicht nur etwas verspricht, sondern der das dann auch wirklich halten will. Ich denke, dass wir an Dennis Aogo noch sehr viel Freunde haben werden, deswegen
Note drei.

Nicht zu bewerten ist Muhamed Besic, immerhin aktueller Nationalspieler Bosniens, der aber beim HSV ohne Einsatz blieb.

Von den „Sechsern“ hat Tomas Rincon am meisten überzeugt, er hat auch den größten Schritt von allen HSV-Profis voran gemacht. Alle Achtung! Dank Thorsten Fink, der
voll hinter dem Südamerikaner steht. Rincon hat sich absolut verbessert und stabilisiert, wenn er nun auch eine etwas andere Rolle spielt. Nicht mehr nur den Zerstörer, sondern auch eine Art Aufbauspieler. Ich hätte nie gedacht, dass er eine solche Nummer auch drauf hat, aber er spielt sie nicht schlecht. Trotz allem sollte er nicht vergessen, was ihn stark macht, und das ist seine Giftigkeit, sein Biss, seine Art, eine Klette zu spielen. Für ihn gibt es
Note drei.

Gojko Kacar ist bisher eine (kleine) Enttäuschung, denn er läuft nicht nur oft neben der Musik her, er wirkt auch immer noch nicht hundertprozentig fit. Wieso? Weshalb? Warum? Fragt mich nicht, ich weiß es nicht. Ich glaube nur, dass er besser, wesentlich besser spielen könnte, wenn er denn fit für die 90 Minuten wäre. Der Serbe ist ein besonderer Fall, auch ihm würde ich Einzeltraining verordnen, es laufen doch genügend Trainer beim HSV herum, die sich dieses Falles einmal annehmen könnten – wenn die anderen nicht trainieren. Es wäre auf jeden Fall einen Versuch wert. Für Kacar gebe ich
Note fünf.

Robert Tesche sollte unter Trainer Michael Oenning den Durchbruch schaffen, der ehemalige HSV-Coach setzte (fast alles) auf den früheren Bielefelder. Aufgrund der Eindrücke, die Tesche im Trainingslager in Österreich hinterließ, war das auch zunächst nicht unbegründet. Tesche wurdev on den mitgereisten Fans gefeiert (Robert Tesche Fußballgott), weil er einen guten Schuss hat, weil er auch gut köpfen kann. Das alles aber hat er seit Saisonbeginn in keinem Spiel mehr bewiesen oder auch nur ansatzweise gezeigt. Schade. Ihm fehlt auch das Selbstvertrauen – oder ist es nur das fehlende Temperament? Irgendetwas fehlt. Deswegen bekommt er
Note fünf.

David Jarolim ist auf dem Sprung – weg vom HSV. Ich habe es oft geschrieben was ich davon halte (nämlich nichts), aber ich werde nun schweigen. Nur eines möchte ich noch loswerden: Gerade deswegen, weil sowohl Kacar als auch Tesche nicht an die 100 Prozent kommen (oder gekommen sind), hätte es sich vielleicht mal angeboten, den Routinier Jarolim zu bringen. Aber das haben ganz andere Herren zu entscheiden, und nicht ich. Für die bisherigen Kurzeinsätze erhält David Jarolim, der sehr viel läuft, ackert und Bälle erobert, von mir die
Note vier.

So, das war die HSV-Defensive, morgen geht es mit der Offensive weiter. Bis dahin allen „Matz-abbern“ noch ein schönes Rest-Weihnachtsfest.

18.03 Uhr