Tagesarchiv für den 16. Dezember 2011

Luhukay ist verärgert und will Fink Lügen strafen

16. Dezember 2011

In Hamburg fällt alles aus. Nahezu alle Hamburger Amateurspiele sind bereits abgesagt, der Rest wird wahrscheinlich morgen noch abgesagt. Nicht so das Spiel gegen Augsburg. Da wird kein Risiko gegangen. Selbst das Abschlusstraining wurde aus dem Stadion auf die Außenplätze verlegt, um den Untergrund in der Imtech-Arena zu schonen. „Trotzdem wird es tief“, weiß Mannschaftskapitän Heiko Westermann und stieß ins gleiche Horn wie sein Trainer Thorsten Fink am Donnerstag. „Es wird ein absolutes Kampfspiel. Augsburg ist nicht nach Hamburg gekommen, um hier spielerische Glanzpunkte zu setzen. Die wollen unser Spiel zerstören, gehen Mann gegen Mann. Da werden wir kein bisschen weniger als 100 Prozent Kampf aufbieten müssen, um zu gewinnen.“

Mit Westermann. Wie immer. Die letzten 50 Spiele hat der Kapitän in der Bundesliga gespielt. Auch gegen Augsburg ist Westermann von Beginn an dabei. 51 Mal in der Startelf, dabei keine Sekunde verpasst – das ist schon beeindruckend. Und selten. Was sein Erfolgsgeheimnis ist? Westermann: „Das ist eine Qualität, die ich habe. Ich habe das Glück, körperlich gute Voraussetzungen zu haben. Und ich pflege sie, arbeite ständig an mir.“ Weil er weiß, was er kann. Und was eben nicht. Westermann zählt zu den Spielern, die sicherlich fußballerisch weniger Talent mit auf den Weg bekommen haben wie andere – beispielsweise Eljero Elia und Marek Heinz um nur zwei von vielen zu nennen -, aber er bringt seine speziellen Qualitäten optimal ein.

Bei Westermann sieht man, vergleichbar mit Bernd Hollerbach, wie wichtig ein gesunder Verstand für einen Fußballer sein kann. Westermann quält sich in jedem Spiel und ist eine Zuverlässigkeit auf dem Platz. So sehr, dass er der unumstrittene Kapitän des HSV ist, der gegen Augsburg am Sonnabend (15.30 Uhr, Imtech-Arena) sein Halbserienziel erreichen kann. Und will. „Wir hatten uns gesagt, es sollten über 20 werden“, so Westermann, „und gegen Augsburg, die wahrlich keine super Mannschaft sind, aber immer kämpfen, machen wir die 21 voll. Egal wie. Das muss auch nicht schön sein. Wenn wir dann noch im Pokal weiterkommen, geht hier alles wieder seinen Weg.“ Soll heißen: dann redet hier niemand mehr von Abstiegskampf. Nein, dann können wir beruhigt in die Winterpause gehen“, so Westermann, der allerdings auch warnt: „Es ist Zeit, hart zu arbeiten. Aber es ist jetzt noch nicht die Zeit zum Träumen.“

Eine kleiner Hieb in Richtung Dennis Aogo, der gestern offen von seinen Europa-League-Träumen sprach? Westermann verneint. „Das habe ich gar nicht gelesen. Ich wollte eigentlich nur klar machen, dass wir nicht vergessen dürfen, wo wir herkommen. Immerhin saßen wir vor zwei, drei Monaten noch hier als Tabellenletzte mit der Aussicht auf – nichts! Nein, erst Augsburg schlagen, egal wie. Danach können wir weitersehen.“ Westermann in Reinkultur. Der Franke holt sich und seine Jungs wieder runter, wenn sie abzuheben drohen.

Komplimente, die man ungefiltert auch an Tomas Rincon weitergeben kann. In der „Bild“ sprach Trainer Thorsten Fink jüngst davon, dass der Venezolaner für ihn die positivste Überraschung der Hinserie sei. „Der hat ein großes Potenzial, das Herz auf dem rechten Fleck und ist ein absoluter Fighter. Mit dem kann ich mich identifizieren. Tomas ist eine Säule mit der wir für die Zukunft planen.“ Worte, die Rincon freuen. Zumal er lange auf dieses Vertrauen von einem Trainer warten musste. „Ich habe auch vorher immer mal gespielt. Aber dann meistens nicht auf meiner Position und unregelmäßig. Das ist jetzt zum Glück anders.“

Dank Thorsten Fink. Der Trainer hat eine seiner Qualitäten ausgespielt und seinen Worten auch Taten folgen lassen. Rincon gilt im Mittelfeld unter ihm sogar als gesetzt. Trotz der zahlreichen Konkurrenz. Gegen Augsburg wird der 23-Jährige voraussichtlich mit Gojko Kacar im Mittelfeld auflaufen, nachdem er in Mainz mit Robert Tesche begonnen hatte. „Das ist aber kein Problem, weil wir uns alle gut kennen, sich jeder von uns hilft. Außerdem sind Robert, Jaro und Gojko auch tolle Spieler, die es einem leicht machen.“

Nicht leicht, dafür aber wie auf ihn abgestimmt dürfte die Augsburg-Partie werden. Ein Spiel, dem der Ruf vorauseilt, es würde ein hartes, kampfbetontes Spiel auf tiefem Geläuf. Eben genau das, was dem Vorzeigekämpfer Rincon liegen dürfte. „Seine Zweikampfstärke werden wir brauchen“, sagt Westermann. Und Rincon stimmt ein: „Wir haben zuletzt zweimal nicht so gut gespielt, müssen jetzt wieder die Spannung reinbekommen. Wir dürfen nicht denken, dass wir hier mal locker 5:0 gewinnen. Sonst verlieren wir“, so Rincon.

Nicht dabei sein wird Marcell Jansen. Der Linksfuß konnte zwar heute wieder voll mittrainieren, wird aber wie angekündigt für das Pokalspiel gegen Stuttgart geschont. „Er hatte leichte Probleme mit dem Oberschenkel, deshalb lassen wir ihn raus“, sagt Fink und bestätigt: „Aber am Mittwoch gegen Stuttgart plane ich wieder mit ihm.“ Für Jansen rückt gegenüber dem Mainz-Spiel Slobodan Rajkovic wieder in den Kader. Auch ein Spieler der Sorte, der sich für keinen Zweikampf zu schade ist. Gute Aussichten, wie ich finde.

Beginnen wird der HSV voraussichtlich mit folgender Elf: Drobny – Diekmeier, Bruma, Westermann, Aogo – Töre, Kacar, Rincon, Ilicevic – Petric, Guerrero. Wobei im Abschlusstraining heute beim abschließenden Spiel auf verkürztem und völlig unter Wasser stehendem Feld bunt gemischt wurde. Da spielte Petric mit Ilicevic zusammen, während auf der anderen Seite Guerreo mit Son angriff und Per Skjelbred spielte Rechtsverteidiger. Ergo: alles eher nichts aussagend.

Aber ziemlich sicher Dinge, die wir morgen wahrscheinlich eher nicht in der Konstellation zu sehen bekommen. Was allerdings Thema sein dürfte, ist der – ich nenne es mal unaufgeregt Zwist – zwischen Jos Luhukay und Fink. Die Worte des HSV-Trainers, Augsburg käme nur, um zu zerstören, bezeichnet der Augsburg-Trainer als „Frechheit“. „Wenn die das wirklich so gesagt haben, dann haben sie uns lange nicht mehr spielen sehen“, so Luhukay sauer, bevor er auch sportliche Rache sinnt: „Ich möchte, dass er sieht, wie wir wirklich spielen, und hoffe, dass er seine Aussage danach revidiert. Wir werden versuchen, nach vorne zu spielen.“

Einmal in Form, konnte sich Luhukay einen kleinen Seitenhieb in Richtung seines Kollegen nicht verkneifen. Der Niederländer führte den jüngsten Aufschwung des HSV nicht nur auf die Person Fink zurück. „Durch den neuen Trainer ist die Mannschaft geschlossener, es ist sehr schwer, sie zu schlagen”, sagte er zwar, ergänzte aber: “Wenn man die Qualität des HSV-Kaders sieht – nicht nur der Stammelf, sondern des kompletten Kaders in der Breite -, war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Mannschaft im Mittelfeld positioniert. Das sehe ich unabhängig vom Trainerwechsel.“

Dennoch bin ich mir ziemlich sicher, dass sich beide Trainer morgen sportlich fair begegnen werden – und der HSV am Ende gewinnt, sollte die Mannschaft den Kampf annehmen.

In diesem Sinne, morgen meldet sich nach dem Spiel (Sieg) Dieter bei Euch. Ich verabschiede mich bis Montag und stelle Euch ans Ende noch ein paar Daten und Fakten zum Spiel. Bis morgen,

Scholle (18.58 Uhr)

Statistik:

Das einzige Pflichtspielduell beider Teams gab es 1986/87 in der 2. Runde des DFB- Pokals. Beim 2:1-Sieg der Hamburger musste ab der 69. Minute Feldspieler Heinz Gründel ins Tor, nachdem Uli Stein vom Platz geflogen war.

BL-Dino empfängt BL-Neuling: Der HSV steht vor seinem 1645. Spiel, der FC Augsburg vor seinem 17.

Zu Hause gab der HSV gegen Klubs aus dem Freistaat in den vergangenen Jahren stets eine gute Figur ab: Keines der letzten 11 Pflichtspiele gegen bayerische Teams ging verloren (7 Siege, 4 Remis).

Thorsten Fink ist in seinen ersten 7 BL-Spielen ungeschlagen (2 Siege, 5 Remis), der BL-Rekord liegt bei 14(Karl-Heinz Feldkamp beim FCK). Beim HSV war zuletzt Bruno Labbadia zum Start länger ungeschlagen (10 Spiele – 6 Siege, 4 Remis).

In den letzten 5 BL-Partien haben die bayerischen Schwaben immer getroffen, wenngleich sparsam: viermal gelang ein Tor, einmal 2. Dem HSV hingegen gelang zuletzt erstmals unter Fink (8 Pflichtspiele) kein Tor.

Seit Einführung der 3-Punkte-Regel 1995/96 spielte kein BL-Neuling (vor dem FCA waren es sechs) in seiner Premierensaison eine schlechtere Hinrunde als Augsburg. Doch nur SSV Ulm stieg 1999/00 gleich wieder ab.

Seit dem 6. Spieltag hat Augsburg nicht mehr in der 1. Hälfte getroffen. Keine Mannschaft traf so selten in der 1. Hälfte wie der FCA (dreimal).

Der HSV (92) und der FCA (91) ließen die meisten Schüsse auf das eigene Tor zu.