Tagesarchiv für den 17. Dezember 2011

Nur 1:1 – der Abstiegskampf geht weiter!

17. Dezember 2011

Der Abschied aus dem Volkspark war ein wenig erschütternd. Der HSV schaffte gegen den FC Augsburg nur ein 1:1 und bleibt damit in der Abstiegszone stecken. Es war, um es einmal krass zu sagen, ein Grottenkick. Das spielten Not gegen Elend, der HSV zog ein Spiel auf, als ging es noch einmal gegen die Armut in Afrika, als ginge es noch einmal gegen Zidane, Figo, Ronaldo und Co. Kein Tempo, kein Hunger, kein Biss, kein Herz, kein Wille – grausam. Der HSV hat sich zwar durch einen Kraftakt vor einigen Wochen aus der unmittelbaren Gefahr befreit, aber von einem schwungvollen, ideenreichen, engagierten Fußball ist diese Mannschaft so weit entfernt, wie der FC Bayern vom 18. Tabellenplatz. Das war bislang eine harte Saison, es wird weiter so bleiben, jeder HSV-Fan kann sich auf Abstiegskampf auch im Jahr 2012 einstellen. Der Umbruch uns seine Folgen. . .

Da spielten zwei Mannschaften von unten – und so gingen sie auch zu Werke. Augsburg brav und bieder, ich war enttäuscht davon, denn das war doch eher Zweitliga-Format. Und der HSV tat sich vor 48 143 Zuschauern oft sehr schwer, den Abwehrriegel zu knacken – teilweise war das rat-, hilf- und ideenlos, oftmals auch viel zu verspielt. Wer geglaubt hatte, dass der HSV schon über den Berg sei, dass der HSV diese harmlosen Augsburger vor sich hin spielen würde, der liegt leider total daneben. Wenn da nicht noch viel in der Winterpause passiert (auf Hamburger Seite), dann bleibt das bis zum Saisonende so. Und mit passieren meine ich nicht nur, dass da neue Leute eingekauft werden müssen (die wird es auch nicht geben – vielleicht einer), sondern auch dass Thorsten Fink diese Mannschaft wieder auf Vordermann bringt, dass er seinen Spielen den Hintern aufreißt. Laufen, kämpfen, rennen, beißen, alles geben. Nur so kommt man auch tatsächlich da unten raus.

Und mit Biss hatte der HSV einst auch unter Thorsten Fink begonnen. Da brannte ein jeder, da wollte ein jeder, da war der Biss zu spüren, sich gegen die prekäre Situation zu wehren. Seit einigen Spielen aber spielt der Fußball, da fehlt mir der Kampf, die Leidenschaft, das Herz. Was offenbar auch einige andere Hamburger so sehen, denn in Sachen Zuschauer klaffen immer größere Lücken in der Arena. Der Süd-Osten war doch sehr, sehr luftig – die schönen Zeiten, als das Stadion trotz mieser Leistungen immer rappelvoll war, die sind offenbar vorbei. Oder ist das bevorstehende Weihnachtsfest die Ursache? Ich glaube nein.

Dabei hatte der HSV genügend Möglichkeiten, dieses Spiel vorzeitig für sich zu entscheiden. Aber es wurden die besten Chancen vergeben. Weihnachtsgeschenke an die armen Augsburger verteilt. Weil die Süddeutschen so Mitleid erregend spielten?
Ivon Ilicevic hätte nach einem Super-Pass von Dennis Aogo das 1:0 schießen können, als er aus 16 Metern abzog, aber der beste Augsburger, Torwart Amsif, hielt – Ecke (7.).
In der 29. Minute kam Paolo Guerrero aus zwölf Metern frei zum Schuss – mit der Pike. Wieder gehalten. So auch in der 43. Minute. Gojko Kacar, wunderbar von Mladen Petric bedient, schoss den Ball frei vor dem Keeper genau auf den Bauchnabel von Amsif. Und als der Torwart zweimal schon chancenlos war, da retteten unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff zwei Augsburger Abwehrspieler gegen die Schüsse von Petric und Ilicevic auf der Torlinie.

„Wir hatten in dieser Halbzeit mehr Torchancen, als in der gesamten letzten Saison. Dann ist es bitter, wenn es dann noch 0:0 steht“, befand „Dittsche“, nämlich Olli Dittrich. Und so ging es weiter. 54. Minute, Eckstoß Ilicevic, Kopfball Petric – vorbei. Unfassbar. Und dann begann es zu schneien. Zeit zum Ausrutschen?

Wie sollte das gehen? Gegen eine Mannschaft, die nur einen Spieler an der Mittellinie ließ, um mit allen anderen hinten drin, im und am eigenen Strafraum zu stehen? Es geht! In der 63. Minute traf Oehrl flach aus 15 Metern – 0:1. So musste es kommen. Doch der HSV erwachte noch. Gerade noch rechtzeitig. Freistoß von halblinks von Aogo, Kopfball Guerrero aus sechs Metern – 1:1 (67.). Endlich! Und zum Glück ließ der Augsburger Baier nach einem Konter noch das sichere 1:2 „liegen“, als er nach einem katastrophalen Fehler von Ilicevic frei vor Drobny vorbei schoss (72.).

Eigentlich hätte der Ausgleich den HSV ja beflügeln müssen, aber es blieb ein Durchschnitts-Kick. Gegenüber Halbzeit eins hatte sich im zweiten Durchgang nur Gökhan Töre ein wenig verbessert, denn der Türke gab von der 46. Minuten an gelegentlich mal so richtig Gas. So, wie ihn die Hamburger schätzen und lieben.

Ansonsten aber war es erschütternd.
Jaroslav Drobny konnte am 0:1 nichts halten, er hatte aber in der 31. Minute seine große Szene, als er aus nächster Nähe gegen Baier rettete. Dennis Diekmeier spielte solide und unauffällig, war nach vorne kaum zu sehen. Heiko Westermann souverän, bis auf eine Szene. Jeffrey Bruma ließ kaum etwas anbrennen, müsste aber meiner Meinung nach entschiedener auftreten. So wie diesmal Dennis Aogo. Der Nationalspieler war von Beginn präsent, er wollte den Ball, er übernahm Verantwortung – das war gut so.

Von den beiden Sechsern war &Tomas Rincon der etwas bessere, aber auch er darf seine Stärken nicht ganz vergessen. Der Amazonas-Gattuso kann kämpfen, rennen, kloppen, Gegner bekämpfen. Nun aber versucht er sich schon zu viel als Spielmacher. Und das kann er – in meinen Augen – nicht. Gojko Kacar ist mir ein Rätsel, er könnte viel mehr, zeigt davon aber schon seit Wochen nichts. Warum? Genau das ist und bleibt mir rätselhaft.

Gökhan Töre verschlief Halbzeit eins, dann taute er wenigstens ein wenig auf. Was von Ivo Ilicevic nicht zu sagen ist. Ich habe vor Wochen gesagt, dass wir noch viel Freude an ihm haben werden, aber so nicht. Das war nicht Fleisch, nicht Fisch.

Und vorne? Mladen Petric bemühte sich, schnell zu spielen, aber zu viel blieb Stückwerk. Und er ist eben noch nicht bei 100 Prozent. Paolo Guerrero wollte, fand in meinen Augen aber kaum Unterstützung. Schade. Auch wie er zum Schluss das 2:1 auf dem Kopf hatte, aber wieder hielt Amsif glänzend (90.).

Bitter war der Auftritt von Marcus Berg (kam 71. für Petric), der sich beim Versuch eines Fallrückziehers wohl eine schwere Schulterverletzung zugezogen hat. Für Berg kam Per Ciljan Skjelbred, der aber – genau wie der zuvor gekommene Heung Min Son (75. für Kacar) – nichts mehr bewegen konnte.

Wieder einmal zwei verschenkte Punkte. Im neuen Jahr kann das alles nur viel besser werden.

PS: Leider war es wohl zu kalt, ich konte erneut nicht senden, erst im Presseraum ging es -leider.

17.47 Uhr